Lade Inhalt...

Die Auswirkungen der Französischen Revolution auf die Frauenrechte (Unterrichtsentwurf)

Olympe de Gouges und die Rechte der Frauen

Unterrichtsentwurf 2012 10 Seiten

Geschichte - Didaktik

Leseprobe

Inhalt

Bemerkungen zur Lerngruppe

Legitimation des Gegenstandes

Sachanalyse

Didaktische Reduktion

Begründung der didaktisch-methodischen Entscheidungen

Anhang:

Thema der Unterrichtsreihe:

Französische Revolution – grundlegende Veränderungen auf dem Weg in die Moderne?

Thema der Unterrichtsstunde:

(8. Std. in der Reihe)

Menschenrechte für alle? Interpretation der „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“ von 1791 als Beispiel für die Ungleichheit der Geschlechter trotz postulierter Gleichheit.

Thema der vorhergehenden Stunde:

Partizipationsstreben als Motor für gesellschaftliche Fortschritte – Analyse und Bewertung der Ablösung der ständischen Gesellschaftsordnung durch die Augustbeschlüsse und die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte.

Thema der nächsten Stunde:

Politische Partizipation für das Volk? Stellungnahme zur konstitutionellen Monarchie in Frankreich 1791 als Beispiel für eine Herrschaftsform der frühen Neuzeit, in der große Teile der Bevölkerung ausgeschlossen wurden.

Zentrales Stundenziel:

Die SuS interpretieren die „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“ von Olympe de Gouges aus dem Jahr 1791, als Beispiel für geschlechtsspezifische Benachteiligung von Frauen, indem sie ausgewählte Artikel in ihren eigenen Worten wiedergeben und erklären, und zur Ungleichheit der damaligen Zeit Stellung nehmen.

Teillernziele:

- Die SuS erweitern ihre Sachkompetenz, indem sie die Forderungen der Frauen in der damaligen Gesellschaft beschreiben. TZ-1
- Die SuS verbessern ihre Sozialkompetenz durch kooperatives Lernen. TZ-2
- Die SuS erweitern ihre Methodenkompetenz, indem sie gezielt Informationen zur Stellung der Frau aus dem Text von Olympe de Gouges entnehmen und in einfacher Form die Hauptgedanken des Textes benennen und daraus Hypothesen formulieren. TZ-3
- Die SuS vergrößern ihre Methodenkompetenz, indem sie die Lage der Frau sprachlich angemessen beschreiben. TZ-4
- Die SuS erweitern ihre Urteilskompetenz, indem sie die Motive, Bedürfnisse und Interessen von Frauen zur Zeit der Französischen Revolution nachvollziehen und dazu Stellung nehmen. TZ-5
- Die SuS verbessern ihre Handlungskompetenz, indem sie die Ergebnisse der Partnerarbeit vor der Klasse präsentieren. TZ-6

Bemerkungen zur Lerngruppe

In der Klasse 7e habe ich im Fach Geschichte seit dem 18. Mai 2011 hospitiert. Seit dem 8. Juni 2011 unterrichte ich selbst unter Anleitung von Frau Hansen. Zusätzlich war ich mit einigen Schülern der Lerngruppe im Zuge der Suchtpräventionstage im Kletterwald in Brühl, wodurch ein persönlicher Bezug hergestellt werden konnte.

Die Lerngruppe setzt sich aus 13 Mädchen und 14 Jungen zusammen.

Die Klasse wurde in Hospitationsstunden häufig schnell unruhig, was ich mir aus der Sicht des Beobachters nur durch die Methode des Frontalunterrichts erklären kann. In Formen des kooperativen Lernens habe ich die Klasse als sehr lernwillig, motiviert und dem Fach Geschichte gegenüber als sehr aufgeschlossen empfunden. Wie viele andere Klassen dieser Altersstufe sind die Lernvoraussetzungen sehr heterogen, wobei ich einige Schüler als sehr leistungsstark (Friedrich, Alexander, Simon, Laura) und andere als sehr leicht ablenkbar (Esther, Corinna, Christopher, Daud) beschreiben würde. Speziell Christopher und Viktoria stören sehr häufig durch tischübergreifende “Spielchen/Gespräche“ den Unterricht, was ich jedoch durch ein Gespräch in der letzten Stunde versucht habe in den Griff zu bekommen (Ergebnis bleibt abzuwarten). Weitere Anmerkungen in Bezug auf die Lerngruppe in der Begründung zu den didaktisch-methodischen Entscheidungen.

Legitimation des Gegenstandes

Das zu behandelnde Thema „Französische Revolution“ wird durch den „Kernlehrplan für das Gymnasium – Sekundarstufe I (G8) in Nordrhein-Westfalen“ für das Fach Geschichte legitimiert. Unter dem 7. Inhaltsfeld „Europa wandelt sich“1 mit dem Schwerpunkt „Revolutionäre, evolutionäre und restaurative Tendenzen“ wird die „Französische Revolution“ angeführt.

In den Rahmenvorgaben für die politische Bildung schreibt der Kernlehrplan unter Problemfeld 7 “Soziale Gerechtigkeit zwischen individueller Freiheit und strukturellen Ungleichheiten“ vor.

Auch das schulinterne Curriculum Sek. I2 im Fach Geschichte sieht die Behandlung der Französischen Revolution vor.

Die „Französische Revolution“, in deren Ergebnis unter anderem die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 gefasst wurden, hat die Geschichte der Moderne tief geprägt. Mit ihr begann eine Phase grundsätzlicher Veränderungen der politischen, sozialen und kulturellen Verhältnisse Frankreichs und im Anschluss anderer europäischer Länder. Hans-Ulrich Thamer bewertet die „Französische Revolution“ als „Motor des Verfassungswandels und der Entstehung liberaler politischer Kulturen“. Das Umstürzende und Innovative der Revolution war die „Entwicklung von Verfassungen und neuen Formen der Legitimation von Herrschaft“3, wodurch das Prinzip der Volkssouveränität in die politische Praxis übersetzt wurde.

Das Thema der Unterschiedlichkeit der Geschlechter ist bis heute aktuell. Man kann behaupten, dass die Emanzipation ihren Ausgangspunkt in der Französischen Revolution findet. Auch heute werden immer noch wieder Forderungen nach Gleichberechtigung von Mann und Frau gestellt, auch wenn heute bei Ungleichheit bei Weitem nicht mehr so groß ist wie vor rund 200 Jahren. Die Debatten über Frauenquoten und anzugleichende Gehaltstabellen zeigen jedoch, dass die Thematik der Ungleichheit der Geschlechter immer noch wichtig ist.

Das Fach Geschichte hat das Ziel, dass die SuS die Gegenwart aus der Vergangenheit heraus verstehen. Die SuS erkennen die Gegenwart als geschichtlich Gewordenes. Das Leben in einer ständischen Gesellschaft ist für die SuS nur schwer vorstellbar, da es keine Parallelen in ihrer Lebenswelt gibt. Deshalb soll durch die Interpretation von Quellen das Anderssein der menschlichen Vergangenheit wahrgenommen werden und so den SuS die historische Perspektivität bewusst gemacht werden.

Sachanalyse

Der Ursprung der modernen Auffassung von Menschenrechten liegt in der Aufklärung, durch welche traditionelle Werte und Autoritäten im 18. Jahrhundert in Frage gestellt wurden. Es war dadurch etwa seit den 1770er Jahren vielerorts zu beobachten, dass an die Stelle von Monarchie und Ständegesellschaft nun Nation, Freiheit, Vernunft und Volkssouveränität als Bezugspunkte traten.4

Viele politische und systemkritische Schriften kamen in Umlauf und veränderten so die Lesestoffe. Texte von Rousseau und Montesquieu erreichten, wenn auch häufig nicht in ihrer ursprünglichen Fassung, aufgeklärte Akademien und verbreiteten sich von dort aus über Salons, Lesekabinette und politische Debattierclubs. Die Aufklärung kann als Beschleuniger und Symptom der zunehmenden Autoritätskrise angesehen werden, deren Bedeutung darin lag, dass sie einen neuen kritischen politischen Diskurs entfachte, weil sie durch ihre Kommunikationsformen zu einer dynamischen Radikalisierung des Denkens beitrug.5

Das fundamental Neue dieser Bewegung war die Entdeckung der Vernunft. Der Argumentationsstrang zog sich von dieser, zu der jeder Mensch fähig sei über die davon ausgehende Annahme, dass alle im Grunde gleich seien zu dem Schluss, dass alle Menschen deshalb auch gleich behandelt werden müssen.

Die Kraft dieses Denkens entfaltet sich in dem Moment, als die Systemkrise des Ancien Régime erkennbar wurde. Die Entwicklungen in Frankreich bis zum Ausbruch der Revolution finden ihren Ausgangspunkt in der Reformunfähigkeit der Monarchie. Weder die zunehmenden sozialen Spannungen innerhalb der Stände noch die Partizipationsansprüche bürgerlicher Gruppen und auch nicht die Verbreitung eines auf Freiheit und bürgerliche Gleichheit gerichteten Denkens haben zum Zusammenbruch des Ancien Régime geführt, sondern dessen Funktions- und Reformunfähigkeit im Augenblick einer wachsenden Finanz- und Wirtschaftskrise. Für die konkrete Entstehung der revolutionären Ausgangssituation des Jahres 1789 waren aber vor allem die in aktueller Zuspitzung wirksamen Faktoren ausschlaggebend: die Finanznot der Krone, die Opposition des Amtsadels (und damit zusammenhängend die Reformunfähigkeit des Landes, weil der Adel nötige Reformen blockierte) sowie die teuerungsbedingte Brotnot speziell in Paris.6

Der Verschriftlichung der Beschwerden in den Cahiers de Doléances durch den Dritten Stand, der Einberufung der Generalstände und den Revolutionen der Deputierten, der Stadt und des Landes folgte die Phase der konstitutionellen Monarchie.7

Man kann sagen, dass am Beginn dieser Revolution die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte als Maxime der Bewegung stand in Folge derer die Revolution immer radikaler wurde und an deren Ende schließlich die Herrschaft Napoleons stand. Nichts desto trotz, war diese Rechtserklärung, wenn sie auch nicht die erste war, die am konsequentesten durchgesetzte. Alle Zugeständnisse in anderen Ländern an die Aufklärung waren von oben herab gemacht worden und standen in großen Teilen im Widerspruch zur Realität. So sah beispielsweise Thomas Jefferson keinen Widerspruch in der Aussage alle Menschen seien gleich und seiner eigens praktizierten Sklavenhalten. In Frankreich hingegen, kam die Revolution von unten und hatte daher den Anspruch alle Rechte durchzusetzen, statt Zugeständnisse zu machen.

[...]


1 Kernlehrplan für das Gymnasium – Sekundarstufe I (G8) in Nordrhein-Westfalen: Geschichte, Frechen 2007, S. 30.

2 Alexander-von-Humboldt Gymnasium Bornheim: Schulinterner Lehrplan Geschichte Sekundarstufe I. Umsetzung des Kernlehrplans Gymnasium Geschichte 2007, Entwurfsfassung 27.01.2010.

3 Thamer: Revolution, S.7ff.

4 Thamer, Hans-Ulrich: Die Französische Revolution, München 2004, S. 19.

5 ebd.

6 Kuhn, Axel: Die Französische Revolution, Ditzingen 1999, S. 34.

7 Thamer: Revolution, S. 29ff.

Details

Seiten
10
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656912729
ISBN (Buch)
9783656912736
Dateigröße
582 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v293659
Institution / Hochschule
Seminar für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen Bonn
Note
2,0
Schlagworte
auswirkungen französischen revolution frauenrechte unterrichtsentwurf olympe gouges rechte frauen

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Auswirkungen der Französischen Revolution auf die Frauenrechte (Unterrichtsentwurf)