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Multimedialität als Herausforderung oder Chance? Der Einsatz von E-Learning und Blended Learning in der Schule

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 25 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. E-Learning- Herausforderung für klassische Bildungsinstitutionen?

2. E-Learning: Mehr als die Nutzung des Computers
2.1 Versuch einer Definition
2.2 Blended Learning und E-Learning- Unterschiede und Gemeinsamkeiten
2.3 E-Learning und Blended Learning- Ungeeignet für den Schulunterricht?

3. Kompetenzvermittlung- Neue Ziele im Unterricht
3.1 Ziele der Vermittlung von Medienkompetenz
3.2 Medienpädagogische Kompetenz als Voraussetzung

4. E-Learning in der Schule
4.1 Bisheriger Einsatz- Nachteile, Probleme und Erfolgsfaktoren
4.2 Vorteile von E-Learning und Blended Learning
4.3 Einsatzmöglichkeiten für E-Learning

5. Ausblick: E-Learning als Herausforderung und Chance?

Literaturverzeichnis

1. E-Learning- Herausforderung für klassische Bildungsinstitutionen?

Kaum etwas stellt den Lehrberuf und die berufliche Weiterbildung wohl vor eine so große Herausforderung wie die rasante Medienentwicklung der letzten zwanzig Jahre. Durch die allgegenwärtige Möglichkeit Informationen aus dem Internet abzurufen bieten sich Lernenden neue Möglichkeiten auch außerhalb der klassischen Bildungseinrichtungen über informelle Lernprozesse Kompetenzen und Wissen zu erlangen. Schulen und Hochschulen verlieren somit in der Epoche der Postmedialität ihr Bildungsmonopol1, da der Zugang zu Informationen prinzipiell für jeden zu jeder Zeit möglich ist. Zudem bedingen größer werdende Brüche im Arbeitsumfeld und die technische Entwicklung, die stetig neue Anforderungen generiert, in der Notwendigkeit des lebenslangen Lernens und der Unterstützung durch Fachkräfte. Die institutionellen Bildungseinrichtungen stehen somit vor der Herausforderung ihre Aufgabe neu zu definieren und Handlungswissen für die potentielle Flut an Informationen zu bieten.

Dabei war mit dem Begriff E-Learning oder auch Online-Lernen lange Zeit die Hoffnung verbunden worden Lernprozesse zu automatisieren und effektiver machen zu können. Schon in den 1970ern erkannte so Peter Glotz, damaliger Staatssekretär des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, die Bedeutung von neuen Medien in der Hochschullehre2. So verstärkte man bereits in den 1980ern die Bemühungen um die Einführung aller Lehrkräfte in den Umgang mit dem PC und stattete im Rahmen des Programms 'Schulen ans Netz' 1997 alle Schulen mit Computern aus. Die Hoffnungen durch den bloßen Einsatz des Computers den lehrerzentrierten Unterricht zu verändern und ein müheloses und effizientes Lernen mit hohem Spaßfaktor und geringem Zeit- und Kostenaufwand zu etablieren stellten sich aber durch fehlende didaktische Konzepte schon bald als Irrtum heraus3. So haben sich bisher wenige nutzungsfähige Produkte langfristig etablieren und die einstigen Hoffnungen erfüllen können, E-Learning wurde somit nicht zum Alltag in der deutschen Hochschullehre und ist kaum in den Lehrplänen der Schulen verankert4. Vielfach wird E-Learning dabei nur noch synonym zur Bereitstellung von Lehr- und Lernmaterialien im Internet verstanden und nicht mehr als tatsächliche Unterstützung des Unterrichts. Das einstig heraufbeschworene Potential konnte so bisher nicht erfüllt werden und die Skepsis überwiegt bei einem Großteil der Lehrenden.

Dennoch zwingt das schier unendliche Nutzungspotential des Internets geradezu dazu dieses auch im Unterricht effektiv einzusetzen und sich der Herausforderung die die Multimedialität bringt zu stellen.

Somit muss die Frage geklärt werden inwiefern E-Learning in der Schule überhaupt nutzbar ist und welche Vorteile es mit sich bringt. Um die Einsatzmöglichkeiten von E-Learning im Schulunterricht zu untersuchen ist zunächst eine Definition der Begrifflichkeiten E-Learning und der verwandten Form des Blended Learning notwendig.

Anschließend soll ein kurzer Ausblick auf die Auswirkungen der Bologna-Reform und die Forderung zur Entwicklung von Medienkompetenz geboten werden. Im Folgenden kann dann analysiert werden inwiefern diese neuen Unterrichtsziele durch E-Learning erreicht werden können. Dabei müssen zunächst der bisherige Einsatz im Unterricht und die Nachteile beleuchtet werden, bevor Voraussetzungen für den erfolgreichen Einsatz online basierten Lernens genannt werden können. Bevor ein Ausblick auf die Einsatzmöglichkeiten gegeben werden soll, müssen noch die Vorteile des E-Learning dargestellt werden. Damit soll abschließend die Frage geklärt werden, inwiefern Multimedialität als Herausforderung aber auch als Chance verstanden werden kann.

2. E-Learning: Mehr als die Nutzung des Computers

2.1 Versuch einer Definition

Bereits bei dem Versuch einer Definition von E-Learning stößt man auf die Schwierigkeit, dass der Terminus häufig als „Sammelbegriff für alle Lehr- und Lernanwendungen verwendet wird, welche im weitesten Sinne mit einem Computer genutzt werden können“5. So wird unter dem Begriff des E-Learning eine Vielzahl von Lernunterstützungen zusammengefasst und das Verständnis des Terminus ist praktisch einer ständigen Veränderung unterworfen6. Obwohl der Computer als lernunterstützendes Medium bereits in den 1960ern entdeckt wurde, wurde der Begriff des E-Learning erst in den 90ern erstmals durch Jay Cross verwendet, der das E-Learning als Etikett für eine Vielfalt von Anwendungen verstand, die mit dem Internet in Verbindung standen7. Durch den zeitgleichen Vormarsch des Internets wurde E-Learning somit zu einem Begriff unter dem zahlreiche Facetten des Online-Lernens verstanden wurden. Zu Beginn der Entwicklung des Begriffes ließ sich so nur die Präsenzlehre als klares Gegenstück zum E-Learning definieren, während der Begriff selbst nicht klar eingegrenzt werden konnte. Der Begriff des E-Learning stand so für eine Form des Lernens in dem der direkte und unvermittelte Kontakt zwischen Lehrenden und Lernenden unterbrochen wurde. Dabei schließt das E-Learning allerdings nur online-basierte Lernunterstützungen mit ein, während Programme zur Wiederholung von Lernstoff auf CD nicht als Teil des E-Learnings aufgefasst werden. Als wichtigen Teilaspekt einer Definition lässt sich somit nach Drummer die Internetnutzung als eine Voraussetzung des E-Learning identifizieren. Das Internet erleichtert dabei die gemeinsame Arbeit an einem Projekt und bietet die Möglichkeit synchrone und asynchrone Bearbeitungsphasen zu vereinen. Somit bleibt die Möglichkeit zur Kommunikation auch in einem E-Learning-Angebot bedeutend und die reine Bereitstellung von Arbeitsmaterialien über das Internet lässt sich nicht als E-Learning verstehen. Oberflächlich ließe sich so die „Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien im Lernprozess“8 als E-Learning verstehen, damit aber bliebe ein kaum eingegrenzter Bereich von Angeboten Teil des Begriffes und die Definition von Drummer, der E-Learning als Verknüpfung klassischer didaktischer Ansätze mit vernetzten tutoriell betreuten Lernangeboten versteht, bleibt zu oberflächlich. E-Learning wäre hiermit lediglich zu verstehen als Erweiterung des klassischen Methodenrepertoires9 und die Bereitstellung von klassischen Medien wie Arbeitsblättern über eine Lernplattform, verbunden mit der Fähigkeit zur Kommunikation wäre bereits zu verstehen als E-Learning-Lernumgebung. Den ausführlichen Versuch einer Definition liefert hingegen Jürgen Handke, der drei Typen von E-Learning unterscheidet. Grundlage seiner Definition ist dabei ebenso wie bei Drummer die Nutzung des Internets als technische Basis, wobei der „Einsatz von Internet-Technologien zur Gestaltung und Unterstützung von individuellen und kooperativen Lernprozessen“ 10 im Vordergrund steht. Damit unterscheidet er E-Learning zunächst vom Lernen mit neuen Medien, das bereits dann einsetze, wenn der Computer in irgendeiner Form im Lernprozess eingesetzt werde. Auch der bloße Einsatz von Videos und das gemeinsame Verfassen von Wiki-Artikeln darf dabei allerdings noch nicht als Form des E-Learning verstanden werden, da der neuen Lernform hier keine tragende Rolle zukommt. So wird als weiterer Faktor des E-Learnings die Möglichkeit zur Aktualisierung der Aufgaben eingeführt. Daraus ergeben sich drei Typen von E-Learning, in denen die Internetnutzung unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Im ersten Typ wird so lediglich die schnelle Aktualisierbarkeit und der räumlich ungebundene Zugriff auf Inhalte über das Internet als Voraussetzungen genannt, während beim zweiten Typ die Verwendung einer E-Plattform mit kollaborativen und kommunikativen Komponenten als weitere Basis gefordert wird. Dadurch bietet sich dem Lehrenden die Möglichkeit den Lernprozess zu überwachen und wenn nötig zu unterstützen. Erst im zweiten Typ wird E-Learning somit auch zu einem tutoriell unterstützten Lernprozess. Im dritten Typ von E-Learning nach Handke wird schließlich die Eigenverantwortlichkeit des Lernprozesses in den Mittelpunkt der Definition gerückt. Die eigenständige Inhaltserschließung und Selbstlernszenarien bekommen so besondere Bedeutung. Auch die Definition von Handke bleibt dabei offen für unterschiedliche Systeme des E-Learning und kann sowohl tutorielle Systeme, in denen Auswertungen von Lernerfolgen durch den Computer erfolgt, einschließen als auch Systeme direkter tutorieller Unterstützung durch eine Lehrkraft. Gekennzeichnet muss das E-Learning dabei lediglich durch die örtliche und zeitliche Flexibilität, die unterschiedlichen Anteile von Mensch und Technik, das prinzipienbasierte evaluationsgesteuerte Instruktionsdesign sowie qualitativ hochwertige Inhalte11.

Auch das E-Learning darf somit nicht verstanden werden als ein Selbstläufer, der das Lernen automatisiert und ohne großen Aufwand verbessert, wie dies in den anfänglichen Prognosen der Didaktiker erhofft wurde. So hatte die Arbeit abseits des herkömmlichen Präsenzunterricht vor allem deshalb wenig Erfolg und konnte nicht die gewünschte Effizienz zeigen, weil E-Learning teils nur als innovatives Lernen und Lehren mit neuen Medien verstanden wurde und die Didaktik den neuen Anforderungen kaum gerecht wurde. So benötigt das E-Learning besonders hochwertige Inhalte und sorgfältig aufbereitete und aktuelle Materialien. Zumeist aber werde E-Learning heute „als eine Serviceleistung verstanden“12, da die Umsetzungskompetenz und die didaktischen Konzepte für den erfolgreichen Einsatz von E-Learning fehlen würden. Dennoch erhält E-Learning vermehrt Einzug in Schulen und Hochschulen und wird in hybrider Form mit den herkömmlichen Präsenzphasen vermischt. Obwohl die Online-Lehre anfangs als Alternative zur Präsenzlehre verstanden wurde, setzen nun viele Hochschulen und Weiterbildungen darauf konventionelle und virtuelle Lernumgebung zu kombinieren, um die Vorteile beider Lernformen zu nutzen. Unter dem Begriff des Blended Learning entwickelte sich somit eine bedeutende Form des E-Learning, die insbesondere für den Schulunterricht geeignet sein kann.

2.2 Blended Learning und E-Learning- Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Insbesondere in der Schule, aber auch in der Hochschule ist es vielfach nötig den Unterricht weiterhin hauptsächlich über Präsenzphasen zu organisieren. Demgegenüber besteht ebenso die allgegenwärtige Forderung einer Öffnung der Schulen nach außen, die die alltäglichen Gewohnheiten der Schüler nutzbar machen soll für den Unterricht13. Dabei steht im Besonderen die Mediennutzung der Lernenden vielfach im Mittelpunkt, da diese zahlreiche Ansatzpunkte für den Unterricht bietet und die Möglichkeit besteht den Unterricht über den Einsatz von Formen des E-Learning innovativer zu gestalten. Beim sogenannten Blended Learning werden dabei die den Schülern bekannten Präsenzphasen kombiniert mit computergestützten Lernphasen, wobei die Art der Kombination stets abhängig ist von den Vorkenntnissen der Lernenden14. Dabei verkörpert das Blended Learning im Grunde nur das bereits bekannte Postulat des Methodenmix im Unterricht15 und bietet nur dann Vorteile für den Unterricht, wenn spezifischen Besonderheiten von Präsenz- und Online-Unterricht genutzt werden. Auch im Falle des Blended Learning trifft man dabei zunächst auf eine Vielzahl unterschiedlicher Definitionsansätze, die eine genaue Eingrenzung des Begriffes erschweren. Oberflächlich ließe sich der Terminus nach Drummer definieren als eine Mischung von Online-Lehrangeboten und Präsenzphasen, in der, häufig über den Einsatz von Lernplattformen, unterrichtsunterstützende Materialien zur Verfügung gestellt werden16. Somit wären die Lehrenden nicht zwangsweise auf die Nutzung des Online-Angebotes angewiesen, da dieses nur zur Erweiterung der Präsenzphasen genutzt werde. Allerdings muss dem Online-Angebot auch im Blended Learning eine tragende Rolle zukommen, sodass die Ergänzung des Unterrichtes nicht ausreicht um von Blended-Learning zu sprechen. Die hybride Form aus Präsenzphasen und Onlinelehre muss vielmehr die Vorteile beider Formen nutzen, da das Blended Learning nur so zu einer Form wird die „effektiver und angenehmer für die Lernende ist als entweder Präsenzunterricht oder Online-Lehre allein“17. Zwar besteht dadurch die schwierige Herausforderung einen geeigneten Mix aus beiden Angeboten herzustellen, der Einsatz von Blended Learning erhöht aber nicht nur die Wahlmöhlichkeiten der Lernenden, sondern kann auch dazu führen, dass der herkömmliche Präsenzunterricht effektiver genutzt werden kann. Auch können durch die Kombination beider Lernangebote verschiedene Lerntypen leichter angesprochen werden und so werden unterschiedliche Lerntheorien in der Verbindung von Präsenzunterricht und Online-Lernphasen realisiert.

2.3 E-Learning und Blended Learning- Ungeeignet für den Schulunterricht?

Trotz des großen Potentials von E-Learning und Blended Learning Angeboten lässt sich sagen, dass viele der bisherigen Angebote nicht langfristig erfolgreich sein konnten. Sehr oft wurden so zwar große Hoffnungen an den Einsatz von E-Learning geknüpft, die aber durch eine mangelnde Integration und offene Fragen beim Einsatz nicht erfüllt werden konnten18. Zudem zeigten sich die wandelresistenten Kräfte an Schulen und Hochschulen als sehr ausgeprägt und zeigten geringe Akzeptanz für das E-Learning19.

Insbesondere beim Versuch eines Einsatzes in der Schule waren die Schwierigkeiten Veränderungen im System der Institution zu erreichen offensichtlich, da neue Lehrmethoden vielfach selbst bei optimalen Bedingungen nicht aufgenommen werden und so auch die anfangs hohen öffentlichen Fördermittel keinen Erfolg hatten.

Zudem zerschlug sich sehr früh die Hoffnung mit geringem Aufwand Kosten einzusparen und dennoch innovative Lehrmethoden bieten zu können. Ein hoher Innovationsgrad hätte sich aber nur dann einstellen können, wenn neue Medien und neue Didaktik zusammentreffen und die bloße Einbindung multimodaler Elemente konnte noch keine Innovation darstellen20. Didaktiker und Politiker die auf die Einführung des E-Learning gesetzt hatten mussten so erkennen, dass die Angebote für eine Nutzung ihres Potentials und für die Herstellung eines hohen Innovationsgrades nicht nur als Erweiterung verstanden werden durften, sondern die „grundsätzliche Überarbeitung bestehender didaktischer Konzeption erforderlich“21 wäre. Nur mit einer an die Anforderungen angepassten Didaktik können E-Learning und Blended Learning so tatsächlich eine Veränderung der Unterrichtsstruktur zur Folge haben, die das Lernen der Schüler besser unterstützt und die Möglichkeiten der Online-Lehre nutzt.

Auch zeigten zwar alle Bundesländer Anstrengungen für die medienpädagogische Qualifizierung ihrer Lehrkräfte, der Einsatz von E-Learning-Angeboten wurde aber nicht curricular eingebunden und blieb weiterhin nur eine Option für die Lehrkräfte. So auch im zwischen 1999 und 2001 entwickelten Basiscurriculum ‚Neue Medien in der Lehrerausbildung’ in dem zwar zumindest der Versuch einer Einbindung erfolgte, diese aber wurde lediglich als Erweiterungsstudium angeboten und wegen der hohen zusätzlichen Belastung vielfach gescheut22. Für eine tatsächliche Nutzung des Potentials aber wäre ein verbindliches Gesamtcurriculum notwendig, das die Erstausbildung und die Weiterbildung von Lehrkräften einschließt und so die Lehrer auf die Nutzung von E-Learning-Angeboten in ihrem Unterricht vorbereitet. Bisher aber ist die Weiterbildung konzentriert auf den Einsatz von Lehr-Lernplattformen und medienpädagogische Themen finden in der Lehrerbildung und damit auch im Schulunterricht kaum zu Bedeutung. Der eigentlich zentralen Orientierung an den Erwartungen der Schüler23 kommt somit weder in der Lehrerausbildung noch bei der Konzeption von E-Learning-Angeboten die notwendige Rolle zu. Auch die Angebotshersteller selbst begreifen ihre Zielgruppe vielfach als Kunden und weniger als lernendes Subjekt, sodass eine unklare Lernendenorientierung zum zentralen Problem vieler Angebote der Online-Lehre wurde. Ein Großteil der einst geförderten Angebote wurde von Schülern und Lehrern schlichtweg nicht als Kompetenzerweiterung verstanden, da das lernende Subjekt nicht in den Mittelpunkt didaktischer Entscheidungen gerückt wurde, sondern vorgefertigte Lernpfade im Sinne eines Online-Frontalunterrichtes geschaffen wurden. Unabhängig vom technologischen Innovationsgrad wurden also mit den E-Learning-Angeboten vielfach keine neuen didaktischen Wege eingeschlagen, sodass die Hoffnung einer besseren Lernendenorientierung und einer Individualisierung des Lernprozesses nicht erfüllt werden konnte. Viele Angebote verschwanden dadurch schon bald wieder von der Bildfläche und die Fördermittel für die Einbindung von E-Learning-Angeboten wurden deutlich geringer. Heute bietet sich den Lehrkräften damit zusätzlich das Problem, das geförderte Angebote zumeist nur noch als Online-Verwaltungssysteme verstanden werden, nicht aber als tatsächliche Unterstützung oder Ergänzung des Unterrichtes in Form von Lehrsystemen24. Trotz großer Anzahl von Angeboten bieten sich so wenig Mehrwert25 und wenige Ideen wie das Potential neuer Medien adäquat genutzt werden kann. Eine mögliche Hoffnung wurde dabei lange Zeit auch im Einsatz des web 2.0 gesehen, beim Einsatz von Technologien wie Wikis und Blogs zeigt sich aber, dass diese nicht die einzige Grundlage des Unterrichts sein können und lediglich als mögliche Ergänzung dienen können. Auch hier ist der Einsatz an klar definierte Regeln gebunden die zunächst entwickelt werden müssten. Zudem wären die eingesetzten Technologien in diesem Falle nicht didaktisch aufbereitet und ihr Mehrwert für den Unterricht müsste besonders hervorgehoben werden, da die Schüler mit der Nutzung nur außerhalb der Schule vertraut sind.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Einsatz von E-Learning aus heutiger Sicht in einer scheinbaren Sackgasse angelangt ist und Online-Lernformen ungeeignet für den Einsatz in der Schule erscheinen. Die hohen Kosten, die eine flächendeckende Einführung vielfach noch verhindern, sowie der enorme Arbeitsaufwand für die Lehrenden bei der Herstellung qualitativ hochwertiger Materialien stehen dabei im Gegensatz zu den einstigen Erwartungen einer kostengünstigen und zeitsparenden Lernmethode und scheinen so den Einsatz wenig ertragreich zu machen. Dadurch bedingt ist auch die Akzeptanz bei Lehrenden und Lernenden häufig gering, sodass virtuelle Lehrveranstaltungen oft noch mit Skepsis betrachtet oder sogar völlig abgelehnt werden. Kritiker sehen zudem Probleme bei der Durchsetzung eines ertragreichen selbstgesteuerten Lernens und erachten geringere Konzentration und sogar eine mögliche Vereinsamung der Lernenden in reduzierten Präsenzphasen als mögliche Probleme. Auch das Lernen am Bildschirm wird beim Einsatz herkömmlicher Medien problematisiert, da vor allem bei längeren Texten die Aufmerksamkeit nachlasse.

Allerdings lässt sich sagen, dass mit entsprechenden Vorgaben viele der Vorbehalte aufgehoben werden könnten und dass die Akzeptanz für E-Learning-Angebote zunehmen würde, wenn die Online-Lehre als Standard empfunden wird und entsprechende Projekte realisiert wurden. Zudem bedingen die technische Entwicklung und die allgemeine Zugänglichkeit zu Informationen eine Veränderung der Aufgaben institutioneller Bildungseinrichtungen, die nicht ignoriert werden kann. Die stärker werdende informelle Wissensaneignung zwingt zur Verbreitung einer Medienkompetenz, die mehr einschließt als das Verständnis der technischen Grundlagen von Online-Angeboten. Die Schule steht so vor der neuen Aufgabe den kritischen Umgang mit dem Wissensangebot zu ermöglichen und Beurteilungskriterien für die Informationsqualität des Internets zu bieten. Ein wichtiger Schritt zu dieser Veränderung der Aufgaben lässt sich mit der Entwicklung des Kompetenzmodells im Zuge der Bologna-Reform erkennen, in der auch die Medienkompetenz eine zentrale Rolle spielt.

[...]


1 Vgl. Dittler 2011: S. 3.

2 Vgl. Handke 2012: S. 3.

3 Vgl. Seufert 2006: S. 201.

4 Vgl. Handke 2012: S. 5.

5 Drummer 2011: S. 7.

6 Vgl. Seufert 2006: S. 189.

7 Vgl. Franke 2012: S. 37.

8 Seufert 2006: S. 189.

9 Vgl. Seufert 2006: S. 191.

10 Handke 2012: S. 71.

11 Vgl. Ebd.: S. 72.

12 Vgl. Handke 2012: S. 7.

13 Vgl. Padros et al. 2011: S. 14.

14 Vgl. Ebd: S. 15.

15 Vgl. Seufert 2006: S. 195.

16 Vgl. Drummer 2011: S. 12.

17 Franke 2012: S. 41.

18 Vgl. Brüggen 2007: S. 88.

19 Vgl. Handke 2012: S. 9.

20 Vgl.Seufert 2006: S. 194.

21 Ebd.: S. 193.

22 Spaniel 2007: S. 38.

23 Vgl. Brüggen 2007: S. 91.

24 Vgl. Handke 2012: S. 9.

25 Vgl. Ebd.: S. 10.

Details

Seiten
25
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656900092
ISBN (Buch)
9783656900108
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v292871
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
14
Schlagworte
multimedialität herausforderung chance einsatz e-learning blended learning schule

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Titel: Multimedialität als Herausforderung oder Chance? Der Einsatz von E-Learning und Blended Learning in der Schule