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Stimmstörungen. Ursachen, Symptome, Therapie

Phonoponosen

Vorlesungsmitschrift 2012 7 Seiten

Rhetorik / Phonetik / Sprechwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung und Definition

2. Hyperfunktionelle Dysphonie
2.1 Ursachen
2.1.1 Habituelle Faktoren
2.1.2 Organische Faktoren
2.1.3 Psychogene Faktoren
2.2 Symptome
2.3 Klinisches Bild
2.3.1 Stimme
2.3.2 Atmung
2.3.3 Haltung
2.3.4 Sprache
2.3.5 Muskulatur
2.4 Therapie
2.4.1 Wahrnehmung
2.4.2 Tonus
2.4.3 Atmung
2.4.4 Phonation und Artikulation

3. Hypofunktionelle Dysphonie
3.1. Ursachen
3.1.1 Habituelle und psychogene Faktoren
3.1.2 Organische Faktoren
3.2 Symptome
3.3 Klinisches Bild
3.3.1 Stimme
3.3.2 Atmung
3.3.3 Haltung und Tonus
3.3.4 Sprache
3.4 Therapie

4. Die Taschenfaltenstimme
4.1 Die unerwünschte Taschenfalten-Stimme
4.1.1 Ursachen
4.1.2 Symptome
4.1.3 Therapie
4.2 Die erwünschte Taschenfaltenstimme
4.2.1 Ursachen
4.2.2 Anbahnung

5. Quellen

1. Einleitung und Definition

Phonoponosen sind Stimmstörungen infolge Stimmüberlastung o. fehlerhafter Stimmgebung.

Dabei können verschiedene Formen unterschieden werden.

Hauptsächlich und in der Praxis am Häufigsten treten die hyperfunktionelle sowie die hypofunktionelle Dysphonie auf. Als Extremform der hyperfunktionellen Dysphonie ist auch die unerwünschte Taschenfaltenstimme möglich. Im Folgenden werde ich auf die Ursachen, Symptome, auf das klinische Bild sowie auf die Therapiemöglichkeiten der verschiedenen Phonoponosen eingehen.

2. Hyperfunktionelle Dysphonie:

Die hyperfunktionelle Dysphonie bezeichnet eine unbeabsichtigte übertriebene Kontraktion der Phonationsmuskulatur, einschließlich der Atem-, Artikulations- und Halsmuskulatur.

2.1 Ursachen

2.1.1 Ponogene/habituelle Faktoren

Als Ursachen kommen unter anderem Stimmüberlastungen und Stimmfehlbelastungen, Sprechen im Lärm, Anstieg der mittleren Sprechstimmlage (zu hohes Sprechen), eine hohe Anforderung an die stimmliche Leistung oder eine mangelhafte sängerische Ausbildung; starkes Husten oder Räusperzwang (mechanische Belastung der Stimmlippen) in Frage. Bei „Vielsprechern“, wie Lehrern und Erziehern sind diese Ursachen häufig gegeben.

2.1.2 Organische Faktoren

Organische Faktoren können entzündlichen, allergische Erkrankungen der Luftwege mit mangelnder Simmschonung sein. Ebenso treten Stimmstörungen dieser Form nach Stimmlippenoperationen, Intubationen, Schwerhörigkeit (infolge mangelnder Stimmkontrolle) und Anomalien im Bereich der Glottis und des Ansatzrohres auf. Als Anomalien kommen Fehlbildungen der Halswirbelsäule oder eine Aryknorpelüberkreuzung in Betracht. Auch eine Fehlproduktion der Schilddrüsenhormone oder durch mangelnde neuromuskuläre Koordinationsfähigkeit können organische Faktoren der hyperfunktionellen Dysphonie sein.

2.1.3 Psychogene Faktoren

Psychogene Faktoren spielen gerade bei Stimmstörungen häufig eine Rolle, da sich Stress und Trauer stark auf die Stimmgebung auswirken können. Als beispielhafte Ursachen können eine herabgesetzte psychophysische Leistungsfähigkeit, Überlastungsreaktionen, Stress, psychische Konflikte oder ungünstige Arbeits-, Berufsbedingungen angeführt werden.

2.2 Symptome

Als Syptome bei einer hyperfunktionellen Dysphonie sind eine belegte Stimme mit hoher Rauigkeit, eine klangarme oder knarrende, gepresste Stimmgebung typisch. Es kann zu starker Heiserkeit sowie Räusper- und Schluckzwang, zu einem Kloß- oder Fremdkörpergefühl bis hin zu starken Schmerzen oder Diplophonie kommen.

2.3 Klinisches Bild

2.3.1 Stimme

Eine erhöhte mittlere Sprechstimmlage, harte, knarrende Einsätze (hörbarer Glottisschlag), sowie Tonhöhenschwankungen bei Halten eines Tones ergeben ein typisches klinisches Bild.

Die Tonhaltedauer ist normal bis leicht verkürzt. Das Schwelltonvermögen/ Pianosingen (leises Singen) ist häufig eingeschränkt; der Stimmansatz rückverlagert.

2.3.2 Atmung

Die Atmung ist thorakal, klavikular, stoßend, drückend und regellos.

2.3.3 Haltung

Oft liegt bei einer hyperfunktionellen Dysphonie eine gesamtkörperliche Hypertonie, insbesondere des Gesichts, des Halses und der Schultern vor.

2.3.4 Sprache

Auffällig sind die nach dorsal verschobenen Artikulationszonen und eine enge Artikulation mit geringe Kieferöffnung und unzureichenden Lippenbewegungen. Eventuell kann Näseln auftreten.

2.3.5 Muskulatur

Verspannungen, Fehlstellungen der Zunge, der Lippen, des Unterkiefers, sowie der Gesichts-, Hals-, Nacken- und Schultermuskulatur sind typisch. Möglich sind auch gesamtkörperliche Verspannungen.

2.4 Therapie:

2.4.1 Wahrnehmung

in allen vier nachfolgenden Bereichen (Körper, Haltung, Atmung, Phonation) sind zunächst Wahrnehmungsübungen für den Patienten notwendig. Der Patient soll sich über Fehhaltungen oder Fehlgebrauch bewusst werden, um diese positiv verändern zu können. Als Wahrnehmungsübungen kommen Autogenes Training, Nachfühlen bestimmter Körperhaltungen oder progressive Muskelentspannung in Betracht.

2.4.2 Tonus

Hier sind Entspannungsübungen mit dem Ziel des Eutonus förderlich, um die Verspannungen und den Hypertonus abzubauen. Es können wie bei den Wahrnehmungsübungen Autogenes Training oder die PMR nach Jacobson stattfinden, aber auch Haltungsübungen, Lockerungs- und Dehnübungen, sowie Massagen, insbesondere des Schulter-Nackenbereiches.

2.4.3 Atmung

Als Atemübungen sind Übungen zum Abspannen, zur Verlängerung der Expirationsdauer und zum drei-teiligen Atemrhythmus mit Ziel der Costoabdominalatmung angebracht.

2.4.4 Phonation und Artikulation

Übungen zur Erreichung der Indifferenzlage und Übungen für den weichen Stimmein- und –absatz werden durchgeführt. Ziel ist es, den Stimmansatz nach vorn zu bringen; das bedeutet, der Patient soll angeregt werden, das gesamte Ansatzrohr als Resonanzraum zu nutzen. Dafür werden die Kieferöffnung (z.B. mittels Korkensprechen) und die Lockerung der orofacialen Muskulatur trainiert. Zudem sind Beratung über Stimmhygiene und die Akkupädie (Hörschule des Patienten) wichtig, um Behandlungserfolge beibehalten zu können.

3. Hypofunktionelle Dysphonie

Die hypofunktionelle Dysphonie ist dagegen eine Schwäche der Kehlkopfmuskulatir mit dadurch bedingten unvollständigem Stimmlippenschluss. Die Stimmleistung reicht durch Anlage oder Anforderung bedingt nicht aus.

3.1 Ursachen:

3.1.1 Habituelle und psychogene Faktoren

Als habituelle Faktoren sind gewohnheitsmäßige Fehlhaltungen und Ängstlichkeit zu nennen.

3.1.2 Organische Faktoren

Es können eine anlagebedingte Schwäche der KK-Muskulatur, ein allgemeiner Schwächezustand oder eine nur lokale Schwäche im Kehlkopfbereich vorliegen.

Auch allgemeine Erkrankungen, z.B. ein entgleister Diabetes mellitus oder Kreislaufinsuffizienzen können eine hypofunktionelle Dysphonie auslösen.

Ebenso kommen Altersschwäche oder Gewichtsabnahme, sowie Myasthenien nach einer Myositis des Musculus Vocalis, Musculus Arytaenoideus transversus in Betracht.

Zudem können Folgen einer akuten Laryngitis oder einer lang bestehenden primären hyperfunktionellen Dysphonie (sekundärer Erschöpfungszustand), sowie eine langandauernde Intubation ursächlich sein.

3.2 Symptome

Eine leise, belegte, und behauchte Stimmgebung ist typisch. Die Stimme ist klangarm; es treten Ermüdung beim Sprechen, Trockenheitsgefühl, Halsschmerzen und manchmal offenes Näseln infolge einer zu schwachen Kontraktion des Gaumensegels auf. Die Aussprache ist undeutlich. Es kommt zu vermehrtem Luftverbrauch (wilde Luft) beim Sprechen.

3.3 Klinisches Bild

3.3.1 Stimme

Die mittlere Sprechstimmlage ist normal oder erhöht. Die Stimmeinsätze sind weich und verhaucht. Das Pianosingen ist erschwert. Eine Einengung des melodischen Akzents (Monotonie) kann vorliegen. Zudem ist die Steigerungsfähigkeit gering oder aufgehoben (Rufen, Schwelltonbildung), die Tonhaltedauer verkürzt.

3.3.2 Atmung

Die Atmung ist flach, thorakal und beschleunigt. Verkürzte Phonationsphasen und eine beschleunigte Atemfrequenz sowie hoher Luftverbrauch beim Sprechen können beobachtet werden (phonatorische Dyspnoe).

3.3.3 Haltung/Tonus

Die Körperhaltung ist schlaff. Kompensatorisch können Verspannungen der mimischen-, Hals- und Artikulationsmuskulatur auftreten.

3.3.4 Sprache

Das Lippen-Kieferspiel ist vermindert. Häufig ist die Artikulation stark eingeschränkt und unter Umständen stark verwaschen.

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Details

Seiten
7
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656900535
ISBN (Buch)
9783656900542
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v292819
Institution / Hochschule
BEST-Sabel-Bildungszentrum GmbH
Note
1,0
Schlagworte
stimmstörungen ursachen symptome therapie phonoponosen

Autor

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Titel: Stimmstörungen. Ursachen, Symptome, Therapie