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Nachhaltigkeit in der deutschen Textilindustrie. Realisierungsansätze und Handlungsempfehlungen zur Stärkung des nachhaltigen Bewusstseins

Bachelorarbeit 2015 67 Seiten

BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik

Leseprobe

I Inhaltsverzeichnis

II Abbildungsverzeichnis

III Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Arbeit

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Rolle der beteiligten Akteure
2.1.1 Unternehmen
2.1.2 Nichtregierungsorganisationen
2.1.3 Staat/Politik
2.2 Nachhaltigkeit
2.2.1 Definition und Entwicklung
2.2.2 Dimensionen der Nachhaltigkeit
2.2.2.1 Ökologische Dimension
2.2.2.2 Ökonomische Dimension
2.2.2.3 Soziale Dimension
2.2.3 Modelle der Nachhaltigkeit
2.2.3.1 Drei-Säulen-Modell
2.2.3.2 Integratives Nachhaltigkeitsmodell
2.3 Corporate Social Responsibility
2.3.1 Definition und Entwicklung
2.3.2 CSR-Modell nach Carroll
2.3.3 Soziale Verantwortung von Unternehmen
2.3.3.1 Interne Dimension
2.3.3.2 Externe Dimension
2.4 Wertschöpfungskette nach Porter
2.4.1 Definition
2.4.2 Missstände innerhalb der Wertschöpfungskette

3 Ansätze zur Stärkung des nachhaltigen Bewusstseins
3.1 Ansätze der NRO Kampagne für saubere Kleidung
3.2 Ansätze der Organisation FairWear-Foundation
3.3 Ansätze des Gütesiegels Global Organic Textile Standard
3.4 Ansätze des staatlichen Bündnisses Bündnis für nachhaltige Textilien
3.5 Ansätze vom Unternehmen Hennes & Mauritz
3.5.1 CSR-Maßnahmen von H&M
3.5.1.1 Selbstverpflichtung gemäß UN Global Compact
3.5.1.2 Verhaltenskodex für ihre Lieferanten
3.5.1.3 Nachhaltige Kollektion: H&M Conscious
3.5.2 Kritische Betrachtung der Ansätze von H&M

4 Zusammenfassung und Ausblick
4.1 Zusammenfassung
4.2 Ausblick

IV Literaturverzeichnis

Abstract

Die folgende Ausarbeitung beschäftigt sich mit den Realisierungsansätzen verschiedener Akteure der Textilindustrie. Hierfür werden verschiedene Ansätze analysiert und uf die Beteiligung bzw. Präsenz von vier relevanten Unternehmensbeispielen untersucht. Das Ziel dieser Untersuchung ist es, Rückschlüsse auf mögliche Handlungsempfehlungen für die deutsche Textilindustrie zu ziehen, um der steigenden Relevanz des Themas „Nachhaltigkeit“ gerecht zu werden. Diese Feststellungen dienen zur Klärung der Frage, welche Ansätze zur Stärkung des nachhaltigen Bewusstseins bereits von den beteiligten Akteure entwickelt wurden und welche Handlungen noch notwendig sind, um das Bewusstsein für Nachhaltigkeit dauerhaft zu stärken.

Um fundierte Rückschl sse für die Anwendung der Handlungsempfehlungen auf die deutsche Textilindustrie treffen zu können, wurden fünf verschiedene Ansätze untersucht. Die theoretischen Grundlagen dieser Ausarbeitung stützen sich auf Internetquellen, PDF-Dokumente und Fachliteratur und stellen das anzuwendende Grundwissen für die Untersuchung dar.

In der Untersuchung wurde festgestellt, dass sich viele der Ansätze zur Stärkung des nachhaltigen Bewusstseins in ihren Grundsätzen überschneiden. Zudem wird die Wahl der richtigen Realisierungsansätze durch die Vielfalt der möglichen Beteiligungs- und Zertifizierungsmöglichkeiten erschwert. Um den Bezug auf die deutsche Textilindustrie zu gewährleisten, wurde der staatliche Ansatz des Bundesentwicklungsministers Gerd Müller untersucht, wobei festgestellt wurde, dass sich wichtige deutsche Textilunternehmen der Beteiligung an dem Bündnis für nachhaltige Textilien aufgrund der nicht realisierbaren Implementierung entziehen. Die kritische Betrachtung des schwedischen Textilunternehmens H&M zeigte, wie Unternehmen, die sich schon mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ auseinander gesetzt haben und eigene Richtlinien verfasst haben, weiterhin Probleme mit der Implementierung dieser in ihre Geschäftstätigkeiten haben.

Zusammenfassend kann gefordert werden, dass eine Vereinheitlichung der Zertifizierungs- und Beteiligungsmöglichkeiten stattfinden muss und aus den Ansätzen des staatlichen Bündnisses verpflichtende Richtlinien für deutsche Textilunternehmen entstehen müssen, welche im Gesetz verankert werden und somit den Unternehmen die Möglichkeit nehmen, diese Richtlinien nicht einzuhalten bzw. sich diesen zu entziehen.

Abstract

The following elaboration deals with the approaches to realisation of various corporative actors of the textile industry. For this purpose several approaches have been analysed and tested for the participation respectively the presence of four relevant company examples. It is the objective of this investigation to draw conclusions concerning possible recommended courses of action for the German textile industry in order to do justice to the increasing relevance of the topic „sustainability“. These conclusions are conducive to settling the question of which approaches to strengthening the awareness for sustainability have already been developed by the involved corporative actors and which actions are still necessary to grant a lasting change in awareness for sustainability. Five different approaches have been reviewed in order to be able to draw well founded conclusions concerning the application of the recommended courses of action to the German textile industry. This eleboration is theoretically based on Internet sources, PDF documents as well as specialist literature. The investigation has detected many overlappings in the principles of the approaches to strengthening awareness for sustainability. In addition to this, chosing the right approaches to realisation is made more difficult by the variety of possibilities of participation and certification. Intending to provide for the reference to the German textile industry, the governmental approach by Gerd Müller, the national development minister, has been examined, which led to the conclusion that several important German textile corporations are dodging a participation in the alliance for sustainable textiles due to the infeasible implementation. The critical examination of the Swedish textile corporation H&M has shown that companies which have already dealt with the topic „sustainability“ are still struggling with enduring problems when it comes to implementing their self-generated guidelines into their business activities. In summary, a standardisation of the possibilities of participation and certification can be demanded. Furthermore, compulsory guidelines for German textile corporations must be developed from the approaches of the governmental alliance. These guidelines should be anchored in law, thus making it impossible for the companies to not keep or to dodge them.

II Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit

Abb. 2: Integratives Nachhaltigkeitsmodell

Abb. 3: CSR-Pyramide nach Carroll

Abb. 4: Wertschöpfungskette nach Porter

Abb. 5: Plakat “Made in Hell“ von der Kampagne für Saubere Kleidung

Abb. 6: Preiszusammensetzung eines T-Shirts

Abb. 7: Geschlossener Produktlebenszyklus

III Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

1 Einleitung

In dem ersten Abschnitt dieser Ausarbeitung wird mit der Problemstellung in der Textilindustrie die Relevanz der Arbeit verdeutlicht. Hieraus resultieren die wissenschaftlichen Fragestellungen, sowie die Zielsetzung der Ausarbeitung, die auf die Beantwortung der wissenschaftlichen Fragen fokussiert ist. Der Gang der Arbeit beschreibt die Vorgehensweise der Ausarbeitung.

1.1 Problemstellung

Die deutsche Textilindustrie gilt als eine der klassischen Wirtschaftssektoren des verar- beitenden Gewerbes, die in der vergangenen Zeit viele Veränderungen durchleben musste, um sich dem Wandel der Gesellschaft, der Wirtschaft und der Technik anzupas- sen.1 Diese veränderten Bedingungen haben die Mode- und Textilunternehmen genutzt, um ihre Position auf dem internationalen Markt dauerhaft zu stärken, wodurch dieser Wirtschaftssektor in Deutschland durch Umsätze von ca. 28 Milliarden Euro und einen Beschäftigtenanzahl von etwa 120.000 als zweitgrößte Konsumgüterbranche des Landes bezeichnet werden kann.2 Trotz dieser positiven Ergebnisse in der deutschen Textilin- dustrie rückt die kritische Betrachtung von den Liefer- und Wertschöpfungsketten die- ser Unternehmen aufgrund von Menschrechtsverletzungen und erheblichen Umweltbe- lastungen immer stärker in den Fokus von Gesellschaft und Politik.

Als grundlegendes Problem kann hier die kontinuierliche Verkürzung der Produktle- benszyklen in dieser Branche genannt werden, aufgrund von saisonalen Änderungen, die quartalweise vonstattengehen, und der Vielzahl an Kollektionen, die zu jeder Saison noch zusätzlich angeboten werden.3 Jedoch haben nicht nur die Veränderungen der glo- balen und technischen Bedingungen diese Flut an Auswahl zur Folge, sondern wurde diese Entwicklung ebenfalls von den Bedürfnissen der Konsumenten gestärkt sowie gefordert.4 Durch diesen kontinuierlichen Aktualitätsdrang stehen Textilunternehmen zunehmend unter dem zeitlichen Druck, neue Produkte bzw. Produktreihen terminge- recht einführen zu können. Um als Unternehmen diesem Druck gerecht zu werden, be- darf es einer strukturierten Planung der Produktionsstufen sowie einem genauen Be- schaffungscontrolling, um sich im Kampf gegen die Wettbewerber durchsetzen zu kön- nen.5 Die Globalisierung und die dadurch abgebauten Handelshemmnisse ermöglichen den Unternehmen, aufgrund der höheren Verfügbarkeit und den geringeren Arbeitskos- ten in Schwellen- und Entwicklungsländern, die Standorte für die Produktion ihrer Pro- dukte dorthin zu verlagern, was als Outsourcing bezeichnet werden kann.6 Als weiterer Grund für die Verlagerung wichtiger Elemente der Wertschöpfungskette können die undifferenzierten, leicht zu erlernenden Voraussetzungen der benötigten Arbeitskräfte aufgeführt werden.7 Konkrete Wettbewerbsvorteile erreichen Unternehmen zunehmend nur noch durch früheres Erkennen von Mode-Trends und den damit einhergehenden Zeitvorsprung gegenüber ihrer Konkurrenz.8 Um trotz dieser veränderten Bedingungen konkurrenzfähig zu bleiben, und dem herrschenden Preiskampf in der Textilbranche gerecht zu werden, werden die Arbeits- und Produktionsbedingungen in den Entwick- lungs- und Schwellenländern zu Ungunsten der dort arbeitenden Mitarbeiter vernachläs- sigt, wodurch die Forderung nach sozialer Verantwortung seitens der Unternehmen auf- kommt.9

In der folgenden Ausarbeitung soll analysiert werden, welche Ansätze zur Stärkung des nachhaltigen Bewusstseins bereits von den beteiligten Akteure der Textilindustrie ent- wickelt wurden, um grenzübergreifend für die Einhaltung von festgelegten Standards zu sorgen. Ebenfalls soll untersucht werden, welche Handlungen oder Veränderungen von Unternehmen und anderen Akteuren der Textilindustrie notwendig sind, um das Be- wusstsein für Nachhaltigkeit dauerhaft zu stärken. Hierzu werden verschiedene Ansätze untersucht, um am Ende der Ausarbeitung Aussagen über die möglichen Handlungen der Beteiligten in Deutschland treffen zu können. Ziel der Bachelor-Thesis ist es somit aus der Untersuchung von existierenden Ansätzen beteiligter Akteure resultierende, fundierte Handlungsempfehlungen zu geben, sowie konkrete Realisierungsansätze für die deutsche Textilindustrie aufzuzeigen, die von Unternehmen als Leitbild genutzt werden können, um ihrer ökonomischen, ökologischen und sozialen Verantwortung rechtmäßig nachgehen zu können.

1.2 Gang der Arbeit

Die vorliegende Bachelor-Thesis kann in vier Abschnitte untergliedert werden. Die Ausarbeitung beginnt in der Einleitung mit einer Darstellung der Problemstellung in der Textilbranche und der daraus resultierenden Relevanz der wissenschaftlichen Fragestel- lung. Das Ziel der Thesis ist es, die in der Einleitung formulierten wissenschaftlichen Fragen durch Erkenntnisse aus den darauf folgenden Teilen fundiert beantworten zu können. Nachdem die Vorgehensweise erläutert wurde, beginnt mit dem zweiten Teil die Erarbeitung der theoretischen Grundlagen. In diesem Abschnitt werden alle relevan- ten Grundlagen für den dritten und den letzten Teil der Thesis definiert. Hierfür wird zuerst die Rolle der wichtigsten in der Textilindustrie beteiligten Akteure definiert, um danach die Begriffe Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility (CSR) zu er- läutern. Der Begriff Nachhaltigkeit wird definiert und in drei verschiedene Dimensionen unterteilt, die als Grundlage für die Modelle der Nachhaltigkeit dienen. Nachdem der Begriff CSR ebenfalls definiert wurde, wird auf das CSR-Modell nach Carroll einge- gangen, indem alle Ebenen der Verantwortung nach seiner Theorie erläutert werden. Zusätzlich wird das verantwortungsbewusste Verhalten von Unternehmen gemäß der Corporate Social Responsibility in die externe und interne Dimension unterteilt. Im letzten Abschnitt der theoretischen Grundlagen wird die Wertschöpfungskette nach Por- ter betrachtet um die grundlegenden Missstände in der Textilindustrie innerhalb dieser Kette analysieren zu können. Für den praktischen Abschnitt der Ausarbeitung werden vier der wichtigsten deutschen Textilunternehmen als Beispiele gewählt, um ihre Betei- ligung bzw. Präsenz an diesen Ansätzen zu untersuchen. Es wurden die deutschen Un- ternehmen Adidas, Otto, C&A und Takko gewählt, da sie in dem Ranking „Die größten Textileinzelhändler in Deutschland 2010“ der Zeitschrift TextilWirtschaft die höchsten Platzierungen erreichten.10 Dieser dritte Teil der Ausarbeitung beschäftigt sich mit den praktischen Ansätzen von verschiedenen Akteuren zur Handhabung von dem Thema „Nachhaltigkeit“ in der Textilindustrie. Diese sollen die Grundlage für die Erarbeitung von fundierten Handlungsempfehlungen und Realisierungsansätze zur Stärkung des nachhaltigen Bewusstseins bilden. Hierfür wird der Ansatz der Nichtregierungsorgani- sation Kampagne für Saubere Kleidung erläutert, sowie Bezug auf die relevanten Bei- spiele genommen. Die Ansätze der Organisation Fair Wear Foundation sowie die Grundsätze des Gütesiegels Global Organic Textile Standard dienen ebenfalls als Grundlage für die Entwicklung und Ausarbeitung von konkreten Handlungen seitens der beteiligten Akteure. Daraufhin wird der staatliche Ansatz des deutschen Bundes- entwicklungsministers Gerd Müller zur Stärkung des nachhaltigen Bewusstseins unter- sucht, der ein Bündnis für nachhaltige Textilen in der deutschen Textilbranche etablie- ren will. Um ebenfalls einen Realisierungsansatz eines großen, bekannten und internati- onalen Unternehmens zu analysieren, wird als Beispiel das multinationale schwedische Textilunternehmen H&M untersucht. Hierbei werden die Prinzipen der Selbstverpflich- tung gemäß das UN Global Compact, der von H&M eigens formulierte Lieferantenko- dex, auch Code of Conduct, und die nachhaltige Modekollektionsreihe H&M Conscious erläutert und kritisch betrachtet. Die Erkenntnisse aus der Untersuchung der verschiede- nen Ansätze werden im letzten Teil der Thesis zusammengefasst und als Grundlage zur Entwicklung von Handlungsempfehlungen für die deutsche Textilindustrie verwendet, um die wissenschaftliche Fragestellung beantworten zu können, durch welche Handlun- gen die wichtigen Akteure der Textilindustrie Einfluss auf das nachhaltige Bewusstsein haben können. Zusätzlich ist für diese Studienarbeit zu definieren, dass für Personenbe- zeichnungen in allen Teilen das generische Maskulinum verwendet wird, jedoch aus- drücklich auch weibliche Personen mit einbezogen sind.11

2 Theoretische Grundlagen

Im folgenden Abschnitt der Ausarbeitung werden alle relevanten theoretischen Aspekte eingeführt und definiert, die als Grundlage für die folgenden Teile der Untersuchung, sowie für die Erarbeitung von fundierten Handlungsempfehlungen, dienen sollen. Hier- bei werden zunächst die Rollen der beteiligten Akteure in der Textilindustrie untersucht, um daraufhin die Begriffe „Nachhaltigkeit“ und „Corporate Social Responsibility“ zu definieren und zu erläutern. Im letzten Teil der theoretischen Grundlagen wird die Wertschöpfungskette nach Porter beschrieben, um die dort vorherrschenden Missstände besser betrachten zu können.

2.1 Rolle der beteiligten Akteure

Um die Ansätze der an der Textilindustrie beteiligten Akteure zur Stärkung des nach- haltigen Bewusstsein im Folgenden besser untersuchen zu können, werden im nächsten Abschnitt die Rollen dieser Beteiligten beschrieben. Eine Relevanz für diese Ausarbei- tung weisen die Akteure Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen und Staat/Politik auf, welche im Folgenden erläutert werden. Dieses Rollenverständnis dient als Grund- lage für die Betrachtung von unternehmerischen Verpflichtungen im Bezug auf das Thema „Nachhaltigkeit“.

2.1.1 Unternehmen

Die Rolle der Unternehmen in der Textilbranche kann mit der grundlegenden Rolle von Unternehmen nach Robert E. Freeman (1984) gleichgesetzt werden. Aus der Weiter- entwicklung der Theorie von Milton Friedman (1970), der die Rolle von Unternehmen beschränkte auf die Geschäftstätigkeit selbst als ausreichende Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft12, definierte Freeman schon damals einen gegensätzlich stakeholder- orientierten Ansatz. Er sprach den Unternehmen neben ihrer Geschäftstätigkeit auch eine besondere Verantwortung zur Erhaltung oder Verbesserung der Lebensstandards zu.13 Als Grund sah Freeman die erhebliche Einflussnahme der Unternehmen auf ihre Umwelt und die Gesellschaft.14 Diese Verpflichtung gegenüber den Stakeholdern eines Unternehmens kann nur erfüllt werden, wenn sich Unternehmen mit dem Thema Nach- haltigkeit auseinandersetzen und Möglichkeiten für sich entwickeln, dieses verantwor- tungsbewusste Verhalten in ihre Geschäftstätigkeit zu implementieren. Der Schutz der Umwelt, sowie der sorgfältige Umgang mit allen verwendeten Ressourcen, sollen ge- nauso im Unternehmensleitbild verankerte Grundsätze sein, wie das Streben nach Pro- fitmaximierung für die Gewährleistung von ökonomischen Erfolg.15 Jedoch fällt es Un- ternehmen, die mit den Folgen der Globalisierung viele Teile ihrer Wertschöpfungskette outgesourcet haben, schwer, diese Prinzipien in ihrer Geschäftstätigkeit zu befolgen. Da die Unternehmen ihre Aufträge meist an Vermittler weitergeben, und diese dann weiter an mehrere Produzenten geleitet werden, sei eine „(...) lückenlose Überwachung sämtli- cher Produktionsstufen (...) unrealistisch.“16, sagte der Hauptgeschäftsführer der Au- ßenhandelsvereinigung des deutschen Einzelhandels (AVE) Jan Eggert in Bezug auf die Einführung eines nachhaltigen Textilbündnisses in Deutschland angeführt von Bun- desentwicklungsminister Gerd Müller.17

2.1.2 Nichtregierungsorganisationen

Eine Nichtregierungsorganisation (NRO) fasst mehrere Verbände zusammen, wie z.B. kirchlich karitative Organisationen, politische Stiftungen, Selbsthilfevereine und wis- senschaftliche Einrichtungen.18 Sie unterscheiden sich von Regierungsorganisationen und zeichnen sich durch einen freiwillig bestimmten Organisationszweck aus, der sich von dem politischen Zweck staatlicher und dem ökonomischen Zweck privatwirtschaft- licher Organisationen unterscheidet.19 Somit sind materielle und profitorientierte Ziele irrelevant für NRO, da sie zivilgesellschaftlich die Interessen ihrer Mitglieder vertreten bzw. Anliegen der gesamten Menschheit, wie bspw. die Menschenrechte.20 Die Rolle der NRO kann aus politischer Sicht in drei verschiedene Ebenen unterteilt werden:21 Auf lokaler bzw. gesellschaftlichen Ebene gewährleisten sie durch Informationskam- pagnen und Aufklärungsarbeit die Wahrnehmung von Missständen wie Menschen- rechtsverletzungen oder Umweltverschmutzung.22 Das Ziel der NRO auf nationaler bzw staatlicher Ebene umfasst die Veränderung und Weiterentwicklung der Ergebnisse poli- tischer Entscheidungsprozesse.23 Durch die Ausübung dieser Rollen entsteht ein öffent- licher Druck, der Auswirkungen auf die Handlungen der beteiligten Akteure hat.24 Auf internationaler Ebene werden NRO ebenfalls eine wichtige Rolle zugeteilt, da sie die Möglichkeit haben, neue Themenbereiche „(...) auf die internationale Agenda [zu] set- zen, die Norm- und Regelsetzung (...) [zu] beeinflussen, getroffene Übereinkommen mit um[zu]setzen (Implementierung) sowie deren Einhaltung [zu] überwachen (Monito- ring).“25

2.1.3 Staat/Politik

Aus den Vorgaben des Staates geht für Unternehmen hervor, welche Standards sie für eine rechtmäßig ausgeführte Geschäftstätigkeit einhalten müssen und welche vorge- schriebenen Grenzen sie nicht überschreiten dürfen, z.B. den Ausschuss an CO2- Emmisionen.26 Zudem können Prinzipien bzw. Grundsätze, die von staatlichen Organen entwickelt wurden, einen leitbildähnlichen Charakter für Unternehmen darstellen, was an dem Beispiel des UN Global Compact gut zu erkennen ist. Mehr als 8.000 Unter- nehmen aus 145 Ländern der Welt haben sich seit der Gründung des UN Global Com- pact im Jahre 2000 dazu verpflichtet, die ausformulierten Grundsätzen der United Na- tions zu befolgen.27

Somit kann dem Staat eine Regulierungs-, sowie eine Orientierungsfunktion zugesprochen werden, da durch gezielte Vorgaben eine Steuerung der Unternehmen in eine erwünschte bzw. gezielte Richtung stattfinden kann.28

2.2 Nachhaltigkeit

In diesem Abschnitt der Ausarbeitung wird zur Vereinheitlichung des Verständnisses die Entwicklung des Begriffes „Nachhaltigkeit“ beschrieben und eine Definition für diesen Begriff eingeführt. Daraufhin wird die Nachhaltigkeit in drei verschiedene Di- mensionen unterteilt und anhand dieser Dimensionen erläutert. Um den Zusammenhang der drei Dimensionen besser verstehen zu können, werden zusätzlich zwei verschiedene Modelle der Nachhaltigkeit eingeführt, die in den darauffolgenden Teilen Anwendung finden.

2.2.1 Definition und Entwicklung

Der Begriff Nachhaltigkeit hat eine viel längere historische Entwicklung vorzuweisen als die meisten anderen unternehmerischen Ziele der heutigen Zeit.29 Hans Carl von Carlowitz (1645-1714), ein damaliger Oberberghauptmann aus dem kursächsischen Freiburg, der als Gründer des Prinzips der Nachhaltigkeit gilt, formulierte aufgrund ei- ner bevorstehenden Rohstoffkrise 1713 erstmals den nachhaltigen Gedanken aus, dass nur noch so viel Holz geschlagen werden soll, wie viel durch planmäßige Forstwirt- schaft wieder nachwachst.30 Diese Idee sollte eine Revolution für Forstwirtschaft sein, von der die deutsche Bevölkerung mit ihren großen Waldgebieten noch heute profi- tiert.31

Das Wort Nachhaltigkeit findet heute oft Verwendung, jedoch hat es im alltäglichen Lebensgebrauch für viele Menschen verschiedene Bedeutungen.32 „In der Alltagsspra- che meint nachhaltig (...) intensiv, besonders wirksam. (...) [I]m heutigen Sinne geht es eher um die zeitliche Dimension: dauerhaft und zukunftsfähig.“33 Diese zeitliche Aus- richtung auf die zukünftigen Generationen versuchte die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung 1987 mit einer der bekanntesten Definitionen in ihrem Brundtland- Bericht zu beschreiben, indem die „(...) nachhaltige Entwicklung (...) als eine Entwick- lung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können (...)“ definiert wurde.34 Hierfür ist jedoch festzulegen, dass für eine nachhaltige Entwicklung beachtet werden muss, die Wechselwirkung von ökonomischen, ökologischen und sozialen Zielen zu berücksichtigen und diese „(...) unter Berücksichtigung der Anforderungen zukünftiger Generationen umgesetzt werden müssen (Enquete-Kommission 1998)“.35

2.2.2 Dimensionen der Nachhaltigkeit

Im klassischen Sinne werden bei der Analyse des Begriffes Nachhaltigkeit drei wesentliche Dimensionen genannt.36 Im folgenden Abschnitt werden diese Dimensionen definiert und erläutert. Zusätzlich bilden sie die Grundlage für die Entwicklung der darauf folgenden Modelle der Nachhaltigkeit.

2.2.2.1 Ökologische Dimension

Seitdem der Mensch die Erde bevölkert, verändert er dieses Ökosystem dauerhaft nach seinen Bedürfnissen, bspw. durch die Gestaltung von Siedlungs- und Verkehrsflächen.37 Viele dieser Eingriffe verändern das Ökosystem so stark, dass dies die Nutzungsmöglichkeiten von gegenwärtigen und zukünftigen Generationen wesentlich verschlechtert und somit das „Ziel der nachhaltig zukunftsverträglichen Nutzung gefährde[t].“38 Das Aussterben von vielen Tier- und Pflanzenarten ist bspw. ein sicheres Indiz für die Auswirkungen im Zuge der Umweltnutzung durch den Menschen.39

Um solches Aussterben zu verhindern, sollten diese Ökosysteme nicht übermäßig belas- tet werden, um die natürliche Lebensgrundlage für ein gesundes Leben von Menschen und Tieren schützen und erhalten zu können.40 Um dies zu bewerkstelligen, formulierte die Enquete-Kommission Schutz des Menschen und der Umwelt fünf grundlegenden Regelungen, die für das Management der ökologischen Dimension definiert wurden.41 Die ersten vier Grundsätze stellen den verantwortungsbewussten Umgang mit der Funk- tions- und Nutzungsfähigkeit der Natur sicher, indem sie die Entnahme bzw. die Nut- zung von natürlichen Ressourcen auf das Maß beschränkt, welches sich im selben Zeit- raum wieder regenerieren kann.42 So heißt es in dem ersten Grundsatz:

„Die Abbaurate erneuerbarer Ressourcen soll deren Regenerationsrate nicht überschreiten. Dies entspricht der Forderung nach Aufrechterhaltung der ökologischen Leistungsfähigkeit, d. h. (mindestens) nach Erhaltung des von den Funktionen her definierten ökologischen Realkapitals.“43

Durch den fünften Grundsatz wird „die menschliche Gesundheit als wichtiges Kriterium für ökologisches Handeln“ gesichert, indem die Vermeidung von entstehenden Risiken bzw. Gefahren durch unternehmerische Eingriffe in die Natur gefordert wird.44

2.2.2.2 Ökonomische Dimension

Das Wirtschaften von Organisationen oder Unternehmen besitzt als übergeordnete Funktion das ökonomische Prinzip, welches aussagt, dass „(...) bei dem Einsatz von knappen Gütern und Mitteln für unsere Ziele Verschwendung zu vermeiden (...)“ ist.45 Dies kann also als eine Verbindung von ökologischen und sozialen Zielen zum wirt- schaftlichen Vorteil eines Unternehmens gesehen werden, da bedacht mit Ressourcen umgegangen wird, um die Möglichkeiten von künftigen Generationen nicht zu gefähr- den.46 Somit kann die ökonomische Betrachtung von Nachhaltigkeit zusammengefasst werden als die

„(...) Umsetzung gesellschaftlicher und ökologischer Anforderungen in unter- nehmerisches Handeln zur Erzielung von Wettbewerbsvorteilen (...) und ande- rerseits die Möglichkeit von Unternehmen, einen Beitrag zur Schaffung von (...) menschenwürdigen Lebensverhältnissen für alle Menschen zu leisten.“47

Zur Anregung für die ordnungsgemäße Beachtung dieser Dimension formulierte die Enquete -Kommission vier Regelungen aus.48

In dem Ersten dieser Grundsätze wird die Pflicht von dem ökonomischen System be- schrieben, die individuellen und gesellschaftlichen Bedürfnisse zu decken indem es „(...) die persönliche Initiative fördert (Eigenverantwortung) und das Eigeninteresse in den Dienst des Gemeinwohls stellt (Regelverantwortung), um das Wohlergehen der derzeitigen und künftigen Bevölkerung zu sichern.“49 Der zweite und dritte Grundsatz regelt die Funktionsfähigkeit von Preisen und Märkten, sodass die Rahmenbedingungen des Wettbewerbs so gestallten werden können, „(...) dass langfristige Orientierung sich lohnt und der gesellschaftliche Wandel, der zur Anpassung an zukünftige Erfordernisse nötig ist, gefördert wird.“50 Die ökonomische Leistungsfähigkeit, sowie die Erhaltung von Gesellschaft, Sozial- und Humankapital, wird durch den vierten Grundsatz der En- quete-Kommission gewährleistet, der zudem fordert, dass dieses Kapital nicht nur quan- titativ verbessert wird, sondern auch kontinuierlich qualitative Verbesserungen vonstat- tengehen.51

2.2.2.3 Soziale Dimension

Da es für die soziale Dimension viele Definitionen gibt, kann man sie heute auf die Be- ziehung zwischen dem Menschen und der Gesellschaft52 und dem positiven Betrag von Unternehmen zum Erhalt oder zur Verbesserung des gesellschaftlichen Lebensstandards beschränken.53 Die soziale Dimension der Nachhaltigkeit fokussiert sich auf die Vertei- lungsgerechtigkeit im Zugang zu Chancen und Ressourcen im lokalen und globalen Kontext, bspw. zwischen hochentwickelten Industrieländern und weniger entwickelten Schwellen- oder Entwicklungsländer.54 Zudem beinhaltet diese Dimension Ziele wie die (Grund-)Bedürfnisbefriedigung für derzeitige und künftige Generationen, sowie Gleich- stellung der „(...) Geschlechterverhältnisse im Sinne der Schaffung gerechter Lebens- welten für Frauen und Männer.“55

Zur Orientierung für eine ordnungsgemäße Betrachtung der sozialen Dimension schlug die Enquete-Kommission ebenfalls vier Regelungen vor.56 Die erste und wichtigste der ausformulierten Regelungen sichert die Wahrung der Menschenwürde, sowie die Mög- lichkeit der freien Entfaltung für die Persönlichkeit der heutigen und künftigen Genera- tionen.57 In zwei der vier Grundsätze wird das Recht zum Erhalt und die Pflicht zur Leistung eines solidarischen Beitrags von bzw. für die Gesellschaft geregelt, die ent- sprechend der Leistungsfähigkeit und dem Anspruch gemessen werden.58 Die vierte Regelung beschreibt den Erhalt des in der Gesellschaft vorhandenen Leistungspotenzi- als für zukünftige Generationen zur Gewährleistung ihrer Chancengleichheit.59

2.2.3 Modelle der Nachhaltigkeit

Um die Grundsätze der Nachhaltigkeit besser in die Unternehmenstätigkeiten imple- mentieren zu können, wurden verschiedene Modelle entwickelt, die je nach Branche bzw. Unternehmensausrichtung angewendet werden, um die komplexe Sichtweise der Nachhaltigkeit systematisch betrachten zu können.60 Im folgenden Abschnitt wird das Drei-Säulen-Modell und das integrative Nachhaltigkeitsmodell eingeführt und erläutert. Diese Modelle basieren auf den Dimensionen der Nachhaltigkeit und werden in der späteren Untersuchung angewendet.

2.2.3.1 Drei-Säulen-Modell

In diesem Modell werden die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit in nebeneinander stehenden Säulen dargestellt, die als Spitze bzw. als Dach den Hauptbegriff Nachhaltig- keit besitzen.61

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Abb. 1: Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit (Quelle: Bund Hessen2013, S.1)

Hier handelt es sich um das älteste und bekannteste Modell, welches entwickelt wurde, jedoch in der heutigen Zeit nur noch als Grundlage Anwendung findet, da die einzelne Betrachtung jeder Säule als falsche Orientierungsfunktion bezeichnet werden kann.62 Jedoch zeigt das Modell sehr gut, wie sich der nachhaltige Gedanke nach und nach ent- wickelte: Begonnen hat alles mit dem unternehmerischen Ziel der Erzielung von Ge- winnen durch die Unternehmenstätigkeiten (ökonomische Säule), welches dann ergänzt wurde von ökologischen Zielen wie dem bewusstem Umgang mit Ressourcen und dem Umweltschutz.63 „Vor dem Hintergrund, dass nicht mehr nur Arbeitnehmer von um- weltschädigenden Geschäftstätigkeiten (...) betroffen sind, sondern zahlreiche interne und externe Akteure (...), gewann die soziale Säule an Gewicht.“ 64 Das Drei-Säulen-Modell ist somit ein theoretischer Ansatz, der zum Ausgleich der drei verschiedenen Interessenbereichen motivieren soll65 und Unternehmen helfen soll, „(...) das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung im Sinne der Brundtland- Definition zu errei- chen.“66

2.2.3.2 Integratives Nachhaltigkeitsmodell

Dieses Modell stellt einen engen Zusammenhang zwischen den drei Dimensionen der Nachhaltigkeit dar, indem die Grenzen der Dimensionen fließend sind und somit keine einzelne Betrachtung der Säulen mehr zulässt.67 Es wird durch drei gleichgroße Kreise illustriert, die Schnittbereiche mit jeweils einem der anderen Kreise und einen gemein- samen Schnittbereich aufweisen, welcher explizit mit dem Wort „Nachhaltigkeit“ be- zeichnet wird.68 Dies bedeutet, dass alle drei Dimensionen gleichbedeutend sind und in gleiche Weise miteinander interagieren, um nach diesem Leitbild nachhaltig zu han- deln.69

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Abb. 2: Integratives Nachhaltigkeitsmodell (Quelle: Stiftung Umweltbildung Schweiz2012, S.1)

„Wirtschaftswachstum, soziale Sicherheit und ökologische Verfügbarkeit werden als gleich wichtige Zielsetzungen angesehen (...) [und] nachhaltige Entwicklung kann (...) nur durch die Zusammenhänge zwischen den drei Dimensionen ausgedrückt werden.“70

Die Überschneidungen zweier Kreise werden durch einzelne Werte ausgedrückt, welche die verbundene Aussage der beiden Dimensionen klarmachen sollen, wie z.B. die Verbindung der sozialen und ökonomischen Sichtweise in dem Begriff „Gerecht“.71

2.3 Corporate Social Responsibility

Um die Betrachtung der Nachhaltigkeit für Unternehmen zu vereinfachen, wurde der Begriff Corporate Social Responsibility (CSR) eingeführt, dessen Entstehung in dem folgenden Teil der Arbeit erklärt wird. Die Definition des Begriffes sowie das CSR- Modell von Caroll dienen später als Grundlage für die Betrachtung von nachhaltigen Verhalten seitens der Unternehmen. Zudem wird eine fokussierte Betrachtung der sozia- len Verantwortung durchgeführt, welche in die interne und externe Dimension unterteilt wird.

2.3.1 Definition und Entwicklung

Um die soziale Verantwortung von Unternehmen systematisch betrachten zu können, wurde der Begriff CSR eingeführt, der jedoch noch nicht einheitlich definiert wurde.72 Die Europäische Kommission veröffentlichte 2001 in ihrem Grünbuch folgende Defini- tion von CSR, die für die Verantwortung der Unternehmen im Europa gelten soll: Cor- porate Social Responsibility ist ein „(...) Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unterneh- menstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren.“73 Besonders hervorzuheben ist die Freiwilligkeit zur Einhaltung, da diese eine der Grund- prinzipien von CSR ist.74 Dem Prinzip kommt eine sehr hohe Akzeptanz seitens der Unternehmen zugute75, da diese selbst entscheiden können, „(...) in welchem Umfang sie CSR-Aktivitäten umsetzen, (...) und wie sie diese Aktivitäten in ihre Unternehmensstrategie integrieren (...)“76 wollen. Somit müssen Unternehmen selbst erkennen, dass eine Ausrichtung rein auf Profitmaximierung in der heutigen Zeit keinen langfristigen Erfolg gewährleisten kann. In der derzeitigen Informationsgesellschaft hat durch die wachsende Transparenz von Unternehmenstätigkeiten ein Wandel der Werte in der Bevölkerung stattgefunden, welcher die Unternehmen dazu bewegt, sich auch auf soziale und ökologische Belange zu konzentrieren.77

2.3.2 CSR-Modell nach Carroll

Besonders geprägt wurde der Begriff Ende des 20. Jahrhunderts von dem Amerikaner Archie B. Carroll, der schon 1979 ein Modell entwickelte, um die Verantwortung von Unternehmen systematisch analysieren und bewerten zu können.78 Bei der Entwicklung des Pyramiden-Modells von CSR wollte Carroll über die normalen unternehmerischen Verpflichtungen der wirtschaftlichen und gesetzlichen Ebene hinaus „(...) auch eine ethische und philanthropische Ebene (...) [und somit] die gesamte gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen (...)“79 darstellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Abb. 3: CSR-Pyramide nach Carroll (Quelle: Carroll[1991] S.42)

Unter der ökonomischen Verantwortung (economic responsibilities) versteht man die Aufgabe von Unternehmen, Güter und Dienstleistung anzubieten, welche die Bedürfnis- se der Endverbraucher befriedigen und somit zum Erwirtschaften von Profiten für diese Unternehmen führt.80 Diese Verantwortung dient als Grundlage für alle folgenden Teile der Pyramide, da „[a]lle Maßnahmen und Aktivitäten im Bereich CSR (...)“81 auf diese aufbauen.

Die gesetzliche Verantwortung (legal responsibilities) beschreibt die Verpflichtung der Unternehmen zur Einhaltung von Gesetzen und stellt somit eine „(...) Basis für das Zusammenwirken von Wirtschaft und Gesellschaft und d[er] Normen der Gesellschaft (...)“82 dar. Zusammen mit der ökonomischen Verantwortung kann man sie als Grundbaustein für die Entwicklung der freien Marktwirtschaft beschreiben.83 In der heutigen Zeit gilt die Beachtung dieser beiden Ebenen als vorausgesetzt, da ansonsten kein langfristiges Bestehen eines Unternehmens gewährleistet werden kann84

Als ethische Verantwortung (ethical responsibilities) werden die Aktivitäten bezeichnet, die gesetzlich nicht zwingend vorgeschrieben sind, jedoch von der Mehrheit der Bevöl- kerung von den Unternehmen gefordert werden.85 Diese gehen über das gesetzlich ver- ankerte Mindestmaß der legal responsibilities hinaus und dienen somit oft als Grundla- ge zur Formulierung von neuen Gesetzen, wodurch beide in einer Wechselbeziehung zueinander stehen.86 Die philanthropische Verantwortung (philanthropic responsibili- ties) kann als das Engagement von Unternehmen bezeichnet werden, sich z.B. durch Beteiligung an sozialen Projekten als verantwortungsbewusster Teil der Gesellschaft darzustellen.87

Unterschied zwischen der ethischen und der philanthropischen Verantwortung sei nach Ansicht von Carroll die Freiwilligkeit zur Wahrnehmung der philanthropischen Ebe- ne.88

2.3.3 Soziale Verantwortung von Unternehmen

Im Sinne der CSR wird die soziale Verantwortung von Unternehmen in die interne und die externe Dimension unterteilt.

[...]


1 Vgl. Jacoangeli[2014],S.6.

2 Vgl. Jacoangeli[2014],S.6f.

3 Vgl. Buchberger[2002],S.13f.

4 Vgl. Buchberger[2002],S.14.

5 Vgl. Buchberger[2002],S.18.

6 Vgl. Engelbrecht[2004], S.18f.

7 Vgl. König[2004], o.S.

8 Vgl. Buchberger[2002], S.18.

9 Vgl. König[2004], o.S.

10 Vgl. TextilWirtschaft[2011], S.1.

11 Vgl. Helmke[2011], S.14.

12 Vgl. Friedman[1970], o.S.

13 Vgl. Freeman[1984], S.230.

14 Vgl. Jonker/Stark/Tewes[2011], S.25.

15 Vgl. Jonker/Stark/Tewes[2011], S.25.

16 Stalinski[2014], o.S.

17 Vgl. Stalinski[2014], o.S.

18 Vgl. Akkaya[2012], S.60.

19 Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung[2010], o.S.

20 Vgl.Akkaya[2012], S.60.

21 Vgl. Brühl[2003], S.42.

22 Vgl. Brühl[2003], S.42.

23 Vgl. Brühl[2003], S.42.

24 Vgl. Akkaya[2012], S.62f.

25 Brühl[2003], S.42.

26 Vgl. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit2014, o.S.

27 Vgl. United Nations Global Compact [Deutsch], o.S.

28 Vgl. Walkenhaus[2006], S.26.

29 Vgl. Colsman[2013], S.11.

30 Vgl. Colsman[2013], S.11.

31 Vgl. Colsman[2013], S.12f.

32 Vgl. Blessing/Hutter/Köthe2012, S.18.

33 Blessing/Hutter/Köthe[2012], S.18.

34 Blessing/Hutter/Köthe[2012], S.18.

35 Walther[2010], S.10.

36 Vgl. Colsman[2013], S.14.

37 Vgl. Bundestag[1998], S.25.

38 Bundestag[1998], S.25.

39 Bundestag[1998], S.25.

40 Vgl. Bundestag[1998], S.25.

41 Vgl. Bundestag[1998], S.25.

42 Vgl. Bundestag[1998], S.25.

43 Bundestag[1998], S.25.

44 Vgl. Bundestag[1998], S.25.

45 Behrens/Kirspel[2010], S.58.

46 Vgl. Balderjahn[2004], S.21.

47 Balderjahn[2004], S.21.

48 Vgl. Bundestag[1998], S.26.

49 Bundestag[1998], S.26.

50 Bundestag[1998], S.26.

51 Vgl. Bundestag[1998], S.27.

52 Vgl. Dubielzig[2009], S.12f.

53 Vgl. von Hauff/Kleine[2009], S.21.

54 Vgl. Bauer[2008], o.S.

55 Bauer[2008], o.S.

56 Vgl. Bundestag[1998], S.28.

57 Vgl. Bundestag[1998], S.28.

58 Vgl. Bundestag[1998], S.28.

59 Vgl. Bundestag[1998], S.28.

60 Vgl. Pufé[2014], S. 118.

61 Vgl. Pufé[2014], S. 118.

62 Vgl. Pufé[2014], S. 120.

63 Vgl. Pufé[2014], S. 119.

64 Pufé[2014], S. 119.

65 Vgl. Lexikon der Nachhaltigkeit [Lexikon], o.S.

66 Lexikon der Nachhaltigkeit [Lexikon], o.S.

67 Vgl. Pufé[2014], S. 120f.

68 Vgl. education21[2012], S.2.

69 Vgl. education21[2012], S.2.

70 education21[2012], S.2.

71 Vgl. Pufé[2014], S. 121.

72 Vgl. Kuhlen[2005], S.7.

73 Kuhlen[2005], S.7.

74 Vgl. Kuhlen[2005], S.12f.

75 Vgl. Kuhlen[2005], S.12.

76 Kuhlen[2005], S.12.

77 Vgl. Kuhlen[2005], S.7f.

78 Vgl. Müller/Schaltegger[2008], S.19f.

79 Mayerhofer/Mertzbach/Grusch[2009], S.12.

80 Vgl. Carroll[1991], S.42.

81 Mayerhofer/Mertzbach/Grusch[2009], S.13.

82 Mayerhofer/Mertzbach/Grusch[2009], S.13.

83 Vgl. Mayerhofer/Mertzbach/Grusch[2009], S.13.

84 Vgl. Müller/Schaltegger[2008], S.20f.

85 Vgl. Carroll[1991], S.42.

86 Vgl. Mayerhofer/Mertzbach/Grusch[2009], S.13.

87 Vgl. Mayerhofer/Mertzbach/Grusch[2009], S.13.

88 Vgl. Carroll[1991] S.42f.

Details

Seiten
67
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656919674
ISBN (Buch)
9783656919681
Dateigröße
783 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v294361
Institution / Hochschule
Hochschule Fresenius; Hamburg
Note
2,0
Schlagworte
Nachhaltigkeit Textilindustrie H&M Textil-Bündnis Handlungsempfehlungen Realisierungsansätze

Autor

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Titel: Nachhaltigkeit in der deutschen Textilindustrie. Realisierungsansätze und Handlungsempfehlungen zur Stärkung des nachhaltigen Bewusstseins