Lade Inhalt...

Bildung im Alter. Bildungseinrichtungen und Bildungsinhalte

Hausarbeit 2014 25 Seiten

Pädagogik - Erwachsenenbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Demografischer Wandel in Deutschland

2. Alter und Bildung - Begriffsannäherungen
2.1 Alter
2.2 Bildung

3. Traditionelle und informelle Lernorte der Bildung im Alter
3.1 Traditionelle Bildungsorte
3.1.1 Kirchliche Träger, Seniorenstudium und -akademie
3.1.2 Volkshochschulen

4. Inhalte und Ziele der Bildungsarbeit für und mit älteren Menschen
4.1 Was soll Geragogik leisten?
4.2 Ausgewählte Themenschwerpunkte geragogischer Bildungsarbeit
4.2.1 Biografiearbeit und Identitätsentwicklung
4.2.2 Gesundheitsförderung und -bildung.
4.2.3 Medienbildung

5. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“. Die Grundaussage dieser Re­densart ist klar: Was man in jungen Jahren nicht gelernt hat, kann man im Alter nicht mehr nachholen. Dieses Defizitmodell des Alters hat sich lange in den Köpfen der Menschen gehalten. Es geht von der Annahme aus, dass es im Alterungsprozess ei­nes jeden Menschen zu einem nicht auszuhaltenden Abbau von körperlichen und geistigen Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmalen kommt. Heute gilt dieses Mo­dell wissenschaftlich als widerlegt, denn Studien haben bewiesen, dass lernen auch im Alter noch möglich und auch notwendig ist. Einen großen Teil dazu beigetragen hat die Geragogik, die eine vergleichsweise junge Wissenschaft ist. Definiert wird sie als „Pädagogik des alternden und alten Menschen“ (Bubolz-Lutz 2010, S.11). Das Aufgabenfeld dieser Disziplin ist die Ausgestaltung von Bildungs- und Lernprozes­sen im Alter. Dabei betrachtet sie notwendigerweise zwei Perspektiven: die des älte­ren Lerners selbst und die der Personen, die mit den Älteren zusammen arbeiten, lernen oder leben. „So geht es in der Geragogik um beides: Durch Lernen und Bil­dung das eigenen Altern reflektierend zu gestalten wie auch darum, Lern- und Bil­dungsprozesse gezielt zu ermöglichen, d.h. zu initiieren und zu begleiten.“ (Bubolz- Lutz 2010, S.12).

Dass Bildung im Alter nicht nur möglich sondern auch nötig ist, zeigt sich in der demografischen Entwicklung, die sich in Deutschland und Europa vollzieht. Der Lebensstandard hat sich in den letzten einhundert Jahren erheblich verbessert, sodass bedingt durch diesen Umstand die Menschen immer älter werden und immer länger leben. Diese gesellschaftlichen Entwicklungen und ihre möglichen Konsequenzen sind, gerade durch die Medien, sehr präsent. Darum stellte sich mir als Studentin eines pädagogischen Studiengangs die Frage, wie die Pädagogik auf diese Entwick­lung reagieren kann. Was kann und soll die Geragogik leisten um ältere Menschen nach dem Austritt aus dem Berufsleben aufzufangen?

Um diese Frage zu beantworten werde ich in Kapitel 1 zunächst kurz der demografi­sche Wandel und seine Folgen für die Altersverteilung in der Gesellschaft erläutern. Danach werde ich versuchen mich den Begriffen „Alter“ und „Bildung“ zu nähern und sie für meine weitere Arbeit zu definieren. Im dritten Kapitel gehe ich dann über zu Orten in denen Bildung für ältere Erwachsene heute typischerweise stattfindet. Dabei werde ich versuchen die vorgestellten Träger mit regionalen Beispielen zu verknüpfen um zu zeigen, wie geragogische Bildungsarbeit in der Praxis umgesetzt wird. In Kapitel 4 schließlich sollen ausgewählte Themenschwerpunkte aktueller Bildungsarbeit vorgestellt und ihre Bedeutung für ältere Menschen in der modernen Gesellschaft erläutert werden.

1. Demografischer Wandel in Deutschland

Bereits seit den 1970er Jahren vollzieht sich ein stetiger Wandel in der Bevölkerungs­struktur Deutschlands. Aus der einstmals jungen Gesellschaft wird mehr und mehr eine alternde. Erklären lässt sich dieses Phänomen durch die dauerhaft niedrige Ge­burtenrate, die niedrige Zahl der Säuglingssterblichkeit bei gleichzeitig steigender Lebenserwartung. Den Rückgang der Geburten kann man einerseits mit der Einfüh­rung und Verbreitung der Anti-Baby-Pille und einem dadurch stark veränderten Re­produktionsverhalten der Frauen erklären. Andererseits begründet sich die Verände­rung auch durch die Verschiebung der Prioritäten im Leben der Frauen. Die Karriere rückt dabei immer mehr in den Fokus, wobei der Kinderwunsch und Familienplanung immer weiter nach hinten geschoben werden. Viele Frauen bleiben deshalb heute auch kinderlos (vgl. Kade 2009, S.21).

Fortschritte in Medizin und Technik, bessere Ernährungsbedingungen und Hygiene, geringere körperliche Belastungen in Alltag und Beruf und die allgemeinen besseren Lebensbedingungen erklären wiederum die anhaltend steigende Lebenserwartung der Menschen sowie die abnehmende Säuglingssterblichkeitsrate. (vgl. Anding 2002, S.17).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Demografischer Wandel. (Quelle: http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und- fakten/soziale-situation-in-deutschland/147368/themengrafik-demografischer-wandel; Zugriff: 14.05.2014)

Die Graphik in Abbildung 1 zeigt noch einmal sehr deutlich den demografischen Wandel Deutschlands ab 1960 und gibt weiterhin einen Ausblick auf die weiteren Entwicklungen bis 2060.

Mit dem Wandel kam es vor allem auch zu einer drastischen Veränderung des Grö­ßenverhältnisses zwischen den Generationen. Der Anteil der unter 20-jährigen redu­zierte sich zwischen 1960 und 2011 von 28,4% auf 18,2%. Bis 2060 wird ein weiterer Rückgang auf 15,7% angenommen. Gleichzeitig stieg der Anteil der Personen, die 60 und älter sind von 17,4% auf 26,6%. Auch hier gehen die Prognosen davon aus, dass der Prozentsatz noch weiter steigen wird.

Wenn man den Voraussagen des statistischen Bundesamtes glauben schenken darf, so wird sich das Generationenverhältnis also weiter zu Lasten der Jungen Leute ver­schieben. Veranschaulichte man früher den Bevölkerungsaufbau als eine Pyramide, so wird sich dieses Bild in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zu einer Pilzform entwickeln (vgl. Kade 2009, S.19).

Die wachsenden ökonomischen Belastungen für die mittlere Altersgruppe, die aus einer solchen Entwicklung resultieren sind abzusehen. Durch die konstant niedrigen

Geburtenraten sinkt die Zahl der Personen in dieser Altersklasse und somit auch die der Erwerbstätigen. Dadurch, dass immer mehr Menschen der älteren Generation an­gehören, gibt es potenziell auch mehr Rentenempfänger. Zusätzlich verlängert sich die Rentenzeit durch die längere Lebenserwartung. Die Konsequenz daraus ist, dass immer mehr Rentenempfänger immer weniger Beitragszahlern gegenüber stehen (vgl. Kade 2009, S.20). Gleichzeitig steigt auch die Zahl der Hochaltrigen, also Personen, die 75 Jahre und älter sind. Die Wahrscheinlichkeit seinen Alltag nicht mehr allein meistern zu können, steigt mit zunehmendem Alter immer weiter an und somit nimmt mit den Hochaltrigen auch der Anteil der Pflegebedürftigen Personen zu. Abbildung 1 zeigt auch diese Entwicklung sehr deutlich an. Die abgebildete fernere Lebenserwar­tung gibt an, wie viele Jahre ein 60-jähriger Mann bzw. eine 60-jährige Frau im Durchschnitt noch leben wird. Waren es 1960 noch durchschnittlich 15,5 Jahre bei den Männern und 18,5 Jahre bei den Frauen, so erwartet man 2060 bereits weitere 26,6 bzw. 30,1 Jahre. Man kann also sagen, dass sich die fernere Lebenserwartung innerhalb von einhundert Jahren voraussichtlich fast verdoppelt haben wird.

Zusätzlich zeigt sich die zunehmende Singularisierung im Alter als neues Problem. Durch hohe Scheidungs- und Trennungsraten in Beziehungen leben immer mehr Menschen im Alter allein und sind somit im Alltag auf sich gestellt. Früher konnten solche Umstände durch familiäre Unterstützung kompensiert werden, aber auch Sys­teme verwandtschaftlicher Solidarität sind in unserer modernen Gesellschaft brüchig geworden (vgl. Veelken 1990, S.16). Während früher ältere Verwandte im Kreise der Familie gepflegt wurden, wird heute immer mehr professionelle, institutionalisierte Pflege nötig.

Politisch gesehen ist der demografische Wandel also eine große Herausforderung. Will man das bestehende Niveau der Alterssicherung beibehalten, müssen derzeitige Konzepte überdacht und an die Situation angepasst werden.

2. Alter und Bildung - Begriffsannäherungen

2.1 Alter

Aufgrund der beschriebenen demografischen Entwicklungen, wie der massive An­stieg der Altersbevölkerung, verursacht durch die erhöhte Lebenserwartung und der damit verbundenen Verlängerung der Phase des Altseins, ist die Altersfrage in Deutschland in den letzten Jahren wieder deutlich in den Fokus politischer und erzie­hungswissenschaftlicher Diskussionen gerückt.

Doch was ist Alter eigentlich genau? Wie definiert man es und ab wann gilt ein Mensch heute als alt?

Zunächst muss festgehalten werden, dass es keine einheitliche und feste Definition für das Alter bzw. das Altsein gibt. Im Gegenteil, man kann sich dem Gebiet auf un­terschiedlichste Betrachtungsweisen nähern. Der biologische Altersbegriff beispiels­weise bezieht sich darauf, wie ein Organismus entwickelt bzw. erhalten ist. Das heißt, man versteht das Altern als einen Prozess des Verlustes. Mit steigendem Alter muss man also mit dem Abbau körperlicher Leistung, aber auch dem intellektueller Fähig­keiten rechnen. Allerdings ist diese Sichtweise nur recht einseitig betrachtet, da heute nachgewiesen ist, dass Altern nicht bloß Abbau von Fähigkeiten, sondern auch Zu­gewinn von Neuem bedeuten kann (vgl. Bubolz-Lutz u.a. 2010, S.28).

Betrachtet man das Alter aus einer soziologischen Perspektive, fällt auf, dass Alter eine bloße gesellschaftliche Zuschreibung ist. Die Gesellschaft bestimmt ab wann ein Mensch als alt gilt, wie dieser Zustand bewertet wird und wie die Person dann von den anderen Gesellschaftsmitgliedern zu behandeln ist. In unserem Kulturkreis zählt ein Mensch meist dann als zu den Alten, sobald er aus dem Berufsleben ausscheidet und in den Ruhestand geht. Ausgenommen sind hier natürlich diejenigen Personen, die schon in jungen Jahren aus z.B. gesundheitlichen Gründen ihre Erwerbsarbeit aufgeben müssen. Allerdings muss man sich hier die Frage stellen, welchen echten Aussagewert ein Merkmal wie die nachberufliche Lebensphase wirklich hat. Macht das Alter ab 67 Jahren wirklich alle Menschen vergleichbar? Auf diese Frage ist ent­schieden mit „nein“ zu antworten. Die Individualität die jeden Menschen ausmacht, geht natürlich auch im Alter nicht verloren und somit ist es völlig realitätsfern alle Menschen ab Renteneintritt auf die gleiche Weise zu kategorisieren (vgl. Hoffmann- Gabel 2003, S.26.) Somit kann man auch sagen, dass der Ruhestand an sich keine Phase der menschlichen Entwicklung ist, sondern ein reines Phänomen der Gesell­schaft. Ludger Veelken bezeichnet das Alter sogar als „soziales Schicksal“, da man diesen Status des Altseins gewissermaßen aufgedrängt bekommt (vgl. Veelken 1990, S. 13).

Wie dieser Status gewertet wird, hängt von dem vorherrschenden Altersbild einer Gesellschaft ab. Früher galten alte Menschen als weise, von ihnen konnte man lernen, da sie viel Lebenserfahrung hatten.

[...]

Details

Seiten
25
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656929369
ISBN (Buch)
9783656929376
Dateigröße
835 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v295122
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
Schlagworte
Bildung Alter Seniorenstudium

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Bildung im Alter. Bildungseinrichtungen und Bildungsinhalte