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Die Abschaffung der Sklaverei in Brasilien

Studienarbeit 2004 17 Seiten

Geschichte - Amerika

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Von der Abschaffung der Sklaverei in den britischen Kolonien Bis zur Abschaffung der Sklavenhandels in Brasilien
2.1. Druck von Außen
2.2. Abschaffung des transatlantischen Sklavenhandels

3. Vergleich: Zuckerregionen des Nordostens mit den Kaffeeregionen des Südwestens
3.1 Zuckerregionen des Nordostens
3.2 Kaffeeregionen des Südwestens
3.2.1 Paraiba Valley
3.2.2. Sao Paulo

4. Kolonisation & Lohnarbeit

5. Von der Abschaffung des Sklavenhandles (1850) bis zur Abolition in Brasilien(1888)
5.1. Das „Lei do Ventre livre“
5.2. Abolitionsbewegung in Brasilien
5.3. Die Abolition beginnt
5.4. Die letzten Schritte

6. Conclusio

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung:

Meine vorliegende Arbeit, zur Abschaffung der Sklaverei in Brasilien, habe ich in zwei Bereiche aufgeteilt. Ein Teil baut sich dabei chronologisch auf. Ich habe mich bei meiner Betrachtung auf den Zeitraum von 1807 bis zur Abschaffung der Sklaverei in Brasilien, im Jahr 1888 begrenzt. Im zweiten Teil, habe ich versucht die wirtschaftlichen Aspekte dieses Zeitraums, durch einen Vergleich der beiden wichtigsten Exportregionen, darzustellen, sowie auf die spezielle Rolle der europäischen Immigranten einzugehen.

Mit einem Vergleich der beiden wichtigsten Wirtschaftszweige des 19. Jahrhunderts in Brasilien, der Zuckerindustrie im Nordosten und der Kaffeeindustrie im Südwesten des Landes, möchte ich auf die regionalen Unterschiede hinweisen, die den Weg Brasiliens bis zur Abolition im Jahr 1888 kennzeichnen sollten. Aus diesem Grund, habe ich versucht, speziell auf den Sklavenanteil an der Bevölkerung, die in diesen beiden Hauptexportbereichen eingesetzt waren, einzugehen. Bei meiner Ausführung, besonders im Vergleich dieser beider Exportzweige unter Punkt 3, halte ich mich zu großen Teilen an Thesen David Baronovs: „The Abolition of Slavery in Brazil, 2000“, sowie weiters an Philip D. Curtin, mit seinem Werk: „The rise and fall of the plantation complex, 1998“. „Eine kleine Geschichte Brasiliens, 2000“ gab mir einen guten Gesamtüberblick, zur Geschichte Brasiliens im 19.Jahrhundert und die Monographie von Andreas Hofbauer: Vom weißen Konzept zur schwarzen Realität, 1995, erweiterte die Informationsquellen, zur Bearbeitung meines Themas. Ich beschränke mich bei meinen Ausführungen, auf die wichtigsten Ereignisse innerhalb des Landes, sowie auf die Ausarbeitung von regionalen Vergleichen und deren Auswertung im Hinblick auf die Abschaffung der Sklaverei in Brasilien 1888. Ein weiteres Hauptaugenmerk richtete ich auf die besondere Stellung der Sklaven in den jeweils gerade boomenden Wirtschaftsbereichen (im 19.Jahrhundert Zucker gefolgt von Kaffee) und ihr Einsatz auf den Plantagenkomplexen. Anhand der statistischen Veränderungen in den Sklavenanteilen der einzelnen Regionen und der brasilianischen Exporten, sowie dem Faktor der Zuwanderung von Immigranten, verstärkt ab der Mitte des 19.Jahrhunderts, möchte ich auf die besondere, spezifische Situation Brasiliens aufmerksam machen, die schließlich zur Abschaffung der Sklaverei in Brasilien führte.

2. Von der Abschaffung der Sklaverei in den britischen Kolonien 1807

bis zur Abschaffung der Sklavenhandels in Brasilien 1850

Nachdem in den britischen Kolonien der Handel mit Sklaven bereits 1807 und die Sklaverei graduell ab 1833 abgeschafft worden war und damit die Abolitionisten ihre ersten großen Erfolge erzielten, verstärkten die großen Kolonialmächte, allen voran Großbritannien, den Druck auf Brasilien zur Beendigung des Sklavenhandels und der Sklaverei. In Europa setzten sich diese neuen Ideen, die von der Aufklärung beeinflusst wurden und die für die Abschaffung der Sklaverei eintraten, ab dem Beginn des 19. Jahrhunderts immer mehr durch.

2.1. Druck von Außen

Erstmals kam es 1810 im „Allianzvertrag“ zwischen Portugal und Großbritannien zu einer Kooperation, indem sich Prinz Joao bereit erklärte gemeinsam gegen den Sklavenhandel vorzugehen. Das Ergebnis war, dass ab diesem Zeitpunkt keine Sklaven mehr nördlich des Äquators gekauft werden durften. Ob dieses Entgegenkommen des Prinzen rein auf freiwilliger Basis erfolgte ist fraglich, da mit Lord Strangford, ein Engländer die Flucht der portugiesischen Königsfamilie von Portugal nach Brasilien organisierte. Ein weiteres wichtiges Ereignis war die Erklärung der Großmächte über die Abschaffung der Sklaverei auf dem Wiener Kongreß von 1815. In diesem Jahr erzwang England auch das Vorrecht sogenannte „mixed commisions“ einzusetzen, um gegen „illegale“ Sklaventransporte auf hoher See vorzugehen.[1] Nach der Unabhängigkeitserklärung Brasiliens 1822, bot England dem neu entstandenen Kaiserreich die Anerkennung gegen eine vollständige Abschaffung der Sklaverei an. 1831 verabschiedeten die Brasilianer ein Gesetz, das jeder Afrikaner, der von diesem Tag an das Land betrat, als frei galt. Da im März 1845 das Recht auf die Durchsuchung nach Sklaventransporten auslief, übernahm Großbritannien mit dem im August 1845 von William Aberdeen eingebrachten Gesetz „Aberdeen Bill“ die Vorreiterrolle im Kampf gegen die Sklavenhandel. Doch wurden diese beiden Gesetze von 1831 und 1845, wie auch alle weiteren Bestimmungen, vor allem durch Schmuggel seitens derjenigen Teile der brasilianischen Bevölkerung, die von dem Einsatz der Sklaven profitierten, unterlaufen. Bis 1851 wurden deshalb 724 brasilianische Schiffe entweder auf hoher See oder in den Häfen aufgebracht.[2] Wie diese kurze Beschreibung gezeigt hat, wehrte sich Brasilien trotz offizieller Zustimmung, gegen die von den Briten geforderten Maßnahmen zur Einschränkung bzw. zur Abschaffung des Sklavenhandels und der Sklaverei. Brasilien war außerdem nie in der Lage sich entsprechend gegen die Übermacht der englischen Seemacht zur Wehr zu setzen.

2.2. Abschaffung des transatlantischen Sklavenhandels

Erst im Jahr 1850 gab das brasilianische Parlament dem Druck von Außen nach und verkündete am 4. September das Gesetz zur Abschaffung des Sklavenhandels. Wie auch Philip Curtin in seinem Werk andeutet, erfolgte die Intention der Briten zugunsten des Verbots des Sklavenhandels, vorwiegend um ihre eigenen Interessen zu wahren:“ External pressure to end the slave trade and slavery came principally from Great Britain. It was partly diplomatic, backed by potential economic sanctions and Britain´s naval action to supress the trade at sea.“[3]

Warum die politische Meinung in Brasilien schließlich doch dem Verbot des Sklavenhandels zustimmte, bringt Karl-Dieter Hoffmann auf einen Nenner:“ Als 1850 die Briten beschlossen, ihre Verfolgung der Sklavenschiffe auch in brasilianischen Hoheitsgewässern fortzusetzen, bedeutete dies den Todesstoß für den transatlantischen Sklavenhandel“.[4]

Da die Brasilianer wirtschaftlich von Großbritannien abhängig waren und militärisch der Übermacht der britischen Flotte wenig entgegenzusetzen hatten, lässt sich daraus erkennen, dass der britische Druck ein wesentlicher Punkt zur Abschaffung des Sklavenhandels in Brasilien war.

3. Vergleich:

Zuckerregionen des Nordostens mit den Kaffeeregionen des Südwestens

Ein weiterer Punkt ist der seit 1850 durch die Abschaffung des interkontinentalen Sklavenhandels entstandene Engpass an Sklaven und die daraus resultierende Frage, wie die einzelnen Monokulturen, besonders die Zucker- und die Kaffeeindustrie mit diesem Mangel an Arbeitskräften zurechtkamen, bzw. ob und in welcher Form die fehlenden Sklaven ab diesem Zeitpunkt ersetzt wurden? Um diese Frage beantworten zu können, habe ich die beiden wichtigsten Exportgüter Brasiliens des 19.Jahrhunderts, Zucker und Kaffee gegenübergestellt.

3.1. Zuckerregionen des Nordostens

Das 19.Jahrhundert begann Brasilien noch im Zuckerzyklus. Wie in Tabelle 3 ersichtlich ist, sank die Bedeutung des Zuckers an den Exporten ab den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts kontinuierlich ab, hingegen stieg die Bedeutung des Kaffees im selben Zeitraum rapide an. Die Revolution auf Haiti und der dadurch entstandene Exportausfall an Zucker, war ein Grund für den Aufschwung der brasilianischen Zuckerindustrie. Im Nordosten des Landes stieg daraufhin die Zahl der Zuckermühlen sowie der eingesetzten Sklaven auf den Plantagen steil an. Am intensivsten war das Wachstum der Zuckerproduktion in den Provinzen Bahia und Pernanbuco. Nach der Jahrhundertwende überholte Pernanbuco, Bahia, als bisherigen Spitzenreiter, obwohl im selben Zeitraum die Anzahl der Sklaven in dieser Provinz von 145.000 (1850er Jahre) auf 85.000 (80er Jahre) zurückging. Auch David Baronov bestätigt in seinem Werk die Tatsache, dass in diesen nordöstlichen Provinzen somit der Übergang von der Sklaverei zum „freien Arbeitnehmer“ voll im Gang war: “By 1872 non-slave-laborers outnumberd slaves in almost every occupational category in the Northeast. In Pernanbuco, non-slave labor outnumbered slaves among skilled laborers 14:1 and among agricultural workers 5:1. Only among domestic laborers did slaves continue to outnumber non-slave laborers (10:3) [5]

[...]


[1]. Andreas Hofbauer, Vom weißen Konzept zur schwarzen Realität. Wien 1995, 121

[2]. Leslie Bethell, The Abolition of the Brazilian Slave Trade. Cambridge 1970, zit. in: Walther L. Bernecker,Eine kleine Geschichte Brasiliens. Frankfurt am Main 2000,169

[3]. Philip D. Curtin, The rise and fall of the plantation complex. Essays in atlantic history. New York ²1998 (1990) 191

[4]. Brasiliens Karl-Dieter Hoffmann, Ökonomischer Fortschritt und soziale Marginalisierung. Die historische Genese der brasilianischen Wachstums- und Entwicklungsmodells. Eichstätt 1995. 18, zit. in: Walther L. Bernecker, Eine kleine Geschichte Brasiliens, 169

[5]. David Baronov, The abolition of slavery in Brazil. The „liberation“ of Africans through the emancipation of capital. Westport, Conn. 2000, 175

Details

Seiten
17
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638308830
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v29359
Institution / Hochschule
Universität Wien – Geschichte
Note
1
Schlagworte
Abschaffung Sklaverei Brasilien Einführung Wissens- Textproduktion Beispiel Geschichte USA)

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