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Chancen und Risiken des Mediums "Talkshow" als Methode im Politikunterricht

Essay 2014 6 Seiten

Didaktik - Politik, politische Bildung

Leseprobe

Die Talkshow als Methode im Politikunterricht – Gefahren und Chancen

Die Talkshow als Unterrichtsmethode im handlungsorientierten Unterricht, ist in der Politikdidaktik und unter Lehrenden genauso beliebt wie umstritten. Dabei birgt sie zugleich Chancen und Gefahren für den Unterricht und die Schüler. Dennoch ist es fraglich, ob sie im Rahmen des handlungsorientierten Politikunterrichts als Methode eingesetzt werden sollte und des Weiteren, ob sie überhaupt eine angemessene Methode für den Politikunterricht darstellt.

Nahezu jeder Fernsehsender setzt in der heutigen Zeit auf Talkshows. Täglich laufen sie auf den verschiedensten Sendern zu unterschiedlichsten Zeiten. Neben „Promi-Talks“ mit prominenten Gästen, „Themen-Talks“ mit wichtigen aktuellen Fragen und emotionalen, oft aggressiven „Konfro-Talks“ werden „Portrait-Talks“, in denen einzelne Gäste zu ihrem Leben interviewt unterschieden (Kuhn, 2004, S.120). In Talkshows können wichtige gesellschaftliche Themen diskutiert und aus verschiedenen Perspektiven erörtert werden. Gerade in den Monaten und Wochen vor landesweiten bzw. bundesweiten Wahlen werden Politiker gerne eingeladen, um ihren Standpunkt zu Grundsatzfragen darzustellen. Heutzutage sind Talkshows aus der Fernsehwelt nicht mehr wegzudenken. Die Talkshow stellt ein ständiges Fernsehereignis dar und ist dadurch auch den meisten Schülern vertraut (Massing, 1998, S.40). Diese Gegenwärtigkeit von verschiedensten Talkshows führt auch dazu, dass Lehrkräfte diese Methode immer häufiger verwenden, wenn sie handlungsorientierten Unterricht planen. Fraglich ist jedoch, ob die Vertrautheit der Schüler mit dieser Methode ein ausreichendes Argument darstellt, um diese Methode vermehrt auch im handlungsorientierten Politikunterricht anzuwenden.

Beim Prinzip der Handlungsorientierung bzw. beim handlungsorientierten Unterricht tritt zunächst ein Problem auf. Das Wort „Handeln“ hat viele Definitionen und wird von den Menschen individuell definiert (Sander, 2008, S.198). „Handeln“ kann somit das praktische „Tun und Machen“ sein, also aktives Handeln, aber auch das passive „Nachdenken über bestimmte Situationen“, demnach das „Wie“ des Handelns. Meines Erachtens ist die Definition von handlungsorientiertem Unterricht nach Hilbert Meyer schlüssig und greifbar, da die grundlegenden und bedeutsamen Elemente, die zu einem guten handlungsorientierten Unterricht führen berücksichtigt werden. Laut Meyer (1994, S.402) ist handlungsorientierter Unterricht „ein ganzheitlicher und schüleraktiver Unterricht, in dem die zwischen dem Lehrer und den Schülern vereinbarten Handlungsprodukte die Organisation des Unterrichtsprozesses leiten, so dass Kopf- und Handarbeit der Schüler in ein ausgewogenes Verhältnis zueinander gebracht werden können.“ Das Konzept der Handlungsorientierung im Politikunterricht geht aufgrund dessen davon aus, dass Politikunterricht für die Lernenden mehr sein sollte, als die Aneignung von Sach- und Fachwissen. Im Unterricht sollen die Schüler durch ihr Handeln aktiv werden und durch dieses aktive Handeln zu einem effektiven und nachhaltigen Lernen geführt werden (Breit, 1998, S.105).

Im Bezug auf die Handlungsorientierung sind für die politische Bildung besonders die „Konfro-“ oder „Themen-Talks“ geeignet (Pohl, 2008, S.42). Die „Konfro-Talks“ dienen zur Schulung rhetorischer Fähigkeiten wohingegen sich die „Themen-Talks“ eignen, um Kenntnisse zu kontroversen poltischen Themen zu erarbeiten und unterschiedliche Sichtweisen auf diese Themen kennenzulernen (ebd., S.42). Dies fördert bei den Schülern besonders die persönliche Urteilsfindung und –bildung zu komplexen Themen.

Grundsätzlich haben alle handlungsorientierten Makromethoden einen gewissen Zeitaufwand. Für die Durchführung der Talkshow im Unterricht genügt in der Regel allerdings schon eine Doppelstunde (Massing, 1998, S.43). Diese teilt sich dabei in 45 Minuten für die Vorbereitungsphase, 20 Minuten für die Talkshow, also die Durchführungsphase und 25 Minuten für die Auswertungsphase auf (ebd., S.43). Die Talkshow hat somit im Gegensatz zu anderen Makromethoden, wie bspw. dem Planspiel (Zeitaufwand: 6 Stunden), einen geringen Zeitaufwand. Meiner Ansicht nach stellt dies einen wesentlichen Vorteil dar. Die Schüler müssen sich so nicht jede Stunde daran erinnern, welche Schritte bzw. Aufgaben schon bearbeitet wurden. Stattdessen kann die Methode innerhalb einer Doppelstunde zum Abschluss kommen und stellt sich so als besonders effektiv heraus, um ein komplexes Thema in kurzer Zeit sehr effektiv und dazu aktiv zu erarbeiten. Des Weiteren ist auch den Schülern so die nötige methodische Abwechslung geboten, die im Unterricht oftmals weniger Beachtung findet. Außerdem führt die Methode der Talkshow durch ihren geringen Zeitaufwand auch nicht die bei Krankheit der Lehrkraft entstehende Problematik mit sich.

Für die Talkshow wird zunächst ein Thema benötigt, welches sich im Rahmenlehrplan wiederspiegeln muss. Als Themen eignen sich besonders gut politische oder gesellschaftliche Kontroversen, bei denen gegensätzliche Positionen deutlich werden und sich durch vielfältige Argumente begründen lassen (Pohl, 2008, S.40). Vor allem trockene Themen lassen sich gut durch die emotionalisierende Wirkung der Talkshow beleben (ebd., S.40). Stark emotionalisierende Themen, die moralische Aspekte berühren, sind dagegen nicht als Thema für die Talkshow geeignet, weil aufgrund von Werthaltungen, die Sachargumente kaum zugänglich sind (ebd., S.40). Unter diesem Aspekt könnte eine mögliche Leitfrage „Soll die Türkei in die EU aufgenommen werden?“ lauten. Dabei muss von der Lehrkraft berücksichtigt werden, ob türkischstämmige Schüler in der Klasse vorhanden sind oder nicht. Dies könnte bei den entsprechenden Schülern emotionale und moralische Aspekte hervorrufen und das Konfliktpotenzial enorm erhöhen, wodurch sich das Thema dann nicht mehr für den Unterricht eignen würde. Dennoch kann auch dieser zunächst offensichtliche moralische Konflikt insofern als Herausforderung genutzt werden, als dass sich die Schüler unter diesem Aspekt besonders in ihrer Sachlichkeit behaupten müssen. So wäre es der Erfahrenheit und auch der Klassenkonstellation bzw. dem Klassensozialgefüge zufolge zu entscheiden, ob auch mit oder gerade wegen der türkischstämmigen Schüler ein solches Thema als Grundlage einer Talkshow gewählt werden kann. Ich finde an diesem Beispiel wird deutlich, wie komplex sich die Themenfindung bei einer Talkshow gestalten kann. Verschiedene Themen sind für die Durchführung einer Talkshow nicht geeignet, andere Themen sind wiederrum geeignet, lassen sich jedoch aufgrund der Klassenstruktur nicht durchführen. Berücksichtigt der Lehrende die Klassenstruktur nicht, kann dies zu weitreichenden Folgen in der Klasse führen und enormes Konfliktpotenzial provozieren. Dies macht besonders deutlich, welche Wichtigkeit der Klassenstruktur grundsätzlich unbedingt beigemessen werden muss. Neben diesen Schwierigkeiten bleibt dennoch der enorme Vorteil, dass die Methode der Talkshow trockene Themen wesentlich interessanter gestaltet, den Schülern eigene Denkweisen, Argumentationen und Aktivitäten ermöglicht.

Hat die Lehrkraft ein Thema für die Talkshow festgelegt, kann den Lernenden mitgeteilt werden, dass sie in der folgenden Doppelstunde eine Talkshow durchführen werden. Vor der Durchführung müssen die Schüler zunächst über den Ablauf und die Ziele informiert werden. Genau dort liegt ein weiterer offensichtlicher Vorteil einer Talkshow, da die Schüler diese durch die öffentlichen Medien kennen gelernt haben und dadurch den groben Ablauf kennen. Gleichzeitig bringen diese Vorkenntnisse auch die größte Gefahr für den Unterricht mit sich (Pohl, 2008, S.39).

Laut Massing (1998, S.40) motiviert die Durchführung einer Talkshow die Schüler und macht Spaß. Persönlich sehe ich dies als einen großen Vorteil an, da die Schüler sich intensiv mit einem bestimmten Thema auseinandersetzen. Außerdem arbeiten die Lernenden verschiedene Argumente und Perspektiven zu einem bestimmten Thema heraus. Dabei lernen sie Themen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Aus meiner Sichtweise zeigt sich ein weiterer Vorteil in der Aktivität der Schüler im Unterricht, welche beispielsweise in einem lehrerzentrierten und auf Stoffvermittlung ausgerichteten Unterricht in dieser Intensität oftmals nicht stattfindet (Breit, 1998, S.116). Bei einem handlungsorientierten Unterricht, in Form einer Talkshow, sind die Lernenden gezwungen, sich mit dem Thema zu beschäftigen, sodass durch die klare Aufgabenverteilung keine Passivität und Langeweile entstehen kann. Für den Unterricht und auch die Effektivität des Lernens stellt das aktive Handeln der Schüler einen enormen Vorteil dar.

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Details

Seiten
6
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656915270
ISBN (Buch)
9783656915287
Dateigröße
381 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v293881
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Institut für Politikwissenschaft
Note
2,7
Schlagworte
Talkshowmethode Didaktik
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