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Leitzinsempfehlung für die EZB. "Generation Euro"-Wettbewerb

von Alex Waldenmaier (Autor) Jannik Elmer (Co-Autor) Maximilian Joos (Co-Autor)

Facharbeit (Schule) 2015 21 Seiten

VWL - Geldtheorie, Geldpolitik

Leseprobe

INHALT

Vorwort

Überblick über die Auswirkungen von Zentralbankentscheidungen auf die Wirtschaft

Analyse der aktuellen Wirtschafts- und Finanzlage

Begründeter Leitzinsbeschluss

Anhang

Literaturverzeichnis (alphabetisch)

Vorwort

Wir, das Team „Pecunia non olet“, bedanken uns bei den Veranstaltern des „Generation €uro“-Wettbewerbs, in der zweiten Runde diesen Aufsatz einreichen zu dürfen. Wir hoffen mit unserer Ausarbeitung ihr Interesse zu wecken, und würden uns über eine Einladung zur Präsentationsrunde freuen.

Jannik Elmer,

Maximilian Joos,

Alexander Waldenmaier

Überblick über die Auswirkungen von Zentralbankentscheidungen auf die Wirtschaft

Die Europäische Zentralbank bedient sich zur Aufrechterhaltung der Preisstabilität im Euroraum verschiedener geldpolitischer Instrumente. Zu den Wichtigsten zählt die Anpassung des Hauptrefinanzierungssatzes („Leitzins“) sowie des Spitzenrefinanzierungssatzes und des Einlagesatzes.1 Für diese Ausarbeitung sind vor Allem diese Größen von Relevanz, jedoch sind auch andere Maßnahmen der Geldmarktpolitik der EZB von Wichtigkeit, z.B., ganz aktuell, das „Quantitative Easing“ (deutsch: Quantitative Lockerung, abgekürzt QE).

Die Übertragung der geldpolitischen Entscheidungen auf die Wirtschaft, hinsichtlich der Leitzinssätze, gelingt der EZB in erster Linie durch die Banken. Diese bilden das Bindeglied zwischen der Wirtschaft und der Zentralbank. Sie versorgen die Wirtschaftsunternehmen und Privatpersonen mit den notwendigen Krediten für Investitionen und Konsum, und besorgen sich die dafür notwendige Liquidität über die Hauptrefinanzierungsfazilität der EZB. Die Kreditzinsen hängen maßgeblich von den jeweiligen Leitzinsen ab.2

Erhöhter oder verringerter Konsum bzw. Investitionsbereitschaft beeinflussen die Nachfrage an Krediten. In der Folge steigt oder sinkt auch das allgemeine Preisniveau (abzulesen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex, abgekürzt HVPI). Die Preiswertstabilität ist das primäre Ziel der EZB, die sich vorgenommen hat, die Inflationsrate knapp unter 2% zu halten.3

Eine höhere oder geringere Nachfrage nach Krediten seitens der Unternehmen zeugt von einer entsprechenden Investitionsbereitschaft. Mehr Investitionen wirken sich üblicherweise positiv auf die Wirtschaftslage und die Arbeitslosenquote aus.

Neben den indirekten Einflussfaktoren auf die Wirtschaft wird auch die Zinslast verschuldeter Staaten eines Währungsgebietes von den Leitzinsen der jeweiligen Zentralbank beeinflusst, da die zur Rückzahlung fälligen Altschulden zu günstigeren Zinsbedingungen wieder aufgenommen werden können.4

Auch der Wert einer Währung wird indirekt vom Leitzinssatz der entsprechenden Zentralbank beeinflusst. Niedrige Zinsen führen zu Kapitalabflüssen in andere Währungsgebiete, hohe Zinsen zu Kapitalzuflüssen aus anderen Währungsgebieten. Dies hat Auswirkungen auf die Nachfrage einer Währung und lässt deren Wert entsprechend sinken oder steigen. Ein niedriger Außenwert kann mitunter positive Auswirkungen auf die Exportwirtschaft des eigenen Landes haben, da ausländische Importeure die Waren günstiger erwerben können.5

Analyse der aktuellen Wirtschafts- und Finanzlage

Um einen begründeten Leitzinsbeschluss abgeben zu können, ist, entsprechend der Prinzipien des EZB-Rates, anhand des Zwei-Säulen-Ansatzes im Folgenden die aktuell im Euroraum vorherrschende wirtschaftliche und monetäre Ausgangslage zu analysieren.6

Nach der schwierigen, rezessiven, wirtschaftlichen Lage im Euroraum, als Folge der Finanz- und Bankenkrise im Jahr 2008, zeigen die Indikatoren für die Wirtschaftslage in den Ländern der Währungsunion erste Verbesserungen. So können viele der einstigen Problemstaaten, wie z.B. Spanien, Portugal, Irland oder Griechenland, wieder ein positives Wirtschaftswachstum aufweisen.7 Zielführend waren hierbei strukturelle Reformen am Arbeits- und Gütermarkt, welche die Wettbewerbsfähigkeit der Staaten förderten.8

So reduzierte sich z.B. das griechische Haushaltdefizit in den Jahren 2009 bis 2013 etwa um die Hälfte des BIP. Auch weiteren Staaten des Euroraums gelang eine Reduzierung des Haushaltsdefizits – so schaffte es Deutschland zum Ende des Jahres 2014 die symbolische „schwarze Null“ zu erreichen.9 Hierbei konnte durch die positive Wirtschaftsentwicklung, die dadurch sinkende Arbeitslosenquote und daraus resultierenden steigenden Steuereinnahmen10, seit vielen Jahren zum ersten Mal, ein ausgeglichener Staatshaushalt ohne Neuverschuldung erreicht werden.11

Jedoch gibt es nach wie vor Länder, die mit einem schwachen Wirtschaftswachstum, hoher Arbeitslosigkeit und einem wachsenden Schuldenberg zu kämpfen haben. Frankreich z.B., das derzeit ein Wirtschaftswachstum von ±0% verzeichnet, wird auch im Jahr 2015 die Maastricht-Kriterien der Schuldengrenze von 3% des BIP nicht erreichen. In diesen Ländern besteht die dringende Notwendigkeit weiterer Strukturreformen.12

Eine zusätzliche, erschwerende Situation entsteht durch den seit Wochen anhaltenden rapiden Ölpreisverfall, verursacht durch die sinkende Nachfrage und die abgelehnte Fördermengenreduzierung der OPEC-Staaten. Dadurch schrumpfte die in hohem Maße von der Öl- und Gasindustrie abhängige russische Wirtschaft. Dies führte unter anderem zu einem rapiden Wertverlust des Rubels, was wiederum die Exporte aus dem Euroraum nach Russland drastisch verteuerte. In der Folge sind diese Exporte deutlich eingebrochen.13 Auch die US-amerikanische Fracking-Industrie gerät in Schwierigkeiten, da sich diese Förderungsart unter einem Preis von 60$ pro Barrel nicht mehr rentiert.14 Der rückläufige Ölpreis drückt zusätzlich, auf die bereits fallende Inflationsrate, wodurch sich die Gefahr einer deflationären Entwicklung erhöht.15 Auch Mario Draghi äußerte sich zu diesem Thema: „[The Governing Council] will be particularly vigilant as regards the broader impact of recent oil price developments on medium-term inflation trends in the euro area.“ („[Der EZB-Rat] wird angesichts des Einflusses der jüngsten Ölpreisentwicklungen auf die mittelfristige Inflationsaussichten im Euroraum besonders wachsam sein.“)16

Neben dem zum Teil sehr schwachen wirtschaftlichen Umfeld in einigen Euroländern und der deflationären Tendenzen in der Eurozone haben auch gravierende finanzpolitische Ereignisse Einfluss auf die europäische Wirtschafts- und Finanzstabilität. Bestes Beispiel dafür war der unerwartete Beschluss der Schweizer Nationalbank, den Schweizer Franken wieder vom Euro abzukoppeln. Dadurch kam es zu drastischen Wechselkursschwankungen an den Devisenmärkten und zu Verlusten bei Kreditinstituten, Wirtschaftsunternehmen und Privathaushalten. Der internationale „Save Haven“-Status der Schweiz und die niedrigen Zinsen17 führten zu einem erhöhten Volumen ausstehender Währungskredite in Schweizer Franken.18 Dieses bereits bestehende Kreditvolumen erhöhte sich nach dem Beschluss der SNB aufgrund der Wertsteigerung des Schweizer Franken schlagartig um ca. 20%.19 Bei einer Tilgung dieser Kredite würde dies nun zu herben Verlusten führen.

Seit Beginn des Jahres 2012 ist die Inflationsrate im Euroraum rückläufig. Zum Ende des Jahres 2014 lag sie bereits unter 0%20 und damit deutlich unter der Zielzone der EZB, was die Gefahr einer Deflation birgt. Das Vorhaben der EZB, mit dem historisch niedrigen Leitzins eine inflationäre Entwicklung hervorzurufen, ist bisher nicht gelungen. Deshalb besteht nach wie vor die Gefahr einer „Deflationsspirale“: Unternehmen und Privatpersonen halten sich mit Investitionen und Konsum zurück, um noch günstigere Preise abzuwarten. Die Folge wäre ein weiteres Absinken der Inflationsrate. Jedoch prognostiziert die EZB (Stand 4. Dezember 2014) für das Jahr 2015 wieder eine positive Entwicklung der Änderungsrate von bis zu 0.7%.21

Trotz des niedrigen Zinssatzes kommt es weiterhin nicht zu großflächigen Investitionen,22 die Arbeitsplätze schaffen würden. Infolgedessen hält sich die Arbeitslosenquote seit der Finanzkrise im Jahr 2008 EU-weit auf einem erhöhten Niveau von über 10%. Auch hier erfüllte sich die Erwartung der EZB, durch eine Niedrigzinspolitik steigende Investitionstätigkeiten und in der Folge eine sinkende Arbeitslosenquoten zu erreichen, nicht.23

Um eine Deflationsspirale zu verhindern, hat sich die EZB nun entschieden, „die ultimative Waffe in Stellung zu bringen: Großvolumige Staatsanleihenkäufe, also ‚Quantitative Easing’“,24 so Harald Preißler, Chefvolkswirt des Anleihemanagers Bantleon. Durch diese weitere und vorläufig letzte geldpolitische Maßnahme stellt die EZB in erster Linie den Kreditinstituten aber auch den Euroländern direkt günstige Liquidität zur Verfügung. Dadurch sollen die Unternehmen mit Krediten versorgt werden, um dringend notwendige Investitionen anzuregen. Des Weiteren erleichtert die EZB damit den noch in der Schuldenkrise festsitzenden Staaten die Reduzierung ihrer Haushaltsdefizite.25

Aufgrund der geringen Nachfrage nach Krediten durch Unternehmen und Privatpersonen bei den MFIs26 verfügen diese aktuell über einen Liquiditätsüberschuss von insgesamt 83 Milliarden €. Bei einer Anlage dieser überschüssigen Liquidität bei der EZB wird diese mit einem Strafzins, dem Einlagezinssatz, von derzeit -0,2% unterlegt.27

Aus monetärer Sicht sollte zuletzt auch das Augenmerk auf das Geldmengenaggregat M3 gerichtet werden. Beginnend mit dem 2. Quartal des Jahres 2014 verzeichnete die Änderungsrate einen Anstieg und befand sich zum Ende des Jahres bei gut 3%,28 somit immer noch unter dem Referenzwert der EZB von 4,5%.29 Jedoch ist zu erwarten, dass das M3 durch das QE wachsen wird.30 Diese Steigerung ist zur Finanzierung der gewünschten Inflation notwendig.31

Begründeter Leitzinsbeschluss

Basierend auf der vorhergehenden Analyse kommen wir abschließend zu folgenden Leitzinsbeschlüssen, die wir dem EZB-Rat für seine Sitzung am 5. März 2015 empfehlen:

Hauptrefinanzierungssatz: 0,1% (0,05)

Spitzenrefinanzierungssatz: 0,35% (0,3)

Einlagesatz: -0,15% (-0,2)

(Aktuelle Werte in Klammern angegeben)

Wir sind der Ansicht, dass eine leichte Zinserhöhung in erster Linie einen psychologischen Effekt haben würde, und dadurch die Gefahr einer Deflationsspirale gebannt werden könnte: Der Investitions- und Konsumaufschub von Seiten der Unternehmen, respektive der Konsumenten in der Eurozone, würde dadurch zu einem Ende kommen. Eine maßvolle Zinserhöhung wäre ein erstes Signal, und würde ein vorläufiges Ende der Niedrigzinspolitik ankündigen. Die als Folge aufkommenden Befürchtungen weiter steigender Zinsen wären der Auslöser für die notwendigen und bisher aufgeschobenen Investitionen und Konsumausgaben.

Diese Entwicklungen würden im weiteren Verlauf die Konjunktur ankurbeln und die Arbeitslosenquote senken. Zusätzlich würde durch die erhöhte Kreditnachfrage die Geldmenge M3 weiter angehoben werden, und sich so dem Referenzwert von 4,5% weiter annähern.

Zuletzt würde diese gesteigerte Nachfrage auch die Inflationsrate kontrolliert steigen lassen, und diese im Idealfall Richtung 2% führen – ein Ziel, das die EZB mit ihrer Niedrigzinspolitik seit längerem versucht zu erreichen.

Gegen einen negativen Hauptrefinanzierungssatz spricht die Gefahr, dass ein weiter fallendes Zinsniveau den bereits beschriebenen Aufschubeffekt bezüglich Investitionen und Konsum verstärkt. Die Folge wäre die befürchtete Deflationsspirale, mit allen negativen Auswirkungen auf die Real- und Finanzwirtschaft.

Des Weiteren besteht die Gefahr eines drastischen Wertverlustes des Euro. Ein Vertrauensverlust in die eigene Währung wäre das Ergebnis, in dessen Folge es zu plötzlichen und massiven „Panikkäufen“ kommen kann. Diese „übertriebene Nachfrage“ ließe die Preise unkontrolliert ansteigen und würde deshalb in einer Hyperinflation enden.

Gegen das Fortführen des aktuellen, historisch tiefen Zinsniveaus sprechen unter anderem zwei Beispiele aus der Vergangenheit:

Japan etwa hat es in den letzten 10-15 Jahren nicht geschafft durch eine Niedrigzinspolitik Nachfrage in der japanischen Wirtschaft zu generieren, um das Ziel einer Inflationsrate von knapp unter 2% zu erreichen. Stattdessen verfiel das Land in eine Deflationsspirale, bei der die Inflationsrate häufig unter 0% lag.32 Um aus dieser Abwärtsspirale auszubrechen, und schlussendlich doch die ursprünglichen Ziele der Niedrigzinspolitik zu verwirklichen, begann die Bank of Japan Anfang 2013 damit, im großen Stil QE zu betreiben. Aber auch diese Maßnahmen haben nie zu dem erhofften Ziel geführt. Lediglich punktuelle Wirtschaftsmaßnahmen, wie die kürzlich angekündigte Mehrwertsteuererhöhung, führten zu vereinzelten „Strohfeuern“ in Form von vermehrtem Konsum („Hamsterkäufe“ vor der Steuererhöhung) und ließen die Inflationsrate kurzfristig über die Zielzone von ca. 2% steigen.33

[...]


1 Vgl. Euro-Informationen, 2015

2 Vgl. cp/Reuters/afp, 2014 und Siehe Anhang 1

3 Vgl. Bundesbank „Inflation“, kein Datum

4 Vgl. Fischer, 2015

5 Vgl. Die Presse, 2010

6 Vgl. EZB, kein Datum

7 Siehe Anhang 2

8 Vgl. Bundesministerium für Finanzen, 2014

9 Siehe Anhang 3

10 Siehe Anhang 4

11 Vgl. Deutscher Bundestag, 2014

12 Vgl. csf/Reuters/dpa/AFP, 2014

13 Vgl. Reuters, 2014

14 Vgl. start-trading Team, 2014

15 Vgl. tagesschau. de, 2014 und Vgl. dpa-AFX, 2015 und Siehe Anhang 5

16 Draghi, 2015

17 Siehe Anhang 6

18 Vgl. Bundesbank „Schweizer Franken und US-Dollar [...]“, kein Datum

19 Siehe Anhang 7

20 Siehe Anhang 8

21 Vgl. dpa-infocom GmbH, 2014

22 Siehe Anhang 9

23 Siehe Anhang 10

24 Schwarzer, 2015

25 Vgl. Reuters/dpa/law, 2011

26 Siehe Anhang 9

27 Vgl. Bielmeier, 2014

28 Siehe Anhang 11

29 Vgl. Bundesbank „Geldmengenaggregate“, kein Datum

30 Siehe Anhang 12

31 Vgl. European Central Bank, 2014

32 Siehe Anhang 13

33 Vgl. Bohnensteffen, 2014 und ts/rtr, 2014

Details

Seiten
21
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656930020
ISBN (Buch)
9783656930037
Dateigröße
635 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v294861
Note
Schlagworte
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