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Die Rolle der Sprache bei der Darstellung von Erotik in der BILD-Zeitung

Seminararbeit 2012 20 Seiten

Medien / Kommunikation - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Nackte Haut als Kennzeichen der BILD

2 Welche Rolle spielt die Sprache bei der Darstellung von Erotik in der BILD?
2.1 Sprache der BILD
2.1.1 Syntaktisches Inventar
2.1.1.1 Satzlänge
2.1.1.2 Satztypen
2.1.1.3 Modus
2.1.1.4 Genus Verbi
2.1.1.5 Interpunktion
2.1.2 Lexik in der BILD
2.1.2.1 Wortfelder
2.1.2.2 Umgangssprache
2.1.2.3 Wortbildung
2.1.2.4 Superlativ
2.1.3 Rhetorische Figuren
2.2 Sexualisierte Darstellung von Frauen
2.3 Beispielsartikel
2.3.1 Echte Supermodels werden nicht älter
2.3.2 Klitschko-Ex Hayden spielt Bikini Tennis
2.3.3 Bei Langeweile geht sie fremd

3 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

1 Nackte Haut als Kennzeichen der BILD

Jedem sind wohl die nackten Damen, die in keiner Ausgabe der BILD-Zeitung fehlen, bekannt. Bare Haut und spärlich bekleidete Damen sind aus dem beliebten Boulevardblatt nicht wegzudenken.

Lange Zeit zierte ein täglich wechselndes „Seite-1-Girl“ und ein kurzer Artikel zu dieser Person die Titelseite jeder Ausgabe der Straßenverkaufszeitung. Doch nicht nur an dieser zentralen Position, sondern beinahe in allen Rubriken mangelte es nicht an entblößter Haut. Inzwischen wurden die Mädchen von der ersten Seite verbannt, doch trotzdem spielen Erotik, Sexualität und Nacktheit weiterhin eine zentrale Rolle in der BILD-Zeitung.

Nicht nur durch die optische Darstellung in Form von Bildern wird Erotik erzeugt, sondern auch durch die Sprache, die in diesem Zusammenhang zum Einsatz kommt. Allgemein weist die Sprache der BILD einige Besonderheiten auf, die sie von anderen Blättern unterscheidet. Im Folgenden soll geklärt werden, welche Merkmale die Sprache der BILD besitzt. In diesem Zusammenhang werden das syntaktische Inventar, die Lexik und die rhetorischen Figuren der Bild genauer betrachtet. Anschließend wird anhand der Ergebnisse einer Inhaltsanalyse die sexualisierte Darstellung der Frau in der BILD behandelt. Diese theoretischen Erkenntnisse werden auf drei Artikel angewendet, welche zwei Ausgaben der BILD vom 12. und 13. April 2012 entnommen sind.

In diesem Zusammenhang tauchen einige Fragen auf, die zu klären sind. Welche sprachlichen Besonderheiten treten im Zusammenhang mit erotischen Darstellungen in der BILD auf? Wie werden die Frauen dargestellt? Sind die allgemeinen Erkenntnisse zur Sprache dieser Zeitung auf die Artikel übertragbar oder gibt es Abweichungen? Diese und weitere Fragen sollen in dieser Arbeit geklärt werden.

2 Welche Rolle spielt die Sprache bei der Darstellung von Erotik in der BILD?

Im Folgenden soll zunächst die Sprache, die für die Boulevardzeitung BILD charakteristisch ist allgemein betrachtet werden, bevor sie anhand einiger ausgewählter Artikel genauer analysiert wird.

2.1 Sprache der BILD

Generell hebt sich die Sprache der Boulevardzeitungen von der seriösen Presse durch eine starke Vereinfachung, Polarisierung und Emotionalisierung ab. Die BILD zeichnet sich stärker durch ihren Stil, als durch die Themenwahl aus.1

2.1.1 Syntaktisches Inventar

Die Syntax ist ein „System von Regeln, nach denen aus einem Grundinventar kleinerer Einheiten (Wörter oder Wortgruppen) wohlgeformte (=grammatische) Sätze einer Sprache gebildet werden.“2 Sie fragt nach Vorgaben zur richtigen Kombination von Wörtern im Satz.3

2.1.1.1 Satzlänge

In der BILD lassen sich vorwiegend kurze Sätze finden, die sich durch einen simplen Satzbau auszeichnen. Dadurch ist es für den Leser möglich die Artikel schnell und leicht zu überfliegen und zu erfassen. Im Staccato-Stil wird ohne Konjunktionen und Verbindungspartikel telegrafisch knapp informiert. Dabei entsteht beim Leser der Eindruck, als erfahre er die Geschehnisse live und unmittelbar. Das Satztempo wird beschleunigt, indem häufig Wörter weggelassen und leicht verständliche, grammatikalisch unvollständige Aussagesätze verwendet werden. Bei dem Rezipienten weckt dies eine innere Unruhe und Neugierde und vermittelt den Eindruck einer steigenden Spannung und dramatischen Aufregung. Oftmals werden komplexe Sätze in dreiteilige Wortgruppen zerlegt und somit eine Intensivierung der Darstellung des Ereignisses erzielt und ein leichtes Textverständnis ermöglicht. Der Leser wird nach und nach mit Informationen versorgt und behält sein Verlangen nach weiteren Details, das er dank des zügigen Satzbaus und des beschleunigten Satzrythmuses, rasch zu befriedigen vermag. Dass dabei Verben verschluckt und einige Sätze zu Satzrudimenten werden, wird in Kauf genommen.4

2.1.1.2 Satztypen

In der BILD-Zeitung findet man Fragesätze oftmals in Überschriften und teilweise auch zu Beginn eines Textes. Durch sie wird der Leser verstärkt mit sensationellen Mitteilungen konfrontiert und in Unruhe versetzt. Fragen besitzen einen forschenden und bohrenden Charakter und erlauben ungesicherte Vermutungen zu äußern ohne mögliche Konsequenzen fürchten zu müssen. Durch Alternativ- und Entscheidungsfragen wird der Leser in das Geschehen einbezogen und zu einer Stellungnahme aufgefordert.

Exclamativsätze, die man an dem Ausrufezeichen erkennen kann, sind ebenfalls zahlreich in der BILD vertreten. Häufig treten sie im Zusammenhang mit emotionsgeladenen und leidenschaftlichen Ereignissen auf. Erfolgt in einer Überschrift die Dopplung eines Ausrufezeichens, bewirkt dies, dass die Dynamisierung des Berichts gesteigert wird. Der Leser wird durch die Exclamativsätze unmittelbar aktiviert, stimuliert und am Geschehen beteiligt.5 In der BILD-Zeitung wird der Aufforderungssatz eingesetzt, um stellvertretend für die Leserschaft Appelle an berühmte Personen zu richten.

Dem Aussagesatz kommt eine untergeordnete Bedeutung zu, da ihn die Frage-, Exclamativund Aufforderungssätze mit ihrer emotionalen Gewalt übertreffen.6

2.1.1.3 Modus

In der BILD-Zeitung ist der Indikativ sehr häufig vertreten, da er der geläufigste, alltäglichste und einfachste der drei Modi ist. Der Konjunktiv kommt dagegen nur sehr selten vor. Er bedeutet eine Relativierung eines mitgeteilten Sachverhalts und enthält eine komplexere inhaltliche Konstruktion. Der Imperativ ist im Zusammenhang mit den bereits erwähnten Aufforderungssätzen vorhanden.7

2.1.1.4 Genus Verbi

Bei dem Genus Verbi handelt es sich um eine grammatische Kategorie des Verbs, die aus Aktiv und Passiv besteht. Im Aktiv kennzeichnet das Subjekt den Handlungsausführer, während im Passiv diese Funktion durch andere Rollen besetzt wird.8 Sätze, die im Aktiv stehen sind stark. Das Passiv beschreibt dagegen ein Ereignis aus der Sicht eines Betroffenen. In der BILD kommt das Passiv nur selten vor. Bevorzugt wird es als Vorgangspassiv eingesetzt, wobei das dafür erforderliche Hilfsverb „werden“ in vielen Fällen weggelassen wird.

Der Wechsel zwischen Aktiv und Passiv kann den Leser dazu veranlassen den Blick auf ein Geschehen zu verändern und eine andere Sichtweise anzunehmen. Häufig wird das Passiv eingesetzt, um die Qualen und das Leid von Menschen darzustellen.9

2.1.1.5 Interpunktion

Unter Interpunktion versteht man die Regeln zur Gliederung der geschriebenen Sprache. Dazu zählen nichtalphabetische Zeichen wie beispielsweise Punkt, Komma oder Ausrufungszeichen.10 Im Folgenden soll geklärt werden, welche Funktionen die verschiedenen Zeichen in der BILD besitzen.

In der BILD kommt dem Punkt die Aufgabe zu, komplexe Satzgefüge in parataktische, grammatikalisch unvollständige Sätze zu zerlegen. Dies trägt dazu bei, dass die optische Übersichtlichkeit gefördert wird und elementare inhaltliche Gesichtspunkte betont werden. Da die Wörter im Staccato ohne Verknüpfung aneinander gereiht werden, kommt es zu einer Beschleunigung des Satzrythmuses und einer Zunahme der Spannung. Oftmals werden kopulative Reihungen getrennt und Sätze mit einem und eröffnet.11 Der Doppelpunkt wird eingesetzt, wenn eine Aussage Überraschung hervorrufen soll. Zudem wird durch ihn Spannung erzeugt. Häufig werden Sachverhalte wie Rätsel dargestellt, die durch den Doppelpunkt aufgelöst werden. Auch kann der Doppelpunkt in der BILD dazu dienen, Forderungen Nachdruck zu verleihen, Ungeduld und Widerwillen zu artikulieren, Verben des Meinens, Sagens und Denkens zu ersetzen und den Eindruck wechselnder Sprecherrollen zu erwecken. Derartige Sätze informieren knapp und bündig und der Satzbau wird stark verkürzt. Die dem Doppelpunkt folgende Aussage oder Frage wird hervorgehoben.12 Durch den Gedankenstrich kommt es automatisch zu einer kurzen Lesepause. Dies hat die Folge, dass die Spannung vermehrt wird und beide Satzteile hervorgehoben werden. Ihm kommen die Aufgaben zu zwei unerwartete, widersprüchliche Wahrheiten voneinander zu trennen und den Bruch zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu illustrieren.13 „Modale, kausale, finale, konzessive oder instrumentale Konjunktionen wie auch Hilfsverben fallen diesem Satzzeichen häufig zum Opfer.“14 Daraus folgen Sätze, die oftmals an den Telegrammstil erinnern. Runde

Klammern werden verwendet, um dem Leser erläuternde Zusatzinformationen zu liefern, die ihm ein leichteres Verständnis ermöglichen. In Klammern werden Abkürzungen, fremdsprachliche Bezeichnungen und Zahlenkürzel knapp erklärt.15 „Auslassungspunkte (…) brechen einen Gedanken oder eine Äußerung ab, verschweigen einen Sachverhalt oder verdeutlichen durch Anspielung die Relevanz des Nichterwähnten.“16 Häufig sind sie in der Überschrift, zu Beginn oder am Ende eines Textes zu finden, da sie dort strategisch besonders stark wirken. Sie wecken die Neugierde, das Interesse und die Vorstellungskraft des Lesers und animieren ihn die Lücken zu füllen. Besonders im Zusammenhang mit den „Seite-1-Girls“ soll auf diese Weise die Phantasie des Lesers angeregt werden. Das Stilmittel der Aposiopese wird durch die Auslassungspunkte erzeugt und ist kennzeichnend für die BILD-Zeitung.17 Bei der Aposiopese handelt es sich um die rhetorische Figur der inhaltlichen Kürzung. Durch den überraschenden Abbruch eines Satzes wird Spannung erweckt, Ärger oder eine andere Empfindung ausgedrückt und eine emotionale Nähe zum Leser geschaffen, da ein gemeinsames Wissen unterstellt wird.18 Durch die Auslassungspunkte ist es der BILD-Zeitung erlaubt unverbindliche Mutmaßungen anzustellen und den Gedankengang des Lesers zu beeinflussen.19

2.1.2 Lexik in der BILD

Unter Lexik versteht man die „Gesamtmenge aller Wörter einer Sprache zu einem bestimmten Zeitpunkt.“20 Die BILD verwendet einen Wortschatz, der zunächst unkontrolliert, spontan und situativ wirkt, der jedoch genau kalkuliert und darauf ausgerichtet ist, beim Leser Emotionen zu wecken.21

2.1.2.1 Wortfelder

Ein Wortfeld ist eine Menge sinnverwandter Wörter, die einen begrifflichen oder sachlichen Bereich abdecken sollen.22 Diese Wörter stehen nicht isoliert nebeneinander, sondern beeinflussen sich gegenseitig.23

[...]


1 Vgl. Fröhlich, 2010, S. 29

2 Busch & Stenschke, 2008, S. 116

3 Vgl. Beyer & Gerlach, 2011, S. 14

4 Vgl. Voss, 1999, S. 37-38

5 Vgl. Voss, 1999, S. 40-41

6 Vgl. Voss, 1999, S. 41

7 Vgl. Voss, 1999, S. 41

8 Vgl. Hadumod & Bußmann, 2008, S. 229

9 Vgl. Voss, 1999, S. 42-43

10 Vgl. Hadumod &Bußmann, 2008, S. 807

11 Vgl. Voss, 1999, S. 43-44

12 Vgl. Voss, 1999, S. 44-45

13 Vgl. Voss, 1999, S. 45-46

14 Voss, 1999, S. 46

15 Vgl. Voss, 1999, S. 46

16 Voss, 1999, S. 46

17 Vgl. Voss, 1999, S. 46-47

18 Vgl. Hadumod & Bußmann, 2008, S. 50

19 Vgl. Voss, 1999, S. 47

20 Hadumod & Bußmann, 2008, S. 799

21 Vgl. Voss, 1999, S. 48

22 Vgl. Hadumos &Bußmann, S. 797

23 Vgl. Voss, 1999, S. 48

Details

Seiten
20
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656910206
ISBN (Buch)
9783656910213
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v293574
Institution / Hochschule
Universität Passau
Note
1,7
Schlagworte
rolle sprache darstellung erotik bild-zeitung

Autor

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