Lade Inhalt...

Projektstudie zur Wohlfahrts- und Sozialarbeit innerhalb des Roten Kreuzes

Punktuelle Erfassung örtlich bestehender Gegebenheiten und erkennbarer Entwicklungserfordernisse

Fachbuch 2015 67 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einstieg in die Thematik und bestehende Herausforderung

Wohlfahrts- und Sozialarbeit als wachsendes Aufgabenfeld

Projekt zur explorativen Erfassung örtlicher Gegebenheiten
Konzeptentwurf

Durchführung und Erfassung örtlicher Gegebenheiten
Befragung in einzelnen Kreisverbänden

Analyse der erhobenen Befragungsergebnisse
Durchführung der Auswertung

Stellungnahmen von Akteuren, Betroffenen und Experten
Subjektive Einsichten

Erste Schlussfolgerungen und Konsequenzen auf örtlicher Ebene
Örtlich angezeigt erscheinende Entwicklung

Resultierende überörtliche Entwicklungsüberlegungen
Perspektiven für die verbandsbezogene Wohlfahrts- und Sozialarbeit

Auswirkungen auf den Gesamtverband
Profilveränderung des Wohlfahrtsverbandes als mittelbare Konsequenz

Gesamtzusammenfassung

Anhang

Vorwort

In Fortführung der Grundüberlegungen zur Wohlfahrts- und Sozialarbeit innerhalb des Roten Kreuzes soll die vorliegende Studie örtliche Gegebenheiten in einzelnen Kreisverbänden erfassen und damit dazu beitragen, ein klareres Bild von den verbandsinternen Gegebenheiten und Entwicklungsperspektiven zu geben.

Unser Bemühen ist daraufhin ausgerichtet, mit Hilfe der sich ergebenden Informationen den Stand und Entwicklungsbedarf besser abschätzen, sowie die Auswirkungen auf den Gesamtverband besser beurteilen zu können. Dabei werden wir angesichts der kleinen Stichprobe keinen umfassenden Überblick, sondern nur einen punktuellen Einblick zu geben in der Lage sein.

Doch auch dieser punktuelle Einblick verdeutlicht uns, auf welcher Entwicklungsstufe wir uns befinden und wohin die Reise gehen muss, wenn wir weiterhin den Grundsätzen des Verbandes folgen und diese zeitgemäß umsetzen wollen. Das eruierte Ergebnis stellt dabei ein zeitlich gebundenes Zwischenergebnis dar.

Ausgehend vom thematischen Einstieg und der Darstellung der bestehenden Herausforderungen wird das Projekt zur Erfassung örtlicher Gegebenheiten vorgestellt. Dem folgt die Durchführung der Befragung in den einzelnen Kreisverbänden, die Stellungnahmen von Akteuren und Betroffenen, sowie Analyse der erhobenen Befragungsergebnisse.

Wir ziehen daraus Schlussfolgerungen auf örtlicher und überörtlicher Ebene für die Wohlfahrts- und Sozialarbeit innerhalb des Verbandes. Dies mündet ein in Überlegungen zu den Auswirkungen auf den Gesamtverband. Hier sind durchaus Profilveränderungen als mittelbare Konsequenz im Zeitablauf denkbar.

Mit dem Projekt leisten wir sicherlich nicht den großen Wurf. Doch auch ein kleiner Beitrag zu mehr Klarheit und Verständnis trägt Wert in sich. Letztlich geht es doch darum, geprägt vom Geist Jean Henry Dunant´s bei Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind wirksame Unterstützung zu leisten, sodass auch sie ein lebenswertes Leben haben.

Angesichts der Breite und Tiefe des Aufgabenfeldes der Wohlfahrts- und Sozialarbeit können wir hier nur der Bewusstwerdung dienen. Sie ist allerdings Voraussetzung dafür, sich in Bewegung zu setzen und die Kluft zwischen Bedarf und Bedarfsdeckung zu verringern. Schließlich ist Hilfe zur Selbsthilfe angesagt, wo dies möglich ist.

Am Beginn dieses Projektes herrscht Ergebnisoffenheit und gespannte Erwartung vor. Wohin wird uns die Studie führen? Führt sie zu erhellenden Aussagen oder bleibt sie in Vermutungen und vorgefassten Meinungen stecken? Es bleibt der Leserin und dem Leser überlassen, sich hierzu eine eigene Meinung zu bilden.

Immerhin ist festzuhalten, dass der erzielte Erkenntnisfortschritt nicht das Ende der Bemühungen markiert. Jede und Jeder, welche sich mit der aufgeworfenen Thematik auseinandersetzt ist aufgefordert, über die vorgetragenen Überlegungen hinaus zu denken und seinen Beitrag beim Dienst am Nächsten zu leisten.

In besonderer Weise schulde ich Dank Herrn Lehrbeauftragten Dipl.-Kfm. Dr. Lars Kretzschmar, Vorstandsvorsitzender des DRK Kreisverbandes Zwickauer Land e.V., sowie Frau Mandy Fiedler und Herrn Daniel Häußer aus dem Studiengang Gesundheits- und Sozialmanagement an der Staatlichen Studienakademie Plauen für ihre Mitwirkung im Rahmen der Durchführung und Auswertung der Studie, sowie nicht zuletzt den antwortenden Führungskräften aus dem Roten Kreuz.

Mögen die nachfolgenden Ausführungen hilfreich sein, Mitmenschen wirksame Hilfe zu leisten und dadurch Freude und Lebensqualität in ihr Leben zu bringen. Im geleisteten Dienst am Nächsten zeigt sich schließlich, inwieweit unsere Gesellschaft den sozialen Anspruch und die daraus resultierende Mitverantwortung ernst nimmt.

Fürth / Plauen, den 15. März 2015

Prof. Dr. mult. Alfons Maria Schmidt

Einstieg in die Thematik und bestehende Herausforderung

Wohlfahrts- und Sozialarbeit als wachsendes Aufgabenfeld

Einstieg, Abgrenzung, Zielbestimmung

Wohlfahrts- und Sozialarbeit ist in unserer Gesellschaft und weltweit ein wachsendes Aufgabenfeld und eine zentrale Herausforderung. Ein Verband der freien Wohlfahrtspflege muss sich den immer dringlicheren sozialen Erfordernissen stellen, will er nicht den Kernbereich seines Wesens verletzten, diesen verleugnen und den Anschluss an die sich vollziehende Entwicklung verlieren.

Um wirksame Hilfe zur Selbsthilfe leisten zu können, bedarf es der Erfassung bisheriger sozialer Dienstleistungen, erkennbarer neuer sozialer Herausforderungen und bestehender Möglichkeiten. Aus der Erfassung lassen sich zeitgemäße Hilfsstrategien entwickeln und bisherige Konzepte den veränderten Erfordernissen anpassen.

Mit dem vorliegenden Projektbericht soll ansatzweise Aufschluss darüber gegeben werden,

wo das Rote Kreuz im Bereich der ehrenamtlichen Wohlfahrts- und Sozialarbeit steht,

welche Überlegungen zur Weiterentwicklung des Leistungsspektrums angestellt werden und

wie sich diese in der Perspektive auf örtlicher und überörtlicher Ebene letztlich auswirken.

Wohl wissend, dass Wohlfahrts- und Sozialarbeit immer schon zu den Aufgaben des Roten Kreuzes gehört hat, müssen wir zugestehen, dass im Zuge der heutigen Zeit, die von Dynamik der Entwicklung, zunehmender Komplexität, Globalisierung und vielen anderen Faktoren bestimmt wird, ein verändertes Herangehen an alte und neue Herausforderungen angezeigt erscheint.

Da wird es uns sicherlich nicht gelingen, mit einer kleinen Studie die Gegebenheiten umfassend zu erhellen, die Verhältnisse zu durchleuchten und den Handlungsbedarf eindeutig zu bestimmen. Doch auch der Vorstoß in Richtung von mehr Klarheit und erweiterter Erkenntnis erscheint hilfreich, um den Notwendigkeiten Handlungsstrategien gegenüber zu stellen und aktiv in das sich vollziehende Geschehen einzugreifen.

Das Projekt ist eine Momentaufnahme und lässt sich nur als Pilotstudie charakterisieren. Für eine umfassende Untersuchung stehen derzeit die erforderlichen Mittel leider nicht zur Verfügung. Insoweit ist die Aussagekraft der erzielten Ergebnisse begrenzt, aber sicherlich nicht nutzlos. Stellen sie doch einen neuen Ausgangspunkt für weiterführende Betrachtungen dar.

Unser Ziel ist es, ein mehr an Klarheit als Voraussetzung für das Wirksamwerden des Verbandes zu schaffen. Dabei steht die örtliche Ebene im Zentrum der Überlegungen. Erst in einem weiteren Schritt werden sich überörtliche Perspektiven für die Wohlfahrts- und Sozialarbeit, sowie die Fortentwicklung des Wohlfahrtsverbandes entwickeln lassen.

Wohlfahrts- und Sozialarbeit

Wohlfahrts- und Sozialarbeit soll Menschen Hilfestellungen in Form von Hilfe zur Selbsthilfe bieten, um ihr Leben weitestgehend selbstbestimmt in den Griff bekommen zu können. Diese erforderliche Hilfe kann höchst unterschiedlicher Natur sein und adressatenbezogen abweichende Formen annehmen. Ausgangspunkt ist jeweils die Bedarfssituation beim Dienstleistungsempfänger. Sie oder er sind insoweit bestmöglich unter Wahrung ihrer personalen Würde in das Geschehen einzubeziehen.

Nicht ein Überstülpen von Standardkonzepten ist angesagt, auch wenn ein Verband darum bemüht sein muss, Synergieeffekte zu erzielen und sparsam mit den knappen Ressourcen umzugehen. Insoweit wird man eine Gratwanderung zwischen individuell gegebenem Bedarf und verbandsbezogenen Möglichkeiten vollführen müssen – eine Gratwanderung, die gegebenenfalls von beiden Seiten das Zugestehen von Abstrichen erfordert.

Im Rahmen der Wohlfahrts- und Sozialarbeit kommt nicht nur ethisch-moralische Bindung des Handelns, sondern letztlich auch die erreichte kulturelle Position zum Ausdruck. In beidem lässt sich die gesellschaftliche Entwicklungsstufe ablesen, aber auch vorhandener Veränderungsbedarf erkennen, den es durch gemeinsame Anstrengung anzugehen gilt, sodass sich wünschenswerter Fortschritt einstellt.

Wohlfahrts- und Sozialarbeit reduziert individuelle Belastungen, kann jedoch die Zumutungen des Lebens nicht gänzlich beseitigen. Insoweit bedarf es auch des Mutes zur Lücke, der Anerkennung der Tatsache, das das Schlaraffenland in dem die Trauben in den Mund wachsen noch fern ist. Hilfen sind allemal besser, als ein Warten darauf, dass sich die Verhältnisse von selbst verbessern.

Herausforderungen

Sowohl örtlich, national, aber auch international sind wir mit wachsenden Herausforderungen im sozialen Bereich konfrontiert. Sie sind Kennzeichen bestehender Ungleichgewichte, ungelöster Konflikte und Fehlsteuerungen. Sie sind aber auch Ausdruck von bestehenden Machtinteressen und vorrangig eingeforderten Ansprüchen über deren Legitimität die Meinungen naturgemäß auseinander gehen.

Mit den bestehenden Herausforderungen verbindet sich ein Handlungsauftrag, dem gegenüber Stellung zu beziehen ist. Es genügt nicht darauf hinzuweisen, dass irgendwann irgendjemand tätig werden müsste, um etwas zu veranlassen. Jammern alleine hilft nicht. Es überwindet nicht die immer wieder deutlich werdenden vorhandenen Defizite, Fehlsteuerungen und Resutate menschlichen Versagens.

Gerade unsere schnelllebige Zeit droht uns zu überfordern, da vielfältige Wandlungsprozesse gleichzeitig ablaufen und in ihrer Summe zumindest Einzelne an ihre Grenzen oder gar darüber hinaus führen. Hier Hilfestellung zu bieten ist nicht nur Aufgabe von Führungskräften. Es ist eine Aufgabe für uns alle. Denn nur im Miteinander lassen sich die heutigen Herausforderungen überwinden und die bestehenden Zumutungen bewältigen.

Nicht die vorhandenen Herausforderungen sind letztlich das entscheidende Problem, sondern die Strategie und das Potential zu deren angemessener Überwindung. Da wird Kreativität, Flexibilität und Offenheit unverzichtbar sein, ein Festhalten an bürokratischen Regelungsmechanismen allenfalls eine trügerische Scheinsicherheit vermitteln können.

Berührtheit

Unsere Berührtheit erwächst aus einem humanistischen Selbstverständnis und einer entsprechenden Grundorientierung, aber auch aus glaubensbedingten Forderungen und Anforderungen, denen wir meinen uns stellen zu müssen. Sie entfalten eine verhaltensbeeinflussende Wirkung, die sich im jeweils praktizierten Handeln nachvollziehbar niederschlägt.

Berührtheit setzt voraus, sich berühren zu lassen. Dabei hilft die Gewissheit, dass Jede und Jeder im Laufe seines Lebens auf die Hilfe anderer angewiesen sein kann und von da her auch selbst zur zumutbaren Hilfe bereit sein sollte, wenn er im Bedarfsfalle Hilfe erwartet. Bereits mit der Mitgliedschaft beim Roten Kreuz wird dies individuell ausdrücklich anerkannt und es sollte nicht nur bei einer rein deklaratorischen Erklärung bleiben.

Gerade die wechselseitige Bestärkung im Handeln wird im Rahmen einer Hilfsorganisation zur tragenden Kraft, die mehr erreichen lässt, als zunächst erhofft wurde. Und das Verteilen der Last auf viele Schultern lässt diese Last leichter ertragen. Langjährig ehrenamtlich Tätige können davon und auch von der individuellen Freude und Befriedigung aus geleisteter Hilfe berichten.

Angesichts des bestehenden Bedarfs und der subjektiven Berührtheit positive Akzente zu setzen, bringt uns alle eher weiter, als alleine Forderungen an andere zu stellen, so notwendig diese auch sein mögen. Ein positives Beispiel überzeugt letztlich mehr. Es skizziert ein Bewusstsein, das nicht nur die Selbstentfaltung und Selbstverwirklichung als Aufgabe sieht, sondern auch die Rückbindung zu Mitmenschen und einzelnen sozialen Gebilden.

Zusammenfassung, Reflexion, Ausblick

Wenn wir den Einstig in die Thematik und die Darstellung der bestehenden Herausforderung zusammenfassen, so lässt sich aus grundsätzlicher Sicht festhalten, dass

Wohlfahrts- und Sozialarbeit Kennzeichen einer sozial verpflichteten Gesellschaft darstellen und Aufschluss über die Verwirklichung ehrenwerter Ziele geben, wir uns im sozialen Bereich einem wachsenden Aufgabenfeld und zunehmenden Herausforderungen gegenüber sehen, die wir nicht einfach vernachlässigen dürfen und unsere Berührtheit uns dazu drängt, der bestehenden sozialen Mitverantwortung – auch bei Wahrnehmung und im Wissen um bestehende Defizite und Angebotslücken – hinreichend Rechnung zu tragen.

Wahrnehmung von Mitverantwortung wird hier zu einer tragenden Säule des Gemeinwesens, zu einem Element der Sicherung lebenswerter Verhältnisse für alle. Sich dieser Zielsetzung verpflichtet zu fühlen, zeichnet den Einzelnen aus und macht ihn zu einem nachahmenswerten Beispiel. Es lässt ihn in der Niedrigkeit des Alltages Sinn erfahren und Befriedigung finden. So wird der Schenkende letztlich selbst zum Beschenkten.

Die Alternative hierzu wäre destruktiv. Sie würde einreißen und zerstören, sie würde die Situation weiter verschlimmern. Denken wir hier nur zurück an das Zusammenstehen angesichts der Flutkatastrophe und anderer früherer unüberwindbar erscheinender Herausforderungen. Im Miteinander liegt die Lösung, im Miteinander der Erfolg. Machen wir uns auf den Weg, diesen zu erzielen.

Projekt zur explorativen Erfassung örtlicher Gegebenheiten

Konzeptentwurf

Hinführung, Abgrenzung, Zielbestimmung

Örtliche Gegebenheiten zu erfassen schafft Wissen über das Bestehende und das Notwendige, über Möglichkeiten der Bewältigung von Herausforderungen und Perspektiven. So soll ein Projekt zur Erfassung örtlicher Gegebenheiten im Bereich der Wohlfahrts- und Sozialarbeit innerhalb des Roten Kreuzes Klarheit geben und Orientierung bieten.

Erfassung steht hier schlicht für die Suche nach Antworten und das Ergründen von Gegebenheiten mittels Umfrage. Dabei können wir angesichts der zeitlichen, personellen und ressourcenmäßigen Beschränkungen leider nur punktuell vorgehen. Insoweit sind die Ergebnisse ein Hinweis auf die differenzierte Realität und kein umfassendes Bild.

Doch das erhoffte Projektergebnis sollte in der Lage sein, uns die bestehenden Verhältnisse und Einschätzungen zu verdeutlichen. Damit dürfte sich ein neuer Ausgangspunkt ergeben, der seinerseits zum aktiven Engagement und zur Annahme der Herausforderungen einlädt. Insoweit sind und bleiben wir auf dem Weg.

Das vorliegende Konzept des Projektes zur Erfassung soll dabei helfen zu erkennen und zu erfassen, welche örtlichen Gegebenheiten in einzelnen Kreisverbänden bestehen. Es soll den wahrgenommenen Bedarf erhellen und ins Auge gefasste Maßnahmen aufzeigen. Damit sollten wir die Voraussetzung für weiterführende Überlegungen schaffen können.

Projekt

Ein Projekt „ist ein zielgerichtetes, einmaliges Vorhaben, das aus einem Satz von abgestimmten, gelenkten Tätigkeiten mit Anfangs- und Endtermin besteht und durchgeführt wird, um unter Berücksichtigung von Zwängen bezüglich Zeit, Ressourcen (zum Beispiel Geld bzw. Kosten, Produktions- und Arbeitsbedingungen, Personal) und Qualität ein Ziel zu erreichen.“ (http:// de.wikipedia.org/wiki/Projekt)

Insoweit ist das Erkenntnisziel Ausgangspunkt der Projektgestaltung und bestimmt das gewählte vorgehen. In unserem Falle bietet die bestehende Begrenzung der Möglichkeiten zwar unterschiedliche Zugangswege, aber nur die Chance zur Erfassung grundsätzlicher Gegebenheiten. Der Blick in die Tiefe und die ganzheitliche Durchdringung ist uns verwehrt.

Unser Projekt zerfällt in einzelne Teilschritte, die nacheinander abzuarbeiten sein werden. Dazu gehören

die Erfassung und Darstellung unseres Erkenntnisinteresses und der mit dem Projekt verfolgten Ziele,

die Festlegung der einzelnen Schritte um zu hilfreichen Ergebnissen zu kommen,

das Vorgehen zur Auswertung der eingehenden Daten und bereitgestellten Aussagen, sowie

deren vorsichtige Interpretation, einschließlich der Begründung der im Einzelnen gemachten Schlussfolgerungen.

Unser Erkenntnisinteresse ist geprägt vom Streben nach vertiefter Einsicht in die aktuelle Realität der Wohlfahrts- und Sozialarbeit innerhalb des Roten Kreuzes, des vor Ort wahrgenommenen Bedarfs, sowie der gegebenen Entwicklungserfordernisse. Für die Erhebung steht einerseits ein Fragebogen zur Verfügung, andererseits wird auf Stellungnahmen zurückgegriffen.

Im Zuge der Auswertung der Aussagen sowie deren Interpretation sind wir gehalten, angesichts der schwachen Datenbasis Vorsicht walten zu lassen. Insoweit stellt das Projekt einen ersten Vorstoß dar, soll die Diskussion über Stand, Bedarf und Entwicklung bereichern und dazu beitragen, die vorhandene Handlungsnotwendigkeit bewusst zu machen.

Explorative Erfassung

Unser Ansatz ist gekennzeichnet durch eine pragmatische Erfassung der örtlichen Gegebenheiten mittels Befragung. Sie hat den Charakter eines Pretests, der durch Ansichten von Akteuren, Betroffenen und Experten ergänzt und bereichert werden soll. Dabei haben wir es letztlich mit einer Momentaufnahme zu tun und im Zeitablauf ist – zumal unter Berücksichtigung der Anlaufphase der Neustrukturierung – mit Veränderungen zu rechnen.

Insoweit wird es erforderlich sein, in zeitlichem Abstand die Gegebenheiten erneut zu eruieren und zwischenzeitlich stattgefundene Entwicklungen zu betrachten. Schließlich ist in einer Zeit dynamischer Veränderungen vor allem die Veränderung selbst eine beständige Größe, mit der auch weiterhin zu rechnen sein wird.

Bei der Erfassung sind wir nicht gefeit davon, Opfer bisheriger Erfahrungen und vorgefasster Meinungen zu werden. Wir suchen dies zu vermeiden, indem wir neben der Erfassung der Fakten auch Grundpositionen von Akteuren, Betroffenen und Experten in unsere Überlegungen einbeziehen und insoweit für ein gewisses Korrektiv sorgen.

Letztlich befürworten wir die offene Diskussion und sind bereit uns ihr zu stellen. Erst im argumentativen Austausch von Positionen und im Ringen um bestmögliche Lösungen wird sich der angezeigte Weg erkennen lassen, der geeignet ist, den Zielen, den Menschen, dem Verband und der Gesellschaft zu dienen.

Chancen und Grenzen

Ein Projekt zur Erfassung der Gegebenheiten bietet uns Chancen, ist aber auch von gewissen Grenzen gekennzeichnet. Ihnen nachzuspüren erhöht die Sicherheit, weiterhin auf dem rechten Weg zu sein. So bewegen wir uns innerhalb bestehender Grenzen im Bemühen, die vorhandenen Chancen im Interesse der Erfüllung gestellter Aufgaben zu erkennen und diese auch angemessen zu nutzen.

„Als Chance wird eine günstige Gelegenheit oder ein Glücksfall bezeichnet, aber auch die Aussicht, … Erfolg zu haben.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/ Chance). Sie bildet den Gegenpol zur Gefahr, die im Rahmen des Gegebenen besteht. Mit unserem Bemühen um Nutzung der Chancen unternehmen wir den Versuch, unsererseits einen positiven Beitrag zur Entwicklung zu leisten.

Grenzen stellen für uns Trennlinien dar. Sie beschränken gegebene Möglichkeiten und limitieren das Vorstell- und potentiell Machbare, können aber auch dazu dienen, ein effektloses Verzetteln bei den jeweiligen Aktivitäten zu verhindern. Insoweit erscheint die Frage nach der Vernünftigkeit bestehender Grenzen naheliegend. Sie wird wohl erst im weiteren Verlauf der Betrachtung und nur im Gesamtkontext angemessen zu beantworten sein.

Uns geht es darum, das Leistbare zu leisten, knappe Ressourcen sparsam einzusetzen und doch hilfreiche Erkenntnisse zu gewinnen, sodass unter Berücksichtigung der relevanten Faktoren der vernünftige Weg in Erscheinung tritt. Auch wenn er nur die Richtung anzugeben in der Lage ist, erscheint bereits dies als hinreichende Rechtfertigung für den betriebenen Aufwand und als realer Fortschritt.

Zusammenfassung, Reflexion, Ausblick

Unser methodisches Vorgehen lässt sich als Versuch interpretieren, den Dingen und Zusammenhängen im Bereich der Wohlfahrts- und Sozialarbeit im Roten Kreuz auf den Grund zu gehen. Aus diesem Grunde haben wir ein Projekt gestartet, das erleuchtenden Aufschluss geben und Perspektiven aufzeigen soll.

Wir können in diesem Zusammenhang nur die Erfassung in der Form einer Fragebogenaktion vornehmen. Sie wird ergänzt durch eingeholte Stellungnahmen von Akteuren, Betroffenen und Experten. Dies soll uns in die Lage versetzen, besser zu erkennen und besser zu verstehen. Es soll uns helfen, unserer bestehenden Mitverantwortung bestmöglich gerecht zu werden.

Auch die zugegebene Begrenztheit des von uns gewählten Ansatzes bietet uns Chancen, stellt uns aber auch unverkennbar vor Grenzen. Die Chancen liegen in einem erweiterten Wissen und einem tieferen Verständnis der Gegebenheiten, Erfordernisse und Entwicklungsnotwendigkeiten. Die Grenzen in der eingeschränkten Aussagekraft aufgrund der kleinen Stichprobe, der Ungewissheit der Zukunft, sowie der sich ergebenden Veränderungen bei den Einflussfaktoren.

Indem wir bemüht sind, die Diskussion anzustoßen, die Informationslage zu verbessern und letztlich dazu beitragen, den Verband in Bewegung zu bringen, erhoffen wir durch gemeinsame Anstrengung einen erforderlichen Fortschritt zu bewirken, der letztlich allen – vor allem den Hilfsbedürftigen und der Gesellschaft – zu Gute kommen soll.

Auf die gezogenen Konsequenzen wird es letztlich ankommen. Sie sind die Antwort auf erweiterte Erkenntnis und wahrgenommene Erfordernisse. In ihnen spiegelt sich wieder, wessen Geistes Kind wir sind. Tun wir nur so als ob, oder stellen wir uns den Herausforderungen und verwirklichen dadurch die Grundsätze unseres Verbandes.

Durchführung und Erfassung örtlicher Gegebenheiten

Befragung in einzelnen Kreisverbänden

Hinführung, Abgrenzung, Zielbestimmung

Die Durchführung und Erfassung örtlicher Gegebenheiten im Rahmen der Wohlfahrts- und Sozialarbeit des Roten Kreuzes hängt sehr von der Bereitschaft der jeweiligen Kreisverbände ab, Einblick zu gewähren. So starten wir den Versuch, örtlich bestehende Aktivitäten, örtlich wahrgenommenen Bedarf und örtlich entwickelte Perspektiven zu eruieren.

Dabei geht es nicht darum festzustellen, welcher Kreisverband im angesprochenen Bereich ein differenzierteres Angebot bereithält und wer in der Entwicklung dem gegenüber etwas nachhinkt. Die Erfassung der örtlichen Gegebenheiten soll am Beginn des Wirkens der neuen Rotkreuz-Gemeinschaft eine Bestandsaufnahme sein, von der ausgehend sich Entwicklung gestalten lässt.

Unsere Studie hat einen Pilotcharakter. Sie setzt sich aus einem Fragebogen und der Befragung einzelner Aktiver, Betroffener und Experten zusammen. Im Rahmen der Fragebogenaktion mit der wir uns in diesem Beitrag beschäftigen, soll erreicht werden, örtliche Aussagen zu Schlüsselfragen zu erfassen und damit einen besseren Einblick in die Differenziertheit der jeweiligen Gegebenheiten zu erhalten.

Wir beschränken uns im Rahmen der Erfassung auf eine begrenzte Betrachtung, die den Charakter einer Momentaufnahme besitzt. Dabei ist ausdrücklich erwünscht, Besonderheiten zu erfassen und einen Überblick über bisheriges Wirken, wahrgenommenen Bedarf, bestehenden Möglichkeiten und Entwicklungsperspektiven zu geben.

Konzeption der Durchführung

Der Fragebogen beschränkt sich auf 12 Fragen und der Möglichkeit zu ergänzenden Anmerkungen. Bei den Fragen geht es um

Bisherige Zielgruppen sozialer Arbeit

Bisherig vorrangig geleistete Aktivitäten

Bisherige Zusammenarbeit mit anderen Anbietern sozialer Dienstleistungen

Aktuellen und absehbaren zusätzlichen örtlichen Bedarf

Veränderung bisheriger Aktivitäten

Erweiterung des Dienstleistungsangebotes um Aufgabenbereiche

Künftige Schwerpunktsetzung

Abstimmung mit anderen Anbietern sozialer Dienstleistungen

Vorhandene Ressourcen

Geplante nächste Schritte

Mittel- und langfristige Perspektive (Strategie)

Maßnahmen zur Information nach Innen und Außen

Mit den Fragen soll die Auswertung eingehender Antworten erleichtert, mit der Möglichkeit zu ergänzenden Anmerkungen Gelegenheit zur Berücksichtigung spezifischer Tatbestände und aus örtlicher Sicht naheliegenden Überlegungen gegeben werden, die sich ansonsten einer überörtlichen Erfassung entziehen.

Die Auswertung soll und wird anonym erfolgen. Insoweit steht bei den einzelnen Kreisverbänden nicht eine Rangfolgebetrachtung, sondern die Erfassung der aktuellen gemeinschaftsbezogenen Situation an, die ohne Zweifel ihre jeweilige nachvollziehbare Begründung hat. Das Erfassen ist schließlich die Voraussetzung für das Abschätzen des künftigen Weges zum Ziel, des angemessenen und bedarfsgerechten Angebotes sozialer Dienstleistungen – auch und gerade durch die neue Rotkreuz-Gemeinschaft.

Eine Erfassung erfolgt vordringlich innerhalb des Deutschen Roten Kreuzes Landesverbandes Sachsen e.V., aber auch darüber hinaus. Auch wenn sich letztlich kein repräsentativer Querschnitt ergeben sollte, erhoffen wir uns wichtige Anhaltspunkte für neue Überlegungen.

Erfahrungen bei der Durchführung und Erfassung

Im Rahmen der Projektgruppe wurden zunächst alle Kreisverbände innerhalb des Deutschen Roten Kreuzes Landesverbandes Sachsen e.V. angeschrieben und zur Mitwirkung ermutigt. Dem lagen der in der Anlage abgedruckte Fragebogen, sowie die ebenfalls erfassten Leitfragen für die Befragung von Akteuren, Betroffenen und Experten bei.

Vorgesehen war, in zeitlicher Nähe nachzufassen und nochmals um Mitwirkung und Beantwortung zu bitten – wohl wissend, dass ggf. bei den Führungskräften der ehrenamtlichen Wohlfahrts- und Sozialarbeit erweiterter Erläuterungsbedarf besteht, vor Ort die Prioritäten anders liegen als bei denen, die Informationen erhoffen und in der Hektik des Alltages und der Fülle der zu leistenden Aufgaben leicht eine Anfrage untergehen kann.

Im Einzelnen zeigen sich im Rahmen der Erhebung nachfolgende Erfahrungen bei der Durchführung und Erfassung von Gegebenheiten:

Die Bereitschaft zur Beantwortung des Fragebogens war in den einzelnen Kreisverbänden des DRK Landesverbandes Sachsen e.V. unterschiedlich stark ausgeprägt. Vereinzelt wurde nachgefasst, um die Datenbasis zu verbreitern. Es ergänzen sich hier die Anfrage, die Unterstützung durch den Landesverband, die Erinnerung durch das Intranet, sowie eine Erinnerung durch Herrn Dr. Lars Kretzschmar als hauptberuflichem Funktionsträger im DRK.

Letztlich konnten dankenswerter Weise aber nur wenige Antworten der Kreisverbände entgegen genommen werden, die jedoch geeignet erscheinen, zumindest tendenzielle Aussagen von vorläufigem Charakter zu treffen. Dem entsprechend sind die getroffenen Schlussfolgerungen mit Vorsicht zu betrachten.

Angesichts der beschränkten Zeit für die Durchführung und der Notwendigkeit rasch zu hilfreichen Aussagen zu kommen, musste ein Erhebungsschlusszeitpunkt (Deadline) festgesetzt werden, der sich auf die Ergebnisse ausgewirkt haben könnte.

Ungeachtet dessen gehen wir davon aus, dass die durchgeführte Erhebung ein Mehr an Klarheit gebracht hat und insoweit – bei aller Vorsicht – sich als Hilfe hinsichtlich der Entwicklung der Gemeinschaft auf örtlicher und überörtlicher Ebene erweisen wird. Denn bereits das sich bewusst Machen der Gegebenheiten, Notwendigkeiten und Perspektiven verändert die Einstellung und damit das nachfolgende Verhalten.

Auftretende Probleme und Einschätzung der Vorgehensweise

Im Zuge der Durchführung der Befragung und der Erfassung der örtlichen Aussagen war mit auftretenden Problemen zu rechnen. In erster Linie war dies mit einer nur geringen Rücklaufquote. Doch auch diese lässt tendenzielle Aussagen zu, darf allerdings in ihrer Aussagekraft nicht überbewertet werden.

Als weitere Probleme traten die nachfolgend Genannten auf.

[...]

Details

Seiten
67
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656920311
ISBN (Buch)
9783656920328
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v294447
Note
Schlagworte
projektstudie wohlfahrts- sozialarbeit roten kreuzes punktuelle erfassung gegebenheiten entwicklungserfordernisse

Autor

Zurück

Titel: Projektstudie zur Wohlfahrts- und Sozialarbeit innerhalb des Roten Kreuzes