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Das Prinzip des Bevölkerungswachstums von Thomas Robert Malthus

Historischer Hintergrund, Theorie, Kritik und dessen Aktualität

Hausarbeit 2015 27 Seiten

VWL - Makroökonomie, allgemein

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Historischer Hintergrund

3 Biographie

4 Die Bevölkerungstheorie
4.1 Übersicht
4.2 Inhalt der Bücher
4.2.1 Buch 1 - Hemmnisse in unzivilisierten Gesellschaften
4.2.2 Buch 2 - Hemmnisse im modernen Europa
4.2.3 Buch 3 - aktuelle Systeme gegen das Bevölkerungswachstum
4.2.4 Buch 4 - Zukunftsaussichten und Handlungsempfehlung
4.3 Die Malthusianische Katastrophe
4.4 Auswirkungen
4.5 Kritik

5 Aktualität

6 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis I

1 Einleitung

Thomas Robert Malthus war der erste englische Professor für Geschichte und Ökonomie und Pfarrer. Mit der vorerst anonymen Veröffentlichung seines Bevölkerungsgesetzes schaffte er es in kürzester Zeit gleichermaßen zu Anerkennung und Kritik von Ökonomen, Politikern und Naturwissenschaftlern aller Welt. Erst als Streitschrift für seinen Vater verfasst, hat Malthus 5 weiter Überarbeitungen veröffentlicht. Sein Hauptwerk hatte großen Einfluss auf die Politik und die Gesetzgebung in England am Anfang des 19. Jahrhunderts und sein Gedankengut ist heute noch aktuell. Diese Vertiefungsarbeit im Fach Makroökonomie und Wirtschaftspolitik befasst sich mit dem Bevölkerungsgesetz von Thomas Robert Malthus. Zum Einstieg behandelt das erste Kapitel die damals vorherrschenden politischen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse Großbritanniens im 18. Jahrhundert in die Thomas Robert Malthus hineingeboren wurde. Sie waren geprägt vom wirtschaftlichen Umschwung, technischen Innovationen, demografischem Wandel und sozialer Probleme. Das nächste Kapitel beinhaltet eine kurze Biographie, in der die Beziehung von Malthus zu seinem Vater eine besondere Rolle spielt. Das Hauptkapitel beschreibt das Bevölkerungsgesetz. Grundlage für die Zusammenfassung der vier Bücher war die deutsche Übersetzung von Malthus‘ Hauptwerk „An Essay on the Principle of Population“ von Valentine Dorn aus dem Jahr 1924. Weiterhin wird in diesem Kapitel die unmittelbare positive und negative Kritik beschrieben die das Werk nach seiner Veröffentlichung ausgelöst hat. Zuspruch fand es hauptsächlich aus den Reihen der Wirtschaftsliberalisten und Evolutionstheoretikern, während es bei den Sozialisten auf große Ablehnung gestoßen ist. Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit der Anwendung des Gedankenguts von Thomas Robert Malthus in der Neuzeit. Faszinierenderweise findet man im letzten Jahrhundert einige Anwendungsfälle der Malthusianischen Vorgehensweise und auch in den aktuellen politischen Diskussionen befinden sich Anteile von Malthus Bevölkerungstheorie oder den Lösungsansätzen bezüglich Bevölkerungswachstum oder Einkommensumverteilung. Dabei sind diese damals wie heute heftig umstritten und diskutiert.

2 Historischer Hintergrund

Um die Gedankengänge eines Ökonomen verstehen zu können, müssen auch die jeweiligen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Rahmenbedingungen berücksichtigt werden. Thomas Robert Malthus wurde in eine Zeit des wirtschaftlichen Umschwungs hineingeboren: der Merkantilismus wurde zu Beginn seiner Lebzeiten langsam vom wirtschaftlichen Liberalismus abgelöst. Typisch für den Merkantilismus, der Großbritannien zu einer Weltmacht führte, waren staatlich regulierte Monopole und die Kontrolle des Außenhandels. Die Regularien wurden zur Unterbindung von Importen und der Rohstoffexporte und zur Förderung zum Warenexport genutzt. Großbritannien strebte nach Kolonien, welchen die Wirtschaft durch das Mutterland aufgezwungen wurde. So wurde diesen die Produktion von Rohstoffen vorgeschrieben und der Handel mit anderen Nationen verboten. Ziel war es, große Mengen an Edelmetallen in das eigene Land zu wirtschaften, da die Größe der Edelmetallvorräte als Indikator für den Wohlstand einem Land zählte. Außerdem wurden die landwirtschaftlich genutzten Flächen stark vergrößert wodurch sich die Produktivität im Agrarbereich deutlich erhöhte. Dies hatte niedrigere Lebensmittel- preise und freie Arbeitskräfte für die Arbeit in Manufakturen zur Folge. Den Gewinn der französischen Kolonien in Kanada und Indien verdankt Großbritannien seinem König Georg III. Dessen Kolonialpolitik hatte jedoch nicht nur Vorteile: Durch die strengen Regularien wurden die Kolonien mehr und mehr eingeengt was zu Aufständen (z.B. die Boston Tea Party um 1773) und letztendlich zum Unabhängigkeitskrieg der Kolonien gegen deren Mutterländer führte. Großbritannien verlor von 1775 bis 1783 große Teile seiner nordamerikanischen Kolonien in diesem Krieg, was ein herber Rückschlag für die Weltmacht Großbritannien war. In den darauffolgenden Jahren wurde das Land stark von den Geschehnissen der französischen Revolution und deren Motto „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ beeinflusst. Diese politischen Ereignisse führten letztendlich zum Umbruch der bestehenden Wirtschaftspolitik. Aus dem Merkantilismus wurde nach und nach der Wirtschaftsliberalismus. Charakterisierend für diese Wirtschaftspolitik im Sinne des Philosophen Adam Smith ist, dass wirtschaftliche Vorgänge nicht mehr durch den Staat gelenkt oder kontrolliert werden. Ein freier deregulierter Markt - Angebot und Nachfrage ohne staatliche Eingriffe - schafft es, sich ständig selbst zu erhalten. Die Konflikte zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen selbstständig gelöst werden. Adam Smith arbeitete in seiner „Theorie der Absoluten Kostenvorteile“ heraus, dass ein deregulierter Außenhandel und internationale Arbeitsteilung Vorteile für alle beteiligten Länder bringt. Jedes Land müsse sich auf die Produktion derjenigen Güter spezialisieren die es effektiver und effizienter als andere Länder herstellen kann und somit einen absoluten Kostenvorteil hat. Speziell diese Aussage steht gegen den in den Jahrzehnten vorher gelebten Merkantilismus, welcher den Import von Fertigprodukten strikt verboten oder mit hohen Zöllen belegt hatte. Auch das Horten von Edelmetallen führte laut Smith nur zu einer Inflation im Land. Der neue Indikator für Wohlstand und Wirtschaftsleistung einer Nation war nach Smiths Lehre die Gütermenge und die Arbeitsleistung. Der Wirtschaftsliberalismus Großbritanniens Anfang des 19. Jahrhunderts wurde auch als Manchesterliberalismus bezeichnet und stellte eine extreme Form dieser Wirtschaftspolitik, jedoch keine eigenständige und in sich konsistente Theorie dar. Den Ursprung hatte diese Bewegung in sehr unterschiedlichen Gruppierungen, welche gemeinsamt gegen die Kornzölle und in großen Teilen gegen das staatliche Handeln in der Wirtschaft einstanden. Die 3 Hauptforderungen der Bewegung waren Freihandel, Beschränkung des Staates, Antikolonialismus und Abschaffung der Sklaverei1.

Wie in der Politik hat sich im 18. und 19. Jahrhundert auch in der Wirtschaft vieles grundlegend verändert. Grundlage für diese Veränderung in Großbritannien brachten neue wirtschaftliche Erkenntnisse und Erfindungen in dieser Zeit. Ingenieure entwickelten und patentierten Maschinen, womit sich sowohl die Qualität der Produkte als auch die Produktivität der Betriebe steigern ließen. Den Anfang machte die mechanische Spinnmaschine im Jahr 1764. Ein weiteres wichtiges Patent war die Dampfmaschine, welche James Watt im Jahr 1769 angemeldet hat. Durch sie wurde die Industrie unabhängig von Wind- und Wasserkraft. Nur abhängig von Kohle oder anderen Brennstoffen konnten Betriebe durchgängig produzieren. Außerdem ermöglichte die Dampfmaschine die Erfindung der Eisenbahn und der Dampfschiff- fahrt, was das Transportwesen revolutionierte. Der Ausbau der Kohle- und Stahlförderung im Land brachte wichtige Ressourcen für den Ausbau der Industrie. Allein die Kohleförderung stieg im Laufe des 18. Jahrhunderts um 400%2. Durch die Verbesserung des einige Jahrhunderte vorher erfundenen Buchdrucks ließ sich Wissen nun schneller und effektiver verteilen und stand somit mehr Leuten zur Verfügung. Es entstanden die ersten Universitäten in Großbritannien. Die Ausweitung des Agrarlandes hatte eine sichere Nahrungsversorgung zur Folge, womit Arbeitskraft für andere produzierende Gewerbe frei wurde. Auch der Bereich der Medizin machte bedeutende Fortschritte. So wurde die Impfung erfunden und manche Krankheiten waren nun nicht mehr tödlich. Diese Zeit des Aufschwungs nannte man Industrialisierung oder industrielle Revolution. Durch Verbesserungen der Nahrungsmittelversorgung und Hygiene sank die Sterberate und es folgte ein Bevölkerungswachstum. Mehrere gute Ernten in Folge führten gegen Ende des 18. Jahrhunderts zu niedrigen Lebensmittelpreisen wodurch die Familien mehr Kinder ernähren konnten. Die Städte wurden zu Industriemittelpunkten was eine Landflucht bzw. eine Urbanisierung zur Folge hatte. Immer mehr Menschen zogen auf der Suche nach gut bezahlter Arbeit und hohem Lebensstandard in die Städte. Dies hatte nicht nur Vorteile: die industrielle Massenproduktion und Mechanisierung der Arbeitsschritte machten den Produktionsfaktor Mensch immer unwichtiger. Was folgte war ein Überangebot an Arbeitskräften in den Städten, damit auch sinkende Löhne und die Verarmung und Verelendung ganzer Stadtviertel während die Besitzer der Firmen und Fabriken zu Wohlstand kamen3. Die Gesellschaft zerbrach in die zwei Klassen Unternehmer und Arbeiter. Der vorherrschende Wirtschaftsliberalis- mus hat ein Einmischen des Staates und somit gerechtere Arbeitsbedingungen und Entlohnung unterbunden. Um das menschliche Elend, was gekoppelt mit dem wirtschaftlichen Aufschwung aufkam, etwas zu mildern, wurden in Großbritannien Sozialeinrichtungen eingeführt: Es wurden Mindestanforderungen für sanitäre Einrichtungen und für den Wohnungsbau festgelegt. Mit der Einführung der Scotland Yard - einer Polizei - wurde für öffentliche Ordnung und sozialen Frieden im Land gesorgt. Die Ausbeutung der Frauen und Kinder durch lange Arbeitszeiten und zu geringe Entlohnung wurde 1830 durch die Fabrikarbeitsgesetze geregelt. Auch das Armengesetz, welches 1601 durch Elisabeth I erlassen wurde, hatte noch Gültigkeit. Es gilt als einer der ersten sozialpolitischen Eingriffe eines Staates überhaupt. Es garantiert jedem Armen das Recht auf Unterstützung durch die Gemeinden, welche diese Unterstützung durch die Armensteuer finanzierten. Die Unterstützungen gab es meist in Form von Naturalien. Um die Bevölkerung von der Armenhilfe zur Arbeit zu bekommen wurden abschreckende Methoden genutzt. In öffentlichen Sitzungen musste ein Antrag gestellt werden, die Namen der Armen wurden an Wänden angeschlagen, das Wahlrecht wurde entzogen und ab 1697 wurde die Kleidung der Armen markiert. Im selben Jahr errichtete man Arbeitshäuser, in denen Menschen Unterstützung erhielten, wenn sie bereit waren, dort zu arbeiten und zu leben. Gegen Ende des Jahrhunderts entwickelten sich diese Arbeitshäuser zu Sammelbecken für Menschen mit körperlichen und psychischen Krankheiten und umfassten über 100.000 Menschen. Trotzdem lässt sich nachweisen, dass die immer härter werdenden Bedingungen in den Lagern die Zahl der Almosenempfänger nicht verringert hatte. Sicherlich waren der Bevölkerungszuwachs und die Urbanisierung die Hauptgründe für einen solchen Anstieg. Aber auch die Einstellung gegenüber der Armut war entscheidend: Sie galt als Gott gegeben und wurde (vorerst) nicht kritisiert. Die Kriminalität unter der steigenden Zahl der Bettler stieg drastisch an. Im Jahr 1830 waren die Ausgaben aufgrund der Armengesetze höher als alle anderen kommunalen Ausgaben des Landes.4

Nach und Nach wurde dieses System von Ökologen, Juristen und Philosophen immer stärker kritisiert. Joseph Townsend, einer der ersten Kritiker der Armengesetze der ersten Generation, rügt die Entwicklung der Armengesetze in seiner Dissertation „hber die Armengesetze - Streitschrift eines Menschenfreundes“ im Jahr 1786 folgendermaßen: „Die Gesetzgebung hat freilich dafür gesorgt, dass sie Unterstützung erhalten, und die Beiträge, die zu ihrer Fürsorge gesammelt werden, sind mehr als großzügig; aber da die Gesetze ungeeignet für die Zwecke sind, die sie erfüllen sollten, und da das eingesammelte Geld durchaus falsch verwendet wird, ist die Fürsorge, die ursprünglich den Fleißigen in Not zukommen sollte, kaum mehr als eine Ermutigung zu Müßiggang und Lasterleben.“5 Das Gesetz, was einst gut funktioniert hatte, war den aktuellen Herausforderungen der Industrialisierung nicht mehr gewachsen. Einst für die Fleißigen in der Not gedachte Unterstützung wird so zum ermutigenden Fangbecken der Faulen. Weiterhin gab er zu verstehen, dass die Armengesetze die Wirtschaft Großbritanniens Ende des 18. Jahrhunderts lähmen: „In einem Land, wo Ackerbau, Handwerkskunst, Manufakturen und Handel in Blüte stehen und sich gegenseitig bestärken, mag es seltsam erscheinen, wenn man sagt, dass die Gesetze gegen Manufakturen arbeiten; und doch kann man dies von den Armengesetzen in England behaupten. Mit unserem gegenwärtigen System erschweren wir die Gründung von Manufakturen, verlangsamen ihren Fortschritt und beschleunigen ihren Abbruch.“6 Die Gründe dafür sind die steigenden Steuerlasten durch die Armengesetze: Jeder Grundbesitzer ist zur Fürsorge einer wachsenden Anzahl von Armen verpflichtet. Diese Abgaben sind zwingend und unabhängig vom Gewinn desjenigen Betriebes oder Manufaktur, womit sich das unternehmerische Risiko bei einem Scheitern deutlich erhöht. Die Armen waren durch ihre Arbeitslager an die Gemeinden gebunden und durften diese nicht verlassen, was dazu führte, dass Arme keine Arbeit in anderen Regionen annehmen durften und die Betreiber aufgrund des fehlenden Arbeitnehmerwettbewerbes in einigen Teilen des Langes höhere Löhne zahlen müssen. Durch die hohen Löhne waren Produkte international nicht mehr wettbewerbsfähig und die gesamte wirtschaftliche Lage Großbritanniens beispielsweise gegenüber Irland oder Deutschland verschlechterte sich.

Auch andere berühmte Persönlichkeiten dieser Zeit teilten Townsends Meinungen. Unter anderem der Schriftsteller Daniel Defoe („Robinson Crusoe“), Edmund Burke (Vater des Konservatismus) oder Jeremy Bentham (Begründer des Utilitarismus) waren der Überzeugung, dass die Wohlfahrt eines Einzelnen nicht die Aufgabe eines Staates sein kann. Zwischenzeitlich kam Thomas Robert Malthus auf die Tagesordnung und unterstützte die Thesen mit seinem Bevölkerungsgesetz, mehr dazu in den nachfolgenden Kapiteln. Im Jahre 1832 wurde „Royal Commission into the Operation of the Poor Laws” ins Leben gerufen um die Missstände aufzuzeigen und Wege zu erarbeiten diese abzuschaffen. Das Armengesetz wurde überarbeitete und 1834 unter dem Namen „Poor Law Amendment Act“, auch bekannt als „das neue Armengesetz“, veröffentlicht, welche stark von der Malthusianische Denkweise und dem Utilitarismus geprägt wurden.

3 Biographie

Thomas Robert Malthus wurde am 27.02.1766 in Guildford in England geboren. Er war einer von sieben Geschwistern und war der zweitgeborene Sohn in der Zeit des Erstgeborenenrechts in England. Die Familie war angesehen und wohlhaben. Sein Vater - Daniel Malthus - vererbte seinem Sohn das wissenschaftliche Interesse, während aber der Vater ein begeisterter Anhänger Rousseaus und Condorcets war und deren weltverbessernden Ansichten war, zeigte sich Thomas davon unbeeindruckt. In den ersten Jahren kümmerte sich der Vater um die Bildung des Sohnes, später erhielt Thomas Privatunterricht von Richard Graves und Gilbert Wakefield. Seinen Lehrern war aufgefallen, dass er sich gerne zu Streitgesprächen einlässt und darin stets begründet argumentiert. Im Jahr 1784 begann er ein Studium in den Hauptfächern Mathematik und Theologie am Jesus College der Universität Cambridge, wo er sein Examen mit Auszeichnung bestand. 1798 nahm er die Stelle eines Pfarrers in Albury, Surrey. Malthus eignete sich Kenntnisse über die Literatur, Politik und politische Vorgänge an. Speziell die Werke von David Hume, Adam Smith, Robert Wallace, Richard Price und Benjamin Franklin beschäftigten ihn7. Im Jahr 1793 veröffentlichte William Godwin das Buch „Political Justice“, in dem eine Zukunft voller Glückseligkeit und ohne Verbrechen oder Leid beschrieben wird. Der Franzose Marquis de Condorcet prophezeite 1794 unter dem Titel „The Future Progress of the Human Mind” utopische zukünftige Zustände auf der Welt. Diese Bücher trafen die Ansichten des Vaters während der Sohn mit den Theorien und Veröffentlichungen von Joseph Townsend sympathisierte. Um seinen Vater zu überzeugen entschied sich Thomas dazu, seine Argumentation gegen dieses Werk schriftlich zu verfassen. Dieser war so begeistert davon, dass er vorgab, dieses zu veröffentlichen. So erschienen Thomas Robert Malthus Thesen 1798 anonym unter dem Titel „An Essay on the Principle of Population, as it affects the future improvement of society with remarks on the speculations of Mr. Godwin, M. Condorcet, and other writers”. Darin wird die herrschende Lehre des unbegrenzten Bevölkerungswachstums und unbedingten Segen in Frage gestellt und gegenüber Goldwin, Hume und Wallace provoziert. „Auf nur wenigen Seiten zog der junge Malthus mit seiner Schrift den begnadetsten Denkern seiner Zeit den argumentativen Boden unter den Füßen weg und ließ gegen die allgemeinen Fortschrittserwartungen das Bild einer mageren, entbehrungsreichen und frostigen Zukunft aufscheinen“8. Aber neben dem Aufsehen erfuhr Malthus auch Kritik an seiner Argumentation. Dies bewegte ihn dann, weitere Nachforschungen anzustellen und seine Forschungen zu diesem Thema zu vertiefen. In den beiden folgenden Jahren reiste Malthus durch Deutschland, Schweden, Norwegen, Finnland, Russland, Frankreich und die Schweiz, wo er auf der Suche nach Abhandlungen, Berichten, Erfahrungen und Kennzahlen war, die seine Thesen begründen und bestärken. Im Jahr 1803 veröffentlichte er seine überarbeitete und verlängerte Version „An Essay on the Principle of Population; or, a view of its past and present effects on human happiness; with an enquiry into our prospects respecting the future removal or mitigation of the evils which it occasions” unter seinem Namen. Dieses Werk brachte ihm die Anerkennung, die er sich damit erhofft hatte. Ein Jahr später wurde Malthus Professor für Geschichte und Politische Ökonomie am College in Haileybury, womit er der erste englische Professor in diesem Gebiet war. Im selben Jahr heiratete er seine Cousine dritten Grades Harriet Eckersall im Alter von 38 Jahren und zeugte mit ihr drei Kinder. Auch hier war er anders als sein Vater, der mit 22 Jahren heiratete und sieben Kinder hatte. Als Professor widmete er sich nationalökonomischen Themen wie beispielsweise dem Grundrentenproblem oder dem Korngesetzen in Großbritannien, wozu er einige kleine Schriften verfasste. 1820 veröffentlichte Malthus noch ein weiteres Werk „Principles of Political Economy“, in den er unter anderem das Saysche Theorem („Jedes Angebot schafft sich seine Nachfrage selbst“) attackiert. Am Höhepunkt seines politischen Einflusses und kurz nach der Überarbeitung der Armengesetze in England starb Thomas Robert Malthus 1834 im Alter von 68 Jahren an einer Herzkrankheit.

Elternhaus und Erziehung hatten bei Malthus deutlichen Einfluss auf den späteren Wertegang. Durch die gegenteiligen Meinungen und die Diskussionsfreudigkeit von Vater und Sohn entstand letztendlich politische Bekanntheit und Macht.

[...]


1 (Schneider & Watrin, 1972, S.1396)

2 (Universität Siegen)

3 (Engels, 1845)

4 (Evers, 1967)

5 (Lepenies & Krüger, 1982, S.9)

6 (Lepenies & Krüger, 1982, S.19)

7 (Waentig, Eine Abhandlung über das Bevölkerungsgesetz von T. R. Malthus Band 1, 1924, Vorwort S.7)

8 (Heilbroner, 2006, S.76)

Details

Seiten
27
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656921905
ISBN (Buch)
9783656921912
Dateigröße
826 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v294294
Institution / Hochschule
Wilhelm Büchner Hochschule Private Fernhochschule Darmstadt
Note
1,3
Schlagworte
Malthus Bevölkerungswachstum Thomas Robert Malthus Industrialisierung Malthusianism Malthusianische Katastrophe England 18. Jahrhundert An Essay on the Principle of Population Marx Engels Darwin Keynes Ein-Kind-Politik Überbevölkerung Wolfgang Clement Thilo Sarrazin Sarrazin Konsumgesellschaft

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