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Kommunikationsinstrumente, -techniken und -mechanismen der nationalsozialistischen Propaganda

Eine retrospektive Analyse

Masterarbeit 2014 176 Seiten

Medien / Kommunikation - Mediengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziel der Arbeit
1.3 Eingrenzung
1.4 Vorgehensweise
1.5 Stand der Forschung

2 NS-Propaganda: Annäherung & Einordnung
2.1 Zur Begriffsgeschichte der Propaganda
2.2 Definition: Propaganda
2.3 Das Massenparadigma: Anker der NS-Propaganda
2.3.1 Rezeption durch Hitler
2.3.2 Rezeption durch Goebbels

3 Übergeordnete Modelle
3.1 Stimulus-Response-Modell – Grundlage der Konditionierung
3.2 Implizites & Explizites Gedächtnis
3.3 Vormacht der Emotionen
3.3.1 Definition: Emotion
3.3.2 Aufgaben von Emotionen

4 Der Weg zur Massenbeeinflussung
4.1 Machtübernahme & Gleichschaltung
4.2 Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda
4.3 Definition: Agenda Setting
4.4 Experiment: Agenda Setting

5 Kommunikationskonzept
5.1 Kommunikationsziele
5.2 Positionierungsstrategie
5.2.1 Positionierung durch Information
5.2.2 Positionierung durch Aktualität
5.2.3 Emotionale Positionierung
5.3 Copy-Strategie
5.3.1 Definition: Operante & Instrumentelle Konditionierung
5.3.2 Experiment: Operante & Instrumentelle Konditionierung

6 Zentrale kommunikationspolitische Instrumente
6.1 Rundfunk
6.1.1 Definition: Schuldinduzierung
6.1.2 Experiment: Schuldinduzierung
6.2 Plakate
6.2.1 Sozialtechniken
6.2.2 Definition: Furchtinduzierung
6.2.3 Experiment: Furchtinduzierung
6.2.4 Definition: Archetypen
6.2.5 Experiment: Archetypen
6.2.6 Definition: Reziprozitätsprinzip
6.2.7 Experiment: Reziprozitätsprinzip
6.3 Film
6.3.1 Definition: Sündenbockmechanismus
6.3.2 Experiment: Sündenbockmechanismus
6.3.3 Definition: Stereotypisierung
6.3.4 Experiment: Stereotypisierung
6.3.5 Definition: Priming
6.3.6 Experiment: Priming
6.4 Führerkult
6.4.1 Definition: Autoritätsgehorsam
6.4.2 Experiment: Autoritätsgehorsam
6.4.3 Sympathie
6.5 Sprache
6.5.1 Definition: Assoziationsprinzip
6.5.2 Experiment: Assoziationsprinzip
6.5.3 Definition: Innere Bilder
6.5.4 Experiment: Innere Bilder
6.6 Veranstaltungen
6.6.1 Definition: Emotionale Konditionierung
6.6.2 Experiment: Emotionale Konditionierung
6.6.3 Definition: Prinzip der sozialen Bewährtheit
6.6.4 Experiment: Prinzip der sozialen Bewährtheit
6.7 Presse

7 Eigendynamik der NS-Propaganda
7.1 Definition: Kognitive Dissonanz
7.2 Experiment: Kognitive Dissonanz
7.3 Definition: Commitment
7.4 Experiment: Commitment
7.5 Definition: Schweigespirale
7.6 Experiment: Schweigespirale

8 Zusammenfassung & Ausblick

Anhang
Anhang 1: Copy-Strategie der NS-Propaganda
Anhang 2: Auszug Rede im Berliner Sportpalast, 18. Februar 1943
Anhang 3: Rhetorische Stilmittel der NS-Propaganda
Anhang 4: Übersicht Techniken & Mechanismen der NS-Propaganda

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung I: Wahlplakat Gau München-Oberbayern (1938)

Abbildung II: Ausstellungsplakat des Reichsnährstandes (1940)

Abbildung III: Propaganda-Plakat zum Maifeiertag (1933)

Abbildung IV: Plakat zur Arbeitsbeschaffung (1934)

Abbildung V: Familie im Urlaub (o. J.)

Abbildung VI: Geschmücktes Klassenzimmer (1942)

Abbildung VII: Reichsparteitag Nürnberg (1938)

Abbildung VIII: Parade in Lahr (1936)

Abbildung IX: Limbische Landkarte mit Emotionssystemen und Werten

Abbildung X: Titel Broschüre über „totalen Krieg“ (1943)

Abbildung XI: Plakat zur assenhygiene der Frau (1944)

Abbildung XII: Plakat der Gebietsführung Wien der Hitlerjugend (ca. 1938)

Abbildung XIII: Pfundspende des Winterhilfswerks (1935)

Abbildung XIV: Heizkohlen des Winterhilfswerks (1936)

Abbildung XV: Luftschutz-Plakat (1940)

Abbildung XVI: Plakat zur Reichstagswahl (1932)

Abbildung XVII: Durchhalteplakat „Sieg um jeden Preis“ (ca. 1944)

Abbildung XVIII: Plakat des Winterhilfswerks (1935)

Abbildung XIX: Schnelligkeit und Wirkung der Sprachverarbeitung im Gehirn

Abbildung XX: Lichtdom mit Flak-Scheinwerfern, Reichsparteitag 1936

Abbildung XI: Plakat zur Rassenhygiene der Frau (1944)

Abbildung XXI: Wahlplakat „Zug um Zug“ zur Annexion Österreichs (1938)

Abbildung XXII: Wahlplakat „fester Block“ zur Annexion Österreichs (1938)

Abbildung XXIII: Soldatische Tugenden der Hitlerjugend (1940)

Abbildung XXIV: Werbung für die Schutzstaffel (o. J.)

Abbildung XXV: Hitler in Uniform (1938)

Abbildung XXVI: Kampagne NS-Volkswohlfahrt zur Rolle der Frau (ca. 1936)

Abbildung XXVII: Antisemitische Kriegspropaganda (1943)

Abbildung XXVIII: Gegenüberstellung von Sieg und Niederlage (1943)

Tabellenverzeichnis

Tabelle I: Erweiterte Lasswell-Formel

Tabelle II: Consumer Benefits der NS-Propaganda

Tabelle III: NS-Filmthemen

Tabelle IV: Auszug rhetorische Stilmittel der NS-Propaganda

Tabelle V: Übersicht Emotionale Konditionierung

1 Einleitung

In Deutschland wird Propaganda unweigerlich mit dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht. Auf keinem schulischen Lehrplan fehlend, sind es vor allem Bilder von Massenaufmärschen und ausgemergelten Juden sowie der blecherne Klang des Volksempfängers, die dem deutschen Gedächtnis durch den Unterricht in Erinnerung gehalten werden. Auch in den Medien wird hauptsächlich und regelmäßig dieses altdeutsche Bild von Propaganda gezeichnet. Da der Nationalsozialismus zur deutschen Geschichte gehört und er zudem als Musterbeispiel für Propaganda gilt, erscheint das auf den ersten Blick sinnvoll. Allerdings entsteht damit der Eindruck, dass diese Kommunikationstechnik zusammen mit dem NS-Regime untergegangen ist.

Stattdessen aber hat sie nie an Aktualität verloren. Propaganda ist weiterhin überall dort, wo über eine sachliche Argumentation hinaus oder an Stelle ihrer überzeugt werden soll. Das kann, wie im ultrakommunistischen China, auf offensichtliche und rabiate Weise erfolgen. Ebenso wird sie in subtiler Form ausgeübt. Dann beeinflusst sie den Rezipienten, ohne dass ihm dies gänzlich oder in vollkommener Tragweite bewusst ist. Das geschieht im Alltag der als aufgeklärt und überinformiert geltenden Bürger der westlichen Welt – durch die Konsum- und Unterhaltungsindustrie und die Medien generell.

Zwischen dem aktuellen Coca Cola-Spot als Repräsentant heutiger kommerzieller Kommunikation und der Übertragung der Regierungsgewalt auf die NSDAP liegen rund 80 Jahre. In dieser Zeit wurde im Bereich der Massenkommunikation viel geforscht, es wurden neue Erkenntnisse gewonnen und angewandt. Trotzdem gelten die Propaganda-Aktivitäten der NS-Herrschaft weiterhin als praktiziertes Meisterstück in dieser Disziplin. Es stellt sich die Frage, inwieweit die damals – beabsichtigt oder zufällig – angewandten Techniken und angesprochenen menschlichen Reaktionsweisen mit den heute gebräuchlichen übereinstimmen. Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit ist die Vermutung, dass dies in vielerlei Hinsicht der Fall ist. Ihr Kern ist der Versuch, der NS-Kommunikation die Schablone heutiger Vorgehensweisen und Erkenntnisse der kommunikativen Einflussnahme anzulegen.

1.1 Problemstellung

Betrachtet man die im Nationalsozialismus angewandten Kommunikationstechniken und -mechanismen näher, werden Gemeinsamkeiten zu den heute gebräuchlichen deutlich. In der Literatur sind durchaus auch Analysen nach aktuellen Gesichtspunkten zu finden. Jedoch befassen sich diese entweder mit einem bestimmten Kommunikations-Instrument wie dem Film1, einem Thema wie dem Antisemitismus2 oder sie konzentrieren sich auf ein einzelnes Phänomen, wie zum Beispiel dem betriebenen Personenkult in der NS-Zeit3. Auch sind vereinzelt Übersichten über Propagandatechniken zu finden. Allerdings dienen diese vielmehr dem groben Überblick, um das Prinzip Propaganda besser zu verstehen, statt einen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben4. Eine komplette Benennung aller kommunikationspolitischen Instrumente inklusive angewandter Techniken und stimulierter Wirkmechanismen sucht man vergeblich. Es fehlt eine retrospektive Analyse des gesamten Propaganda-Apparates der Nationalsozialisten aus kommunikationspolitischer Sicht.

In der Geschichte Deutschlands waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts die politischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen äußerst zuträglich für die Ausübung von Propaganda. Nach der Machtergreifung folgte eine bis dato beispiellose Isolierung und Ausschöpfung der Massenmedien. Als Folge daraus konnten Kommunikationstechniken und dadurch stimulierte Mechanismen der menschlichen Psyche relativ ungestört ihre Wirkung entfalten. Das Dritte Reich ist daher von hoher praktischer Relevanz für Kommunikationsausübende, -lehrende und -lernende. Dafür fehlt bisher die wissenschaftliche Grundlage.

1.2 Ziel der Arbeit

Die vorliegende Arbeit stellt einen ersten Schritt dahingehend dar, ein vollständiges Bild von der nationalsozialistischen Kommunikationspolitik zu zeichnen. Sie soll abgleichen, inwieweit der NS-Propaganda die gleichen kommunikativen Gesetzmäßigkeiten zugrunde liegen, die auch heute noch gängige Praxis sind. Diese Arbeit erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Mit den populärsten und markantesten Techniken und Mechanismen zum Inhalt, soll sie die Basis für weitere Untersuchungen und Ergänzungen in spezifischen Bereichen der Kommunikation darstellen.

Das Ziel dieser Arbeit ist die Aufarbeitung des Nationalsozialismus als Fallbeispiel für ein Kommunikationskonzept mit seinen typischen Ausprägungen. Gängige theoretische Modelle und Methoden können somit mit einem konkreten Sachverhalt angereichert und im Zusammenspiel dargestellt werden. Letztlich werden also die Ereignisse im Dritten Reich für Lernzwecke nutzbar gemacht.

Insbesondere aber soll die Aufarbeitung des Nationalsozialismus aus kommunikationspolitischer Sicht aufzeigen, wohin der Missbrauch des Instruments der Kommunikation führen kann. Gleichzeitig soll sie ermöglichen, derartige Absichten frühzeitig erkennen und Gegenmaßnahmen einleiten zu können.

Es ergeben sich drei Fragestellungen, die den Kern der vorliegenden Arbeit bilden:

1) Was sind die genutzten Propagandamittel und welchem heute gebräuchlichen kommunikationspolitischen Instrument lassen sie sich zuordnen?
2) Welche Kommunikationstechniken wurden innerhalb der jeweiligen kommunikationspolitischen Instrumente angewandt und welche Mechanismen könnten stimuliert worden sein?
3) Gibt es Studien, die die Wirksamkeit der Techniken sowie Mechanismen belegen?

Diese Forschungsfragen sind insofern weit gefasst, dass zu deren vollständiger Beantwortung große Gebiete der Kommunikationswissenschaft und Psychologie, aber auch der Soziologie herangezogen werden müssten. Die behandelten Theorien stammen hauptsächlich aus der Werbepsychologie. Ferner befassen sich die folgenden Untersuchungen mit den übergeordneten Wissenschaften, sofern sie für die kommunikative Einflussnahme zur Erreichung kommerzieller oder politischer Ziele als unentbehrlich zu betrachten sind.

1.3 Eingrenzung

Trotz der überwiegenden Konzentration auf die Werbepsychologie ist die Reichweite der in Frage kommenden Techniken und Mechanismen enorm. Aus diesem Grund wird der Fokus auf solche gelegt, die populärwissenschaftlich weit verbreitet oder grundlegend sind. Beispiele hierfür sind die Konditionierungsmodelle, soziale Modelle oder die Theorie der kognitiven Dissonanz. Ergänzend dazu werden speziellere Techniken und Mechanismen berücksichtigt, deren Anwendung beziehungsweise Stimulation im Rahmen der nationalsozialistischen Propaganda besonders hervorsticht. Dazu zählen beispielsweise Autoritätsgehorsam, innere Bilder oder die Induzierung von Schuld.

Solche Techniken und Mechanismen, die entweder zu umfangreich oder zu spezifisch sind, müssen ausgeschlossen werden. So ist zum Beispiel das Corporate Design ein klassisches Element eines Kommunikationskonzepts und gleichzeitig ein prägnantes Merkmal der NS-Propaganda. Die nationalsozialistische Typographie und Symbolik ist jedoch schon für sich allein genommen ein eigenes Forschungsgebiet, weswegen dessen Berücksichtigung im Rahmen dieser Arbeit nur am Rande möglich ist. Weiterhin sind der Einsatz neutraler Experten, Lobbying, Testimonials, des Sponsoring und der Ja-Schleife Beispiele für Techniken verschiedenster Bereiche der Kommunikation, die aufgrund des begrenzten Umfangs dieser Arbeit darin trotzdem keine Berücksichtigung finden können.

Ferner muss eine Beschränkung im inhaltlichen Aufbau dieser Arbeit vorgenommen werden. Viele Techniken und Mechanismen haben im Rahmen mehrerer kommunikationspolitischer Instrumente Anwendung gefunden. Es wird darauf verzichtet, sie wiederholt zu nennen. Stattdessen werden solche, die überall zu identifizieren sind, übergeordnet behandelt. Außerdem werden innerhalb der jeweiligen kommunikationspolitischen Instrumente lediglich solche Techniken und Mechanismen beschrieben, die besonders hervorstechen. Abschließend werden alle Techniken und Mechanismen in einer Matrix jedem kommunikationspolitischen Instrument zugeordnet, in dem sie zu identifizieren sind.

Darüber hinaus hat sich während der Literaturrecherche gezeigt, dass teils Techniken und Mechanismen genannt werden, die einer Definition oder wissenschaftlichen Grundlage entbehren. Ein Beispiel hierfür ist die Suggestion. Auf die Berücksichtigung nicht konkretisierter Begriffe wird verzichtet. Ebenso sind Techniken

oder Mechanismen zu finden, die auf ein übergeordnetes Prinzip zurückzuführen sind, das ebenfalls behandelt wird. Ein Beispiel hierfür ist Framing, das praktisch eine Verfeinerung der übergeordneten Agenda Setting-Theorie darstellt und daher nicht behandelt wird. Zudem existieren Techniken und Mechanismen, die sich zwar von der Bezeichnung her unterscheiden, letztlich aber gleich oder ähnlich definiert werden. Beispiele sind die Prinzipen Gruppenreflexion und soziale Bewährtheit, Orientierung an Mehrheiten und Schweigespirale sowie Konsistenz und kognitive Dissonanz. Es wird jeweils nur ein Prinzip behandelt.

1.4 Vorgehensweise

Das zu bearbeitende Forschungsgebiet ist sowohl zeitlich als auch thematisch relativ gut abgrenzbar und bekannt. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den Propagandaaktivitäten im Deutschen Reich auf der einen Seite – also vom Zeitpunkt der Machtübernahme durch Hitler und die NSDAP im Jahre 1933 bis zur bedingungslosen Kapitulation im Frühjahr 1945. Auf der anderen Seite stehen die heutigen Erkenntnisse der Werbepsychologie (u.a.). Diese beiden Forschungsgebiete werden im Rahmen einer retrospektiven Analyse zusammengeführt: Die NS-Zeit und zeitgenössische Propaganda werden mit heutigen Modellen und Theorien abgeglichen. Es herrscht also lediglich Unkenntnis über die Struktur, den Charakter und die Ausprägung der sich daraus ergebenden Schnittmenge, weswegen sich eine rein deskriptive Grundmethode anbietet. Geleitet wird diese von den zuvor genannten drei Fragestellungen.

Im Vorhinein muss Klarheit darüber geschaffen werden, was Propaganda ist. Um einen Überblick über die zahlreichen Definitionen zu ermöglichen, werden die Merkmale daraus W-Fragen in Anlehnung an die Lasswell-Formel zugeordnet: Wer sagt was in welchem Kanal zu wem mit welchem Effekt und auf welche Weise5.

Das Einzelphänomen „NS-Propaganda“ und seine Ausprägungen werden herangezogen, um werbepsychologische Techniken und Mechanismen im Allgemeinen praktisch zu erklären. Es wird also von einem Beobachtungspunkt in der Geschichte auf Theorien geschlossen. Die daraus entstehenden Hypothesen dieser induktiven Argumentation sind daher nicht zwingend logisch, sondern nur in gewissem Maße wahrscheinlich. Es werden daher bereits durchgeführte empirische Beobachtungen herangezogen, um bei diesem erkenntnistheoretischen Ansatz mehr Validität zu erzielen.

1.5 Stand der Forschung

Propaganda wurde von Wissenschaftlern und Intellektuellen verschiedenster Lehren erforscht. Sowohl isoliert als auch interdisziplinär ist diese Form der Einflussnahme historisch, politik- und kommunikationswissenschaftlich, sozio- und psychologisch untersucht worden, um nur die reichhaltigsten Disziplinen zu nennen. Aus dieser vielfach bearbeiteten Forschungslandschaft ist eine kaum zu überschauende Menge an Literatur hervorgegangen. Das unter dem Einfluss der Propaganda stehende Deutschland in den Jahren von 1933 bis 1945 kommt als Musterbeispiel in nahezu jedem Übersichtswerk mehr oder weniger ausführlich vor.

Die Propagandaforschung6 stellt die Schnittmenge der verschiedenen Disziplinen dar. Sie ist für die vorliegende Arbeit insoweit relevant, dass sie die kommunikationswissenschaftlichen Basismodelle und -theorien benennt, die der nationalsozialistischen Propaganda zu Grunde liegen (S-R-Paradigma, Massentheorem). Ferner gibt sie Orientierung, wie die NS-Propaganda im Hinblick auf ihre Wirkungsweise ausgerichtet war (implizit, emotional).

Die vorliegende Arbeit befasst sich zu einem großen Anteil mit der nachträglichen Beschreibung der kommunikationspolitischen Instrumente. Hierfür wird vor allem historische Literatur herangezogen. Es sind zahlreiche Übersichtswerke7 vorhanden, die das gesamte Propaganda-Instrumentarium beschreiben. Die Inhalte daraus werden anhand von Arbeiten ergänzt, die sich auf Teilbereiche8 des Propaganda-Apparates konzentrieren. Auch liefern die historischen Auseinandersetzungen mit der NS-Propaganda erste Hinweise zu den angewandten Techniken und adressierten Mechanismen.

Einen besonderen Stellenwert nehmen solche Quellen ein, die direkt von den Propaganda-Aktionären stammen. Hitlers und Goebbels‘ selbst verfasste Werke9 sowie Sammlungen ihrer Reden und Äußerungen10 ermöglichen einen unmittelbaren Einblick in die Prinzipien der nationalsozialistischen Propaganda. Darüber hinaus können historische und theoretische Beschreibungen dadurch mit konkreten Beispielen belegt werden. Weitere Erkenntnisse über die Propagandakonzeptionen Hitlers und Goebbels‘ liefern deren Lektüren zeitgenössischer Literatur11 auf der einen Seite und zum anderen Analysen, die sich auf die Aktivitäten und Äußerungen der Propagandaführer beziehen12.

Nachdem die kommunikationspolitischen Instrumente beschrieben und exemplifiziert sind, folgt die Identifikation der Techniken und Mechanismen. Hierfür werden aktuelle Nachschlagewerke und Lehrbücher herangezogen, die neben weiteren Disziplinen13 vor allem die Werbepsychologie14 zum Inhalt haben15. Auf diese Weise erfolgt ein Abgleich heute anerkannter mit damaligen Methoden.

Die Wirksamkeit der identifizierten Techniken und Mechanismen wird mit bereits durchgeführten Experimenten belegt. Informationen hierzu werden (wenn vorhanden) den Ursprungswerken der Wissenschaftler entnommen, auf deren Untersuchungen sie zurückzuführen sind16. Sie liefern darüber hinaus weiterführende Informationen zu den jeweiligen Techniken und Mechanismen.

2 NS-Propaganda: Annäherung & Einordnung

Um die Propaganda der Nationalsozialisten zu analysieren, ist eine Konkretisierung des Begriffs erforderlich. In diesem Abschnitt wird daher zunächst beschrieben, was die Ursprünge der Propaganda sind und wie sich die Verwendung des Begriffs im Laufe der Zeit gewandelt hat. Daran schließt eine Begriffsdefinition an, aus der die Merkmale von Propaganda im Allgemeinen hervorgehen. Diese werden anhand der Lasswell-Formel verortet. Abschließend folgt die Beschreibung der nationalsozialistischen Propaganda im Speziellen. Diese ist vom Le Bon’schen Massentheorem und dessen Auslegung seitens der Propagandaführer Adolf Hitler und Joseph Goebbels geprägt.

2.1 Zur Begriffsgeschichte der Propaganda

Propaganda wurde im Sprachgebrauch, je nach Kontext und Zeitpunkt in der Weltgeschichte, unterschiedlich interpretiert. Zunächst einmal bedeutet der Begriff schlichtweg die Ausstreuung und Voranbringung bestimmter Ideen17. Im Latein-Wörterbuch findet sich dessen Urform „propagare“, die für „erweitern“, „fortpflanzen“, „verbreiten“ oder „vergrößern“ steht18.

Die Prägung des Wortes „Propaganda“ geht auf die „sacra congregatio de propaganda fide“ (Heilige Kongregation für die Glaubensverbreitung) zurück19. Diese Gründung von Papst Gregor XV. aus dem Jahre 1622 sollte vorrangig der Ausbreitung des Protestantismus entgegenwirken20. Bereits zu dem damaligen Zeitpunkt erhielt Propaganda erstmalig eine negative Konnotation seitens der Protestanten, während die Katholiken sie als durchweg positiv betrachteten21.

Der nächste geschichtliche Meilenstein ist das 18. Jahrhundert. Während der Französischen Revolution wird Propaganda zu einem gebräuchlichen Instrument in der Politik22. Durch das Aufkommen der Massenmedien und der kommerziellen Werbung wird sie im Verlauf des Folgejahrhunderts professionalisiert23. Fortan ist Propaganda eine gebräuchliche Kommunikationstechnik in der Politik, im Krieg oder in der kommerziellen Welt.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist Propaganda ein durchaus gängiger Terminus geworden. Ein Eintrag im Meyers Konversationslexikon von 1908 zeigt, dass sich Propaganda in der Geschäftswelt zur Bezeichnung von Aktivitäten der Absatzwirtschaft etabliert hat. Darin steht der Begriff (u.a.) für „die Gesamtheit der zur Verbreitung von Erzeugnissen (Waren, Schriften) erforderlichen Mittel (Anzeigen, Reklame etc.)“24.

In den 1930er Jahren erfährt der Begriff in Deutschland eine strikte Verbannung aus dem kommerziellen Sprachgebrauch. Die Nationalsozialisten nehmen Propaganda für ihre politischen Ziele ein und beladen sie mit einer negativen Konnotation, die ihr bis heute anhaftet. Seither ist sie mit den Geschehnissen in der NS-Zeit sowie den Aktivitäten des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda (RMVP) um Joseph Goebbels verbunden.

Anders verhält es sich in den Vereinigten Staaten, wo Propaganda zunächst einmal mit dem „Committee on Public Information“ (CPI), das amerikanische Propagandaministerium im Ersten Weltkrieg, in Verbindung gebracht wird. Darüber hinaus haben sich dort die Kriegspropaganda und die kommerzielle Werbung in engem Bezug zueinander entwickeln können25. Das Ergebnis ist die Entstehung einer ganz neuen Kommunikationstechnik in den 1920er Jahren, den „Public Relations“26.

Der bekannteste Vertreter dieser Verbindung zwischen Propaganda und Öffentlichkeitsarbeit ist Edward Bernays. Der Neffe Siegmund Freuds hat sich, wie vormals sein Onkel, ausgiebig mit der Le Bon’schen Massentheorie beschäftigt. Sie ist das Paradigma vieler Propagandatheorien, vor allem aber der nationalsozialistischen, was im späteren Verlauf dieser Arbeit deutlich wird. Auf dessen Basis schuf der in die Vereinigten Staaten ausgewanderte Wiener die „bis heute gültige Grundlage für Unternehmens- und Regierungskommunikation“27 – er gilt als der Vater der Public Relations28. In seinem Hauptwerk Propaganda: Die Kunst der Public Relations aus dem Jahre 1928 benennt er wesentliche Techniken zur Meinungsbeeinflussung, die noch heute Anwendung finden.

In Deutschland findet während des zweiten Weltkriegs wenig bis keine kommunikationswissenschaftliche Forschung statt. Die Machthaber halten generell wenig von Wissenschaft und wünschen außerdem keine Analyse ihrer Herrschaftstechniken29. Anstelle sich parallel zu entwickeln, vermischt sich Propaganda erst in der Nachkriegszeit mit kommerzieller Werbung. Viele Propaganda-Spezialisten, die zunächst Berater der NS-Führung waren, es sein wollten oder ihre Forschungen darauf gerichtet hatten, beschäftigen sich fortan mit dem kommerziellen Einsatz dieser Kommunikationstechnik in Wirtschaft und Politik.

So zum Beispiel der Werbe- und PR-Praktiker Hans Domizlaff, der die heutige Markentechnik begründet hat und ebenfalls ein Anhänger der Massentheorie war30. Er buhlte um die Anerkennung von Goebbels und Hitler und richtete sich mit seinem Werk Propagandamittel der Staatsidee von 1932 insbesondere an deren Interessen31. Domizlaff hat maßgeblich zur Anwendung psychologischer Wirksamkeiten in Politik und Wirtschaft beigetragen32. Davon profitierten insbesondere die Unternehmen Siemens und Reemtsma, für die Domizlaff beratend tätig war33. Sein Buch gilt als eines der wichtigsten deutschen Propagandalehrbücher34.

Was hiermit deutlich wird ist, dass die heutige Kommunikationswissenschaft, insbesondere die Erkenntnisse innerhalb der Massenkommunikation sowie Werbepsychologie, zu großen Teilen der Propaganda um Le Bons Massentheorie entstammen. Zwischen gegenwärtig anerkannten Handlungsmaximen und damaligen Annahmen liegt allerdings ein umfassender Wandel, welcher insbesondere durch die Weiterentwicklung des Mediensystems und Bildung von Käufermärkten bedingt ist35. Aus diesem Grund wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit nicht oder nur geringfügig die soeben genannte zeitgenössische, sondern aktuelle Literatur herangezogen. Denn heute weiter erforscht und angereichert, macht eine Reflektion des Propagandaphänomens im Nazi-Deutschland unter Einbezug heutiger Erkenntnisse durchaus Sinn.

2.2 Definition: Propaganda

Die vorherigen Kapitel haben einen Einblick gegeben, wie sich das allgemeine Verständnis des Begriffs durch die Absichten der Propaganda-Ausübenden gewandelt hat. Ebenso wurde bereits angeführt, dass dieses Thema von vielzähligen wissenschaftlichen Blickwinkeln ausgehend erforscht wurde. Dementsprechend zahlreich sind auch die Definitionen. Kombiniert betrachtet, sind daraus die sich über die Zeit zunehmend konkretisierenden Merkmale von Propaganda zu erkennen.

Die älteste systematische Definition von Propaganda ist sozialwissenschaftlicher Natur. Der aus diesem Bereich stammende Propagandaforscher Johann Plenge beschrieb Propaganda im Jahre 1922 als „die Verbreitung geistiger Antriebe, die Handlungen auslösen sollen.“36 Aus dieser frühen Begriffsbestimmung ist bereits die Symbolhaftigkeit von Propaganda herauszulesen, was sich in späteren Definitionen manifestieren soll. Propaganda ist nicht dinglich und will nicht sachlich argumentieren. Stattdessen ist sie subtil und der direkten Einflussnahme vorgelagert. Statt eine Botschaft offensichtlich auszusenden, wird sie vielmehr eingepflanzt. Sie gelangt in Ideen und Metaphern verpackt in die menschliche Psyche, wo sie die Gedankenwelt antreiben soll.

Fünf Jahre später formuliert Harold D. Lasswell aus, was Plenge angedeutet hat. Im Jahre 1927 beschreibt der Politikwissenschaftler und Kommunikationstheoretiker Propaganda als „the management of collective attitudes by the manipulation of the significant symbols.“37 Es geht also um die geplante Einstellungs- und Verhaltenssteuerung einer sozialen Gruppe. Symbolen misst Lasswell hierbei eine besondere Bedeutung zu. Konkret nennt er hierfür „words or word substitutes like pictures and gestures“38. Später fasst er das Symbol-Spektrum weiter und beschreibt, dass diese „spoken, written, pictorial or musical form“39 annehmen können. Bernays bildet eine ähnliche Aussage, ergänzt jedoch die systematische Komponente. Er versteht Propaganda als einen „Mechanismus, mit dem Ideen im großen Stil gesteuert werden, hier im weiteren Sinn verstanden als der wohlorganisierte Versuch, einen bestimmten Glauben oder eine Doktrin zu verbreiten“40.

Eine aktuelle Definition stammt vom deutschen Kommunikationswissenschaftler Klaus Merten. Er definiert Propaganda im Jahr 2000 als „eine Technik zur Akzeptanz angesonnener Verhaltensprämissen, bei der die kommunizierte Botschaft durch Reflexivisierung generalisierte Wahrheitsansprüche erzeugt, deren Akzeptanz durch Kommunikation latenter Sanktionspotentiale sichergestellt wird“41. Merten verdeutlicht mit seiner sozialpsychologischen Definition die systematisierte Verbreitung von Fiktion. Sie wird „[…] im Diskurs naturalisiert und als wahrheitsbeanspruchend dargestellt“42. Mit „Reflexivisierung“ meint er die Absicherung eines kommunizierten unwahren Sachverhaltes durch „[…] eine weitere fiktive (unterstellte) Wahrheit mit Bezug auf die erste unterstellte Wahrheit […]“43. Zudem erweitert Merten das Verständnis von Propaganda dahingehend, dass die Verweigerung der „angesonnenen Verhaltensprämissen“ negative Konsequenzen habe. Diese Sanktions-Androhung ist ein fester Bestandteil der Propagandakommunikation.

Jowett und O’Donnell (2012) definieren Propaganda als „the deliberate, systematic attempt to shape perceptions, manipulate cognitions, and direct behaviour to achieve a response that furthers the desired intend of the propagandist“44. Sie liefern die wohl derzeit aktuellste Definition, die neben dem zugrundeliegenden Zweck von Propaganda, vor allem ihre Wirkungsweise zum Inhalt hat.

In einer Meta-Definition von 2007 führt Bussemer außerdem an, dass Propaganda „in der Regel medienvermittelt“ ist, „sich an politische und soziale Großgruppen richtet“ und der Herstellung von „Öffentlichkeit zugunsten bestimmter Interessen“ dient45. Ferner zeichnet sie sich durch „die Komplementarität von überhöhtem Selbst- und denunzierendem Fremdbild“ aus46. Im Historischen Wörterbuch der Rhetorik (2005) wird außerdem die Informationslenkung als wichtiges Instrument der Propaganda genannt47.

Setzt man die Definitionen in einen zeitlichen Bezug, ist eine sich verändernde Deutung des Begriffs zu beobachten. Die ersten Definitionen sind vom Stimulus-Response-Modell geprägt. Dieses nahm in der Diskussion um Propagandawirkungen von 1925 bis 1960 eine besondere Stellung ein48. Darauffolgende Definitionen beschreiben Propaganda mehr als Technik. Letztlich wird sie zur „[…] form of communication […]“49. Begründet wird dies damit, dass Propaganda „keine objektiven Veränderungen in der Realität vornimmt“50, sondern lediglich „in der subjektiven Realitätskonstruktion der Menschen“51. Wobei diese dann letztlich zu tatsächlichen Realitätsveränderungen führt52. Diese Weiterentwicklung und Präzisierung des Forschungsgegenstandes verweist erneut darauf, dass sich die Untersuchung der nationalsozialistischen Propaganda nach aktuellen Erkenntnissen anbietet.

Um einen Überblick über die in den Definitionen genannten Merkmale zu erhalten, werden diese nun in dem Kommunikationsmodell von Harold D. Lasswell zusammengefasst. Die Lasswell-Formel „Who says what in which channel to whom with what effect?“ beschreibt die Basis-Elemente des Kommunikationsprozesses53. Tabelle I gibt Aufschluss darüber, wer in der Propagandakommunikation der Aussender ist, was die Kommunikation beinhaltet und aus welchem Medium die gesendete Information stammt. Außerdem wird zugeordnet, an wen sich die Botschaft richtet und welchen Effekt sie hat. Das Lasswell-Modell wurde außerdem um eine Dimension erweitert: Das zusätzliche Wie benennt die Techniken, derer sich Propagandisten bedienen. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit wird auf jede Dimension des Lasswell-Modells mindestens am Rande eingegangen. Der Schwerpunkt liegt allerdings auf wie (Techniken) und mit welchem Effekt (Mechanismen).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Tabelle I: Erweiterte Lasswell-Formel54

Die generellen Merkmale von Propaganda im Allgemeinen sind somit grundsätzlich definiert und die Basis der Erklärung von NS-Propaganda im Speziellen ebenfalls geschaffen. Die Folgekapitel widmen sich den Besonderheiten der nationalsozialistischen Propaganda, um das Bild davon zu komplettieren.

2.3 Das Massenparadigma: Anker der NS-Propaganda

Die NS-Propaganda ist ein Kind ihrer Zeit. Sie ist wissenschaftsgeschichtlich dem Massentheorem zuzuordnen, das vor allem ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem wichtigen Thema der politischen Theorie aufkeimt55. Dahinter steht die Sorge seitens der Eliten, von einer Majorität der Mittelmäßigen beherrscht zu werden, in der Standes-, Kultur- und Bildungsunterschiede keine Rolle mehr spielen56. War es bisher eine Elitenherrschaft, ist es zunehmend die öffentliche Meinung und somit das gemeine Volk, das das politische Handeln bestimmt57. Diese Entwicklung bedrohe die Freiheit, da diese einer imperativen Gleichmachung untergeordnet würde58. Das Massentheorem hatte also den Zweck, die Gebildeten und Besitzenden als von Natur aus überlegen darzustellen und somit deren Führungsanspruch zu rechtfertigen59.

Aus dieser vermeintlichen Krise der herrschenden Klassen entwickelte sich eine Art Handlungswissenschaft: die sogenannte Massenpsychologie. Sie sollte zunächst klären, warum sich Massengesellschaften entwickeln60. Daraus sollten schließlich Strategien entwickelt werden, um diese zu beherrschen und ihre Vorherrschaft im Bereich der politischen Meinung zu brechen61. Die Basis dafür entstammt maßgeblich den Beobachtungen des französischen Militärarztes und Sozialpsychologen Gustave Le Bon62. Sein Werk Psychologie der Massen zählt zu den meistgelesenen der damaligen europäischen und nordamerikanischen Mittelschichten63 und veranlasste unter anderem Siegmund Freud zu Überlegungen dahingehend, welche Mechanismen innerhalb von Massenbewegungen aktiv sind64.

Le Bon beschreibt, dass die Masse von einem psychologischen Gesetz der seelischen Einheit gekennzeichnet ist65. Gewisse Umstände würden dazu führen, dass eine Anhäufung von Personen Eigenschaften bildet, die sich von den Eigenschaften Einzelner unterscheiden66. Durch die Umformung zur Masse erlangen sie eine Art Gemeinschaftsseele, wodurch67:

1) „[…] sie in ganz anderer Weise fühlen, denken und handeln, als jedes [Individuum] von ihnen [es] für sich tun würde.“
2) „[…] die bewusste Persönlichkeit völlig ausgelöscht ist, Wille und Unterscheidungsvermögen fehlen, alle Gefühle und Gedanken in die Sinne verlegt sind.“
3) „Jedes Gefühl, jede Handlung übertragbar [ist], und zwar in so hohem Grade, dass der Einzelne sehr leicht seine persönlichen Wünsche den Gesamtwünschen opfert.“
4) „[…] der Einzelne in der Masse Gefühl unüberwindlicher Macht besitzt […].“
5) „[…] sie [Individuen] auf Zustand höchster Überspannung getrieben werden können.“

2.3.1 Rezeption durch Hitler

In Adolf Hitlers Mein Kampf, insbesondere in dem Kapitel Kriegspropaganda, sowie in der letztlichen Ausgestaltung seiner Propaganda finden sich auffallend viele Parallelen zu Le Bons niedergeschriebenen Beobachtungen68. Einen direkten Beweis für die Beeinflussung Hitlers durch die Schriften Le Bons gibt es zwar nicht, sie ist aus den genannten Gründen jedoch höchstwahrscheinlich. Weitere Lehrmeister, denen Hitler ein ganzes Kapitel widmet, waren die Gegner Deutschlands im Ersten Weltkrieg. Insbesondere die Kriegspropaganda der Amerikaner und Briten beschreibt er als „psychologisch richtig“69. An ihr war „unendlich viel zu lernen für den, der mit offenen Augen und unverkalktem Empfinden die viereinhalb Jahre anstürmende Flutwelle der feindlichen Propaganda für sich verarbeitete“70. Ferner und der Vollständigkeit halber sollen hiermit die Wiener Arbeiterbewegung und deren Führer genannt sein, die ebenfalls eine Vorbildfunktion für Hitler hatten71.

Propaganda hat sich gemäß Hitler an die breite Masse zu richten, die seiner Auffassung nach weniger gebildet ist72. Er erkennt ihr jegliche Fähigkeit zu nüchterner Überlegung ab73. Ihr Denken und Handeln würde vielmehr von gefühlsmäßiger Empfindung bestimmt, wobei diese noch dazu äußerst einfach, geschlossen und primitiv sei74. Seine Ausführungen spiegeln die Grundfeste des Massenparadigmas wider. Passend dazu klammert er die Elite als Rezipient der Propaganda aus75. Doch tut er dies nicht, weil er für sie die politische Vorherrschaft zurückerobern will. Vielmehr betrachtet er sie als Hindernis bei der Verbreitung seiner Ideologie: Laut ihm gelte „diesen ‚Gebildeten‘ [..] der größte Hohlkopf, wenn er nur in genügend Zeugnisse eingewickelt ist, mehr als der hellste Junge“76.

Ein weiterer maßgeblicher Aspekt der Propagandatheorie Hitlers ist die Relativität des Begriffes Wahrheit. Von der feindlichen Kriegspropaganda lernt er die „allererste Voraussetzung propagandistischer Tätigkeit überhaupt“77. Sie habe nicht „die Wahrheit […] zu erforschen, um sie dann der Masse in doktrinärer Aufrichtigkeit vorzusetzen, sondern ununterbrochen der eigenen zu dienen“78.

Die Handlungsmaximen, die aus Hitlers Werk und den Ereignissen im Dritten Reich ableitbar sind, werden in den Folgekapiteln detailliert behandelt. Vorausschauend ist anzuführen, dass die Aufgabe der NS-Propaganda unter Hitler nicht in der wissenschaftlichen Belehrung des Einzelnen liegt79. Stattdessen ist Propaganda dann erfolgreich, wenn sie das Volk in einer Gesamtheit begreift und bearbeitet80. Es gilt, die Masse auf die Notwendigkeit einer Tatsache oder eines Vorganges lediglich aufmerksam zu machen; sie zu überzeugen, ohne sachlich zu argumentieren81. Da die Aufnahmefähigkeit und das Verständnis der Masse gemäß Hitler klein sind, hat sich das Wirken von Propaganda auf ein geringes geistiges Niveau einzustellen, sich hauptsächlich an das Gefühl zu richten und muss von ständiger Wiederholung geprägt sein82.

2.3.2 Rezeption durch Goebbels

Als Gauleiter von Berlin, dann Reichspropagandaleiter und schließlich Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda kommt Joseph Goebbels nach Adolf Hitler die wichtigste Rolle in der Ausgestaltung der NS-Propaganda zu. Seine Tagebuch-Einträge lassen darauf schließen, dass er eine hohe Meinung von Hitler hat und ihm wohlgesonnen ist. Er schreibt: „So ein Brausekopf kann mein Führer sein. Ich beuge mich dem größeren, dem politischen Genie.“83

Seinen massenpsychologischen Ansichten steht Goebbels jedoch nüchtern gegenüber. So stimmt er zwar mit Hitler dahingehend überein, dass Propaganda durchaus auch primitiv sein muss und die Kunst der ewigen Wiederholung ist84, glaubt jedoch nicht an die Existenz eines kollektiven Massenrausches85. Goebbels reichert die NS-Propaganda mit subtilen und aufwendig formulierten Botschaften an86. Die Absicht von Propaganda müsse „[…] so klug und so virtuos kaschiert sein, daß der, der von dieser Absicht erfüllt werden soll, das überhaupt nicht bemerkt“87. Darüber hinaus ist die Androhung von Gewalt und Sanktionen ein zentrales Merkmal in der nationalsozialistischen Kommunikationspolitik, das hauptsächlich auf Goebbels zurückzuführen sein soll88.

Der promovierte Germanist und Journalist weiß die abstrakte Ideologie Hitlers zu konkretisieren und mit modernen Mitteln umzusetzen89. Als erfahrener Publizist90 befasst er sich vor allem mit Fragen des Informationsmanagements91. Er beabsichtigt, die vollkommene Kontrolle über alle publizistischen Ausdrucksformen in Deutschland zu erlangen, um den Informations- und Meinungsfluss nach Belieben steuern zu können92. Dabei forciert er den Ausbau damals neuer Medien, insbesondere des Rundfunks93.

Goebbels‘ Tagebucheinträge, Propaganda-Entscheidungen und die Nähe zu Propaganda-Theoretikern seiner Zeit lassen darauf schließen, dass er zwar auf den Massenbegriff zurückgriff, jedoch sein Publikum für durchaus diskursfähig hielt. Er war stets bestrebt, seinen Kenntnisstand dahingehend zu bereichern. Ein besonderes Augenmerk galt dabei der zeitgenössischen Werbekunde und Öffentlichkeitsarbeit94. In der wissenschaftlichen Literatur wird ihm vor allem die Nähe zu den Schriften Domizlaffs und Bernays – beide ebenfalls Massentheoretiker – bekundet95. Auf Domizlaff geht maßgeblich die Assoziation von Propaganda mit Symbolen des Erhabenen und Heldenhaften zurück96. Was die symbolische Selbstrepräsentation des Dritten Reichs betrifft, besteht eine auffallende Ähnlichkeit zu Domizlaffs Propagandamittel der Staatsidee, worin er die Massentheorie mit einem ästhetischen Ansatz verknüpft97. Der PR-Experte Bernays kombinierte die Massenpsychologie mit Studien zur Bildung der öffentlichen Meinung98. Sein Werk Crystallizing Public Opinion soll Goebbels maßgeblich bei der Verbreitung des Antisemitismus geleitet haben99.

Die wohl umfassendste Einsicht in die Propagandaprinzipien, denen Goebbels folgte, liefert Doobs Aufsatz Goebbels‘ Principles of Propaganda. Die insgesamt 19 Generalisierungen wurden aus der deutschen Kriegspropaganda abgeleitet und mit den Tagebucheinträgen des Propagandaministers abgeglichen100. Aus ihnen wird deutlich, dass für Goebbels zur Ausübung von Propaganda mehr gehörte als „die stereotype Wiederholung von Haßtiraden und die fanatistische Beschwörung von Gefolgschaftstreue“101. Folgende von Doob herausgearbeitete Grundsätze sind für die vorliegende Arbeit von besonderer Relevanz:

1) „Propagandists must have access to intelligence concerning events and public opinion.“102
2) „Propaganda must be planned and executed by only one authority.“103
3) „To be perceived, propaganda must evoke the interest of an audience and must be transmitted through an attention-getting communications medium.“104
4) „Credibility alone must determine wether propaganda output should be true or false.“105
5) „Propaganda may be facilitated by leaders with prestige.“106
6) „A propaganda theme must be repeated […]."107
7) „Propaganda must label events and people with distinctive phrases or slogans.“108
8) „Propaganda to the home front must create an optimum anxiety level.“109
9) „Propaganda must facilitate the displacement of aggression by specifying the targets for hatred.“110
10) „Propaganda […] must offer some form of action or diversion, or both.“111

3 Übergeordnete Modelle

Neben dem Massentheorem ist das Stimulus-Response-Modell das zweite Standbein der nationalsozialistischen Propaganda112. Es war zum einen Stand der damaligen Forschung, zum anderen haben die Arten der Konditionierung ihren Ursprung darin. Diese sind, wie sich im späteren Verlauf dieser Arbeit zeigen wird, ein oft genutztes Instrument der NS-Propaganda. Das S-R-Modell führt menschliches Verhalten auf einfache Reiz-Reaktions-Schemata zurück und beschränkt sich darauf. Mittlerweile sind die neurologischen Prozesse, die nach der Aussendung eines Reizes die darauffolgende Reaktion bedingen, durchaus beschreibbar. Insbesondere kann zwischen impliziten und expliziten sowie kognitiven und konativen Prozessen unterschieden werden. Die Propaganda des Nationalsozialismus spielte sich vor allem auf der unbewussten und emotionalen Ebene ab. Die menschlichen Wahrnehmungs- und Verarbeitungsmodi werden in diesem Kapitel daher ebenfalls beschrieben.

3.1 Stimulus-Response-Modell – Grundlage der Konditionierung

Bereits während des ersten der zwei Weltkriege drehten sich die wissenschaftlichen Diskussionen um das Konzept, Propaganda habe möglichst starke Reize auszusenden, die an angeborene Instinkte appellieren und somit intensive Reaktionen provozieren können113. Im Jahr 1927 legte der erste bedeutende Propagandaanalytiker Harold D. Lasswell endgültig fest, dass die Strategie der Propaganda „can readily be described as the language of stimulus-response“114. Der Psychologe Leonard W. Doob lieferte mit seinem Standardwerk Propaganda: Its Psychology and Technique im Jahr 1935 schließlich die theoretische Grundlage für Propaganda – mit dem Stimulus-Response-Modell als zentrales theoretisches Konzept115. Er beschrieb, dass die Signale der Propaganda den Rezipienten in einen Zustand innerer Erregung versetzen würden116. Gelinge dabei eine Triebabfuhr, würde der Reiz als positiv empfunden und internalisiert117.

Das Stimulus-Response-Modell entsprach also dem zeitgenössischen Verständnis und findet sich auch – neben der „Überzeugung von der mechanischen Beherrschbarkeit des in der Masse aufgelösten Individuums“118 – in Hitlers Denken. Aus seinen Schriften ist seine feste Überzeugung davon erkennbar, dass ein relativ banaler Reiz enormen Einfluss auf das menschliche Verhalten nehmen kann. Ein Beispiel hierfür ist seine Begründung für die Anwesenheit von Kommunisten bei nationalsozialistischen Kundgebungen:

„Wir haben die rote Farbe unserer Plakate nach genauem und gründlichem Überlegen gewählt, um dadurch die linke Seite zu reizen, zur Empörung zu bringen und sie zu verleiten, in unsere Versammlungen zu kommen, wenn auch nur, um sie zu sprengen, damit wir auf diese Weise überhaupt mit den Leuten reden konnten.“ 119

Die erkenntnistheoretische Basis des S-R-Modells ist der von dem amerikanischen Psychologen John Broadus Watson begründete Behaviorismus120. Watson nahm an, dass das Bewusstsein keinen relevanten Einfluss auf das menschliche Verhalten habe121. Stattdessen würde es immer durch einen äußeren Reiz ausgelöst122. Da die kognitiven und konativen Prozesse zum damaligen Zeitpunkt weder messbar noch beschreibbar waren, wurde diese sogenannte Black Box vernachlässigt und das Augenmerk auf den „Input“ in Form von Reizen und den „Output“ in Form von Reaktionen gelegt123.

Das S-R-Modell ist die behavioristische Grundlage der Konditionierung, also dem Erlernen von Reiz-Reaktions-Mustern124. Der bedeutendste und wohl auch bekannteste Repräsentant dieser Schule ist der russische Experimentalpsychologe Pawlow125. Er gilt als der Begründer des klassischen Konditionierens und hat jenes berühmte Experiment mit dem Hund und der Glocke durchgeführt126. Er zeigte, dass er das Tier dazu bringen konnte, seine typische Reaktion auf Nahrung (Speichelfluss) auf etwas anderes (Klingeln einer Glocke) folgen zu lassen, das mit Nahrung nichts zu tun hat – indem er das Tier beides gleichzeitig erfahren ließ127. Damit bewies Pawlow seine These:

„Wenn ein zunächst neutraler Stimulus (A) wiederholt mit einem Stimulus (B) gepaart wird, der zu einer bestimmten Reaktion führt (z.B. Speichelfluss), dann reicht irgendwann die Anwesenheit des Stimulus (A), um die Reaktion auszulösen“.128

Pawlows Untersuchungen waren die Voraussetzung weiterer Konditionierungsmodelle, die für die vorliegende Arbeit von Bedeutung sind. Aus diesem Grund wurde vorab darauf eingegangen. In den Folgekapiteln wird an entsprechender Stelle das Vorkommen weiterer Konditionierungsmodelle im Kontext des Nationalsozialismus besprochen.

3.2 Implizites & Explizites Gedächtnis

Was sich in der sogenannten Black Box abspielt, ist ein vielfach diskutiertes und komplexes Thema, womit sich vor allem die interdisziplinären Kognitionswissenschaften befassen129. Für die vorliegende Arbeit ist die Unterscheidung zwischen bewusster und unbewusster oder auch expliziter und impliziter Wahrnehmung wichtig. Gemäß diesem „Two-System View“ finden im Gehirn bewusste und reflektierte Prozesse auf der einen und unbewusste automatisierte Prozesse auf der anderen Seite statt130. Diese beiden Denkmodi steuern das Gehirn und somit menschliches Verhalten131. Wie sich später zeigen wird, ist das Wissen darüber für das Wirkungsverständnis der NS-Propaganda von zentraler Bedeutung. Viele der angewandten Techniken und angesprochenen Mechanismen finden im impliziten Gedächtnis und somit unbewusst statt. Die Systeme eins und zwei sollen nun kurz erläutert werden:

System 1 (Autopilot / Implizites Gedächtnis)132: Dieses ist das evolutionär ältere System. Es ist hoch effizient und intuitiv. Das implizite Gedächtnis spricht auf Bilder, Symbole und Sinnesreize an. Es steuert hauptsächlich emotionale, aber auch kognitive Prozesse, wenn sie spontan auf das menschliche Verhalten Einfluss nehmen sollen. Beispiele hierfür sind nonverbale Kommunikation, Wahrnehmung, viele Lernvorgänge, Stereotypen, Assoziationen oder Automatismen. Im impliziten Gedächtnis sind also die automatisierten Programme gespeichert, die unbewusst das menschliche Verhalten steuern.

System 2 (Pilot / Explizites Gedächtnis)133: Das explizite Gedächtnis enthält solche Vorgänge und auch Emotionen, die mit kognitiver Beteiligung ablaufen und somit kontrolliert werden können. Es ist langsamer als das implizite Gedächtnis, kostet den Organismus viel Energie und fällt Entscheidungen nur zögerlich. Dadurch kann es allerdings planen und nachdenken. Das explizite Gedächtnis ist beherrschter, kontrollierter sowie flexibler als das implizite.

Von den etwa elf Millionen Bits, womit die menschlichen Wahrnehmungskanäle pro Sekunde konfrontiert sind, können nur zwischen 20 und 40 Bits bewusst verarbeitet werden134. Denn obwohl das Gehirn lediglich zwei Prozent des Körpergewichts einnimmt, beansprucht es im bewussten und starken Denkzustand rund 20 Prozent der gesamten Körperenergie135. Um die nicht ins Bewusstsein kommende Information trotzdem zu erfassen, schaltet das Gehirn so oft es geht auf den energiesparenden Autopilot um136. Was den Anteil des Unbewussten an einer Entscheidung betrifft, ist man sich in der Literatur uneinig – mal sind es 70 bis 80 Prozent137, mal 95 Prozent138. Definitiv ist somit jedoch, dass die unbewussten Prozesse anteilsmäßig bei der Entscheidungsfindung dominieren.

Nachdem nun geklärt ist, dass ein Großteil der Wahrnehmung unbewusst abläuft, stellt sich die Frage, inwieweit sich die beiden Systeme gegenseitig beeinflussen. Diesem Aspekt widmet sich das „Unconscious Behavioral Guidance System“139. Es legt dar, dass das Unbewusste das Bewusstsein bestimmt. Ebenfalls interessant ist, dass das Bewusstsein dabei fast keinen Einblick in das implizite Gedächtnis hat. Im Unconscious Behavioral Guidance System sind die aus den menschlichen Emotionssystemen resultierenden Ziele, kulturelle Erfahrungen und Regeln, Gewohnheiten sowie Lernerfahrungen gespeichert, auf die der Organismus nur in beschränktem Maße bewusst zugreift140. Die Erfahrungen werden miteinander verknüpft und mit der aktuellen Situation abgeglichen. Bewusste Entscheidungen werden also unbewusst vorbereitet141 – zwar hat ein Mensch beim Treffen einer Entscheidung das Erlebnis, bewusst entschieden zu haben, doch ist dies eine „Benutzerillusion“142.

3.3 Vormacht der Emotionen

Ebenfalls von Bedeutung für das Verständnis der NS-Propaganda ist die Vormacht der Emotionen. Es wird vor der Annahme gewarnt, das soeben beschriebene explizite System sei das rationale und das implizite System das emotionale143. Die Aufteilung in automatisierte und implizite auf der einen sowie reflektierte und explizite Vorgänge auf der anderen Seite wird den Verarbeitungsabläufen im Gehirn besser gerecht144. Es sind nämlich sowohl der Autopilot als auch der Pilot von Emotionen gesteuert145. Trotzdem ist festzuhalten, dass der Autopilot ungleich stärker von Emotionen geprägt ist146. Wie sich vor allem in Kapitel 5.2 zur Positionierungsstrategie zeigen wird, ist die NS-Propaganda wenig informativ, jedoch stark emotional ausgerichtet. Deshalb wird nun ebenfalls im Vorhinein erläutert, was Emotionen sind, welche Aufgaben sie erfüllen und inwieweit sie Einfluss auf den Organismus nehmen.

3.3.1 Definition: Emotion

Die Psychologie definiert Emotionen als „dynamische Prozesse, die von konkreten Ereignissen ausgelöst werden. Sie sind gekennzeichnet durch eine Reaktionstirade bestehend aus Veränderungen auf der neuropsychologischen, der Gefühls- und der Verhaltensebene“147. Als Basisemotionen werden Angst, Ärger, Ekel, Kummer/Traurigkeit, Freude, Überraschung, Verachtung, Interesse, Scham und Schuld/Reue genannt148. Ein weiterer Teil des emotionalen Erlebens sind Gefühle oder Affekte. Durch sie werden Emotionen in Form einer angenehmen oder unangenehmen Empfindung erlebbar149.

Nachdem definiert wurde, was eine Emotion ist, geht es nun um die Frage, was eine Emotion auslöst. Bruhn beschreibt zwei Arten von Reizen, die im Gehirn unterschiedlich verarbeitet werden150: Auf der einen Seite sprechen sprachliche und numerische Reize hauptsächlich (nicht ausschließlich) das logisch-analytische Denken an. Emotionen hingegen werden vorherrschend (ebenfalls nicht ausschließlich) von non-verbalen – wie zum Beispiel bildhaften, akustischen oder olfaktorischen – Reizen ausgelöst. Diese Erkenntnis macht ebenfalls noch einmal deutlich, warum Emotionen hauptsächlich durch das implizite Gedächtnis (System 1, Autopilot) ausgelöst werden, das non-verbale Reize verarbeitet und entsprechende Reaktionen einleitet.

3.3.2 Aufgaben von Emotionen

Emotionen haben das biologische Ziel, das Überleben und die Fortpflanzung sicherzustellen151. Hierfür müssen sie sechs wesentliche Aufgaben erfüllen152:

1) Zielvorgabe und Aktivierung („Emotion as motivation“)
Emotionen sind innere Antriebe, die das menschliche Verhalten aktivieren. Sie liefern zudem Motive/Ziele, um dem Verhalten eine Richtung zu geben.
2) Adaption („Emotion as action“)
Emotionen aktivieren in kritischen Situationen schnell und unbewusst überlebenssichernde Handlungen.
3) Kognition („Emotion as information“)
Emotionen dienen als Detektoren für den Organismus, was in seiner Umwelt von Bedeutung für das Überleben ist und richten dessen Aufmerksamkeit darauf. Sie sind es, die wahrgenommenen Stimuli eine Bedeutung geben153. Sie sind nicht das Gegenteil von Kognitionen, sondern ein wichtiger Bestandteil der Kognitionsprozesse und haben einen starken Einfluss auf die Informationsbewertung154.
4) Regulation und Kontrolle („Emotion as regulation”)
Emotionen zeigen bei Handlungen auf, ob zielkongruent agiert wird.
5) Präparation („Emotion as preparation”)
Um dem Organismus das Agieren und Reagieren zu ermöglichen, setzen Emotionen physiologische Prozesse (z.B. Versorgung der Muskeln mit Sauerstoff) in Gang.
6) Soziale Aufgabe („Emotion as social communication/synchronisation”)

Der Mensch ist ohne soziale Gemeinschaft nicht überlebensfähig. Emotionen ermöglichen den Ausdruck und die Dechiffrierung emotionaler Signale.

Viele dieser Prozesse bestimmen das Handeln, ohne dass sie bewusst hinterfragt werden155. Zudem treten Gefühle unmittelbar auf und sind von Kognitionen weitestgehend unabhängig156. So kann es beispielsweise sein, dass ein Mensch zu einer Sache ein schlechtes Gefühl hat, obwohl die sachlichen Argumente dafür sprechen157. Die gegenwärtige Entscheidungsforschung geht sogar davon aus, dass Emotionen die eigentlichen Handlungstreiber im Gehirn sind158. Dies trägt zum besseren Verständnis bei, warum die Gesellschaft im Nationalsozialismus derart manipuliert werden konnte.

Die Vorgänge im menschlichen Gehirn, die für diese Arbeit von Belang sind, sind somit beschrieben. Bevor auf das Kommunikationskonzept und die maßgeblichen kommunikationspolitischen Instrumente der nationalsozialistischen Propaganda eingegangen werden kann, ist ein weiterer Zwischenschritt notwendig. Deshalb befassen sich die folgenden Kapitel zunächst mit den politischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen für deren Installation.

4 Der Weg zur Massenbeeinflussung

Hitler verfügt mit dem Wissen über die Massenseele über die groben Leitlinien zur Verbreitung seiner Ideologie. Er scheint auch zu wissen, dass eine maßgebliche Komponente der Führung eines Staates die Kommunikation ist159. Für die Ausübung von Propaganda muss er die vollständige Kontrolle darüber erlangen, wessen Stimme gehört, wessen Angesicht gesehen und wessen Schriften gelesen werden160. Die große Bedeutung, die der Propaganda zugeschrieben wurde, spiegelt sich in den schnellen und umfangreichen Maßnahmen auf diesem Gebiet wider161. Im Folgenden werden zentrale diesbezügliche Gesetzeserlasse und geschichtliche Stationen genannt. Außerdem wird die Organisation des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda – dem Zentralorgan der Propaganda-Ausübung – beschrieben. Dieses war für die Versorgung aller kommunikationspolitischen Instrumente zuständig und konnte sie somit thematisch kontrollieren. Aus diesem Grund wird in diesem Zusammenhang die erste der angewandten Kommunikationstechniken beschrieben: die Agenda Setting-Theorie.

4.1 Machtübernahme & Gleichschaltung

Der Prozess von der Übertragung der Regierungsgewalt auf die NSDAP und der Umwandlung von der damals bestehenden Demokratie in eine Diktatur wird als die Phase der Machtergreifung bezeichnet. Damit verwoben beziehungsweise direkt daran anschließend erfolgten die Gleichschaltung der Medien sowie die rechtliche Kodifizierung der neuen Machtverhältnisse162.

Auf seinem Weg zur totalitären Diktatur spielt Hitler die aussichtslose Situation der Weimarer Republik nach dem Ersten Weltkrieg zu: Das Land befindet sich in einer Wirtschaftskrise und kämpft mit bodenloser Inflation163. Von der wertlosen Reichsmark müssen horrende Reparationszahlungen an die Siegermächte gezahlt werden164. Die Schwächung der Wirtschaft lässt die Arbeitslosenquote zu Rekordwerten ansteigen. So betrifft sie 1933 – das Jahr der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler – über 26 Prozent der Erwerbsfähigen165. Als Folge des Ersten Weltkriegs ist das deutsche Volk traumatisiert, arm und sucht nach einem Sündenbock166. Auf diesem Nährboden bahnt sich Hitler seinen Weg an die Regierungsspitze und schafft die Voraussetzungen für die Kontrolle über die Bevölkerung:

1930: Die NSDAP erhöht die Stimmzahl von 810.000 im Jahr 1928 auf 6,4 Millionen167.

30.01.33: Ernennung Hitlers zum Reichskanzler168.

28.02.33: Reichstagsbrandverordung169

Beschränkung der Bürgerrechte in Bezug auf die freie Meinungsäußerung, das Vereins- und Versammlungsrecht sowie das Briefgeheimnis

Beseitigung der Pressefreiheit, deren Gleichschaltung170 und Einführung der Zensur171

Grundlage für Ausschaltung linker Blätter durch Verbote und Enteignungen sowie Verfolgung und Vertreibung jüdischer, sozialdemokratischer und kommunistischer Journalisten und Redakteure172

05.03.33: NSDAP erlangt Mehrheit im Reichstag173

13.03.33: Installation des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda unter Joseph Goebbels174

24.03.33: Ermächtigungsgesetz175

Verabschiedung von Gesetzen ohne Reichstagsausschuss und Reichsrat

Keine Notwendigkeit der Verfassungskonformität

31.03. / 07.04.33: Vorläufiges176 sowie zweites177 Gleichschaltungsgesetz

Verlust der politischen Souveränität der deutschen Länder

Voraussetzung für die Zusammenfassung der Aktivitäten des deutschen Volkes in Organisationen

04.10.33: Schriftleitergesetz178

Ideologische Kontrolle der Presseinhalte179

Regelung der persönlichen und politischen Voraussetzungen der Redakteure180

22.09.33: Reichskulturkammergesetz181

Unterstellung aller im Kulturbereich Tätigen der staatlichen Kontrolle

Ab 1933: Gleichschaltung des Rundfunks und Einführung des Volksempfängers182

4.2 Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda

Die neu errungene Kontrolle über die Publikationsmedien machte ein Lenkungsorgan erforderlich. Das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (RMVP) wurde 1933 zum organisatorischen Kernstück der NS-Propaganda183. In die Position des Reichspropagandaleiters ließ sich der bisherige Gauleiter Joseph Goebbels befördern184. Ihm war fortan ein umfangreicher, für die Medien in einzelne Abteilungen untergliederter Verwaltungsapparat unterstellt185. Dieser reichte durch seine Außenstellen über die Gaue und Kreise bis in die Ortsgruppen186.

Den Verantwortungsbereich des RMVP regelte die am 30. Juni 1930 erlassene „Verordnung über die Aufgaben des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda“187. Darin wurden ihm unter anderem die Presseabteilung der Reichsregierung, die außenpolitischen Informations- und Nachrichtendienste sowie die innenpolitische Aufklärung unterstellt. Die Verordnung sollte die Voraussetzung dafür schaffen, dass der Reichspropagandaminister die Kontrolle „der geistigen Einwirkung auf die Nation, der Werbung für Staat, Kultur und Wirtschaft, der Unterrichtung der in- und ausländischen Öffentlichkeit über sie und der Verwaltung aller diesen Zwecken dienenden Einrichtungen“188 ausüben konnte.

Organisatorisch manifestiert wurde das Wirken des RMVP insbesondere über das Reichskulturkammergesetz vom 22. September 1933189. Damit wurde allen im Kulturbereich Tätigen die Zugehörigkeit zu einer Berufskammer zur Pflicht. Die Reichskulturkammer umfasste insgesamt sieben Bereiche: Presse, Schrifttum, Rundfunk, Theater, Musik, Bildende Künste und Film. Somit überwachte sie die „nationale Zuverlässigkeit aller im Bereich der Publizistik tätigen Personen vom Journalist bis zum Inhaber eines Zeitungskioskes“190.

Ergänzend zum RMVP bestand weiterhin die schon 1931 gegründete Reichspropagandaleitung der NSDAP191. Ihr unterstanden alle parteiamtlichen Publikationsmittel192 sowie die Presseabteilung des Auswärtigen Amtes193. Die Propagandaorgane und die für Propaganda verantwortlichen Regierungsorgane waren durch Querverantwortlichkeiten miteinander verbunden und gliederten sich ihrerseits wiederum in zusätzliche Unterorganisationen. Dadurch wurde dieses Instrument letztlich zu einem aufgeblähten, von Doppelverantwortlichkeiten und bürokratischem Leerlauf geprägten Apparat194. Der ursprünglich geplante Personalbestand von maximal 1.000 Mitarbeitern verdoppelte sich fast bis 1941195 und die Zahl der Abteilungen steigerte sich von sechs auf siebzehn196.

Auch wenn das RMVP nicht frei von Schwergang und Bürokratie war, erfüllte es seinen Zweck. Die Gleichschaltung der Medien war die Voraussetzung dafür, ein Monopol über die öffentliche Meinung in Deutschland zu schaffen197. Dadurch konnten der Bevölkerung Nachrichten vorenthalten und andere ihr aufgedrängt werden198. Diese Vorgehensweise sollte zur „Regie des öffentlichen Lebens“199 führen. Hierfür wurden alle zur Verfügung stehenden Medien parallel genutzt. Die Bevölkerung geriet bei der Deckung ihres Informationsbedarfs vollkommen in die Abhängigkeit des NS-Regimes200. Der Öffentlichkeit zugängliche unabhängige Informationsquellen hingegen versiegten. So schwand die Gesamtanzahl der Tageszeitungen von 4.700 im Jahre 1932201 auf 975 im Jahre 1944202. Gegen Ende des Krieges hielt das NS-Regime 80 Prozent an der reichsweiten Gesamtauflage203.

4.3 Definition: Agenda Setting

Mit dem Setzen konkreter Themenschwerpunkte in der Informationspolitik befasst sich die Agenda Setting-Theorie, die auch Thematisierungsansatz genannt wird. Sie beruht auf der theoretischen Grundlage von Cohen (1963)204 und wurde von McCombs und Shaw (1972)205 erstmals formuliert206. Demnach haben Medien einen erheblichen Einfluss auf die öffentliche Meinung, indem sie bestimmte Themen auf die Tagesordnung (Agenda) des individuellen und öffentlichen Diskurses setzen207.

Die Medien geben gemäß der Agenda Setting-Theorie zwar nicht vor, was Menschen denken, jedoch aber worüber sie nachdenken208. Dies geschieht über drei Wege209:

1) Aufmerksamkeit (Awareness): Der Rezipient wird über die Medien auf Themen aufmerksam gemacht, indem sie besonders betont werden.
2) Hervorhebung (Salience): Die Wichtigkeit, die der Rezipient einem Thema beimisst, wird durch die unterschiedliche Gewichtung und Hervorhebung der Themen durch die Medien bestimmt.
3) Themenselektion (Priorities): Die Themenrangfolge wird vom Rezipienten übernommen.

Folglich konstruieren die Medien durch die Publikationshäufigkeit, Aufmachung und Platzierung der Themen eine mediale Realität210. Die Themen werden in die soziale Realität übernommen und bestimmen ihre gesellschaftliche Relevanz211.

4.4 Experiment: Agenda Setting

Die empirische Grundlage des Agenda Settings bildet die Chapel-Hill-Studie von McCombs und Shaw (1972)212: Im Vorfeld des US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfes im Jahre 1968 stellten sie einhundert noch unentschlossenen Wählern des Ortes Chapel Hill in North Caroline die Frage: „What are you most concerned about these days? That is, regardless of what politicians say, what are the two or three main things you think the government should concentrate on doing something about?“213 Im Anschluss daran analysierten McCombs und Shaw die Inhalte der Massenmedien in der Region und verglichen die Themen mit den gemachten Angaben der Befragten. Der Vergleich von Medien- und Publikumsagenda ergab eine Kongruenz von über 90 Prozent.

5 Kommunikationskonzept

In dem Kapitel Neue Methoden der Propaganda seines Werks Wege ins Dritte Reich hält Goebbels fest, dass Propaganda weder planbar noch theoriefähig sei214:

„Der Propagandist der Theorie ist vollkommen untauglich, der sich eine geistreiche Methode am Schreibtisch erdenkt und dann am Ende aufs höchste verwundert und betroffen ist, wenn diese Methode vom Propagandisten der Tat nicht angewandt wird oder – von ihm in Anspruch genommen – nicht zum Ziele führt. Die Methoden aus der Propaganda entwickeln sich ursächlich aus dem Tageskampf selbst heraus.“

Auch in aktueller Literatur wird beschrieben, dass die Propagandapolitik des Dritten Reiches in erster Linie von tagespolitischen Fragen und aktuellen Notwendigkeiten statt prinzipiellen Erwägungen leiten ließ215. Rückwirkend lassen sich jedoch durchaus die Elemente eines Kommunikationskonzepts rekonstruieren. In der Zeit von 1933 bis 1945 sind unterschiedliche Kommunikationsziele zu erkennen, der Propaganda liegt eine Positionierungsstrategie zugrunde und auch eine Copy-Strategie ist vorhanden. Daran schließt die Konzeption einer für damalige Verhältnisse modernen Mediaplattform an. Die folgenden Kapitel stellen die einzelnen Elemente dar.

5.1 Kommunikationsziele

Gemäß Hitler ist Propaganda ein Mittel, das vom Gesichtspunkt des Zweckes aus beurteilt werden muss216. Somit wird ihre Form mithin eine an das Ziel „zweckmäßig angepasste sein müssen“217. Grob lassen sich in der NS-Propaganda fünf Stufen abstecken, worin unterschiedliche Zielsetzungen erkennbar sind218:

1) Von 1933 bis 1936 überwiegen die Friedenspropaganda sowie die gleichzeitige Tarnung der Aufrüstung. Darüber hinaus soll innerhalb der Bevölkerung der Wehrwillen durch Sympathiewerbung für die Wehrmacht gesteigert werden.
2) Daran schließt eine Konsolidierungsphase an, in der die offene Wehrpropaganda im Vordergrund steht. Gleichzeitig wird die antibolschewistische Propaganda forciert und eine intensive Volkstumspropaganda betrieben, um die Inanspruchnahme der „heim ins Reich“ zu führenden Gebiete zu rechtfertigen.
3) Ab 1938 dominiert die psychologische Mobilmachung der Bevölkerung für den Krieg. Die aggressive Forderung nach Lebensraum löst die bisher vorherrschende Volkstumspropaganda ab, die die Rechtfertigung für die Annexion Österreichs und die Zerschlagung der Tschechoslowakei geliefert hatte. Im März 1939 kommt die Behauptung von der Einkreisung Deutschlands hinzu, womit den Gegnern die Schuld am bevorstehenden Krieg gegeben werden kann.
4) Der Zeitraum von 1939 bis 1941 ist die Phase der Blitzkriege. Hier steht die Propaganda im Zeichen der deutschen Siege. Entsprechend dem Kriegsverlauf wechseln kurze, dramatische Phasen mit Erholungspausen für die Bevölkerung ab.
5) In den Krisenwintern 1941/42 und 1942/43 erfolgt die Umstellung der Propaganda auf noch größere Härte und die Durchsetzung des totalen Krieges – sowohl an der Front als auch in der Heimat. Es treten die Feindbilder in den Vordergrund: Der Bolschewist auf der einen und der kapitalistische Plutokrat auf der anderen Seite, beide überschattet von dem im Hintergrund wirkenden Juden. Bei sich verschlechternder Kriegslage wird diese Angstpropaganda jedoch gemäßigt.

Neben den soeben genannten Schwerpunkten war es zudem durchgängig die Aufgabe der Propaganda, ein Grundvertrauen zwischen Volk und NS-Führung herzustellen. Dieses sollte sich vor allem durch die Einordnung in die Volksgemeinschaft, in einer allgemeinen Zufriedenheit und in der widerspruchslosen Unterordnung unter die nationalsozialistische Führung äußern219. Das einmal hergestellte Grundvertrauen bildete die Voraussetzung für die psychologische Kriegsmobilisierung und die Aufrechterhaltung der Kriegsmoral220.

5.2 Positionierungsstrategie

Aus werblicher Sicht ist der Nationalsozialismus eine Marke, deren Identität es zu prägen gilt. Bei der Festlegung der Markenidentität sind alle relevanten Merkmale einer Marke zu erfassen221. Dies sind zu viele, um sie alle gleichermaßen zu kommunizieren. Es bedarf deshalb einer Fokussierung. Dazu dient die Positionierung – die Stellung der Marke in den Köpfen der Konsumenten222. Hierbei werden drei Arten unterschieden: die Positionierung durch informative Beeinflussung, durch emotionale Beeinflussung und die Positionierung durch Aktualität223. Im Folgenden wird untersucht, welche Positionierungsstrategie im Rahmen der NS-Propaganda verfolgt wurde.

5.2.1 Positionierung durch Information

Wird eine informative Positionierungsstrategie verfolgt, zielt die Werbung darauf ab, Merkmale eines Produkts oder eine Dienstleistung zu vermitteln, die deren Eignung für die Befriedigung von vorhandenen Bedürfnissen belegen224. Auf einen emotionalen Appell kann die Werbung verzichten, weil die Rezipienten aktuelle Bedürfnisse haben und weil es offensichtlich ist, dass diese durch die angebotenen Produkte oder Dienstleistungen befriedigt werden können225. Übertragen auf den Nationalsozialismus ergeben sich die vorhandenen Bedürfnisse der Bevölkerung aus der desolaten Situation der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft am Ende der Weimarer Republik. Das waren wahrscheinlich insbesondere die Furcht vor Arbeitslosigkeit und Verarmung oder die Suche nach neuen Perspektiven und einem Schuldigen. Abbildungen I und II exemplifizieren, dass die NS-Propaganda diese Bedürfnisse aufgriff. Es wurden Zahlen und Fakten herangezogen, um das Dasein und die Vorgehensweise des NS-Regimes zu berechtigen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Abbildung I: Wahlplakat Gau München-Oberbayern (1938)226

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Abbildung II: Ausstellungsplakat des Reichsnährstandes (1940)227

Hierbei allerdings problematisch ist die Tatsache, dass Hitler eine willkürliche Einstellung zu Aufrichtigkeit besaß. Ihm gemäß hätte Propaganda nämlich nicht „die Wahrheit zu erforschen, […] sondern ununterbrochen der eigenen zu dienen“228. Der Wahrheitsgehalt der bereitgestellten Informationen ist daher fraglich. Ein Beispiel sind die wortreichen Friedensbeteuerungen Hitlers229, die im starken Kontrast zu seinen Ausführungen in Mein Kampf stehen. Darin wird eine außerordentlich radikale und menschenverachtende Grundhaltung deutlich. Für die Realisierung seiner Pläne will er „[…] Menschen zum Sterben […] berauschen“230 und ist zum Einsatz der „grausamsten Waffen“231 bereit, solange sie nur „den schnelleren Sieg bedingten“232. Dass diese Diskrepanz zwischen den unterschiedlichen „Werbebotschaften“ der NS-Propaganda zu Misstrauen innerhalb der Bevölkerung geführt hat, ist nicht auszuschließen. Die Voraussetzung für eine informative Positionierungsstrategie – die Vermittlung von sachlichen und funktionalen Eigenschaften des Produktes oder der Dienstleistung233 – ist somit wenig bis nicht gegeben.

5.2.2 Positionierung durch Aktualität

Der Wirkmechanismus der Positionierung durch Aktualität liegt darin, dass durch eine auffallende Inszenierung des Markennamens oder -zeichens die Gegenwärtigkeit einer Marke erhöht wird. Sie wird immer wieder gezeigt und somit ins Gespräch gebracht. Bei der Positionierung durch Aktualität enthält die Werbung fast keine Information und vermittelt auch keine emotionalen Erlebnisse234.

Diese Strategie passt insoweit zu Hitlers Propagandakonzeption, dass seiner Auffassung nach nicht „wissenschaftliche Belehrung“235 die Aufgabe von Propaganda sei, sondern lediglich das grobe „Hinweisen der Masse […]“236. Als Technik hierfür umschreibt er, was einer Aktualitätsstrategie nahe kommt: Jede wirkungsvolle Propaganda habe sich „auf nur sehr wenige Punkte zu beschränken und diese schlagwortartig so lange zu verwerten, bis auch [..] der Letzte unter einem solchen Worte das Gewollte sich vorzustellen vermag“237. Propaganda hätte zudem „ihr geistiges Niveau einzustellen nach der Aufnahmefähigkeit des Beschränktesten unter denen, an die sie sich zu richten gedenkt“238.

Was allerdings nicht zutrifft, ist der Verzicht auf emotionale Erlebnisse. Die NS-Propaganda ist angereichert mit Gefühlsappellen239. Einen Eindruck der Allgegenwart und auffälligen Inszenierung nationalsozialistischer Symbole an den Beispielen Plakatwerbung, Alltag und Veranstaltungen vermitteln die Abbildungen III bis VI.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Abbildung III: Propaganda-Plakat zum Maifeiertag (1933)240

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Abbildung IV: Plakat zur Arbeitsbeschaffung (1934)241

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Abbildung V: Familie im Urlaub (o. J.)242

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Abbildung VI: Geschmücktes Klassenzimmer (1942)243

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Abbildung VII: Reichsparteitag Nürnberg (1938)244

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Abbildung VIII: Parade in Lahr (1936)245

Die Positionierung durch Aktualität lehnt an die Agenda Setting-Theorie an246. Es geht darum, die Aufmerksamkeit auf bestimmte Themen zu lenken und den Rezipienten dazu zu bringen, sich gedanklich damit auseinanderzusetzen247. Je nach Stellung einer Marke in der Bekanntheitspyramide248 des Konsumenten kann auf unterschiedliche Grade der Einstellungs- und Verhaltensänderung geschlossen werden. Angestrebt wird eine exklusive Markenerinnerung, denn dann ist die Präferenz des beworbenen Produkts oder der Dienstleistung gegenüber Konkurrenzangeboten besonders wahrscheinlich249.

Im Falle der NS-Propaganda war eine Konkurrenzsituation durch andere politische Parteien lediglich in den Jahren vor der Machtergreifung gegeben. Es ist durchaus möglich, dass sich die Positionierung durch Aktualität in diesen Jahren positiv ausgewirkt hat. Nach der Machtergreifung und der Ausschließung von konkurrierenden Parteien könnte das Aktualitätsprinzip zum einen das Agenda Setting unterstützt haben. Zum anderen könnte die Allgegenwart und vehemente Wiederholung der NS-Themen sympathiefördernd gewirkt haben. Eine derartige Einstellungsänderung durch bloße Wiederholung bedingt der Mere-Exposure-Effekt250.

5.2.2.1 Definition: Mere-Exposure-Effekt

Grundlegende Erkenntnisse zum Mere-Exposure-Effekt basieren auf eine Reihe von Experimenten des Sozialpsychologen Robert Zajonc aus dem Jahr 1968251. Damit belegte er seine These: „Mere repeated exposure of the individual to a stimulus is a sufficient condition for the enhancement of his attitude toward it“252. Unter dem Mere-Exposure-Effekt wird also ein Phänomen verstanden, wonach Stimuli eine stärkere Sympathie hervorrufen, wenn sie mehrfach präsentiert werden. Das positive Erinnern erfolgt unbewusst, denn der Mere-Exposure-Effekt wirkt im impliziten Gedächtnis253.

5.2.2.2 Experiment: Mere-Exposure-Effekt

Vor allem Zajoncs zweites Experiment gilt als repräsentativ, da die noch im ersten Experiment vorhandenen Störgrößen isoliert worden waren254: Hierbei wurden den Versuchspersonen chinesische Ideogramme unterschiedlich häufig dargeboten. Bei der Auswahl der Vpn wurde sichergestellt, dass sie die chinesische Sprache nicht beherrschten. Darüber hinaus nahmen sie unter einem anderen Vorwand an dem Experiment teil. Sie wurden glaubend gemacht, man wolle Erkenntnisse über das Erlernen fremder Sprachen gewinnen. Zu Beginn erhielten die Vpn die Information, dass es sich bei den Zeichen um Adjektive handeln würde. Im Anschluss an die Darbietung war es ihre Aufgabe, die von ihnen vermutete positive beziehungsweise negative Bedeutung der Zeichen einzuschätzen. Einzig bedingt durch die häufigere Darbietung wurden die Zeichen positiver bewertet.

5.2.3 Emotionale Positionierung

Im Falle der emotionalen Positionierung vermittelt die Werbung emotionale Erlebnisse und Erfahrungen, die mit dem angebotenen Produkt verknüpft werden. Dieses „Erlebnisprofil“ ist unabhängig von sachlichen und funktionalen Eigenschaften des Produktes oder nur lose damit verknüpft255. Hitler weiß, dass sich seine Propaganda „vornehmlich an das Gefühl“256 zu richten hat. Er begründet dies damit, dass „das Volk in seiner überwiegenden Mehrheit so feminin veranlagt ist, daß weniger nüchterne Überlegung als vielmehr gefühlsmäßige Empfindung sein Denken und Handeln bestimmt“257. In der aktuellen Literatur wird die emotionale Positionierung unter anderem dann empfohlen, wenn die sachlichen Inhalte dem Konsumenten nicht sinnvoll vermittelt werden können258. Die Strategie der emotionalen Positionierung machte in Anbetracht der NS-Politik somit durchaus Sinn.

Die im Rahmen einer emotionalen Positionierungsstrategie gestaltete Werbung hat die Aufgabe, das Angebotene in der emotionalen Erfahrungs- und Erlebniswelt des Konsumenten zu verankern259. Diese Vorgehensweise ist insoweit geschickt, da Erlebnisprofile die gleiche konstitutive Bedeutung für die Attraktivität eines Angebots haben wie die objektive Qualität260, auf die somit verzichtet werden kann. Im Vergleich zu Sachkonzepten hat ein emotionaler Nutzen zudem eine größere psychologische Relevanz und wird dadurch tiefer im Gedächtnis verankert261.

Nahezu deckungsgleich mit heutigen Erkenntnissen ist Hitlers Aussage, dass Propaganda „die gefühlsmäßige Vorstellungswelt der großen Masse begreifend, in psychologisch richtiger Form den Weg zur Aufmerksamkeit und weiter zum Herzen der breiten Masse“262 finden müsse. In der NS-Propaganda ging es also primär um die Generierung von emotionalen Erlebnissen und Erfahrungen, die aus werblicher Sicht einen Beitrag zum Lebensgefühl der Rezipienten263 und von nationalsozialistischer Seite einen Beitrag zu den Zielen des Regimes leisten mussten. Diese beiden Ziele finden in den Rollen zusammen, die den Männern, Frauen und Kindern im Nationalsozialismus zugedacht waren. Diese werden im Folgenden anhand des Limbic-Ansatzes erläutert.

5.2.3.1 Definition: Limbic-Ansatz

Der Limbic-Ansatz ist ein von Häusel (2011)264 entwickeltes Motiv- und Entscheidungsmodell265. Darin wurden bestehende Erkenntnisse aus der Hirnforschung mit der Psychologie, Soziologie, Biologie und auch Philosophie verknüpft und in einen größeren Zusammenhang gestellt266. Das Ergebnis ist ein Emotions-Gesamtmodell (siehe Abbildung IX), auf das ein Mensch bei der emotionalen Bewertung eines Reizes zurückgreift267. Es ist in drei Emotionssysteme unterteilt268:

Dominanz: Selbstdurchsetzung, Konkurrenzverdrängung, Status, Macht, Autonomie

Balance: Sicherheit, Risikovermeidung, Stabilität

Stimulanz: Entdeckung von neuem, Erlernen von Fähigkeiten

Neben diesen drei großen gibt es noch eine Reihe emotionaler Untersysteme. Explizit von Häusel genannt werden269:

Bindung: Soziale Sicherheit

Fürsorge: Fortpflanzung und soziale Sicherheit

Sexualität: Fortpflanzung

Das Bindungs- und das Fürsorgesystem sind eng mit dem Balance-System verknüpft270. Sie treiben beispielsweise gemeinsam die Konformitäts- und Harmonie-Motive271. Sie verfolgen allerdings auch eigene Ziele. Das Bindungssystem vertritt die Interessen des Menschen als Sozialwesen und strebt nach Gruppenbildung272. Das Fürsorgesystem ist hauptsächlich für die Überlebenssicherung des Nachwuchses zuständig, richtet sich aber auch an den Partner, Freunde oder Haustiere273.

[...]


1 Vergleiche hierzu (z.B.): Albrecht (1969) / Diller (1980)..

2 Vergleiche hierzu (z.B.): Benz (2010).

3 Vergleiche hierzu (z.B.): Luckey (2008).

4 Vergleiche hierzu (z.B.): Bonfadelli (2004).

5 Schulz (2004), S. 173.

6 Vergleiche hierzu (z.B.): Bussemer (2007) / Bussemer (2008).

7 Vergleiche hierzu (z.B.): Longerich (1992) / Reichel (1993) / Thomson (1977).

8 Vergleiche hierzu (z.B.): Albrecht (1969) / Diller (1980).

9 Vergleiche hierzu (z.B.): Goebbels (1927) / Hitler (1943).

10 Vergleiche hierzu (z.B.): Hachmeister (2004).

11 Vergleiche hierzu (z.B.): Le Bon (2011).

12 Vergleiche hierzu (z.B.): Doob (1950).

13 Vergleiche hierzu (z.B.): Bruhn (2011) / Fetchenhauer (2012) / Merten (2007) / Wiswede (2004).

14 Vergleiche hierzu (z.B.): Kroeber-Riel & Esch (2011) / Kroeber-Riel & Gröppel-Klein (2013) / Mayer & Illmann (2000) / Scheier & Held (2006).

15 Vergleiche hierzu: Cialdini (2013). Anm.: Die Psychologie des Überzeugens ist zwar kein Lehrbuch im klassischen Sinne, hatte jedoch ebenfalls großen Einfluss auf diese Arbeit.

16 Vergleiche hierzu (z.B.): Asch (1951) / Jung (1954/1959b) / Milgram (1982).

17 Jowett & O’Donnell (2012), S. 2.

18 o. V. (o. J.): propagare (Verb). In: www.frag-caesar.de.

19 Bussemer (2008), S. 27 / Jowett & O’Donnell (2012), S. 2 / Thomson (1977), S. 10.

20 Bussemer (2008), S. 27 / Jowett & O’Donnell (2012), S. 2.

21 Bussemer (2008), S. 27 / Jowett & O’Donnell (2012), S. 2.

22 Bussemer (2008), S. 26.

23 Bussemer (2008), S. 26.

24 Bibliographisches Institut (1908), S. 382.

25 Bussemer (2008), S. 29.

26 Bussemer (2008), S. 29.

27 o. V. (o. J. b): Propaganda. Die Kunst der Public Relations. In: www.orange-press.de.

28 o. V. (o. J. b): Propaganda. Die Kunst der Public Relations. In: www.orange-press.de.

29 Bussemer (2008), S. 154f., 179.

30 o. V. (1952), S. 9.

31 o. V. (2007), S. 61.

32 o. V. (1952), S. 9.

33 Biehl (1995), S. 34.

34 Bussemer (2008), S. 143.

35 Bussemer (2008), S. 251.

36 Plenge (1922), S. 13.

37 Lasswell (1927), S. 627.

38 Lasswell & Blumenstock (1939), S. 9.

39 Lasswell (1995), S. 13.

40 Bernays (2007), S. 28.

41 Merten (2000), S. 161.

42 Bussemer (2008), S. 32.

43 Merten (2000), S. 154.

44 Jowett & O’Donnell (2012), S. 7.

45 Bussemer (2007), S. 33

46 Bussemer (2007), S. 33

47 Kirchner (2005), S. 267.

48 Bussemer (2007), S. 21.

49 Jowett & O’Donnell (2012), S. 1.

50 Bussemer (2008), S. 33.

51 Bussemer (2008), S. 33.

52 Ebd.

53 Schulz (2004), S. 173.

54 Eigene Darstellung in Anlehnung an Schulz (2004), S. 173.

55 Bussemer (2008), S. 64f.

56 Bussemer (2008), S. 63ff.

57 de Tocqueville (1954), S. 263f.

58 Mill (1969), S. 81f.

59 Bussemer (2008), S. 64.

60 Moscovici (1984), S. 45f.

61 Bussemer (2008), S. 68 / Moscovici (1984), S. 45f.

62 Martenstein (2011): Der Sog der Masse. In: www.zeit.de.

63 Bussemer (2008), S. 68.

64 Freud (1921), S. 5-24.

65 Le Bon (2011), S. 29.

66 Le Bon (2011), S. 29.

67 Le Bon (2011), S. 29-37, 98-112.

68 Hitler (1943), S. 193-204 / Le Bon (2011), S. 29-37, 98-112.

69 Hitler (1943), S. 199.

70 Hitler (1943), S. 199f.

71 Longerich (1992), S. 292.

72 Hitler (1943), S. 196.

73 Hitler (1943), S. 201.

74 Hitler (1943), S. 201.

75 Hitler (1943), S. 196.

76 Hitler (1943), S. 243

77 Hitler (1943), S. 200.

78 Hitler (1943), S. 200.

79 Hitler (1943), S. 197.

80 Hitler (1943), S. 653.

81 Hitler (1943), S. 197.

82 Hitler (1943), S. 197f.

83 Goebbels (2004a), 00:09:00.

84 Bussemer (2008), S. 175.

85 Bussemer (2008), S. 180.

86 Bussemer (2008), S. 180.

87 Goebbels (1971), S. 94.

88 Bussemer (2008), S. 180.

89 Prinz (2011), S. 300.

90 Thomson (1977), S. 112.

91 Bussemer (2008), S. 181 / Thomson (1977), S. 112.

92 Bussemer (2008), S. 181.

93 Thomson (1977), S. 112.

94 Longerich (1992), S. 292f.

95 Bussemer (2008), S. 151 / Studt (2007), S. 58 / Tye (1998), S. 111.

96 Bussemer (2008), S. 152.

97 Bussemer (2008), S. 152.

98 Bernays (1923), S. 61-118.

99 Tye (1998), S. 111.

100 Doob (1950), S. 419.

101 Ranke (1998), S. 38.

102 Doob (1950), S. 422.

103 Doob (1950), S. 423.

104 Doob (1950), S. 426.

105 Doob (1950), S. 428.

106 Doob (1950), S. 434.

107 Doob (1950), S. 435.

108 Doob (1950), S. 435.

109 Doob (1950), S. 438.

110 Doob (1950), S. 440.

111 Doob (1950), S. 440.

112 Bussemer (2007), S. 21ff.

113 Bussemer (2007), S. 22.

114 Lasswell (1927) zitiert nach Brosius & Esser (1998), S. 346.

115 Bussemer (2007), S. 22.

116 Doob (1956), S. 23.

117 Doob (1956), S. 23.

118 Longerich (1992), S. 293

119 Hitler (1943), S. 542.

120 Bussemer (2007), S. 21.

121 Watson (1913), S. 166f.

122 Watson (1913), S. 166f.

123 Bussemer (2007), S. 21f.

124 Fetchenhauer (2012), S. 77f.

125 Fetchenhauer (2012), S. 78.

126 Fetchenhauer (2012), S. 78.

127 Cialdini (2013), S. 262.

128 Fetchenhauer (2012), S. 79.

129 Roth (2001), S. 188.

130 Kahnemann (2003), S. 698f. / Stanovich & West (2000), S. 645-665.

131 Gilovich et al. (2002), S. 16f.

132 Kahnemann (2003), S. 698f. / Scheier & Held (2006), S. 60.

133 Kahnemann (2003), S. 698f. / Scheier & Held (2006), S. 61.

134 Scheier & Held (2006), S. 56.

135 Häusel (2011): Wissenschaftliche Fundierung des Limbic Ansatzes. In: www.nymphenburg.de, S. 12.

136 Häusel (2011): Wissenschaftliche Fundierung des Limbic Ansatzes. In: www.nymphenburg.de, S. 12.

137 Häusel (2011): Wissenschaftliche Fundierung des Limbic Ansatzes. In: www.nymphenburg.de, S. 9.

138 Zaltman (2003): How Customers Think. Essential Insights into the Mind of the Market. In: http://magnatar.nl.

139 Bargh & Morsella (2008), S. 73-79.

140 Häusel (2011): Wissenschaftliche Fundierung des Limbic Ansatzes. In: www.nymphenburg.de, S. 11 / Kahnemann (2003), S. 698f.

141 Roth (2001), S. 206 / Scheier & Held (2006), S. 54.

142 Nørretranders (1998), S. 277ff.

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144 Scheier & Held (2006), S. 61.

145 Häusel (2011): Wissenschaftliche Fundierung des Limbic Ansatzes. In: www.nymphenburg.de, S. 12f / Scheier & Held (2006), S. 61.

146 Kahnemann (2003), S. 698f.

147 Betsch et al. (2011), S. 124.

148 Kroeber-Riel & Gröppel-Klein (2013), S. 114. Anm.: Das Konzept der Basisemotionen ist für die vorliegende Arbeit zu eng gefasst. Es wird daher fortan auf das umfassenderes Spektrum an Emotionen des Limbic Ansatzes nach Häusel (2011) zurückgegriffen.

149 Betsch et al. (2011), S. 124.

150 Bruhn (2011), S. 485.

151 Häusel (2011): Wissenschaftliche Fundierung des Limbic Ansatzes. In: www.nymphenburg.de, S. 15.

152 Häusel (2011): Wissenschaftliche Fundierung des Limbic Ansatzes. In: www.nymphenburg.de, S. 15f.

153 Häusel (2011): Wissenschaftliche Fundierung des Limbic Ansatzes. In: www.nymphenburg.de, S. 20.

154 Häusel (2011): Wissenschaftliche Fundierung des Limbic Ansatzes. In: www.nymphenburg.de, S. 20.

155 Häusel (2011): Wissenschaftliche Fundierung des Limbic Ansatzes. In: www.nymphenburg.de, S. 20.

156 Betsch et al. (2011), S. 124.

157 Betsch et al. (2011), S. 124.

158 Betsch et al. (2011), S. 125.

159 Thomson (1977), S. 3.

160 Thomson (1977), S. 36.

161 Longerich (1992), S. 296.

162 Longerich (1992), S. 296.

163 o. V. (2014): Die Weimarer Republik. In: www.sozialpolitik.com.

164 o. V. (2014): Die Weimarer Republik. In: www.sozialpolitik.com.

165 o. V. (o. J. c): Industrie und Wirtschaft. In: www.dhm.de.

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168 o. V. (2013a): Vor 80 Jahren wurde Adolf Hitler Reichskanzler. In: www.n24.de.

169 von Hindenburg et al. (1933a), S. 83.

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173 Statistisches Reichsamt (1933), S. 539.

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176 Hitler & Frick (1933a), S. 153f.

177 Hitler & Frick (1933b), S. 173.

178 Bussemer (2008), S. 182.

179 Bussemer (2008), S. 182.

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181 Hitler & Goebbels (1933), S. 661.

182 Bussemer (2008), S. 182.

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185 Longerich (1992), S. 294 / Sywottek (1976), S. 24.

186 Longerich (1992), S. 294 / Sywottek (1976), S. 24.

187 Hitler (1933a), S. 449.

188 Hitler (1933a), S. 449.

189 Hitler & Goebbels (1933), S. 661.

190 Sywottek (1976), S. 24.

191 Sywottek (1976), S. 24.

192 Ebd.

193 Longerich (1987), S. 109.

194 Longerich (1987), S. 109.

195 Boelcke (1966), S. 124.

196 Boelcke (1966), S. 138.

197 Bussemer (2008), S. 181.

198 Bussemer (2008), S. 181f.

199 Schmeer (1956).

200 Bussemer (2008), S. 182f.

201 Reichel (1993), S. 174.

202 Kohlmann-Viand (1991), S. 139.

203 Longerich (1992), S. 298.

204 Vergleiche hierzu: Cohen (1963).

205 Vergleiche hierzu: McCombs & Shaw (1972), S. 176-187.

206 von Gross (2008), S. 282 mit Verweis auf Cohen (1963) und McCombs & Shaw (1972).

207 von Gross (2008), S. 282 mit Verweis auf Cohen (1963) und McCombs & Shaw (1972).

208 von Gross (2008), S. 283ff mit Verweis auf Cohen (1963) und McCombs & Shaw (1972).

209 Ebd.

210 Ebd.

211 Ebd.

212 McCombs & Shaw (1972), S. 176-187.

213 McCombs & Shaw (1972), S. 178.

214 Goebbels (1927), S. 18.

215 Bussemer (2008), S. 175.

216 Hitler (1943), S. 194.

217 Hitler (1943), S. 194.

218 Longerich (1992), S. 310f. mit Verweis auf Steinert (1970) und Sywottek (1975).

219 Longerich (1992), S. 311.

220 Kershaw (1983), S. 182.

221 Kroeber-Riel & Esch (2011), S. 90.

222 Kroeber-Riel & Esch (2011), S. 90.

223 Kroeber-Riel & Esch (2011), S. 90-137.

224 Kroeber-Riel & Esch (2011), S. 105.

225 Kroeber-Riel & Esch (2011), S. 105.

226 o. V. (o. J. d): „Alle sagen Ja“ – NS-Plakat (Gau München-Oberbayern, Apr 1938). In: www.vulture-bookz.de.

227 o. V. (2006): Bildstrecke – DHMD: Tödliche Medizin. In: www.sueddeutsche.de.

228 Hitler (1943), S. 200.

229 Kershaw (1980), S. 114f.

230 Hitler (1943), S. 202.

231 Hitler (1943), S. 196.

232 Hitler (1943), S. 196.

233 Kroeber-Riel & Esch (2011), S. 92.

234 Kroeber-Riel & Esch (2011), S. 129.

235 Hitler (1943), S. 196.

236 Hitler (1943), S. 197.

237 Hitler (1943), S. 198.

238 Hitler (1943), S. 197.

239 Bussemer (2008), S. 56.

240 o. V. (o. J. e): NS-Propaganda-Plakat zum 1. Mai 1933. In: http://pressechronik1933.dpmu.de.

241 o. V. (o. J. c): Industrie und Wirtschaft. In: www.dhm.de.

242 o. V. (o. J. f): Alltag im Nationalsozialismus. In: www.annefrankguide.net.

243 o. V. (2012a): Volksschulen waren allgemein besonders leistungsschwach. Viele Lehrer hatten Ämter in der NSDAP. In: www.dorsten-unterm-hakenkreuz.de.

244 o. V. (o. J. g): 1933-39: Die Reichsparteitage. In: www.dhm.de.

245 o. V. (2010a): Lahr in den 1930er Jahren. In: www.badische-zeitung.de.

246 Kroeber-Riel & Esch (2011), S. 129f.

247 Kroeber-Riel & Esch (2011), S. 129f.

248 Aaker (1992), S. 84.

249 Kroeber-Riel & Esch (2011), S. 131.

250 Zajonc (1968), S. 1-27.

251 Vergleiche hierzu: Zajonc (1968), S. 1-27.

252 Zajonc (1968), S. 1.

253 Felser (2001), S. 235.

254 Zajonc (1968), S. 14ff.

255 Kroeber-Riel & Esch (2011), S. 93.

256 Hitler (1943), S. 197.

257 Hitler (1943), S. 201.

258 Kroeber-Riel & Esch (2011), S. 93.

259 Kroeber-Riel & Esch (2011), S. 112.

260 Kroeber-Riel & Esch (2011), S. 111.

261 Kroeber-Riel & Esch (2011), S. 117.

262 Hitler (1943), S. 198.

263 Kroeber-Riel & Esch (2011), S. 120.

264 Vergleiche hierzu: Häusel (2011): Wissenschaftliche Fundierung des Limbic Ansatzes. In: www.nymphenburg.de.

265 Anm.: Im Limbic Ansatz finden sich viele bekannte Modelle, wie die Bedürfnispyramide nach Maslow, Freuds Trieblehre oder Ansätze von Jung wieder. Insbesondere zum Zürcher Modell der Sozialen Motivation von Bischof sind viele Parallelen zu erkennen. Da diese Ansätze letztlich „nur“ psychologische Theorien darstellen, fiel die Wahl auf den Limbic-Ansatz, da er in der Hirnforschung verankert und praxisnah ist.

266 Häusel (2011): Wissenschaftliche Fundierung des Limbic Ansatzes. In: www.nymphenburg.de, S. 38ff.

267 Häusel (2011): Wissenschaftliche Fundierung des Limbic Ansatzes. In: www.nymphenburg.de, S. 35-38, 48.

268 Häusel (2011): Wissenschaftliche Fundierung des Limbic Ansatzes. In: www.nymphenburg.de, S. 35-38 mit Verweis auf Gray & McNaughton (2000), Mattson (2003), Panksepp (1998) und Zuckermann (2006).

269 Häusel (2011): Wissenschaftliche Fundierung des Limbic Ansatzes. In: www.nymphenburg.de, S. 35-38 mit Verweis auf Bodnar (2002), Numan (2003), Panksepp (1998) und Rolls (1999).

270 Häusel (2011): Wissenschaftliche Fundierung des Limbic Ansatzes. In: www.nymphenburg.de, S. 37.

271 Häusel (2011): Wissenschaftliche Fundierung des Limbic Ansatzes. In: www.nymphenburg.de, S. 50.

272 Häusel (2011): Wissenschaftliche Fundierung des Limbic Ansatzes. In: www.nymphenburg.de, S. 37.

273 Häusel (2011): Wissenschaftliche Fundierung des Limbic Ansatzes. In: www.nymphenburg.de, S. 37.

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Titel: Kommunikationsinstrumente, -techniken und -mechanismen der nationalsozialistischen Propaganda