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Komposition IV von Wassily Kandinsky. Bildanalyse, Geschichte und Deutung

Referat (Ausarbeitung) 2015 20 Seiten

Kunst - Malerei

Leseprobe

INHALT

Bildanalyse

Bildgeschichte

Vorstudien und Variationen

Deutung an Hand von Kandinskys „nachträglichem Definieren“

Referenzen 18

Literaturverzeichnis

Nachwort

BILDANALYSE

Die Komposition IV von Kandinsky ist 160 x 250 cm groß, ein Breitformat in Öl auf Leinwand gemalt. In der linken unteren Ecke trägt das Bild die Signatur „Kandinsky 1911“. Das Werk befindet sich in Düsseldorf in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen im Schloss Jägerhof.

Dargestellt ist eine Komposition aus Linien, Formen und Farben. Der diagonale Bildaufbau ruft den Eindruck der Bewegung von links unten nach rechts oben hervor. Wird dieser diagonale Sog am Anfang noch durch Gegenbewegungen gehemmt, so werden diese seltener, je mehr sich Formen, Farben und Linien der rechten oberen Bildecke nähern.

Versucht der Betrachter das Bild von links nach rechts zu lesen, so wird ihm dies durch diagonale Gegenbewegungen von Linien und Farben erschwert. Wie Stacheln anmutende vertikale Striche versuchen ihm den Zugang zu versperren. Versucht er nun das Bild vom Mittelpunkt ausgehend zu erfassen, so erschweren ihm zwei baumstammartige breite, vertikal aufsteigende Linien, die den oberen und unteren Bildrand anschneiden, den Zutritt.

Diese, wie Repoussoirs wirkenden breiten, schwarzen, sich nach oben verjüngenden Linien verlaufen wenig links von der senkrechten Mittelachse. Sie teilen das Bild in eine linke bewegtere und eine rechte ruhigere Hälfte.

Der Eindruck der Unruhe in der linken Hälfte entsteht durch die Verschiedenartigkeit der Linien und die Verteilung der Farben. Wir sehen links breite, ausgefranste Zickzacklinien; parallele kurze, wie Nadeln wirkende Striche; bündelweise angeordnete, unregelmäßig verlaufende, hochragende Linien von unregelmäßigem Druck und schnellem Richtungswechsel, spitz auslaufend, gegeneinander aufgerichtet, sich ineinander verschlingend. Farben mit Linien oder Farben ohne Linien formen kleine, unregelmäßíge Motive, die, nach oben ineinander übergehend, den lichtstarken Hintergrund des Liniengeschehens bilden.

Rechts führen die Linien nicht das ausgeprägte Eigenleben wie auf der linken Seite. Sie sind hauptsächlich als Konturen eingesetzt. Sie verlaufen meist ruhig und gleichmäßig, von weinigen spitzen Winkeln unterbrochen, Verraten auch die drei Parallelen, die sich von der Mitte des unteren Bildrandes nach rechts hinziehen, eine große innere Unruhe, so stimmen sie doch in die allgemeine Richtung mit ein. Nur wenige Gegenbewegungen sind vorhanden, doch sie wirken eher stützend als hemmend. Große Farbformen verstärken den Eindruck der Ruhe.

Eine Teilung des Bildes an der waagerechten Mittellinie zeigt, daß auch die nun entstehenden beiden Bildteile nicht gleich bewegt sind. Der untere Teil mutet ruhiger, schwerer an, der obere leichter, bewegter. Während im oberen Teil die Farbe wie ein schwebendes, bewegtes dem diagonalen Sog untergeordnetes Element anmutet, ist sie im unteren Teil des Bildes abgegrenzt, von breiten oder weniger breiten Linien eingefangen. Die so entstehenden Flächen sind durch ineinander übergehende Farbnuancen modelliert. Linien und Farben haben hier noch eine direkte Beziehung zueinander, während in der oberen Bildhälfte sich Strich und Farbe getrennt der Gesamtkomposition unterordnen.

Die dominierenden Farben des Bildes sind Zitronengelb und Kobaltblau. Als Nebenfarben erscheinen Zinnoberrot, Smaragdgrün, Violett, Weiß und Schwarz. Auffallend bei der Farbanordnung ist der blau-gelbe Komplementärkontrast. Weniger direkt, aber dennoch vorhanden, der Komplementärkontrast rot-grün. Den Übergang zwischen den intensiven Farben bilden transparente Weißmischungen. Die lieblich-süße Farbgebung steht in beunruhigendem Kontrast zu dem oft rauen, spitzen, schwarzen Liniengefüge.

Durch die Schichtung der verschiedenen Formen entsteht eine räumliche Perspektive, die noch durch die Größe der Figuren im Vordergrund verstärkt wird. Der Berg in der vorderen Mitte erlangt durch Farbe und Ausmaße beherrschenden Charakter. Er füllt etwa ein Fünftel der Bildfläche, die in hellen transparenten Gelb-weiß-blau-Tönen gemalt ist, die an der oberen Begrenzungslinie in ein dichtes Blau übergehen. Der Übergang wird in der linken oberen Hälfte von kleinen roten und rosa Farbtupfern durchbrochen. In ihrer Anordnung erinnern sie an kleine Häuschen mit roten Dächern.

Der „Berg“ wird von einem fünfeckigen Liniengebilde überragt. Links daneben, wo sich die Linien im spitzen Winkel gegeneinander erheben, kommt es zu dramatischen Verschlingungen. Durch sie schwingt sich in einer Gegenbewegung eine von spitzen Linienbündeln angestochene tierkopfähnliche Form auf einen Regenbogen zu. Dieser schafft die Verbindung zwischen dem großen blauen Berg in der Mitte und den links daneben angeordneten Berghängen. Parallele Striche in der Gegenbewegung zum unteren Berghang richten ihre Spitzen auf eine runde, gelbe, dunkel umrandete sonnenähnliche Scheibe, die sich schutzsuchend hinter den blauen Berg zu ducken scheint. Von dieser Scheibe geht eine direkte Verbindung über die Bilddiagonale zu einem anderen sonnenähnlichen Gebilde in der rechten oberen Ecke des Bildes. So beengt die untere Kreiskomposition wirkt, so befreit wirkt die obere. Sie schwebt auf durchsichtig weißem Grund in hellen Gelbtönen dahin. Die rosa-lila Umrandung ist gesprengt. Sie zieht an hochragenden Türmen vorbei, dem allgemeinen Sog folgend, nach rechts oben. Die Türme überragen einen spitzen, hellgelben Berg, der aus lila blauen Wolken emporzusteigen scheint. Seine Begrenzungslinien stehen in ihrem Zickzackverlauf sehr im Gegensatz zu der ruhigen Umrandung des blauen Berges. Eine formale Verbindung der blauen Berge entsteht durch die davor gelagerte Figur, die sich von der unteren Bildmitte diagonal nach rechts bis zur Mittellinie hinzieht.

Durch den Eindruck der Schwere in der unteren Bildhälfte und des Leichten, Schwebenden in der oberen werden Erinnerungen an eine Landschaft hervorgerufen, durch die Motive im Vordergrund, die sich als Berghänge, Regenbogen, Sonne, Berge, Häuser und Türme deuten lassen, an eine Berglandschaft .Im zweiten Plan spielt sich Bedrohliches ab, jedoch wird alles Geschehen von einem freundlichen Himmel überspannt.

BILDGESCHICHTE

Die Komposition IV entstand im Februar 1911 und wurde bei der Neuen Sezession in Berlin im gleichen Jahr ausgestellt.

Kandinsky war sparsam mit der Vergabe des Titels „Komposition“. In seinen Kompositionen, die aufgrund von Vorstudien und Entwürfen entstanden waren, sah er seine wichtigsten Werke. Er sagte 1913 in den „Rückblicken“: „Bei dem Wort „Komposition“ wurde ich innerlich erschüttert und stellte später zu meinem Lebensziel eine „Komposition“ zu malen. Dieses Wort selbst wirkte auf mich wie ein Gebet. Es erfüllte mich mit Ehrfurcht“ (1).

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Details

Seiten
20
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668083097
ISBN (Buch)
9783668083103
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v294320
Institution / Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)
Note
Schlagworte
komposition wassily kandinsky bildanalyse geschichte deutung

Autor

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Titel: Komposition IV von Wassily Kandinsky. Bildanalyse, Geschichte und Deutung