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Das Risikomanagement deutscher Kreditinstitute im Bereich der Immobilienfinanzierung. Die US-Subprime-Krise

Bachelorarbeit 2015 78 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Vorgehensweise
1.3 Moderne Geldtheorie

2. Aktivitäten deutscher Kreditinstitute in der Immobilienfinanzierung
2.1 Tätigkeitsfelder
2.1.1 Private Immobilienfinanzierung
2.1.2 Gewerbliche Immobilienfinanzierung
2.1.3 Direktinvestitionen
2.2 Rendite und Risiko
2.2.1 Zielgröße Rendite
2.2.2 Zielgröße Risiko
2.3 Besonderheiten und Risiken der Immobilienfinanzierung

3. Die US-Subprime-Krise
3.1 Ursachen
3.2 Verlauf
3.3 Die Rolle deutscher Banken in der Finanzkrise
3.3.1 Deregulierung des deutschen Finanzmarkts
3.3.2 Das Beispiel Sachsen LB
3.4 Folgen
3.4.1 Schuldner in den USA
3.4.2 Das Beispiel Pforzheim

4. Das Risikomanagement in der Immobilienfinanzierung
4.1 Risiko- und Chancenmanagement
4.1.1 Die Begriffe Risiko und Chance
4.1.2 Risikomanagement oder Chancenmanagement
4.1.3 Risiko- und Chancenkultur
4.1.4 Rechtliche Aspekte
4.1.5 Eine Analyse von Risiko- und Chancenkultur
4.2 Eigenheiten des Immobilien-Risikomanagements

5. Möglichkeiten zur Steuerung des Risikos
5.1 Unterschiedliche Arten der Ansätze
5.1.1 Die ursachenbezogene Risikoauffassung
5.1.2 Die informationsorientierte Risikoauffassung
5.1.3 Die entscheidbezogene Risikoauffassung
5.1.4 Die wirkungsbezogene Risikoauffassung
5.1.5 Kritische Betrachtung der Risikoauffassung
5.1.6 Formale Definitionen von Risiko und Chance
5.2 Tendenzen des Risikomanagements in der Immobilienfinanzierung

6. Lehren aus der US-Subprime-Krise
6.1 Reformansätze
6.2 Wenige Veränderungen und neue Gefahren
6.2.1 China als potentielle Gefahr der Zukunft
6.2.2 China als Wirtschaftsstandort
6.2.3 Deutsche Direktinvestition in China
6.2.4 Direktinvestitionsrecht

7. Fazit

8. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Risikomanagement deutscher Kreditinstitute im Bereich der Immobilienfinanzierung unter Berücksichtigung der US-Subprime-Krise. Die Subprime-Krise hat gezeigt, wie wenig sich die Verantwortlichen Banker in deutschen Banken mit den Risiken ihrer Geschäfte auseinandergesetzt haben. Während der Aufarbeitung der Hintergründe zur US-Subprime-Krise fielen im Zusammenhang mit deutschen Banken solche Stichwörter wie „inkompetent“ oder „Geld-hungrig“, oft traf auch beides zu. Obwohl jede Bank eine Art von Risikomanagement besessen hat, kann der Umgang der Wirtschaftsakteure mit diesem Management-Segment nur als eine Farce bezeichnet werden. Erst nach dem Platzen der Immobilienblase in den USA und der hieraus folgenden Finanz- und Wirtschaftskrise rückte das Immobilien-Risikomanagement in den Fokus wissenschaftlicher und praxisrelevanter Untersuchungen. „Studien von ERNST amp; YOUNG, FUNK RMCE, RÖDL amp; PARTNER UND WEISS-MANN amp; CIE. belegen, dass die Notwendigkeit des Risikomanagement in der Praxis immer mehr Beachtung findet. Jedoch mangelt es an der Umsetzung und Etablierung in den Unternehmensstrukturen.“[1] In dieser Arbeit soll einerseits untersucht werden, wie deutsche Banken in Immobilien investieren und wie sie mit dem einhergehenden Risiko umgehen, andererseits soll untersucht werden, welche Rolle deutsche Banken im Rahmen der US-Subprime-Krise gespielt haben. Diese Arbeit geht der Forschungsfrage nach, inwieweit sich das Immobilien-Risikomanagement deutscher Banken seit der verheerenden Immobilienkrise vor ein paar Jahren verändert hat. Ein weiterer Fokus soll auf die momentanen Entwicklungen in China gelegt werden, da dort ein Pendant zur US-Subprime-Krise heranwächst. „Moody's warnte laut einem Bericht der Financial Times davor, dass der Zusammenbruch der chinesischen Immobilienbranche die Weltwirtschaft beeinträchtigen würde.“[2] An dieser Stelle kann schon vorweg genommen werden, dass sich in Hinsicht auf das Risiko im Bereich der Immobilienfinanzierung nur erschreckend verändert hat und dies soll im Zuge dieser Arbeit am Beispiel des chinesischen Immobilienmarktes aufgezeigt werden.

1.2 Vorgehensweise

Anschließend an das Unterkapitel 1.2 wird die moderne Geldtheorie (1.3) skizziert, deren Behandlung mit Sicherheit vorteilhaft für den weiteren Verlauf der Arbeit sein wird. Da in den folgenden Kapiteln komplexe Finanzinstrumente der Immobilienfinanzierung erwähnt werden, soll diese kurze Einführung in die moderne Geldtheorie das Verständnis erleichtern. Um das Thema „Risikomanagement deutscher Kreditinstitute im Bereich der Immobilienfinanzierung unter Berücksichtigung der US-Subprime-Krise“ adäquat behandeln zu können werden in erster Linie, sprich im zweiten Kapitel, die Aktivitäten deutscher Kreditinstitute in der Immobilienfinanzierung besprochen. Zunächst wird der grundlegende Unterschied zwischen den zwei Tätigkeitsfeldern (2.1) der privaten und gewerblichen Immobilienfinanzierung erläutert, da sich alle Banken nach dieser Unterteilung orientieren. Das Finanzinstrument des spekulativen Einkaufs von Wertpapieren über Zweckgesellschaften, dasjenige Finanzinstrument, welches zum Platzen der Immobilienblase auf dem US-amerikanischen Subprime-Markt geführt hat, soll erst im dritten Kapitel (Die US-Subprime-Krise) ausführlich behandelt werden. Im zweiten Kapitel sollen, in Hinblick auf die Thematisierung des momentan in China stark überhitzten Immobilienmarktes, die verschiedenen Formen des dort in erster Linie verwendeten Instruments der Direktinvestition behandelt werden. Im Unterkapitel 2.2 werden die zwei Begriffe Rendite und Risiko näher erläutert, sowie die Definitionen ihrer Zielgrößen im Bereich der Immobilienfinanzierung erarbeitet, bevor im Unterkapitel 2.3 die Besonderheiten der Immobilienfinanzierung erwähnt werden.

Das dritte Kapitel widmet sich der US-Subprime-Krise. Zunächst werden die Ursachen (3.1) für das Platzen der Immobilienblase auf dem US-Subprime-Markt erwähnt. Hier wird ein Fokus auf die Zweckgesellschaften als Beginn der Krise gelegt. Folglich wird der Verlauf (3.2) der Krise in Kürze skizziert und im Unterkapitel 3.3 die Rolle deutscher Banken in der Finanzkrise herausgearbeitet. Um die Folgen ganzheitlich zu erfassen wird der Autor dieser Arbeit im Unterkapitel 3.4 versuchen nicht nur auf die offenkundigen Auswirkungen der Immobilienkrise in den USA einzugehen, sondern speziell auch auf die Auswirkungen der Krise in Deutschland hinzuweisen. Als ein konkretes Beispiel soll die Stadt Pforzheim angeführt werden, die durch undurchsichtige Wertpapiere, welche der Stadt von der Deutschen Bank verkauft worden sind, riesige Verluste erlitten hat. Diese sind bis heute deutlich spürbar.

Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit dem Risiko- und Chancenmanagement in der Immobilienfinanzierung. Um ein grundlegendes Verständnis dieses Management-Bereiches zu erhalten, wird das Risiko- und Chancenmanagement (4.1) im Allgemeinen behandelt. In dieser Arbeit soll vordergründig das Chancenmanagement thematisiert werden, da im Bereich der Immobilienfinanzierung bei Banken meistens eher die Chancen, als die Risiken wahrgenommen werden. Dies war zur Zeit vor der US-Subprime-Krise genauso wie heute, obwohl die nächste Immobilienblase zu platzen droht. Im zweiten Teil des vierten Kapitels (4.2) werden die Eigenheiten des Risiko- und Chancenmanagements im Bereich der Immobilienfinanzierung erwähnt.

Das fünfte Kapitel widmet sich den Möglichkeiten zur Steuerung des Risikos im Bereich der Immobilienfinanzierung. Zunächst werden die unterschiedlichen Arten der Ansätze (5.1) angeführt, bevor im Unterkapitel 5.2 die Tendenzen des Risikomanagements in der Immobilienfinanzierung angeführt werden. Das sechste Kapitel versucht Lehren aus der US-Subprime-Krise zu entdecken und sie in Form von Reformansätzen (6.1) aufzulisten. Der Titel dieses Kapitels kann etwas in die Irre führen, denn im Zuge der Recherchen für diese Arbeit ist eher das Gefühl entstanden, dass sich nur wenig in der Gangart der Banken hinsichtlich der risikoreichen Immobilienfinanzierung verändert hat. So wie die Banken am US-amerikanischen Immobilienmarkt mit undurchsichtigen Wertpapieren spekuliert haben, so haben sie es kurz später auch mit Währungen und Staatsanleihen europäischer Staaten gemacht und so machen sie es bis heute am chinesischen Immobilienmarkt, was zu neuen Gefahren in Form von Finanzkrisen und Wirtschaftskrisen führen kann (6.2). Im siebten Kapitel wird ein Fazit aufgestellt.

1.3 Moderne Geldtheorie

Die moderne Geldtheorie beschreibt die Zusammenhänge „zwischen den geldwirtschaftlichen Größen untereinander und jene zwischen Geld- und Güterwirtschaft unter Berücksichtigung internationaler Verflechtungen: Sie erklärt, welche Rolle die einzelnen Größen, wie z.B. Geld, Kredit und Zins, im Wirtschaftsablauf spielen.“[3] Geld kann nach Mankiw in zwei Formen auftreten, nämlich als Warengeld und als Nominalgeld. Als Warengeld werden Waren mit einem inneren Wert bezeichnet, zum Beispiel, Gold oder Silber. Als Nominalgeld wird Geld verstanden, welches keinen inneren Wert besitzt, sondern nur einen aufgedruckten.[4] Samuelson und Nordhaus teilen das Geld in drei Bereiche ein, wobei sie das Nominalgeld in zwei Teilbereiche aufteilen. Sie bestimmen einerseits das Warengeld, welches als Tauschmittel in Form von Waren auftritt, das Papiergeld, welches seinen Wert aus der geringen Stückzahl und der allgemeinen Akzeptanz bezieht, und das Buchgeld, welches als Einlagen bei der Bank definiert wird.[5]

Neben der Definition der unterschiedlichen Formen von Geld, thematisiert die moderne Geldtheorie auch die Funktionen von Geld. Es können drei Funktionen festgestellt werden, welche notwendig sind um ein Zahlungsmittel als Geld bezeichnen zu können, nämlich die Wertaufbewahrungsfunktion, die Recheneinheitsfunktion und die Tauschmittelfunktion. Die Wertaufbewahrungsfunktion gewährleistet die Möglichkeit, Geld aufzubewahren und somit Kaufkraft von der Gegenwart in die Zukunft zu verlegen. Dies ist nur möglich, wenn ein Zahlungsmittel stabil ist und der Wert des Geldes über eine lange Zeit nahezu konstant bleibt. Die Recheneinheitsfunktion ist basal für eine Währung, da Tauschrelationen (Preise) realwirtschaftliche Mengenverhältnisse sind, in welchen Waren getauscht werden können. Das Geld muss als Recheneinheit fungieren, damit Preise erstellt werden können. Die Tauschmittelfunktion ist gewährleistet, wenn das Geld bequemer zu handhaben ist als Naturalien.[6]

Die moderne Geldtheorie beschäftigt sich des Weiteren mit den Motiven der Geldhaltung. Es werden drei unterschiedliche Motive angeführt, nämlich das Transaktionsmotiv, das Vorsichtsmotiv und das Spekulationsmotiv. Das Transaktionsmotiv besagt, dass ein Wirtschaftssubjekt einen Teil seines Vermögens in Form von Geld aufbewahren möchte, um mit diesem Zahlungen abwickeln zu können. „Da die Ein- und Auszahlungen meist zu verschiedenen Zeitpunkten anfallen, verfügt jedes Wirtschaftssubjekt über einen bestimmten Kassenbestand, dessen durchschnittliche Höhe von der Zahlungshäufigkeit und vom Transaktionsvolumen abhängt.“[7] Das Vorsichtsmotiv beschreibt das Bedürfnis eines Wirtschaftssubjekts, einen Teil seines Gesamtvermögens zur Sicherheit für zukünftige Notsituationen aufzubewahren. „Das Vorsichtsmotiv erklärt die Geldnachfrage mit der Unsicherheit der Wirtschaftssubjekte über Zeitpunkte und Höhe künftiger Zahlungen.“[8] Das Spekulationsmotiv beschreibt das Verlangen eines Wirtschaftssubjekts, aufgrund der Kenntnis von zukünftigen Veränderungen des Geldmarktes, Gewinn aus diesen Veränderungen zu erzielen. Die unterschiedlichen Motive sind in der Praxis nicht voneinander zu trennen und dienen vordergründig um die Geldnachfrage theoretisch zu untersuchen.

Abgesehen von den Formen und Funktionen von Geld, sowie den Motiven zum Aufbewahren von Geld, thematisiert die Geldtheorie auch die Entstehung von Geld (Giralgeldschöpfung). Indem Zentralbanken Geld drucken und dieses an Wirtschaftssubjekte weitergeben, dieses Geld aber nicht zur Gänze gedeckt ist, entsteht Giralgeld. Die Bank kann mehr Geld als sie besitzt verteilen, ohne neues drucken zu müssen. Die Geldschöpfungstheorie besagt, dass Geld in drei Schritten geschöpft werden kann. Zuerst verteilt eine Zentralbank ihr Geld als Giralgeld an Nichtbanken. Wirtschaftssubjekte belassen einen Teil des Geldes als Giralgeld auf Girokonten, einen anderen Teil verwenden sie als Bargeld. Das von den Wirtschaftssubjekten aufbewahrte Giralgeld kann wiederum an andere Nichtbanken verliehen werden. „Das Giralgeld kann somit einen hohen Anteil an der bestehenden Geldmenge ausmachen. Die Gefahr besteht hierbei, dass die Zentralbank an Einfluß an der Geldmenge verliert und diese unkontrolliert wachsen kann, ohne dass eine höhere Instanz dies verhindern kann.“[9]

2. Aktivitäten deutscher Kreditinstitute in der Immobilienfinanzierung

2.1 Tätigkeitsfelder

Die Immobilienfinanzierung gehört zu den ältesten Tätigkeitsgebieten von deutschen Kreditinstituten und ist ein wichtiger Bestandteil des Aktivgeschäfts vieler Sparkassen. Kreditinstitute setzen bis heute auf die Immobilienfinanzierung, da sie aufgrund ihres komplexen und langfristigen Wesens Kundenbindungen erzeugen kann. „Heute gehört die Immobilienfinanzierung zu den Kerngeschäften der deutschen Kreditinstitute und ist wesentlicher Bestandteil des Kreditgeschäftes.“[10] Deutsche Kreditinstitute unterscheiden zwischen der privaten und der gewerblichen Immobilienfinanzierung, da in diesen Bereichen unterschiedlich operiert wird. In diesen beiden Bereichen setzten Banken Finanzinstrumente wie Direktinvestitionen, Kredite oder Provisionsgeschäfte ein, um Immobilien zu finanzieren. In diesem Unterkapitel soll kurz auf den Unterschied zwischen privater und gewerblicher Immobilienfinanzierung eingegangen werden, bevor im Detail die unterschiedlichen Arten von Direktinvestitionen angeführt werden.

2.1.1 Private Immobilienfinanzierung

Die private Immobilienfinanzierung richtet sich an von privaten Haushalten (Privatkunden) finanzierte Wohnimmobilien. Mit Hilfe der privaten Immobilienfinanzierung können Ein- und Zweifamilienhäuser, Mehrfamilienhäuser und Eigentumswohnungen bedient werden. „Das Kreditgeschäft mit Privatkunden (Retail-Banking) geschieht in der Regel in standardisierter Form, so auch die Baufinanzierung.“[11] Die Merkmale eines solchen Kreditgeschäfts sind ein Kreditvolumen unter rund 500.000 Euro, hohe Stückzahlen, standardisierte Bonitätsprüfung in Form von Kreditscoringmodellen, stark schematisierte Sicherheitsprüfung, keine persönliche Begutachtung der Immobilien durch Sachverständige und das Objekt ist eine vom Darlehensnehmer selbstgenutzte wohnwirtschaftliche Immobilie. Das Annuitätendarlehen ist die meistverwendete Art der privaten Immobilienfinanzierung, allerdings gibt es auch andere Arten wie das Bauspardarlehen oder das tilgungsfreie Darlehen.

2.1.2 Gewerbliche Immobilienfinanzierung

Die gewerbliche Immobilienfinanzierung richtet sich in erster Linie an Gewerbeimmobilien, zum Beispiel, Bürogebäude oder Lagerhallen. Des Weiteren werden durch diese Art der Finanzierung öffentliche Gebäude und Gebäuden von Wohnungsunternehmen unterstützt. „Grundsätzlich ist die Bewertung der mit der Finanzierung in Verbindung stehenden Risiken bei einer gewerblichen Immobilienfinanzierung schwieriger, denn neben der Bonität des Kreditnehmers müssen hier auch die Vermietbarkeit sowie die langfristigen Aussichten des Objekts berücksichtigt werden. Einige Banken haben sich daher speziell auf diesen Geschäftszweig spezialisiert.“[12] Im Bereich der gewerblichen Wohnimmobilienfinanzierung ist das Risiko eher gering einzustufen, da die wenigen Wohnungsunternehmen meist über ein hohes Eigenkapital und einen positiven Cashflow verfügen. In diesem Bereich treten vor allem Kreditinstitute, Landesbanken, Hypothekenbanken und Lebensversicherungsgesellschaften als Darlehensgeber auf.

Da die Finanzierung von Büro- und Einzelhandelsimmobilien deutlich Risikobehafteter ist als die private Immobilienfinanzierung oder die gewerbliche Wohnimmobilienfinanzierung, haben sich eigene Anbieter in diesen Bereich spezialisiert. Hier operieren in erster Linie Kreditinstitute, welche Landesbanken oder Hypothekenbanken angehören, Immobilienfonds, Immobilienaktiengesellschaften, Real-Estate-Investment-Trusts oder Leasinggesellschaften. In diesem Bereich der Finanzierung von Büro- und Einzelhandelsimmobilien verwenden die genannten Anbieter häufig die Methode der Direktinvestitionen, um für ihr Risiko am Projektgewinn beteiligt zu werden. Die ehemalige Hypo Real Estate AG (heute die Deutsche Pfandbriefbank AG) zählt zu diesen Anbietern. Während der Finanzkrise geriet sie ins Schwanken und musste verstaatlicht werden. Laut Daniela Bergdolt, Rechtsanwältin, hat „der alte HRE-Vorstand [...] kriminell gezockt und die Bank in den Ruin gefahren. Aber das Desaster sei auch das Ergebnis eines eklatanten Versagens unseres Staates, eine funktionsfähige Bankaufsicht auf die Beine zu stellen [...]“.[13]

2.1.3 Direktinvestitionen

Ausländischen Direktinvestitionen wird eine wichtige Rolle in Rahmen einer nachhaltigen globalen Entwicklung zugesprochen. Vertreter der Wissenschaft, Politiker, Unternehmer und Mitglieder von NGOs verfechten die Chancen hinter Direktinvestitionen, warnen aber auch vor Risiken. Ausländische Direktinvestitionen spielen eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der Zukunft unseres Planeten. „Ohne nennenswerte Ströme von privatem Kapital in Entwicklungsländern die Armut weiterhin eine der wichtigsten Ursachen der Umweltzerstörung weltweit sein . Aber in einer Zeit , wenn die Erd- natürlichen Ressourcen sind bereits überfischt gefährlich [...] , stellt internationale Investitionen auch eine große Bedrohung für die nachhaltige Entwicklung.“[14] Vor allem können Länder wie China, die dabei sind ihr Wirtschaftssystem auf das von Industrieländern anzugleichen, positiv von Direktinvestitionen mitgeprägt, allerdings auch überfordert werden. Als ausländische Direktinvestitionen, im Englischen als Foreign Direct Investment (FDI) bezeichnet, werden salopp gesagt Vermögensanlagen definiert, die im Ausland von einem inländischen (deutschen) Anleger getätigt werden.

Allerdings kann in der Fachliteratur keine allgemeingültige Definition des Begriffs „Direktinvestition“ bestätigt werden. Da die jeweiligen Definitionen den Begriff aus einem anderen Blickwinkel betrachten und sich somit auf unterschiedliche Kennzeichen der Direktinvestitionen fokussieren, verschiebt sich die Bedeutung des Begriffs je nach vorhandener Literatur. Anstatt hier eine Definition einer fachspezifischen Literatur anzuführen, sollen zwei Hauptmerkmale der ausländischen Direktinvestition genannt werden. Zum einen erreicht ein inländischer Investor mit Hilfe einer Direktinvestition einen ausdauernden Einfluss auf den Investitionsgegenstand.[15] Der Einfluss kann in verschiedenen Formen auftreten, zum Beispiel, durch das Stimmrecht innerhalb des im Ausland operierenden Unternehmens. Zum anderen ist vom internationalen Währungsfonds ein Richtwert bestimmt worden, der besagt, dass eine Beteiligung des Investors von mindestens zehn Prozent am Unternehmen im Ausland als Kennzeichen für die Direktinvestition zu sehen ist. „Die Mitglieder einer zugeordneten Gruppe von Einzelpersonen oder Unternehmen sind , die durch ihre kombinierte Eigentum von 10 Prozent oder mehr als einen Einfluss auf die Verwaltung , die ähnlich der Wirkung eines einzelnen mit der gleichen Gesamtbetriebs haben.“[16]

Diese zwei Kennzeichen einer ausländischen Direktinvestition, die Langfristigkeit und die Einflussnahme, unterscheiden sie von Portfolioinvestitionen, welche auf Rendite abzielen und kurzfristig operieren. Ohne Einfluss auf das Unternehmen, in welches Kapital investiert wurde, dienen Portfolioinvestitionen vordergründig dem Ertrag. [17] Laut dem im Jahr 2005 veröffentlichten World Investment Report, können Direktinvestitionen in drei Arten von Kapital unterteilt werden. Es sind das anteilige Kapital (durch eine Investition gekaufte Anteile einer ausländischen Unternehmung), reinvestierte Gewinne (in dem ausländischen Unternehmen thesaurierte Gewinne) und andere Kapitalbestandteile (zum Beispiel, kurz- oder langfristige Anleihen und Kredite zwischen Investor und Unternehmen). Dabei ist festzustellen, dass der Geldfluss in Form von anteiligem Kapitel mit Abstand dominiert:

„In Bezug auf die drei Hauptformen der FDI Finanzierung dominiert Aktienanlage auf der globalen Ebene . Während der letzten zehn Jahre , es für etwa zwei Drittel der gesamten ausländischen Direktinvestitionen entfielen hat . Die Anteile der beiden anderen Formen der FDI - konzerninterne Kredite und reinvestierte Gewinne - im Durchschnitt um 23% bzw. 12% . Diese beiden Formen stark schwanken , was jährlichen Schwankungen in der Gewinn- und Dividendenrückführungenoder die Notwendigkeit der Kreditrückzahlung . Es gibt bemerkenswerte Unterschiede im Muster der FDI Finanzierung zwischen Industrie- und Entwicklungsländern ; reinvestierte Gewinne sind durchweg an Bedeutung in der zweiten.“[18]

Da es unterschiedliche Arten von Direktinvestitionen gibt, mit denen Investoren aus Deutschland auf dem chinesischen Wirtschaftsmarkt agieren können, sollen in diesem Unterkapitel fünf angeführt werden, um auf diesem Weg einen besseren Einblick in die Theorie von Direktinvestition zu erlangen. Namhaft werden die Möglichkeiten von Equity Joint Venture, Contractual Joint Venture, Wholly Foreign Owned Enterprise, Repräsentanzen und Companies Limited by Shares diskutiert.

2.1.3.1 Equity Joint Venture

Joint Ventures bezeichnen die ersten Unternehmungsstrukturen, welche es ausländischen Investoren ermöglichten, auf dem chinesischen Markt zu agieren. Eine lange Zeit über war diese Möglichkeit der Investition sehr unbeliebt, jedoch hat sich dies in den letzten Jahren radikal verändert. Als Joint Venture werden Gesellschaften mit beschränkter Haftung bezeichnet, wobei der Begriff als Sammelbezeichnung für verschiedene Arten von projektbezogenen Unternehmenskooperationen auftritt. Es geht „bei einem Joint Venture zumeist um zwei oder mehrere rechtlich und wirtschaftlich unabhängige Unternehmer oder Unternehmen (Joint Venture Partner), die auf der Basis vertraglicher Vereinbarungen gemeinschaftlich und gleichgerichtet für eine gewisse Dauer zusammenwirken, um ein bestimmtes unternehmerisches Ziel zu erreichen.“[19]

Es gibt zwei verschiedene Formen von Joint Ventures, das Equity Joint Venture und das Contractual Joint Venture. EJV sind dadurch gekennzeichnet, dass sie von einem chinesischen und ausländischen Partner gemeinsam gegründet werden. Die entstehenden Gewinne, beziehungsweise Verluste, werden den Kapitalanteilen entsprechend verteilt. „Bei der Kapitaleinbringung ist zu beachten, dass der ausländische Partner sein immaterielles Vermögen maximal zu 20% des registrierten Kapitals anrechnen kann.“[20] Bei einem EJV muss der ausländische Investor einen Anteil von mindestens fünfundzwanzig Prozent besitzen. Ein derartiges Joint Venture haftet mit seinem Gesellschaftsvermögen und tritt als chinesische juristische Person auf. In der Fachliteratur wird das EJV als die riskanteste Kooperationsform der ausländischen Direktinvestitionen angeführt. „Somit wird das EJV in China wie ein eigenständiges Unternehmen geführt, wobei die Transaktionspartner durch ein „equity link“ verbunden sind, das eine hierarchische organisationsinterne Koordination […] aufweist und darüber hinaus auch eine Kooperationsform darstellt, da sich das EJV im gemeinsamen Eigentum von mindestens zwei Unternehmungen befindet.“[21] Die Frage, ob sich die chinesischen und ausländischen Partner für ein EJV, ein CJV oder eine andere Art der Zusammenarbeit entscheiden sollen, hängt ganz von den unternehmerischen Motiven der Parteien ab.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Struktur des Equity Joint Venture [22]

2.1.3.2 Contractual Joint Venture

Das CJV wird als weniger riskant als das EJV beschrieben, wobei es im Vergleich zu anderen Arten der Direktinvestition ebenfalls als riskant einzustufen ist. Es ist eine flexible Form des Joint Venture, bei der die chinesischen und ausländischen Partner mehr Freiheiten bei der vertraglichen Gestaltung der Struktur der Kooperation besitzen. Die Partner behalten ihre Entscheidungsautonomie zur Gänze und müssen diese nur zum Erreichen der Zwecke des gemeinsamen Vertrages einsetzen. Im Unterschied zum EJV werden die Gewinne, beziehungsweise Verluste, nach im Vertrag festgelegten Quoten verteilt und nicht abhängig nach den Kapitalanteilen. „Es haben sich in der Vergangenheit zwei unterschiedliche Formen des „vertraglichen Joint Ventures“ (CJV) entwickelt – ein „echtes CJV“, das keine juristische Person darstellt, und ein CJV in Form einer juristischen Person, bei der die Parteien nur in Höhe ihres eingebrachten Kapitals haften.“[23] CJV eignen sich in erster Linie für ausländische Investoren, welche mit Hilfe von kurzfristig angelegten Projekten einen schnellen Rückfluss von Kapitalanlagen bewirken wollen.[24]

2.1.3.3 Wholly Foreign Owned Enterprise

Neben den klassischen Varianten der ausländischen Direktinvestition in Form von Joint Ventures, können auch andere Maßnahmen zur Investition von Vermögensanlagen in China genutzt werden. Ein Wholly Foreign Owned Enterprise (WFOE), sprich ein Unternehmen, welches sich gänzlich im Besitz eines ausländischen Investors befindet, birgt zahlreiche Vorteile, welche JV nicht vorweisen können. „Die chinesische Regierung` ursprüngliche Ziel bei der Erstellung dieser Unternehmensform im Jahr 1986 war die exportorientierte Fertigungsaktivitäten zu fördern und Spitzentechnologie einzuführen."[25] Ein WFOE wird in China von einem oder mehreren ausländischen Investoren unter dem chinesischen Recht gegründet und wird als eine GmbH geführt. Die Investoren haften somit nur für denjenigen Anteil, den sie in das Unternehmen investiert haben. Vergleicht man ein WFOE mit einem JV so können bei ersterem Vorteile in Hinsicht auf die Freiheit und die Unabhängigkeit des Investors geortet werden. Ebenfalls kann er sein geistiges Eigentum leichter schützen als bei den erstgenannten Möglichkeiten der Direktinvestition. Da WFOE im Jahr 2001 in die Welthandelsorganisation aufgenommen wurden, dürfen sie mittlerweile auch Beratungs- und Managementleistungen, Entwicklungen im Softwaresektor, etc. durchführen. Immer mehr Betätigungssektoren werden nach und nach für ausländische Investoren geöffnet. Seitdem die Möglichkeit WFOE´s zu gründen besteht, hat sich ihre Beliebtheit stetig erhöht und immer mehr Investoren greifen auf diese Form der Direktinvestition zurück: „Ihre Popularität wächst stetig . Bis zum Jahr 2009 einen Anteil WFOEs für 76,3 Prozent der gesamten internationalen Investitionen und 77,4 Prozent für das erste Halbjahr 2010 , im Vergleich zu 27% im Jahr 1995.“[26]

2.1.3.4 Repräsentanzen

Die Repräsentanz bezeichnet diejenige Organisationseinheit eines Unternehmens, welche sich, überwiegend im Ausland befindlich, um die Kontaktpflege, Informationsbeschaffung oder Marktforschung kümmert. Gemeinsam mit den WFOE´s bilden Repräsentanzen den größten Teil an ausländischen Direktinvestitionen in China. Eine Repräsentanz kann als kostengünstigste und unkomplizierteste Variante des Markteintritts in China angesehen werden, die innerhalb von zwei Monaten bewerkstelligt werden kann. „Die Eröffnung einer Repräsentanz muss vom chinesischen Handelsministerium oder der entsprechenden lokalen Vertretung genehmigt werden. […] Notwendig für den Antrag sind: Antragsschreiben, Handelsregisterauszug, Bonitätsbescheinigung der Hausbank, unterschriebener Mietvertrag für die Büroräume, Ernennungsschreiben für den Repräsentanten und sein Lebenslauf.“[27] Im Vergleich zu WFOE´s haben Repräsentanzen einen großen Nachteil, da sie keine lokalen Rechnungen in der Währung der Volksrepublik China ausstellen dürfen. Dies ist ein entscheidender Vorteil von WFOE, da in China Rechnungen als Grundlage jeglicher Steuervorteile anzusehen sind. Des Weiteren kann chinesisches Personal nur mittels einer Vermittlungsgesellschaft eingestellt werden.

2.1.3.5 Companies Limited by Shares

Als letzte hier thematisierte Möglichkeit der ausländischen Direktinvestition werden die Companies Limited by Shares angeführt. Erst ab Anfang der neunziger Jahre war es möglich, diese Form von Direktinvestitionen in China durchzuführen, weshalb sie auch nur eine geringe Rolle im Vergleich zu den vier oben genannten Möglichkeiten spielt. Companies Limited by Shares können Eigenkapital über die Aktienausgabe ermöglichen, weshalb sich das Haftungskapital solcher Unternehmungen auf den Wert der ausgegebenen Aktion beschränkt. Wenn fünfundzwanzig Prozent der Aktien für ausländische Direktinvestitionen verwendet werden, so können die Vorteile der Companies Limited by Shares mit denen von EJV verglichen werden. Die sogenannten B-Share-Aktie kann nur mit US-Dollar oder Hongkong-Doller erworben werden, damit ausländische Investoren keinen zu hohen Einfluss auf den Staatsbetrieb der Volksrepublik nehmen können. Noch besitzen derartige Aktiengesellschaften aufgrund der mangelhaften rechtlichen Bedingungen in China keinen großen Teil der ausländischen Direktinvestitionen ausmachen, allerdings wird ihnen eine wichtige Rolle in der Zukunft zugesprochen, da sie Vorteile im Bereich der Finanzierung von großen Projekten besitzen.[28]

2.1.3.6 Motive und Auswirkungen von Direktinvestitionen

Es gibt eine Vielzahl an Motiven, welche zur Tätigung von ausländischen Direktinvestitionen führen können. Dabei unterliegt jede Entscheidung zur Investition verschiedenen Kriterien, die vom Investor mitberücksichtigt werden müssen. Um die Motive der Entscheidungen näher zu durchleuchten, kann eine Einteilung der United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) zur Hilfe genommen werden. Politische Rahmenbedingungen sind als Basis der Durchführbarkeit von Direktinvestitionen anzusehen. „Hier stehen unter anderem die wirtschaftliche, politische und soziale Stabilität, die gesetzlichen, zolltariflichen und steuerlichen Rahmenbedingungen sowie die inländische Wirtschaftspolitik im Vordergrund.“[29] Weitere politische, bestimmende Faktoren der Motivation, um eine ausländische Direktinvestition zu tätigen, können die Politik betreffend des Arbeitsmarktes oder der Bildung, beziehungsweise Erleichterungen für wirtschaftliche Aktivitäten sein. Welche wirtschaftlichen Faktoren konkret wichtig für die Motivation eine ausländische Direktinvestition zu tätigen sind, hängt von der Geartetheit des investierenden Unternehmens oder Kreditinstitutes ab. Die unterschiedlichen Faktoren beschreiben gleichsam die unterschiedlichen Formen von Direktinvestitionen in Hinsicht auf die Motive. Seit den neunziger Jahren des zwanzigsten Jahrhundert tritt das Motiv der Marktorientierung immer mehr in den Vordergrund vieler Unternehmen und Banken. Die Marktorientierung hat es zum Ziel, den Binnenmarkt des Gastlandes zu erschließen. Das Motiv der Marktorientierung wird somit vordergründig über Faktoren wie die Marktgröße, den Marktwachstum und das Vermögen von Marktnachfragern bestimmt. „Die volkswirtschaftliche Wirkung von marktorientierten ausländischen Direktinvestitionen ist im Normalfall tendenziell importsubstituierend, da durch die Direktinvestition ein Teil der Wertschöpfung ins Inland verlegt wird.“[30]

Als ein ebenfalls häufig genanntes Motiv ist die Ressourcenorientierung zu nennen, bei der ein Investor auf die Nutzung der Ressourcen im Gastland fokussiert ist. Dabei umfasst das Spektrum an Ressourcen nicht nur Rohstoffe, sondern auch billige Arbeitskräfte, Arbeitskräfte mit einer besonderen Ausbildung, den Zugang zu besonderen Technologien oder einer für den Investor vorteilhaften Infrastruktur. Ein weiteres Motiv ist in der Effizienz- und Kostenorientierung zu orten, bei der Kostenvorteile oder eine Steigerung der Produktivität erreicht werden soll. „Effizienz- und kostenorientierte Investitionen waren vor allem im Zeitraum von 1980 bis 1990 die dominierende Form von ausländischen Direktinvestitionen. Dies trifft insbesondere auch für die ausländischen Direktinvestitionen in der VR China zu für die mittlerweile jedoch auch das Motiv der Marktorientierung eine sehr große Bedeutung besitzt.“[31]

Dunning fasst in seinem Modell mehrere Teilaspekte zur Erklärung von Direktinvestitionen zusammen, indem er schon bestehende Modelle in ein einziges integriert. Sein Modell versucht alle Arten von Direktinvestitionen zu erklären, sowie verschiedene Internationalisierungsformen aufzuzeigen. Nach Dunnings Modell ist eine Direktinvestition nur dann vorteilhaft, wenn drei Bedingungen erfüllt sind, nämlich der ownership advantage, location advantage und internalisation advantage. Nach den Anfangsbuchstaben der Bedingungen ist auch das Modell Dunnings benannt: OLI-Modell.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Vorteile im Rahmen des OLI-Paradigmas[32]

Der ownership advantage besagt, dass ein Investor über einen spezifischen Eigentumsvorteil, folglich einen Wettbewerbsvorteil, gegenüber der Konkurrenz auf dem ausländischen Markt (z.B. China) verfügen muss, damit eine Direktinvestition vorteilhaft sein kann. Der location advantage besagt, dass ein Investor einen Standortvorteil in dem Land benötigt, in dem es investieren will. Der internalisation advantage besagt, dass ein Investor seine spezifischen Wettbewerbsvorteile selbst nutzen muss, ohne auf Dritte zurückgreifen zu müssen.[33] Wenn eine der drei von Dunning benannten Bedingungen nicht gegeben ist, kann es zu keiner Direktinvestition kommen. „Wenn nur ein firmenspezifischer Vorteil, wie z.B. ein neues Produkt vorliegt, ist eine Lizenzvergabe sinnvoll. Wenn sich nun die Rechte an diesem Produkt am ausländischen Standort nicht schützen lassen, hat das Unternehmen zusätzlich einen internationalisierungsbedingten Vorteil und Exporte sind sinnvoll. Liegt zusätzlich ein Vorteil am ausländischen Standort vor, sollte eine Direktinvestition durchgeführt werden.“[34]

2.2 Rendite und Risiko

In vielen immobilienwirtschaftlichen Veröffentlichungen wird das Risiko als zentrale Steuerungsgröße im Immobilien-Management angeführt. Mit der Rendite und der Liquidität bildet das Risiko das magische Dreieck der Investorenziele. Es wird als magisches Dreieck bezeichnet, weil die drei Ziele nicht unabhängig voneinander realisiert werden können. Der Investor hat die Aufgabe, ein Gleichgewicht zwischen diesen Elementen herzustellen. „Dabei liegt dem Zusammenhang von Rendite und Sicherheit ein gegenläufiges Verhältnis zu Grunde (Zielkonkurrenz). […] Während zwischen Liquidität und Rendite Zielkonflikte bestehen, bildet die Liquidität zur Sicherheit eher Synergien.“[35]

2.2.1 Zielgröße Rendite

Jede Investition wird in Hinsicht auf einen monetären Erfolg getätigt. Bei Aktien, zum Beispiel, entsteht ein monetärer Gewinn indem Dividendenzahlungen und der Kursgewinn zusammengerechnet werden. Bei Immobilieninvestitionen kann ein monetärer Gewinn zum einen durch Mietzahlungen entstehen, zum anderen durch den Wertzuwachs der Immobilie. Mietzahlungen und Wertzuwachs ergeben zusammengerechnet den Gesamterfolg, welcher als relative Größe in ein Verhältnis zum eingesetzten Kapital gebracht werden kann und als Rendite bezeichnet wird. „Für die Auswahl einer Investitionsalternative sind [...] Informationen über die erwartete Rendite notwendig. Dabei unterscheidet man in Prognosemethoden basierend auf historischen Daten und Methoden basierend auf Szenarien.“[36]

2.2.2 Zielgröße Risiko

Das Risiko einer Investition besteht in der negativen Abweichung eines geplanten Sollwerts. Die negative Abweichung kann als Risiko bezeichnet werden, die positive Abweichung als Chance. Auf die beiden Begriffe des Risikos und der Chance soll hier nicht näher eingegangen werden, da sie im vierten Kapitel ausgiebig behandelt werden.

2.3 Besonderheiten und Risiken der Immobilienfinanzierung

Eine Besonderheit der Risiken von Immobilien gegenüber anderen Anlagen ist, dass sie schwieriger zu handeln, zu bewerten und zu vergleichen sind als Wertpapiere. Immobilien gelten als eine Kapitalanlage, die nicht standardisiert, schwierig einzuschätzen und schwerfällig ist. „Nicht zu vergessen sind die Eigenschaften des Bodens, als Bestandteil der Immobilie, die sich auch auf Immobilieneigenschaften projizieren lassen. Insbesondere sind dabei die Heterogenität und Nichtvermehrbarkeit des Bodens sowie seine Eigenschaft, ein Wirtschafts- und Produktionsfaktor zu sein, von Bedeutung.“[37] Die Immobilienfinanzierung besitzt zahlreiche Nachteile gegenüber alternativen Anlageformen, die zu Risiken führen. Im Unterschied zu anderen Wirtschaftsgütern finden sich bei Immobilien andere materielle, finanzielle und zeitliche Voraussetzungen. Die Unterschiede betreffen vor allem die Produktion, Handelbarkeit und Marktgegebenheit von Immobilien.

Als Beispiele können die Immobilität („Standortgebundenheit, Einbindung in den Mikrostandort und Unbeeinflussbarkeit des Standortes“ [38] ), Heterogenität, („Einzigartigkeit in Lage, Gestaltung und Nutzung“[39]), Nutzungsgebundenheit („geringe Drittverwendungsfähigkeit in Verbindung mit geringer Nutzungsflexibilität“[40] ), die Abhängigkeit von vor- und nachgelagerten Märkten (z.B. Kapitalmarkt, Baumarkt, Bodenmarkt), die subjektive Preisfindung („wegen geringer Umschlagshäufigkeit nicht genügend Marktpreise vorhanden; subjektive Einflüsse bei der Verkehrswertermittlung“[41] ) oder die Intransparenz („fehlende Transparenz im Vergleich mit Marktdurchschnitt; fehlende Benchmarks zu Risiken und Erträgen anderer Bestände“[42] ) angeführt werden. Diese und noch andere Eigenheiten der Immobilienfinanzierung erschweren es einem Investor die Immobilienwerte miteinander und mit anderen Anlagen zu vergleichen.

3. Die US-Subprime-Krise

3.1 Ursachen

Der Begriff „Subprime“ wurde bis in das Jahr 2008 selbst in der Finanzwelt nur selten verwendet. Während dieses Wort im Finanzstabilitätsbericht des Internationalen Währungsfonds vom September 2006 nur ein Mal verwendet wurde, beherbergte ihn der Finanzstabilitätsbericht vom April 2008 insgesamt 114 mal. In diesem Bericht trat auch ein anderes Wort deutlich häufiger auf, als in den vorangegangenen Berichten, nämlich das Wort „crisis“ (insgesamt 113 mal). Der schlagartige Bekanntheitsgrad des Begriffs „Subprime“ resultierte aus den Problemen auf dem US-Subprime-Markt, welche im Sommer 2007 die Stabilität des globalen Finanzsystems ins Schwanken brachten. Was bedeutet dieser Begriff aber genau? „Subprime, bzw. präziser: subprime mortgages, stehen für US-Hypothekendarlehen an Schuldner mit einer geringen Kreditwürdigkeit.“[43]

Im August des Jahres 2007 begann sich die Krise auf den globalen Finanzmärkten auszuweiten und ihre Wurzeln hatte sie bei den rasant steigenden Ausfallraten im Subprime-Segment des US-amerikanischen Hypothekenmarkts. Die steigenden Ausfallraten führten in Verknüpfung „mit dem Ende des langjährigen Immobilienpreisanstiegs zu einer rasch steigenden Risikoaversion von Investoren gegenüber Anlagen im Hypothekenbereich“[44]. Die Risikoaversion der Investoren richtete sich in erster Linie gegen die Refinanzierungsstruktur „Conduit“, bei der durch eine Zweckgesellschaft, sprich eine juristische Person, die für einen eindeutig definierten Zweck gegründet wird, Wertpapiere angekauft und refinanziert werden. Ein Conduit „emittiert zu Finanzierungszwecken kurzlaufende Wertpapiere – sog. asset backed commercial paper (ABCP) – und investiert die so gewonnenen Mittel in langfristige Anlagen wie Hypothekendarlehen bzw. Papiere, die ihrerseits durch das Verbriefen von Immobilienkrediten entstanden sind (mortgage backed securities, MBS)“[45].

Die Risikoaversion hinsichtlich dem Immobilienmarkt führte zu einem verminderten Kauf von besicherten Geldmarktpapieren (asset backed commercial paper) durch Investoren. Die Finanzierungsgrundlage der Zweckgesellschaften erfüllte nicht mehr ihren Zweck, da die Kurzfristpapiere nicht mehr revolviert werden konnten. „Um dennoch die auslaufenden Papiere bedienen zu können, versuchten nun viele Zweckgesellschaften, Liquiditätslinien als Rückfallfazilitäten zu ziehen oder finanzielle Mittel dadurch freizusetzen, indem sie Teile ihrer Aktiva an andere Finanzmarktteilnehmer verkauften.“[46] Da die Abneigung gegenüber Investitionen im Immobilienbereich in kürzester Zeit global angestiegen ist, konnten die Zweckgesellschaften ihr Guthaben (Aktiva) kaum noch loswerden. Falls doch Käufer gefunden werden konnten, dann mussten sich die Zweckgesellschaften mit herben Verlusten abfinden. Während die Aktiva der Zweckgesellschaften aufgrund der Entwicklungen am Finanzmarkt immer mehr aufgefressen wurden, konnten die Passiva gleichzeitig nicht mehr neu finanziert werden.

Viele der Zweckgesellschaften wurden von Banken gegründet, sodass sie in Not geraten auf die Kreditlinien der Banken zurückgreifen konnten und dadurch ihre Zahlungsfähigkeit verbessern konnten. Da es um hohe Summen ging, die von den Zweckgesellschaften benötigt wurden, ergaben sich enorme Belastungen für die Banken. Diese nahmen die häufig außerbilanziellen Zweckgesellschaften wieder in ihre Bilanz auf und es ergab sich ein Wertberichtigungsbedarf, welcher schließlich zu einer Weltwirtschaftskrise führen sollte. Da eine lange Zeit nicht klar war, in welchem Ausmaß sich die Belastungen für Banken einpendeln würden, sank das Vertrauen auf den globalen Märkten. „Binnen kurzer Frist wurde somit aus der Krise auf dem US-Hypothekenmarkt eine generelle Vertrauenskrise auf dem globalen Finanzmarkt.“[47]

[...]


[1]. Plantz, Franziska: Grundlagen des Immobilien-Risikomanagements – Risikodarstellung und Methodenuntersuchung. Competence Center Process Management Real Estate, Berlin 2012, S. III.

[2]. Zhou, Yiyuan; Frühauf, Rosemarie: Moody´s: „Chinas Immobilien-Blase gefährdet Weltwirtschaft“. In: http://www.epochtimes.de/Moody%C2%B4s-Chinas-Immobilien-Blase-gefaehrdet-Weltwirtschaft-a1188751.html

[3]. Gabler Wirtschaftslexikon: Geldtheorie. In: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/geldtheorie.html

[4]. Vgl. Mankiw, Gregory: Makroökonomik. Schäffer-Poeschel, Stuttgart 2000, S. 179f.

[5]. Vgl. Samuelson, Paul; Nordhaus, William: Volkswirtschaftslehre. Ueberreuter, Wien 1998, S. 179.

[6]. Vgl. Mölleken, Dirk: Bitcoin: Geld ohne Banken – ist das möglich? Diplomica Verlag,Hamburg 2012, S. 17.

[7]. Gabler Wirtschaftslexikon: Geldtheorie. In: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/geldtheorie.html

[8]. Ebenda

[9]. Mölleken, Dirk: Bitcoin: Geld ohne Banken – ist das möglich? Diplomica Verlag, Hamburg 2012, S. 20.

[10]. Salgmann, Dennis: Auswirkung von Basel II auf die private Immobilienfinanzierung. Diplomica Verlag, Hamburg 2003, S. 17.

[11]. Ebd., S. 18.

[12]. Schwarz, Tobias: Immobilienfinanzierung. In: http://www.zerat.de/immobilienfinanzierung.htm

[13]. Anonymer Autor: Grünes Licht für HRE-Verstaatlichung. In: http://www.merkur-online.de/aktuelles/wirtschaft/gruenes-licht-hre-verstaatlichung-332272.html

[14]. Übersetzt mit Google Übersetzter. Originaltext: „“Foreign direct investments play a critical role in shaping the future of our planet. Without significant flows of private capital into developing countries, poverty will continue to be one of the principal underlying causes of environmental degradation worldwide. But at a time when the earth´s natural resources are already dangerously overexploited […], international investment also poses a major threat to sustainable development.““ Gonzales, Aimee: Trade and Investment Linkage: A WWF Perspective. In: New Horizonts for Foreign Direct Investment. OECD, Paris 2002, S. 242.

[15]. Vgl. Jahrreiß, Wolfgang: Zur Theorie der Direktinvestitionen im Ausland. Duncker Humbolt, Berlin 1984, S. 24ff.

[16]. Übersetzt mit Google Übersetzter: Originaltext:„The members of an associated group of individuals or enterprises are, through their combined ownership of 10 percent or more, deemed to have an influence on management that is similar to the influence of an individual with the same degree of ownership.“ International Monetary Fund: Balance of Payments Manual. IMF, Washington D.C. 1993, S. 87.

[17]. Vgl. Jahrreiß, Wolfgang: Zur Theorie der Direktinvestitionen im Ausland. Duncker Humbolt, Berlin 1984, S. 50ff..

[18]. Übersetzt mit Google Übersetzer. Originaltext: In terms of the three main forms of FDI financing, equity investment dominates at the global level. During the past decade, it has accounted for about two-thirds of total FDI flows. The shares of the other two forms of FDI – intracompany loans and reinvested earnings – were on average 23% and 12% respectively. These two forms fluctuate widely, reflecting yearly variations in profit and dividend repatriations or the need for loan repayment. There are notable differences in the pattern of FDI financing between developed and developing countries; reinvested earnings are consistently more important in the latter.“ United Nations Conference on Trade and Development: World Investment Report 2005: Transnational Corporations and the Internationalization of RD. United Nations, New York/ Genf 2005, S. xx.

[19]. Fett, Torsten: Handbuch Joint Venture. C.F. Müller, Heidelberg 2010, S. 1.

[20]. Lengler, Sandra: Das Equity Joint Venture in China – Chance oder Risiko?. Diplomica Verlag, Hamburg 2004, S. 17.

[21]. Ebd., S. 18.

[22]. Quelle: Fett, Torsten: Handbuch Joint Venture. C.F. Müller, Heidelberg 2010, S. 8.

[23]. Hoffmann, Richard: Die Gründung eines Joint Ventures in China. Dezan Shira Associates, Beijing 2007, S. 24.

[24]. Vgl. Fett, Torsten: Handbuch Joint Venture. C.F. Müller, Heidelberg 2010, S. 9ff.

[25]. Übersetzt mit Goggle Übersetzer. Originaltext: „The Chinese government`s initial aim in creating this form of company in 1986 was to encourage export-oriented manufacturing activities and to introduce advanced technology.“ Devonshire-Ellis, Chris; Scott, Andy; Woollard, Sam: Setting Up Wholly Foreign Owned Enterprises in China. Springer Verlag, Berlin 2011, S. 5.

[26]. Übersetzte mit Google Übersetzer: „Their popularity has been steadily increasing. By 2009, WFOEs accounted for 76.3 percent of total international investment, and 77.4 percent for the first half of 2010, compared to 27% in 1995.“ Ebd., S. 5.

[27]. Schneider, Mareen: Gesellschaftsrechtliche Rahmenbedingungen für einen Markteintritt in China. In: http://www.landgraf- schneider.de/downloads/33_Microsoft_Word__Gesellschaftsrechtliche_ Rahmenbedingungen_fuer_einen_Markteintritt_in_China.pdf, S. 1.

[28]. Vgl. Trommsdorff, Volker; Schuchardt, Christian; Lesche, Tilman: Erfahrungen deutsch-chinesischer Joint Ventures. Gabler Verlag, Wiesbaden 1995, S. 3.

[29]. Weisensee, Michael: Nachhaltigkeit ausländischer Direktinvestitionen in der Volksrepublik China. Herbert Utz Verlag, München 2012, S. 12.

[30]. Ebd., S. 13.

[31]. Ebd., S. 14.

[32]. Quelle: Greenaway, David: Handel und ausländische Direktinvestitionen. In: Europäische WirtschafAmt für amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften, Luxemburg 1993, Nr. 52, S. 124.

[33]. Vgl. Dunning, John: The Globalization of Business: The Challenge of the 1990s. Routledge, New York 1993, S. 81f.

[34]. Anonymer Autor: Direktinvestitionstheorien. In: http://www.rueckverlagerung.de/direktinvestitionstheorien.html#fussnoten

[35]. Wellner, Kristin: Entwicklung eines Immobilien-Portfolio-Management-Systems. Institut für Immobilienmanagement Universität Leipzig, Leipzig 2003, S. 4.

[36]. Ebd., S. 5.

[37]. Ebd., S. 8.

[38]. Ebd., S. 8

[39]. Ebd., S. 8

[40]. Ebd., S. 8

[41]. Ebd., S. 11

[42]. Ebd., S. 11

[43]. Weber, Axel: Die Subprime-Krise. Ursachen und Folgen für das Kreditwesen. Rede anlässlich des FTD-Bankengipfels 2008 unter dem Titel: Neue Strategien und Geschäftsfelder für den deutschen Bankenmarkt in Eltville am Freitag, 25. April 2008. In:http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Presse/Reden/2008/2008_04_25_weber_subprime-krise-ursachen-und-folgen-fuer-kreditwesen.pdf?__blob=publicationFile, S. 3.

[44]. Ebd., S. 3f.

[45]. Ebd., S. 4.

[46]. Ebd., S. 4.

[47]. Ebd., S. 5.

Details

Seiten
78
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656920014
ISBN (Buch)
9783656920021
Dateigröße
830 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v294440
Institution / Hochschule
DIPLOMA Fachhochschule Nordhessen; Abt. Hannover – Diploma
Note
2,3
Schlagworte
risikomanagement kreditinstitute bereich immobilienfinanzierung us-subprime-krise bachelorarbeit

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Titel: Das Risikomanagement deutscher Kreditinstitute im Bereich der Immobilienfinanzierung. Die US-Subprime-Krise