Lade Inhalt...

Schillers historische Dramen. "Die Verschwörung des Fiesco zu Genua", "Don Karlos", "Maria Stuart" und "Wilhelm Tell"

Studienarbeit 2014 14 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
a. Die Bedeutung der Beschäftigung mit historischen Ereignissen für Schiller
b. Drei historische Dramen von Schiller werden vorgestellt
i. Wilhelm Tell
ii. Don Karlos
iii. Maria Stuart

2. Lektürekommentare
a. Die Verschwörung des Fiesco zu Genua
b. Don Karlos
c. Maria Stuart
d. Wilhelm Tell

3. Literatur

1. Einleitung

Die vorliegende Ausarbeitung beschäftigt sich mit einer großen Auswahl an historischen Dramen Schillers, im Einzelnen Die Verschwörung des Fiesco zu Genua, Don Karlos, Maria Stuart sowie Wilhelm Tell. Zu Beginn wird dargelegt, was die Beschäftigung mit historischen Ereignissen für Schiller bedeutet haben muss. Darauf werden drei historische Dramen Schillers knapp vorgestellt. Im Anschluss werden in Lektürekommentaren die wichtigsten Szenen der Dramen herausgearbeitet und auf ihre Bedeutung für den Gesamtkontext hin untersucht.

a. Die Bedeutung der Beschäftigung mit historischen Ereignissen für Schiller

Wie wichtig für Schiller die Beschäftigung mit der Geschichte sein musste, zeigt schon, dass er in Jena Professor für Geschichte wurde, ohne jemals Geschichte studiert zu haben.[1] Das Studium historischer Ereignisse ist wohl für ihn nach der langen Arbeit an Don Karlos eine willkommene Abwechslung gewesen, die ihm Geld einbrachte und zugleich neuen Stoff für literarische Arbeiten lieferte. Die Geschichtsauffassung von Schiller folgt der aufklärerischen Geschichtskonzeption. So ist laut Kant das Studium der Geschichte ein Prozess der Selbstbefreiung des Menschen.[2] Um Probleme der Gegenwart verstehen zu können, bedarf es der Betrachtung der Vergangenheit. Geschichte wird als erzieherisches Instrument angesehen.

Liest man Schillers Biographie, so wird deutlich, dass historische Themen in Dramen und anderen publizierten Werken für ihn außerdem sicherer gewesen sein mussten. Dramen, die in der Gegenwart spielten, ließen einen direkten Bezug zu aktuellen Verhältnissen zu und stellten den Autor als Aufrührer und Rebellen dar.[3] In historischen Dramen wiederum konnte er aktuelle Bezüge in historisches Gewand kleiden, ohne etwas befürchten zu müssen.

b. Drei historische Dramen von Schiller werden vorgestellt

i. Wilhelm Tell

Mit dem Drama Wilhelm Tell kann man ein spätes Werk von Schiller betrachten, das erst ein Jahr vor seinem Tod erschien.[4] Dieses Werk ist ein besonderes Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen Goethe und Schiller. Goethe entdeckte den Stoff als passend für eine literarische Bearbeitung, verwirklichte seine Idee jedoch nicht, sondern überließ sie Schiller.[5] Das Drama greift eine Schweizer Sage auf, deren Hauptperson wohl frei erfunden ist.[6] So könnte man sich fragen, ob man hier von einem historischen Drama sprechen kann. Da Schiller jedoch die Schweizer Geschichte und Völker akribisch studiert hat, um dieses Werk zu schreiben,[7] und der zugrundeliegende Konflikt zwischen Schweizern und Habsburgern belegt ist,[8] kann dieses Drama durchaus als historisch bezeichnet werden.

Die Nähe des Stoffes zu Deutschland macht ihn zudem interessanter. Das Drama ist insgesamt spannend erzählt und sehr flüssig zu lesen, ohne langatmig zu sein.

ii. Don Karlos

Das Drama ist ein Musterbeispiel für die literarische Bearbeitung aufklärerischer Ideale, besonders personifiziert durch die Figur des Marquis Posa. Auch demonstriert es die Ausweglosigkeit aus festgefahrenen Verhaltenskonventionen anhand von König Philipp und Don Karlos. Insgesamt findet man in dem Drama noch weitere Themen wie Liebe, Familie, Freundschaft und Treue, was eine vielschichtige Analyse ermöglicht. Durch diese Vielfalt an Themen gehört das Werk jedoch auch zu den längeren Dramen. An einigen Stellen hat man den Eindruck, als verschiebe sich der Fokus des Dramas, was auch mit der langen Zeit bis zur Fertigstellung von Don Karlos zusammenhängen kann.[9] Interessant wird nun, aus der Fülle der Aussagen eine Hauptintention herauszufiltern. So wird auch bei Theateraufführungen deutlich, dass der Regisseur das Drama auf eine Hauptthematik hin ausrichten muss.

Dieses Drama stellt Schillers erstes ernsthaft historisches Werk dar. Somit ist eine Besprechung des Werkes, v.a. im Vergleich zu dem letzten vollendeten Drama, Wilhelm Tell, sicherlich sinnvoll. Trotz der schwierigen Handlungsführung bietet das Drama viele Identifikationsmöglichkeiten und interessante Ideen und Themen.

iii. Maria Stuart

Dieses Drama gehört wohl zu den bekanntesten von Schiller und wird nach kurzen Anfangsschwierigkeiten beim Lesen zunehmend interessanter und spannender.

Besonders hervorstechend finde ich die präzise Beschreibung der beiden Frauenfiguren und ihrer Entwicklung im Drama. So wird es immer schwieriger, Gut und Böse klar voneinander abzugrenzen. Die Ebenen verschwimmen und zeigen deutlich, dass Menschen und Ereignisse vielschichtig betrachtet werden müssen. Das Drama Maria Stuart kennzeichnet besonders die Tragik, die aus dem Konflikt entsteht.

2. Lektürekommentare

a. Die Verschwörung des Fiesco zu Genua

Das historische Drama spielt in Genua in der Mitte des 16. Jahrhunderts. Bereits im 1. Aufzug, 1. Auftritt zwischen Fiescos Frau Leonore und ihrem Kammermädchen Arabella formuliert Leonore das Hauptthema des Dramas: die Erlösung Genuas von der Tyrannei. Dabei sieht sie in ihrem Mann Fiesco denjenigen, der diese Tat vollbringt: „als ich am Altar stand neben Fiesco […] hatt‘ ich den Gedanken […]: […] dieser dein Fiesco […] wird – muß Genua von seinen Tyrannen erlösen!“ Und tatsächlich wird er es weit später in der Handlung sein, der die Verschwörung gegen die Herrscher Doria anführt. Somit kann diese Äußerung als Prolepse verstanden werden. Zunächst jedoch zeigt sich Fiesco gegenüber Verrina, Sacco und Calcagno uninteressiert an einer Rebellion gegen die Tyrannenherrschaft (vgl. 1. Aufzug, 7. Auftritt).

Als Fiesco schließlich den Mordanschlag gegen sich vereitelt und vom Mohren erfährt, dass der Auftrag dazu vom Doria kam, zeigt sich erstes Interesse Fiescos am Staatsgeschehen. Er nimmt den Mohren in seine Dienste, der die Stimmung gegenüber der Regierung auffangen und berichten soll (1. Aufzug, 9. Auftritt). Die Verschwörung gegen das Haus Doria nimmt hier ihren Anfang. Die Entwicklung nimmt ihren Lauf, als Verrina von der Schändung seiner Tochter Bertha durch Gianettino Doria erfährt (1. Aufzug, 10. Auftritt). Dies liefert für den Republikaner Verrina einen weiteren Grund für den Tyrannenmord und Sacco, Calcagno und Bourgognino werden Teil der Verschwörung. Nachdem Gianettino die Prokuratorwahl verfälscht hat, ist das Volk bestürzt und sucht Hilfe bei Fiesco (vgl. 2. Aufzug, 5. Auftritt & 8. Auftritt). In Fiescos Freude über die Aufruhr zeichnet sich ab, dass die Entwicklung seine eigenen Pläne unterstützt: „Glücklich! Das Stroh der Republik ist in Flammen. […] Allgemein werde der Brand, der schadenfrohe Wind pfeife in die Verwüstung“ (2. Aufzug, 6. Auftritt). Diese Entwicklung löst nun aus, dass auch Fiesco selbst aktiv wird, indem er die Verachtung des Hauses Doria beim Volk schürt. Er liefert den Mohren als Täter des Anschlags auf sich aus, der wiederum die Schuld des Gianettino Doria bekanntmachen soll (2. Aufzug, 9. Auftritt).

Wie zur Legitimierung der Pläne offenbart Gianettino im 2. Aufzug, 14. Auftritt sein grausames Gesicht. Um die Rebellion zu unterdrücken, will er bei der Dogewahl 12 Senatoren töten lassen. So bezeichnet er sich selbst als Teufel: „Der Teufel, der in mir steckt, kann nur in Heiligenmaske inkognito bleiben.“ Mit dieser Aussage erscheint jedes Vorgehen gegen Gianettino gerechtfertigt. Fiesco verschwört sich gemeinsam mit Verrina, Bourgognino, Sacco und Calcagno und hadert nun mit seiner eigenen Rolle im zukünftigen Genua: „Republikaner Fiesco? Herzog Fiesco? […] Ein Diadem erkämpfen ist groß. Es wegwerfen ist göttlich. […] Geh unter, Tyrann! Sei frei, Genua, und ich […] dein glücklichster Bürger!“ (2. Aufzug, 19. Auftritt). Er entschließt sich also für die Republik und geht damit konform mit den Vorstellungen Verrinas. Doch dieser ahnt eine erneute Tyrannei unter Fiesco: „Den Tyrannen wird Fiesco stürzen, das ist gewiß! Fiesco wird Genuas gefährlichster Tyrann werden, das ist gewisser!“ (3. Aufzug, 2. Auftritt). Deshalb steht sein Entschluss fest: „Wann Genua frei ist, stirbt Fiesco!“ Verrinas Ahnung bestätigt nun Fiesco in seinem Monolog im 3. Aufzug, 2. Auftritt, in dem er seine Rolle als Bürger schnell wieder verwirft: „Diese majestätische Stadt! Mein! […] Es ist schimpflich, eine Börse zu leeren – es ist frech, eine Million zu veruntreuen, aber es ist namenlos groß, eine Krone zu stehlen. Die Schande nimmt ab mit der wachsenden Sünde.“ Er zeigt hier ganz deutlich seine Entscheidung für eine Alleinherrschaft, seine Zerrissenheit ist vorüber. Gleichzeitig nimmt auch die Sympathie des Rezipienten für Fiesco ab und wechselt zu Verrina, der selbstlos erscheint. Trotzdem wird Fiesco Anführer der Verschwörung (4. Aufzug, 6. Auftritt). Fiescos Ehefrau Leonore versucht Fiesco von seinem Plan abzubringen und ihm die Gefahren aufzuzeigen, womit sie Recht behalten soll: „Trau diesen Rebellen nicht. Die Klugen, die dich aufhetzten, fürchten dich. Die Dummen, die dich vergöttern, nützen dir wenig, und wo ich hinsehe, ist Fiesco verloren.“ Hier erscheint Leonore als sorgende Ehefrau, die die verworrene Struktur sehr gut einschätzen kann, ohne selbst beteiligt zu sein (4. Aufzug, 14. Auftritt). „[…] die Vorsehung […] schlug mir diese Wunde nur, mein Herz für die nahe Größe zu prüfen. – […] itzt fürcht ich weder Qual noch Entzücken mehr.“ So spricht Fiesco, nachdem er im Tumult irrtümlich seine verkleidete Frau umbringt (5. Aufzug, 14. Auftritt). Er sieht sich als großen Fürsten. Erstaunlich erscheint hier jedoch, wie schnell Fiesco die Nachricht über Leonores Tod verarbeitet und sofort auf seine Herrschaftsrolle zurückkommt. Fiesco wird zum Herzog von Genua ernannt. Verrina bittet Fiesco eindringlich: „Wirf diesen häßlichen Purpur weg, und ich bin [dein Freund] – Der erste Fürst war ein Mörder und führte den Purpur ein, die Flecken seiner Tat in dieser Blutfarbe zu verstecken“ (5. Aufzug, 16. Auftritt). Er möchte Fiesco nicht in der Fortsetzung dieser Blutherrschaft sehen, zeigt mit seiner Aussage nochmal seine Überzeugung von einer gewaltfreien republikanischen Regierung. Doch Fiesco weigert sich und wird infolgedessen von Verrina ins Meer gestoßen (5. Aufzug, 17. Auftritt).

[...]


[1] Vgl. Schiller, Friedrich: Don Karlos. Infant von Spanien. Ein dramatisches Gedicht. Stuttgart 2007. S. 268f.; Fuchs, Sybille: „Schiller und die Geschichte“. http://www.wsws.org/de/articles/2006/02/sch1-f01.html am 21.04.14.

[2] Vgl. ebd.

[3] Vgl. Vgl. Schiller, Friedrich: Don Karlos. Infant von Spanien. Ein dramatisches Gedicht. Stuttgart 2007. S. 268f.

[4] Vgl. http://gutenberg.spiegel.de/autor/518 am 21.04.14.

[5] Vgl. Woyte, Oswald: Erläuterungen zu Schillers Wilhelm Tell (Königs Erläuterungen, Bd. 1). 39. n. bearb. Aufl. Hollfeld o. J. S. 5ff.

[6] Vgl. ebd. S. 52f.

[7] Vgl. ebd. S. 5ff.

[8] Vgl. ebd. S. 52f.

[9] Vgl. Schiller, Friedrich: Don Karlos. Infant von Spanien. Ein dramatisches Gedicht. Stuttgart 2007. S. 268f.

Details

Seiten
14
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656898269
ISBN (Buch)
9783656898276
Dateigröße
396 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v292727
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,3
Schlagworte
Drama Dramen Schiller Geschichte historisch Verschwörung Fiesco Genua Don Karlos Maria Stuart Wilhelm Tell Klassik Sturm und Drang Aufklärung Lektürekommentar

Autor

Zurück

Titel: Schillers historische Dramen. "Die Verschwörung des Fiesco zu Genua", "Don Karlos", "Maria Stuart" und "Wilhelm Tell"