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Der Rückgang der antiken Erotik unter dem christlichen Glauben

Hausarbeit 2012 16 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitendes

2 Sex in der Antike

3 Heterosexualität in Rom
3.1 Hochzeit und Ehe in Rom
3.2 Inzest und inzestuös-erotische Beziehungen in Realität und Literatur
3.3 Weibliche Prostituierte und das Geschäft mit dem Sex

4 Homosexualität in Rom:
4.1 Männerliebe, Päderastie, pueri meritorii
4.2 Lesbische Liebe

5 Sexualität auf die Spitze getrieben. Groteske und Dekadenz in der Gesellschaft. Auszüge aus der Literatur

6 Die Sexualität und das Christentum
6.1 Ende der antiken Leiblichkeit

7 Nie wieder Sex?

8 Quellenverzeichnis

1 Einleitendes

In der folgenden Arbeit soll das weite Spektrum der sexuellen Verbindungen und sexuellen Praktiken der römischen Antike aufgezeigt werden. Ausgehend von Griechenland erlebte die Sexualität im antiken Rom einen nahezu grotesken Höhepunkt. In dieser Arbeit werden, basierend auf der Trennung von Heterosexualität und Homosexualität, die unterschiedlichen Varianten des sexuellen Lebens und der sexuellen Beziehungen von der Republik bis in die Kaiserzeit beschrieben.

Es sollen Ehe und Ehebruch, sowie Prostitution und Inzest, homoerotische Päderastie und lesbische Liebe im städtischen Alltag ebenso wie in Kunst und Literatur aufgezeigt werden.

Argumentierend mit antiken Autoren und basierend auf neuesten wissenschaftlichen Berichten wird so ein vielfältiges Bild Roms und der Sexualität seiner Bewohner skizziert.

Sobald es einigermaßen klar ist, was Sexualität beziehungsweise diese breite Vielfalt an sexuellen Praktiken für die antike Lebenswelt bedeutet hat, soll in einem weiteren Schritt das aufkommende Christentum und der Einzug der christlichen Lehren aufgezeigt werden und der Einfluss desselben auf den sexuellen Alltag Roms und die Entwicklung eines anderen Werteverständnisses erläutert werden.

Abschließend soll die These bestätigt werden, dass mit dem aufkommenden christlichen Glauben und der Verbreitung der Leeren von Ambrosius von Mailand und Augustinus von Hippo um 400 nach Christus eine gewisse Enthaltsamkeit und Prüderie in Rom Einzug hält und im sexuellen Alltag definitiv spürbar war.

2 Sex in der Antike

In einem allerersten Schritt soll auf den Sex, sprich die unterschiedlichen sexuellen Beziehungen, in Griechenland und Rom eingegangen werden.

Es ist klar zu sagen, dass Sex, Lust und Liebe ein stetiger Teil der antiken Welt war. Ob in Kunst, Literatur oder den tagtäglichen zwischenmenschlichen Beziehungen. Sex war da. Und er wurde Großteils auch als solcher verstanden. Als Sex. Als Vergnügen. Und er betraf alle.

So schreibt schon Homer in der Ilias, „Liebe, Verlangen, diese geflüsterte Zärtlichkeit, die selbst dem Vernünftigen die Vernunft entreißt“. Ein paar Verse später heißt es: „Und als er sie sah, da umhüllte die Begierde seine starke Vernunft, so vereinigten sie sich im Liebesspiel und gemeinsam teilten sie die Bettstadt, unbemerkt von ihren Eltern.“

Die Rede ist hier von keinem gewöhnlichen Akt der Liebe und einem weitaus weniger gewöhnlichen Paar. Der Autor schreibt über die erste Vereinigung von Hera und ihrem Göttergatten Zeus.

Sexualität zwischen Gott und Göttin, zwischen Mann und Frau, war allerdings nicht bloß das reine Vergnügen und Verlangen. ta aphrodisia (die Dinge der Aphrodite), die gängigste Bezeichnung der Griechen für Sexualität. Sie war damals wie heute weitaus komplexer.

Ein paar Erwähnungen und Aspekte der antiken Sexualität vorneweg, auf die im weiteren Verlauf der Arbeit genauer eingegangen wird:

Halbgeschwister mit demselben Vater durften zum Beispiel in Athen heiraten, Halbgeschwister mit derselben Mutter konnten dies in Sparta tun.

Männliche Homoerotik war zunächst in Griechenland ein Teil der Kultur, wenn man so will. Des Öfteren wird hierbei auf die romantische Beziehung zwischen Achilles und seinem Vetter Patroclos verwiesen, selbst wenn weder Ilias noch Odyssee explizite Aussagen über die Sexualität zwischen Männern beinhaltet. Weitaus konkreter wird die Sache der männlichen Homoerotik bei der Thematik der Päderastie, der Knabenliebe.

Neben der Liebe und Begierde zwischen Mann und Frau, wird wohl kaum eine sexuelle Beziehung der Antike häufiger in Literatur, Philosophie und Kunst erwähnt. Einhergehend mit athletischer Nacktheit und dem Aufkommen panhellenischer Agone, kam diese Form der sexuellen und homoerotischen Beziehung um ca. 600 v. Chr. in der römischen Welt auf.

In einem weiteren Kapitel mehr dazu.

Es finden sich auch gewisse Parallelen zwischen der Antike und der Moderne, sexuelle Stereotypen und Thematiken, die heute noch aktuell sind. So war beispielsweise die Größe des männlichen Gliedes für das Liebesspiel entscheidend. Doch war ein kleiner, wohlgeformter Penis begehrenswerter, als ein zu groß geratener.

Es wird im folgenden Aufsatz außerdem erkennbar werden, dass das Ausmaß und die Groteske der Sexualität in den Zeiten des Principats, der römischen Kaiserzeit also, und darüber hinaus zunimmt. So kannte das Rom des Dichters Martial im späten ersten Jahrhundert n. Chr. gemischte Nacktbadeanstalten, eine Vielzahl phallischer Symbole und Szenen sexueller Praktiken als Wohnungsdekor an den Wänden usw.

Außerdem muss von Anfang an zum besseren Verständnis jeglicher sexueller Beziehungen in der Antike gesagt werden, dass Sex eine sehr mächtige und beängstigende Sache war. Dies ist damit zu erklären, dass Sex als Naturgewalt wahrgenommen wurde und die Menschen der Natur damals weitaus demütiger und wehrloser gegenüberstanden.

Somit war Sex aber in einem zweiten Schritt auch ein Mittel zur Macht, eine Möglichkeit sich jemanden zu unterwerfen. Hierarchie innerhalb einer Beziehung-ob Homo-oder Heterosexuell-wurde durch den Sex bestimmt. Zumal die römische Frau, weitaus mehr als die griechische, einen einigermaßen emanzipierten Status in der Gesellschaft genoss.

Nichtsdestotrotz waren Frauen normalerweise passiv und Männer aktiv und somit überlegen.

Auch die Thematik des Alters spielte in einer Beziehung, sowie einer sexuellen Partnerschaft, eine fundamentale Rolle. Römische und griechische Ehemänner waren normalerweise viel älter als ihre Frauen, fast bis zu 15 Jahre. Allerdings ist die Wichtigkeit des Alters nirgends so eklatant, wie bei männlichen Paaren. Der homosexuelle Eros war sehr stark von der Altersdifferenz geprägt. So war der ältere Partner aktiv, der weitaus jüngere Partner passiv.

Status und Hierarchie entsprachen auch und gerade deswegen den sexuellen Rollen. Auch hierzu später mehr.[1]

All diese Aspekte und Eigenarten des antiken, sowohl griechisch als auch römischen, Sexualverhaltens sind für die weitere Lektüre und Erarbeitung des folgenden Textes zu beachten.

3 Heterosexualität in Rom

Es muss von Anfang an klar sein, dass die sexuelle Verbindung zwischen Mann und Frau vorwiegend ein Akt der Gewalt, gelinde ausgedrückt: eine Machtdemonstration war. Der Mann unterwarf sich die Frau im Liebesspiel und in der Partnerschaft. Die Thematik der Liebe spielt eine weitestgehend untergeordnete Rolle. Sexuelles Verlangen und männlicher Status dominieren jegliche Partnerschaft. Somit fußte auch ein eheliches Bündnis auf einem Akt der Gewalt, der die Geschlechterhierarchie bestätigte und die Beziehungen der Geschlechter in Rom strukturierte.[2]

3.1 Hochzeit und Ehe in Rom

Die Ehe kann im allgemeinen wohl als Keimzelle der Familie, die ihrerseits Keimzelle der Gesellschaft ist, gedeutete werden. Der Ehe mag also große Bedeutung für Volk, Staat und Menschheit zugesprochen werden. So meint es auch M.H. Dettendorfer einleitend in ihrer Abhandlung über die Institution der Ehe in vorchristlichen Gesellschaften.

In ihren Anfängen war die Ehe bzw. die Überlegung einen ehelichen Bund einzugehen, weniger von ethisch-moralischen Regeln als vielmehr von bloßen Überlebensstrategien geprägt.

Zur Ehe in Rom: Die Grundlagen der Ehe waren bereits in der Römischen Republik klar fassbar. Was nicht verwundert, war die Ehegesetzgebung doch Grundstein der Ehe und damit der Gesellschaft.

Oberste Voraussetzung für ein matrimonium iustum (eine rechtmäßige Ehe) war, dass beide, Mann und Frau, das römische Bürgerrecht besaßen. Ehen mit und zwischen Nicht-Römern wurden nicht erfasst.

Frauen unterstanden immer der tutela (Obhut), sowie der manus (Hand) eines männlichen Familienmitgliedes. Allerdings konnten sie aus der manus entlassen werden. Dieser rechtliche Vorgang der emancipatio ermöglichte eine weitgehende Selbstbestimmung der Frauen.

Nun hatte die Ehe in Rom drei allgemeine Voraussetzungen: Das conubium (die rechtliche Befähigung zur Ehe), das jeweilige Mindestalter (Mädchen 12, Knaben 14), sowie der Ehekonsens. Letzteres bedeutet das Einverständnis von Braut und Bräutigam.

Nun kannte die Ehe in Rom zwei Formen: Die manus -Ehe und die Ehe ohne manus, die manus -freie Ehe.

Bei der manus -Ehe (cum manu) trat die Frau aus der potestas (Herrschaft) ihres pater familias (Oberhaupt/Familienvater) aus und in die potestas des pater familias ihres Bräutigams ein.

Diese manus -Ehe kannte drei unterschiedliche Rituale des Ehevollzugs: Erstens die sogenannte confarreatio. Dabei handelt es sich um eine religiöse Handlung, bei der der farreus panis (ein aus Emmer oder Spelt bestehendes Brot) während der Zeremonie dem iuppiter farreus geopfert wurde. Zweitens die coemptio, einen symbolischen Kauf, bei dem die Frau in Anwesenheit von Zeugen in die potestas des Ehemannes überging. Drittens konnte eine Ehe durch usus (Gewohnheit, Gebrauch) geschlossen werden. Dieser war gegeben, wenn die Frau ununterbrochen ein Jahr beim Mann lebte. Die Ehe cum manu kam in der späten Republik weitestgehend außer Gebrauch, da seit jeher auch die Ehe ohne manus möglich war. In dieser Rechtsform ging die Frau zwar eine Ehe ein, blieb aber in der potestas ihres pater familias.

Zur Scheidung: Die Scheidung von Ehemann und Ehefrau war ein privater Akt innerhalb der domus bzw. zwischen zwei domus und kein gesetzlicher. Personen sui iuris (ihres eigenen Rechts), also keiner potestas unterstellt, die in einer Ehe sine manu verheiratet waren, konnten die Ehe durch Willenserklärung selbst beenden. Kinder, welche aus der Ehe stammten, verblieben beim Mann und unterstanden seiner potestas bzw. der seines Vaters, wenn er selbst nicht sui iuris war. Die Scheidung in einer Ehe cum manu war da etwas komplizierter, allerdings nicht unmöglich. In dieser Situation konnte die Frau jedoch nicht selbst die Initiative ergreifen, weil sie unter der manus des Ehemanns bzw. dessen pater familias stand. Zwar mag die Scheidung einer Ehe relativ einfach gewesen sein, jedoch galt die einmalige und lebenslange Ehe in Rom als Ideal.

Es ist allerdings zu betonen, dass Sex und Ehe zwei verschiedene paar Schuhe darstellten. Die Ehe bedeutete zwar das Sexualmonopol des Mannes über die Gattin, wie es M.H.Dettendorfer schreibt, verlangte aber nicht von ihm, sich bei sexuellen Aktivitäten auf die Ehefrau zu beschränken. So war der Besuch in Bordellen und bei Prostituierten durchaus Teil des sexuellen Lebens des Ehemanns. Ganz als Stütze und Ursprung der Gesellschaft wurde die Ehe und die Rolle der Frau darin auch so verstanden, dass ihre vorrangige Aufgabe in der Geburt legitimer Kinder bestand.

Die Ehe wandelte sich erstmals grundlegend mit dem Wandel des politischen Systems von der Republik zur Monarchie. Sie erfuhr eine äußerst verschärfte gesetzliche Reglementierung. Augustus griff mit seinen beiden Ehegesetzgebungen, der lex Iulia, von 18 v. Chr. und 9 n. Chr. tief in die Institution der Ehe, den Machtbereich des pater familias und die römische Gesellschaft ein. Ehebruch wurde nun ein Strafbestand, der nicht mehr innerhalb der jeweiligen domus geregelt wurde. Augustus führte mit seiner neuen Gesetzgebung, und die war wohl mit die gravierendste Neuerung und bezeichnend für das Regime, eine Denunziationspflicht bei Ehebruch ein. Personen die der Ehebruch eigentlich nicht tangierte sollten so als „Hüter der Moral“, wie es Dettendorfer nennt, auftreten.

Außerdem galt ab der lex Iulia nun die Ehepflicht für Männer zwischen 25 und 60 und Frauen zwischen 20 und 50. Ehelosigkeit sowie Kinderlosigkeit führten dem Gesetz zufolge zu einer Benachteiligung bei der Erbfähigkeit. Drei und mehr Kinder führten bei Männern außerdem zu Vorteilen bei der Ämterlaufbahn. Augustus legte fest, dass mit dem ius trium liberorum (Dreikinderrecht) eine Frau nach ihrem dritten Kind aus der manus entlassen wurde und zu einer Person sui iuris wurde.

Als offizieller Grund für diese neuen Regelungen diente das Ziel eines Anstiegs der Geburtenrate. Laut Tacitus profitierte allerdings und vor allem die Staatskasse davon. Zudem entstand eine Kultur der Bespitzelung, was dem Imperium sehr zuvorkam.

So wandelte sich die Einstellung zur Ehe im Zuge der Veränderung der politischen Bedeutung.[3]

Bedeutung und Rolle von Sexualität blieben noch einigermaßen konstant.

3.2 Inzest und inzestuös-erotische Beziehungen in Realität und Literatur

Spricht man in der Antike von heterosexuellen Beziehungen, so kommt man um das Thema des Inzests, also dem unkeuschen Geschlechtsverkehr zwischen eng verwandten Personen, nur schwerlich herum.

[...]


[1] Golden, Toohey, S. 4-11

[2] Lape, S. 24-33

[3] Dettendorfer, S. 51-65

Details

Seiten
16
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668458802
ISBN (Buch)
9783668458796
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v292776
Institution / Hochschule
Universität Wien
Note
1
Schlagworte
rückgang erotik glauben

Autor

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