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Das Prinzipat. Etablierung einer neuen Herrschaftsform im antiken Rom

Hausarbeit 2014 16 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Iden des März – Mord der Senatoren
2.1. Clementia

3. Das Prinzipat – Neuordnung des Staates
3.1. Augustus Positionierung zu Caesar - Einblick in die Numismatik
3.2. Die neue Staatsform – Ein Hybrid
3.2.1. Der Staatsakt 27 v. Chr.
3.3. Der Senat in Republik und Prinzipat
3.3.1. Wie verhielt sich der Prinzeps gegenüber den Senatoren?

4. Fazit

5. Quellenverzeichnis
5.1. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Caesar scheiterte an den Iden des März 44. v. Chr. endgültig an seinem Versuch eine Alleinherrschaft dauerhaft in Rom zu etablieren. Sein Adoptivsohn Oktavian/Augustus führte 27 v. Chr. schließlich die neue Herrschaftsform des Prinzipats ein. Egon Flaig kristallisiert drei Gruppen mit „auffällig intensive[r] Beziehung zum Zentrum der Macht, zum Kaiser“ heraus: „die Plebs urbana, der Senat und das Heer“. Ein Monarch muss also, will er seine Alleinherrschaft dauerhaft etablieren, versuchen keine „Übergriffe“ auf eine dieser Gruppen durchzuführen. Denn der „Kaiser riskierte, daß die brüskierte Gruppe ihn ablehnte, bei schweren Fällen sogar ganz offen; und das konnte seinen Sturz nach sich ziehen“. Da Caesar eben durch die Hände/Dolche von Senatoren starb, scheint er, bei dem Versuch eine Alleinherrschaft zu etablieren, an eben diesem Faktor gescheitert zu sein.1

Augustus hingegen legitimierte seine Alleinherrschaft mit dem von ihm eingeführten Prinzipat erfolgreich. Diese Arbeit setzt es sich zum Ziel, herauszuarbeiten, inwiefern der Prinzeps sein Verhältnis zu dem Senat im Vergleich zu seinem Adoptivvater gestaltete. Hierzu wird zunächst die Situation kurz vor Caesars Ermordung mit stetigem Fokus auf das Verhältnis von Herrscher und Senat dargestellt. Unter Caesar wird hier der Aspekt der clementia eine übergeordnete Rolle spielen und eine Grundtendenz seiner Herrschaft zeichnen.

Anschließend wird das Prinzipat genauer analysiert. Wie wurde die neue Herrschaftsform legitimiert und die Anerkennung vom Senat erlangt? Wie genau war der Senat in dem neuen Herrschaftskonzept zu verorten? Stellte sich Augustus betont als Erbe Caesars dar oder schwieg er, eben wegen dem anscheinend problematischen Verhältnis zwischen seinem Adoptivvater und dem Senat, über seine Herkunft? Der Ausarbeitung eben dieser Fragen folgt ein Fazit, das die in dieser Arbeit zu Tage geförderten Ergebnisse zusammenfassend darstellt.

2. Die Iden des März – Mord der Senatoren

Mit dem Sieg über Pompeius hat Caesar, nach der Einschätzung Dietmar Kienasts, „den Versuch, die senatorische Führungsschicht für seinen Staatsneubau zu gewinnen, bewußt verzichtet und ist infolge dieses Verzichts auf die Mitarbeit des Senats schließlich politisch gescheitert“. Hier darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass, und auch dies betont Kienast, Caesar während seines Konsulats „außerhalb des Senats seine politische Basis ständig zu verbreitern wußte“. Caesar strebte durch Begünstigungen das Wohlwollen von Rittern, plebs und Veteranen an. Hieraus resultierte eventuell eine Missgunst des Senats (als Ergebnis eines Arts von Neids auf die Aufmerksamkeit des Herrschers auf andere Gruppen, der von Flaig beschriebenen Dreier-Konstellation).2

Wie auch bei Augustus, muss bei der Betrachtung der Situation bedacht werden, dass „die Zeitgenossen, insbesondere viele der Senatoren, den Wandeln in Staat und Gesellschaft, den Caesars Maßnahmen bewirkt hatten und der auch nach seiner Beseitigung nicht mehr rückgängig zu machen war, in seiner vollen Bedeutung nicht erkennen wollten und wohl auch nicht erkennen konnten [Hervorhebung von mir]“. Dies ist sicherlich ein nicht zu vernachlässigender Faktor, wenn man sich fragt, warum Caesar es nicht schaffte, die Monarchie in Rom fest zu etablieren. Zeitgenossen waren durch den im Vergleich zu heute als schwierig einzuschätzenden Überblick über die Gesamtsituation in ihren Handlungsoptionen eingeschränkt.3

2.1. Clementia

Wägt man die Gefahr von innenpolitischen Gegnern Caesars ab, welche nun letztendlich auch seinen Tod bedeuteten, darf der Propaganda-Aspekt der clementia nicht außer Acht werden. Clementia soll in dieser Hinsicht als eine „besondere Form der Mäßigung von Personen, die Gewalt über andere haben“ definiert sein. Es handelt sich um einen „Strafnachlaß oder –verzicht für ein begangenes Unrecht bei formalem Recht zu Strafe“. Ein Herrscher, der innerhalb der res publica mit Hilfe des Senats regiert, sollte eigentlich auf einer Ebene mit den Senatoren stehen. Dies bedingt, dass in der Innenpolitik „der Begriff der clementia im Sinne des Verzichts auf die Ausübung einer Strafgewalt daher eigentlich fremd“ ist.4

Caesar zeugt hier, wie so oft, von einem „gewaltige[n] Überlegenheitsbewußtsein“ und stellt sich, wenn er doch seine in der Propaganda verwurzelte clementia walten lässt, über den Senat und betont damit indirekt die Distanz zwischen ihm und den Senatoren – dies war sicherlich kein Faktor, der das Verhältnis förderte. Er selbst will die clementia „seiner milden Natur“ zuschreiben, es muss jedoch hier betont werden, dass clementia und crudelitas eine Koexistenz darstellten und beide nur dann zum Einsatz kamen, „wenn sie einem Zwecke dienlich“ waren. In „jedem Fall von Milde oder Härte vermittelt er den Eindruck, souverän und wohlüberlegt seine Entscheidungen zu treffen“. Daher verwundert es nicht, dass Caesar potentiell erkannt hat, „daß clementia im Sinne von Gnade gegenüber seinen Standesgenossen mit republikanischen Vorstellungen unvereinbar“ war. In Folge dieser Erkenntnis mied er selbst den Begriff der clementia und „benutzt stattdessen Ausdrücke wie lenitas, liberitas und beneficium“ wenn es um innenpolitische Faktoren ging. Ob dies jedoch das nach außen publizierte Überlegenheitsbewusstsein Caesars schmälerte, kann nicht sicher behauptet werden.5

Caesar versuchte seine Alleinherrschaft mit seiner clementia-Politik zu untermauern, indem er „seine Gegner in seine Herrschaft“ einband. Viele waren, so Rochlitz, froh, „wenigstens keinen grausamen Herrscher zu haben“. Doch scheiterte Caesar hiermit letztendlich, da es ihm nicht gelingt, „Rom psychologisch zu erobern und seine Standesgenossen in sein politisches System einzubinden, das ihnen nicht mehr die frühere Gleichberechtigung zugestand“. Cicero „billigt seine Ermordung“ schließlich „ausdrücklich und zieht ein vernichtendes Fazit über die clementia Caesaris: Er entlavt sie als angemaßte Geste, als Schein und als bloßes politisches Zweckdenken.“6

Die folgenden Kapitel widmen sich nun Caesars Erben und stellen sich die Frage, inwieweit Oktavian/Augustus aus den Fehlern Caesars gelernt hat, ob er dessen Programm teilweise übernommen hat und inwiefern er das Erbe seines Adoptivvaters nutzte, um seine eigene, neue Herrschaftsform der Alleinherrschaft zu etablieren.

3. Das Prinzipat – Neuordnung des Staates

Augustus wollte bei der Einführung seiner neuen Herrschaftsform „den breiten Massen nicht […] eine Neuordnung präsentieren“ sondern sie als Resultat „der vorangegangenen Geschichte Roms“ und „den Höhepunkt ihrer Entwicklung“ darstellen.7 Dies wurde dadurch vereinfacht oder gar erst ermöglicht, dass die Bevölkerung durch „Ausschreitungen und innenpolitischen Unruhen gelitten“ hatte – somit „einfach nur müde“ war und sich nach „irgendeiner Art Normalität zurückzukehren“ sehnte.8

Die Selbststilisierung des princeps war bestens geplant. So war Augustus bei seinem „Umgang mit der Bevölkerung und auch den Senatoren“ darauf bedacht, dass Bild eines „nichtautokratischen Herrschers“ darzubieten und stellt sich somit in gewisser Weise in einen Kontrast zu seinem Adoptivvater.9 Er wählte daher „nicht ‚König‘ oder ‚Diktator‘, sondern ‚princeps‘, ‚erster Bürger‘“ als seinen Titel (Der Begriff princeps tauchte bereits im Senat auf - der Prinzeps des Senats genoss als eines der „vornehmsten und einflussreichsten Mitglieder der Aristokratie“ sehr hohes Ansehen.10 ). Sueton überliefert uns weiter die Ablehnung des Begriffes dominus durch Augustus. Dieser Begriff wurde meist als Ansprache von Sklaven gegenüber ihrem Herrn verwendet:

„Domini appellationem ut maledictum et obprobrium semper exhorruit. Cum spectante eo ludos pronuntiatum esset in mimo: o dominum aequum et bonum“ et universi quaside ipso dictum exultantes comprobassent, et statim manu vuluque indecoras adulationes repressit et insequenti die gravissimo corripuit edicto; dominumue posthac appellari ne a liberis quidem aut nepotibus suis velserio vel ioco passus est atque eius modi blanditias etiam inter ipsos prohibuit.“11

Galinsky schreibt hierzu: „Augustus wollte nicht als ‚Herr‘ angesprochen werden, nicht einmal zu Hause[…]. Jahrzehnte später ließ sich Kaiser Domitian ‚Herr und Gott‘ nennen – er starb durch die Hand eines Attentäters.“ Der Begriff des Herrn setzte sich erst „rund 300 Jahre nach Augustus“ durch und läutete mit dem „Dominat“ eine neue Regierungsform ein.12

Weiter darf nicht vernachlässigt werden, wie durchdacht das Konzept Oktavians war – er überstürzte nichts. Er verbrachte sogar nach dem Fall Alexandrias „den Winter auf der Insel Samos“ (Galinsky betont schon hier die Lehre „aus dem Schicksaal seines Adoptivvaters“ – „einem paranoiden Tyrannen“).13 Er lehnte „eine königliche Gewalt oder Machtstellung, wie Caesar sie besessen hatte, aus guten Gründen ab“, er fuhr einen „weichen Kurs“ und wollte keine Opposition aufbauen oder fördern.14

3.1. Augustus Positionierung zu Caesar - Einblick in die Numismatik

Augustus „hat die Erinnerung an Caesar zwar [zur] Legitimation gedient, dennoch wurde er nicht zum politischen Vorbild des Augustus. Vielmehr instrumentalisierte und funktionalisierte Augustus den Vater.“ Es ist hierbei nicht davon auszugehen, dass Caesar „als politischer Wegbereiter für Augustus […] eine Rolle gespielt“ hat. Zwar vollendete Augustus zum Beispiel Bauprojekte Caesars, doch dies „reicht […] nicht aus, eine Vorbildfunktion zu begründen“. Laut Meret Strothmann ist es auffällig, daß weder durch die Gebäude, die an Caesar erinnern, noch durch den literarischen Kontext“ die „These von der frühen Loslösung vom Adoptivvater widerlegt werden kann“.15

Für einen Laien könnte durch die Überlieferung von Münzen der Eindruck entstehen, Augustus hätte sich von seinem Adoptivvater gänzlich entfernen wollen – sich explizit von ihm durch die Tilgung seiner Filiation distanziert. „Dagegen sprechen […] die […] epigraphischen Zeugnisse mit der offiziellen Titulatur des Augustus sowie die literarische Überlieferung“. Auf manchen Münzen ist die fehlende Filiation sicherlich dem mangelnden Platz auf der Münze geschuldet. Weiter entsteht jedoch der Eindruck, Augustus hätte gezielt Wert darauf gelegt, die Filiation geographisch zu verbreiten oder einzudämmen. So „haben die überregionalen Münzemissionen von Nemausus und Lugdunum stets die Angabe DIVI F. Mit diesem Geld wurden vor allem die Rheinheere versorgt“. Hier zeigt sich, dass sich Augustus „mit seiner Germanienpolitik bewußt in die Nachfolge Caesars gestellt“ hat. Noch im Jahr 70 n. Chr. war „der Name Caesar […] am Rhein so lebendig, daß […] die Soldaten bei der Erhebung des Vitellius diesem aus einem nahegelegenen Marsheiligtum das Schwert Caesars brachten“. Hier zeigen sich also die regionalen Unterschiede in dem Propagandaapparat des Augustus.16

In diesem Kontext ergänzt Strothmann, dass an „drei ‚Nahtstellen‘ des Principats, einmal der Übernahme des ersten Konsulats, dann im Jahr der Verleihung des Augustusnomens, schließlich bei der Einführung des neuen saeculum […] Caesar [eine] legitimierende Funktion“ erfüllt.17

Diese Beispiele zeigen, dass davon auszugehen ist, dass Augustus sich sehr bewusst überlegte, ob und wann er seinen Adoptivvater erwähnte und sich bewusst in dessen Erbfolge darstellte. Eine grundsätzliche Distanzierung muss somit falsifiziert werden – eine frühe Loslösung von dem Programm des Adoptivvaters kann jedoch, wie Meret Strothmann betont, nicht bestritten werden.

[...]


1 Egon Flaig: Den Kaiser herausfordern. Die Usurpation im Römischen Reich (Historische Studien 7), Frankfurt, New York 1992, S.175-177.

2 Dietmar Kienast: Augustus. Prinzeps und Monarch, (4. bibliografisch aktualisierte und um ein Vorwort ergänzte Auflage [Sonderausgabe]) Darmstadt 2009, S.13. Im Folgenden zitiert als: Dietmar Kienast: Augustus.

3 Dietmar Kienast: Augustus, S.14.

4 Sabine Rochlitz: Das Bild Caesars in Ciceros >>Orationes Caesarianae<<. Untersuchungen zur >>clementia<< und >>sapientia Caesaris<< (Studien zur klassischen Philologie 78), Frankfurt am Main, Berlin u.a. 1993, S.19f. Im Folgenden zitiert als: Sabine Rochlitz: Das Bild Caesars bei Cicero.

5 Sabine Rochlitz: Das Bild Caesars bei Cicero, S.44, 50f.

6 Sabine Rochlitz: Das Bild Caesars bei Cicero, S.55f.

7 Jan Burian: Die Vergangenheit Roms im Rahmen der Augusteischen Gegenwartspolitik, in: KLIO. Beiträge zur Alten Geschichte 67 (1985), S.30.

8 Karl Galinsky: Augustus, S.84.

9 Karl Galinsky: Augustus, S.91.

10 Karl Galinsky: Augustus. Sein Leben als Kaiser, übersetzt von Cornelius Hartz, Darmstadt, Mainz 2013, S.82. Im Folgenden zitiert als: Karl Galinsky: Augustus.

11 Suet. Aug. 53.1.

12 Karl Galinksy: Augustus, S.91.

13 Karl Galinsky: Augustus, S.75.

14 Hans-Joachim Diesner: Augustus und sein Tatenbericht. Die Res gestae Divi Augusti in der Vorstellungswelt ihrer und unserer Zeit, KLIO 67 (1985), S.39. Im Folgenden zitiert als: Hans-Joachim Diesner: Augustus und sein Tatenbericht.

15 Meret Strothmann: Augustus. Vater der res publica, Stuttgart 2000, S.26f.

16 Dietmar Kienast: Augustus und Caesar, in: Chiron 31 (2001), S.19-22.

17 Meret Strothmann: Augustus. Vater der res publica, Stuttgart 2000, S.26.

Details

Seiten
16
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656924548
ISBN (Buch)
9783656924555
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v294660
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Geschichte
Note
2,3
Schlagworte
Augustus Oktavian Kaiser Prinzipat Princeps 27 v. Chr. Monarchie Rom Alleinherrschaft Caesar Senat Staatsstreich

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