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Praktikumsbericht zu einem Schulpraktikum

Praktikumsbericht (Schule) 2014 48 Seiten

Didaktik - BWL, Wirtschaftspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Rahmenbedingungen
2.1 Die Berufsbildende Schule Winsen/Luhe
2.2 Besuchte Abteilungen
2.3 Die Berufsfachschule Wirtschaft

3 Der Unterrichtsentwurf
3.1 Bedingungsfeldfaktoren
3.1.1 Schülerbezogene Faktoren
3.1.2 Die Praktikantin
3.1.3 Organisatorische Faktoren
3.2 Entscheidungsfeldfaktoren
3.2.1 Stellung der Lektion im Unterricht
3.3 Inhalts- und Zielentscheidungen
3.3.1 Sachanalyse
3.3.2 Stoffauswahl/Inhaltsentscheidungen
3.3.3 Situations-/Lebensweltbezug
3.3.3 Lernziele

4 Methodische Entscheidungen
4.1 Stoffanordnung
4.2 Methodik und Sozialformen
4.3 Medien
4.4 Lehr- und Lernzielkontrolle

5 Tabellarische Verlaufsplanung

6 Schülermaterialien/Anlagen

7 Kritische Stellungnahme zur Durchführung des Unterrichtsversuchs

8 Theorie-Praxis-Diskussion
8.1 Herausforderungen der Bewertung mündlicher Leistungen
8.2 Bedingungen und Konsequenzen für die mündliche Leistungsbewertung
8.3 Qualitative und methodische Gesichtspunkte der mündlichen Leistungsbewertung
8.4 Abgleich mit den eigenen Erfahrungen im Praktikum

9 Kritische Reflexion zum Unterrichtspraktikum

Literatur- und Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Im Rahmen der Veranstaltung „Schulische Praxisstudien“ wurde vom 22.09.2014 bis zum 10.10.2014 an der Berufsbildenden Schule Winsen/Luhe1 das zweite Schulpraktikum absolviert.

Die Schulpraktischen Studien haben grundsätzlich die Absicht, den Studierenden bereits während der theoretischen universitären Ausbildung einen Einblick in die Praxis zu verschaffen. Die Hospitationen von Unterrichtseinheiten und Erfahrungen bei der Durchführung eigener Unterrichtsversuche gewährleisten den Studierenden dabei einen Einblick in ihr späteres Berufsleben. In praktischer Hinsicht sind Praktika an Berufsschulen schließlich als ein Übungs- und Bewährungsfeld für angehende Lehrkräfte zu verstehen, die hier ihre eigene Berufseignung und berufliche Kompetenz erfahren können.2

Es war ein persönliches Ziel, die Erfahrungen und Eindrücke aus dem ersten Schulpraktikum zu erweitern. Wichtig war auch, die positiven Erfahrungen des ersten Schulpraktikums zu überprüfen, um sicherzustellen, dass der Beruf der Berufsschullehrerin tatsächlich der richtige berufliche Weg ist.

Dieser Bericht setzt sich beschreibend und reflektierend mit dem zweiten Schulpraktikum auseinander. Dazu wird zuerst die Praktikumsschule mit den besuchten Abteilungen vorgestellt und insbesondere wird die Schulform beschrieben, in der der zu betrachtende Unterrichtsversuch durchgeführt wurde. Anschließend wird die ausgewählte Doppelstunde erläutert und kritisch reflektiert. Der zweite Teil des Berichts befasst sich mit einer Theorie-Praxis-Diskussion mit dem Thema der mündlichen Leistungsbewertung von Schülerbeiträgen im Unterricht. Zum Schluss dieses Praktikumsberichts erfolgt eine kritische Stellungnahme zu dem Schulpraktikum, in dem die Erkenntnisse ausgewertet werden.

2 Rahmenbedingungen

In diesem Teil des Berichts wird zuerst die Praktikumsschule beschrieben und anschließend werden die besuchten Abteilungen vorgestellt. Folgend wird die Schulform genauer erläutert, in welcher der ausgewählte Unterricht durchgeführt wurde.

2.1 Die Berufsbildende Schule Winsen/Luhe

Seit dem Jahr 1975 gibt es das heutige Schulgebäude an der Bürgerweide in Winsen/Luhe. Nach der Trennung der Doppelberufsschule Winsen/Buchholz im Jahr 1996 entstand endgültig die aktuell heute etablierte BBS Winsen/Luhe.

Mit ungefähr 150 Lehrkräften und fast 2500 SuS ist die Schule ein zentraler Standort der Bildung und Ausbildung im Landkreis.3 Die Schule besteht aus einem großen Hauptgebäude und einem kleineren Nebengebäude und bietet den SuS ein umfangreiches Bildungsangebot. Angeboten werden die unterschiedlichsten Schulformen von Berufseinstiegsklassen über Berufsfachschulen und die Berufsschulen bis hin zu beruflichen Gymnasien. Es gibt je nach Schulform Voll- und Teilzeitklassen, die dementsprechend zwischen einem und fünf Tagen pro Woche die Schule besuchen.4

Gemäß dem Leitbild der BBS Winsen/Luhe „Identifikation mit unserer Schule“ entsprechend, wird das Ziel verfolgt, dass alle Beteiligten die Institution nicht nur als Arbeitsplatz begreifen, sondern sich darüber hinaus auch vollständig mit der BBS Winsen/Luhe als ihre Schule identifizieren.5 Es wird angestrebt, dass alle Beteiligten sich in dieser Schule unter anderem durch die Mitarbeit an Projekten und Arbeitsgruppen engagieren, um eine wirkungsvolle Mitarbeit aller zu schaffen. Die Schule zeichnet sich auch durch präventive Maßnahmen gegen Gewalt aus und versucht, neben den fachlichen Qualifikationen auch soziale, methodische und besonders persönliche Kompetenzen bei SuS, aber auch bei ihren Lehrern zu fördern.

Ein besonderer Schwerpunkt der Schule ist es, einen Unterricht zu ermöglichen, der praxisnah und unternehmensbezogen ist. Die einzelnen Unterrichtsfächer für die Ausbildungsberufe und die Berufsfachschulen sind in Lernfeldern zusammengefasst, um eine direkte Verbindung mit der beruflichen Tätigkeit zu ermöglichen. Ein handlungsorientierter Unterricht wird hier als selbstverständlich angesehen. SuS, die keine duale Berufsausbildung absolvieren, wird die Möglichkeit eröffnet, in Lernbüros, einer Lerninsel und Schülerfirmen die Abläufe in Unternehmen nachzuempfinden und kaufmännische Handlungsabläufe zu erproben. Diese Angebote werden teilweise durch kurze Betriebspraktika ergänzt.

Nach der Vorstellung der Praktikumsschule werden folgend die besuchten Abteilungen vorgestellt und im Anschluss wird die Schulform der Berufsfachschule Wirtschaft genauer erläutert, da der ausgewählte Unterrichtsversuch in einer dieser Klassendurchgeführt wurde.

2.2 Besuchte Abteilungen

Wie bereits im ersten Praktikum wurde mit den Mentoren besprochen, dass ein Einblick in möglichst viele verschiedene Schulformen eine authentische Sicht auf den beruflichen Schuldienst ermöglicht. Daher wurde in folgenden Schulformen hospitiert und teilweise auch unterrichtet:

- 11. Klasse, 12. Klasse und 13. Klasse des beruflichen Gymnasiums Wirtschaft,
- zweijährige Berufsfachschule Wirtschaft mit dem Schwerpunkt Logistik
- Berufsschule Kauffrau/Kaufmann im Groß- und Außenhandel in der Unter- und Mittelstufe
- Berufsschule Kauffrau/Kaufmann im Einzelhandel in der Unter- und Mittelstufe
- einjährige Berufseinstiegsklasse Wirtschaft

Fachlich lag der Schwerpunkt der Hospitationen in den Bereichen Wirtschaft und Politik. Insgesamt konnten im Bereich Wirtschaft vier eigene Doppelstunden und im Bereich Politik zwei Doppelstunden in verschiedenen Schulformen durchgeführt werden. Die ausgewählte Unterrichtsstunde erfolgte in der Berufsfachschule Wirtschaft, welche folgend erläutert wird.

2.3 Die Berufsfachschule Wirtschaft

Die einjährige Berufsfachschule kann mit einem Hauptschulabschluss besucht werden. Ziel dieser Schulform ist es, eine berufliche Grundbildung zu ermöglichen. Die Bildungsinhalte sind in die Kompetenzbereiche Deutsch, Englisch, Politik, Sport und Religion aufgeteilt und setzen sich im berufsbezogenen Bereich aus unterschiedlichen Lernfeldern zusammen. Hier werden zum Beispiel Unternehmen erkundet und präsentiert sowie Beschaffungsprozesse und Absatzprozesse geplant und durchgeführt. Innerhalb des berufsbezogenen Lernbereichs liegt der Schwerpunkt im Bereich Logistik.6 Der Einstieg in die zweite Klasse der Berufsfachschule Wirtschaft kann erfolgen, wenn die Leistungen am Schluss der einjährigen Klasse der Berufsfachschule im Durchschnitt mit der Note drei (befriedigend) bewertet werden. Das Ziel der zweijährigen Berufsfachschule ist der Realschulabschluss oder sogar der erweiterte Realschulabschluss, der nötig ist, wenn im Anschluss das Berufliche Gymnasium besucht werden soll. Die Lernbereiche sind die gleichen wie in der einjährigen Berufsfachschule. Die einjährige (HU) und die zweijährige (HH) Berufsfachschule setzen sich jeweils aus vier Klassen zusammen. Die Schüler besuchen die Schule fünf Tage die Woche und haben ungefähr sechs Unterrichtsstunden pro Tag. Um die SuS auf den betrieblichen Alltag optimal vorzubereiten, findet in diesen Klassen ein vierwöchiges Berufspraktikum statt.

3 Der Unterrichtsentwurf

Der ausgewählte und zu untersuchende Unterrichtsversuch fand am 01.10.2014 um 9:40 Uhr bis um 11:10 Uhr in der Klasse HH4 statt. Das Unterrichtsfach in dem der Versuch erfolgt, ist an dem Lernfeld 2 orientiert. Hierbei handelt es sich um eine Unterrichtseinheit aus dem Bereich der rechtlichen Grundlagen. Im Anhang befinden sich alle eingesetzten Medien der Unterrichtseinheit.

3.1 Bedingungsfeldfaktoren

Im Folgenden werden die schülerbezogenen Faktoren des Unterrichtsversuchs erläutert. Daran anschließend erfolgt eine Betrachtung der Voraussetzungen der unterrichtenden Praktikantin, um einen besseren Einblick über die vorhandenen Kompetenzen dieser zu ermöglichen. Danach schließt sich ein kurzer Überblick über die organisatorischen Faktoren an.

3.1.1 Schülerbezogene Faktoren

Die HH4 ist eine von vier Klassen der zweijährigen Berufsfachschule Wirtschaft mit dem Schwerpunkt Logistik. Die Klasse besteht aus achtzehn SuS, acht Schülerinnen und zehn Schülern. Alle haben alle einen Realschulabschluss und der größte Teil der Klasse strebt einen erweiterten Realschulabschluss an. Einige der SuS möchten nach dem Abschluss dieser Klasse eine Ausbildung beginnen und der andere Teil strebt den Besuch der Fachoberschule an. Die Altersstruktur dieser Klasse ist ungefähr gleich und liegt im Durchschnitt bei sechzehn Jahren. Der Leistungsstand der SuS ist relativ homogen, wie durch Gespräche mit anderen Lehrerinnen und Lehrern7 in Erfahrung gebracht werden konnte. Es gibt bereits zwei Schülerinnen, die sich als Leistungsträger abzeichnen. Auffallend leistungsschwächere Schüler sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht erkennbar. Insgesamt ist die Leistungsbereitschaft der Klasse als gut einzuschätzen. Die meisten SuS können selbstständig vorgegebene Aufgabenstellungen bearbeiten. Die aktive Beteiligung am Unterrichtsgespräch ist ebenfalls gut und die mündlichen Beiträge der Schüler zeichnen sich insgesamt durch zielführende Antworten aus.

Die Atmosphäre innerhalb der Klasse weißt eine positive Stimmung auf und das Miteinander ist freundlich. Gegenüber den Lehrenden verhalten sich die SuS respektvoll. Zu diesem Zeitpunkt ist noch keine Bildung von Gruppen innerhalb der Klasse ausfindig zu machen, was aber sicherlich dem geschuldet ist, dass die Klasse erst seit kurzem in dieser Konstellation zusammen ist. Es sind keine Außenseiter auffallend und typische Störungen während des Unterrichts sind nicht zu erkennen.

Die SuS sind Einzelarbeit, Partner- und Gruppenarbeit gewohnt, in denen sie verschiedene Aufgabenstellungen des Unterrichts bearbeiten. Der Umgang mit Auszügen aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch, die im skizzierten Unterricht eine große Rolle spielen, ist den meisten Schülern unbekannt. Die Methode des Rollenspiels, die in der Darstellung von verschiedenen Fällen angewendet wird, kennen die SuS dagegen aus einem anderen Lernfeld.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass mit dieser Klasse ein konzentriertes und angenehmes Arbeiten im Unterricht möglich ist.

3.1.2 Die Praktikantin

Nachdem die Praktikantin 2005 das Abitur an der Herderschule in Lüneburg abgelegt hat, begann sie in demselben Jahr eine Ausbildung zur Industriekauffrau bei der HKS GmbH in Hamburg, die im Jahr 2008 erfolgreich beendet wurde. Bis zu dem Beginn des Studiums im Oktober 2009 war sie weiterhin bei der HKS GmbH als Angestellte tätig. Im Rahmen des Bachelor-Studiums Wirtschaftspädagogik hat sie sechs Fachsemester besucht. Ihr zweites Unterrichtsfach ist Politik. Während des Bachelor-Studiums hat sie bereits im Jahr 2011 ein Schulpraktikum an der BBS Winsen/Luhe absolviert. Durch dieses Praktikum konnte sie erste Unterrichtserfahrungen in wirtschaftlichen Fächern (Lernfeldern) und im Unterrichtsfach Politik sammeln.

Durch die Ausbildung zur Industriekauffrau hat sie bereits Vorkenntnisse zum Thema „Vertragsrecht“ gesammelt, da sie sich mit dieser Thematik in der Berufsschule auseinander setzen konnte. Weiter sind ihre Kenntnisse während des Bachelor-Studiums in dem Seminar „Grundkurs – Recht der Wirtschaft“ vertieft worden.

Vor dem Unterrichtsversuch hat sie einmal in der Klasse HH4 hospitiert. Dadurch konnte die Klasse kennengelernt und ein erster Eindruck von ihr gewonnen werden.

3.1.3 Organisatorische Faktoren

Die Räumlichkeiten und die Klassengröße ermöglichen ein angenehmes Arbeiten. Der Unterricht im Lernfeld 2 wird gut angenommen. Es handelt sich um ein sehr wichtiges Lernfeld für die Schüler mit dem Schwerpunkt Logistik, da hier unter anderem die rechtlichen Grundlagen der Wirtschaftsprozesse unterrichtet werden. Der Unterricht findet in der dritten und vierten Stunde statt. Die Auszubildenden haben jede Woche, exklusive Schulferienzeit, am Mittwoch sechs Unterrichtsstunden.

3.2 Entscheidungsfeldfaktoren

Beginnend mit der Stellung der Lektion im Unterricht und der Zuordnung zu dem passenden Lernfeld, folgt in diesem Abschnitt ein Überblick, der die vorangegangenen und nachfolgenden Unterrichtsstunden in einen Gesamtzusammenhang setzt.

3.2.1 Stellung der Lektion im Unterricht

Die Klasse HH4 besteht in dieser Schülerkonstellation seit Beginn des Schuljahres im Sommer 2014. Zum Zeitpunkt des Unterrichtsversuchs sind es also erst zwei Wochen. Die SuS haben zu Beginn des Schuljahres mit dem Thema „Vertragsrecht“ im berufsbezogenen Lernbereich (Lernfeld 2: Güter annehmen, kontrollieren und lagern) begonnen. Die genaue Einordung in den schulinternen Lehrplan erfolgt am Ende dieses Abschnittes. Der Unterricht in diesem Lernbereich setzt sich zu diesem Zeitpunkt aus zwei Doppelstunden pro Woche zusammen. Zu diesem übergeordneten Thema hatten die SuS vor dem Unterrichtsversuch vier Doppelstunden. Die Einführung in das Thema „Vertragsrecht“ erfolgte in der ersten Doppelstunde. Die SuS haben sich in diesem Unterricht mit den Grundlagen des Vertragsrechts auseinander gesetzt. Bisher haben sie die Bedeutung der Rechtsfähigkeit und die drei verschiedenen Stufen der Geschäftsfähigkeit behandelt. Im weiteren Verlauf der folgenden Doppelstunden haben die Lernenden erfahren, auf welche Weise Rechtsgeschäfte entstehen, welche Rolle dabei die Willenserklärung hat und wie diese zustande kommt. In dieser Stunde wurde in der Klasse hospitiert. Im Anschluss an den Unterricht wurde ein längeres Gespräch mit der Lehrerin geführt, die diesen Lernbereich unterrichtet. Daraus ergab sich spontan der eigene Unterrichtsversuch in der sich anschließenden Doppelstunde zum Thema: „Wo liegen die Grenzen der Vertragsfreiheit“. Hierbei geht es insbesondere um fehlerhafte Rechtsgeschäfte, die anfechtbar oder nichtig sind. In der darauf folgenden Stunde soll eine Zusammenfassung der Inhalte der drei vorangegangenen Doppelstunden erfolgen, um die SuS auf eine Lernerfolgskontrolle in Form einer Klassenarbeit vorzubereiten.

Das relevante Thema des Unterrichtsentwurfes „Grenzen der Vertragsfreiheit“ ist wie bereits erwähnt, in Lernfeld 2 für den berufsbezogenen Bereich in der zweijährigen Berufsfachschule Wirtschaft mit dem Schwerpunkt Logistik vorzufinden und ist auf der Basis der Ausbildungsordnungen für den Beruf Fachkraft für Lagerlogistik erstellt. Es folgt nun ein Auszug aus dem schulinternen Lehrplan zu dem Lernfeld 2:

Lernfeld 2: Güter annehmen, kontrollieren und lagern8

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.3 Inhalts- und Zielentscheidungen

Beginnend mit der Sachanalyse wird auf die Inhalte des Unterrichtsversuchs eingegangen. Weiter erfolgt eine Begründung der Stoffauswahl sowie der Inhaltsentscheidungen. Anschließend wird der Lebensweltbezug der SuS für diese Thematik erläutert. Am Ende des Abschnitts werden die Lernziele des zu betrachtenden Unterrichtsversuchs in das Groblernziel und die Feinlernziele sowie deren Operationalisierungen unterteilt.

3.3.1 Sachanalyse

Aus dem Grundsatz der Privatautonomie (bürgerliches Recht) leitet sich die Vertragsfreiheit ab, die dem Einzelnen gestattet, Rechte und Pflichten zu begründen, zu ändern oder aufzuheben. Jede rechts- und geschäftsfähige Person ist somit im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung zur freien Gestaltung von Rechtsgeschäften berechtigt. Dieses besteht aus mindestens einer Willenserklärung, welche allein oder in Verbindung mit weiteren Tatbestandsmerkmalen eine bestimmte Rechtsfolge herbeiführt.9 Die Vertragsfreiheit bringt jedoch auch Risiken mit sich. Bei sogenannten „fehlerhaften“ Rechtsgeschäften sieht der Gesetzgeber den Nichteintritt bestimmter Rechtsfolgen vor, die mit der Willenserklärung ursprünglich beabsichtigt wurden.10 Willenserklärungen können unwirksam und mangelhaft sein, woraus sich die Nichtigkeit und Anfechtbarkeit von Rechtsgeschäften ergeben kann.

Nichtigkeit bedeutet das Fehlen von Rechtsfolgen und Wirkungen.11 Sie ergibt sich unabhängig vom Willen der Beteiligten und führt dazu, dass das den äußeren Tatbestandsmerkmalen nach zustande gekommene Rechtsgeschäft, die nach seinem vertraglichen Inhalt gewollten und bezweckten Rechtswirkungen von Anfang an nicht hervorbringen kann. Für die Nichtigkeit von Rechtsgeschäften gibt es unterschiedliche Ursachen: Die Person selbst ist geschäftsunfähig (§§ 104, 105 I BGB) oder ist beschränkt geschäftsfähig (§§ 107 - 109 BGB), wodurch ein Rechtsgeschäft erst durch die Zustimmung eines gesetzlichen Vertreters wirksam wird. Das Rechtsgeschäft ist bis zu der Genehmigung schwebend unwirksam. Es gibt allerdings Ausnahmen: Nach § 107 BGB dürfen beschränkt geschäftsfähige Personen Rechtsgeschäfte eingehen, die ihnen Vorteile bringen, sie aber zu nichts verpflichten, wie beispielsweise bei einer Schenkung. Eine weitere Ausnahme kommt durch den sogenannten Taschengeldparagraphen (§ 110 BGB) zustande. Dieser Paragraph besagt, dass ein getätigter Kauf durch ein beschränkt geschäftsfähiges Kind auch ohne die Genehmigung der Eltern rechtswirksam ist, wenn das Kind den Kaufpreis aus ihm frei zur Verfügung stehenden Mittel, bezahlen kann.

Weiter kann bei der Person selbst eine Bewusstlosigkeit oder vorübergehende geistige Störung der Geistestätigkeit vorliegen, wodurch das Rechtsgeschäft nichtig ist (§105 II BGB). Für die Nichtigkeit von Rechtsgeschäften spielen noch weitere Paragraphen eine Rolle: Eine Divergenz von Wille und Erklärung beim Zustandekommen der Erklärung führt zur Nichtigkeit (§§ 116, 117, 118 BGB). Die mangelnde Form bedingt einen Verstoß gegen zwingende Formvorschriften (§ 125 BGB) und rechtlich missbilligte Inhalte eines Rechtsgeschäfts (Verstoß gegen gesetzliches Verbot oder gegen die „guten Sitten“) führen ebenfalls zur Nichtigkeit (§§ 134, 138 BGB).12 Damit die Person selbst Vertragsinhalt, Vertragspartner und Zeitpunkt sowie Dauer als grundlegende Aspekte der Vertragsfreiheit frei bestimmen kann, muss die handelnde Person ein gewisses Mindestmaß an Urteilsvermögen besitzen. Die Gesetzgebung erklärt deshalb zu deren eigenem Schutz, die wegen ihres Alters geschäftsunfähigen Personen sowie unter bestimmten Bedingungen auch die Willenserklärung von beschränkt geschäftsfähigen, bewusstlosen oder vorübergehend in ihrer geistigen Tätigkeit gestörten Personen für nichtig. Für Scheingeschäfte (§ 117 BGB) und Scherzgeschäfte (§ 118 BGB) gilt jeweils, dass die Beteiligten zwar eine Willenserklärung abgeben, aber die erklärte Rechtsfolge nicht wollen, wodurch ihnen der Geschäftswille fehlt. Ein Scheingeschäft liegt vor, wenn die Beteiligten die mit dem Geschäft verbundenen Rechtsfolgen nicht herbeiführen wollen. Wenn ein Geschäft zum Schein abgeschlossen wird, ist die Rechtsfolge die Nichtigkeit der Willenserklärung. Es handelt sich um ein Scherzgeschäft, wenn der Erklärende die Erwartung hat, dass der andere Beteiligte erkennt, dass es sich um einen den Scherz handelt.13

Anfechtbare Rechtsgeschäfte besitzen zunächst Gültigkeit, welche jedoch durch (einseitige) Erklärungen des Anfechtungsberechtigten beseitigt werden können. Das Gesetz überlässt es dem Anfechtungsberechtigten, ob er den Fehler geltend machen und das Rechtsgeschäft nichtig werden lassen möchte. Die Anfechtung ist durch eine empfangsbedürftige Willenserklärung gegenüber dem Anfechtungsgegner abzugeben. Durch eine erfolgreiche Anfechtung wird das Rechtsgeschäft von Anfang an nichtig (§§ 142, 143 BGB). Von diesem Grundsatz werden jedoch im Interesse bestimmter bereits vollzogener Rechtsverhältnisse Ausnahmen gemacht und die Anfechtungswirkung wird auf die Zukunft beschränkt. Dazu zählen Arbeitsverträge und Gesellschaftsverträge, die ihre Rechtswirkung in der Vergangenheit entfaltet haben und im Interesse der beteiligten Personen nicht mehr rückgängig gemacht werden sollen.14 Ein Rechtsgeschäft ist anfechtbar, wenn es mit einem der im Bürgerlichen Gesetzbuch genannten Willensmängel zustande gekommen ist:

wegen Irrtums (§ 119 BGB)

wegen arglistiger Täuschung (§ 123 I BGB)

wegen widerrechtlicher Drohung (§ 123 I BGB)

Irrtum bedeutet hier beispielweise, dass der Erklärende zwar weiß, was er sagt, sich aber über die objektive Bedeutung des Inhalts nicht bewusst ist (Inhaltsirrtum). Es kann sich auch um einen Erklärungsirrtum handeln, wenn eine Person eine Erklärung über einen Inhalt abgibt, die sie überhaupt nicht abgeben wollte. Damit ist gemeint, dass der Erklärende sich verspricht, verschreibt oder sich vergreift. Weiter gibt es den Irrtum über verkehrswesentliche Eigenschaften. Hier irrt sich der Erklärende über das Vorhandensein bestimmter verkehrswesentlicher Eigenschaften einer Person oder einer Sache. Es handelt sich um verkehrswesentliche Eigenschaften, wenn sie für das Rechtsgeschäft von Bedeutung sind. Verkehrswesentliche Eigenschaften einer Person sind vordergründig in Bezug auf die Person des Geschäftsgegners relevant. In Betracht kommen Eigenschaften wie beispielsweise das Geschlecht, die Mitgliedschaft in einer Sekte, Alter, Vertrauenswürdigkeit und Zuverlässigkeit bei Verträgen, die auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit der Parteien angelegt sind. Als verkehrswesentliche Eigenschaften von Sachen kommen in Betracht: Material, Bestand und Größe, Herkunft, beim Kunstwerk, insbesondere seine Echtheit und alle wertbildenden Faktoren, welche die Sache kennzeichnen.15

Schließlich gibt es noch den Übermittlungsirrtum. Hier wird die Willenserklärung durch die mit der Übermittlung beauftragte Person falsch wiedergegeben. Die Anfechtung wegen arglistiger Täuschung bedingt, dass eine Täuschungshandlung, die der Täuschende vorsätzlich vorgenommen hat und durch die ein Irrtum verstärkt oder unterhalten worden ist, der für die Abgabe der Willenserklärung ursächlich war. Die Anfechtung wegen widerrechtlicher Drohung kann daraus resultieren, dass der Erklärende durch eine Drohung zur Abgabe einer Willenserklärung genötigt wurde. Für die Anfechtung von Rechtsgeschäften sind Fristen zu beachten. Die Anfechtung eines Irrtums muss unverzüglich nach der Kenntnisnahme des zur Anfechtung berechtigenden Umstandes erfolgen. Die Anfechtung wegen einer Täuschung oder Drohung dagegen ist binnen eines Jahres ab dem Zeitpunkt zu erklären, nachdem der Anfechtungsberechtigte die Täuschung entdeckt hat oder die Bedrohung endete.16

3.3.2 Stoffauswahl/Inhaltsentscheidungen

Das Thema „Wo liegen die Grenzen der Vertragsfreiheit?“ beziehungsweise die Thematik von Nichtigkeit und Anfechtbarkeit von Rechtsgeschäften ist Bestandteil des schulinternen Rahmenplans. Da die Rechts- und Geschäftsfähigkeit sowie die Entstehung von Rechtsgeschäften bereits im Unterricht erarbeitet worden sind, kann hier auf vorhandenes Wissen aufgebaut werden. Die ausgewählte Unterrichtseinheit behandelt in Verbindung mit den bekannten Mängeln in der Geschäftsfähigkeit einen Überblick über die Nichtigkeit und Anfechtbarkeit von Rechtsgeschäften. Die Nichtigkeit von Rechtsgeschäften bei Geschäftsunfähigen sowie beschränkt Geschäftsfähigen ist im vorherigen Unterricht bereits angesprochen worden. Aufbauend auf diesem Wissen werden in dieser Unterrichtseinheit die Besonderheiten bei dem Abschluss von Rechtsgeschäften thematisiert. Der Schwerpunkt der Stunde basiert auf den rechtlichen Regelungen des Bürgerlichen Gesetzbuches zu den anfechtbaren und nichtigen Rechtsgeschäften. Für die SuS ist es wichtig, dass sie erkennen, wann ein Rechtsgeschäft nichtig oder anfechtbar ist, welche gesetzlichen Regelungen dazu vorliegen und was die ursächliche Begründung für ein ungültiges Rechtsgeschäft ist. Auf Problemfälle beziehungsweise auf außerordentlich schwierige Fallbeispiele wird verzichtet, da es zunächst wichtiger ist, dass die SuS die grundsätzlichen Grenzen der Vertragsfreiheit verstehen und nicht überfordert werden.

3.3.3 Situations-/Lebensweltbezug

Als zukünftig volljährige Personen schließen die SuS nicht nur im Privatrecht fortwährend Verträge ab, sondern sollen sich auch als Schüler, die sich für den wirtschaftlichen Schwerpunkt „Logistik“ entschieden haben, mit Nichtigkeits- und Anfechtungsgründen bei Rechtsgeschäften auch aufgrund der Berufsorientierung beschäftigen.

Als beschränkt Geschäftsfähige ist es für die Schüler von besonderem Interesse, ihre persönlichen Rechte in Bezug auf den Abschluss von Verträgen zu kennen. Von ihnen abgeschlossene Verträge sind schwebend unwirksam und bedürfen der Zustimmung durch einen gesetzlichen Vertreter. Auch der Taschengeldparagraph ist für sie wichtig, da dieser aufzeigt, dass getätigte Käufe rechtswirksam sind, wenn sie diese aus den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln bestreiten können. Insgesamt ist es für die Schüler von großer Bedeutung ihre aktuellen und auch zukünftigen Rechte, die auch mit Pflichten einhergehen, zu kennen. Weiter ist es ebenso wichtig, die Grenzen der Vertragsfreiheit, die sich durch die Anfechtbarkeit und Nichtigkeit von Rechtsgeschäften bedingen, zu kennen, um diese auch auf die beruflichen Aspekte wie beispielsweise bei Vertragsabschlüssen im Rahmen von beruflichen Tätigkeiten anwenden zu können.

Um den Schülern das abstrakte, theoretische Wissen näher zu bringen wird auf das Vorwissen und auf die Lebenserfahrungen der SuS aufgebaut. Ihnen soll so eine assoziative Verknüpfung im Lernprozess ermöglicht werden. Lebensnahe Bezüge, wie zum Beispiel der Abschluss von Lebensversicherungsverträgen, werden in den Unterricht mit eingebunden und zeigen die Notwendigkeit auf, weshalb diese Lehrgegenstände ein elementarer Bestandteil des Unterrichts sind.

[...]


1 Im Folgenden BBS Winsen/Luhe

2 Vgl.: Fitzner, K. D./Kümmel, F. (1979): Über Sinn und Funktion der Schulpraktika in der 1. Phase der Lehrerausbildung. URL: http://www.friedrich-kuemmel.de/doc/Schulpraktika.pdf [01.12.2014].

3 Vgl. BBS Winsen/Luhe (2004): Die Geschichte.. URL: http://web.bbs-winsen.de/unsere-schule/rueckblick/geschichte-der-bbs-winsen.html [17.10.2014].

4 Vgl. BBS Winsen/Luhe (2004): Die Schulformen der BBS Winsen/Luhe. URL: http://web.bbs-winsen.de/bildungsangebote/schulformen.html [17.10.2014].

5 Vgl. BBS Winsen/Luhe (2004): Das Leitbild der BBS Winsen (Luhe). URL: http://web.bbs-winsen.de/leitbild.html [17.10.2014].

6 Vgl.: BBS Winsen/Luhe (2004): Einjährige Berufsfachschule – Wirtschaft. URL: http://web.bbs-winsen.de/hu.html (19.11.2014).

7 Im Folgenden wird generell die männliche Form verwendet aufgrund der besseren Lesbarkeit. Die weibliche Form wird dadurch nicht ausgeschlossen.

8 Vgl.: Berufsbildende Schulen Winsen/Luhe (2014): Umsetzung der Stundentafel gem. BBS-VO für den berufsbezogenen Bereich in der einjährigen Berufsfachschule - Wirtschaft -, Schwerpunkt Logistik.

9 Vgl.: Giesen, S. (1991): BGB allgemeiner Teil: Rechtsgeschäftslehre. Berlin: Walter de Gruyter, S. 4.

10 Vgl.: Geselle, U. (2001): Die Nichtigkeit von Rechtsgeschäften. URL: http://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/fileadmin/bbb/zielgruppen/lehramtsanwaerterinnen/ wirtschaft/Nichtigkeit_von_ Rechtsgeschaften1.pdf [20.11.2014].

11 Vgl.: Musielak, H.-J. (2009): Grundkurs BGB. München: Verlag C.H. Beck, S. 127f.

12 Aktuelle Wirtschaftsgesetze (2011): Bürgerliches Gesetzbuch. München: Verlag C.H. Beck, S. 18f.

13 Vgl.: Geselle, U. (2001): S. 3ff.

14 Vgl.: Musielak, H.-J. (2009): S. 131.

15 Vgl.: Rathenau, A. (2005): Die Anfechtung, §§ 119 ff., 142 ff. URL: http://www.rathenau.com/fanfechtung.pdf [05.12.2014].

16 Vgl.: Valuenet GmbH (2000): Anfechtung von Willenserklärungen. URL: http://www.rechtslexikon-online.de/Anfechtung_von_Willenserklaerungen.html [20.11.2014].

Details

Seiten
48
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656924197
ISBN (Buch)
9783656924203
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v294618
Institution / Hochschule
Universität Lüneburg – Wirtschaftspädagogik
Note
1,0
Schlagworte
Praktikumsbericht Schulpraktikum Referendariat Lehrer

Autor

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Titel: Praktikumsbericht zu einem Schulpraktikum