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Akzeptanz von E-Government-Anwendungen in Deutschland

Welche Akzeptanz erfährt der neue elektronische Personalausweis in Deutschland?

Seminararbeit 2015 19 Seiten

Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation

Leseprobe

INHALT

1 Einleitung

2 Akzeptanz von E-Government-Anwendungen in Deutschland
2.1 Begriffe
2.2 Theorie
2.3 AkteurInnen
2.4 Nationale E-Government-Strategie
2.5 Akzeptanzprobleme des eIDMS
2.6 Fazit

3 Schluss

4 Quellen- und Literaturverzeichnis
4.1 Literaturverzeichnis
4.2 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

In einer Informations-und Wissensgesellschaft, in der die Verbreitung moderner Informations-und Kommunikationstechnologien (IKTs) immer mehr zunimmt, gewinnen auch alternative Modelle einer Verwaltung an Bedeutung. Auch der daraus resultierende gesellschaftliche Wandel stellt Herausforderungen an Staat und Verwaltung, die nach einer effizienten Lösung für die BürgerInnen als auch die Wirtschaft suchen (vgl. IT-Planungsrat 2010: 3f.). So hat sich in den letzten Jahren das Verwaltungsmodell des E-Government verbreitet, das durch die Nutzung dieser Informations-und Kommunikationstechnologien eine bessere Zusammenarbeit mit BürgerInnen und Unternehmen gewährleisten soll. Dazu wurden verschiedene Anwendungen entwickelt, die die Kommunikation zwischen NutzerInnen und Verwaltung erleichtern können. Im Jahr 2002 wurde in Deutschland als Äquivalent zur schriftlichen Signatur die elektronische Signatur ins Leben gerufen, wodurch eine vereinfachte Möglichkeit zur Abgabe einer schriftlichen Willenserklärung erreicht werden sollte (vgl. Stollhof 2013: 692). Doch diese Möglichkeit der Kommunikation erfuhr nicht die erhoffte Akzeptanz in der Bevölkerung (vgl. ebd: 693). Als Weiterentwicklungen wurden 2010 die D-Mail und der neue elektronische Personalausweis eingeführt (vgl. Stollhof 2013: 693).

In dieser Proseminararbeit möchte ich auf die Frage eingehen, welche Akzeptanz der neue elektronische Personalausweis in der Bevölkerung erfährt und versuchen Begründungen dafür zu finden. Aus gesellschaftlicher Sicht ist dieses Thema relevant, da die Notwendigkeit zu einer effizienten und effektiven Kommunikation zwischen BürgerInnen und Verwaltung mittels moderner Technologien gegeben ist. Jedoch sind sich viele Menschen über die Nutzungsmöglichkeiten des neuen elektronischen Personalausweises nicht bewusst oder lehnen diese ab. Aus wissenschaftlicher Perspektive besitzt des Thema Relevanz, weil bei der Entwicklung solcher Anwendungen häufig nicht vorausgedacht wird im Sinne einer nutzerzentrierten Entwicklung und die technologischen Möglichkeiten nicht hinreichend umgesetzt werden (vgl. Kubicek 2011: 46). Als Methode werde ich die Literaturrecherche zur Umsetzung meiner Seminararbeit nutzen. Zunächst möchte ich wichtige Begriffe und Konzepte, die in dieser Seminararbeit Bedeutung haben, definieren und dann die Theorie „Diffusion of innovations“ von Everett Rogers im kommunikationswissenschaftlichen Kontext vorstellen, die als Grundlage für meine Annahmen dient. Nachfolgend werden die AkteurInnen von staatlicher Seite im E-Government in Deutschland vorgestellt und auf die Bedeutung von E-Commerce-Anbietern eingegangen. Anschließend wird die nationale E- Government-Strategie beschrieben. Schließlich sollen die auftretenden Akzeptanzprobleme des neuen elektronischen Personalausweises erklärt werden.

2 Akzeptanz von E-Government-Anwendungen in Deutschland

2.1 Begriffe

Um dem Leser bzw. der Leserin einen besseren Einblick in das Thema zu geben, wird in diesem Kapitel zunächst auf den Begriff des E-Government eingegangen. Diese Verwaltungsform ist noch sehr neu und hat erst in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen (vgl Wirtz/Piehler 2010: 5). Generell ist E-Government als interdisziplinäres Feld zu verstehen, weil es sowohl in der Betriebswirtschaftslehre im Bereich E-Business Verwendung findet, als auch in der Verwaltungsinformatik, den Verwaltungswissenschaften und der Kommunikationswissenschaft (vgl. Wirtz/Piehler 2010: 6). Dementsprechend ist es bei einem so umfassenden Thema schwierig eine allgemeingültige Definition zu geben. Für die Zwecke dieser Seminararbeit soll E-Government als „umfassende[r] Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien in Regierung und Verwaltung mit dem primären Ziel, die Servicequalität für Bürger und Wirtschaft zu erhöhen“ (Booz Allen Hamilton 2002, zit.n. Wirtz/Piehler 2010: 7) verstanden werden. Da auch technische und rechtliche Aspekte für die Beantwortung der Forschungsfrage relevant sind, soll auch auf diese eingegangen werden, jedoch inhaltlich nicht vertieft, sondern nur in einem Umfang, der ein besseres Verständnis des Themas gewährleistet.

E-Government ist nicht nur für Verwaltung und Staat relevant, sondern soll auch für die BürgerInnen einen Mehrwert aufweisen in Form einer flexibleren und transparenteren Verwaltung und eines umfangreichen Leistungsangebotes, das direkt im Internet verfügbar ist (vgl. Wirtz/Piehler 2010: 8). In Abbildung 1 ist ein Überblick über die der- zeitigen E-Government- Anwendungen zu finden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Abb. 1: Anwendungen im E-Government

Dabei wird zwischen den fundamentalen Anwendungen, wie E-Administration und E- Democracy, und den fortgeschrittenen Anwendungen unterschieden (vgl. Wirtz/Piehler 2010: 9f.). Unter E-Administration sind Einsatzmöglichkeiten zu verstehen, die im Zusammenhang mit der Verwaltung des Staates eingesetzt werden und unter E-Democracy wird die Elektronische Willens-und Meinungsbildung sowie die politische Partizipation des Bürgers bzw. der Bürgerin mittels moderner IKTs verstanden (vgl. ebd.). Die fortgeschrittenen E- Government-Anwendungen beinhalten bereits die elektronische Informationsspeicherung- und Übermittlung (vgl. ebd.). Zudem können verschiedene Stufen des E-Government unterschieden werden, wobei der Grad der Wertschöpfung mit der Komplexität zunimmt (vgl. Abb. 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Abb.2: Entwicklungsstufen im E-Government

Demnach werden in der Informationsphase lediglich Informationen bereitgestellt, wie z.B. auf Internetseiten von Behörden, die dann in der Kommunikationsphase bereits ausgetauscht werden können, beispielsweise via E-Mail. In der Transaktionsphase können Leistungen bereits vollständig elektronisch abgewickelt werden und in der Partizipationsphase werden NutzerInnen aktiv in Gestaltungsprozesse mit einbezogen. In der Integrationsphase schließlich findet eine übergreifende Integration von NutzerInnendaten sowie -verhalten in elektronische Verwaltungsprozesse statt (vgl. Wirtz/Piehler 2010: 13). Häufig taucht im Zusammenhang mit den aktuellsten E-Government-Anwendungen, wie dem elektronischen Personalausweis (eID), auch der Begriff der medienbruchfreien Prozesse auf. Ein Medienbruch bedeutet, dass „bei der Übertragung von Informationen innerhalb der Übertragungskette ein Wechsel des Mediums [erfolgt] […]. Medienbrüche bergen die Gefahr der Informationsverfälschung und ziehen eine Verlangsamung der Informationsbearbeitung nach sich.“ (Gabler Wirtschaftslexikon o.J.: o.S.). Durch die neuen Anwendungen soll dieser Medienbruch umgangen werden. Kritisch ist jedoch, ob die verfolgten Strategien damit hinreichend umgesetzt werden können.

2.2 Theorie

Um die Akzeptanz des neuen elektronischen Personalausweises zu untersuchen, habe ich verschiedene Modelle für Technologieakzeptanz recherchiert, welche sich im Wesentlichen sehr ähneln. Eine bekannte Theorie auf diesem Gebiet ist das Technologie-Akzeptanz- Modell von Davis (1986, zit n. Veit, Fetzer, Stollhof 2010: 227). Das Modell sagt, dass Faktoren wie der wahrgenommene Nutzen, die wahrgenommene Einfachheit der Nutzung, die NutzerInnenunterstützung, der soziale Druck oder die Unterstützung durch die Unternehmensleitung einen maßgeblichen Einflussfaktor auf die Akzeptanz von Technologien haben (vgl. ebd.). Da dies aber eher eine betriebswirtschaftliche Sichtweise ist, möchte ich in meiner Arbeit mit der Theorie „Diffusion of innovations“, die von Rogers in den 1960er Jahren ausgearbeitet wurde und im kommunikationswissenschaftlichen Sinne von Moreland und Srivastava erweitert wurde arbeiten (vgl. Moreland/Srivastava 2012: 295), da viele der wichtigsten Innovationen in den letzten Jahren in Kommunikationstechnologien und Kommunikationspraktiken aufgetaucht sind (vgl. Moreland/Srivastava 2012: 306).

Dabei kommt der Medienkonvergenz eine wichtige Bedeutung zu, denn: „media-based innovations are affecting many areas of the human experience and media convergence itself is a multidimensional process, not limited to media and technology devices themselves.“ (Moreland/Srivastava 2012: 306). Das heißt, dass die Akzeptanz von neuen Medienanwendungen von der Verbreitung der Meinung über diese Anwendung abhängt. Die Meinungsverbreitung soll in dieser Arbeit aber nicht allein auf die medienbasierte Kommunikation beschränkt werden, sondern auch interpersonelle Kommunikation berücksichtigen. Maßgeblich beeinflussend für die Akzeptanz der Innovation sind schließlich:

1) „ein wahrgenommener relativer Mehrwert in Kategorien von Kosten und Nutzen, Prestige, u.Ä.,“
2) „Entsprechung mit Werten, Interessen und bisherigen Erfahrungen,“
3) „wahrgenommene Komplexität im Sinne der Schwierigkeiten, die Innovation zu verstehen und zu benutzen,“
4) „Probierbarkeit im Sinne der Möglichkeit, die Innovation ohne größeren Aufwand eventuell mit begrenzter Funktionalität auszuprobieren,“
5) „Beobachtbarkeit der Resultate für andere als Voraussetzung für die Adaption durch Beobachtung ihrer Nutzung bei Freunden oder anderen Bezugsgruppen“ (Rogers 2003, zit. n. Kubicek 2011: 46)

Mit dem „relativen Mehrwert“ ist gemeint, dass dieser für jeden Nutzer bzw. jede Nutzerin subjektiv ist und deshalb nicht verallgemeinert werden kann, (vgl. Kubicek 2011: 46). Diese Theorie soll auf die eID angewendet werden, doch zunächst sollen wichtige Akteure bzw. Akteurinnen im E-Government in Deutschland und die nationale E-Government-Strategie behandelt werden.

2.3 Akteurinnen bzw. Akteure des E-Government in Deutschland

An dieser Stelle soll ein knapper Überblick über die Akteurinnen bzw. Akteure des E- Government in Deutschland gegeben werden, um ein besseres Verständnis über die Prozesse darin zu ermöglichen. Grundsätzlich gibt es Akteure bzw. Akteurinnen auf jeder Ebene (Bund, Länder, Kommunen) (vgl. Wirtz/Piehler 2010: 6), zur Vereinfachung sollen hier aber nur die übergreifenden nationalen Akteurinnen bzw. Akteure, die verantwortlich sind für die Steuerung der Projekte vorgestellt werden. Beauftragt mit der Umsetzung der E- Government-Projekte sind verschiedene Gremien und Arbeitsgruppen, die in enger Zusammenarbeit stehen. Sie unterliegen dem Bundesinnenministerium (vgl. Grote et.al 2010: 102).

Eine Schlüsselposition hat die Beauftragte der Bundesregierung für Informationstechnik, Fr. Rogall-Grothe, inne. Sie ist zentrale Ansprechpartnerin für Länder und Wirtschaft bei der Zusammenarbeit mit der Bundesregierung in IT-Fragen (vgl. Noack/Kubicek 2010: 102). Ihr Ziel ist es „die ressortübergreifende IT-Koordinierung zu einer ressortübergreifenden IT- Steuerung auszubauen.“ (Beauftragte der Bundesregierung für Informationstechnik 2013a: o.S.) Des Weiteren wirken der Rat der IT-Beauftragten der Ressorts (IT-Rat) und die IT- Steuerungsgruppe mit, dessen Vorsitz die Beauftragte des Bundes für Informationstechnik inne hat (vgl. Beauftragte der Bundesregierung für Informationstechnik 2013a: o.S.) Im IT- Rat sind die verschiedenen Ressorts auf Bundesebene zusammengefasst, um eine einheitliche Gestaltung der IT-Themen im Bund zu ermöglichen (vgl. Beauftragte der Bundesregierung für Informationstechnik 2013b: o.S.) Die IT-Steuerungsgruppe des Bundes dagegen versucht politisch und haushaltsmäßig in Übereinkunft über IT-Projekte zu entscheiden. Im Moment stehen als Großprojekte der neue Personalausweis und die Netze des Bundes auf dem Themenplan (vgl. Beauftragte der Bundesregierung für Informationstechnik 2013c: o.S.). Daneben gibt es zwei Arbeitsgruppen des IT-Gipfels.

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Details

Seiten
19
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656925903
ISBN (Buch)
9783656925910
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v294780
Institution / Hochschule
Universität Salzburg
Note
1
Schlagworte
akzeptanz e-government-anwendungen deutschland welche personalausweis

Autor

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Titel: Akzeptanz von E-Government-Anwendungen in Deutschland