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Grundlagen und Aufgabentypen beim Lernen mit dem Internet. Unter besonderer Berücksichtigung des DaZ-Unterrichts

von Kristin L. (Autor)

Seminararbeit 2012 33 Seiten

Didaktik - Deutsch - Deutsch als Fremdsprache

Leseprobe

Inhalt

Hinführung zum Thema

Lehr- und Lerntheoretische Grundlagen beim Lernen mit dem Internet

Behaviorismus

Kognitivismus

Konstruktivismus

Aufgabentypen beim Lernen mit dem Internet

Interaktive Übungen

Gelenkte und freie Rechercheaufgaben

E-Mail-Projekte

Internet-Projekte

Fazit

Literaturverzeichnis

Anlagen

Anlage 1

Anlage 2

Anlage 3

Anlage 4

Hinführung zum Thema

Bereits seit über 30 Jahren existiert das Internet und seit etwa 15 Jahren tritt es seinen weltweiten Siegeszug an. Das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben ist ohne es kaum mehr denkbar und so ist es nicht verwunderlich, dass die Vernetzung der Schulen stetig voranschreitet. Ausgenommen ist hier natürlich auch der DaF-Unterricht nicht. Seit den 1960er Jahren kommen Computer zum Erlernen der deutschen Sprache zum Einsatz. Diese Entwicklungen werden von ständigen Diskussionen über den didaktischen Nutzen dieser Anwendungen begleitet. Mit dem Einsatz des Internets reißen diese nicht ab, sondern werden vielmehr weiter angeheizt. Von den Kritikern wird die Wirksamkeit bezweifelt und eine Vereinsamung des Lerners proklamiert. Auf der anderen Seite sind auch euphorische Zwischenrufe von DaF-Lehrern (DaF bezieht sich ebenso auf die Anwendung im DaZ-Bereich; aus Gründen der Übersichtlichkeit benutze ich in der Seminararbeit nur DaF) zu vernehmen, die den Unterricht nun als ‚offene Lernwerkstatt‘ begreifen. Welche Aufgaben kann das Internet nun im Fremdsprachenunterricht erfüllen und welche nicht?

Mit dieser Frage werde ich mich in dieser Seminararbeit beschäftigen. Aus diesem Grund untersuche ich in dieser Arbeit die lerntheoretischen Grundlagen und die Aufgabentypen beim Lernen mit dem Internet. Diese Arbeit lässt sich thematisch in zwei Bereiche untergliedern, die dennoch eng miteinander verwoben sind. Der erste Bereich untersucht die lerntheoretischen Grundlagen, die für das Lernen mit dem Internet notwendig sind. Besonders interessiert hier die Frage, welche lerntheoretischen Grundlagen welchen Aufgabentypen zugrunde liegen und auf welchen didaktischen Nutzen sie abzielen. Hierbei werde ich mich auf die drei Hauptströmungen beschränken: Behaviorismus, Kognitivismus und Konstruktivismus. Dabei werden die drei Strömungen in ihrer allgemein-psychologischen Sicht des Lernens erläutert und diese Erkenntnisse zusätzlich auf das Lernen mit dem Computer angewendet. Die Rolle des Lernenden und des Lehrenden werden dabei ausführlich behandelt. Dennoch gehört noch viel mehr zu den ‚Grundlagen‘ beim Lernen mit dem Internet. Dieser undifferenzierte Begriff schließt auch die notwendigen Fertigkeiten von Lehrenden und Lernenden ein sowie die institutionellen Voraussetzungen, die zu treffen sind, bevor überhaupt an die Arbeit mit dem Internet gedacht werden kann. Diese gesamten Voraussetzungen sind elementar, können aber aus ‚Platzgründen‘ in dieser Seminararbeit keine Berücksichtigung finden. Dennoch möchte ich betonen, dass all die didaktischen Szenarien, die in den kommenden Kapiteln folgen werden, nur mithilfe eines funktionierenden, internetfähigen Computers funktionieren, der wenigstens einmal im Klassenraum vorhanden sein sollte. Im Idealfall teilen sich maximal zwei Lernende einen Rechner, jedoch ist mir bewusst, dass die technische Ausstattung in der Praxis häufig anders aussieht.

Der zweite Bereich dieser Seminararbeit beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Aufgabentypen, die den Lernenden im Internet zur Verfügung stehen. Hier lautet die Grundfrage natürlich zuerst: Welche Aufgabentypen finden die Lernenden im Internet? In dieser Ausarbeitung habe ich mich auf die fünf am häufigsten vorkommenden Aufgabentypen beschränkt. Zu diesen gehören die interaktiven Aufgaben, die nahezu auf allen DaF-Seiten zu finden sind. Des Weiteren noch die gelenkten und ungelenkten Rechercheaufgaben, E-Mail-Projekte und Internet-Projekte. Jeder Aufgabentyp wird kurz skizziert und Einsatzszenarien entworfen. Jedem Aufgabentyp wurde des Weiteren mindestens ein Beispiel aus dem Internet zugeordnet. Hierbei wurden jeweils Aufgaben aus dem lehrbuchunterstützenden und dem ‚freien‘, das heißt lehrbuchunabhängigen, Bereich ausgewählt. Zur Veranschaulichung wurden einigen Aufgaben Screenshots im Anhang beigefügt, sodass sich ein Bild vom Layout und damit der Benutzerfreundlichkeit gemacht werden kann.

Diese Seminararbeit hat das Ziel die verschiedenen didaktischen Facetten des Internets offenzulegen und somit seinen Nutzen für den DaF-Unterricht zu untersuchen. Dazu werden auf aktuelle Forschungsbeiträge zurückgegriffen und auf aktuelle Aufgaben im Internet verwiesen. Ein abschließendes Fazit wird die Ergebnisse diskutieren und den Einsatz des Internets im DaF-Unterricht bewerten.

Lehr- und Lerntheoretische Grundlagen beim Lernen mit dem Internet

Jedes Lernprogram, jeder Versuch der Steuerung des Lernens im E-learning beruht indirekt oder direkt auf einer lerntheoretischen Grundlage, auch wenn diese vom Autor nicht bewusst gewählt wurde, „angefangen vom behandelten Thema über den Aufbau bzw. die Struktur des Softwarepaketes bis hin zur Benutzeroberfläche des Lernprogramms“ ist ein didaktisches Modell sichtbar, das in dieses implementiert wurde. Grundsätzlich muss dabei zwischen dem lerntheoretischen Modell des Behaviorismus, des Kognitivismus und Konstruktivismus unterschieden werden. Alle drei Theorien haben ihr Berechtigungsdasein, was das Design und die Funktionsweise virtueller Lernumgebungen betritt, aus welchem Grund sie hier auch kurz skizziert werden sollen.

Behaviorismus

Der Ursprung des Behaviorismus liegt in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts und geht auf den amerikanischen Psychologen John Broadus zurück. Kernpunkt der Theorie ist das menschliche Verhalten (engl. behavior), über welches das Lernen gesteuert werden soll. Die erkenntnistheoretische Grundlage bildet der Objektivismus, wonach es genau eine vollständige und konkret objektive Form gibt. Weiterhin ist die externe Welt unabhängig vom Bewusstsein des Individuums. Der Mensch wird als Produkt seiner Umwelt angesehen. Die Grundannahme des Behaviorismus beruht auf der Reiz-Reaktion-Verbindung, wodurch das Lernen bei dem Organismus ausgelöst wird, da er sich seiner Umwelt anpasst. Auf bestimmte Reize folgen somit auch bestimmte Reaktionen, die entweder verstärkt oder denen entgegengewirkt wird. Gesteuert wird das Lernen über Hinweisreize und Verstärkung des erwünschten Verhaltens. Nicht erwünschte Verhaltensänderungen werden dadurch gemindert, dass sie unbelohnt bleiben und dadurch nicht wiederholt werden. Als zentrale Punkte des Lernens sind hier also die Belohnung und Bestrafung des Lernenden anzusehen. Dem Lerner wird hierbei eine passive Rolle zugewiesen, bei dem die internen Prozessen, die psychischen Momente, des Lernenden keine Berücksichtigung finden. Er wird nur durch äußere Reize aktiviert, woraufhin er dann in Reaktion tritt.[1] Der Lehrer tritt als Autorität auf und rückt damit in das Zentrum der Lehr- und Lernsituation. Seine Aufgabe ist es geeignete Lernanreize zu setzen und Rückmeldung auf die Reaktionen der Lernenden zu geben. Er ist damit zentraler Bestandteil des Unterrichts.[2] Durch das belohnende oder unbelohnende Feedback steuert er bewusst das Lernen der Schüler. Die Vorgänge zwischen dem Schaffen der Lernanreize und dem Rückmelden sind für den Behaviorismus unerheblich, da diese in den Bereich der ‚Black Box‘ des Lernenden einzuordnen sind.[3] Die zentrale Frage beschäftigt sich nun damit, wie Lernsysteme aussehen, die dieser Theorie zuzuordnen sind und inwieweit diese in heutigen virtuellen Lernarrangements anzutreffen sind. Grundsätzlich gewinnt der Behaviorismus durch den Einsatz an computergestützten Lernprogrammen an Bedeutung. Auch wenn der Höhepunkt sicherlich in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts lag, als der programmierte Unterricht (PU) Einzug in den Fremdsprachenunterricht hielt, sind heute in tutoriellen Programmen sowie in ‚Drill&Practice‘ Übungen, Simulatoren und instructional Designs behavioristische Einflüsse erkennbar. Beispiele finden sich im Internet heute noch in Vokabeltrainer-Programmen. Umsetzung des Behaviorismus folgt einer klaren Struktur. So steht an erster Stelle das eindeutig formulierte objektive Lernziel, also beispielsweise dem Auswendiglernen der deutschen Vokabeln. Die Aufgaben werden weiterhin einfach formuliert, sodass die positiven Rückmeldungen an den Lernenden überwiegen und so positiv auf die Motivation einwirken. Die Reihenfolge wird starr von außen vorgegeben, jedoch können die Lernenden in ihrem eigenen Tempo arbeiten. Der Schwierigkeitsstufe steigt mit der Zeit, das bedeutet, dass der Lernende mit einfacheren Aufgaben beginnt und diese mit der Zeit stetig schwerer werden. Der Lernende erhält für die richtigen Antworten fortlaufend Belohnung, wird also positiv sanktioniert und passt sein Verhalten damit an. Die Lerninhalte werden grundsätzlich in einzelne, kleine und aufeinander aufbauende Teile unterteilt.[4]

Allerdings findet der Behaviorismus heute nur noch wenige Befürworter, was an den gravierenden Nachteilen dieser Theorie liegen mag. Sie besteht nur aus einer eingeschränkten Darstellung des Lernmodells. Hier sei nochmal auf die Black Box verwiesen, die alle psychischen Konstituenten des Lerners außen vor lässt. Es können nur diejenigen Lernprozesse erklärt werden, die auf äußeres Verhalten zurückzuführen sind. Der Lernprozess wird lediglich auf die Konditionierung verengt, alle sonstigen Erkenntnisprozesse werden ignoriert. Der Lernerfolg wird im Behaviorismus auf die korrekte Wiedergabe der zuvor vermittelten Informationen reduziert, die erworbenen Problemlösungsfähigkeiten können nicht getestet werden. Der Lernende wird in die Passivität gedrängt. Seine Aufgabe wird auf das bloße Wiedergeben der Informationen begrenzt. Weiterhin wird die zusammenhangslose Speicherung ohne einen konkreten Kontext stark kritisiert. Die Nachhaltigkeit des Lernens darf damit bezweifelt werden.[5] Das einzige Anwendungsgebiet der behavioristischen Theorie liegt in solchen Gebieten, in denen nur wenig Transferleistungen benötigt werden, also beispielsweise für die bereits erwähnten Vokabeltrainer-Programme. Allerdings ist auch hier der Lernerfolg fraglich. Inwieweit beispielsweise hat der Lernende zusammenhängende Wortfelder und –familien verstanden, oder kam es etwa nur zur ‚stumpfen Eingabe‘ durch den Lernenden? In jedem Fall ist das Lernergebnis messbar, was im Falle der Notengebung durchaus Vorteile haben kann.

Kognitivismus

Im Gegensatz zum Behaviorismus beschäftigt sich der Kognitivismus mit der Bedeutung interner Prozesse sowie den kognitiven Strukturen des Verstandes. In den Vordergrund wird nun die Verarbeitung von Informationen durch den Menschen und die daraus gewonnene Erkenntnis gerückt. Damit rücken Phänomene wie „Wahrnehmung, Gedächtnis, Denken, Problemlösestrategien, Sprechen und Sprachverstehen“[6] in den Mittelpunkt. Die Wahrnehmung wird nunmehr nicht als passiver Prozess, sondern als aktive Leistung des Lernenden behandelt. Des Weiteren verarbeitet jeder Lernende die Reize unterschiedlich und wird dadurch nicht nur durch äußere Reize gesteuert.[7] Die Forschungsschwerpunkte sind deshalb im Bewusstsein des Individuums und auf den inneren Vorgängen bei der Verarbeitung von Sinnesreizen gelegt. Laut des Kognitivismus speichert der Mensch die gewonnenen Informationen aus allen Bereichen ab, wobei diese Kognitionen bestimmten Verarbeitungsprozessen unterliegen. Die abgespeicherten Erkenntnisse können im Gedächtnis abgespeichert und bei Bedarf wieder aufgerufen werden. Diese können miteinander verknüpft und verglichen werden. Durch diesen Vorgang können Übereinstimmungen oder Unterschiede festgestellt werden.[8] Dem Kognitivismus werden ‚Lernen am Modell‘, ‚Lernen durch Einsicht‘ und das ‚Entwicklungsstufenmodell‘ als Lernmodelle zugeordnet.

Nach dem Kognitivismus beruht das Lernen auf der Informationsaufnahme verarbeitung und –speicherung. Der Schwerpunkt wird auf die Informationsverarbeitung und die damit verbundene richtige Methode und Problemstellung gelegt. E-Learning-Kurse, die die kognitivistische Theorie verfolgen, basieren häufig auf sehr guten, aber auch sehr teuren web based trainings (WBT), Diese auf dem Internet basierenden Lernprogramme berücksichtigen die Lernstile der Lernenden und den damit verbundenen Denkprozessen. Die WBTs bieten zahlreiche Möglichkeiten zur Interaktion und Kommunikation, besonders im Fremdsprachenunterricht. Wird dieses WBT zusätzlich noch durch die Lehrkraft oder einem[9] Tutor moderiert, spricht man von moderierten WBTs. Diese haben noch den zusätzlichen Vorteil, dass der Lehrende noch direkter in den Lernprozess eingreifen kann, in dem er die Lernenden anleitet und motiviert. Ein weiterer Vorteil der WBTs liegt in der nicht-linearen Bearbeitungsweise. Der Lernende ist nicht, wie in behavioristischen Lernprogrammen, gezwungen streng einen Weg zu gehen, sondern kann auf Verzweigungen zurückgreifen und den Lernweg individuell festlegen.

Dem Kognitivismus liegt zugrunde, dass der Lernende sich sein Wissen aktiv selber aufbauen muss. Das Ziel liegt darin sich zuerst Wissen anzueignen und dann nach mehreren Anwendungen Kompetenzen für das ganze Leben zu erlangen. Die Kompetenz wird dabei als Fähigkeit definiert, erfolgreich zu handeln. Nicht aus jedem Lernprozess entsteht Wissen. Wissen ist mehr als die bloße Aneignung von Informationen. Die Verarbeitung dieser Informationen bildet zwar die Grundlage, aber Wissen entsteht erst, wenn diese Informationen im Gehirn verarbeitet und mit bereits bestehendem Vorwissen in Beziehung gebracht wurden. Der Schüler muss daher, um das neue Wissen generieren zu können, auf altes Wissen zurückgreifen und die neuen Informationen mit den bereits bestehenden kognitiven Strukturen vergleichen. Somit erhalten alle neuen Informationen einen persönlichen Bezug zum Lernenden.[10] Die Autoren der Lernprogramme können auf diese Forderungen eingehen, indem sie eine größtmögliche Wahlfreiheit den Lernenden eingestehen, sodass sie den präferierten Lernpfad und die bevorzugte Lernmethode frei wählen können. Dadurch soll die natürliche Neugier des Lernenden geweckt und gefördert werden. Nicht die Aneignung von Faktenwissen ist in den Vordergrund zu stellen, sondern die Entwicklung der Problemlösefähigkeit. Das Lernen soll auf der aktiven Auseinandersetzung des Lernenden basieren. Weiterhin sollten die Lerneinheiten in größere sinnhafte Einheiten strukturiert sein, damit Zusammenhänge für den Lernenden fassbar werden. Ein weiterer wichtiger Punkt sind realitätsnahe und authentische Aufgabenstellungen und die Konfrontation des Lernenden mit einem Problem, das es zu lösen gilt. Weiterhin muss das zu Erlernende in einen sozialen Kontext gebettet werden und die Teilhabe an der Gemeinschaft unterstützen.[11] Umgesetzt werden können diese Forderungen durch fallbasierte Systeme. Hier wird der Lernende mit authentischen Fällen konfrontiert. Im DaF-Unterricht kann dies zum Beispiel die Nachstellung eines Einkaufsgespräches sein. Des Weiteren findet sich dieser Ansatz in der produktiven Medienarbeit wieder, in denen Lernende alleine oder auch in Gruppen Medien im Internet produzieren, publizieren und auch diskutieren können.[12] Ein Anwendungsbeispiel für den DaF-Unterricht könnte das Verfassen eine Wikis, also eines kleinen Lexikoneintrages, in einer Gruppe zu einem bestimmten Thema in der Zielsprache sein. Des Weiteren sind hier noch die kooperativen Lernumgebungen zu nennen, bei den die Lernenden zusammen an Projekten arbeiten, wie sie später noch in den verschiedenen Aufgabentypen erläutert werden.[13]

Die Aufgabe des Lehrenden besteht nun darin Problemstellungen didaktisch aufzubereiten. Er ist für die Auswahl der Informationen zuständig, stellt sie zur Verfügung und unterstützt die Lernenden bei der Bewältigung. Damit hat er das Primat der Wissensvermittlung inne.[14]

Trotz aller offensichtlichen Vorteile wird auch diese Theorie stark kritisiert. Ein wichtiger Kritikpunkt ist die Vernachlässigung sozialer und emotionaler Aspekte. Des Weiteren läge der Lernweg und das Ergebnis bereits vor, der Lernende kann zwar auf eigenem Wege zum richtigen Ergebnis gelangen, doch ist von Anfang an definiert, was richtig und was falsch ist. Das menschliche Verhalten wird auf die geistigen Verarbeitungsprozesse verengt, was zu einer Überbewertung des Lernenden als „Zentrum von Wissens und Handeln“[15] führt. Dies kann zu einer Vernachlässigung führen, einfache Fertigkeiten zu vermitteln.[16]

Konstruktivismus

Als wichtige Alternative zur kognitivistischen Theorie in den Lehr- und Lernprozessen wird zunehmend der Konstruktivismus diskutiert, der nun nicht mehr die geistigen Verarbeitungsprozesse, sondern die individuelle Wahrnehmung und Interpretation starke Bedeutung zumisst. Der Konstruktivismus greift auf die Kognitionspsychologie zurück und konstruiert Lernen als aktiven Prozess des Lernenden, der sein Wissen in realen Situationen konstruiert und es mit bereits bestehendem Wissen in Beziehung setzt.[17] Jeder Mensch konstruiert sich demnach seine eigene Wirklichkeit und sein eigenes Wissen, in dem er sich an seinen Erfahrungen und seinen individuellen Lebensumständen orientiert. Anders als im Behaviorismus und Kognitivismus gibt es keine objektive allgemeingültige Wirklichkeit. Vielmehr gibt es unendlich viele Sichtweisen, die „die Wirklichkeit eines Phänomens spiegeln“[18]. In Lehr- und Lernsituationen bedeutet dies nun, dass es primär nicht um das Lösen didaktisch aufbereiteter Situationen geht. Vielmehr soll der Lernende die Kompetenz erhalten, selber Probleme zu konstruieren und mit authentischen Situationen umgehen zu können. Das Lernen untergliedert sich dadurch in mehrere Teilschritte. Zuerst benötigt der Lernende, wie bereits mehrfach erwähnt, ein Problem, das es zu lösen gilt. Dieses Problem besteht meist aus einem Ausgangszustand und einem bekannten oder besser unbekannten Zielzustand. Der Lösungsweg wird meist teilweise vorgegeben, was aber nicht zwingend erforderlich ist. Dies ist abhängig vom aktuellen Sprachniveau der Lernenden. Auch hier ist es wichtig die Lernenden keinesfalls zu überfordern und sie in der Bewältigung des Problems zu unterstützen, durch beispielsweise zur Verfügung gestelltes Sprachmaterial. Anschließend entwirft jeder Lerner sein Konzept zur Lösung des Problems. An diesem Punkt ruft er seine persönlichen Erfahrungen, Erwartungen, Ideen und Überlegungen ab, die er zu diesem Problem hat. Anschließend sammelt er Hinweise über die Einsetzbarkeit seines Konzeptes. Ist es zielbringend? Verneint der Lernende diesen Punkt konstruiert es sich eines neues Konzept und hinterfragt es erneut, solange bis er sich sicher ist damit an das Ziel zu gelangen. Im letzten Schritt prüft er sein Konzept, ob es sich zur Lösung des Projektes bewährt. Muss er den letzten Schritt verneinen, springt er zum letzten oder auch vorletzten Punkt zurück und versucht es erneut.[19] Da es in dieser Theorie kein richtiges oder falsches Wissen gibt, sondern nur verschiedene Blickwinkel sind auch die Schwerpunkte in den Aufgabenstellungen anders gesetzt. Ansätze rücken nun in den Vordergrund, die den sozialen Kontext des Lernens betonen. Die Authentizität der Lernumgebung spielt eine besondere Rolle, ebenso wie „situierte Anwendungskontexte, multiple Perspektiven und multiple Kontexte“[20] Dies bedeutet konkret, dass multimediale Angebote als Hilfsmittel zu verstehen sind. In diesem Sinne eignen sich besonders Hypermedia zur Wissensaneignung. Die netzwerkartige Struktur der Hypermedia fördert die eigenverantwortliche Auseinandersetzung durch „Aufsuchen, Explorieren, Umstrukturieren“[21]. Die Lernenden bauen auf Erfahrungen auf. Eigene Interpretationen bekommen einen großen Raum in der konstruktivistischen Theorie zugewiesen. Das eigenverantwortliche Lernen wird beabsichtigt und durch den Lehrenden unterstützt, der aus der Rolle des reinen Wissensvermittlers heraustritt und die Rolle eines Lernbegleiters einnimmt. Die Aufgabe des Lehrenden ist es eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, in der Lernen möglich ist. In Folge dessen gewinnt die wertschätzende Beziehung zum Lehrenden an Bedeutung. Ein Beispiel für den konstruktivistischen Ansatz sind die Internet-Projekte, in dem die Lernenden selbstständig ein bestimmtes Problem lösen und somit ihre Problemlösekompetenz stärken sollen.

Aufgabentypen beim Lernen mit dem Internet

Der Weg zu den Aufgaben im Internet erscheint schnell und einfach. Jedoch sollte sich der Lehrende vorher nochmals bewusst machen, inwieweit die Lernenden im Umgang mit dem Internet vertraut sind. Auch wenn die heutigen Jugendlichen ihrem Lehrer meist sehr weit voraus sind, was die Benutzung des Internets angeht, gibt es andere Lernende, besonders im mittleren Alter, die damit wenige bis gar keine Erfahrungen bisher gemacht haben. Aus diesem Grund sollte man folgende Schritte beachten. Zuerst steht die Ausbildung von Basiskompetenzen der Lernenden im Vordergrund. Dazu gehört ein behutsames Heranführen an die Arbeit mit dem Internet. In der ersten Stufe stehen der Zugang zur virtuellen Welt und der Aufbau der Motivation im Vordergrund. Womöglich muss der Lernende erst für eine Arbeit mit dem Internet aufgeschlossen werden. Gerade wenn man noch wenige Erfahrungen mit dem Internet hat, kann es sehr beängstigend wirken. Aus diesem Grund ist es wichtig, einen sehr einfachen Einstieg zu wählen. Dies kann beispielsweise das Öffnen einer Datei im Internet sein. Mit diesem Schritt stellt man sicher, dass in das Öffnen von Audio- oder Bilddateien und ähnlichem in weiteren Aufgaben problemlos durch den Lernenden möglich ist.[22] Nachdem diese Basiskompetenz gelegt worden ist, ist es wichtig die Lernenden zu motivieren. Laut Meindl klappt dies sehr gut, in dem man Lernende etwas über sich selbst erzählen lassen würde, beispielsweise in Blogs oder Foren. Man sollte den Lernenden zeigen, dass die Texte auch gelesen wurden und nicht nur Selbstzweck waren, indem man beispielweise gelungene Texte vorstellt oder Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Lernen unterstreicht.[23] Im zweiten Schritt wird die Kommunikation der Lernenden untereinander gefördert. Es ist wichtig, dass die Lernenden bereit sind miteinander zu kommunizieren und sich gegenseitig respektieren. Für den Anfang eignen sich hierfür spielerische oder kreative Angebote, um Offenheit und Ehrlichkeit zu fördern.[24] Von einer starken Korrektur sollte in diesem Stadium noch abgesehen werden, ebenso von einem zu hohen Sprachniveau. Dies könnte sonst die Lernenden abschrecken und sie verschließen. Im Mittelpunkt stehen hier die Kommunikation und die Freunde an dieser.[25] Der dritte Schritt beschäftigt sich mit dem selbstständigen Lernen. Ziel ist es nicht eine Masse an Informationen zu vermitteln, sondern die Lerneraktivität und die Interaktion zu erhöhen.[26] Im Internet findet sich eine Menge an Aufgaben, die diesen Schritt begünstigen. Hierfür eignen sich beispielsweise einfach Rechercheaufgaben. Der vierte Schritt setzt dann das kooperative Lernen in den Mittelpunkt. Wenn Lernende sich sicher in der virtuellen Welt bewegen, sind sie bereit mit anderen Lernern kooperativ zu lernen. Hier bietet sich besonders das gemeinsame Verfassen von Texten an, die anschließend publiziert werden können. Im abschließenden Schritt sollen die Lernenden schließlich voneinander lernen. Die bisher erworbenen Kompetenzen im sozialen und medialen Bereich werden nun vertieft, indem Lernende ihr Wissen selber konstruieren und mit dem der anderen zu bereichern.[27] Der Lehrende tritt zurück und fungiert nicht mehr als Wissensvermittler sondern als Lernbegleiter.

[...]


[1] Vgl. Meir, Susanne: elearning-plus. Didaktischer Hintergrund Lerntheorien. URL: http://lehrerfortbildung-bw.de/moodle-info/schule/einfuehrung/material/2_meir_9-19.pdf. Download vom 10.03.2012. S. 10.

[2] Vgl. ebd. S. 11.

[3] Vgl. ebd.

[4] Vgl. ebd.

[5]. Vgl. Meir, Susanne: elearning-plus. Didaktischer Hintergrund Lerntheorien. URL: http://lehrerfortbildung-bw.de/moodle-info/schule/einfuehrung/material/2_meir_9-19.pdf. Download vom 10.03.2012. S. 11.

[6] Dr. Arnold, Patricia: Einsatz digitaler Medien in der Hochschule aus lerntheoretischer Sicht. Letzte Aktualisierung: 12.01.2005. URL: http://www.e-teaching.org/didaktik/theorie/lerntheorie/arnold.pdf. S. 3. Download vom 10.03.2012.

[7] Meier, Rolf: Praxis E-learning. Grundlagen, Didaktik, Rahmenanalyse, Medienauswahl, Qualifizierungskonzept, Betreuungskonzept, Einführungsstrategie, Erfolgssicherung. Offenbach: GABAL 2006. S. 83.

[8] Schmitt, Günter, Plassmann, Ansgar: Lern-Psychologie. Einführung Kognitivismus. Letzte Aktualisierung: 04.06.2007. URL: http://www.lern-psychologie.de/. Download vom 10.03.2012.

[9] Herning, Marcus: Deutsch als Fremdsprache. Eine Einführung. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften/GWV Fachverlag GmbH 2005. S. 77.

[10] Vgl. Baltes, Beate; Zawacki-Richter, Olaf: Didaktik des Distributed eLearning. Oldenburg: Carl von Ossietzky Universität Oldenburg 2006. S. 14. URL: http://www.mba.uni-oldenburg.de/downloads/leseproben/bildungsmanagement_-_studienmaterial_leseprobe_instructional_design_zawacki-richter.pdf. Download vom 11.März 2012.

[11] Vgl. Kerres, Michael: de Witt, Claudia. Quo Vadis Mediendidaktik? Zur theoretischen Fundierung von Mediendidaktik. Letzte Aktualisierung: 08.11.2002. URL: http://www.medienpaed.com/02-2/kerres_dewitt1.pdf. Download vom 11.03.2012. S. 9.

[12] Vgl. ebd. S. 10.

[13] Vgl. Kerres, Michael: de Witt, Claudia. Quo Vadis Mediendidaktik? Zur theoretischen Fundierung von Mediendidaktik. Letzte Aktualisierung: 08.11.2002. URL: http://www.medienpaed.com/02-2/kerres_dewitt1.pdf. Download vom 11.03.2012. S. 10.

[14] Vgl. Meir, Susanne: elearning-plus. Didaktischer Hintergrund Lerntheorien. URL: http://lehrerfortbildung-bw.de/moodle-info/schule/einfuehrung/material/2_meir_9-19.pdf. Download vom 10.03.2012. S. 11.

[15] Kerres, Michael: Multimediale und telemediale Lernumgebung. Oldenburg: Oldenbourg Wissenschaftsverlag 2001. S. 74.

[16] Vgl. ebd.

[17] Vgl. Kamentz, Elisabeth; Womser-Hacker, Christa: Lerntheorie und Kultur: eine Voruntersuchung für die Entwicklung von Lernsystemen für internationale Zielgruppen. In: Szwillus; Ziegler [Hrsg.]: Mensch & Computer: Interaktion in Bewegung. Stuttgart: B.W. Teubner. S. 351.

[18] Vgl. Meir, Susanne: elearning-plus. Didaktischer Hintergrund Lerntheorien. URL: http://lehrerfortbildung-bw.de/moodle-info/schule/einfuehrung/material/2_meir_9-19.pdf. Download vom 10.03.2012. S. 14.

[19] Patry, Jean-Luc: Die Qualitätsdiskussion im konstruktivistischen Unterricht. Vortrag an der Tagung „Neues Lernen für die Informationsgesellschaft“, Graz, 9.-11. Oktober 2000. In: Schwetz; Zeyringer; Reiter [Hrsg.]: Konstruktives Lernen mit neuen Medien. Beiträge zu einer konstruktivistischen Mediendidaktik. Bozen: Studien-Verlag 2001.

[20] Ebd. S. 15.

[21] Tergan, Sigmar-Olaf: Hypertext und Hypermedia: Konzeption, Lernmöglichkeit, Lernprobleme und Perspektiven. In: Issing; Klimsa [Hrsg.]: Information und Lernen mit Multimedia und Internet. Weinheim: Beltz 2002. S.99.

[22] Vgl. Mandl, Eva: Schritt für Schritt in die virtuelle Welt. Die Gestaltung von Online-Aufgaben im Fremdsprachenunterricht. In: Vorstand des Goethe-Instituts: Fremdsprache Deutsch. Heft 42/2010. München: Klett 2010. S. 32.

[23] Vgl. ebd. S. 32.

[24] Vgl. ebd. S. 33.

[25] Vgl. Mandl, Eva: Schritt für Schritt in die virtuelle Welt. Die Gestaltung von Online-Aufgaben im Fremdsprachenunterricht. In: Vorstand des Goethe-Instituts: Fremdsprache Deutsch. Heft 42/2010. München: Klett 2010. S. 33.

[26] Salmon, Gilly: E-tivities. Der Schlüssel zu aktivem Online-Lernen. Zürich: orell füssli 2004. S. 41.

[27] Vgl. Mandl, Eva 2010. S. 34.

Details

Seiten
33
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656898986
ISBN (Buch)
9783656898993
Dateigröße
707 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v292762
Note
1,3
Schlagworte
grundlagen aufgabentypen lernen internet unter berücksichtigung daz-unterrichts

Autor

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    Kristin L. (Autor)

    2 Titel veröffentlicht

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