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Athenische Außenpolitik während des Dreißigjährigen Friedens zwischen Athen und Sparta (446/45 v. Chr.)

Hausarbeit 2009 17 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Altertum

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Das Vertragswerk des „DreiSSigjährigen Friedens“
2.1. Inhalte und Vorgaben des Vertrages
2.2. Schwächen des Vertrages und die Folgen

3. Motive der athenischen Aussenpolitik
3.1. Terminologien und Praktiken im Delisch-Attischen Seebund
3.2. Die Demokratie als außenpolitisches Machtinstrument
3.3. Die Außenpolitik von Themistokles bis Perikles

4. Ergebnisse und Fazit der Untersuchungen

Anmerkungen

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Peloponnesische Krieg gilt weithin als Wendepunkt der griechischen Geschichte. Fragt man nach den Ursachen für den Konflikt, der die ehemaligen Waffengefährten Athen und Sparta auf dem Höhepunkt ihrer Bündnisentwicklung und geographischen Ausdehnung gegeneinander aufbrachte, so liefert der griechische Historiker Thukydides die berühmte Begründung, dass der „[..] Machtzuwachs der Athener, der den Lakedaimoniern Furcht einflößte und sie zum Krieg zwang“,1 der eigentliche Grund des Krieges war.

Thukydides beschrieb ausführlich die politischen Umstände, welche in der heutigen Geschichtsforschung als Basis für den Wandel der athenischen Außenpolitik, nicht nur während des dreißigjährigen Friedens, dienen und eine Vielzahl von Erklärungsmöglichkeiten für die Eskalation des Konfliktes liefern.

„Athen war, als es den dreißigjährigen Frieden mit Sparta und dessen Alliierten abgeschlossen hatte (446), gewissermaßen am Ziel. Die Persergefahr war schon gebannt gewesen; jetzt hatten sich die beiden griechischen Großmächte samt ihren Machtsphären gegenseitig anerkannt“,2 beschrieb der Historiker Christian Meier die Ausgangslage. Der Friedensschluss 446 v. Chr. war eine diplomatische Konsequenz aus dem fünfjährigen Waffenstillstand von 451 v. Chr., der die kriegerischen Streitigkeiten des ersten peloponnesischen Krieges (460 – 451 v. Chr.) vorerst beendete.

Der „Dreißigjährige Frieden“ kennzeichnete zwar eine militärische Ruhephase zwischen den zwei dominierenden Bündnissystemen Athen und Sparta im schwelenden Konflikt um die Hegemonie in Griechenland, doch die politischen Konfliktherde blieben vor allem innerhalb der Bündnissysteme bestehen.

Die athenische Außenpolitik war daher geprägt von der Konsolidierung der Macht innerhalb des Delisch-Attischen Seebundes. Allerdings stellt sich hier zuerst die Frage, welchen Handlungsrahmen der Friedensvertrag vorgab und wie flexibel sich die Außenpolitik Athens überhaupt bewegen konnte. Wie konstant und konsequent war die Haltung Athens zu dem Abkommen? Weil dieser Handlungsrahmen bei allen außenpolitischen Aspekten dieser Ausarbeitung die Grundbedingungen darstellt, ist es notwendig, dass zuerst die politischen Auswirkungen des Vertragswerkes abgehandelt werden.

Weiterhin erscheint es wichtig die Motive athenischer Außenpolitik zu hinterfragen. Welche Motive spielten in den Entscheidungsprozessen der athenischen Volksversammlungen eine Rolle? Speziell die Politik des Perikles und die innenpolitischen Probleme sollen in diesem Zusammenhang einige Antworten liefern.

Gleichbedeutend erscheint die Frage, welche Stellung die Bündnispartner einnahmen, bzw. welche, wie es Karl-Wilhelm Welwei umschrieb, „[..] Terminologie zur Bezeichnung politischer Unterordnungs- und Abhängigkeitsverhältnisse“3 in Athen vorherrschte und wie diese sich zu der des Peloponnesischen Bundes unterschieden hat.

Abschließend soll auf den folgenden Seiten anhand einer Auswahl von Beispielen die außenpolitische Struktur Athens deutlich werden. Anhand der Beispiele soll, ohne eine moralische Wertung der Kriegsschuldfrage, der Wandel der athenischen Außenpolitik sichtbar werden, bzw. wie dieser Wandel die Voraussetzungen zum Peloponnesischen Krieg schaffen konnte, erörtert werden.

2. Das Vertragswerk des „DreiSSigjährigen Friedens“

Der Wandel der athenischen Außenpolitik im speziellen, wie auch der von Sparta, begann sich unmittelbar nach der Beendigung des Konfliktes mit den Persern abzuzeichnen. Der Bau der athenischen Mauer nach der Schlacht bei Plataiai4 war u.a. der erste nennenswerte Streitpunkt zwischen Athen und Sparta, welcher auf das diplomatische Bestreben des athenischen Strategen Themistokles vorerst noch beigelegt werden konnte.5 Der endgültige Bruch in den Beziehungen zwischen Athen und Sparta ergab sich in den 460er Jahren, als ein Aufstand der messenischen Rebellen Sparta zu einem Hilfegesuch an Athen zwang. Das von Kimon geführte Hilfskontingent wurde allerdings wieder zurückgeschickt, aus Furcht, sie könnten die Aufständischen unterstützen.6 Dieser Affront wog in den Augen Athens besonders schwer, gerade wenn man die freundliche Gesinnung Kimons gegenüber Sparta in diesem Zusammenhang berücksichtigt.

Die Folge war das Ende des Bündnisses, bzw. der Ausbau des Delisch-Attischen Seebundes unter der Vorherrschaft Athens als Gegengewicht zum Peloponnesischen Bund unter der Führung Spartas und gipfelte in den militärischen Auseinandersetzungen des sogenannten ersten Peloponnesischen Krieges.

Nach wechselndem Kriegsglück, in dem Athen seine Position gegenüber Sparta mehr als behaupten konnte, kam es dann erst zum Abschluss eines fünfjährigen Friedens (451 v. Chr.), welcher später nach weiteren Kämpfen und der erfolglosen spartanischen Invasion Attikas zum dreißigjährigen Friedensvertrag (446 v. Chr.) führte.

Man kann diesen Vertrag exemplarisch für fast alle außenpolitischen Bestrebungen Athens heranziehen, denn im wesentlichem enthält er die wichtigen Merkmale der außenpolitischen Ziele, die Athen zu verwirklichen suchte. Primäres Ziel war es gewesen sich gegenüber der „alten“ Hegemonialmacht Sparta zu etablieren. Dies war durch die Pattsituation nach dem ersten Peloponnesischen Krieg erreicht. „Weder Athener noch Spartaner konnten nach den vielen Wechselfällen des ersten Peloponnesischen Krieges sich als Sieger präsentieren und dem Kriegsgegner die Friedensbedingungen diktieren“, schrieb Welwei und folgerte weiter, dass „hierin [..] die große Chance [lag], der griechischen Welt zumindest für eine Generation Ruhe und Sicherheit zu bieten“.7

Die Bereitschaft Lehren aus den Konflikten zu ziehen wurde auf beiden Seiten deutlich und der Frieden sollte durch den Vertrag langfristig gesichert werden. Aus diesem Grund waren beide Seiten zu Zugeständnissen und Kompromissen bereit, die weit über die sonst üblichen Modalitäten hinausgingen und in dem Vertrag ihren Wiederklang finden sollten.

2.1. Inhalte und Vorgaben des Vertrages

„Das Ergebnis der Verhandlungen entsprach zweifellos den Erwartungen der [..] Verantwortlichen auf beiden Seiten und war letztlich auch Ausdruck der Hoffnungen auf eine langfristig wirksame Lösung“,8 welche beide Großpoleis durch die Neuordnung Griechenlands zu erreichen hofften.

Grundsätzlich wurde eine Nichtangriffsklausel verankert, zudem wurde ein „status quo ante“ zwischen den Bündnissystemen festgeschrieben. Diese Festlegung kam im Besonderen Athen zugute. Athen war stetig darauf angewiesen gewesen seine Position als Führungsmacht innerhalb des Delisch-Attischen Seebundes zu etablieren. Diese wurde jetzt durch die Regelungen zwischen den zwei Bündnissystemen schriftlich fixiert und somit auch manifestiert.

Man kann besonders diesen Aspekt als großen Erfolg der athenischen Außenpolitik ansehen, denn weiterhin verpflichteten sich beide Parteien die jeweiligen Machtsphären anzuerkennen, d.h. dass Athen auf den Hegemonie-Anspruch zu Lande verzichtete und dass Sparta die Seeherrschaft Athens grundsätzlich akzeptierte. Athen hatte dadurch nicht nur durch Sparta die Anerkennung seiner Seeherrschaft erreicht, denn es hatte vorher schon ähnliche Garantien gegen Persien durchgesetzt.9

Athen machte allerdings auch Zugeständnisse zu Gunsten der spartanischen Seite, denn Sparta musste genauso wie Athen Stärke demonstrieren, um die Stabilität des Peloponnesischen Bundes nicht zu riskieren und um weitere aufständische Tendenzen innerhalb des Bundes zu vermeiden. Darum räumte Athen die im Krieg eroberten und besetzten Gebiete, u.a. die megarischen Häfen10 auf der Peloponnes.

Inwieweit diese Verhandlungsmasse die außenpolitischen Pläne Athens tangierte, ist nicht eindeutig geklärt. Zum einen war Athen stetig darum bemüht gewesen Sparta vom attischen Kernland fernzuhalten, was auch im weiteren Ausbau der Schutzmauer Ausdruck fand. Zum anderen zielten die bisherigen Expansionsbestrebungen eher nach Osten und Süden (z.B. die Zypern- und Ägypten-Expeditionen) statt nach Westen, sieht man von den italischen Kolonien einmal ab. Im extremsten Fall blieb hier das Konfliktpotential weiterhin bestehen, da Athen sich auf den Machtbereich zu Zeiten Kimons zurückversetzt sah, was den Dualismus der beiden Poleis weiter beförderte.11

Um die Ernsthaftigkeit der Vereinbarungen zu gewährleisten, wurde im Streitfall auf Basis dieses Vertrages ein unabhängiges Schiedsgericht einberufen. Dazu reichte es, wenn einer der beiden Vertragspartner bereit war dies zu tun. So wurden außenpolitische Diskussionen zwischen 446 und 431 v. Chr. auf Grundlage dieses Vertrages geführt und gelöst. Das bedeutete allerdings auch, dass Streitigkeiten nur über den Umweg Athen und Sparta gelöst werden konnten, da nur die beiden Großpoleis das Schiedsgericht anrufen konnten. Mitspracherecht besaßen die Städte ggf. nur innerhalb der Bündnisse, d.h. sie konnten den Bündnisführer in den Volksräten auffordern das Schiedsgericht anzurufen.

Das Vertragswerk wurde zu einer gänzlich neuen völkerrechtlichen Grundlage für ganz Griechenland.12 Deutlich wurde dies dadurch, dass dieser Vertrag nicht nur die Kontrahenten Athen und Sparta selbst betraf, sondern auch alle anderen Poleis Griechenlands. Demnach wurden die Poleis, nach Angaben von Thukydides,13 in drei Kategorien aufgeteilt. Entweder gehörte eine Polis zum Delisch-Attischen Seebund oder zum Peloponnesischen Bund. In der dritten Gruppe waren die neutralen Poleis, die freiwillig und ohne Zwang einem der Bündnisse beitreten konnten.

Allerdings sah der Vertrag für die Poleis innerhalb der Bündnisse keine Möglichkeiten des Bündnisaustritts oder des Bündniswechsels vor. Weiterhin durften abtrünnige Bündnisstädte nicht von der Gegenseite unterstützt oder aufgenommen werden. Diese weitreichenden Bestimmungen sollten zukünftiges Konfliktpotential zwischen Athen und Sparta vermeiden helfen und können doch als „Achillesferse“ der vertraglichen Inhalte interpretiert werden.

2.2. Schwächen des Vertrages und die Folgen

Der Friedensvertrag „war allein aus der machtpolitischen Perspektive Spartas und Athens geschlossen [worden] und berücksichtigte in keiner Weise die Interessen der Bundesmitglieder“,14 beschrieb der Historiker Raimund Schulz die Situation. Die vertraglichen Vereinbarungen zielten lediglich darauf ab die Macht zwischen Athen und Sparta aufzuteilen, während der Rest Griechenlands in ein Abhängigkeitsverhältnis getrieben wurde.

Diese Abhängigkeit verlief aber in beide Richtungen. Jeder Konflikt der Bündnispartner führte unweigerlich zu einer Verstrickung der Hegemonialmächte und förderte so den latenten Dualismus, den Argwohn und die erneute Kriegsbereitschaft auf beiden Seiten. Weiterhin führte die Nichtberücksichtigung der Bündnismitglieder in den Vertragsmodalitäten zwangsläufig zur Unzufriedenheit in den vereinzelten Polis und immer wieder zu Autonomiebestrebungen. Somit wirkte die Autonomieregelung auch wie eine Schwäche des Vertrages. Gerade die Streitigkeiten um Samos und Poteidia15 stellten eine besondere Belastungsprobe für den Frieden dar und konnten nur durch das Schiedsgericht geschlichtet werden. Ähnlich verhielt es sich um den ständigen Konfliktherd Aigina, dessen strategische Lage besonders athenische Interessen tangierte.

[...]

Details

Seiten
17
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656907930
ISBN (Buch)
9783656907947
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v293355
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Geschichte
Note
2,3
Schlagworte
Dreißigjähriger Frieden Athen Sparta Außenpolitik Antike

Autor

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Titel: Athenische Außenpolitik während des Dreißigjährigen Friedens zwischen Athen und Sparta (446/45 v. Chr.)