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Die ökonomische Theorie der Demokratie und das darin beschriebene Menschenmodell

Seminararbeit 2004 11 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die ökonomische Theorie der Demokratie nach Anthony Downs

3 Der homo oeconomicus

4 Das Menschenmodell in der ökonomischen Theorie der Demokratie

5 Kritik an dem Menschenmodell in der ökonomischen Demokratie

6 Fazit

Literatur

1. Einleitung

Die ökonomische Theorie von Anthony Downs ist ein Versuch Verhaltensregeln für eine demokratische Regierung aufzustellen. Doch welches Menschenmodell ist für solche Verhaltensregeln sinnvoll. In der Mikrotheorie gibt es eine Unmenge von Modellen, die dafür verwendet werden könnten. Der homo sociologicus, mit seinen Untermodellen wie dem OSAM-, dem SRSM- oder dem SSSM-Modell, der homo oeconomicus oder das RREEMM-Modell. Viele weitere Menschenmodell wurden entwickelt, doch es würde sicherlich den Rahmen sprengen diese alle aufzuzählen, also werden hier nur die bekanntesten Modelle erwähnt.

Die frage, mit der sich diese Arbeit nun beschäftigt ist, mit welchem Modell arbeitet Downs in seiner Theorie. Verwendet er nur ein bestimmtes, vermischt er die Eigenschaften von mehreren, oder entwickelt Downs gar ein komplett neues Menschenmodell um seine Theorie zu stützen? Gibt es Kritik an dem verwendeten Modell und wennja, welcher Art ist diese Kritik.

Zunächst wird zur Beantwortung dieser Frage die Theorie der ökonomischen Demokratie im zweiten Kapitel kurz vorgestellt und schon dort das Menschenmodell von Downs ein Stück weit heraus gearbeitet um dann im nächsten Kapitel das Menschenmodell des homo oeconomicus vorzustellen. Im vierten Kapitel wird dann speziell auf das Modell von Downs eingegangen und seine Eigenschaften hervorgehoben, bevor im fünften Kapitel die Kritik an im Vordergrund steht. Im letzten Kapitel wird abschließend ein Fazit gezogen und versucht Downs Modell etwas zu erweitern.

2. Die ökonomische Theorie der Demokratie

Downs ökonomische Theorie der Demokratie ist zunächst der Versuch, Verhaltensregeln für eine demokratische Regierung aufzustellen[1]. Dabei spielt vor allem die Rationalität der Akteure ein sehr bedeutende Rolle. Rational handelnde Menschen handeln nach der ökonomischen Definition so, dass der Weg um ein Ziel zu erreichen nach bestem Wissen für jeden Wertertrag nach dem kleinstmöglichen Aufwand ausgewählt wird. Somit muß ein Akteur in der Lage sein anhand verschiedenster Alternativen eine Entscheidung zu treffen, die Alternativen nach seinen Präferenzen zu ordnen, diese Ordnung transistiv zu halten, die Alternative auszuwählen, die den höchsten Rang in seiner Präferenzordnung einnimmt und diese Entscheidung bei gleichen Alternativen immer wieder gleich treffen muß.

Es geht demnach bei dem Rationalitätsbegriff nicht um das Ziel beziehungsweise um den Erfolg des Handelns, sondern lediglich um die Handlungsprozesse. Rationales Verhalten wird weiter nicht auf alle Ebenen der Persönlichkeit des Einzelnen bezogen, sondern bezieht sich nur auf bestimmte Aspekte und Zwecke des Handelns. Downs kreiert in Anlehnung an den homo oeconomicus den homo politicus, einen „rationalen Bürger“ in der Modelldemokratie. Dieser wägt Vor- und Nachteile ab und folgt in seinem Handeln stets der Rationalität. Hier unterscheidet Downs irrationales von rationalem Verhalten. Ein irrational handelnder Akteur erkennt zwar, dass sein Handeln ihm keine Vorteile bringt, ändert dieses aber trotz seiner Erkenntnis nicht[2]. Weiter erfordert rationales Verhalten eine vorhersagbare Sozialordnung, da der rational handelnde Akteur in der Lage sein muß das Verhalten anderer Bürger vorauszusagen. Diese Grundordnung zu schaffen obliegt dem Staat beziehungsweise der jeweiligen Regierung. Diese wiederum versucht laut Modell das Ausmaß ihres Ansehens beim Volk zu maximieren. Bei einer Demokratie liegt demnach das Hauptziel einer Regierung in der Wiederwahl[3]. Da Regierungen aus Parteien bestehen, müssen diese ebenfalls näher untersucht werden. Parteien, soweit sie an der Regierung sind, manipulieren die politischen Konzepte und Aktionen des Staates so, dass sie die Mehrheit der Stimmen für sich gewinnen. Dies allerdings nur, wenn sich die Regierung darüber im Klaren ist, wie der Zusammenhang zwischen ihrem Verhalten und der Art, wie die Bevölkerung wählt, aussieht.[4]

Ein weiterer Punkt in Downs Modell ist das sogenannte Eigennutz-Axiom, in dem er sagt, dass jedes Individuum nicht nur rational, sondern auch egoistisch handelt. Er bezieht sich dabei auf John C. Calhoun, der sagte, dass „jeder [ist] daher um seine eigene Sicherheit und sein eigenes Glück mehr besorgt (ist,) als um die Sicherheit oder das Glück anderer; und wo diese in Gegensatz treten, ist er bereit, die Interessen anderer seinen eigenen zu opfern.“[5] Aus dieser Aussage leitet Downs nun ab, dass in seinem Modell der Mensch ausnahmnslos rational handelt und diesem Handeln eigennützige Absichten zugrunde liegen. Allerdings weißt er auch darauf hin, dass die Wirklichkeit anders aussieht. Wie Calhoun schon beschrieben hat, setzen Menschen ihre eigenen Interessen zurück um dem Interesse der Allgemeinheit zu dienen. Er bringt dafür als Beispiel Politiker an, die zwar so handeln, dass es sie Stimmen kostet, sie allerdings der Meinung sind, dass ihr Handeln dem Volk zugute kommt.[6]

Jeder Bürger gibt demnach seine Stimme jener Partei, die ihm seiner Überzeugung nach mehr Vorteile bringt, als jede andere. Vorteile werden dabei als Nutzeneinkommen, dass durch die staatliche Tätigkeit erzielt wird, definiert. Dieses Nutzeneinkommen schließt auch die Vorteile mit ein, von dem der Empfänger gar nicht weiß, das sie ihm zufließen.[7]

Um das höchste Nutzeneinkommen zu erzielen kann der Wähler in einem Zweiparteiensystem ein erwartetes Parteiendifferential erstellen, in dem er den erwarteten Nutzen von Partei B vom erwarteten Nutzen von Partei A subtrahiert. Dabei muß sich der rationale Wähler darüber im Klaren sein, dass jede Partei nicht unbedingt das hält, was sie in ihrem Wahlprogramm verspricht. Somit ist ein Vergleich schwierig. Aus diesem Grund entscheidet er sich eher für das gegenwärtige Parteiendifferential. Es basiert auf dem gegenwärtigem Nutzen durch Partei A, welche schon an der Regierung ist und somit bewertet werden kann, abgezogen vom erwarteten Nutzen von Partei B.[8]

In einem Mehrparteiensystem ändert sich das Verhalten des Wählers dahingehend, dass er genauso vorgeht, wie in einem Zweiparteiensystem, in dem er die Regierungspartei mit der Oppositionspartei mit der höchsten gegenwärtigen Leistungsbewertung vergleicht. Es kann allerdings auch der Fall eintreten, dass der Wähler eine Partei wählt, deren Leistungsbewertung er nicht am höchsten einschätzt. In diesem Fall entscheidet ein rationaler Wähler zunächst, welche Partei ihm die größten Vorteile bringt. Dann schätzt er ab, wie groß die Chancen sind, dass seine bevorzugte Partei gewählt wird. Sollten die Aussichten schlecht sein, so muß er entscheiden, ob er seine Stimme „verschwenden“[9] will, oder ob er das „geringere Übel“[10], in Form einer anderen, auf der Präferenzordnung niedriger eingestuften Partei, wählt. Der Wähler muß also abschätzen, wie alle anderen Wähler sich entscheiden werden. Fehlen ihm dazu jegliche Informationen, so entscheidet er sich immer für seine bevorzugt Partei, in allen anderen Fällen bezieht er die Wahrscheinlichkeit des Wahlausgangs mit in seine Entscheidung ein.[11]

[...]


[1] Downs, Anthony: Ökonomische Theorie der Demokratie. Tübingen 1968, S. 3.

[2] Downs, Anthony: Ökonomische Theorie der Demokratie. Tübingen 1968, S. 4-9.

[3] Downs, Anthony: Ökonomische Theorie der Demokratie. Tübingen 1968, S. 11.

[4] Downs, Anthony: Ökonomische Theorie der Demokratie. Tübingen 1968, S. 30.

[5] Calhoun John C.: „Disquisition in Government“. Public Opinion and Propaganda. hrsg. Von Katz,

Cartwright, Eldersveld und Lee. New York 1954, S.15.

[6] Downs, Anthony: Ökonomische Theorie der Demokratie. Tübingen 1968, S. 26f.

[7] Downs, Anthony: Ökonomische Theorie der Demokratie. Tübingen 1968, S. 35f.

[8] Downs, Anthony: Ökonomische Theorie der Demokratie. Tübingen 1968, S. 38f.

[9] Hervorhebung im Original

[10] Eigene Hervorhebung

[11] Downs, Anthony: Ökonomische Theorie der Demokratie. Tübingen 1968, S. 46f

Details

Seiten
11
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638309585
ISBN (Buch)
9783638760775
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v29463
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Lehrstuhl für Politikwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Theorie Demokratie Menschenmodell Seminar Moderne Politische

Autor

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Titel: Die ökonomische Theorie der Demokratie und das darin beschriebene Menschenmodell