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Zur Sprachidentität der Mapuche. Die Bedeutung von Mapudungun im 21. Jahrhundert in Chile

Masterarbeit 2013 77 Seiten

Romanistik - Lateinamerikanische Sprachen, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhalt

1 Mapudunguwelaymi am? – Sprichst du vielleicht überhaupt kein Mapudungun mehr?

2 Geschichte und Sprachidentität des Araukanischen Volkes
2.1. Historischer Bezugsrahmen
2.1.1. Von der präkolumbianischen Zeit bis hin zur Invasion der Inka
2.1.2. Die spanische Eroberung
2.1.3. Von Verschriftlichung, Bilinguismus und Substitution
2.2. Soziokultureller Bezugsrahmen
2.2.1. Identitätskonflikt Chilene/Mapuche
2.2.2. Revitalisierung des Mapudungun

3 Bedeutung von Mapudungun im 21. Jahrhundert in Chile
3.1. Herausforderungen des Spracherwerbs
3.1.1. Gesprochenes und geschriebenes Mapudungun
3.1.2. Regionale Dialekte
3.2. Mapudungun im Schulsystem
3.2.1. Situation im 21. Jahrhundert
3.2.2. Bildungsreformen
3.2.3. Analyse von Briefen an den chilenischen Präsidenten
3.3. Mapudungun als Überlebenssprache in den Social Media
3.3.1. Tweets#mapudungun
3.3.2. Facebook

4. Chilenisierung der Mapuche?
4.1. Ethnolinguistische Vitalität der Mapuche-Sprache
4.2. Feldforschung
4.2.1. Erhebungsmethode und Konzeption der Interviews
4.2.2. Durchführung der Interviews, Erhebungskontext
4.2.3. Muttersprache
4.2.4. Revitalisierung von Mapudungun
4.2.5. Soziale Ab- bzw. Aufwertung von Mapudungun
4.2.6. Aussagen zur Sprache in der chilenischen Gesellschaft

5. Mapudungun – mehr als reine Überlebenssprache?

6. Anhang
6.1. Briefe an den Präsidenten
6.2. Transkription der Interviews

7. Literaturverzeichnis

1 Mapudunguwelaymi am? – Sprichst du vielleicht überhaupt kein Mapudungun mehr?

Die Mapuche in Chile sind mit mehr als 1,5 Millionen Menschen eines der größten indigenen Völker Amerikas und konnten bis in das 21. Jahrhundert Teile ihres historischen Erbes der indigenen Kultur bewahren. Gesetze wie zum Beispiel das Ley Indígena versichern dem Volk die Erhaltung ihrer Kultur, zu der unter anderem ihre eigene indigene Sprache Mapudungun gehört. Die Selbstverständlichkeit, Mapuche in ihrer Muttersprache Mapudungun kommunizieren zu sehen, ist gegenwärtig allerdings rar: eine Großzahl dieser indigenen Einwohner Chiles ist bilingual aufgewachsen und beherrscht Spanisch meist deutlich besser als Mapudungun. Trotz ergriffener Maßnahmen der chilenischen Regierung fehlt es Mapudungun an ausreichendem Schutz bzw. Werbung, sodass auch die jüngeren Generationen innerhalb des Eingeborenenvolkes die Mühe auf sich nehmen, ihre Sprachkompetenz über das Spanische hinaus zu erweitern.

Mapudungun ist und bleibt eine bedrohte Sprache innerhalb Lateinamerikas, dennoch soll in dieser Arbeit eingehender untersucht werden, inwiefern dies innerhalb der Mapuche-Gemeinschaft auch dementsprechend wahrgenommen wird. Hierfür dienen u.a. Einzelinterviews mit Mapuche, darüber hinaus werden auch soziale Plattformen wie Facebook oder Twitter herangezogen, in denen vor allem Jugendliche unterwegs sind. Einführung in das Themengebiet bietet ein historischer Umriss, gefolgt von dem soziokulturellen Rahmen, in den Mapudungun eingebettet ist. In Kapitel 3 wird näher auf die Bedeutung von Mapudungun im 21. Jahrhundert eingegangen, beispielsweise anhand der „Herausforderung des Spracherwerbs“ (Kap. 3.1.) oder „Mapudungun im Schulsystem“ (Kap. 3.2.). Dies bildet für den Leser die Grundlage für Kapitel 4, die Feldforschung. Ohne dieses Hintergrundanalyse wäre es schwer, den Gedankengängen der Interviewpartner zu folgen, da sie basierend auf einem Leitfragebogen gezielt auf aktuelle Hindernisse und Themen rund herum um Mapudungun eingehen sollten. Um mehr Einblick in die Sprache und das sprechende Volk von Mapudungun zu erhalten, wurde zudem an einer mehrstündigen Unterrichtsstunde der indigenen Sprache teilgenommen, in der u.a. über die Wertschätzung, die Regionalismen und die Schrift von Mapudungun gesprochen wurde. Auch der Kontakt mit den Interviewpartnern half immens dabei, sich über die Lehrbücher hinaus ein Bild der Sprache, der Kultur und des indigenen Volkes zu verschaffen.

2 Geschichte und Sprachidentität des Araukanischen Volkes

2.1. Historischer Bezugsrahmen

2.1.1. Von der präkolumbianischen Zeit bis hin zur Invasion der Inka

Das Volk der Mapuche (mapu „Erde“, che „Menschen“) und sein Ursprung ist mythenreich und bis heute stark umstritten. Die Wurzeln der Mapuche sind laut Mythen eng mit den Elementen der Natur verwoben und gehen auf die Gefangennahme des Menschen durch Meer, Wasser und Berge zurück.[1] Während die Überlebenden nach dem Kampf zwischen Gut und Böse ein Volk bildeten, verwandelten sich gemäß der Saga die übrigen Menschen zu Felsen und Stein. Schenkt man der historischen Erklärung von Luis Durand[2] Glauben, stammen die Mapuche, wie die Gesamtheit der Nomadenstämme Südamerikas, ursprünglich aus dem Gebiet des Amazonas-Regenwaldes und des Gran Chaco[3]. Die Fortführung von in der Pampa üblichen Brauchtümern bei den Mapuche, ebenso wie diverse Namen und Bezeichnungen, führen Ricardo Latcham und Francisco Antonio Encina, Pioniere der Ethnographie Mapuche, auf eine Zeit in der argentinischen Pampa als nomadische Jäger zurück. Später fanden diese über die Anden ihren Weg in das Valle de Cautín. Der Migrationsthese von Latcham stehen diverse Kritiker entgegen. Letztere präsentieren ihre eigene Hypothese und stützen sich dabei auf archäologische Funde datiert auf 500 bis 600 v. Chr. Im heutigen Territorium Chiles sollen sich bereits in frühgeschichtlicher Zeit Menschen niedergelassen haben, die sich durch Jagd und Sammeln ihr Überleben sicherten. Als Grundlage dienten den Eingeborenen vor allem Beeren, Früchte, Weichtiere, aber auch Fische und sonstige Meerestiere. Zwar besaßen diese Siedlergruppen keinen festen Wohnsitz, laut einer Gruppe von Autoren können sie jedoch als Urväter der ersten Mapuche-Siedlungen betrachtet werden (vgl. Bengoa 2000, S. 15 ff).

Über die Jahre hinweg hielten die Mapuche Unterwerfungsversuchen verschiedener Mächte stand. Noch vor der spanischen Eroberung drangen im Jahr 1460 die aus Cuzco stammenden Inka von den zentralen Anden immer weiter in den Süden hervor, mit der Absicht, ihr Territorium Tawantin zu vergrößern. Zwar gelang es den Inkas bis 1485 die nördliche Hälfte Chiles bis hin zum Fluss Maule zu erobern, eine Bekämpfung der im Süden angesiedelten Mapuche misslang jedoch. Nachdem die Inka westlich des Flusses Maipó bis hin zum Maule volle Kontrolle über das heutige Chile ausübten, stießen sie ab dem 35. Breitengrad auf kriegerische Jäger, die ihnen südlich des Flusses Bío-Bío Widerstand leisteten. Dies zwang die Inkas schließlich zum Rückzug. Zwar scheiterte die Invasion, der Kontakt mit dem Inka-Reich hinterließ dennoch Spuren, nämlich in der Sprache der aucas.[4] So fanden beispielweise folgende Wörter ihren Weg in das Vokabular von Mapudungun: pataka „Hundert“, warangka „Tausend“, challwa „Fisch“ und kutama „Börse“ (vgl. Fernandez-Garay 2005, S. 15). Darstellung 1 zeigt weitere Beispiele von Lehnwörtern, die Ranquel [5], eine Variante von Mapudungun, aus der Quechua-Sprache entnahm. Insgesamt hielt sich das Ausmaß des kulturellen und linguistischen Einflusses der Inkas jedoch in Grenzen und war bis auf wenige Lehnwörter aus Quechua nicht allzu tiefgründig.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung 1: Lehnwörter Quechua-Ranquel (Haspelmath/Tadmor 2009, S.1044)

2.1.2. Die spanische Eroberung

Die zweite große Invasion Chiles und der Araukanie ließ nicht lange auf sich warten: 1541 beauftragte der spanische Konquistador Perus, Francisco Pizarro, Pedro de Valdivia mit der Erschließung des südlichen Gebietes des Inka-Reiches. Im Februar 1541 gründete Valdivia 40 Jahre nach der Entdeckung durch Kolumbus die heutige Hauptstadt Santiago de Chile. Weitere neun Jahre später begann er, die spanische Herrschaft über die ehemals von den Inka beherrschten Gebiete über den Fluss Bío-Bío hinaus auszudehnen. Mit diesem Manöver zog er jedoch den Unmut der Eingeborenen auf sich. Mapuche nördlich des Bío-Bío mussten sich den spanischen Eroberern beugen und sich in das Encomienda-System[6] einfügen. Um eine fluktuierende Wirtschaft und den Reichtum der Spanier und ihres Königreiches zu garantieren, war die damalige Weltmacht auf Ressourcen angewiesen. Hierfür bat sich der Bergbau und die Goldwäsche an – Arbeiten, die von den Indio-Gruppen ausgeführt wurden. Unter dem Banner der Evangelisierung der Eingeborenen, mussten sich die Mapuche den sogenannten Encomenderos, ihren Herren, unterstellen und den Arbeitsanweisungen folgen. Am 26. Mai 1608 legitimierte König Philipp III. schließlich offiziell die Sklaverei von Männern über 10 ½ Jahren sowie Frauen über 9 ½ Jahren in Araukanien. Die südlich des Flusses Maule lebenden Mapuche-Völker hingegen wehrten sich gegen ein ähnlich drohendes Schicksal und widersetzten sich der Besetzung ihrer Gebiete. Durch ihre hohe Bevölkerungszahl[7] und die Naturumstände in ihrem Gebiet gelang es den Mapuche ohne weiteres, Widerstand gegen die spanischen Konquistadoren zu leisten. Das Modifizieren ihrer Kriegstaktiken und Waffen sowie der Einsatz von Pferden spielten ihnen im Laufe der Conquista (1550-1656) einige Vorteile zu (vgl. Delgado 2010, S. 545 f).

Unter der militärischen Führung der Mapuche Lautaro[8] und später Pelantaro, verzeichneten die Araukaner beachtliche Siege gegen die Spanier, insbesondere in der Schlacht von Curalaba (1598). Sergio Villalobos, ein chilenischer Historiker, definiert die Periode zwischen 1598 und 1622 als „Triumph Araukaniens“ und schreibt „La heroica voluntad de luchar se alimentaba, después de tantas décadas, de un odio enorme contra los españoles por los abusos y tropelías y por la idea de sacudir para siempre el trabajo de las encomiendas” (Villalobos 1985, S.12). Die Jahre 1623 bis 1656 waren geprägt von einem Rückgang des Kriegszustandes. In dieser Zeit kam auch der Vertrag von Quilín zu Stande, ein formales Abkommen zwischen Spaniern und Mapuche. Darin erkannte Spanien die Unabhängigkeit der Mapuche an und diese gewährten im Gegenzug Missionaren den Zutritt zu ihrem Gebiet. Der Fluss Bío-Bío galt von diesem Zeitpunkt an faktisch als Grenze des spanischen Königreiches zum Mapuchegebiet. Zwischen 1655 und 1656 erhielt dieser Zustand jedoch einen Rückschlag, indem die Eingeborenen infolge des inkompetenten Handelns der spanischen Gouverneure Acuña und Cabrera zum Gegenschlag ausholten. Das Resultat: die Zerstörung aller spanischen Niederlassungen in Araukanien, die Zerstörung der gesamten Siedlungen bis zum Fluss Maule, das Verlassen von Chillán und die Aneignung spanischer Waffen zur Eindämmung der kolonialen Bewegung. Ein Jahr später, 1657, begann schließlich die Periode des Friedens, die 160 Jahre lang bis ins Jahr 1883 anhielt (vgl. Bazán Alvaréz 2011, S. 147f).

2.1.3. Von Verschriftlichung, Bilinguismus und Substitution

Im südamerikanischen Raum stellt Mapudungun eine der ersten Sprachen dar, die studiert und näher analysiert wurde. Bereits 1606 befasste sich der Jesuit Luis de Valdivia [9], auch bekannt als Urvater des Mapudungun, mit dieser isolierten Sprache Araukaniens und publizierte das erste Werk über ihre Grammatik und Lexikographie, „Arte y gramática general de la lengua que corre en todo el Reyno de Chile“. Kapitel 1 widmet Valdivia der Aussprache und Orthographie und geht näher auf einen den Spaniern noch unbekannten Vokal – zwischen den Vokalen (e) und (u) – ein. Anschließend folgen für das Mapudungun typische Konsonante, die weder im Spanischen noch Lateinischen vorhanden sind. Weitere Kapitel handeln von der Konjugation von Verben, den Modi oder etwa Passiv und Aktiv. Den Abschluss der Sektion des Buches zu Mapudungun bildet ein alphabetisch geordnetes Vokabelverzeichnis von 80 Seiten, gefüllt mit Wörtern in Mapudungun und entsprechender spanischer Übersetzung (vgl. Valdivia 1606). Durch die Jesuiten-Missionare wurde somit erstmals eine Schriftform von Mapudungun eingeführt. Die Schreibweise der Texte wurde weitestgehend an das Alphabet des Spanischen angelehnt, während bei dem phonetischen Alphabet auf griechisch-lateinische Symbole zurückgegriffen wurde.

Zur Zeit der kolonialen Eroberung wurden nicht nur die nach Chile entsandten Missionare mit dem Multilinguismus Spanisch-Mapudungun konfrontiert, sondern allen voran die Eingeborenen selbst. Ziel der Kolonialisierung war es, die Sprache und katholische Religion der Konquistadoren nach Südamerika zu bringen. Bei Ankunft der Spanier auf dem amerikanischen Doppelkontinent waren die Eingeborenen, u.a. auch die Mapuche, den Europäern zahlenmäßig deutlich überlegen, weshalb vorrangig die Sprachen Náhuatl, Maya, Quechua, Guaraní und Mapudungun gesprochen wurden. Im Rahmen ihrer Sprachenpolitik förderte die spanische Krone sogar bis Ende des 17. Jahrhunderts den Gebrauch der indigenen Sprachen. Dies änderte sich jedoch bald und angesichts einer vollständigen Evangelisierung der Eingeborenen wurden die nativen Sprachen bald als primitiv und geringwertig verurteilt. Das semantische und strukturelle Niveau der indigenen Sprache wurde in Frage gestellt und schließlich durch die Spanier weder als komplex, noch profund genug für das christliche Denken befunden. Mitte des 17. Jahrhunderts erließ der spanische König folglich eine Serie von Dekreten, mittels derer der ausschließliche Gebrauch des Spanischen in den Bereichen Bildung und Religion der Kolonie verfügt wurde (vgl. Montrul 2012, S.84).

Trotz der Interferenz von Mapudungun mit dem spanischen Vorhaben der Christianisierung, war innerhalb dieser neuen Realität schon früh ein neues Phänomen zu beobachten: die Substitution spanischer Vokabeln. In Situationen, die als amerikanisch wahrgenommen wurden, griffen die Bewohner nicht mehr auf das spanische Vokabular zurück, stattdessen ersetzten sie dieses durch Vokabeln aus Mapudungun. Folgende Begriffe haben ihren Ursprung in der Sprache der Mapuche bzw. Araukaner [10]: chamal, gaucho, huata, poncho, tapioca, tapir. Die Mehrheit der Indigenismen beschränkt sich auf Substantive, einige Adjektive und wenige Verben (Chumaceiro/Alvarez 2004, S.83).

2.2. Soziokultureller Bezugsrahmen

2.2.1. Identitätskonflikt Chilene/Mapuche

Nachdem Chile am 12. Februar 1808 seine Unabhängigkeit proklamierte, folgte sieben Jahre später 1825 die Anerkennung der Autonomie des Mapuche-Volkes. Unter der Führung der Präsidenten der Republik Chile wurden im 20. und 21. Jahrhundert weitere Gesetze erlassen. Diese betreffen die Aufteilung der Territorien, den Schutz der Mapuche-Völker sowie die Integration in die chilenische Gesellschaft. Als eines der elementarsten Gesetze gilt bis heute das „Ley Indígena“[11] (19.235) aus dem Jahr 1993. Im September 2009 ratifizierte Chile das „Übereinkommen 169“ der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). In dem Gesetzesdokument wird der Regierung die Aufgabe zugeschrieben, zusammen mit den indigenen Stämmen, die Verantwortlichkeit für die Entwicklung geeigneter Maßnahmen zum Schutz der indigenen Rechte zu ergreifen und ihnen gleichzeitig allgemeinen Respekt in der Bevölkerung zu verschaffen. Zudem wurden verschiedene Institutionen ins Leben gerufen, die im Fall der CONADI u.a. die Förderung der indigenen Sprache und Kultur im Jugend- und Kindesalter der Ureinwohner garantieren sollen (Pérez Guartamebel 2006, S.136f).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung 2: Zugehörigkeitsgefühl der Mapuche und Chilenen zur Identität Mapuche bzw. Chilene (CEP 2006).

Die Anerkennung der Identität „Mapuche“ sowohl seitens der Regierung als auch der chilenischen Gesellschaft hat in all diesen Jahren verschiedene Etappen erreicht und die gesellschaftliche Identität des Volkes beeinflusst. Die Identitätsbildung spielt sich laut Erikson auf der psychologischen Ebene ab und stützt sich dabei auf zwei Eckpfeiler: die individuelle und soziale Identität. Beide verhalten sich wie zwei Pole zueinander, wobei der erste die eigene Wahrnehmung einer Person beschreibt und der zweite die von Außenstehenden. Sie stehen in einer Dynamik zueinander und spielen sich im Unterbewusstsein des Menschen ab (Peyser/Alciaturi 2003, S.49). Im Fall der Mapuche bedeutet dies zum einen, die Fähigkeit zu besitzen, sich selbst als Mapuche anzuerkennen. Zum anderen muss die übrige chilenische Gesellschaft das Individuum als Mapuche und Mitglied dieser gesellschaftlichen Gruppe wahrnehmen. Erikson zufolge handelt es sich hier um einen dynamischen Prozess. Inwiefern das Dilemma des Identitätskonflikts innerhalb der Mapuche-Gesellschaft trotz ergriffener Maßnahmen bis heute ein Thema ist, zeigt eine Umfrage des Centro de Estudios Públicos[12] (CEP) aus dem Jahr 2006 (siehe Darstellung 2). Bei Fragestellung nach dem Zugehörigkeitsgefühl als Mapuche, Chilene oder einer Mischung aus beiden, verhält sich der Anteil bei Mapuche bzw. einer Mischung aus beiden Gesellschaftsgruppen mit 38 zu 37 Prozent nahezu gleich. Eine eindeutige Mehrheit von Mapuche, die sich lediglich als Mapuche ansehen, geht aus Darstellung 2 nicht hervor. Viele Mapuche nehmen sich nicht mehr einzig und allein als Mapuche wahr. Sie empfinden vielmehr ihre Identität als die einer Mischkultur, die sowohl Mapuche, als auch Chilenen umfasst. Eine Identität schließt die andere nicht mehr aus. In der Selbstwahrnehmung der Mapuche verwischt die Grenze zwischen der Identität „Mapuche/Chilene“ allmählich. Anders verhält es jedoch bei der Wahrnehmung der übrigen Gesellschaft Chiles. Aus Gesprächen mit jugendlichen Chilenen ließ sich des Öfteren eine neutrale bis negative Einstellung zum Thema „Mapuche“ feststellen. Diese erste Beobachtung wird durch den Gebrauch von „Wir“ und „Sie“, nicht etwa „Wir Chilenen“ untermalt. Die Suche der Mapuche nach ihrer Identität, einschließlich der gestörten Wahrnehmung von außen, bedarf einer offenen und aufgeklärten Gesellschaft Chiles – diese ist momentan nicht gegeben, wenn auch soziokulturelle Elemente der Mapuche-Gesellschaft neu aufleben, beispielsweise durch Aktivitäten in Mapuche-Organisationen.

In den Interviews in Kapitel 4 gibt jeder der Befragten an, aktiv bzw. als nicht-offizielles Mitglied Teil an der Mapuche-Kultur zu haben und auf diese Weise seine Identität zu stärken. Monatlich oder jährlich finden Versammlungen der verschiedenen Assoziationen und Organisationen statt, die intensiv von Mapuche besucht werden. Ziel aller ist es, u.a. die Sprache Mapudungun zu fördern und zu revitalisieren. Jene Befragten, die sich bewusst für das Wiederaufleben ihrer Kultur und Identität entschieden haben, nehmen laut eigener Aussage auch an Zeremonien und Treffen aller Art teil. Der Großteil unter den Interviewpartnern sieht es als Selbstverständlichkeit an, sich für den Weiterbestand der eigenen Kultur einzusetzen – dies zeigte sich an der Reaktion auf die Frage nach einer aktiven Teilnahme an einer Mapuche-Organisation. Soweit der Befragte kein offizielles Mitglied eines Verbandes, wie z.B. RELMU-WITRAL[13] ist, erläutert dieser ohne erneute Rückfrage, sich auf andere Art und Weise für die Identitätsstärkung seines Volkes und Individuums einzusetzen.

2.2.2. Revitalisierung des Mapudungun

2.2.2.1. Korpus: Literatur, Printmedien, Lexikographie

Da bis Mitte des 20. Jahrhunderts keine Schrift in Mapudungun existierte, lebte die Literatur und Poesie in dieser Sprache bis dahin nur in den Köpfen der Eingeborenen in Form traditioneller mündlicher Überlieferungen. Die Einführung des Schriftsystems und die Interaktion mit den übrigen Einwohnern Chiles führte mit der Zeit zum Aufleben der Literatur in Spanisch-Mapudungun oder reinem Mapudungun. 1935 widmen sich Autoren wie Anselmo Quilaqueo, Guillermo Igayman oder Teodoberto Neculman der Poesie. Erst 1966 wird von Sebastian Quepul das erste bilinguale Buch namens „Poemas mapuches en castellano“ veröffentlicht. Seit Ende der 70er Jahre gelten Elicura Chihuailaf [14], Jaime Huenún[15] und Leonal Lienlaf[16] als bekannte Autoren der Poesie Mapuche. Sie halten in zweisprachigen Werken die Tradition und Geschichte der Mapuche fest. Wie bereits angedeutet, wird zwischen zwei Literaturausdrücken unterschieden: der Ethnoliteratur als mündliche Überlieferung historischer Erinnerung in Mapudungun, und der bilingualen Literatur in Spanisch-Mapudungun bzw. Spanisch, verfasst von Mapuche-Autoren gemäß interkultureller Konventionen. In der ethnokulturellen Poesie vereinen sich lyrische Poesie und indigene Literatur. Die Themen handeln von der Beziehung zwischen dem Mensch und seiner Umgebung, dem indigenen Leben sowie den soziokulturellen Konflikten. Die Problematik des interkulturellen und interethnischen Kontakts nehmen die Autoren ebenso in ihre Poesie auf wie die teils Diskriminierung und Ausgrenzung aus der chilenischen Gesellschaft (vgl. Carrasco 2000, S. 138).

Wer in Chile auf der Suche nach einer Tageszeitung in Mapudungun ist, wird enttäuscht: Die chilenischen Zeitungen folgen dem Trend der Assimilation und veröffentlichen ihre Artikel ausnahmslos in Spanisch. Gleiches gilt für die indigene Presse, die in ihren elektronischen Ausgaben ebenfalls ausschließlich bei der offiziellen Amtssprache Chiles bleibt. Als Mitglieder des „Red de medios de los pueblos“, publizieren die erst im 21. Jahrhundert gegründeten Zeitungen „azkintuwe“[17] und „werken“[18] Artikel rund herum um das Thema Mapuche. Auch die im Jahr 2000 erschienenen „mapuexpress“[19] und „mapuchetimes“[20] reiht sich in die Mapuche-Zeitungen ein. In keiner der elektronischen Ausgaben lassen sich in Mapudungun verfasste Artikel finden, unabhängig von der Textsorte Nachrichten, Lesermeinung, Interviews etc. Alle Zeitungen scheinen hingegen viel Wert auf den Zusatz „interkulturell“ zu legen. Dieser erscheint stets in der Kopfzeile des Zeitungsnamens bzw. der Rubrik „Über uns“. Der Fokus liegt demnach auf interkulturell und nicht Mapudungun. Eine Herausgabe der Zeitungen in der indigenen Sprache würde das Kriterium der Interkulturalität nicht mehr erfüllen, schließlich scheidet damit ein Großteil der chilenischen Gesellschaft aus. Dies scheint die einzige logische Erklärung für die einseitige Veröffentlichung von Zeitungen in Spanisch zu sein, trotz ihrer offensichtlichen Ausrichtung auf Mapuche-Themen.

Abschließend ein Blick in Richtung Lexikographie der Sprache der Mapuche. Nachdem der Jesuit Luis de Valdivia 1606 sein Werk „Arte y Gramática General de la Lengua que corre el Reyno de Chili” veröffentlichte, folgten im 18. Jahrhundert zwei weitere Grammatiken zu Mapudungun: „Arte de la Lengua general del Reyno de Chili“ (Andres Febres) und „Chilidúgú sive Res Chilenses“ (Bernardo Havestedt). Eine der fundamentaleren Werke stellt jedoch die Grammatik des bayerischen Kapuziners Félix José Kathan d´Augusta, „Grámatica Araucana“ (1903), dar. Sein zweites Werk erscheint sieben Jahre später, „Lecturas Araucanas“ (1910). Die Grammatik gliedert sich in zwei Spalten, links der Original Mapudungun-Text (inklusive Phonetik), rechts die spanische Übersetzung. Der einzige Fehler Kathan d´Augustas bestand darin,üund ǝ als zwei verschiedene Phoneme wahrzunehmen, obwohl sie Allophone ein und desselben Phonems sind. Das bis heute vollständigste bilinguale Wörterbuch in Mapudungun repräsentiert das „Diccionario Araucano-Español“ (1916) des gleichen Autors. Die erste Auflage umfasst 5.000 Einträge, die zweite bereits 7.000, in der sich Regionalismen aus der IX. und X. Region Chiles wiederfinden. Nennenswert ist auch Rodolfo Lenz, der unter „Estudios Araucanos“ einen Artikel in „Anales de la Universidad de Chile“ (1896) veröffentlichte. Darin ging er insbesondere auf die Variationen der Sprache und ihre vier Dialekte – vor der Pazifizierung Araukaniens –ein: Picunche [21], Huilliche [22], Moluche [23], Pehuenche [24]. Ab der Hälfte des 20. Jahrhunderts gelingt es Adalberto Salas (1938-2000) und Jennifer Arnold ansatzweise, die komplexe Struktur von Mapudungun offen zu legen. Bis heute besteht eine Vielfalt an verschiedenen Systemen der Niederschrift von Mapudungun. Sie koexistieren, haben jedoch unterschiedliches Ansehen bzw. unterschiedlichen Lerncharakter, wobei sich die Mapuche-Gemeinschaft allerdings bisher auf kein offizielles System einigen konnte.

2.2.2.2. Status: Audiovisuelle Medien, Verwaltung

Im Bereich der audiovisuellen Medien Chiles ist Mapudungun mehr als nur wenig vertreten. Nach langen Diskussionen sendet seit Anfang Dezember 2012 der Kanal Wall Kintun TV im öffentlichen Fernsehen Argentiniens sein interkulturelles Programm aus. Der Kanal mit Sitz in Bariloche ist der erste Mapuche-Sender in ganz Südamerika und richtet sich in spanischer Sprache an seine Zuschauer. Im chilenischen Fernseherprogramm wurde im Juni 2005 bereits ein ähnliches Konzept ins Leben gerufen, durchsetzen konnte es sich auf die Dauer jedoch nicht. Der Sender Canal 13 Temuco ging am 24. Juni 2005 jeden Freitag mit einem Programm on Air, das sich auf die Interessen, Brauchtümer und Traditionen der Mapuche ausrichtete. Das in Kooperation mit der CONADI entstandene Projekt erfüllte neben dem kulturellen Aspekt auch den sprachlichen, denn gesendet wurde in Mapudungun, mit spanischen Untertiteln. Laut Canal 13 handelte es sich um einen Experten in Mapudungun, der die Reportagen übersetzte. Diese wurden anschließend unter dem Webauftritt des Senders frei zur Verfügung gestellt (vgl. El Mercurio 15. Juni 2005).

In der Gesamtheit der chilenischen Radiosender sind die Mapuche bisher immens unterrepräsentiert. Im Jahr 2004 begann auf der Frequenz 91.1 FM der erste Mapuche-Kanal Chiles sein Programm zu senden. In Folge des Brandes einer seiner Sendetürme wurde die Ausstrahlung im Jahr 2009 allerdings bis auf weiteres eingestellt. In seinen fünf Jahren Sendezeit moderierte Radio „Wallon“ täglich von 10 bis 22 Uhr von seinem Sitz in Lican Ray, einem Dorf in Araukanien. Sein Programm umfasste Nachrichten, Meldungen und Musik, wobei die Hälfte davon in Mapudungun ausgestrahlt wurde, die andere in Spanisch bzw. Englisch. Auf kommunaler Ebene wurde bis in das 21. Jahrhundert kein ähnliches Programm initiiert. Vereinzelt kommen in Radiosendern Mapuche zu Wort, hierbei handelt es sich jedoch nicht um Sender von „Mapuche für Mapuche“. Die Mapuche-Organisation FOLIL[25] mit Sitz in den Niederlanden kommt dem Konzept von „Wallon“ noch ansatzweise nahe: unter dem Webauftritt http://radio.mapuche.nl/ stehen Interessierten verschiedene Beiträge rund herum um das Thema „Mapuche“ zur freien Verfügung. Die Nachrichten lassen sich in spanischer, vereinzelt auch in niederländische Sprache, downloaden.

Wer sich als Mapuche auf seine Kultur und Sprache berufen möchte, muss sich im Umgang mit der chilenischen Verwaltung verschiedenen Hindernissen stellen. Im Justizbereich existiert weder auf der Ebene von Gerichten noch Staatsanwaltschaften die Möglichkeit als Zeuge in Mapudungun auszusagen; selbst in den dicht besiedelten Gebieten der Mapuche ist dies nicht möglich. In Fällen, wo es sich beispielsweise um Landrechtsfragen handelt, soll sich an die CONADI gewandt werden. Ein institutioneller Zugang zur Justiz in speziell indigenen Angelegenheiten ist nur über diese Organisation vorgesehen (vgl. Internetauftritt der Gesellschaft für bedrohte Völker 2000). Inwiefern die CONADI in anderen Bereichen der Verwaltung zur Sprachaufwertung beisteuert, zeigt die im Mai 2013 erste durchgeführte zivile Heirat in Mapudungun. In der ca. 600 km von der Hauptstadt entfernten Kommune Traiguén schloss im Rahmen einer Zeremonie in Mapudungun zum ersten Mal ein Mapuche-Paar den Bund fürs Leben. Dem Bräutigam zufolge stärkt dieser Zusammenschloss die eigenen Wurzeln und erlaubt es darüber hinaus, Mapudungun in der heutigen Zeit aktiv am Leben zu erhalten. [26]

Das „Museo de la Memoria y de los Derechos Humanos“ in Santiago de Chile bietet seinen Besuchern seit Ende April 2013 neben dem Audioguide in Englisch, Französisch und Spanisch, nun auch einen in Mapudungun an. Damit dringt die indigene Sprache der Mapuche über die staatliche Verwaltung in die Privatsphäre ein und trägt zur Revitalisierung von Mapudungun bei. Die Aktion wird von der Universidad de Santiago, der Gründerin des Red por los Derechos Educativos y Lingüísticos de los Pueblos Indígenas[27] de Chile, und dem Direktor des Museums getragen. Letzterer interpretiert dies als Zeichen und Geste der Anerkennung der Mapuche-Kultur sowie der kulturellen Diversität des gesamten Landes. Beachtlich ist auch die zügige Implementierung des Guides in Mapudungun, angesichts der Tatsache, dass die Guides in den übrigen Sprachen erst ein Jahr zuvor, im Mai 2012, eingeführt und zur Verfügung gestellt wurden. Dies ist als sehr positives Zeichen zu deuten, schließlich ist das Museo de la Memoria bisher das einzige Museum Chiles, das auf die individuellen Bedürfnisse und die Sprachdifferenz der Mapuche-Gemeinschaft eingeht (vgl. La Tercera 22.04.2013).

3 Bedeutung von Mapudungun im 21. Jahrhundert in Chile

3.1. Herausforderungen des Spracherwerbs

3.1.1. Gesprochenes und geschriebenes Mapudungun

Im Vergleich zu den gängigen Sprachen Europas oder Lateinamerikas birgt der Spracherwerb von Mapudungun eine zentrale Herausforderung: die Aussprache und Verschriftung der indigenen Sprache unterscheiden sich grundlegend. Mapudungun besitzt ein romanisches Alphabet, das um die Zusätze ḻ, ṉ, ñ, ṯ,üund die Digraphen ch, ll, ng, tr erweitert wurde. Damit umfasst Mapudungun folgende 27 Buchstaben: a, ch, d, e, f, g, i, k, l, ḻ, ll, m, n,, ṉ, ñ, ng, o, p, r, s, t, ṯ, tr, u, ü, w, y. [28] Das phonologische System besteht aus den Vokalen a, e, i, o, u, ü; drei Halbkonsonanten y, w, g; und 18 Konsonanten ĉ,θ, f. k, l, λ, m, n, ņ, ñ, ŋ, p, r, s, t ,ţ, tr. Mapudungun ist eine gesprochene Sprache, die erst im Laufe der Jahre zu Papier gebracht wurde (vgl. Loncon Antileo 2011: S. 21). Das Argument, Mapudungun bestehe nur im Mündlichen, ist bis heute weit verbreitet; einige Mapuche gehen sogar soweit und behaupten, eine Verschriftlichung dieser Sprache widerspreche ihrer Natur.[29] Gegenwärtig blickt Mapudungun größtenteils auf eine mündliche Tradition zurück, seine geschriebene Form hat sich in der Gesellschaft bisher nur teilweise durchgesetzt. In den Gesprächen mit den Interviewpartnern betonen alle, dass ein großer Unterschied zwischen gesprochenem und geschriebenem Mapudungun bestehe. Zurückzuführen ist dies ist auf die Aussprache, basierend auf Lauten; sie setzt sich von der Schriftform der Sprache ab.[30] Dadurch entstehen unterschiedliche Formen des geschriebenen Mapudungun, denn einige Mapuche schreiben trotz existierender Alphabete[31] das Gesprochene auf ihre eigene Art und Weise nieder.[32] Ein Konsens über ein Standardalphabet wurde innerhalb der Mapuche-Gemeinschaft bisher nicht erreicht. Das spätestens von der Sociedad Chilena de Lingüística eingeführte einheitliche Alphabet wird nicht von der Gesamtheit der Mapuche eingehalten, in den Gesprächen wurde stattdessen mehrmals darauf hingewiesen, dass kein Alphabet bestehe. Dieser Umstand erklärt die teils unterschiedlichen Schreibweisen unter Mapuches. [33]

Eine weitere Hürde bilden die verschiedenen Anordnungsmöglichkeiten der einzelnen Wortgruppen innerhalb eines Satzes. Anders als im Spanischen oder Deutschen besteht neben der geläufigen Reihenfolge Subjekt-Verb-Objekt (S-V-O) eine zweite und dritte Alternative in Form von V-O-S oder der selteneren Variante S-V-O. Die inverse Anordnung zwingt jene Mapuche, die sich um den Erwerb ihrer indigenen Sprache bemühen, zum Umdenken, wie folgendes Beispiel zeigt: [34]

Abhängig von der jeweiligen Hierarchie der Handlung existieren folglich zwei verbale Paradigmen, die zu einer Umkehrung von Subjekt und Objekt führen. In der direkten Form (S-O-V) stellt das Subjekt den Akteur dar, in der inversen Form hingegen übernimmt dies das Objekt. Dies bedeutet nicht, dass in Mapudungun die Wortgruppen frei nach Belieben angeordnet werden können. Im Vergleich zu anderen Sprachen wie z.B. dem Englischen, besitzt die Sprache der Mapuche aber keine so starre Anordnungsregel der Wortgruppen (vgl. Loncon Antileo 2011: 106f).

3.1.2. Regionale Dialekte

Jenseits der Anden wird in Chile eine Vielfalt von Dialekten von Mapudungun gesprochen. Ende des 19. Jahrhunderts identifizierte Rodolfo Lenz vier verschiedene Varietäten, die innerhalb der Sprachengruppe Mapudungun auftreten. An seiner Kategorisierung von Dialekten hat sich bis heute nichts geändert: Pehuenche, in den Anden Chiles; Huilliche, in der Umgebung von Valdivia, Osorno und Chiloé; Moluche, vom Fluss Limay bis zum Nahuel Huapi-See. Diese Varianten betreffen im Wesentlichen die Phonetik und den Wortschatz, eine Verständigung zwischen Personen aus verschiedenen geographischen Zonen verhindert dies jedoch keineswegs. Eine besondere Sprachsituation besteht indessen im Gebiet der Huilliche, südlich des Landesinneren der Mapuche. Hier entfernt sich der Dialekt von der Phonologie des „mapuche central“[35] so weit, dass Sprecher des Hauptdialektes ihn kaum verstehen. Das chilenische Moluche und Pehuenche hingegen liegen in ihren Dialekten eng beieinander. Einige Sprachwissenschaftler, wie z.B. Loukotka, führen Huilliche, Pehuenche und Moluche unter einer eigenen Sprache innerhalb des Mapuche-Bestandes auf. Generell werden diese jedoch in der Literatur als Varietäten von Mapudungun verstanden (Haspelmath/Tadmor 2009: 1039).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung 3: Regionaldialekte Smeets 2010, S. 10)

Den jüngsten Versuch, die Dialekte von Mapudungun zu kategorisieren, unternahm Robert A. Croese in den 80er Jahren. Basierend auf einer Studie unterteilte er Ende der 1970er Jahre acht Dialekte des Mapudungun in drei Sprachzweige, die sich teils an Lenz anlehnen. Der nördliche Zweig Croeses umfasst Dialekt I und II, welche der Lenzschen Klassifizierung der Picunche gleichkommt. Im Süden ist der Dialekt VIII angesiedelt, im Inneren des Landes Dialekt III-VII (siehe Darstellung 3). Letztere Subgruppe entspricht dem Moluche-Pehuenche und Dialekt VIII dem Huilliche. Im Rahmen seiner Studie kam Croese zu der Erkenntnis, dass zwischen Dialekt I und II sowie III-VII geringe Verständigungsprobleme bestehen, während bei I-VII und VIII keine absolute Sprechverständigung mehr garantiert ist (vgl. Smeets 2010: 11).

3.2. Mapudungun im Schulsystem

3.2.1. Situation im 21. Jahrhundert

Gegenwärtig repräsentiert das Volk der Mapuche mit 10 % Anteil an der Gesamtbevölkerung die größte indigene Minderheit in der chilenischen Bevölkerung. Dies geht aus dem vom Instituto Nacional de Estadísticas ermittelten Zensus 2012 hervor, in dem 1.508.722 Personen angeben, Mapuche zu sein.[36] Die Kultur und Sprache der eingeborenen Völker hat sich in der Vergangenheit stets der chilenischen Mehrheit der Gesellschaft unterstellen müssen. Dies führte u.a. zur Zweisprachigkeit innerhalb des Mapuche-Volkes; aufgrund einer mangelnden Revitalisierung von Mapudungun nähert sich die jüngere Generation der Mapuche nunmehr der Einsprachigkeit von Spanisch an. In einigen Kommunen im Süden Chiles ist Mapudungun noch nicht ausgestorben. Hier finden sich Kinder, die bereits bei Einschulung neben Spanisch über einen Grundwortschatz der indigenen Sprache verfügen – dies ist jedoch weniger die Regel. Regierung und Gesellschaft sind sich einig: Die Aufnahme der Eingeborenensprache in das Schulsystem ist elementar für den weiteren Bestand von Mapudungun. Im 21. Jahrhundert steht deshalb die interkulturelle bilinguale Bildung im Mittelpunkt der Erziehungsreform, die meist von Spanisch als Erstsprache und Mapudungun als Zweitsprache ausgeht (vgl. Relmuan 2005: 49).

Einen weiteren Faktor im Rahmen der Bildungsmaßnahmen spielt die geographische Lage, d.h. in welcher Kommune Chiles die Mapuche-Kinder leben. In der Hauptstadt „La Metropolitana“ lebt mit 30 % der gesamten Mapuche zwar ein großer Teil des Volkes, angesichts der hohen Bevölkerungsdichte der Mapuche im Süden ist sie vergleichsweise doch gering. Im Jahr 2009 legte die chilenische Regierung fest, an jenen Schulen indigene Sprachen zu unterrichten, wo mindestens 20 % der Schüler dem indigenen Volk angehören. Die Unterrichtsklassen sind nicht verpflichtend; über die Teilnahme entscheiden die Eltern bzw. der gesetzliche Vertreter. Als Lehrkräfte werden Professoren, die auf die interkulturelle bilinguale Erziehung spezialisiert sind, eingesetzt (vgl. AFP 08.11.2009).

3.2.2. Bildungsreformen

Im Jahr 1993 führt das Ministerium für Bildung in Chile die interkulturelle bilinguale Erziehung (EIB) mit dem Gesetz 19.253 ein, welches ab dem Jahr 2000 institutionalisiert wurde. Wesentliche Grundzüge der EIB beinhalten u.a. die Aufnahme bilingualer Texte, die Verbreitung von Softwares indigener Kultur und Sprache und die Ausbildung bilingualer Mapuche-Lehrer in den Schulen. Im Jahr 2007 kann die EIB bereits zwei Erfolge verweisen: Die Aufnahme des Subsektors der indigenen Sprache im Rahmen des allgemeinen Lehrplanes, sodass bis 2010 indigenen und nicht-indigenen Studenten die Möglichkeit eröffnet wird, eingeborene Sprachen in entsprechenden Einrichtungen zu erlernen; eine Tagung zur Ausbildung der Mapuche-Erzieher von traditionellen und EIB-Schulen, um eine zukünftige Implementierung des Subsektors der indigenen Sprache zu unterstützen (vgl. Bobadilla Elgueta 2008: 32).

In der 2011 veröffentlichten Studie zur Implementierung des EIB-Programmes legt das Ministerium für Bildung offen, dass hinsichtlich der Bildungsreform für die Mapuche noch ein langer Weg bevorsteht. Trotz einer Berücksichtigung von Mapudungun in den Schulen handelt es sich aufgrund der historischen Leugnung seitens der chilenischen Institutionen und der Gesellschaft um einen langandauernden Prozess. Der Verlust der indigenen Sprachen lässt sich zudem auf die Diskriminierung der indigenen Völker zurückzuführen, der Migration in Richtung Stadt und nicht zuletzt auf das Verbot vor dem 20. Jahrhundert, indigene Sprachen in der Schule zu sprechen. Die EIB wird im 21. Jahrhundert teils mit Prozessen konfrontiert, die nicht wieder herstellbar sind, wie z.B. der progressive Verlust der Sprachidentität von einer Generation zur nächsten (vgl. Ministerio de Educación 2011: 30).

Die von dem Ministerium für Bildung oder von der CONADI initiierten Programme täuschen über eine Tatsache nicht hinweg: Mapudungun spielt im Schulsystem Chiles eine untergeordnete Rolle – v.a. in der Region Metropolitana, wie ein junger chilenischer Lehrer in diversen Gesprächen bestätigt. In der Gesamtheit sind sich die Interviewpartner zwar einig, dass Mapudungun einen gewissen Platz in dem chilenischen Bildungssystem einnimmt; seine Relevanz schätzen sie allerdings unterschiedlich ein.[37] Vor allem dem Staat werfen sie ein zu geringes Engagement im Bereich der Revitalisierung von Mapudungun vor, unabhängig von den bisher bestehenden Programmen und Initiativen.[38] Innerhalb der Mapuche-Gesellschaft besteht ein mangelnder Informationsaustausch bezüglich der Bildungsmaßnahmen für Mapuche. Dies zeigt sich beispielsweise als ein Gesprächspartner auf Rückfrage eine viel zu hohe Prozentzahl der Mindestzahl an Mapuche-Schülern angibt, die seiner Ansicht nach für die Einführung von Mapudungun-Unterricht nötig sind.[39] Von einer offenen Kommunikation und einem organisiertem Informationsaustausch sind Regierung und Mapuche bis in das 21. Jahrhundert noch weit voneinander entfernt.

3.2.3. Analyse von Briefen an den chilenischen Präsidenten

Angst und Misstrauen gegenüber der Sprachpolitik des gegenwärtigen Präsidenten Piñeras äußern die Mitglieder des Mapuche-Volkes in Briefen an die chilenische Regierung. Dies soll im Folgenden am Beispiel von offenen Briefen an Piñera aus den Jahren 2005-2012 aufgezeigt werden. Sie stehen allesamt im Internet zur freien Verfügung (siehe Anhang 6.1) und sind in politischen Blogs bzw. Kolumnen oder Mapuche-Zeitungen (mapuexpress) erschienen. Es handelt sich um keine repräsentative Darstellung der Meinungen; dadurch ist auch keine Objektivität gegeben.

Eine Nation und dennoch weit davon entfernt, ein und dieselbe Identität zu teilen: in einem Bittbrief an den Präsidenten wendet sich ein Mapuche an die Regierung und ruft dazu auf, eine Verständigung zwischen dem indigenen Volk und den Chilenen zu gewährleisten.[40] Die Jugendlichen seien müde von den haltlosen Versprechen und verlangen von der chilenischen Regierung angesichts der Verletzbarkeit und dem Verschwinden der indigenen Sprache mehr Verantwortung zu zeigen.[41] In den Briefen wird diverse Male die Forderung laut, die linguistischen Rechte der indigenen Stämme angemessen zu vertreten, indem zukünftig beispielsweise einem Repräsentanten der indigenen Völker in dem Consejo Nacional de Educación ein angemessener Platz eingeräumt werde. Diesem solle die Kompetenz eingeräumt werden, eine Verletzung dieser Rechte zu verhindern.[42] Der Dialog zwischen Regierung und Mapuche-Volk müsse besser gestaltet werden – eine Forderung, die in allen Briefen betont wird. Nur auf diese Weise könnten die Mapuche mit ihren Wurzeln vertraut gemacht werden und einen Dialog der Kulturen im Rahmen einer bilingualen Erziehung erzielen.[43] Die Leidtragenden der gestörten Kommunikation seien nicht nur jugendliche Mapuche, sondern darüber hinaus die traditionellen Mapuche-Lehrer. Sie seien Opfer von Diskriminierung und Rassismus und würden selbst durch die Regierung mit rassistischen Aktionen in ihrer Ausübung als Mapudungun-Lehrkraft gehindert. Die Schuld sei hierfür in der Region Metropolitana den städtischen Korporationen sowie den einzelnen Schuldirektoren zu zuweisen. [44]

In der Kommune Cerro Navia nehmen rassistische Akte und Xenophobie derart zu, dass sich die Funktionärin einer Schule extrem in ihrer Ausübung, Förderung und Verteidigung indigener Sprachen, eingeschränkt fühle. Das Programm der EIB in ihrer Schule sei von außen nicht willkommen, weshalb nun ihre eigene Freiheit und Sicherheit bedroht sei.[45] Für den Mapudungun-Unterricht spreche zudem die kulturelle und sprachliche Diversität, der sich Mapuche und Nicht-Mapuche gemeinsam stellen müssen. Die indigenen Sprachen repräsentieren keine Bedrohung für die übrige Bevölkerung Chiles, noch handle es sich um ein soziales Problem, dem sich die Gesellschaft stellen müsse.[46] Diesem Standpunkt schließt sich auch das „Red por los Derechos Educativos y Lingüísticos de los Pueblos Indígenas de Chile” an, indem es im Rahmen einer globalisierten Welt dazu aufruft, einen Schritt aufeinander zu zu machen. Um ihrer Forderung mehr Gehör zu verschaffen, wurde der Brief an Präsident Piñera gänzlich in Mapudungun formuliert. Eine Antwort aus dem Präsidentschaftspalast La Moneda würde die Organisation dementsprechend auch nur in ihrer indigenen Sprache entgegen nehmen wollen.[47]

3.3. Mapudungun als Überlebenssprache in den Social Media

3.3.1. Tweets#mapudungun

Mapuche sind weder sprachlich noch kulturell homogen. Die Mehrheit unter den jugendlichen Mapuche wächst in Chile einsprachig (Spanisch) oder zweisprachig (Mapudungun-Spanisch) auf, andere wiederum sprechen nur Mapudungun. Der Grad ihrer Sprachkompetenz ist unbekannt, sicher ist jedoch eines: Im 21. Jahrhundert existiert eine Art „Überlebenssprache“, eine Mischung aus beiden Sprachen, der indigenen und der nationalen, die phonetische und grammatikalische Elemente beider Sprachen untereinandermischt (vgl. Arellano Hoffmann/Holzbauer/Kramer 2006: 95). Wie die Feldforschung in Kapitel 4 zeigen wird, nimmt die indigene Sprache Mapudungun dennoch einen gewissen Wert innerhalb der jugendlichen Mapuche-Gemeinschaft ein. Im Folgenden soll am Beispiel von Twitter kurz dargelegt werden, welche Bedeutung Mapudungun im World Wide Web zukommt – kurzum: Ist Mapudungun „in“ genug, um darüber zu twittern und mittels Senden von Nachrichten und Links über bzw. in der Sprache zur Revitalisierung beizutragen?

Darstellung 4: Tweets „mapudungun”

Im Rahmen der Suche wurde ausschließlich nach Tweets zwischen 2011 und 2013 über „#mapudungun“ gesucht, da der alternative Begriff für Mapudungun „Mapuzungun“ wesentlich weniger genutzt wird. Die Tweets unterscheiden sich in ihrem Inhalt und lassen sich dadurch in drei Kategorien unterteilen: Tweets in Mapudungun, Tweets in Form von Links zu Mapudungun-relevanten Themen und Tweets über die chilenische Sprachpolitik bzgl. Mapudungun, einschließlich einer Kritik. Kommentare in der indigenen Sprache finden sich im Vergleich zu den anderen beiden Gruppen eher wenige. Meist handelt es sich um keine vollständigen Sätze in Mapudungun, sondern einzelne Wörter und die entsprechende Übersetzung in Spanisch.[48] Es wird darauf aufmerksam gemacht, dass das Mapuche-Volk, somit auch seine Sprache, immer noch existent ist.[49] Die Mapuche-Twittergemeinschaft postet selten rein in Mapudungun und folgt damit dem bilingualen Charakter Chiles.[50] Zu erwähnen sind zudem die Tweets in Form von Worterklärungen an die übrigen Twitternutzer, d.h. User werfen ein beliebiges Wort in Mapudungun in den Raum und geben das entsprechende spanische Wort dazu an. [51]

Die große Mehrheit der Tweets stellen verschiedene Links dar, die sich rund um das Thema Mapudungun bzw. Angebote zu Sprachkursen oder relevante Neuigkeiten in der chilenischen Gesellschaft im Zusammenhang mit der indigenen Sprache drehen. Diverse Nutzer machen auf das Angebot von Sprachkursen aufmerksam und geben den entsprechenden Link dazu an. Sie unterstützen insofern indirekt die Revitalisierung von Mapudungun, da sie für die Kurse in der Region Metropolitana bis in den Süden Chiles werben.[52] Weitere Links weisen auf Musik in Mapudungun hin, sei es Rap oder traditionelle Folklore.[53] Die Twitter-Nutzer verweisen auch auf Neuerscheinungen von Schul- bzw. Lernmaterial und informieren die Mapuche-Gemeinschaft über die verschiedenen Möglichkeiten des Spracherwerbs im 21. Jahrhundert. Hierzu zählen u.a. E-Books oder Texte in Mapudungun zu erzieherischen Zwecken. [54]

Den Beweis, wie viele jugendliche Mapuche mit der Sprachpolitik der chilenischen Regierung unzufrieden sind, zeigt Twitter: Hier lassen sich die Nutzer über ihre Enttäuschung gegenüber der Regierung aus, die Ignoranz, die ihnen entgegengebracht wird und vieles mehr. Nutzer kritisieren die Situation in den Schulen und die nicht zufrieden stellenden Maßnahmen, Mapudungun von klein auf den Jüngsten zu unterrichten.[55] Andere kommentieren die Sprachpolitik Chiles mit Ironie und informieren darüber, dass die offizielle Homepage der Regierung von nun an auch in Mapudungun abrufbar ist.[56] Positive Kritik bzw. Zuspruch ist in den Beiträgen rar. In all den Tweets zwischen 2011 und 2013 wurde lediglich ein einziges Mal honoriert, dass die Regierung Informationen auf ihrer Homepage auch teils in Mapudungun zur Verfügung stellt.[57] In der Regel richtet sich die positive Kritik an der Sprachpolitik jedoch an eigene Mapuche-Organisationen oder Personen, nicht jedoch an die Regierung selbst.[58]

3.3.2. Facebook

In dem Social-Media Facebook ist der Zugang zu Kommentaren bezüglich Mapudungun eingeschränkt, da diese vorrangig innerhalb des Freundeskreises ausgetauscht werden. Eine Plattform für das Überleben der Sprache bieten jedoch die verschiedenen Gruppen oder Seiten in Facebook. Sie widmen sich dem Bestand und der Revitalisierung von Mapudungun, allerdings ist die Partizipation der Nutzer recht überschaubar. Im Folgenden wurden nur solche Gruppen bzw. Seiten näher betrachtet, die mehr als 1000 Likes bzw. eine Partizipation von mehr als 1000 Nutzern aufweisen können. Ist der Angabe der Facebook User zu glauben, so halten sich 34000 Mapuche in dem Social Media auf, die Mapudungun sprechen.[59] Ihnen steht eine Reihe von Möglichkeiten offen, sich als Gruppe für die Identitätsstärkung innerhalb des Social Media zu engagieren und auf diese Weise den Sprachaustausch zu fördern.

Mit 1.318 Likes ist „Curso de mapudungun“ derzeit die größte Seite innerhalb von Facebook mit Bezug zu Mapudungun. Die ökologisch-kulturelle Mapuche-Gruppe „Xaf.Kintum Saltapura“ setzt sich seit 2010 für die Wiedererlangung der Sprache Mapudungun ein und bietet im Rahmen dessen Sprachkurse in Santiago de Chile an. Zwei Mal pro Woche unterrichtet Martin Raguileo Mapudungun und bringt darüber hinaus seinen Schülern die kulturellen Werte der Mapuche näher. In seiner Unterrichtsstunde geht Raguileo nicht nur auf die Diskriminierung der Mapuche ein, die sich in den letzten Jahren ihm zufolge allmählich mäßigt, sondern auch auf die Sprachformen der indigenen Sprache. Im Süden Chiles leben beispielsweise Mapuche, die eine Mischung aus Spanisch und Mapudungun sprechen, ihre eigene Form der indigenen Sprache. All dies findet sich u.a. in der Facebook-Gruppe wieder, die für jeden Nutzer zugänglich ist. Interessierten steht es frei, Kommentare bzw. Fragen zu posten, oder eines der vielzähligen Unterrichtsvideos abzurufen. Neben allgemeinen Informationen zu den wöchentlichen Unterrichtsstunden werden regelmäßig Worterklärungen in Mapudungun und Spanisch gegeben.[60] Diese nehmen meist in Form von Sprichwörtern Bezug auf die Natur und den Lebenszyklus als Mapuche. In mehreren Statements wird auf das Alphabet und die unterschiedliche Schreibweise von Mapudungun gemäß dem Alphabet „Unificado“, „Raguileo“ und „Azumchefi“ eingegangen.[61] Kurze Vokabellisten und einfache Sätze bzw. nützliche Redewendungen wie z.B. „müley may” (Es gibt), „mülelay“ (Gibt es nicht) oder „may“ (Ja) werden regelmäßig auf der Seite gepostet.

„Aprender Mapudungun“ ist eine offene Facebook Gruppe mit 2280 Mitgliedern, die sich durch Austausch von Materialien dem Erlernen bzw. der Revitalisierung von Mapudungun verschreibt. Die Altersbreite in der Lerngruppe ist groß, es finden sich ebenso ältere wie auch jüngere Personen, wobei die aktiven Mitglieder in der Regel Jugendliche oder junge Erwachsene sind. In regelmäßigen Zeitabständen werden zum leichteren Erlernen der Sprache Bilder mit entsprechenden Ziffern und Vokabeln in die Gruppe gestellt. Hier handelt es sich beispielsweise um die verschiedenen Bezeichnungen in Mapudungun für die Wortgruppen „Gesicht“, „Familie“ oder „Farben“. Die Gruppe dient darüber hinaus auch als Forum, in dem meist Jugendliche um Hilfe bei Übersetzungen von Mapudungun in Spanisch – oder umgekehrt – von Spanisch in Mapudungun bitten.[62] Die Beteiligung der einzelnen Mitglieder ist vergleichsweise hoch, da pro Tag in der Regel mehrere Beiträge von verschiedenen Nutzern geschrieben und ausführlich kommentiert werden. Dies ist u. a. ein Zeichen für die Leidenschaft, mit der die beigetretenen Facebook User Mapudungun erlernen. Das Konzept der Gruppe basiert zudem auf der Bereitschaft, anderen beim Erlernen der Sprache ohne Gegenleistung zu helfen, wodurch ein Geben und Nehmen entsteht. Ähnlich wie bei Twitter wird von den Nutzern auf Mapudungun-relevante Links verwiesen, meist in Form von Videos, die von der Sprachenpolitik Chiles handeln.

4. Chilenisierung der Mapuche?

4.1. Ethnolinguistische Vitalität der Mapuche-Sprache

Anfang des 20. Jahrhunderts schreibt der Mapuche Pascual Coña in „Lonco Pascual Coña ñi Tuculpazugun. Testimonio de un Cacique Mapuche“ (2002), dass das Wesen der Mapuche allmählich verloren geht. Diesen Umstand führt er auf den Generationswechsel und die damit verbundene Chilenisierung der indigenen Bevölkerung zurück: “En nuestros días la vida ha cambiado; la generación nueva se ha chilenizado; poco a poco ha ido olvidándose del designio y de la índola de nuestra raza, que pasen unos cuantos años y casi ni sabrán ya hablar su lengua” (Coña 2002, S. 25). Ein Jahrhundert später spielt Mapudungun in den Straßen und Medien Chiles eine untergeordnete Rolle. Wer allerdings behauptet, die Sprache und Kultur der Mapuche sei somit vollständig verloren gegangen, irrt sich. Die Bedeutung und Vitalität von Mapudungun hat abgenommen, soviel ist bereits durch Studien und Befragungen wie z.B. durch die CEP, bewiesen worden. Umso interessanter ist es, die Bedeutung der heutigen Sprache zu untersuchen, um festzustellen, inwiefern eine Chilenisierung bereits begonnen hat (vgl. Zuñiga 2007, S. 2f).

Die Vitalität einer Sprache kann an verschiedenen Parametern ausgemacht werden. Sie geben auch Aufschluss über die Chance zum Überleben oder zur Revitalisierung von Mapudungun. Dazu lassen sich u.a. folgende Faktoren zählen: Einsatzbereiche der Sprache, Diglossie und Code-Switching, Identifikationskraft mit der linguistischen Gruppe und Prestige der Sprache. Im ersten Fall gilt es beispielsweise zu untersuchen, ob die Minderheitensprache lediglich zu Hause gesprochen wird (I); im familiären Rahmen und bei kulturellen Festen (II); im familiären, kulturellen und sozialen Rahmen (III) oder in allen gemeinschaftlichen Lebensbereichen (IV). Unter Diglossie ist die Form der Zweisprachigkeit zu verstehen, bei der eine Sprachform die Standardsprache darstellt, während die andere im alltäglichen Gebrauch oder in informellen Texten verwendet wird. Bei der Identifikationskraft mit der linguistischen Gruppe steht die Anerkennung innerhalb bzw. außerhalb dieser linguistischen Gemeinschaft als Gruppe der Gesellschaft im Fokus. Es soll hierbei aufgeklärt werden, inwiefern die Gesellschaft innerhalb bzw. außerhalb der Gemeinschaft negativ wahrgenommen wird (I); ob sie innerhalb der Gemeinschaft leicht positiv wertgeschätzt wird und außerhalb neutral (II); innerhalb stark positiv wertgeschätzt wird und außerhalb neutral (III); oder innerhalb als auch außerhalb stark positiv wertgeschätzt wird (IV). Diese und weitere Indikatoren können Indiz hinsichtlich der Vitalität von Mapudungun in der chilenischen Gesellschaft sein (Landweer 2000, S. 5f).

[...]


[1] “Deber haber sido muchos años; ellos tenían de más de cien años cuando fallecieron y yo tengo mucho más de setenta [...] Hubo una gran agua, el mar salía [...]” (Bengoa 2000, S. 15)

[2] Autor der Novelle „Frontera. Novela del Sur“ aus dem Jahr 1949, in der das ländliche Leben im Grenzgebiet zu den Mapuche zu einem zentralen Thema erhoben wird. Das Werk ist eine Biographie Durands, die von seinen Erfahrungen während der Kindheit und Jugend in Traiguén erzählt. Der Ort stellte bis zur vollständigen Unterwerfung der Mapuche die Grenze der Zivilisation dar. Luis Durand liefert in dem Buch ein authentisches Bild der damaligen Zeit, der Realität der Mapuche im 19. Jahrhundert.

[3] Großlandschaft im Inneren Südamerikas, die im Westen von den Anden und im Osten von den Flüssen Paraguay und Paraná begrenzt wird.

[4] Die Inkas nannten die Mapuche auch aucas, dies bedeutet in Quechua je nach Übersetzung „Feind“ oder „grausamer Krieger“.

[5] Bezeichnung einer Subgruppe von Mapudungun. Zusammen mit „Huilliche“, „Pehuenche“ und „Picunche“ zählt „Ranquel“ zu den verschiedenen Dialekten der Mapudungun-Sprache, die vom Volk der Mapuche gesprochen werden.

[6] Das Encomienda-System teilte besonders verdienten spanischen Konquistadoren Land und indianische Arbeitskräfte zu, die in dem Dienst der Encomenderos (Herren) standen. Heutzutage wird das System oftmals als eine Art von Sklaverei angesehen, denn es beruhte wesentlich auf der Ausbeutung der Ureinwohner. Die spanische Königin Isabella von Kastilien und Leon, die das System 1503 einführte, wollte die Indianer nicht als Sklaven verstehen, sondern als freie Personen.

[7] Bei Ankunft der Europäer in Chile wird die Bevölkerungszahl der Mapuche auf eine halbe Million Einwohner geschätzt.

[8] Ein Kriegshäuptling der Mapuche im Aurauco-Krieg in Chile, der 1547 von den Spaniern gefangen genommen wurde. Während seiner sechsjährigen Gefangenschaft diente er Pedro de Valdivia als Stallmeister und erlangte dadurch Wissen über die spanische Militärtaktik und –strategie. Nach seiner Flucht wurde Lautaro 1553 von den Mapuche zum Kriegshäuptling gewählt und griff die Festung Tucapel und später die Stadt Concepción an.

[9] Der in Granada geborene Luis de Valdivia erreichte 1593 zusammen mit weiteren Jesuiten die Stadt Santiago, mit dem Vorhaben, die Provincia de la Compañia de Jesús in Chile zu gründen. Dort wurde er als Rektor der jesuitischen Schule tätig. Im Umgang mit den Eingeborenen unterbreitete Valdivia eine neue Vorgehensweise: der defensive Krieg, 1612 in die Praktik umgesetzt. Im Wesentlichen sollte laut dieser Taktik nur dann seitens der Spanier angegriffen werden, sobald die Eingeborenen die Kolonialmacht selbst angriffen. Nach Scheitern des Planes von Valdivia, führte der spanische König Philipp III. 1625 erneut den Offensivkrieg ein.

[10] In dieser Arbeit ist grundsätzlich die Rede von „Mapuche”, dem indigenen Volk im Süden Chiles. Von den spanischen Konquistadoren erhielt das Eingeborenenvolk jedoch den Namen „Araukaner“. Diese Bezeichnung indiziert ihre Heimat im südlichen Araukanien.

[11] Präsident Patricio Aylwin erließ 1993 das sog. „Ley Indígena“, in dem nach einer Reihe von einführenden generellen Prinzipien auf Konzept, Kultur und Kommunen der Eingeborenen eingegangen wird. Die Anerkennung, der Schutz und die Entwicklung des Landes der Ureinwohner spielen zusammen mit der Schaffung eines Fonds für indigene Wasser und Länder eine wichtige Rolle in dem Korpus des Gesetzes 19.235. Weitere Paragraphen handeln von der Bildung, der Schaffung der „Corporación Nacional de Desarrollo Indígena“ (CONADI) und dem Umgang mit den einzelnen indigenen Völkern wie den Mapuche, Huilliche oder den Aymara.

[12] In der Studie des Centro de Estudios Públicos wurden 2006 Mapuche über 18 Jahren in den Regionen VIII, I, X und Metropolitana zu ihrer Identität als indigenes Volk befragt. Im Rahmen der Befragung, bezeichneten sich 370.975 Personen über 18 Jahren als Mapuche. 1.487 der Personen, die sich als Mapuche wahrnehmen, wurden anschließend zu Hause besucht und eingehender interviewt. Das gleiche gilt für weitere 1.484 Personen, die sich nicht als Mapuche autodefinieren, aber in den Gebieten der indigenen Gemeinschaft leben.

[13] RELMU-WITRAL ist ein indigener Verband mit Sitz in Santiago, der im Jahr 2001 von 45 Frauen in der Kommune Tirúa gegründet wurde. Der Verband vertreibt indigene Handwerksstücke, insbesondere solche aus Baumwolle hergestellte, und verkauft diese anschließend auf Märkten. Zum Ziel hat sich Relmu-Witral neben seiner Handwerksarbeit die Rettung des kulturellen Erbes und den Dialog innerhalb der indigenen Gemeinschaft und seinen 135 Mitgliedern zum Ziel gesetzt.

[14] Der 1952 geborene Elicura Chihuailaf sticht durch seine bilingualen Veröffentlichungen in Spanisch-Mapudungun hervor. Der Poet übersetzte verschiedene Werke von Dichtern, u. a. von Pablo Neruda, in die Sprache Mapudungun. Bekannte Werke von ihm sind beispielweise „En el pais de la memoria: maputukulpakey” (1988), „El invierno, su imagen, y otros poemas azules” (1991) oder „De sueños azules y contrasueños” (1995).

[15] Jaime Huenún stammt aus Valdivia und unterrichtet neben seiner Tätigkeit als Mapuche-Huilliche Schriftsteller, indigene und lateinamerikanische Poesie an der Universität Diego Portales in Santiago de Chile. Anders als Chihailaf verfasst er seine Werke nur in der spanischen Sprache. Seine veröffentlichte Gedichtsammlung umfasst „20 poetas mapuches contemporáneos“(2003) und „La memoria iluminada. Poesía mapuche cotemporánea (2007). Zu seinen Werken zählen auch die Erzählungen „El pozo negro y otros relatos mapuches“ (2001), „Los cantos ocultos“ (2008) und „Lof sitiado. Homenaje poético al pueblo mapuche de Chile” (2011).

[16] Leonel Lienlaf ist chilenischer Poet und Musiker und gehört den bilingualen Autoren des Landes Chile an. Seine in Mapudungun und Spanisch verfassten Werke handeln von der Kultur der Mapuche, sein Interesse gilt aber allem voran den Brauchtümern der indigenen Chilenen. Bekannte Werke von ihm repräsentieren u.a. „Se Ha Despertado El Ave De Mi Corazón” (1989) und „Voces mapuches“ (2002).

[17] Azkintuwe ist eine mit Sitz im Land der Mapuche arbeitende Zeitung, gegründet im Jahr 2003. Die multikulturelle Zeitung erscheint zwei Mal monatlich und veröffentlicht ihre Artikel darüber hinaus in ihrer elektronischen Ausgabe unter http://www.azkintuwe.org. In der Rubrik „quienes somos“ (über uns) geben die Verfasser an, den Zugang der indigenen Gemeinschaft und gesellschaftlichen Organisationen zu den Massenmedien verbessern zu wollen. Sie handeln als Protagonisten mit multikultureller Perspektive.

[18] Internetauftritt unter: http://www.werken.cl

[19] Internetauftritt unter: http://www.mapuexpress.net/

[20] Internetauftritt unter: http://www.mapuchetimes.cl

[21] Picunche entstammt der Mapudungun-Sprache und steht für „pikum“ Norden und „che“ Menschen.

[22] Huilliche von „willi“ Süden.

[23] Moluche von „ngolu“ Osten.

[24] Pehuenche von „pewen“ Auracarie.

[25] Die Organisation FOLIL, gegründet im März 2000, besteht v. a. aus Mapuche, die vor der Diktatur Pinochets flüchteten. Ihr grundlegendes Ziel besteht darin, Informationen über das Mapuche-Volk zu geben. Von den Niederlanden aus versucht FOLIL Unterstützung für die übrigen Mapuche in Chile zu leisten.

[26] An der Zeremonie nahm u. a. der Nationaldirektor der CONADI, Jorge Retamal, teil. Ihm zufolge sei die Heirat ein Zeichen für die Bemühungen, die indigene Sprache der Mapuche beizubehalten und zu stärken. Möglich wurde dies durch ein Abkommen zwischen der CONADI und dem Registro Civil (Standesamt), das seit 2011 bereits 70 Standesbeamte zur Durchführung einer solchen Zeremonie befähigte.

[27] Bei dieser Organisation, zu Deutsch „Netz der Bildungs- und Sprachrechte der indigenen Völker“, handelt es sich um eine im Jahr 2007 gegründete Organisation, in der v. a. die Meinungen der Mapuche bezüglich der Bildungs- und Sprachpolitik in Chile ausgetauscht werden.

[28] Im Jahr 1988 unterbreitete die „Sociedad Chilena de Lingüística“ ein einheitliches Alphabet für Mapudungun. In der Regel wird dieses bei Studien bzw. Büchern über Sprache und Grammatik von Mapudungun als Referenzbasis herangezogen.

[29] “[...] el Mapudungun no tiene escritura ni lectura. Originalmente se supone que no había ni escritura – es un lenguaje oral, entonces imposible podriar escribirla.” (Elena 2013 im Gespräch)

[30] “Es más complicado escribir mapudungun ya que su escritura se aleja de la pronunciación – por eso lejos de ser similar. Hablar y escribir esta lengua no significa lo mismo.” (Rayen 2013 im Gespräch).

[31] Die gängigen Alphabete für Mapudungun repräsentieren das Alphabet Raguileo, auch bekannt als „alfabeto mapuche”; das vereinheitlichte bzw. akademische Alphabet und das Alphabet der CONADI. Der Unterschied in diesen Alphabeten liegt in der unterschiedlichen Darstellung der Phoneme in Mapudungun. Das nasasale /n/ wird in Raguileo beispielsweise durch g dargestellt. In dem vereinheitlichten Alphabet wird hierfür ng benutzt. Das Alphabet der CONADI wiederum stellt das Phonem durch g dar (vgl. Relmuan 2005: 48).

[32] “Pero tu lo [el Mapudungun] puedes escribir a tu manera. Pero es complicado.” (Joana 2013 im Gespräch).

[33] “[...] es que no hay alfabeto, entonces uno lo escribe como uno lo parece. Pero sí, puedo hablar flúido.” (Eugenia 2013 im Gespräch).

[34] [Hervorhebung im Original].

[35] Das Mapudungun hat einen Hauptdialekt, der vor allem von Personen in den Tälern der Küste sowie des Vorgebirges der IX. Region gesprochen wird. Von der Phonologie des Hauptdialekts, das „Mapuche central“, lassen sich wiederum die einzelnen Dialekte oder geographischen und stilistischen Varianten ableiten (vgl. Arellano Hoffmann/Holzbauer/Kramer 2006: 97).

[36] Zehn Jahre zuvor, im Jahr 2002, zählen sich im von der Regierung erhobenen Zensus 4,6 % der chilenischen Bevölkerung zur Ethnie Mapuche. Innerhalb von zehn Jahren steigt die Prozentzahl auf 9,9 % an.

[37] “Sí, existe un espacio dentro del sistema. Antes no se pensaba que el mapudungun juega un rol tan elementar dentro del sistema de educación pero hoy en día, hay que llegar a un consenso entre los dirigentes del gobierno chileno y los representantes Mapuche con el fin de seguir avanzando con el proyecto de discusión. En las escuelas de hoy sí enseñan cómo se habla el mapudungun, pero eso no es suficiente.” (Rayen 2013 im Gespräch). “No es importante pero debería hablarse más en el colegio. No son obligación, los ramos de Mapudungun – pero creo que para el gobierno no es importante.” (Joana 2013 im Gespräch).

[38] “No, no existe un reconocimiento indígena. Pero el estado no da gran posibilidad aprender la lengua. Es tan poca la participación del gobierno.” (Elena 2013 im Gespräch). “No, no juega un rol importante. Ahora sí, en el sur, se está valorando la idioma. Pero que juega un rol importante dentro de la educiación, no.” (Eugenio 2013 im Gespräch).

[39] “Hoy existe la educación intercultural bilingue. Se ofrecen clases en el colegio, cuando existe un 70 o más de un 40 % de personas Mapuche en un colegio se exige enseñarlo. Depende todo del porcentaje de Mapuche que debe existir en el colegio.” (Martin 2013 im Gespräch).

[40] “[...] una lengua que, si bien amenazada, lejos está por lo pronto de desaparecer. “¿Qué es lo nacional? Cuando nadie entiende una palabra del idioma que hablas”, sentenció el dramaturgo Johann Nestroy. Si usted y yo somos chilenos, don Sebastián, ramtueyu kimnieymi ñi nütram, fewla? chem pieyu, chem pimi? tami tuwün ka inche trawüniekelayngün, wingkangeymi ka mapuchengen, ka mollfüng nieyiñ. Feley kam Felelay? De esto trata a grandes rasgos el conflicto. De hablar y no entendernos. De dialogar y no poder (o querer) escuchar al otro. De mirarnos y no reconocernos ustedes como iguales en nuestra diferencia.” (Pedro Cayuqueo in Bittbrief März 2010)

[41] “Excmo. Sr. Presidente, los Pueblos Indígenas tenemos la certeza que su gobierno tiene la posibilidad de rectificar esta vulneración de derechos a nuestros pueblos, por lo cual lo alentamos a tomar iniciativas. Para este propósito particular, demandamos: A) El envío al Parlamento de un Proyecto de Ley General de Derechos Lingüísticos para los Pueblos Indígenas de Chile y la creación del Instituto Nacional de Lenguas Indígenas, a partir del Modelo de Ley General de Derechos Lingüísticos, que los pueblos indígenas hemos elaborado y que anexamos a la presente comunicación.” (Red por los Derechos Educativos y Lingüísticos de los Pueblos Indígenas de Chile Februar 2012 in mapuexpress).

[42] “C) Adoptar una política educativa que se ajuste a los estándares internacionales, al Convenio 169 de la OIT y a la Declaración de ONU sobre los Derechos de los Pueblos Indígenas, de manera Transversal en el sistema público, y no de manera sectorial como se ha hecho hasta hoy, incorporando además a un representante de los Pueblos Indígenas en el Consejo Nacional de Educación para evitar en el futuro vulneraciones de derechos en esta entidad pública.” (Ibid).

[43] “Demandamos una vez más a su gobierno a considerar concretamente los derechos humanos de los pueblos indígenas y, en correspondencia a ello, adopte las medidas antes señaladas. A objeto de establecer una agenda de diálogo entre culturas.” (Ibid).

[44] “[...] hasta acciones racista de la propia institucionalidad Estatal a cargo de la Educación como son las Corporaciones Municipales de Educación y los directores de escuela respectivamente.” (Lonton Antileo 2011)

[45] “[...] debido a constantes actos de persecución racista y xenofóbicas que amenazan incluso su libertad persona y seguridad individual cuyo fin es amedrentarla a objeto que abandone las acciones de promoción y defensa de las lenguas y culturas indígenas en esa comuna y abandone el programa de EIB que esta llevando a cabo en esa Escuela.” (Ibid).

[46] “A todos quienes creen es posible construir un nuevo tipo de relación entre ustedes y nosotros, una donde la diversidad de lenguas, saberes y culturas no sea sinónimo de amenaza o antesala de apaleos.” (Pedro Cayuqueo in Bittbrief März 2010).

[47] “Demandamos una vez más a su gobierno a considerar concretamente los derechos humanos de los pueblos indígenas y, en correspondencia a ello, adopte las medidas antes señaladas [...]pedimos a S.E. responder a esta petición en nuestro idioma, a la siguiente dirección [...].” (Red por los Derechos Educativos y Lingüísticos de los Pueblos Indígenas de Chile Februar 2012 in mapuexpress.

[48] “Apon küyen (Luna en su apogeo) #Mapudungun #Mapuche” (via Julio Chureo Aningui 05.05.2013).

[49] “Petü Mongeleiñ (we still exist) #mapudungun the native tongue of my people #mapuche #chile” (via Kaye Productora 05.03.2012).

[50] “tvfaci mapu mew mogeley wagvben tvfaci kajfv wenu mew ulkantuley.... (#MAPUDUNGUN)” (via Matías Andrade 21.03.2011).

[51] “Sabías que, "cahuin" significa reunión, fiesta o borrachera en #mapudungun?” (via ❄ 11.09.2011). “ Por ahora solo tengo "ayüuyen" que es "hace tiempo que te quiero" #Dcen #mapudungun.” (via . 17.05.2013). “La palabra Cáhuil, significa "gaviotas" en #Mapudungún, precisamente por la gaviota Cáhuil, ave común en la zona.” (via Kify 27/33 22.04.2012).

[52] “El curso 2013(Kimeltuwün 2013) - Curso de Mapudungun http://cursodemapudungun.cl/el-curso/ #mapudungun” (via isa mansilla 08.06.2013). “Contacto - Curso de Mapudungun http://cursodemapudungun.cl/contacto/ #mapudungun” (via Gino Muñoz 21.03.2013). Comienza el curso de #Mapudungún con el profesor Martin Raguileo, durante el mes de Septiembre, más info en: http://cursodemapudungun.cl/ “ (via Ruberto Cayuqueo 01.09.2013).” Hoy en Osorno: Curso de Che Süngun http://www.futawillimapu.org/Llitu/Sesion-N%C2%BA-9-de-Curso-de-Che-Sungun-se-realizara-este-jueves-10-de-noviembre-en-Osorno.html … #mapuche #williche #mapudungun” (via Fütawillimapu 10.11.2011).

[53] „#Mapuche Rap aus #Chile auf unserer Sprache #Mapudungun http://fb.me/29fIQANpp” (via Mapuche en Alemania 04.05.2013).

[54] “Children’s e-book launched in indigenous Chilean language #Mapuche #Mapudungun http://www.santiagotimes.cl/culture/arts/25891-childrens-e-book-launched-in-indigenous-chilean-language#.UUssQYU6MAQ.twitter (via Indigenous Tweets 21.03.2013). “SENDA lanza textos escolares preventivos en #mapudungún http://shar.es/qrl0J ” (via Monica Olivares Fl 23.05.2012).

[55] “el #Mapudungun y otros lenguajes del territorio chileno deberían ser enseñados desde la básica a la media, me siento ignorante en mi pais” (via Hector o Héctor 28.05.2013). “Que les cuesta reconocer a los señores politicos reconocer que en Chile se habla más de un idioma? #Mapudungún” (via Juan Moya Calquín 08.01.2013).

[56] “Ironías de la vida: La página del Gobierno de Chile también se puede leer en #Mapudungun http://www.gob.cl/presidente/arn/” (via waterpeace 22.04.2013).

[57] “@GobiernodeChile genial su página web. completisima, y lo mejor, traducida al #mapudungun en ciertas secciones !” (via âugusto Πorales S. 10.05.2012).

[58] "@AustralTemuco: Ufro invitó a aprender gratuitamente la lengua mapuche. http://soych.cl/1fkv #mapudungun"//digno d imitar en todo chile” (via Alejandro Cabezas 27.09.2013).

[59] Facebook: “About Mapudungun” 2013: https://www.facebook.com/pages/Mapudungun/109007839117560?rf=108603425837007

[60] “Kiñe zungu meu mülelu ta che fütra newen ta müley: hay una sola inmensa fuerza cuando la gente se une en una sola intensión” (via Curso de Mapudungun 17.06.2013). “kom ta ñi rumel mongen meu rakizuamküteayu - Por todo lo que dure mi vida te recordaré” (via Curso de Mapudungun 16.06.2013). “zew rangi antü uyey - ya es el medio día” (via Curso de Mapudungun 07.05.2013).

[61] “Ejercicio para diferenciar escrituras en mapuchezungun” (via Curso de Mapudungun 22.04.2013).

[62] “Estimados, cómo se puede decir / expresar "ave del cielo" ? (via Pauli Asiri Cortés 11.06.2013). “Mari mari. ustedes pueden ayudarme? nesesito saver como presentarme en mapuzungun.. como decir mi nombre .. mi edad y de donde soy.. chaltumay” (via Wenii Lezcano Bj 04.06.2013). “Mari mari.....me traducen esto???* feley feley inche trafiaa peuma*” (via Macayita Maria Fernanda 31.05.2013).

Details

Seiten
77
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656921264
ISBN (Buch)
9783656921271
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v294430
Institution / Hochschule
Universität Passau
Schlagworte
sprachidentität mapuche bedeutung mapudungun jahrhundert chile

Autor

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Titel: Zur Sprachidentität der Mapuche. Die Bedeutung von Mapudungun im 21. Jahrhundert in Chile