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Modejournalismus in der Zeit des Web 2.0

Akademische Arbeit 2012 35 Seiten

Medien / Kommunikation - Medienökonomie, -management

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Teil
2.1 Definition des Journalismus
2.2. Journalismus im Wandel
2.3 Informationsbeschaffung im Zeitalter des Web

3. Der Modejournalismus
3.1Verortung in den Fachjournalismus
3.2 Definition der Mode
3.3 Definition des Modejournalismus

4. Fazit und Ausblick

5. Literaturverzeichnis und weiterführende Literatur

1. Einleitung

In dieser Arbeit geht es um den Wandel in der Modeberichterstattung und die Entwicklung im Journalismus allgemein, die durch das Aufkommen des Web2.0 hervorgerufen wurde. Diese Thematik stellt den Forschungsgegenstand dieser wissenschaftlichen Arbeit dar und wird im Folgenden näher erläutert.

Journalistische Angebote existieren bereits seit Mitte der 90er Jahre im Netz und entwickelten sich fortan zu einer neuen Ausprägung des Journalismus. (vgl. Neuberger, Quandt 2010, 60) Das Web2.0, das so genannte Mitmachnetz, von dem offiziell seit dem Jahr 2004 die Rede ist, (vgl.O'Reilly 2005, 1) stellt den Journalismus jedoch vor einen Wandel. Die neuen partizipierenden Möglichkeiten stellen für Journalisten eine Herausforderung dar und bedeuten einen Wandel für den Journalismus allgemein. Durch die horizontale Diversifikation entwickelte sich das Berufsbild des Online Journalisten, der in Hinblick auf die neuen Anforderungen im Internet spezialisiert ist.

„Die Digitalisierung und der Ausbau des schnellen Datentransfers bewegen viel im Journalismus: neue Gestaltungsmöglichkeiten der recherchierten Inhalte, neue Erzähl- und Darstellungsformen, neue Wege der Kommunikation mit den Lesern, weltweite Abrufbarkeit der Angebote, immer neue technische Übertragungs-, Kommunikations- und Produktionswege.“, erklärt Matzen (2010, 7) in ihrem Ratgeber für Onlinejournalisten und ist sich sicher, „Fast alle Journalisten werden im Internetzeitalter ihre Arbeitsweise ändern müssen. Nur wenige in diesem Beruf werden in Zukunft nur noch für Zeitungen, Magazine, Fernsehen oder Radio arbeiten.“.

Ein bedeutsamer Grund für diese Entwicklung sind die Eigenschaften des Web2.0. Über verschiedene Plattformen können Internetnutzer Inhalte selbst produzieren, publizieren und kommentieren. Dabei können sie sich durch Verlinkungen vernetzen und ihre Inhalte somit an eine breite Öffentlichkeit weltweit richten.

Was Modemagazine von dieser Entwicklung halten wird in einem Artikel der Zeit mit der Überschrift „Vogue war gestern“ laut. Anna Wintour setzte das Wort Blog, laut der Zeit, auf den Index ihrer Redaktion. (vgl. Kolbe 2008, 1f.) Doch nicht alle Modemagazine verwehren sich der neuen Entwicklung. Die deutsche Ausgabe der Vogue integrierte einen eigenen Blog in ihre Onlinepräsenz (vogue.de/mode/stilblog) und die renommierte Modejournalistin der New York Times, Cathy Horyn, publizierte kurzerhand ihren eigenen Modeblog „On the Runway“ (vgl. Kolbe 2008, 1f.). In der TextilWirtschaft Ausgabe Nr. 18_6.Mai 2010 (vgl. Nguyen 2010, 38), der Fachzeitschrift für die Modeindustrie, heißt es, „Fashion-Blogs haben sich längst etabliert. Was sie über Mode und Trends schreiben, lesen Millionen weltweit.“. Das Resultat ist die Attraktivität der Modeblogger, die sie für Modeunternehmen darstellen. Als Werbebotschafter werden sie mit Produkten ausgestattet, zu Veranstaltungen eingeladen und für Werbebanner oder Produktreviews bezahlt. Eine weitere Art der Unternehmen, mit dem Phänomen Modeblog umzugehen, ist einen eigenen Blog zu publizieren. Einer der Vorreiter auf diesem Gebiet ist das Hamburger Versandhaus Otto, das seit dem Jahr 2008 zwei Bloggerinnen für den hauseigenen Modeblog „Two for Fashion“ (twoforfashion.otto.de) beschäftigt. (vgl. Nguyen 2010, 38) Das Interesse von Unternehmen an Modeblogs wächst stetig. So ließ das spanische Modeunternehmen Bershka kürzlich fünf internationale Modeblogger ein T-Shirt designen und verkaufte die Blogger Collection“ regulär in den Geschäften (vgl. http://beesandballons.blogspot.com/2011/08/bershka-in-deutschland-bloggers.html, Abrufdatum: 06.01.2012, 16:37 Uhr). Die schwedische Modebloggerin Elin Kling designte eine eigene Kollektion für die Modekette H&M (vgl. http://www.glamour.de/mode/mode- news/h-m-elin-kling-fuer-h-m, Abrufdatum 06.01.2012, 16:45 Uhr) und gründete im vergangenen Jahr ihr eigenes Modelabel namens „Nowhere“ (shop-nowhere.com). Eine der jüngsten und außerdem bekanntesten Bloggerinnen Tavi Gevinson begann ihren Blog Stylerookie (thestylerookie.com) im Alter von elf Jahren und ist seither regelmäßiger Gast auf internationalen Fashionshows, gilt als Inspiration für namhafte Designer und modelte für eine Ausgabe der französischen Vogue. (vgl. http://www.npr.org/2011/10/01/140963969/style-rookie-tavi-gevinson-plays-not-my-job, Abrufdatum 06.01.2012, 16:59 Uhr).

Zunächst soll festgestellt werden, was Journalismus eigentlich ist. Dafür wird eine kurze Einführung in die Wissenschaft der Journalistik gegeben. Anschließend wird aufgezeigt, wie das Berufsbild des Journalisten definiert ist, um daraufhin zu analysieren, in welcher Form der Journalismus mit dem Aufkommen der neuen technischen Möglichkeiten durch das Web2.0 umgeht. Resultierend aus den Forschungsergebnissen soll ein Vergleich zwischen dem herkömmlichen Journalismus und dem Modejournalismus gezogen werden. Anschließend wird die Geschichte des Modejournalismus näher betrachtet und erläutert, um weitere Schlüsse über den Forschungsstand der Modeberichterstattung zu ziehen.

2. Theoretischer Teil

Im weiteren Verlauf der wissenschaftlichen Arbeit, beginnt zunächst die Darstellung des Forschungsstandes zu der Thematik des Modejournalismus. Um die Modeberichterstattung näher zu definieren, wird sich zunächst über eine Definition des herkömmlichen Journalismus herangetastet. Die Erläuterung des Forschungsstandes zum Journalismus allgemein, soll mögliche Rückschlüsse auf den Modejournalismus aufzeigen und der weiteren Auseinandersetzung mit dem Thema dienen. Der vollständige Forschungstand zum Modejournalismus, fungiert als Grundlage, für die Anwendung der empirischen Untersuchung.

2.1 Definition des Journalismus

Über die Definition was Journalismus eigentlich ist, sind sich Wissenschaftler uneinig (vgl. Rühl 2011, 11), denn Journalismus kann wissenschaftlich aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden (vgl. Weßler 2002, 26). Dem Journalismus werden mitunter verschiedene Bedeutungen auferlegt. Es kann ein Oberbegriff für journalistische Organisationen wie Zeitungen, Hörfunk, Fernsehen und andere Medien sein (vgl. Rühl 2011, 15). Mit Journalismus kann weiterhin die Tätigkeit gemeint sein, die der Journalist ausübt, indem er einen journalistischen Beitrag verfasst. Journalismus kann demnach eine Bezeichnung für einen Berufsstand sein (vgl. Weßler 2002, 26 f.). Darüber hinaus kann der Journalismus übergeordnet als diejenige Aktivität beschrieben werden, die der Aufgabe obliegt, Informationen zu sammeln und an eine Zielgruppe zu kommunizieren. (vgl. Rühl 2011, 15) Jegliche Bedeutungsansätze des Journalismus hängen unmittelbar mit Kommunikation, Gesellschaft und der Verbreitung von Nachrichten und Neuigkeiten zusammen.

Journalismus trägt dazu bei, eine Öffentlichkeit herzustellen, indem Informationen einem Massenpublikum über Massenmedien kommuniziert werden (vgl. Meier 2007, 13).

Öffentlichkeit ist ein Gefüge aus mehreren Teilhabern, welche erst aus der Beteiligung aller Teilhaber entsteht. Dabei kann das Gefüge in drei Teilhaber unterteilt werden. Eine Rolle übernehmen gesellschaftliche Akteure, wie zum Beispiel politische Parteien und Unternehmen. Sie liefern Informationen und stehen in einer Abhängigkeit zur Gesellschaft. Die zweite Rolle übernehmen Journalisten, sie übertragen Informationen und stehen in Verbindung mit der dritten Rolle, dem Publikum. Das Publikum bilden diejenigen, die Medien konsumieren. (vgl. Weßler 2002, 32 f.) Alle drei Rollen stehen zueinander in einer Wechselbeziehung und bilden gemeinsam die Öffentlichkeit. In bestimmten gesellschaftlichen Bereichen ist die Bildung einer Öffentlichkeit unabdingbar. Politik und Wirtschaft bilden hierbei zwei wichtige Beispiele, da sie nur durch die Herstellung von Öffentlichkeit und den Gedankenaustausch mit der Gesellschaft funktionieren können (vgl. Meier 2007, 32). Der Journalismus nimmt somit eine wichtige Rolle in der Gesellschaft ein. In einem demokratischen Staat wie der Bundesrepublik Deutschland fungiert er als Transparenzträger, für die öffentliche Meinungs- und Willensbildung. (vgl. Meier 2007, 82) Die Aufgabe des Journalismus im System der Gesellschaft ist es, die selbige zu beobachten, die Beobachtung zu filtern und das Beobachtete einem Massenpublikum über ein beliebiges Massenmedium zugänglich zu machen. (vgl. Meier 2007, 13) Journalistische Beobachtungen konstruieren somit eine Wirklichkeit für die Öffentlichkeit, in der sich die Gesellschaft auf die von den Medien vermittelten Inhalte verlässt. (vgl. Meier 2007, 14) Deshalb obliegt dem Journalismus eine demokratische und gesellschaftliche Verantwortung, die er durch die wichtigsten Kernaufgaben zu erfüllen hat: Informieren, Kritisieren, Kontrollieren und dabei meinungsbildend und redaktionell unabhängig sein (vgl. Meier 2007, 15).

Verschiedene wissenschaftliche Ansätze versuchen den Journalismus als Wissenschaft, die sogenannte Journalistik zu erklären. Die Journalistik ist heute Teil der Kommunikationswissenschaft und beschäftigt sich wissenschaftlich und analytisch mit dem Arbeitsfeld des Journalismus (vgl. Meier 2007, 17). Die Kommunikationswissenschaft beschreibt den Journalismus als Kommunikationsprozess, in dem eine Nachricht von einem Kommunikator, über ein Medium zu einem Publikum gelangt. (vgl. Mast 2008, 54) Es gibt verschiedene Erklärungs- und Analyseansätze des Kommunikationsprozesses. Eine vielseitige Auseinandersetzung bietet die so genannte Lasswell Formel, die oftmals in Verbindung mit Kommunikationsprozessen angeführt wird. (vgl. Mast 2008, 54) Der Kommunikationsforscher und Politikwissenschaftler Harold Dwight Lasswell konstruierte 1948 die Formel „Who Says What In Which Channel To Whom With What Effect“, um sein Modell der Massenkommunikation zu beschreiben (vgl. Meier 2007, 18). Lasswell gliedert die Kommunikation in der Gesellschaft in fünf Kernaussagen: Wer sagt was, zu wem, über welches Medium, mit welchem Effekt (vgl. Meier 2007, 19). Es ergeben sich demnach fünf Teilhaber, die für einen Kommunikationsprozess erforderlich sind. Zunächst bedarf es jemandem, der anderen etwas mitteilt. Weiterhin gibt es die Nachricht, die von jemandem übermittelt wird. Erforderlich ist dann das Medium, über welches eine Nachricht kommuniziert wird, sozusagen der Überträger. Notwendig ist außerdem ein Publikum, oder beziehungsweise eine Öffentlichkeit, für die die Nachricht bestimmt wird. Resultierend aus der Übertragung der Nachricht entsteht eine Reaktion auf den Prozess (vgl. Mast 2008, 54). Alle Paradigmen in diesem Prozess sind in ihrer Art austauschbar, nur der Prozess selbst hat eine festgelegte Reihenfolge.

Geht man vom Journalismus als Kommunikationsprozess aus, so ergeben sich folgende Gegebenheiten: der Nachrichtenübermittler kann ebenso ein Zeitungsjournalist wie auch ein Radiomoderator sein, er unterscheidet sich grundsätzlich durch das ihm zugeordnete Medium. Einzig seine Aufgabe ist einheitlich, denn ihm obliegt die Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, eine Nachricht zu übermitteln. In aller Regel ist der Übermittler der Nachricht der Journalist. Die zu vermittelnde Nachricht ist beliebig und kann aus verschiedenen Themengebieten stammen. Dabei muss eine Nachricht drei Tatbestände erfüllen, sie muss aktuell und neu, faktisch und real, sprich auf Fakten, sowie der Wirklichkeit beruhend und relevant sein (vgl. Meier 2007, 13). Aktualität ist subjektiv und ein dehnbarer Begriff, deshalb ist zu verallgemeinern, dass eine Nachricht aktuell ist, wenn sie für die Gesellschaft oder eine bestimmte Zielgruppe in dem veröffentlichten Moment relevant ist (vgl. Meier 2007, 30). Weitere Kriterien für eine Nachricht können unter anderem die Bedeutsamkeit, die Eindeutigkeit, die Überraschung oder die Konsonanz und die Erwartung des Publikums sein (vgl. Mast 2008, 59). Das übermittelnde Medium ist variabel und im Falle des Journalismus handelt es sich um Massenmedien, die eine Nachricht an eine breite Öffentlichkeit publizieren. Die allgemeine Öffentlichkeit bildet den Empfänger der Nachricht. Verschiedene Themengebiete erreichen verschiedene Zielgruppen. Die Selektion vollzieht sich meist von selbst durch Art und Sprache des Mediums. Grundsätzlich ist jedoch davon auszugehen, dass eine Nachricht sich über ein Massenmedium an ein Massenpublikum, an die gesamte Gesellschaft richtet und für jedermann zugänglich ist. (vgl. Mast 2008, 54) Die Reaktion der Öffentlichkeit auf eine Nachricht kann unterschiedlich sein. In erster Linie jedoch dient die Verbreitung von Nachrichten zur Meinungsbildung der Gesellschaft. In welche Richtung und zu welchen weiterführenden Aktivitäten die Meinungsbildung führt, ist unterschiedlich und nicht vorhersehbar.

Sucht man nach einem geschichtlichen Beginn des Journalismus im Sinne eines Kommunikationsprozesses, so findet man den Ursprung im 16. Jahrhundert. Sänger, Dichter und Boten übermittelten im Mittelalter Wissen und Neuigkeiten mündlich an ein Publikum und dienten somit als Kommunikator. Im weitesten Sinne kann man dies als die ersten auftretenden Medien des Journalismus bezeichnen. (vgl. Meier 2007, 73) Der übermittelnde Akteur, also der Kommunikator im Kommunikationsprozess des Journalismus, ist in der Gegenwart der Journalist. Das Berufsbild des Journalisten findet seinen Ursprung im 19. Jahrhundert. So genannte Schreiber fungierten seinerzeit bei den ersten Tageszeitungen als Redakteure (vgl. Rühl 2011, 15). Der Begriff des Schreibers ist abzuleiten vom sogenannten Zeitungsschreiber des 17. Jahrhunderts. Der Straßburger Johann Carolus schrieb Briefe von europäischen Korrespondenten handschriftlich ab und verkaufte sie. Aus seinem mühseligen Beruf des Abschreibens entstand seine Idee, eine Druckerei zu kaufen und die Briefe zu drucken. Meier (2007, 73) gibt dies als Geburtsstunde der Zeitung an. Der Beruf des Zeitungsschreibers entwickelte sich fortan weiter, zu Beginn der Zeitungshistorie druckten Zeitungsschreiber Korrespondenten Briefe lediglich eins zu eins ab. Eine journalistische und redaktionelle Tätigkeit hat sich im 19. Jahrhundert entwickelt, als sich Zeitschriften und Zeitungen in Deutschland verbreiteten (vgl. Meier 2007, 75).

Heute hat ein Journalist die Aufgabe, „Sachverhalte oder Vorgänge öffentlich zu machen, deren Kenntnis von allgemeiner, politischer, wirtschaftlicher oder kultureller Bedeutung ist. Durch ein umfassendes Informationsangebot in allen publizistischen Medien schaffen Journalistinnen und Journalisten die Grundlage dafür, dass jede/r die in der Gesellschaft wirkenden Kräfte erkennen und am Prozess der politischen Meinungs- und Willensbildung teilnehmen kann.“, heißt es im Berufsbild des Deutschen Journalisten Verbands (2009, 2).

Dieses Berufsbild vereinigt stärker denn je die Verantwortung und die Mission, die einem Journalisten obliegt. Die genaue Tätigkeit des Journalisten beschreibt man heute am besten mit den Arbeitsschritten, die ein Journalist in seiner Arbeit verbindet (vgl. von La Roche 1999, 15). Ein Journalist recherchiert und dokumentiert Fakten, Nachrichten und Neuigkeiten. Er selektiert, welche Nachrichten relevant sind und formuliert sie. Er bearbeitet Nachrichten und präsentiert sie in einer passenden Art und Weise des entsprechenden Mediums, in dem er tätig ist. (vgl. von La Roche 1999, 15 ff.) Journalisten kommunizieren mit einem Publikum, reagieren auf ihre Befindlichkeiten, Wahrnehmungen, auf ihre Rückmeldungen und befinden sich daher kontinuierlich in einer Wechselbeziehung mit der Gesellschaft (vgl. Rühl 2011, 13). „Journalistinnen und Journalisten vermitteln auf Grund eigener Recherchen und/oder durch sorgfältige Bearbeitung fremder Quellen, Informationen und Meinungen über aktuelle oder für die Öffentlichkeit bedeutsame Ereignisse, Entwicklungen und Hintergründe.“ ( vgl. Deutscher Journalisten Verband 2009, 5).

Ohne die Öffentlichkeit und ein Publikum existiert kein Journalismus, ein Journalist kann nur da informieren, wo auch ein Publikum ist (vgl. Meier 2007, 65). Diese Wechselbeziehung beinhaltet die Verantwortung des Journalisten, die er gegenüber seinem Publikum für seine Inhalte übernimmt. Journalisten haben sich deshalb nach elementaren Verhaltensgrundsätzen wie Sorgfalt, Faktizität, der Achtung der Menschenwürde und der Einhaltung des Pressekodex, zu richten. (vgl. Deutscher Journalisten Verband 2009, 2) Der Pressekodex vereinigt ethische Grundsätze, nach denen sich jeder Journalist zu richten hat, unabhängig davon, für welches Medium er tätig ist. (vgl. von La Roche 1999, 168)

Die Arbeitsschritte und Arbeitsweisen eines Journalisten unterscheiden sich je nachdem, welchem Medium er zugeordnet ist. Medien fungieren im Kommunikationsprozess als Überträger, oder Sender einer Nachricht. Der Begriff „Medien“ ist ein Oberbegriff für Nachrichtenüberträger jeglicher Art, ganz egal ob in gedruckter, digitaler oder audiovisueller Form. Durch Innovationen, technische Entwicklungen und gesellschaftliche Wandel definieren sich die Medien immer wieder neu, es gibt verschiedene Unterteilungen, Definitionen und es kommen stetig neue Arten von Mediengattungen dazu (vgl. Meier 2007, 121). Massenmedien erklären sich darüber, dass sie an ein breit gefächertes Publikum, die Masse, gerichtet sind (vgl. Mast 2008, 56). Sie lassen sich in fünf Medienbereiche unterteilen, Presse, Rundfunk, Multimedia, Nachrichtenagenturen und Informationsdienste und Public Relations, Öffentlichkeitsarbeit (vgl. von La Roche 1999, 26 ff.). Zur Presse gehören Druckmedien wie die Zeitung, Zeitschriften, Magazine, Anzeigenblätter und andere Verlagsprodukte. Die einzelnen Angebote lassen sich weiterhin unterteilen, beispielsweise in Tageszeitungen, Lokalredaktionen, Boulevard, Fachzeitschriften und diverse Interessenmagazine. Der Bereich Presse bildet in Deutschland das größte Arbeitsfeld der Journalisten (vgl. von La Roche 1999, 26). Das Verfassen von Nachrichten, Berichten, Interviews und anderen journalistischen Darstellungsformen gehört im Bereich Presse genauso zur Arbeit des Journalisten, wie die vorherige unabdingbare Recherche. Der Rundfunk kann unterteilt werden in Hörfunk, dem Radio und in den Rundfunk, dem Fernsehen. In Deutschland wird der Rundfunk, sowohl Fernsehen als auch Radio in öffentlich-rechtliche und private Sender unterteilt. Journalisten arbeiten hier als Redakteure für Nachrichtensendungen, Informationsmagazine und weitere Formate (vgl. von La Roche 1999, 28 ff.). Multimedia ist ein Oberbegriff für Onlinemedien, hierbei kann es sich um Webseiten, Onlinemagazine, Blogs und andere Social Media handeln. Die so genannten digitalen Medien erfahren derzeit das höchste Wachstum in der Nutzung (vgl. Meier 2007, 153). Nachrichten- und Informationsagenturen bilden die Grundlage für den Journalismus. Hier gehen Meldungen, Nachrichten und weltweite Neuigkeiten unmittelbar nach dem Geschehen ein und werden für den Weiterverkauf an Kunden entsprechend aufbereitet. Weltweit gibt es drei relevante Agenturen, wobei es Zusammenschlüsse aus Verlegern, Aktengesellschaften und staatliche Agenturen gibt (vgl. Meier 2007, 142). Presse- und Öffentlichkeitsarbeit finden nahezu in jedem Unternehmen statt. Entsprechende Journalisten informieren hierbei sowohl Mitarbeiter und Kollegen über Informationen innerhalb des Unternehmens, als auch Kunden und Geschäftspartner außerhalb des Unternehmens. Unternehmen beschäftigen häufig eigene Mitarbeiter für diese journalistische Tätigkeit. Darüber hinaus gibt es auch so genannte PR, Public Relations Agenturen, die im Auftrag für Unternehmen Informationen zu Pressemitteilungen verarbeiten und an unterschiedliche Zielgruppen verbreiten. Meist arbeiten PR Agenturen eng mit Journalisten der Presse zusammen und bereiten deren Informationen auf, die ihrerseits wieder für andere Medien weiter verwendet werden (vgl. von La Roche 1999, 35 ff.). Alle Arten von Medien fungieren als Bindeglied zwischen dem Journalist und dem Publikum. Sie sind der Überträger von Nachrichten und somit ein Teil des Journalismus.

2.2. Journalismus im Wandel

Die unterschiedlichen Herangehensweisen und Definitionen des Journalismus verdeutlichen, dass sich der Journalismus in einem stetigen Wandel befindet. Gesellschaftliche Trends und technische Entwicklungen sind nur einige der Faktoren, die zur Weiterentwicklung beitragen. Aufgrund der erläuterten Wechselbeziehung zwischenMedien, Journalismus und Publikum, ist der Journalismus in einer ständig, sich anpassenden Position. (vgl. Meier 2007, 245) Die Medien reagieren auf gesellschaftliche Bedürfnisse. Technische Neuerungen setzen neue journalistische Anforderungen voraus. Journalistische Angebote orientieren sich nach neuen Medien und die konsumierende Gesellschaft bestimmt mit Ihrer Nachfrage das Angebot. (vgl. Mast 2008, 11) Das Internet erlebte im vergangenen Jahrzehnt eine rasante Entwicklung und verändert somit stetig die Funktion, die Aufgabe und die Arbeitsweise des Journalismus (vgl. Weichert, Kramp, Streit 2010, 10). Von einem Spartenprodukt Anfang der 90er Jahre mauserte es sich binnen kürzester Zeit zu einem der bedeutsamsten Medien in der heutigen Zeit. (vgl. Weichert, Kramp, Streit 2010, 21) Die aktuelle Marktforschungsstudie „Digital Day“ erhoben von der Tomorrow Focus Media AG ergab, dass 96,2 % der 2.021 befragten Personen täglich das Internet nutzte, 53,7 % hingegen täglich Tageszeitungen. (vgl. Tomorrow Focus Media AG 2011) Das Internet wird demnach gegenwärtig wesentlich häufiger genutzt als klassische Tageszeitungen. Zum Vergleich erschien die erste weltweite Tageszeitung erschien im Jahr 1650 und entwickelte sich Jahrhunderte bis zur Entstehung der Massenpresse im 19. Jahrhundert. (vgl. Meier 2007, 70) Die Tageszeitung ist heute 361 Jahre alt und die Akzeptanz entwickelte sich über Jahrhunderte hinweg.

Die erste journalistische deutschsprachige Internetseite gibt es seit 1994 (vgl. Meier 2007, 72). Mit Spiegel Online, dem ersten weltweit journalistischem Online Magazin, ist auch der Online Journalismus geboren. (vgl. Weichert, Kramp, Streit 2010, 21) Binnen 17 Jahren entwickelten sich die journalistischen Online-Angebote zu den am häufigsten genutzten der heutigen Massenmedien. Diese Entwicklung stellt den Journalismus vor neue Herausforderungen. Das Publikum kann sich einfacher, schneller und kostenlos an publizistischen Inhalten bedienen (vgl. Meier 2007, 123). Die Verbreitung einer Nachricht über das Internet vollzieht sich schnell und weltweit. Die Veröffentlichung von Inhalten kann online binnen weniger Sekunden geschehen und überholt die herkömmliche Nachrichten- und Medienproduktion. Dieses Novum bietet jedoch auch neue Perspektiven für die Medienproduktion und journalistische Arbeit. Die Fülle und die leichte Erreichbarkeit von Informationen können insbesondere den journalistischen Arbeitsweisen von Nutzen sein. (vgl. Meier 2007, 164 ff.) Das Internet hat sich deshalb nicht nur zu einem neuen etablierten Massenmedium, sondern auch zu einer neuen Plattform und Informationsquelle für Journalisten etabliert. Die Digitalisierung ändert die journalistische Arbeitsweise, als auch die Produktion (vgl. Meier 2007, 251). Diese Entwicklung bürgt nicht nur Vereinfachungen, sie bringt auch Risiken mit sich. Aus vielerlei Gründen sind sich Journalisten über die Bedeutung des Internets für den Journalismus uneinig. Dabei ist zu entnehmen, dass das Internet viele Chancen für den Journalismus bereithält, sofern verantwortungsvoll und gekonnt damit umgegangen wird. (vgl. Weichert, Kramp, Streit 2010, 25 f.)

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Details

Seiten
35
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656928775
ISBN (Buch)
9783668138971
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v295199
Institution / Hochschule
Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel
Note
1,0
Schlagworte
Journalismus Modejournalismus Blogs Web 2.0. Internetrecherche Mode

Autor

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Titel: Modejournalismus in der Zeit des Web 2.0