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Möglichkeiten einer finanziellen Altersvorsorge durch "Reverse Mortgage" in Deutschland

Bachelorarbeit 2015 47 Seiten

BWL - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2. Vorgehensweise

2. Ausgangssituation
2.1. Demographischer Wandel
2.2 Die private Altersvorsorge in der Bundesrepublik Deutschland
2.3 Immobilien als Altersvorsorge in Deutschland
2.4. Immobilienverzehrpläne als Alternative

3. Reverse Mortgage als spezielles Instrument der Altersvorsorge
3.1 Begriffsdefinition
3.2. Auszahlungsoptionen
3.3 Berechnungsbeispiel
3.4. Angebotsseitige Risiken der Immobilienverzehrprodukte
3.4.1 Langlebigkeitsrisiko
3.4.2 Zinsrisiko
3.4.3 Immobilienpreisrisiko
3.5 Nachfrageseitige Hemmnisse
3.5.1 SALIS
3.5.2 Inflationsrisiko
3.5.3 Zinsrisiko
3.6 Generelle Einführungshemmnisse
3.6.1 Asymmetrische Informationsverteilung
3.6.2 Weitere Hemmnisse
3.7 Strategien zur Risikoreduktion
3.7.1 Strategie gegen das Langlebigkeitsrisiko
3.7.2 Strategie gegen das Zinsänderungsrisiko
3.7.3 Strategie gegen das Immobilienpreisrisiko
3.8. Vorteile der Immobilienverzehrprodukte

4. Immobilienverzehrpläne am Beispiel der USA
4.1. Historische Entwicklung von Reverse Mortgage in den USA
4.2 Funktionsweise von Reverse Mortgage in den USA
4.3 Zielgruppe eines Reverse Mortgage in den USA

5. Angebotsmarkt in Deutschland

6. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abstract

Die vorliegende Arbeit befasst sich intensiv mit dem speziell für Senioren ausgelegten Finanzprodukt Reverse Mortgage. Dieses Produkt bietet den Immobilieneigentümern die Möglichkeit ihre Immobilie zu liquidieren, ohne dabei auf ein lebenslanges Wohn- recht zu verzichten. Zudem bleibt der Kreditnehmer Eigentümer der beliehenen Immo- bilie und ist erst am Ende der Vertragslaufzeit zu Zins- und Tilgungsleistungen ver- pflichtet. Dieses Konzept ist bereits in Ländern wie den USA oder England etabliert, in Deutschland hingegen hat es noch nicht nicht Fuß gefasst. Die vorliegende Arbeit zeigt auf, weshalb das Finanzprodukt einem großen Marktpotenzial entgegensteht und analy- siert auf der anderen Seite die Risiken eines umgekehrten Hypothekenkredits. Aus die- ser Analyse heraus soll abgeschätzt werden, ob Reverse Mortgage die Chance hat, sich auf dem deutschen Markt etabliert zu werden.

Reverse Mortgage is secured by a mortgage of real estate and dedicated to elderly ho- meowners with assets in real estate but a limited income. The reverse mortgage borro- wers do not have to sell or move out of their homes in order to get regular cash pay- ments. The repayment starts when the borrower dies or the home is sold.

This paper analyses the high market potential which Reverse Mortgage faces at present. Besides, the paper also shows the risks which borrowers and financial institutions have to deal with. Finally there should be estimated whether Reverse Mortgage has a chance on the german market.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Vergleich eines klassischen Hypothekenkredits mit einer umgekehrten Hypothek

Abbildung 2: Langlebigkeitsrisiko bei RM

Abbildung 3: Immobilienpreisrisiko bei der RM

Abbildung 4: SALIS-Konzept

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

Das deutsche Rentensystem sowie der demographische Wandel stellen heutzutage eine große Herausforderung unserer Zeit dar, da sich besonders in Europa eine geringe Ge- burtenrate und eine lange Lebenserwartung bemerkbar machen. Auch in Deutschland geht seit über zehn Jahren die Anzahl der Neugeborenen drastisch zurück. Der bereits erfolgte Geburtenrückgang von 18% seit der Wiedervereinigung, die im Jahre 1990 stattfand, wird nun um weitere 15% bis zum Jahr 2030 abnehmen. Zudem wird der Ef- fekt durch die hohe Lebenserwartung der älteren Bevölkerung verstärkt. Das Statisti- sche Bundesamt prognostiziert einen Anstieg der 65-Jährigen und Älteren um rund ein Drittel bis zum Jahre 2030.1

Dies schadet dem Rentensystem, denn die gesetzliche Rente in Deutschland basiert seit 1967 auf einem Umlageverfahren, bei dem die Erwerbstätigen, welche tendenziell zu- rückgehen, die ansteigende Zahl der Rentner finanzieren. In anderen Worten ausge- drückt bedeutet das, dass sowohl die Rentenzahlung zurückgeht oder aber auch die Ren- tenbeiträge ansteigen.2 Aufgrund dessen geht man davon aus, dass das Niveau der ge- setzlichen Nettorente vor Steuern bis 2030 um etwa 16% zurückgeht und somit die Notwendigkeit der Eigenvorsorge entsteht; denn die gesetzlichen Rentenversicherung ist nun nicht mehr in der Lage eine Alterssicherung zu gewährleisten.3

Einige Bürger weichen deshalb auf ergänzende Finanzierungen aus, um ihren Lebens- standard, den sie während ihres beruflichen Alltags hatten, beizubehalten. Dies ist je- doch nur möglich, wenn zusätzliche Rentenansprüche mit Hilfe von freiwilligen be- trieblichen aber auch privaten Altersvorsorgen erworben werden. Als Beispiel sei hier die sogenannte Riester-Rente erwähnt, durch die zusätzliche Rentenansprüche gestellt werden können.4 Aber auch gewisse Immobilienverzehrprodukte können für Immobili- eneigentümer eine geeignete Option sein, um sich im Alter finanziell abzusichern. Ein Produkt, welches im amerikanischen unter Reverse Mortgage (RM); zu deutsch: Umgekehrte Hypothek, bekannt ist, soll nun auch auf dem deutschen Markt etabliert werden. Hintergrund dieses Finanzproduktes, ist die Liquidierung von in der Immobilie gebundenen Kapital, wobei das Eigentum beim Rentner selbst bleibt und die Schuld erst nach Ableben oder beim Auszug beglichen wird.5

In den Vereinigten Staaten von Amerika werden bereits seit den 1980er Jahren vermehrt Reverse Mortgage angeboten. Dort ist das Finanzprodukt weit verbreitet und bildet so- mit einen Bestandteil der Altersvorsorge. Eine amerikanische Studie aus dem Jahre 1990 schätzt sogar, dass mehr als sechs Millionen Eigentümer in den USA ihr monatli- ches Einkommen mit Hilfe einer Umkehrhypothek um etwa 20 Prozent steigern könn- ten. Von diesen Eigentümern hatten sogar 1,3 Millionen keine Kinder an die die Immo- bilie vererbt werden konnte.6

In Deutschland hingegen kann man diese Vorteile noch nicht erkennen. Bereits vor Jahren versuchten Banken das Produkt auf dem Markt zu etablieren; dies gelang allerdings nicht und wurde deshalb wieder eingestellt. Inzwischen gibt es wieder wenige Institute, die eine Umkehrhypothek anbieten, jedoch werden diese nicht offensiv beworben und bleiben demnach für die Verbraucher weitestgehend unbekannt.7

Die zugrunde liegende Arbeit beschäftigt sich deshalb mit dem Finanzprodukt Reverse Mortgage. Da in Deutschland wenige Studien über die Nachfrage nach diesem Produkt vorliegen, ist es Ziel der Arbeit die Angebots- und Nachfrageseite von Immobilienverzehrprodukten für den Markt in Deutschland zu untersuchen und herauszufinden, warum eine so geringe Nachfrage besteht. Akzeptanzhemmnisse werden aufgedeckt und das Marktpotenzial wird noch einmal neu beleuchtet.

1.2. Vorgehensweise

Grundlage dieser Arbeit ist der aktuelle demographische Wandel in der Bundesrepublik Deutschland sowie deren Auswirkungen auf das deutsche Rentensystem. Ziel ist es auf- zuzeigen, warum es sich für Institute lohnt das Finanzprodukt Reverse Mortgage auf den Markt zu bringen. Zudem sollen die Gründe analysiert werden, warum die Produkt- einführung gehemmt ist.

Nach der Einführung in das Thema, wird die Ausgangssituation in Deutschland für eine Umkehrhypothek beschrieben. Hier wird einerseits die aktuelle Situation der Altersvor- sorge in Deutschland erläutert sowie im Rahmen der privaten Altersvorsorge die Rolle des Immobilienvermögens geklärt. Im Anschluss daran befasst sich die Bachelor Thesis mit der Begrifflichkeit der Immobilienverzehrpläne. Nachfolgend widmet sich die vor- liegende Arbeit mit dem Hauptteil, also dem Finanzprodukt Reverse Mortgage. Zu- nächst wird die Begrifflichkeit der Umkehrhypothek definiert und genauer auf die Aus- zahlungsoptionen eingegangen. Anschließend wird ein kurzes Berechnungsbeispiel ein- gebracht um schließlich auf die Risiken der Immobilienverzehrprodukte einzugehen. Um einen guten Überblick zu erhalten, wurde hierbei in die angebotsseitigen Risiken sowie den nachfrageseitigen Hemmnissen unterteilt. Danach werden Strategien erläu- tert, die die genannten Risiken teilweise hemmen können. Das Kapitel schließt mit den Vorteilen der Immobilienverzehrprodukte. Der vierte Teil der Arbeit widmet sich der Umkehrhypothek in den Vereinigten Staaten von Amerika. Hierbei wird auf die histori- sche Entwicklung von Reverse Mortgage in den USA eingegangen und erläutert wie dort das Finanzprodukt betrieben wird. Zuletzt wird die potentielle Kundengruppe dar- gestellt. Die Analyse der Umkehrhypothek in den Vereinigten Staaten von Amerika soll die Hinleitung auf den Angebotsmarkt in Deutschland sein. In diesem Kapitel wird ver- sucht die Marktentwicklung in Deutschland sowie die künftige Nachfrage abzuleiten. Die Arbeit wird mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und einem Ausblick abge- schlossen.

2. Ausgangssituation

Die Bundesrepublik Deutschland hat mit starken gesellschaftlichen Veränderungen zu kämpfen. Diese Veränderungen umfassen unter anderem die erhöhte Lebenserwartung sowie die sinkende Geburtenrate. Dies hat eine steigende Anzahl älterer Menschen sowie eine Verringerung der Anzahl jüngerer Menschen zur Folge.8 Welche Auswirkungen dies auf das deutsche Rentensystem hat, wird nachfolgend erläutert.

2.1. Demographischer Wandel

Seit den Fünzigerjahren ging die Neugeborenenrate pro Frau weltweit von 5,0 auf 2,7 zurück; auch in Deutschland ist eine drastische Senkung der Neugeborenen zu bemerken. Waren es in den 1960er Jahren noch 2,5 Kinder pro Frau, so pendelt sich jetzt ein Geburtenniveau von 1,4 Kindern pro Frau ein.9 Erwartet wird in Deutschland daher eine Bevölkerungsschrumpfung auf circa 68,7 Millionen Einwohner bis zum Jahre 2050, was einem Rückgang von 14-17% entspricht. 10

Ein weiteres Problem, mit dem sich die Bundesrepublik Deutschland beschäftigen muss, ist der seit über 130 Jahren zu verzeichnende Anstieg der Lebenserwartung, der aufgrund des medizinischen Fortschritts sowie des hohen Hygienestandards ausgelöst wird. Erwartete man in den 1870er Jahren von einem Mann eine durchschnittliche Lebenserwartung von 71,2 Jahren sowie von einer Frau eine Lebenserwartung von 71,7 Jahren so darf jetzt ein Lebensalter bei einem Mann von 80 Jahren sowie einer Frau von sogar 84 Jahren angenommen werden, so das statistische Bundesamt.11 Es wird mit einem weiteren Anstieg der Bevölkerungsalterung gerechnet.12

Dieser Entwicklungsprozess ist problematisch für Deutschland, da das Rentensystem (noch) nicht an die höhere Lebenserwartung angepasst ist. Der Rentenbezug wird durch die ältere Bevölkerung länger gefordert; zudem löst eine steigende Lebenserwartung eine vermehrte Anzahl von Personen aus, die Anspruch auf Rente haben. Für das Jahr 2030 wird angenommen, dass 28% der Gesamtbevölkerung Deutschlands über 65 Jahre alt sein werden. Diese Ausgangslage bedarf eines hohen Erwerbstätigenquotient, der jedoch durch die geringe Fertilitätsrate nicht eingehalten werden kann.13 Um das klassi- sche Rentensystem in Deutschland beibehalten zu können, bedarf es einer Migration von Ausländern nach Deutschland um die Bevölkerungsanzahl zu stabilisieren; dieses Szenario wird jedoch in den optimistischsten Bevölkerungsprognosen nicht erwartet.14 Weitere Versuche um dem negativen Trend entgegenzuwirken, ist eine Erhöhung des Renteneintrittsalters sowie Zusatzrenten, wie die staatlich angebotene Riester-Rente.15 !

2.2 Die private Altersvorsorge in der Bundesrepublik Deutschland

Unter dem Begriff der Altersvorsorge werden alle Maßnahmen definiert, die „vor und während des Erwerbslebens zur späteren Erhaltung des Lebensstandards getroffen wer- den“.16 Ziel ist es, sich durch Einzahlungen in die Rentenvorsorge auch nach dem Er- werbsleben eine monatliche Auszahlung zu sichern, um den bisherigen Lebensstandard beibehalten zu können.17 Grundsätzlich kann mit Hilfe des deutschen Rentensystems, welches auf drei Säulen aufgebaut ist, für die Rentnerphase Geld angespart werden. Die erste Säule ist durch die gesetzliche Rentenversicherung festgelegt. Die zweite Säule befasst sich mit der gedeckten betrieblichen Altersversicherung. Erweitert wird das Ren- tensystem durch die dritte Säule, die sich durch die private Altersvorsorge auszeichnet.18 !

Die gesetzliche Rentenversicherung basiert auf dem sogenannten Generationenvertrag, mit dem Ziel das Einkommen im Ruhestand zu sichern. Unter diesem Vertrag ist zu ver- stehen, dass die jüngere Generation die Aufwendungen für die ältere Generation durch Beiträge zur Sozialversicherung oder Steuern trägt. Problematik ergibt sich hierbei durch den demographischen Wandel aber auch durch die Entwicklungen auf dem Ar- beitsmarkt.19 Der prozentuale Anstieg der Rentner sowie die geringe Geburtenzahl for- dern einen Systemwechsel. Experten sind sich bis heute nicht einig, ob ein radikaler Systemwechsel bis „hin zu einer steuerfinanzierten Grundrente mit zusätzlicher kapital- gedeckter Privat- bzw. Betriebsrente“20 eine verbesserte Alterssicherung darstellt. Da der deutsche Staat nicht mehr allein den Lebensstandard seiner Bürger sichern kann, plädieren Politiker auf die Eigeninitiative von Bürgern.21 Diese sollen von nun an zu- sätzliche Vorkehrungen treffen und sich auf privater Basis finanziell absichern, denn auch die betriebliche Altersvorsorge sichert lediglich 5 % des Alterseinkommens, also ein geringer Beitrag zur Ruhestandsfinanzierung.22

Die private Altersvorsorge wird durch Ersparnisse der Bürger generiert, wobei das Ver- mögen durch „staatliche Eingriffe, steuerliche Subventionierung und andere Förderun- gen“ unterstützt wird.23 Eine staatlich geförderte Altersvorsorge, die mit der Rentenre- form im Jahr 2001 insbesondere durch Verabschiedung des Altersvermögensgesetz ein- geführt wurde, nennt sich Riester-Rente. Diese Altersvorsorge fördert insbesondere Banksparpläne sowie private Rentenversicherungen. Als Besonderheit dieser Rente zeichnet sich die Förderung von Wohneigentum aus. Gegenüber den üblichen Renten- versicherungen punktet die Riester-Rente mit flexiblen Rahmenbedingungen bezüglich Beitragszahlung sowie dem Schutz vor Verzehr bei eventueller Arbeitslosigkeit. Zudem besteht für die Bürger der Bundesrepublik die Möglichkeit in Aktien und Rentenpapiere zu investieren, um den Lebensstandard anzuheben. 24 25

Im Folgenden wird genauer auf die Altersvorsorge durch Wohnungseigentum eingegan- gen.

2.3 Immobilien als Altersvorsorge in Deutschland

Als Ergänzung zur gesetzlichen Rente, besteht die Möglichkeit die Immobilie zu liqui- dieren. Grund für die Überlegung ist, dass die privaten Rücklagen für die Rentner im- mer wichtiger werden, da die gesetzliche Rente nicht mehr dem Lebensstandard genüge wird. Zudem muss die Rente aufgrund der hohen Lebenserwartung auch für einen län- geren Zeitraum verfügbar sein, womit die Immobilie aufgrund ihres hohen Vermögens- werts ein ideales Produkt darstellt. In Deutschland stellt das Immobilienvermögen „ei- nen Anteil von 49 Prozent bezogen auf das Gesamtvermögen“ dar.26 Zudem verfügen von knapp 40 Millionen deutschen Haushalten etwa die Hälfte über Haus- und Grund- besitz.27

Bei Erwerb einer Immobilie steht vor allem das Vererbungsmotiv sowie die Altersvor- sorge im Vordergrund. Der Kauf einer Immobilie impliziert eine erhöhte Lebensqualität, da man mit einem Immobilienkauf im Vergleich zu den durchschnittlichen Mietausga- ben, eine erhöhte Rentabilität erzielen kann. Das Alles ist der Grund, warum die Woh- nungseigentümer oftmals ihre Immobilie selbst bewohnen möchten. Der Nutzungsquo- tient entspricht hier 43%, wobei deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Bun- desländern erkennbar sind. In Berlin beispielsweise liegt die Quote bei 14,1%, in Saar- land ist die Quote knapp vier mal so hoch. Deutschlandweit ist lediglich jeder fünfte Wohneigentümer, der seine Immobilie selbst nutzt, bereit seine Wohnsituation zu verän- dern.28

Dennoch ist für manche Senioren eine Liquidierung der Immobilie notwendig, um die Ruhestandsphase ohne große Kompromisse meistern zu können. Die Möglichkeiten, wie man im Ruhestand einen finanziellen Vorteil erhalten kann, werden nachfolgend erläutert.

Zum Einen, kann die Immobilie bis zum Lebensende selbst genutzt werden, woraufhin diese dann weitervererbt werden kann. Als weitere Möglichkeit besteht die Vermietung des Eigentums. Auch die bekannte Riester-Rente, die seit dem Jahr 2008 durch das Eigenheimrentengesetz deutlich erweitert wurde, bietet nun nicht nur eine Rentenversicherung an, sondern fördert auch Annuitätendarlehen sowie Bausparverträge.29 Zudem kann eine Finanzierung auch durch die sogenannte Immobilienverzehrprodukte geleistet werden. Zu diesen Produkten zählen sowohl die Umkehrhypothek (Reverse Mortgage) als auch die Leib- und Zeitrente (Home Reversion).30

Insbesondere für ältere Menschen stellen diese Produkte eine Möglichkeit dar sich Li- quidität heranzuschaffen; denn viele Banken verweigern eine Darlehensanfrage von über 65-Jährigen oder schlagen erhebliche Zinsen auf die geforderte Summe vom poten- tiellen Kreditnehmer. Grund dafür ist, dass viele Zinszahlungen beziehungsweise Kredi- te aufgrund eines Todesfalles oftmals nicht mehr von den Banken zurückgefordert wer- den können.31

Als letzte Möglichkeit die Immobilie zu liquidieren, bedarf es der Veräußerung einer Immobilie. Für viele Pensionäre kommt jedoch eine reine Veräußerung verbunden mit einem Umzug nicht in Frage und entscheiden sich daher für die Immobilienverzehrpro- dukte. 32

Umfragen, wie die des Instituts für Demoskopie Allensbach zeigen, dass das Interesse am Immobilienvermögen als Alterssicherung recht beliebt ist. Rund 60% der Befragten sind zufrieden mit dieser Art von Rente.33

2.4. Immobilienverzehrpläne als Alternative

Immobilienverzehrpläne, im Englischen auch als Home Reversion bezeichnet, werden dem Anspruch einer Altersvorsorge gerecht, da sie dem Eigentümer einerseits die Möglichkeit geben die Immobilie in Liquidität zu verwandeln und andererseits dieses Eigentum weiterhin selbst bewohnen dürfen.34

Die Verzehrpläne teilen sich in die Begriffe Leib- und Zeitrente auf, wobei sich beide Varianten lediglich hinsichtlich ihrer Laufzeiten unterscheiden. Bei einer Zeitrente wird der Zeitraum der wiederkehrenden Zahlungen von Anfang an festgelegt auch wenn der Zahlungsempfänger bereits verstorben ist. In diesem Fall wird die Zahlung bis zum ver- einbarten Ende an die Erben fortgeführt. Die Leibrente hingegen wird bei Versterben des Rentenempfängers gestoppt, wobei auch hier verschiedene Sonderkonditionen zum Schutz des Investors beziehungsweise des Rentners vereinbart werden können.35

Gemeinsamer Nenner ist, dass die Immobilie verkauft wird und durch gleichmäßige Zahlungen an den Verkäufer bezahlt wird. Dadurch verliert der Rentner zwar sein Ei- gentum, kann jedoch ein Wohnrecht einfordern, sofern dies mit dem Investor abge- stimmt wird. Gesetzlich festgelegt ist die Immobilienverrentung „im Bürgerlichen Ge- setzbuch in den Paragrafen §330, §759 bis §761 und §1073 BGB.“ 36

Nachteil dieser Varianten der Immobilienverzehrpläne bestehen darin, dass der Eigen- tümer bei Abschluss eines solchen Vertrages sein Eigentumsrecht verliert und somit auch keine Vererbung mehr stattfinden kann.37 Ein weiteres Produkt, welches zu den Verzehrplänen zählt und die Problematik des verlorenen Eigentumsrecht umgeht, heißt umgekehrte Hypothek. Dieses Produkt soll als Schwerpunkt dieser Arbeit nachfolgend genauer betrachtet werden.

3. Reverse Mortgage als spezielles Instrument der Altersvor- sorge

3.1 Begriffsdefinition

Das US-amerikanisch erprobte Produkt Reverse Mortgage, wird in Deutschland auch unter dem Begriff umgekehrter Hypothekenkredit verwendet. Bisher war es Eigentü- mern bei Liquiditätsbedarf nur möglich die Immobilie zu verkaufen und mit diesem Geld entweder eine kleinere Immobilie zu erwerben oder auf eine Mietwohnung umzu- steigen. Insbesondere ältere Bürger können dadurch physische aber psychische Probleme erlangen. Eine erwähnenswerte Alternative bieten nun Finanzprodukte namens Re verse Mortgage, bei denen ein Kreditverhältnis zwischen dem Immobilieneigentümer sowie einem Kreditinstitut aufgebaut wird. 38

Die Funktionsweise dieses Produktes besteht darin, regelmäßig Kapital zu entnehmen, also stetig das Darlehen aufzubauen, ohne dass dadurch eine Rückzahlungspflicht entsteht. Dies wird durch die angeführte Abbildung deutlich. 39

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Abbildung 1: Vergleich eines klassischen Hypothekenkredits mit einer umgekehrten Hypothek

(Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Vetter[2007], S.87)

Dieses Szenario entsteht dadurch, dass das Eigenkapital, welches an der Immobilie ge- bunden ist, über den vertraglich vereinbarten Zeitverlauf abnimmt. Das Fremdkapital hingegen steigt stetig an, da der Eigentümer, im Gegensatz zu einem normalen Hypo- thekenkredit, erst am Ende der Vertragslaufzeit zu einer Zins- und Tilgungsleistung ver- pflichtet ist.40

Dieses Modell erlaubt den Kreditnehmern ein Wohnrecht bis zum Lebensende, wobei der Rentner gleichzeitig das Eigentum an der Immobilie behält. Durch diesen entschei- denden Vorteil für den Kunden ergibt sich jedoch auch die Verantwortung für die Instandhaltung der Immobilie sowie die Zahlung von Steuern und der Versicherung. Zudem entsteht durch das lange Wohnrecht die Gefahr einer Überschuldung, da sich die Zins-und Kapitalzahlungen anhäufen.41

Der Kreditnehmer hat neben dem vereinbarten Einkommen auch das Recht die Immobi- lie zu verkaufen. Diese Verkaufsoption wird auch unter dem Begriff put-Option ver- wendet. Diese ermöglicht dem Pensionär die Schulden mit dem Verkaufspreis der Im- mobilie zu tilgen.42

Eine weitere Besonderheit der Hypothek ist die sogenannte Non-Recourse-Klausel. Die- se besagt, dass ausschließlich die Wohnimmobilie als Sicherheit dient, auch wenn auf- grund einer Langlebigkeit des Eigentümers der Verkaufserlös der Immobilie dadurch überstiegen wird.43 Entscheidend für den Kreditgeber ist daher nicht die Kreditfähigkeit des Kreditnehmers sondern lediglich das Alter des Rentners beziehungsweise dessen Lebenserwartung sowie die Immobilie selbst. Des Weiteren wird genau betrachtet, in welchem baulichen Zustand sich das Gebäude befindet und welche Wertentwicklung die Immobilie zu erwarten hat. Ebenso wichtig für die Kreditinstitute ist, dass im Grund- buch keine Hypotheken- oder Grundschuldpflichten vermerkt sind.44

Je nach Vereinbarung endet der Vertrag dann entweder nach einer vereinbarten Zeit, dem Versterben des Kreditnehmers oder bei Erreichen eines vereinbarten Kreditbetrags.45

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die Zielgruppe dieses Produktes sich aus- schließlich auf Personen im höheren Alter mit Immobilieneigentum fokussiert. Insbe- sondere für Senioren ohne Erben oder für Konsumenten, die den Immobilienwert liqui- dieren möchten um sich selbst noch einmal zu verwirklichen.

[...]


1 Vgl. Statistisches Bundesamt[2011], S. 6 ff.

2 Vgl. Schröder[2006], S.43

3 Vgl. Börsch-Supan[2013], S.6

4 Vgl. IAQ [2013], S.2

5 Vgl. Lang[2008],S.15

6 Vgl. Merrill [1994], S. 257

7 Vgl. Dietrich [2013], S.2

8 Vgl. Maier[2011], S. 7

9 Vgl. Statistische Bundesamt[2012], S.15

10 Vgl. Maier [2011], S.9 f.

11 Vgl. Maier [2011], S. 12

12 Vgl. Dietrich[2013], S. 5

13 Vgl. Maier[2011], S. 13

14 Vgl. Dietrich[2013], S.5

15 Vgl. Dietrich[2013], S. 6

16 Stork[2007], S.7

17 Vgl. Maier [2011], S.14

18 Vgl. Stork [2007] S.7

19 Vgl. Schmalen[2000], S. 5

20 Wimbauer[2007], S.7

21 Vgl. Maier[2007], S.17

22 Wimbauer[2007], S.7

23 Maier[2011], S.17

24 Vgl. Leis[2008], S.36 ff.

25 Vgl. Maier [2011], S.17

26 Dietrich[2013], S.7

27 Vgl. Dietrich [2013], S.7

28 Vgl. Dietrich [2013], S.8f.

29 Vgl. BMWBS[2013], S.1

30 Vgl. Maier[2011], S.19

31 Vgl. Maier[2011], S.19

32 Vgl. iff[2008], o.S.

33 Vgl. BMWBS[2013], S. 3

34 Vgl. Stork [2007], S. 76

35 Vgl. Maier[2011], S.22 ff.

36 Maier[2011], S.22

37 Vgl. Maier [2011], S. 25

38 Vgl. Lang[2008], S. 55

39 Vgl. Leis [2008], S.64

40 Vgl. Wicke [2008], S.4

41 Vgl. Stork[2007], S. 77

42 Vgl. Leis[2008], S.67

43 Vgl. Maier[2011], S. 26

44 Vgl. Dietrich [2013], S. 12

45 Vgl. Dietrich [2013], S. 14

Details

Seiten
47
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656930709
ISBN (Buch)
9783656930716
Dateigröße
727 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v295207
Note
1,7
Schlagworte
möglichkeiten altersvorsorge reverse mortgage deutschland

Autor

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