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Erläuterungen wichtiger Begriffe in der Unternehmensnachfolge

Academic Paper 2011 33 Pages

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Excerpt

Inhalt

Abkürzungsverzeichnis

Hinweise

1 Familienunternehmen

2 Unternehmensnachfolge
2.1 Familieninterne Unternehmensnachfolge
2.1.1 Schenkung
2.1.2 Vererbung
2.2 Familienexterne Unternehmensnachfolge
2.2.1 Management-Buy-Out (MBO)
2.2.2 Management-Buy-In (MBI)
2.2.3 Buy-In-Management-Buy-Out (BIMBO)
2.2.4 Owner-Buy-Out (OBO)
2.2.5 Employee-Buy-Out (EBO)
2.2.6 Institutioneller Buy-Out (IBO)
2.2.7 Leveraged-Buy-Out (LBO)
2.2.8 Unternehmensverkauf an Dritte
2.2.9 Sonstige Formen der Unternehmensnachfolge
2.2.9.1 Liquidation
2.2.9.2 Reines Fremdmanagement
2.2.9.3 Going Public
2.2.9.4 Laissez-Faire
2.2.9.5 Stiftung
2.2.9.6 Verpachtung

3 Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hinweise

Soweit im Folgenden personenbezogene Bezeichnungen nur in der männlichen Form angeführt sind, beziehen sie sich auf Frauen und Männer in gleicher Weise. Bei der Anwendung auf bestimmte Personen wird die jeweils geschlechterspezifische Form verwendet.

Sofern im Folgenden von einem Nachfolger gesprochen wird, kann davon ausgegangen werden, dass sowohl eine Person oder mehrere die Nachfolge teilen können. Im Wesentlichen gibt sich daraus keine Änderung für die Unternehmensnachfolge abgesehen von der künftigen Aufteilung der Eigentums- und Machtverhältnisse.

In dieser Arbeit geht es um Begriffsdefinitionen, die in der Unternehmensnachfolge von großer Bedeutung sind. Dazu gehören z.B.: Familienunternehmen, Unternehmensnachfolge, Schenkung, Vererbung, Management-Buy-Out, Management-Buy-In, Owner-Buy-Out, Institutioneller Buy-Out, Leveraged-Buy-Out und Unternehmensverkauf an Dritte.

1 Familienunternehmen

In der Literatur hat sich bis heute keine klare Definition des Begriffes Familienunternehmen durchgesetzt. Lansberg, Perrow und Rogolsky setzten sich im Jahr 1988 mit dem Thema in ihrem Aufsatz „Family Business as an Emerging Field“ auseinander und konnten hierfür keine eindeutige Lösung finden.[1] Auch Handler, Littunen und Hyrsky konnten in den Jahren 1989 bzw. 2000 feststellen, dass eine eindeutige Definition fehlt.[2] Einige Autoren sprechen in diesem Zusammenhang auch von einem „family business definition dilemma“.[3] Diese Uneinigkeit der Definition von Familienunternehmen lässt sich auch heute noch in wissenschaftlichen Arbeiten finden, welche empirische Ergebnisse schwer vergleichbar machen. Hierbei betreffen die divergierenden Unterschiede oft das Eigentum und die Leitung in Familienunternehmen und weniger Merkmale wie Rechtsform oder Umsatz.[4] Bevor einige Definitionen aus der Literatur näher erläutert werden, wird in dieser Arbeit zuerst der Begriff Familie abgegrenzt.

Der Begriff der Familie wird je nach Land und Kultur unterschiedlich aufgefasst und auch in den verschiedenen Wissenschaften hat er keine klare Definition. Ebenso kann sich die Bedeutung bzw. das Verständnis eines Begriffs wie etwa Familie mit der Zeit ändern und muss somit laufend neu definiert werden. Im Rahmen dieser Diplomarbeit wird die Definition von Klein verwendet, welche besagt, dass unter Familie Menschen zusammengefasst werden, die entweder blutsverwandt oder Ehepartner von ihnen sind.[5]

Hengstmann befasste sich bereits 1935 mit der Begrifflichkeit von Familienunternehmen und formulierte eine Definition, auf welche viele nachfolgende Erläuterungen bis heute aufbauen. Bei der Definition von Hengstmann wird von drei Kriterien ausgegangen, nämlich, dass eine Beteiligung der Familie an der Gesellschaft erfolgt, diese eine mehrheitliche Beteiligung haben und dass zusätzlich die Mehrheit der Familie den Willen zeigen muss, das Unternehmen so zu führen, dass es der Familie dient.[6] Auch Bertsch ging 1964 bei seiner Definition von Familienunternehmen davon aus, dass die Mehrheit des Unternehmens in der

Hand einer Familie sein muss und dass das Unternehmen von mindestens einem Mitglied der Familie mit dem Willen geführt wird, das Unternehmen zu erhalten.[7] Ähnlich ist auch die Definition von Pentzlin, wobei bei ihm auch nur von einer Familie gesprochen wird, welche das Unternehmen in Besitz hat.[8]

In den letzten Jahrzehnten wurden immer mehr Definitionen von Familienunternehmen gebildet, welche nicht nur das Vorhandensein einer Familie als Besitzer vorschreiben, sondern auch erlauben, dass mehrere Familien ein Familienunternehmen besitzen können, wie etwa bei Hennerkes, Berlin und Berlin.[9] Bei der Definition von Vogler müssen neben den vorher genannten Kriterien von Hennerkes, Berlin und Berlin noch familienfremde Gesellschafter vermieden werden und der Übergang zur nächsten Generation sichergestellt sein.[10] Ernst und Young, Deutsche Allgemeine Treuhand AG, hingegen definieren ein Unternehmen als Familienunternehmen, wenn die Familien mindestens 50 Prozent des Unternehmens besitzen, wobei hier nicht die Mehrheit notwendig ist und in der Geschäftsführung maximal zwei natürliche Personen vorhanden sein dürfen.[11] Ebenfalls kann laut Definition von Voigt das Familienunternehmen nur eine natürliche Person zu 100 Prozent besitzen.[12] Obwohl viele Familienunternehmen Klein- und Mittelunternehmen sind, sollten die Begriffe Familienunternehmen und KMU nicht synonym verwendet werden, da es auch einige Familienunternehmen gibt, welche den Mittelstandsbegriff von der Größe her übersteigen und im Mittelstand nicht immer die Kontrolle der Familie gegeben ist.[13] Durch das Fehlen einer klaren und verbindlichen Definition von kleinen und mittleren Unternehmen hat die EU- Kommission eine Empfehlung für die Definition von KMUs im Jahr 2003 abgegeben, welche besagt, dass ein KMU vorliegt, wenn die Mitarbeiteranzahl im Unternehmen weniger als 250 Personen beträgt und der Jahresumsatz höchstens 50 Millionen Euro oder die Jahresbilanzsumme von 43 Millionen Euro nicht übersteigt.[14]

Eine Möglichkeit festzustellen, ob ein Unternehmen zu den Familienunternehmen zählt, ist die Berechnung des Substantial Family Influence von Klein. Bei dieser Skala wird der Einfluss einer Familie auf das Unternehmen durch Addition von drei verschiedenen Kriterien, nämlich dem Anteil der Familie am Eigenkapital des Unternehmens, dem Anteil der Familie an der Geschäftsführung und dem Anteil der Familie im Kontrollgremium, ermittelt. In diesem Zusammenhang setzt dieses Modell voraus, dass in jedem Fall die Familie einen Anteil am Eigenkapital des Unternehmens halten muss, damit eine Überprüfung mit dieser Formel bezüglich Familienunternehmen möglich ist. Bei der Berechnung des Substantial Family Influence sind Ergebnisse von null bis drei möglich, wobei ein Ergebnis von einem Wert von eins bis drei besagt, dass es sich hier um ein Familienunternehmen handelt; Unternehmen unter eins sind den Nicht-Familienunternehmen zuzuordnen.[15]

Formel des Substantial Family Influence[16]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aufbauend auf der Berechnung des Substantial Family Influence haben Astrachan, Klein und Smyrnios die F-PEC Skala mit Daten von 1.156 Unternehmen getestet. Die F-PEC-Skala besteht aus den drei Bereichen Power, Experience und Culture, welche in Abbildung 1 veranschaulicht wird. Hierbei wird der Einfluss der Familie anhand dieser Kriterien, die noch weiter unterteilt werden, näher bestimmt. Im Bereich Power bzw. Macht wird der Anteil der Familie an Unternehmen bezüglich Eigentum, Kontrolle und Führung analysiert. Im Bereich Experience bzw. Erfahrung werden die Kenntnisse der Generationen und die Anzahl der Mitglieder der Familie im Unternehmen berücksichtigt. Der Bereich Culture bzw. Kultur zeigt die Überlappung der Werte der Familie und des Unternehmens sowie das Engagement der Familie. Allerdings ist dieses Modell kaum einsetzbar, da die Datengenerierung laut Schraml fast unmöglich ist.[17]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: F-PEC-Skala[18]

Alle Definitionen von Familienunternehmen haben Kriterien, welche zu erfüllen sind, damit ein Unternehmen als Familienunternehmen bezeichnet werden kann; sobald eines davon nicht erfüllt wird, liegt also ein Nicht-Familienunternehmen vor. Durch die Vielzahl an Definitionen – es wurden hier nur übersichtsweise einige wichtige erwähnt – ist es kompliziert empirische Ergebnisse zu vergleichen bzw. aus den vielen verschiedenen eine konkrete Definition zu entwickeln.[19] Einen Überblick über die unterschiedlichen Begriffsbestimmungen von Familienunternehmen gewähren die Auflistungen gesammelter Definitionen von Pfannenschwarz bzw. Flören, in welchen 74 deutschsprachige bzw. 49 internationale Begriffsbestimmungen überblicksweise gegenüber gestellt werden.[20] Im Rahmen dieser Diplomarbeit wird folgende Definition verwendet:

Familienunternehmen s ind Unternehmen, bei welchen eine oder mehrere Familien die Eigentumsmehrheit und die Führungsmehrheit in einem Unternehmen besitzen .

Das Zwei-Kreis-Modell stellt Familienunternehmen durch die zwei Bereiche Familie und Unternehmen in zwei Mengenkreisen dar, welche sich überlappen.[21] Unternehmerfamilien stehen immer vor der Herausforderung diese zwei unterschiedlichen Bereiche miteinander zu koordinieren.[22] Aufbauend auf das Zwei-Kreis-Modell hat Gersick u.a. das Drei-Kreise- Modell entwickelt, welches sich aus den drei Bereichen Unternehmen, Familie und Eigentum zusammensetzt. Die Überlappung dieser drei Kreise ergibt sieben Bereiche, wobei jedes Mitglied, das an einem Familienunternehmen beteiligt ist, einem Bereich zugeordnet werden kann, sodass jeder eine bestimmte Rolle und Zielausprägung im Unternehmen wahrnimmt, wie in Abbildung 2 ersichtlich ist. Im Bereich 1 sind beispielsweise Familienmitglieder zu finden, welche weder im Unternehmen mitarbeiten oder Eigentümer des Unternehmens sind. Dem Bereich 6 sind hingegen Familienmitglieder zuzuordnen, welche im Unternehmen tätig sind, jedoch keine Anteile am Unternehmen besitzen. Dieses Modell soll dem Betrachter helfen, die jeweiligen Interessen der Beteiligten zu verstehen.[23]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Drei-Kreise-Modell[24]

Auf das Drei-Kreise-Modell folgend entwickelte Gersick u.a. aufbauend auf Tagiuri und Davis ein Lebenszyklus-Modell des Familienunternehmens, in welchem die drei bereits vorhandenen Bereiche Unternehmen, Familie und Eigentum jeweils einer Achse zugeordnet werden, sodass ein dreidimensionales Modell[25] entsteht.[26] Auf der Unternehmensachse ist der Lebenszyklus des Unternehmens, auf der Eigentumsachse die Verteilung des Eigentums und auf der Familienachse der Entwicklungsprozess der Familie vermerkt. Auf jeder Achse sind verschiedene Entwicklungsstufen gekennzeichnet, wie etwa auf der Unternehmensachse die Gründung, das Wachstum, die Reife und die Wende, sodass bei jeder Änderung einer Achse wieder eine neue Phase erkennbar wird.[27]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Lebenszyklus-Modell nach Gersick u.a.[28]

Eine Weiterentwicklung des Drei-Kreise-Modells ist das Modell der Dimensionen eines Familienunternehmens von Klein, in dem neben den drei bereits zuvor erwähnten Bereichen, Unternehmen, Familie und Eigentum, die Dimension Führung neu hinzu gezählt wird, wie in Abbildung 4 dargestellt.[29]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Dimensionen eines Familienunternehmens[30]

Familienunternehmen sind durch eine lange Tradition geprägt und tragen bereits seit mehreren Jahrhunderten wesentlich zum wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben bei. Das älteste bekannte Familienunternehmen ist das Tempelbauunternehmen K.K. Kongo Gumi aus Japan, welches im Jahr 578 gegründet wurde. Dieses wurde über 40 Generationen lang stets in der Familie weitergeführt, bis es im Jahr 2006 nach 1428 Jahren aufgrund eines Konkurses geschlossen werden musste und in ein Tochterunternehmen einfloss. Das älteste und bekannteste Familienunternehmen im deutschsprachigen Raum ist das deutsche Familienunternehmen Pilgrim-Haus, welches 1304 gegründet wurde und bis heute besteht.[31] Familienunternehmen haben ursprünglich das Konzept des Adels übernommen, welches durch Schließung von Ehen und dem Heranführen der Kinder an das Unternehmen den Fortbestand und die Weiterentwicklung des Familienunternehmens fördern sollte.[32] Im Laufe der Geschichte beherrschten verschiedene Familien wie etwa die Fugger oder Welser den deutschen und Medici den italienischen Handel. Der Aufschwung der Familienunternehmen wurde jedoch durch den Dreißigjährigen Krieg in Europa erheblich beeinträchtigt und konnte erst im Merkantilismus wieder fortgesetzt werden.[33] Die Vormachtstellung der Familienunternehmen konnte im 19. Jahrhundert durch die Industrialisierung weiter ausgebaut werden, wobei Unternehmen verstärkt zum Zweck, die Familie nach dem Tod des Unternehmers weiter versorgen zu können, gegründet wurden.[34] Nach dem Wirtschaftszusammenbruch des ersten und zweiten Weltkrieges waren vor allem Familienunternehmen am Wiederaufbau in Deutschland und im Weiteren am sogenannten Wirtschaftswunder maßgeblich beteiligt. Seit dieser Zeit begannen sich Familienunternehmen in Nischenmärkten zu etablieren und einige davon sind bis heute am Weltmarkt führend.[35]

[...]


[1] Vgl. Lansberg/Perrow/Rogolsky (1988), S. 1ff.

[2] Vgl. Littunen/Hyrsky (2000), S. 41ff.; Handler (1989), S. 257ff

[3] Vgl. Ampenberger (2010), S. 13

[4] Vgl. Schraml (2010), S. 9; Hennerkes/Hund (2008), S. 255; Schmeisser/Lesener/Tscharntke (2007), S. 7.

[5] Vgl. Ampenberger (2010), S. 17f.; Klein (2010), S. 18

[6] Vgl. Baumgartner (2009), S. 19f

[7] Vgl. Bertsch (1964), S. 9.

[8] Vgl. Pentzlin (1976), S. 8

[9] Vgl. Hennerkes/Berlin/Berlin (2007), S. 24

[10] Vgl. Vogler (1990), S. 24

[11] Vgl. Backes-Gellner/Wallau/Kayser (2001), S. 43

[12] Vgl. Voigt (1992), S. 34ff

[13] Vgl. Schultheiss (2011), S. 31; Hennerkes/Hund (2008), S. 256; Martens/Michailow (2006), S. 222f.

[14] Vgl. Europäische Union (2003), S. 39

[15] Vgl. Ampenberger (2010), S. 18; Klein (2010), S. 17; Schraml (2010), S. 13f

[16] Quelle: in Anlehnung an Klein (2010), S. 17

[17] Vgl. Klein (2010), S. 14ff.; Schraml (2010), S. 14; Fleschutz (2008), S. 43f.; Astrachan/Klein/Smyrnios

(2002), S. 45ff

[18] Quelle: in Anlehnung an Klein (2010), S. 16

[19] Vgl. Ampenberger (2010), S. 21

[20] Vgl. Pfannenschwarz (2006), S. 334ff.; Flören (2002), S. 17ff

[21] Vgl. Lansberg (1983), S. 44

[22] Vgl. Weber (2009), S. 12f

[23] Vgl. Gersick u.a. (1997), S. 6f

[24] Quelle: in Anlehnung an Gersick u.a. (1997), S. 6

[25] Siehe dazu Abbildung 3

[26] Vgl. Rüsen (2009b), S. 21; Gersick u.a. (1997), S. 16ff

[27] Vgl. Fleschutz (2008), S. 54f

[28] Quelle: in Anlehnung an Fleschutz (2008), S. 54

[29] Vgl. Klein (2010), S. 5.

[30] Quelle: in Anlehnung an Klein (2010), S. 5.

[31] Vgl. Mertens (2009), S. 53f.; Bilanz (2006), S. 25; Pilgrim-Haus, Artikel, http://www.pilgrimhaus.de/pilgrimhaus.html [14.09.2011].

[32] Vgl. Klein (2010), S. 24f.

[33] Vgl. Hennerkes/Berlin/Berlin (2007), S. 21f

[34] Vgl. Mertens (2009), S. 54

[35] Vgl. Klein (2010), S. 34; Mertens (2009), S. 56; Hennerkes/Berlin/Berlin (2007), S. 23f.

Details

Pages
33
Year
2011
ISBN (eBook)
9783656921233
ISBN (Book)
9783656922889
File size
953 KB
Language
German
Catalog Number
v294531
Grade
Tags
erläuterungen begriffe unternehmensnachfolge

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Title: Erläuterungen wichtiger Begriffe in der Unternehmensnachfolge