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Die Infektionskrankheit Malaria. Geschichte, Verbreitung und Arten

Akademische Arbeit 2009 28 Seiten

Gesundheit - Gesundheitswissenschaften - Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Methodik

3. Definition der Malaria

4. Übertragung und Infektionszyklus
4.1. Zyklus in der Anophelesmücke (sexuelle Phase = Sporogonie)
4.2. Zyklus im Menschen (asexuelle Phase = Schizogonie)

5. Verbreitung und Häufigkeit
5.1. Geografische Verbreitung
5.1.1. Afrika
5.1.2. Asien
5.1.3. Mittel- und Südamerika
5.1.4. Ozeanien
5.1.5. Europa, Nordamerika und Australien
5.2. Häufigkeit der Malaria
5.2.1. Häufigkeit in Österreich:
5.2.2. Häufigkeit in Vorarlberg

6. Formen der Malaria und ihre Klinik
6.1. Malaria tropica
6.2. Malaria tertiana
6.3. Malaria quartana
6.4. Malaria bei besonderen Risikopatienten
6.4.1. Malaria bei Schwangeren
6.4.2. Malaria bei Kindern

7. Malaria und die Menschheitsgeschichte
7.1. Altertum
7.2. Griechische Antike
7.3. Römisches Reich
7.4. Mittelalter
7.5. Frühe Neuzeit
7.6. Das 19. Jahrhundert
7.7. Neuzeit

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis und weiterführende Literatur

1. Einleitung

250 Millionen Menschen erkranken jährlich an der Malaria, der Königin der Tropenkrankheiten. 1 Million Menschen versterben jedes Jahr. Diese Zahlen sind schon sehr beängstigend, wenn man bedenkt, wie wertvoll ja schon ein Menschenleben ist. Hauptsächlich erkranken Menschen in tropischen Gebieten an dieser heimtückischen Infektionskrankheit, doch auch Europäer und selbst Österreicher sind von ihr betroffen, wenn sie sich im Urlaub oder in Entwicklungsarbeit infizieren. Wegen den Erkrankungsfällen in Österreich ist es natürlich wichtig, dass sich auch österreichisches diplomiertes Pflegepersonal mit diesem Problem auseinandersetzt.

Die geschichtlichen Hintergründe der Malaria werden behandelt und es wird dargestellt wie die Menschen damals dieses Krankheitsbild behandelt und der Krankheit vorgebeugt haben.

Das Ziel dieser Arbeit ist es, ein umfassendes Bild über die Königin der Tropenkrankheiten aufzuzeigen. Sowohl diplomiertes Pflegepersonal als auch interessierte Menschen werden bereichert durch das Lesen dieser Fachbereichsarbeit. Besonders empfehlenswert ist diese Thematik auch für Menschen, die sich für Entwicklungsarbeit in tropischen Gebieten interessieren.

2.Methodik

Neben den Recherchen in der Vorarlberger Landesbibliothek in Bregenz und der Mediathek der Gesundheits- und Krankenpflegeschule in Feldkirch ergab die umfangreiche Internetsuche viele wertvolle wissenschaftliche Fachartikel zum Thema Malaria.

Es wurde sowohl in der deutschsprachigen als auch in der englischsprachigen Literatur mit den Schlagworten „Tropenmedizin“, „Malaria“, „malaria prophylaxis“, „malaria chemoprophylaxis“ und „malaria nets“ gesucht.

Auf der frei zugänglichen Datenbank Medline von der National Library of Medicine fanden sich einige interessante Studien zu derzeit erforschten Malariamedikamenten, Impfstoffkandidaten und Strategien, um die Malariaverbreitung einzudämmen.

Die wichtigsten bereits vorhandenen Erkenntnisse zu diesem Thema wurden gesammelt und gesichtet. Um auf die Entwicklung dieser Thematik eingehen zu können, wurden Arbeiten von 1995 bis heute berücksichtigt.

Um aktuelle Zahlen zu Malariaerkrankungen in Österreich und Vorarlberg zu bekommen, wurde das Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend in Wien und die Sanitätsabteilung des Amtes der Vorarlberger Landesregierung angefragt.

3.Definition der Malaria

Malaria ist die wichtigste Tropenkrankheit in den Endemiegebieten der Tropen und die wichtigste importierte Tropenkrankheit in Europa (Diesfeld et al 2003: S 70).

Neben AIDS stellt sie das wichtigste Infektionsproblem des Menschen dar (Krüger/Sanchez 1995: S 67).

„Malaria ist eine Infektionskrankheit, die durch einzellige Organismen (Plasmodien) hervorgerufen wird. Sie werden über eine bestimmte Mückenart, die Anophelesmücke, übertragen. Es gibt vier unterschiedliche Malariaerreger: Plasmodium falciparum, P. vivax, P. malariae, und P. ovale. P. falciparum und P. vivax sind am häufigsten und P. falciparum ist am gefährlichsten” (Zimmermann 2007).

Der Begriff Malaria stammt aus dem Lateinischen („mala aria“) und bedeutet so viel wie schlechte Luft. Lange Zeit hat man angenommen, dass die aus den Sümpfen emporsteigende Luft „schlecht“ und deshalb für die Malaria verantwortlich sei (Krüger/Sanchez 1955: S 67).

Rugemalila et al (2006) beschreiben die Malaria aus einer Sichtweise, die uns die Ernsthaftigkeit dieser Erkrankung verdeutlicht:

„Malaria is an important social, economic, and developmental problem affecting individuals, families, communities, and countries.”

Auf Deutsch heißt dieser sehr bedeutsame Satz: „Malaria ist ein wichtiges soziales, wirtschaftliches und entwicklungspolitisches Problem, das Einzelpersonen, Familien, Gemeinden und Länder betrifft.“

4.Übertragung und Infektionszyklus

Die Plasmodien machen in ihren Wirten Mensch und Mücke einen hochkomplizierten Kreislauf durch, dessen Ergebnis die massenhafte Vermehrung der Erreger ist. In den verschiedenen Entwicklungsstufen verändern sie ihr Aussehen und ihre Empfindsamkeit gegen Medikamente (Döring 1998: S 46).

Der Zyklus der den Menschen befallenden Plasmodien verläuft als sexueller Zyklus in der Überträgermücke und als asexueller Zyklus im Menschen.

4.1. Zyklus in der Anophelesmücke (sexuelle Phase = Sporogonie)

Die Mücke ist parasitologisch als „Hauptwirt“ zu betrachten, da sich in ihr die Vereinigung der Geschlechtsformen (Gametozyten) vollzieht, mit Produktion der den Menschen infizierenden Sporozoiten.

Durch den Saugakt am infizierten Menschen gelangt gametozytenhaltiges Blut in den Magen der Mücke. Im Mückenmagen findet die Befruchtung der weiblichen Gametozyten statt. Die dadurch entwickelten Zygoten bilden schlussendlich massenhaft Sporozoiten, die infektionstüchtigen Formen des Erregers. Diese gelangen in die Speicheldrüsen der Mücke und von dort mit dem Speichel beim Stich in das menschliche Blut. Dieser Zyklus in der Anophelesmücke dauert je nach Außentemperatur 8-16 Tage (Lang/Löscher 2000: S 12f).

4.2. Zyklus im Menschen (asexuelle Phase = Schizogonie)

Im Menschen werden zwei Phasen unterschieden, die Gewebs- und die Blutinfektion. Zunächst verschwinden innerhalb von ca. 30 Minuten die Sporozoiten aus dem peripheren Blut und dringen in die Parenchymzellen der Leber ein. Dort wachsen die Parasiten innerhalb einiger Tage zu Leberschizonten heran, die durch Teilung mehrere tausend Merozoiten bilden.

Die Merozoiten (Stadium der ungeschlechtlichen Vermehrung), die aus der Gewebeinfektion hervorgehen, gelangen in den Kreislauf und befallen Erythrozyten. Dieser Zustand wird Parasitämie genannt, weil die Parasiten jetzt im Blut vorhanden sind (Dornblüth 2004: S 1367). Dieser Vorgang dauert nicht länger als 30 Minuten. Die Merozoiten leben intraeryzytär und ernähren sich von Glucose und Hämoglobin (Krüger/Sanchez 1995: S 68).

In den Erythrozyten entwickeln sich die Merozoiten zu reifen Blutschizonten. Nach Ruptur der betroffenen Zelle befallen sie sofort freie Erythrozyten und der erythrozytäre Zyklus beginnt von Neuem (Diesfeld et al 2003: S 73).

Der Schizogoniezyklus verläuft außer bei der Malaria tropica synchron und führt daher zu den typischen periodischen Fieberattacken (Krüger/Sanchez 1995: S 68).

Einige Merozoiten entwickeln sich zu männlichen und weiblichen Geschlechtsformen (Gametozyten). Sie sind im menschlichen Körper nicht weiter entwicklungsfähig (Diesfeld et al 2003: S 72f).

Nimmt die Anophelesmücke bei einem erneuten Stich Gametozyten auf, kann sich in der Mücke die sexuelle Phase des Zyklus entwickeln und der Kreislauf ist damit geschlossen (Lang/Löscher 2000: S 12f).

Man geht davon aus, dass ein Mensch über den Weg der Stechmücke bis zu 70 Menschen anstecken kann (Rögelein 2001: S 842ff).

Bei P. vivax und P. ovale verbleiben einige Leberschizonten in der Ruhephase, die Monate bis Jahre andauern kann. Durch bislang unbekannte Faktoren wird die weitere Entwicklung angeregt, Merozoiten entstehen und es kommt zu „ Malariarezidiven“.

Bei P. malariae nimmt man an, dass die Rezidive von Blutschizonten ausgehen, die in sehr geringer Zahl im Blutkreislauf persistieren. Das Wiederaufflammen der Infektion wird „Rekrudeszenz“ genannt (Diesfeld et al 2003: S 72f).

Eine Übertragung der Malaria ist auch durch Bluttransfusionen, Nadelstichen bei Drogensüchtigen oder durch Transplantationen möglich. Hunderte von Malariafällen treten pro Jahr durch Bluttransfusionen auf (Lang/Löscher 2000: S 14f).

Das ist ein Grund dafür, warum Malariainfizierte nie Blut spenden dürfen.

5.Verbreitung und Häufigkeit

5.1. Geografische Verbreitung

Trotz anfänglicher Erfolge von weltweiten Eradikationsprogrammen ist die Malaria derzeit in tropischen und subtropischen Gebieten ähnlich verbreitet wie zuvor.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auf dieser Abbildung (Eddleston et al 2006: S 13) sieht man die Gebiete, in denen ein hohes Malariarisiko besteht dunkelgrau und Gebiete mit geringem Risiko hellgrau. Lang und Löscher (2000: S 15ff) beschreiben die geografische Verbreitung folgendermaßen:

5.1.1. Afrika

Das Malariarisiko ist in Afrika am höchsten. Aus Afrika kommen auch die meisten importierten Malariafälle.

5.1.2. Asien

Bis 1970 war die Malaria in Asien weitgehend eliminiert. Seither kam es in Indien, Pakistan und Sri Lanka wieder zu einer weiten Verbreitung vorwiegend von P. vivax. P. falciparum - Infektionen kommen häufig vor in Thailand, Kambodscha, auf den Philippinen und in Malaysien.

5.1.3. Mittel- und Südamerika

Nur in relativ kleinen Gebieten wie Französisch Guyana, Surinam und Haiti dominieren Infektionen mit P. falciparum, sonst im allgemeinen P. vivax. Das Malariarisiko besteht vor allem auf dem Land, weniger in den Städten.

5.1.4. Ozeanien

P. falciparum kommt in hohem Prozentsatz in Papua-Neuguiniea und auf den Salomoninseln vor.

5.1.5. Europa, Nordamerika und Australien

Europa, Nordamerika und Australien gelten als malariafrei.

Doch das Beispiel einer 38jährigen Münchnerin, die am 15.03.2004 an einer Malaria verstorben ist (Tropen- und Reisemedizinische Beratung Freiburg 2004) zeigt, dass es Malariatodesfälle auch in Europa gibt. Im Februar verbrachte sie mit ihrem Lebensgefährten zwei Ferienwochen in Kenia und verzichtete dabei wie ein Drittel aller Menschen, die in Malariagebiete reisen, auf die empfohlene Malariaprophylaxe. Kurz nach der Rückkehr bekam sie hohes Fieber und klagte über Bauchschmerzen. Der Hausarzt erkannte die Malaria nicht und verschrieb Suppositorien gegen die Bauchschmerzen. Am Vormittag des 15. März lag Carola B. immer noch mit Bauchschmerzen im Bett, am Abend war sie tot.

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Details

Seiten
28
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656927518
ISBN (Buch)
9783656927679
Dateigröße
894 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v295116
Note
Ausgezeichnet bestanden
Schlagworte
Malaria Infektionskrankheit Antike Europa Asien Tropenkrankheit Malaria Tropica

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Titel: Die Infektionskrankheit Malaria. Geschichte, Verbreitung und Arten