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Walter Benjamins "Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit"

Hausarbeit 2015 15 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Das Kunstwerk im Übergang vom Kultwert zum Ausstellungswert unter Einfluss seiner Reproduzierbarkeit
2.1. Geschichte der Reproduzierbarkeit
2.2 Aura, Kultwert und Ausstellungswert
2.2.1 Aura des Kunstwerks
2.2.2. Wandel der Rezeption – Kultwert und Ausstellungswert

3. Auswirkungen technische Reproduzierbarkeit im Medium Film
3.1 Verfall der Aura im Film
3.2 Apparatfreier Aspekt der Wirklichkeit
3.3 Massenrezeption
3.4. Chockwirkung

4. Ästhetisierung der Politik

5. Resümee

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Walter Benjamin schreibt zu Beginn seines 1936 erschienenen Aufsatzes, „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“, dass die Reproduk­tion des Kunstwerkes an sich keine Neuerung ist, sondern bereits seit An­beginn bestand.[1] Dennoch haben der technische Fortschritt, sowie die damit einhergehenden technischen Möglichkeiten der Reproduktion, in der Sphäre der Kunst bahnbrechende Bedeutung. Das Kunstwerk selbst ist durch seine nun immanente „Reproduzierbarkeit“ einem Wandel unterzogen. Dabei sieht Benjamin nicht nur den technischen Fortschritt für die Veränderung des Kunst­werks verantwortlich, sondern auch die veränderte Rezeptionsweise durch das Publikum, das nun ein Massenpublikum ist.

Die vorliegende Arbeit gibt zunächst einen Überblick über Benjamins grundlegen­den Thesen zum Kunstwerk im Übergang vom auratischen ritualgebun­denen Artefakt des Kults zum allein von seinem Ausstellungswert her bestimmten Kunstobjekt. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie und durch welche Bedingungen sich das Kunstwerk durch die technische Reproduzierbar­keit verändert und wie dies auch seine Funktion in einer technisierten und verän­derten Gesellschaft bestimmt. Folgend werden Benjamins Analysen des Films von der Produktion bis zur kollektiven Massenrezeption dargestellt und betrachtet, wie das Medium Film die Kunst verändert. Resümierend sollen die Nachwirkungen des Kunstwerkaufsatzes eingeordnet werden.

Grundlage dieser Arbeit ist die sogenannte Fünfte Fassung in Band 16 der Kritischen Gesamtausgabe erschienen im Suhrkamp Verlag. Diese ist iden­tisch, mit der in vorherigen Veröffentlichungen noch Dritte Fassung bezeichne­ten, die bis heute als die kanonische Fassung gilt.[2]

2. Das Kunstwerk im Übergang vom Kultwert zum Ausstellungswert unter Einfluss seiner Reproduzierbarkeit

Benjamin bezieht sich bereits im Vorwort auf Karl Marx und dessen Kritik der bestehenden kapitalistischen Ökonomie und beansprucht für seine eigenen The­sen ebenfalls politischen Kampfwert.[3] Wie auch Marx geht Benjamin in seinen Ausführungen von den kapitalistischen Produktionsbedingungen aus. Während Marx anhand dieser prognostizierte, wie die weitere Entwicklung des Ka­pitalismus aussehen könnte, stellt Benjamin die „Entwicklungstendenzen der Kunst unter den gegenwärtigen Produktionsbedingungen“[4] prognostisch dar. Er lehnt Begriffe wie „Schöpfertum“, „Genialität“, „Ewigkeitswert“ oder „Geheimnis“ als überkommen und dem Faschismus dienlich ab, um diesen, neu in die Kunsttheorie eingeführte Begriffe, gegenüberzustellen, die für faschisti­sche Zwecke unbrauchbar sind. Diese, noch näher zu erläuternde Begriffe, stellt er in den Dienst einer revolutionären Kunstpolitik.[5]

2.1. Geschichte der Reproduzierbarkeit

Den Fluchtpunkt seiner Betrachtung grenzt Walter Benjamin in seinem Kunstwerk­aufsatz genau ein, indem er bekennt: „Das Kunstwerk ist grundsätz­lich immer reproduzierbar gewesen. Was Menschen gemacht hatten, das konnte immer von Menschen nachgemacht werden.“[6] Erst die sich im Laufe der Geschichte in großen Abständen entwickelnde technische Reproduzierbar­keit verändert das Kunstwerk und somit auch seine Funktion. Bereits die Grie­chen waren durch die Verfahren Guss und Prägung in der Lage bestimmte Kunst­werke, wie Münzen oder Bronzen, massenweise herzustellen. Durch die Entwicklung von Holzschnitt, Kupferstich und Radierung wurde es möglich Grafiken und durch die Erfindung des Druckes Schrift technisch zu reproduzie­ren. Die Lithographie läutete eine grundsätzlich neue Stufe der technischen Repro­duktion ein, indem sie die Reproduzierbarkeit von Grafiken auf eine Stufe mit dem Druck hob.[7]

Der Fotografie schließlich kommt besondere Bedeutung in der Entwicklung der Reproduktionsmittel zu, da durch diese erstmals die künstlerische Leistung von der Hand auf das Auge transferiert wurde. Da das Auge schneller erfasst als die Hand, wird das Verfahren der bildlichen Reproduktion auf das Tempo des Sprechens beschleunigt. Mit der Entwicklung der Reproduzierbarkeit der Akustik durch die Tonaufnahme zum Ende des 18. Jhd. sieht Benjamin bestä­tigt, dass der Tonfilm bereits in der Fotografie verborgen war.[8]

Die im Tonfilm konvergierenden neuen Techniken der Reproduzierbarkeit eröff­nen dem Kunstwerk eine größere Reichweite als zuvor. Damit dieser Entwicklung die „Gesamtheit der überkommenen Kunstwerke“ zum „Objekt“ der technischen Reproduktion werden, wurde diese selbst eine künstlerische Verfah­rungsweise.[9]

[...]


[1] vgl. Benjamin, Walter: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Werke und Nachlaß. Kritische Gesamtausgabe. Bd. 16. Berlin 2013, S. 97

[2] vgl. Lindner Burkhardt: „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“, in: Benjamin-Handbuch: Leben, Werk, Wirkung., hg. v. Lindner, Burkhardt, Thomas Küpper, Timo Skrandies, Stuttgart 2006, S. 230

[3] vgl. Lindner, Benjamin-Handbuch, S. 231

[4] Benjamin, Kunstwerkaufsatz, S. 208

[5] vgl. Benjamin, Kunstwerkaufsatz, S. 208

[6] Benjamin, Kunstwerkaufsatz, S. 209

[7] vgl. Benjamin, Kunstwerkaufsatz, S. 209

[8] vgl. Benjamin, Kunstwerkaufsatz, S. 210

[9] vgl. Lindner, Benjamin-Handbuch, S. 233-234

Details

Seiten
15
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656931232
ISBN (Buch)
9783656931249
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v295134
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Philosophisches Institut
Note
1,0
Schlagworte
Walter Benjamin Medientheorie Ästhetik Kulturphilosophie

Autor

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