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Tod und Bestattung von Friedrich I. Barbarossa

Eine Stellungnahme zum aktuellen Forschungsstand in der modernen Geschichtswissenschaft

Hausarbeit 2014 24 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Über Friedrich I. Barbarossa

2. Tod und Bestattung
2.1 Todesort
2.2 Todeszeitpunkt
2.3 Todesursache(n)
2.4 Bestattung(en)

Resümee

Appendix

Kartenmaterial

Bildmaterial

Bibliographie

Quellen(editionen) und Regesten

Sekundärliteratur

Einleitung

„Ihr Elenden, was tut ihr? Auf was hofft ihr noch? Ihr habt die bevorstehende Ankunft eures Kaisers erwartet, aber er ist ertrunken! Eure Hoffnung ist zerronnen.“1

Diese Worte sollen von den sarazenischen Verteidigern ausgesprochen worden sein, während der von den Kreuzfahrern durchgeführten Belagerung von Akkon (28. August 1189 bis 12. Juli 1191) im Verlauf des dritten Kreuzzuges (1189-1192). Die mächtigsten Herrscher des christlichen Abendlandes Philipp II., König von Frankreich, Richard I., König von England und Friedrich I., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, von den italienischen Untertanen nur Barbarossa (Rotbart)2 gerufen, nahmen an dieser militärischen Operation gegen den Islamischen Herrschaftsanspruch im Nahen Osten teil.3

Die 1187 durch Papst Gregor VIII. ausgerufene Kampagne hatte die militärische Rückeroberung Jerusalems und die Wahrung der christlichen Interessen im Morgenland zum Ziel. Im stattlichen Alter von knapp siebzig Jahren begab sich Barbarossa mit seinem Heer auf den Weg ins Heilige Land, in dessen Folge er am 10. Juni 1190 beim Fluss Saleph unweit der armenischen Stadt Seleukia tödlich verunglückte.4

Dieses plötzliche Dahinscheiden des Kaisers, die anschließende Darstellung seines Todes, als auch seine Bestattung, boten bereits zeitgenössischen Historikern Nährboden für Spekulationen und Mutmaßungen. Allerdings zeigen sich auch bei den gegenwärtigen Forschungsmeinungen in der modernen Geschichtswissenschaft immer noch Kontroversen in Bezug auf eine genaue Klärung von Todesursache, Zeitpunkt und besonders der Bestattung. Niemand vermag den genauen Ablauf nach dem Tod des Kaisers eingehend zu rekonstruieren. Der einzige Anhaltspunkt ist die Quellenüberlieferung von Zeitzeugenberichten, welche sich zusätzlich gegenseitig wiedersprechen und so neue Untersuchungspunkte für die Mediävistik aufwerfen.

Der derzeit aktuellste Forschungsstand ist in den Publikationen von Leila Bargmann und Knut Görich manifestiert. Gerade die sehr gut strukturierte und umfassende Herausarbeitung von Primärquellen und deren Analyse spiegelt einen Aufsatz von Leila Bargmanns wieder, welche sich intensiv mit dem Tod Barbarossas beschäftigt.

Als führende Fachliteratur auf diesem Gebiet, erweist sich hingegen die Biographie von Knut Görich, dessen wissenschaftlicher Beitrag als Durchbruch einer realistischen Darstellungsbeschreibung des Kaisers gelten würde, entfernt von vorangegangenen Mystifizierungen und populären Legendenbildungen. So stehen auch der Tod und das Bestattungszeremoniell im Zentrum seiner Untersuchung.5

Diese Hausarbeit setzt sich nun zum Ziel eine präzise Zusammenfassung jener Forschungsergebnisse in Bezug auf Kreuzzug, Tod und die Bestattung Friedrich I. zu liefern und anschließend kritisch dessen Plausibilität zu hinterfragen. Dazu soll als erstes kompakt der Werdegang des Staufers thematisiert werden, speziell die Begründung der Kreuzzug-Teilnahme unter dem Schwerpunkt seines Lebensendes und hiernach die Forschungsergebnisse zu Tod und Bestattung präsentiert werden, welche im Resümee als Abschluss beurteilt werden. So soll ein wissenschaftlicher Beitrag zum unaufgeklärten Herrschersterben des ersten staufischen Kaisers entstehen, der zugleich auch die problematische Fragestellung bezüglich der Grablege Barbarossas wiederspiegelt.

1. Über Friedrich I. Barbarossa

Über die Geburt Barbarossas herrscht in der Forschung noch mehr Uneinigkeit und Unwissen als über seinen Tod. Laut aktuellen Befunden von Görich, ließe sich das genaue Geburtsdatum nicht genau bestimmen, sondern nur auf den Monat Dezember und das Jahr 1122 eingrenzen.6 Zur Feststellung des Geburtsortes existiert nur eine bis heute bekannte Quelle des neuzeitlichen Chronisten Martin Crusius, der in den Schwäbischen Annalen überliefert, dass Barbarossa entweder in Waiblingen oder auf der welfischen Haslachburg bei Weingarten zur Welt gekommen sein soll.7

Er trat aus dem Adelsgeschlecht der Staufer hervor. Der Name Staufer entspricht an dieser Stelle einer nachträglichen Namenserfindung aus dem 15. Jahrhundert unbekannten Ursprungs. Vermutlich bezog man sich hierbei auf die ca. 1070 von Friedrich I. von Schwaben errichtete Burg Hohenstaufen, die auf dem gleichnamigen Berg, nahe der heutigen Stadt Göppingen in Baden-Württemberg immer noch als Ruine vorhanden ist.8

Barbarossa gilt zudem als Begründer der Stauferdynastie, da er als erster Emporkömmling seiner Familie einen einzigartigen politischen Aufstieg schaffte und die damit verbundene Erhebung des Staufergeschlechts zum Kaisertum manifestierte. Den Beginn markierte der Erhalt des Titels Friedrich III. Herzog von Schwaben, der per königlichen Erlass ab März 1147 nachweisbar ist.9 Es folgte die Wahl zum König am 4. März 1152 in Frankfurt, gemäß der „libera electio“ der deutschen Fürsten.10 Die anschließende Salbung und Krönung fand am 9. März 1152 in der Aachener Münsterkirche unter Leitung von Erzbischof Arnold von Köln und in Anwesenheit des Trierer Erzbischofs Hillin und der Bischöfe Eberhard von Bamberg, Otto von Freising, Ortlieb von Basel, Hermann von Konstanz und sowie Heinrich von Lüttich statt.11 Den höchsten weltlichen Titel, die Kaiserwürde, empfing Barbarossa am 18. Juni 1155 von Papst Hadrian IV. in Rom,12 außerdem erwarb er als letzten Titel seiner Laufbahn den des Königs von Burgund durch die Heirat mit Beatrix von Burgund im Juni 1156, welche ihm elf Kinder gebar, unter anderem den späteren Thronfolger Heinrich VI.13

In der Zeit zwischen Kaiserkrönung und seiner letzten militärischen Unternehmung im Rahmen des dritten Kreuzzuges, bemühte er sich um die Konsolidierung seiner Herrschaft im Heiligen Römischen Reich, welche er durch eine Befriedung der politischen Streitigkeiten mit seinen Untertanen und dem Papsttum im März 1188 erreichte.14

Das jähe Lebensende Barbarossas beginnt mit den im europäischen Abendland eingehenden Nachrichten über die Eroberung des Königreiches Jerusalem am 2. Oktober 1187 durch die sarazenische Armee Sultan Salah ad-Dins. Das christliche Kreuzfahrerheer war von den Muslimen besiegt worden. Der nun schwer zu verteidigende Herrschaftsbereich der Kreuzfahrerstaaten beschränkte sich auf die Städte Antiochia, Tripolis und Tyros.15

Die Reaktion in Europa dauerte nicht lange: Am 29. Oktober 1187 rief Papst Gregor VIII. mit der Bulle „Audita tremendi“ zum Dritten Kreuzzug auf. Inhalt dieser Bulle war eine Anklage an die gesamte sündige Christenheit als Schuldträger des Verlustes Jerusalems und des gesamten Heiligen Landes. Die Rückeroberung des Königreich Jerusalems wurde zum eigentlichen Ziel der gesamten Kampagne deklariert.16 Dieser päpstliche Schachzug war insofern clever, da erstens die Angst vor Schuld und Sühne in Bezug auf den kommenden Tod und das Fegefeuer, fest in der gesamten christlichen Gesellschaft des Mittelalters, so auch bei dessen Herrschern vorhanden war. Zum Zweiten ging es einem Herrscher auch um seine „memoria“, der Unsterblich-Werdung seiner Person und die ewige Überlieferung seiner ruhmreichen Taten („res gestae“) für die Nachwelt. Für beide Anlässe konnte durch die Teilnahme am Kreuzzuzug Vorsorge getroffen werden, da diese unendlichen Schuldenablass garantieren („remission peccatorum“) und gleichzeitig eine Würdigung durch die katholische Kirche offerieren würde.17 Dementsprechend schlossen sich Philipp II., König von Frankreich und Richard I., König von England mit ihren Heeren dem Vorhaben an. Am 27. März 1188 nahm auch Barbarossa beim Hoftag Jesus Christi in Mainz mit ca. 66 Lebensjahren das Kreuz. Er war der einzige christliche Herrscher der Geschichte, der an einem zweiten Kreuzzug teilnahm18 und plante erfahrungsbewusst sein Vorgehen, wie Knut Görich treffend formuliert: „Barbarossa […] wusste auf was er sich einließ.“19 Die verbindliche Teilnahme trotz seines hohen Alters ist zusätzlich noch durch seine ihm wohl bewusste Position als höchster weltlicher Herrscher und somit Verteidiger der gesamten Christenheit zu begründen, welche er Pflichtbewusst auszuüben vermochte („defensor ecclesiae“).20

Der Ausmarsch Barbarossas begann im Mai 1189 in Regensburg. Mit einem ca. 15.000 Mann starken Heer, dem größten Kontingent das jemals für einen Kreuzzug aufgestellt wurde und dessen Transport auf dem Seeweg aufgrund mangelnder Flottenkapazität unmöglich erschien, begab er sich auf dem Landweg Richtung Jerusalem.21 Er wurde von seinem Sohn Herzog Friedrich V. von Schwaben,22 acht Bischöfen, drei Markgrafen und 29 Grafen begleitet, aus dessen Anwesenheit teilweise die Quellenlage herzuleiten ist.23 Am Morgen des 10 Juni 1190 erreichten die deutschen Kreuzfahrer den Fluss Saleph (heute türk. „Göksu“), der überquert werden musste, da die jenseits liegende Stadt Seleucia (heute türk. „Silifike“) als Raststätte dienen sollte. Hier an dieser Stelle ereilte Kaiser Friedrich I. Barbarossa der Tod.24

2. Tod und Bestattung

Die führende Forschung spekuliert bis heute über den Tod und die anschließende Bestattung des Staufers. Die Diskussionsgrundlage beläuft sich auf einen großen Umfang teils anonymer Quellen, die eingehend mit dem Ableben des Kaisers in Verbindung stehen. Die teils anonymen Verfasser sind hierbei sowohl hochrangige Begleiter, als auch unbeteiligte Historiker des späten Mittelalters aus allen Kulturbereichen. „Einerseits ist der Umfang der Quellenbelege beachtlich: Den Bestand unzähliger Berichte von Autoren des christlichen Abendlandes bereichert die in ebenfalls großer Zahl vorhandene Überlieferung aus dem christlichen und dem islamischen Orient.“25 So Leila Bargmann, welche sich einer Untersuchung von dreizehn dieser Quellenberichte angenommen hat, die alle den Tod und das weitere Bestattungsverfahren danach beschreiben. In neun26 Fällen hätte sie eine Übereinstimmung in den zeitgenössischen Darstellungen des Todesumstandes, des Zeitpunktes und dem weiteren Bestattungsverfahren herausgefiltert, benennt aber auch abweichende Beschreibungen, die in den übrigen vier27 Berichten auftreten würden, wie sie selbst fortsetzt: „Andererseits ist der inhaltliche Befund zum Tod des Kaisers ausnehmend vielfältig- und problematisch: Schon in den Hauptquellen aus der Feder deutscher Expeditionsteilnehmer sind die Angaben zum Geschehen des 10. Juni 1190 nicht miteinander zu vereinbaren. Die Überlieferung von außerhalb des Kreuzzuges, und darunter vor allem die Flut späterer Aufzeichnungen, ist zumeist weder untereinander noch gegenüber den Hauptquellen stimmig.“28

Die von Bargmann mit einbezogenen Quellen, sowie weitere 166 Einträge prägen ebenfalls das Quellenverzeichnis von Knut Görichs Barbarossa Biographie.29 Zusammen ergibt sich ein Leitmotiv in der heutigen Forschung, welches im Folgenden erläutert werden soll:

2.1 Todesort

Bezüglich des Ortes an dem Barbarossa verschied, ist sich die Forschung nach Auswertung sämtlicher Quellenbefunde weitgehend einig geworden. Es würde in nahezu allen Quellen der Fluss Saleph genannt werden bzw. ein Strom in der Nähe der Stadt Seleucia, womit nur der Saleph gemeint sein könne. Ein anderer Ort sei laut dem aktuellen Kenntnisstand nicht überliefert.30 Hinsichtlich heutiger Satellitenbilder des Landstriches und topographischer Analysen rund um die Stadt Silifike, lässt sich dies bestätigen.31

2.2 Todeszeitpunkt

Sicherheit ist auch in punkto Tageszeit vorhanden, da nur der Tagesanfang bzw. der Morgen („mane/ matutinum“) genannt würde. Es muss also Tageslicht und klare Sicht geherrscht haben. Hiermit sind die einseitige Überlieferung und der gesicherte Erkenntnisreichtum allerdings auch schon wieder ausgeschöpft.

Die Kontroversen beginnen beim Todesdatum. Die Quellenberichte variieren hier teilweise im kalendarischen Erfassungszeitraum zwischen dem 10. und 18. Juni 1190 n. Chr., nach heutiger Zeitrechnung. Der Zwischenfall selbst sei konsequent bei allen auf den 10. Juni datiert und ist bei den meisten auch der Todestag, wenige schreiben von einem anderen Zeitpunkt des Exitus und nur der zeitgenössische Chronist Gislebert von Mons berichtet, dass der Kaiser einem achttägigen32 Todeskampf erlägen wäre. So sei laut Forschungsinferenz das Todesdatum der 10. Juni 1190, da es am häufigsten genannt würde.33

2.3 Todesursache(n)

Die Kausalität der existierenden Kontroversen bezüglich der genauen Todesursache Barbarossas, erklären zwei Zitate von Knut Görich zum bisherigen Sachverhalt am besten: „Was am Ufer des Saleph am Morgen jenes 10. Juni geschah, wissen allein die Augenzeugen. Wer das war, ist unbekannt, und inwieweit sich ihre Berichte in den Texten niedergeschlagen haben, die zum Teil erst Jahre später entstanden und die uns heute allein vorliegen, ist kaum zuverlässig einzuschätzen.“34 So fasst er seine persönliche Beurteilung nach der Vielfalt der einzelnen Aussagen jener Texte wie folgt zusammen: „Ob der Kaiser den Fluss selbst schwimmend oder zu Pferde durchquerte, ob er damit eine Abkürzung nehmen oder aber sich nur durch ein Bad erfrischen wollte, ob er dabei allein oder in Begleitung von Rittern war oder ob man ihn zurückzuhalten versucht hatte, ob er in der Strömung aus Erschöpfung und Schwäche starb oder gegen einen Felsen oder einen Baum geworfen wurde, ob er überhaupt im Fluss selbst starb oder erst am Ufer, […] zuvor vielleicht auch noch von einem Arzt behandelt wurde – all das wussten schon die zeitgenössischen Geschichtsschreiber nicht mehr mit Sicherheit zu sagen. Jeder von ihnen erzählte eine Geschichte, die er für wahrscheinlich oder vielmehr für wahr hielt.“35

In allgemeinen Geschichtspublikationen ist fälschlicherweise immer nur von einem Tod durch Ertrinken die Rede, welcher zwar logisch erscheint, aber nicht eindeutig festgestellt ist. Sämtliche hier von Görich aufgezählten Todesursachen sind in den Quellen genannt und müssen demnach in einer Untersuchung berücksichtigt werden, auch wenn man nie eine genaue Aussage darüber treffen können wird, welche tatsächlich das Sterben des Staufers herbeigeführt hat.

2.4 Bestattung(en)

Wie nun genau mit dem Leichnam des Kaisers verfahren wurde, nach dessen festgestellten Tod, wirft das eigentliche Rätsel auf und es gereicht der modernen Forschung auch an dieser Stelle nur zu einer begründeten Mutmaßung: Zuerst einmal stirbt der Kaiser in der Fremde, was laut Quellen einstimmig belegt ist. Eine Bestattung inklusive dem Empfang vorheriger Sterbesakramente und dem Beisein der engsten Vertrauten und Verwandten im prestigeträchtigen Dom zu Speyer (Domkirche St. Maria und St. Stephan), der die Memoria der salisch-staufischen Dynastien prägt, ist nicht gegeben.36 Weiterhin ist in Anbetracht der klimatischen Umstände und der somit begünstigten Verwesung des kaiserlichen Leichnams, der eventuell ursprünglich zurück nach Speyer überführt werden sollte, eine rasche Maßnahme zur Konservierung zu treffen.

Laut Görichs Untersuchung hätte Barbarossas Sohn Friedrich V. von Schwaben, der nun den Oberbefehl über das restliche deutsche Kreuzfahrerheer innehatte,37 angeordnet, dass sein Vater in Jerusalem, der Stadt zu deren Rückeroberung er aufgebrochen war, beigesetzt werden solle. Dazu wäre der Leichnam Barbarossas am 13. Juni 1190 in Tarsus (heute türk. „Tarsos“) ausgenommen und mit Salz eingerieben worden („gepökelt“). Die Eingeweide hätte man in der Pauluskirche in Tarsus bestattet. So wäre der Verwesung vorgebeugt und die Leiche zum Transport präpariert gewesen. Nach drei Wochen hätten die Kreuzfahrer das Fürstentum Antiochia (heute türk. „Antakya“) und dessen gleichnamige Stadt erreicht, eine der letzten christlichen Bastionen gegen die verfeindeten Sarazenen.38 Hier im Schutz und Beisein der christlichen Genossenschaft wäre Barbarossas toter Leib in Stücke geschnitten und in Wasser mit Essig gekocht worden bis sich das Fleisch von den Knochen löste. Dieses Prozedere, von den Italienern herablassend als deutscher Brauch („mos teutonicus“) bezeichnet, war dem Privileg der deutschen, englischen und auch französischen Herrscher geschuldet und dürfte nach vorherigen Einvernehmen Barbarossas stattgefunden haben, da es allgemein beim Sterben eines Herrschers in der Fremde üblich war, sogar der Würde und Erhaltung des Leichnams wegen verlangt wurde. Das Fleisch wäre danach in der St. Petrus Kirche Antiochias beigesetzt worden. Die Gebeine hingegen wären laut den Quellenberichten in einem Ledersack verpackt mindestens bis Tyrus (liban. „Sur“) mitgeführt worden und sollen dort vorrübergehend in der Kathedrale zwischengelagert gewesen sein, bis eine Überführung ins rückeroberte Jerusalem gesichert wäre.

Drei Quellen berichten von einer weiteren Mitnahme nach Akkon, was Görich ausschließe, da sich die Stadt zu diesem Zeitpunkt noch im belagerten Zustand seitens der Kreuzfahrer befunden habe und so kein gesichertes Umfeld zur Aufbewahrung der kaiserlichen Knochen geschaffen gewesen wäre. Friedrich V. von Schwaben wäre zudem am 20. Januar 1191 vor Einnahme der Stadt an Malaria verstorben, was den verbliebenen deutschen Truppen den Anlass gegeben hätte sich auf die englischen und französischen Heere aufzuteilen, die die Belagerung initiiert hatten. So nimmt die Forschung heute an, dass sich das Grab Barbarossas unter der Kathedrale von Tyrus befindet, da der Vormarsch des christlichen Kreuzfahrerheeres ca. 20km vor Jerusalem zum Stillstand kam und Jerusalem nicht von den sarazenischen Besatzern zurückerobert wurde.39

[...]


1 Mayer, Hans Eberhard: Das Itinerarium peregrinorum. Eine zeitgenössische englische Chronik zum dritten Kreuzzug in ursprünglicher Gestalt, Stuttgart 1962, S. 303; dazu Görich, Knut: Friedrich Barbarossa. Eine Biographie, München 2011, S. 600.

2 Italienisch-Deutsch: „barba“ f. - „der Bart“ und „rosso“ m. - „rot“ Adj.

3 Thorau, Peter: Die Kreuzzüge, München 2004, S. 95.

4 Bargmann, Leila: Der Tod Friedrichs I. im Spiegel der Quellenüberlieferung. In: Concilium medii aevi 13 (2010), S.223; Görich, Knut: Die Staufer. Herrscher und Reich, München3 2011, S. 65-67.

5 Gramsch, Robert: Rezension zu: Görich, Knut: Friedrich Barbarossa. Eine Biographie. München 2011, In: sehepunkte 13 (2013), URL: http://www.sehepunkte.de/2013/01/20232.html, Stand: 15.01.2013

(Abruf: 26.08.2014); Plassmann, Alheydis: Rezension zu: Görich, Knut: Friedrich Barbarossa. Eine Biographie. München 2011, In: H-Soz-u-Kult, URL: http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2013-1-015, Stand: 09.01.2013 (Abruf: 26.08.2014).

6 Görich, Friedrich Barbarossa, S. 28.

7 Görich, Friedrich Barbarossa, S. 27 dazu Sprenger, Kai- Michael: Zwischen gefühlter u. gelenkter Erinnerungskultur- Welfen u. Staufer in Weingarten u. Ravensburg. In: Kießling, Rolf (Hrsg.): Erinnerungsorte in Oberschwaben. Regionale Identität im kulturellen Gedächtnis, Konstanz 2009, S. 115.

8 Lubich, Gerhard: Territorien-, Kloster- und Bistumspolitik in einer Gesellschaft im Wandel. Zur politischen Komponente des Herrschaftsaufbaus der Staufer vor 1138. In: Hubertus Seibert/ Jürgen Dendorfer (Hrsg.): Grafen, Herzöge, Könige. Der Aufstieg der Staufer und das Reich 1079–1152, Ostfildern 2005, S. 179–212.

9 Görich, Friedrich Barbarossa, S. 59.

10 Schneidmüller, Bernd: Die Welfen. Herrschaft und Erinnerung (819–1252). Stuttgart 2000, S. 188.

11 Görich, Friedrich Barbarossa, S. 106-109.

12 Görich, Friedrich Barbarossa, S. 247-248.

13 Görich, Friedrich Barbarossa, S. 256-259.

14 Dazu Kölzer, Theo: Der Hof Friedrich Barbarossas und die Reichsfürsten. In: Stefan Weinfurter (Hrsg.): Stauferreich im Wandel, Stuttgart 2002, S. 220–236.

15 Bargmann, S. 223; Görich, Friedrich Barbarossa, S. 530; vgl. Karte M1 und M2.

16 Görich, Die Staufer, S. 65; Görich, Friedrich Barbarossa, S. 531.

17 Dazu Görich, Friedrich Barbarossa, S. 531.

18 Barbarossa hatte im Jahr 1147 bis 1149 am Kreuzzug (2.) seines königlichen Onkels Konrad III. teilgenommen.

19 Görich, Die Staufer, S. 66.

20 Ebd. S. 66.

21 Siehe Karte M3.

22 Der eigentliche Name von Friedrich V. war Konrad (1167-1191). Nach dem Tod von Barbarossas ältesten Sohn Friedrich (1164-1169), übernahm der dritte Sohn Konrad bei seiner Ernennung zum schwäbischen Herzog (1170) dessen Namen; Dazu Schwarzmaier, Hansmartin: Friedrich V. (Konrad). Herzog von Schwaben (1167-1191). In: Lexikon des Mittelalters (LexMA)Band 4, München/Zürich 1989, Sp. 960–961.

23 Bargmann, S. 224.

24 Görich, Friedrich Barbarossa, S. 531-590; Görich, Die Staufer, S. 66-68; Bargmann, S. 223-224; siehe Karte M4; dazu Bild G1.

25 Bargmann, S. 224.

26 Zitiert nach Bargmann: Albertus Miliolus: Cronica imperatorum, hg. von Oswald Holder-Egger, MGH SS 31, Hannover 1903, S. 580–667; Annales Mediolanenses, hg. von Georg Heinrich Pertz, MGH SS 18, Hannover 1863, S. 357–382; Chuonradus Schirensis: Annales, hg. von Philipp Jaffé, MGH SS 17, 1861, S. 629–633; Dietrich von Nieheim: Historisch-politische Schriften. Teil 2: Historie de gestis Romanorum principum. Cronica. Gesta Karoli Magni imperatoris, hg. von Katharina Colberg/ Joachim Leuschner, MGH Staatsschriften 5,2, Stuttgart 1980, S. 272; Iacobus Aquensis: Chronica ymaginis mundi, hg. von Oswald Holder-Egger, MGH SS rer. Germ. 27, Hannover 1892, S. 88–98; Petrus Erfordernsis: Chronica moderna, hg. von Oswald Holder-Egger, MGH SS rer. Germ. 42, Hannover 1899, S. 117–369; Robertus Autissiodorensis: Chronicon, hg. von Oswald Holder-Egger, MGH SS 26, Hannover 1880, S. 219–276; Salimbene de Adam: Cronica ordinis Minorum, hg. von Oswald Holder-Egger, MGH SS 32, Hannover 1905–1913, S. 12; Thomas Ebendorfer: Chronica pontificum Romanorum, hg. von Harald Zimmermann, MGH SS rer. Germ. NS 16, München 1994, S. 401.

27 Andreas v. Marchiennes: Sigeberti Gemblacensis Constinuatio Aquicinctina, hg. von Ludwig Konrad Bethmann, MGH SS 6, Hannover 1844, S. 405–438; Gislebertus Montensis: Chronicon Hanoniense, hg. von Wilhelm Arndt, MGH SS 21, Hannover 1869, S. 481–601; Radulfus Coggeshale: Chronicon Anglicanum, hg. von Joseph Stevenson, MHB SS rer. Brit. 66, London 1875, S. 25.

28 Bargmann, S. 224.

29 Görich, Friedrich Barbarossa, S. 707-717.

30 Dazu Görich, Friedrich Barbarossa, S. 589-590.

31 Vgl. Karte M4.

32 MGH SS 21, S. 566.

33 Bargmann, S. 226-228; Görich, Friedrich Barbarossa, S. 590.

34 Görich, Friedrich Barbarossa, S. 590.

35 Ebd.

36 Doll, Anton: Überlegungen zur Grundsteinlegung und zu den Weihen des Speyerer Domes. In: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 24 (1972). S. 9–25.

37 Das deutsche Kreuzfahrerheer zersplitterte nach dem Tod Barbarossa in große Teile, da einige desillusionierte Soldaten ihrem Kaiser durch Suizid in den Tod folgten, sich den Sarazenen ergaben oder überliefen, oder den Rückmarsch antraten. Nur etwa 5000 Soldaten verblieben in den Reihen Friedrich V. Siehe Görich, Die Staufer, S. 67.

38 Vgl. Karte M2.

39 Görich, Friedrich Barbarossa, S. 599-600; Görich, Knut: Friedrich Barbarossa– vom erlösten Kaiser zum Kaiser als nationaler Erlösergestalt. In: Fried, Johannes / Rader, Olaf B. (Hrsg.): Die Welt des Mittelalters. Erinnerungsorte eines Jahrtausends, München 2011, S. 195–208.

Details

Seiten
24
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656898627
ISBN (Buch)
9783656898634
Dateigröße
3.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v292787
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück – Fachbereich 2: Kultur- und Geowissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
Barbarossa Friedrich I. Barbarossa Kreuzzug Tod

Autor

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