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Sozialisation in der Kindheit und Jugendentwicklungsaufgaben

Essay 2010 8 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition von Geschlecht

3. Inwiefern ist ein koedukatives Schulsystem für die Sozialisationsziele förderlich oder hinderlich? Sollten Mädchen und Jungen zusammen oder getrennt unterrichtet werden?

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Ziel der Entwicklung eines Jugendlichen ist eine angemessene Sozialisation. Nun wird ein Jugendlicher durch verschiedene Institutionen innerhalb der Gesellschaft sozialisiert: Die Schule, die Familie, Freunde (peers), eventuell noch Vereine und allgemein dadurch, dass und wie er sich innerhalb der Gesellschaft oder Gesellschaftsgruppen bewegt. Die Frage, die sich mir nun stellt, ist Folgende: Wie kann in adäquater Weise ein positiver Sozialisationsprozess gefördert werden? Da Kinder und Jugendliche einen Großteil ihrer Zeit in der Schule verbringen, scheint es mir logisch mit dieser Fragestellung den Fokus auf die Schulen zu legen. Hier werden die SchülerInnen zum einen durch die Lehrer sozialisiert aber doch zum Großteil durch die MitschülerInnen. In Deutschland werden Mädchen und Jungen –anders als in anderen Länder Europas- an den meisten Schulen gemeinsam unterrichtet. Statistiken zufolge steigen Gesellschaftskrankheiten- wie Suchtverhalten, Depressionen etc. dramatisch an. Diese Krankheiten haben alle ihre Wurzeln in der Kindheit bzw. Jugend der betroffenen Personen und sind Hinweise auf eine unzureichende Lösung von Entwicklungsaufgaben, also könnte ein Hinweis auf die Ursache dahin gehen, dass in den Schulen etwas schief läuft. Aber was? Hat es möglicherweise etwas mit der Koedukation zu tun? Diese Frage möchte ich in meiner Hausarbeit behandeln und versuchen sie zu beantworten: Ist Koedukation sinnvoll oder nicht?

Um diese Fragestellung soziologisch begründen zu können gehe ich zunächst auf die soziologische Entstehung von Geschlechtern und mögliche divergierende Sozialisationsprozesse ein. Danach diskutiere ich, inwiefern ein koedukatives Schulsystem für die Sozialisationsziele förderlich oder eben hinderlich sein kann. Abschließend gebe ich ein Fazit und erläutere Fragen, die dabei noch offen bleiben.

2. Definition von Geschlecht

Dass die beiden Geschlechter sich durch biologische Merkmale unterscheiden, wissen wir alle. Es gibt dann genau genommen nicht nur zwei Geschlechter, sondern vier: männlich, weiblich, Menschen mit beiden Geschlechtsmerkmalen und Menschen ohne Geschlechtsmerkmale. Betrachtet man Geschlechter aus soziologischer Sicht ist eine Definition nicht mehr so einfach, da sie durch Zuschreibungen erfolgt. Diese Zuschreibungen sind natürlich vom gesellschaftlichen Umfeld und dem Alter abhängig. So wird man einem fünfjährigen Mädchen womöglich zurückhaltendes, schüchternes Verhalten zuschreiben, einer erwachsenen Frau in einem gehobenen Umfeld eher damenhaftes Benehmen und entsprechende Kleidung. Bei derartigen Zuschreibungen ergibt sich aber das Problem, dass die Individualität des Menschen unbeachtet bleibt und allgemeine Definitionen von männlich-weiblich reproduziert werden[1]. Allgemein kann man jedoch sagen, dass soziales Handeln immer geschlechtsbezogen ist. So verhalten sich bereits die Mütter und Väter beispielsweise zu einem männlichen Säugling anders als zu einem weiblichen[2]. Das bedeutet, dass wir unbewusst oder bewusst mit dem jeweiligen Geschlecht Erwartungen, Verhaltensmuster etc. verbinden und entsprechend handeln. Sozialisation ist also ein Prozess, den wir aktiv durch Interaktion gestalten indem wir selbst bestimmte Rollen einnehmen und gleichzeitig Erwartungen auf unser Gegenüber projizieren. An Kinder werden also von Geburt an Definitionen herangetragen, ihnen wird gezeigt, wie sie sich in der sozialen Welt verhalten sollen. Aus Sozialwissenschaftlicher Sicht ist Geschlecht also nicht von vorn herein vorhanden, sondern wird im Sozialisationsprozess erst durch die Gesellschaft definiert und an das Individuum herangetragen. Dies führt wiederum dazu, dass die Individuen selbst auch bewerten und interpretieren, die an sie herangetragenen Erwartungen aufnehmen und auf andere projizieren. Das Individuum ist hier allerdings nicht als passives Objekt zu sehen, sondern auch als selektierendes, wertendes Subjekt. Sozialisation ist eine komplexe Verflechtung aus psychologischen, soziologischen und nicht zuletzt individuellen Komponenten. Was geschlechtsspezifisch divergierende Sozialisationsprozesse betrifft, so kann man allgemein sagen, dass sie sowohl äußerliche Dinge wie z.B. Kleidung, Schminke u.ä. als auch das Verhalten betreffen. So wird beispielsweise von Frauen erwartet, dass sie emotionaler sind als Männer, ängstlich oder hilflos sind. Von Männern hingegen wird eher erwartet, dass sie rational und selbstsicher sind.

3. Inwiefern ist ein koedukatives Schulsystem für die Sozialisationsziele förderlich oder hinderlich? Sollten Mädchen und Jungen zusammen oder getrennt unterrichtet werden?

Ein großer Nachteil an Schulen, in denen Jugendliche koedukativ unterrichtet werden, ist natürlich der, dass das andere Geschlecht vom Unterricht ablenkt. Sie entdecken in der Jugendphase ihre eigene Sexualität und wollen natürlich auch über das andere Geschlecht alles wissen. Dies kann allerdings auch positiv gewertet werden, denn durch Abgrenzung zum anderen Geschlecht fällt es natürlich leichter, die eigene Sexualität klar zu definieren. Außerdem kann an koedukativen Schulen der Umgang mit dem anderen Geschlecht besser eingeübt werden. In der späteren Berufswelt sind die Geschlechter auch nicht getrennt, also ist das möglichst frühe Erlernen eines partnerschaftlichen Umgangs miteinander durchaus sinnvoll. Was Interessenlagen betrifft so sind diese bei Jungen und Mädchen oft unterschiedlich. An koedukativen Schulen könnte dies aber als Vorteil gewertet werden, denn aus unterschiedlichen Interessen ergeben sich auch unterschiedliche Meinungen. Bei Diskussionen in der Schule können den SchülerInnen so andere Sichtweisen nahegebracht werden, was wiederum ein gegenseitiges Geschlechterverständnis erleichtert. Auch können sich hier Schüler und Schülerinnen gegenseitig über Schwächen hinweghelfen indem sie sich gegenseitig unterstützen. Dies kann allerdings auch ins Gegenteil umschlagen wenn beispielsweise Konkurrenzkämpfe entstehen. Es gibt sehr viel Literatur über Mädchenschulen und –gerade von feministischer Seite- wird oft angeführt, dass Mädchen geschützt werden müssen und dass sie an mono-edukativen ja so viel bessere Chancen mit Blick auf eine gute Karriere haben. Nur wenige Stimmen bekräftigen, wie wichtig Monoedukation vielleicht für Jungen sein könnte. Sie bleiben öfter sitzen und haben höhere Schulabbrecherquoten als die Mädchen. Es stellt sich also die Frage ob nicht die Jungen die eigentlichen Verlierer im koedukativen System sind.[3]

Was mono-edukative Schulen betrifft muss natürlich angemerkt werden, dass auch sie Teil unserer Gesellschaft sind und auch hier bestimmte geschlechtsspezifische Erwartungen vorherrschen, allerdings weniger als dies in koedukativen Schulen der Fall ist. Außerdem fördern Mädchenschulen auch in nicht- geschlechtstypischen Bereichen. Also können Mädchen durch weniger Erwartungen, die an ihr Verhalten geknüpft sind an mono-edukativen Schulen freier handeln. Dies betrifft Jungenschulen jedoch weniger. Hier wird beispielsweise viel Wert auf Sport gelegt, was wieder ein Hinweis auf geschlechtsspezifische Erwartungen ist, denn gerade in der Jugendphase ist es für Jungen sehr wichtig sich über den eigenen Körper zu definieren.

- peers: unterschiedliche Schwerpunkte im Sozialverhalten,
- Problem der Sexualitätsfindung-> homo, hetero, bi?
- Problem: Migration
- Schutz der Mädchen vor sexuellen Übergriffen
- Neutralisierung von erotischen Spannungen
- Erlernen eines partnerschaftlichen Umgangs
- Jungen bleiben öfter sitzen und haben höhere Schulabbrecherquote- sind sie die eigentlichen Verlierer im koedukativen System?[4]
- Zeitweise getrennter Unterricht in allen Fächern?[5]
- Contra Geschlechtertrennung[6]
- Benachteiligung der Mädchen in den Naturwissenschaften/ Sport?
- Benachteiligung der Jungen in den Sprach- und Sozialwissenschaften?
- Getrennter Unterricht- was sagen die Schüler?[7]
- Jungen und Mädchen lernen gemeinsam doch besser[8]

[...]


[1] Bilden, Helga ,,Geschlechtsspezifische Sozialisation.“ S. 280

[2] Bilden, S. 281

[3] http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1216224658572

[4] http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1216224658572

[5] http://www.zeit.de/online/2007/24/Getrennter-Unterricht-Pro

[6] http://www.zeit.de/online/2007/24/Getrennter-Unterricht-Contra

[7] http://www.abendblatt.de/hamburg/article947722/Getrennter-Unterricht-Was-sagen-die-Schueler.html

[8] http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1216224658572

Details

Seiten
8
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656915973
ISBN (Buch)
9783656915980
Dateigröße
398 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v293893
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
3,0
Schlagworte
sozialisation kindheit jugendentwicklungsaufgaben

Autor

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