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Chancen und Grenzen der Entkopplung von globalem Wirtschaftswachstum und CO2-Emissionen

Seminararbeit 2015 30 Seiten

VWL - Umweltökonomie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Überlastung der Erdsystemprozesse als Grundlage der Untersuchung

3. Der Begriff „Entkopplung“
3.1 Relative Entkopplung
3.2 Absolute Entkopplung

4. Herausforderungen für Entkopplung in der globalisierten Wirtschaft
4.1 Der „Rebound-Effekt“
4.1.1 Der Begriff „Rebound-Effekt“
4.1.2 Weltweiter Rebound und leakage-Effekte
4.2 Weitere Herausforderungen

5. Maßnahmen zur Entkopplung
5.1 Direkte Maßnahmen
5.1.1 Caps
5.1.2 Steuern
5.2 Indirekte Maßnahmen
5.2.1 Technische Effizienzsteigerungen und erneuerbare Energiequellen
5.2.2 Strukturwandel
5.2.3 Materieller Wohlstand

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 - Die Umweltgrenzen der Erde (Rockström et al. 2009, S. 472)

Abbildung 2 - BIP Wachstum, Energiekonsum und CO2 (BP 2014, S. 88)

Abbildung 3 - Relative Entkopplung, eigene Darstellung nach Jackson 2013, S. 59

Abbildung 4 - Absolute Entkopplung, eigene Darstellung nach Jackson 2013, S. 59

Abbildung 5 - Unmittelbarer Materialverbrauch und BIP in den OECD-Staaten (OECD 2013)

Abbildung 6 – Der Rebound-Effekt (Madlener und Alcott 2011, S. 8)

Abbildung 7 - Caps, eigene Darstellung

Abbildung 8 - Steuern, eigene Darstellung

Abkürzungsverzeichnis

SymbolverzeichnisA – Affluence, Einkommen pro Kopf

1. Einleitung

Armut ist ein globales Problem, das nur durch Wirtschaftswachstum in den betroffenen Regionen nachhaltig gemindert werden kann. Gleichzeitig ist der Mensch für viele Umweltveränderungen verantwortlich, die katastrophale Auswirkungen haben können. Diese Arbeit verfolgt das Ziel, Herausforderungen hinsichtlich der Vorstellung von Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig sinkenden CO2-Emissionen zu identifizieren und mögliche Maßnahmen aufzuzeigen. Sie beschäftigt sich mit CO2-Emissionen als Treiber des Klimawandels und weniger mit anderen Faktoren. Entkopplungsprozesse in Bezug auf andere Erdsystemprozesse werden nicht explizit behandelt. Die übergeordnete Forschungsfrage dieser Arbeit ist: „Kann eine Entkopplung von globalem Wirtschaftswachstum und CO2-Emissionen erreicht werden?“ Um dies zu beantworten werden die Fragen diskutiert welche Auswirkungen Wirtschaftswachstum auf die Erde hat, was Entkopplung ist und ob sie nötig ist, welche Herausforderungen es im Entkopplungsprozess gibt und welche Maßnahmen es zur Entkopplung geben kann. Diese Fragen sind relevant, weil zu einem erfolgreichen Gegensteuern der Entwicklungen nur wenige Jahre bleiben (vgl. Deutscher Bundestag (Hg.) 2013, S. 455). Diese Arbeit ist eine reine Literaturarbeit. Für sie wurde deshalb zunächst eine Literaturrecherche nach aktueller Literatur zur eben vorgestellten Problemstellung durchgeführt. Bei der Literaturrecherche wurde sich vorrangig an der Arbeit der Projektgruppe 3 der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ des deutschen Bundestages orientiert. In der Arbeit werden der aktuelle Stand der Forschung zusammengetragen und Beziehungen aufgezeigt. Die Arbeit gliedert sich in sechs Hauptteile. Nach der Einleitung folgt eine Diskussion der Überlastung der Erdsystemprozesse und speziell des Klimas als Grundlage der Untersuchung. Dann werden die Begriffe relative und absolute Entkopplung erklärt. Im 4. Kapitel geht es um Herausforderungen für Entkopplung, wie Rebound-Effekte, bis im 5. Kapitel direkte und indirekte Maßnahmen für die Entkopplung vorgestellt werden. Schließlich wird im 6. Kapitel das Fazit gezogen.

2. Die Überlastung der Erdsystemprozesse als Grundlage der Untersuchung

Wirtschaftswachstum ist eines der bedeutendsten wirtschaftspolitischen Ziele für Ökonomen, da er das globale Armutsproblem zu lösen vermag, ohne durch Umverteilung soziale Spannungen auszulösen (vgl. Perman et al. 2003, S. 44). Seit der industriellen Revolution und dem mit ihr verbundenen Wirtschaftsaufschwung sind es die Menschen, die die Hauptreiber für globale Umweltveränderungen sind (vgl. Crutzen 2002). Der schwedische Wissenschaftler Rockström (et al. 2009) beschreibt neun Grenzen des Planeten, die einen sicheren Raum für die Menschheit in Hinblick auf die verschiedenen Erdsystemprozesse markieren. Sie werden in Abbildung 1 gezeigt. Dabei sind der Klimawandel, der Verlust der Biodiversität und der Stickstoffkreislauf bereits über den sicheren Bereich (hellgrüne Markierung) hinaus. Rockström gibt zu bedenken, dass diese Erdsystemprozesse nicht linear, sondern oft abrupt reagierten und sie wichtige Teilsysteme, wie das Monsunsystem, beeinflussen könnten, was katastrophale Auswirkungen für die Menschheit haben könne. Darüber hinaus hingen diese Prozesse eng miteinander zusammen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 - Die Umweltgrenzen der Erde (Rockström et al. 2009, S. 472)

Würde die Umweltgrenze „Klimawandel“ überschritten erhöhe sich das Risiko auf irreversible Klimaschäden wie der Verlust großer Eisschilde, der beschleunigte Anstieg des Meeresspiegels und abrupte Veränderungen in Wald- und Agrarsystemen (vgl. Rockström et al. 2009, S. 473). Um diese zu vermeiden müssten die Neuemission klimawirksamer Gase verhindert und bereits in der Atmosphäre enthaltene Gase gebunden werden (vgl. Deutscher Bundestag (Hg.) 2013, S. 454–455). Rockström et al. (2009, S. 473) empfiehlt eine Begrenzung der Konzentration der CO2-Emissionen in der Atmosphäre auf 350ppm. Die International Energy Agency ((Hg.) 2008, S. 435–477) geht von einer Höchstbelastung von 450ppm aus, um das international erwünschte 2°C-Ziel zu erreichen. Nach Angaben der World Meteorological Organization ((Hg.) 2014) wurden im März und April 2014 auf der nördlichen Hemisphäre erstmals über 400ppm gemessen.

Die International Energy Agency ((Hg.) 2013b) prognostiziert, dass die globale Energienachfrage von 2011 bis 2035 um ein Drittel steigen wird. Dies würde dazu führen, dass die Emission klimarelevanter Gase um 20% auf 37,2 Gt steigt, was einem langfristigen Temperaturanstieg von 3,6°C entspricht. Dieser läge weit über dem 2°C-Ziel (vgl. International Energy Agency (Hg.) 2013a, S. 2). Auch BP ((Hg.) 2014, S. 80-89) gibt an, dass die globalen CO2-Emissionen bis 2035 zunehmen werden und dabei weit über den empfohlenen Grenzwerten lägen, auch wenn sie langsamer als die Energienachfrage wüchsen, was mit einer angenommenen Verringerung der Energieintensität zusammenhängt. Außerdem wüchse der Energiekonsum langsamer als die Weltwirtschaft (S. 17). Abbildung 2 zeigt diese Zusammenhänge, die zu einer Reihe an Herausforderungen führen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 - BIP Wachstum, Energiekonsum und CO2 (BP 2014, S. 88)

3. Der Begriff „Entkopplung“

„Entkopplung“ beschreibt eine Veränderung im Verhältnis von Ressourcenverbrauch und dem Bruttoinlandsprodukt (BIP). Ein Ziel der globalen Umweltpolitik ist Entkopplung, aus den in 2. genannten Gründen, im Sinne einer Erhöhung des BIPs und der gleichzeitigen Verminderung des CO2-Ausstoßes. Entkopplung kann dabei „relativ“ oder „absolut“ sein (vgl. Madlener und Alcott 2011, S. 29–30).1

3.1 Relative Entkopplung

Bei relativer Entkopplung sinkt der Umweltverbrauch, oder in diesem Fall der CO2-Ausstoß, pro Wirtschaftseinheit bei wachsendem BIP. Absolut kann er CO2-Ausstoß allerdings ansteigen. Eine erfolgreiche relative Entkopplung sagt deshalb nichts über die Entwicklungen zum Erreichen der Klimaziele aus (vgl. Deutscher Bundestag (Hg.) 2013, S. 430). Diese Beziehung wird in Abbildung 3 deutlich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 - Relative Entkopplung, eigene Darstellung nach Jackson 2013, S. 59

Relative Entkopplung bedeutet für eine Volkswirtschaft somit, dass sie effizienter vorgehen muss, um mehr Güter mit geringeren Umweltschäden zu produzieren. Dies ist nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus ökonomischer Sicht attraktiv, da Ressourcenverbrauch für Produzenten Kosten verursacht. Folgt man der Annahme, dass Produzenten ihre Kosten minimieren möchten um ihren Gewinn zu maximieren, müssten Effizienzsteigerungen ständig angestrebt werden. Wie in 2. gezeigt gibt es für diese These durchaus Anhaltspunkte wie die sinkende Energieintensität. Dies führt zu einer sinkenden Emissionsintensität. Problematisch ist jedoch, dass eine relative Entkopplung nicht ausreichend ist, um den Klimawandel abzuwenden. Nötig ist eine absolute Entkopplung von CO2-Ausstoß und Wirtschaftswachstum (vgl. Jackson 2013, S. 60–62).

3.2 Absolute Entkopplung

Absolute Entkopplung liegt vor, wenn die Ressourcennutzung und damit die Emission von CO2 in absoluten Zahlen bei gleichzeitig wachsendem BIP abnimmt (vgl. Jackson 2013, S. 59; Deutscher Bundestag 2013, S. 430). Dies wird in Abbildung 4 gezeigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 - Absolute Entkopplung, eigene Darstellung nach Jackson 2013, S. 59

Wie in 2. gezeigt scheinen der absolute Energieverbrauch sowie die absolute Menge an CO2-Emissionen jedoch zu steigen. Für absolute Entkopplung gibt es deshalb sehr wenige Anhaltspunkte. Zwar lässt sich feststellen, dass der unmittelbare Materialverbrauch in den OECD-Ländern seit 1990 relativ stabil geblieben ist (vgl. Abbildung 5, OECD (Hg.) 2013), allerdings werden der Ressourcenverbrauch für die Produktion von End- und Zwischenprodukten im Ausland nicht erfasst. Dieser Indikator ist jedoch wichtig, da entwickelte Volkswirtschaften wie die OECD-Staaten ihre Produktion immer mehr ins Ausland verlagern. Dieser Hinweis auf eine absolute Entkopplung sollte deswegen kritisch betrachtet werden (vgl. Jackson 2013, S. 63–65).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5 - Unmittelbarer Materialverbrauch und BIP in den OECD-Staaten (OECD 2013)

Es gibt jedoch auch Stimmen in der Wissenschaft, die die absolute Entkopplung von globalem Materialaufwand (ein ökonomischer Indikator der die genannten Unzulänglichkeiten des DMC auszugleichen versucht) und Treibhausgasemissionen von Wirtschaftswachstum zumindest in der EU für möglich halten. Ihrer Meinung nach fördere eine aktive Politik zur Erhöhung der Ressourcenproduktivität ( das Wirtschaftswachstum, senke den globalen Materialaufwand bis 2030 absolut und vermindere Treibhausgase. Der Rebound-Effekt sei geringer als beispielsweise von Jackson beschrieben (siehe 4). Allerdings seien internationale Zusammenhänge noch nicht abschließend geklärt (vgl. Bleischwitz et al. 2012). Da absolute Entkopplung nötig ist, um den Klimawandel zu vermeiden, ist sie für diese Arbeit die relevante Größe. „Entkopplung“ im weiteren Verlauf der Arbeit meint deshalb „absolute Entkopplung.“

4. Herausforderungen für Entkopplung in der globalisierten Wirtschaft

Wie in 2. gezeigt ist absolute Entkopplung grundlegend nicht einfach, da Wirtschaftswachstum ein Treiber des Klimawandels zu sein scheint. Darüber hinaus gibt es weitere Herausforderungen für Entkopplung in der globalisierten Wirtschaft, unter anderem Rebound-Effekte. Auf sie und weitere Hürden wird in diesem Kapital eingegangen.

4.1 Der „Rebound-Effekt“

Der „Rebound-Effekt“ beschäftigt sich mit der Wirkung von Investitionen in technische (Energie-)Effizienzsteigerungen und wird sowohl theoretisch als auch empirisch erforscht. Allerdings gibt es bis heute eine Vielzahl an Studien, die ihn nicht betrachten, obwohl er die Behauptung widerlegt, dass eine technische Effizienzsteigerung hinreichend sei um Umweltziele zu erreichen (vgl. Deutscher Bundestag (Hg.) 2013, S. 435–436).

4.1.1 Der Begriff „Rebound-Effekt“

Den Rebound-Effekt erklärt man am besten mit den Grundbegriffen technische Effizienzsteigerung, erwartete Einsparungen, direkter und indirekter Rebound, Gesamtrebound und Backfire. Abbildung 6 soll bei der Definition der einzelnen Begriffe behilflich sein, indem sie den Rebound-Effekt anhand dem Beispiel einer Leuchte darstellt.

[...]


1 Die Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ des deutschen Bundestages benutzt eine andere Terminologie. Sie spricht von einer Entkopplung im engeren Sinne, die der Entkopplung von Umweltverbrauch und ökonomischem Wachstum entspricht, und einer Entkopplung im weiteren Sinne, die eine Entkopplung des Umweltverbrauchs von Wohlstand und Lebensqualität meint. Die absolute Entkopplung bezeichnet sie als „Reduktion des Umweltverbrauchs“ (vgl. Deutscher Bundestag (Hg.) 2013, S. 430–431). Da diese Arbeit sich lediglich mit der Entkopplung von Wirtschaftswachstum und CO2-Ausstoß befasst, verwendet sie die Begriffe relative und absolute Entkopplung.

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Titel: Chancen und Grenzen der Entkopplung von globalem Wirtschaftswachstum und CO2-Emissionen