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Qualität in der Erwachsenenbildung

Hausarbeit 2014 11 Seiten

Pädagogik - Erwachsenenbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Qualität - was ist das?

2. Qualität sichern
2.1 Qualitätssicherung - Qualitätsentwicklung - Qualitätsmanagement
2.2 Instrumente und Verfahren

3. Einflussfaktoren

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die vorliegende Arbeit widmet sich dem Thema Qualität in der Erwachsenenbildung[1]. Dabei steht die Frage Was ist Qualität? im Zentrum der nachfolgenden Überlegungen.

Eine erste Bearbeitung der Frage nimmt die Arbeit aus semantischer Perspektive vor. Schon hier wird deutlich, dass Qualität immer in Relation zu ihrem jeweiligen Bezugsobjekt steht.

Es ist also nicht allein möglich, eine Definition von Qualität zu geben, ohne dass die Folgefrage auftritt: Worauf bezieht sich Qualität, auf welches Produkt, auf welche Dienstleistung? In dieser Arbeit bezieht sich die Qualitätsfrage auf Erwachsenenbildung. Die Qualität eines greifbaren Gegenstandes ist jedoch anders zu beurteilen, als die Qualität einer Bildungsdienstleistung. Es ist notwendig, hier eigene und individuelle Maßstäbe zu setzen.

Das zweite Kapitel dieser Arbeit stellt Sicherungssysteme vor, die Qualität gewährleisten sollen. Es unterscheidet zwischen starrem System und prozessgestaltendem, entwicklungsorientiertem System.

Innerhalb der Sicherungssysteme gibt es verschiedene Instrumente und Verfahren, die die Möglichkeit geben, Maßstäbe zu entwickeln und zu setzen und Qualität zu messen.

Um sich einer Antwort auf die Frage Was ist Qualität in der Erwachsenenbildung? zu nähern, ist es also notwendig, sich mit den Besonderheiten in diesem Bereich auseinanderzusetzen: Das Besondere am Bildungsprozess ist seine Individualität, die durch verschiedene Einflussfaktoren entsteht und es erschwert, geeignete Qualitätssicherungsverfahren zu entwickeln und umzusetzen.

Mögliche Einflussfaktoren stellt das letzte Kapitel vor. Es schließt mit einem ergebnisbezogenem Modell, was sich an Erfolgsdimensionen orientiert.

Es ist nicht einfach, die Thematik einzugrenzen und zu beschränken. Bei der Beantwortung der Frage Was ist Qualität? rücken weitere relevante Aspekte wie Einflussfaktoren und Qualitätsinstrumente in den Blick.

1. Qualität - was ist das?

Qualität, das ist ganz allgemein die Beschaffenheit einer Sache, eines Gegenstandes oder einer Person; das sind deren (charakteristische) Eigenschaften; das sind deren Wert oder Güte.[2] Der Begriff Qualität kann eine Gewichtung im Sinne von gut oder schlecht besitzen. Jedoch werden mit dem Wort Qualität, wenn es allein gebraucht wird, immer gute Eigenschaften assoziiert. Wenn etwas Qualität hat, dann ist es von guter Beschaffenheit und nicht von schlechter.

Nachdem der Ausdruck Qualität aus dem Lateinischen entlehnt wurde, findet er Verwendung „...zunächst in der Heilkunde (Temperamentenlehre) im Sinne von Eigenschaft, Merkmal, gewinnt danach (17. Jh.) bes. Gewicht in der Kaufmannssprache (...) und entwickelt vielfältige fachsprachliche Bedeutungs-nuancen.“[3]

Im produzierenden Gewerbe bezeichnet Qualität die Beschaffenheit von Produkten und Produktionsprozessen. Aber auch Dienstleistungen können nach Qualitätskriterien beurteilt werden. Während die Qualität eines Produktes nach genau festgelegten Kriterien beurteilt werden kann, ist dies in der Erwachsenenbildung nicht so einfach möglich. Der Entwicklungs- bzw. Bildungsprozess ist im Gegensatz zum industriellen Produktionsprozess einer Ware ein Prozess unter vielen dynamischen und veränderbaren Faktoren. Die Qualität der Dienstleistung Bildung ist nur schwer messbar, da sie von verschiedenen variablen Größen beeinflusst wird und im Einzelnen nie gleiche messbare Ergebnisse erzielt wie bei einem Industrieprodukt. Am Bildungsgeschehen beteiligt sind Menschen, die einerseits Input liefern und vermitteln und andererseits Menschen, die den Input aufnehmen und annehmen.

Die Bildungsdienstleistung kann hier immer nur in engem Zusammenhang mit den beteiligten Menschen gesehen werden. Sie dient dem Entwicklungsprozess und der Bildung eines Menschen und zeigt sich anschließend als - mit dem Subjekt verschmolzenen - Ergebnis im entwickelten und gebildeten Menschen.[4]

2. Qualität sichern

2.1 Qualitätssicherung - Qualitätsentwicklung - Qualitätsmanagement

Die Qualitätssicherung befand sich am Beginn des Gedankens und der Absicht, Qualität gewährleisten, sicherstellen zu können. Die industriell geprägte Qualitätssicherung stand „zunächst für die Durchsetzung von Organisationsstandards und Einhaltung einmal formulierter Qualitätsziele in Form von Normungen.“[5] Dieses starre System von Qualitätssicherung wurde zunehmend durch ein entwicklungsorientiertes Verständnis von Qualität abgelöst. Aus diesem entwicklungsorientierten Verständnis ging die Qualitätsentwicklung (QE) hervor. In der Erwachsenenbildung ist sie ein den Bildungsalltag kontinuierlicher begleitender Prozess und wird als Leitdiskurs verstanden. Prozessgestaltende Sicherungssysteme werden den Bildungsdienstleistungen eher gerecht, da sie anpassungsfähige, veränderbare, individuelle Sicherungssysteme bereitstellen. QE „zielt nicht nur auf die Festlegung, sondern (...) auch auf die Entwicklungsfähigkeit von Zielen und Anforderungen.“[6]

Das Qualitätsmanagement (QM) greift ebenfalls wie die Qualitätsentwicklung den gestaltbaren und veränderbaren Aspekt eines Sicherungssystems auf. Es bindet sich jedoch an dafür vorgesehene Managementmodelle. QM meint alle organisationsbezogenen Maßnahmen, die der Entwicklung und Verbesserung von Produkten oder Dienstleistungen dienen. „QM steht daher heute für die Idee, kontinuierliche Lernprozesse in und von Organisationen zu initiieren und damit das Organisationslernen zu fördern.“[7]

2.2 Instrumente und Verfahren

Um Qualität in der Erwachsenenbildung zu sichern, bestehen vielfältige Instrumente und Verfahren, die „unterschiedlichen Aufgaben in unterschiedlichem Maße gerecht werden sollen.“[8] Jedoch lassen sich laut Faulstich und Zeuner wenige Grundtypen feststellen: DIN EN ISO 9000, EFQM und Selbstevaluation.[9]

Bei der Norm DIN EN ISO 9000 (und folgende wie DIN EN ISO 9001) stehen die Verfahren im Vordergrund, unter denen ein Prozess abläuft. Diese sollen standardisiert sein, um Qualitätssicherung zu erreichen. Der Fokus richtet sich also nicht auf das Produkt, das Resultat selbst. Die Norm ist prozessorientiert und erst einmal inhaltsleer und spart Produktqualität aus. Die Verfahren der ISO 9000 lassen sich schlecht auf Dienstleistungen wie den Bildungsbereich übertragen und sind nicht innovationsfreundlich.[10]

EFQM (European Foundation for Quality Management) ist stärker auf Selbstevaluation ausgerichtet und besser abstimmbar auf die jeweilige Organisation. „Das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE) hat das Modell für den Bereich der Weiterbildung und die Spezifika von Weiterbildungsorganisationen übersetzt.“[11] Es bezieht sowohl Prozesse als auch Ergebnisse mit ein. Außerdem werden Akteure der Weiterbildung berücksichtigt. Insgesamt schließt das EFQM folgende Faktoren mit ein: Führung, Mitarbeiter, Politik und Strategie, Partnerschaften und Ressourcen, Prozesse, Mitarbeiterergebnisse, Kundenergebnisse, gesellschaftsbezogene Ergebnisse, Schlüsselleistungen. Das EFQM als Verfahren ist vielschichtig, spezifischer anwendbar, aber auch aufwendiger.

Verfahren der Selbstevaluation dagegen sind wenig standardisiert, kaum übertragbar oder nachvollziehbar, können aber die Entwicklung und Mitarbeiterbeteiligung einer Einrichtung fördern. Selbstevaluation wird von Mitgliedern der jeweiligen Einrichtung selbst durchgeführt. Sie „arbeitet vorwiegend und je nach Gegenstand mit einem Methodenmix aus der empirischen Sozialforschung, der Betriebswirtschaft, der Supervision und der Erwachsenenbildung und kombiniert qualitative und quantitative Verfahren.“[12]

[...]


[1] Der Begriff Erwachsenenbildung wird in dieser Arbeit durchgängig verwendet und schließt Weiterbildung mit ein.

[2] Das Wort Qualität leitet sich von lateinisch qualitas (Beschaffenheit, Verhältnis, Eigenschaft) ab. Vgl. wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Hrsg.): Duden. Das große Fremdwörterbuch. Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich: Dudenverlag, 3., überarbeitete Auflage 2003, S. 1126.

[3] Braun, Wilhelm / Ginschel, Gunhild / Hagen, Gustav u.a.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. München: Deutscher Taschenbuch Verlag 1995, S. 1065.

[4] „Obwohl es auf den ersten Blick nahe liegender erscheinen mag, sich unmittelbar dem Produkt zuzuwenden, ist im Bereich der Bildung, nicht zuletzt aufgrund der (...) Untrennbarkeit von Produzent, Konsument und Produkt, auch der Weg der Prozessbewertung nicht von der Hand zu weisen.“ Arnold, Rolf / Pätzold, Henning: Qualitätsstandards in der Erwachsenenbildung. In: Peterander, Franz / Speck, Otto (Hrsg.): Qualitätsmanagement in sozialen Einrichtungen. München/Basel: Ernst Reinhardt Verlag 2004, S. 107.

[5] Veltjens, Barbara: Qualitätsentwicklung. In: Arnold, Rolf / Nolda, Sigrid / Nuissl, Ekkehard (Hrsg.): Wörterbuch der Erwachsenenbildung. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt, 2., überarbeitete Auflage 2010, S. 252.

[6] Ebd., S. 253. Vgl. auch: Dehn, Claudia: Pädagogische Qualität als Querschnittsaufgabe von Weiterbildungsorganisationen. In: Dies.: Pädagogische Qualität. Hannover: Expressum Verlag 2009, S. 11: Genauso wie der Bildungs- und Entwicklungsprozess eines Menschen eine individuelle Sache ist, ist auch Beurteilungsmaßstab (ob eine Sache als qualitativ hoch- oder minderwertig einzuschätzen ist) ein individueller oder intersubjektiv vereinbarter.

[7] Veltjens in: Arnold / Nolda / Nuissl (2010), S. 255.

[8] Arnold / Pätzold in: Peterander / Speck (2004), S. 109.

[9] Faulstich, Peter / Zeuner, Christine: Qualitätssicherung. In: Dies.: Erwachsenenbildung. Weinheim / Basel: Verlag Beltz, Reihe Bachelor, Master 2010, S. 112. EFQM schließt einen gewissen Grad von Selbstevaluierung mit ein. Hartz und Meisel werten die einzelnen Modelle anhand des Verhältnisses von Fremd- und Selbstevaluation. Auf der Evaluationsebene unterscheiden sie Selbstevaluation (interne Evaluation) und Fremdevaluation (externe Evaluation). Vgl. Hartz, Stefanie / Meisel, Klaus: Qualitätsmanagement. Bielefeld: Bertelsmann Verlag GmbH Co. KG, 2., überarbeitete Auflage 2006, S. 47ff. und 73ff.

[10] Vgl. Arnold / Pätzold in: Peterander / Speck (2004), S. 108.

[11] Hartz / Meisel (2006), S. 73.

[12] Hartz / Meisel (2006), S. 48.

Details

Seiten
11
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656927631
ISBN (Buch)
9783656927648
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v295006
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Institut für Erziehungswissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
qualität erwachsenenbildung

Autor

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Titel: Qualität in der Erwachsenenbildung