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Globales Web. Einfluss kultureller Unterschiede in der Farbgestaltung auf die Benutzbarkeit

Diplomarbeit 2004 141 Seiten

Informatik - Internet, neue Technologien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Motivation und Fragestellung
1.2 Aufbau der Arbeit

I. Theoretischer Teil

2 Bedeutung von Farbe für Softwareergonomie und Usability
2.1 Usability und Softwareergonomie
2.2 Usability und Ästhetik
2.2.1 Definition Ästhetik
2.2.2 Usability vs. Ästhetik
2.2.3 Farbe als ästhetische Dimension

3 Farbe und Webdesign
3.1 Begriffsdefinition Farbe
3.2 Prozesse der Farbwahrnehmung im visuellen System
3.3 Technische Grundlagen
3.3.1 Farbmetrik
3.3.2 Farbwiedergabe am Computer
3.4 Ergonomie der Farbgestaltung im Webdesign
3.5 Bewertung von Farbempfindungen
3.5.1 Farbharmonieforschung
3.5.2 Farbpräferenz
3.5.3 Farbwirkung, Farbbedeutung und Farbsymbolik

4 Einfluss von Kultur auf das Webdesign
4.1 Kulturbegriff
4.2 Kulturmodell nach Hofstede
4.3 Einfluss von Kultur auf Wahrnehmung und Kognition
4.3.1 Was ist Wahrnehmung?
4.3.2 Kulturell bedingte Unterschiede in Wahrnehmung und Kognition.
4.3.3 Einfluss von Kultur auf die Interaktion mit Webseiten
4.4 Webdesign in einer globalisierten Gesellschaft
4.4.1 Kulturell begründete Unterschiede in Design und Layout
4.4.2 Kulturell begründete Unterschiede in Struktur und Inhalt

II. Experimenteller Teil

5 Pilotstudie
5.1 Zusammenfassung bisheriger Forschungsergebnisse
5.2 Zielsetzung der Studie
5.3 Studienaufbau der Pilotstudie
5.3.1 Voruntersuchung: Analyse der Farbgestaltung von Webseiten
5.3.2 Auswertung der Analyse
5.3.3 Hauptuntersuchung: Bewertung der Webseiten
5.3.4 Auswertung der Bewertung

6 Abschlussbetrachtung

7 Anhang

8 Literaturverzeichnis

9 Index

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 3.1 Querschnitt durch ein menschliches Auge. Quelle: [Gall]

Abbildung 3.2: Querschnitt durch die Netzhaut. Quelle: [Psyc]

Abbildung 3.3: Grundspektralwertkurven. Quelle: [Lang95 S.141]

Abbildung 3.4: Zonentheorie. Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an [Lang95 S.151]

Abbildung 3.5: R-G-B-Würfel. Quelle: Eigene Darstellung

Abbildung 3.6: Additive Mischung. Quelle: Eigene Darstellung

Abbildung 3.7: CIE-Farbtafel mit den Primärvalenzen. Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an [Küpp92 S. 104]

Abbildung 3.8: Spektralwertkurven. Quelle: [Lang95 S.90]

Abbildung 3.9: Normspektralwertkurven. Quelle: [Lang95 S.117]

Abbildung 3.10: UCS-Farbtafel. Quelle: [Lang95 S.159]

Abbildung 3.11: Kathodenstrahlröhre. Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an [Schm00 S. 275]

Abbildung 3.12: Schattenmaske. Quelle: [Schm00 S. 279]

Abbildung 3.13: Twisted-Nematic LCD-Funktionsprinzip. Quelle: [Schm00 S.292]

Abbildung 3.14: Displaykennlinie. Quelle: [Lang95 S.212]

Abbildung 3.15: Illustration des Zusammenhangs zwischen Farbunterschied (hier: Helligkeitsunterschied zwischen den beiden Flächen in den Quadraten unter der Achse) und ästhetischer Bewertung der Farbkombination. Quelle: [Laug01 S.60]

Abbildung 3.16: Das Unsachliche und das Sachliche. Quelle: [Hell99 S. 47ff]

Abbildung 4.1: Spielkarten mit veränderter Farbe. Quelle: Eigene Darstellung

Abbildung 4.2 unterschiedliche Darstellungen von Papierkörben auf Webseiten. Quelle: [RuBo93]

Abbildung 4.3 amerikanische Darstellung einer Frau beim Frauenarzt. Quelle: [RuBo93]

Abbildung 4.4 ägyptische Darstellung einer Frau beim Frauenarzt. Quelle: [RuBo93]

Abbildung 5.1 Farbverteilung beider Länder im Vergleich. Quelle: Eigene Darstellung

Abbildung 5.2 Verteilung dominierender Farben beider Länder im Vergleich. Quelle: Eigene Darstellung

Abbildung 5.3 Hintergrundfarben beider Länder im Vergleich. Quelle: Eigene Darstellung

Abbildung 5.4: Semantisches Differential - deutsche Testpersonen. Quelle: Eigene Darstellung

Abbildung 5.5: Semantisches Differential - japanische Testpersonen. Quelle: Eigene Darstellung

Abbildung 5.6: Zuordnung zu einem Genre - deutsche Testpersonen. Quelle: Eigene Darstellung

Abbildung 5.7: Zuordnung zu einem Genre - japanische Testpersonen. Quelle: Eigene Darstellung

Abbildung 5.8: Präferenzen eines bestimmten Genres - deutsche Testpersonen. Quelle: Eigene Darstellung

Abbildung 5.9: Präferenzen eines bestimmten Genres - japanische Testpersonen. Quelle: Eigene Darstellung

Abbildung 7.1: Testseite 1 - Homepage einer deutschen Universität

Abbildung 7.2: Testseite 2 - Homepage einer japanischen Universität

Tabellenverzeichnis

Tabelle 3.1 Faktoren, die den Farbeindruck beeinflussen. Quelle: [ENIS8 S.3]

Tabelle 3.2 Farbgleichmäßigkeit. Quelle [ENIS8 S. 9]

Tabelle 3.3: Farbsymbolik nach Nationen - kulturspezifische Farbbedeutungen. Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an [Mort, Stad]

Tabelle 4.1 Cultural Markers. Quelle: [BaBa98]

Tabelle 4.2 Nutzungsgewohnheiten des Internet. Quelle: [Chau02 S.140]

1 Einleitung

1.1 Motivation und Fragestellung

Wir leben in einer Welt, die immer „kleiner“ wird; durch die fortschreitende Globalisierung rücken unterschiedlichste Kulturen immer dichter zusammen, die Kommunikation zwischen diesen nimmt stetig zu. Das WWW - World Wide Web - ist ein internationales Medium, dass sich als Kommunikationsplattform geradezu anbietet. Räumliche Distanzen spielen hier für die Kommunikation keine Rolle mehr - Daten können in Sekundenschnelle von Deutschland nach Japan verschickt werden, ohne dabei Verluste hinnehmen zu müssen und ohne erhebliche Kosten zu verursachen. Doch was ist mit der Distanz auf der geistigen und der kommunikativen Ebene? Wie werden hier die Unterschiede zwischen den Kulturen überbrückt? Für das Problem sprachlicher Verständigung gibt es Dolmetscher. Jedoch gibt es neben der sprachlichen Komponente noch weitere, sich von Kultur zu Kultur unterscheidende Wesensmerkmale, die sich auf die Bewertung und Wahrnehmung von Webseiten auswirken. Kommunikations- und Verhaltensformen verschiedener Kulturen leiten sich aus deren jeweiligen Normen und Werten ab. Zusätzlich hat jede Kultur ihre eigenen Symbole und Zeichen, deren Bedeutung sich über das kulturelle Gemeingut und das gemeinsame Wissen erschließt. Gerade im Webdesign werden Symbole und Zeichen als Informationsträger verwendet. In diesem Zusammenhang ist auch die Farbe zu nennen, deren Wirkung auf subjektiven Assoziationen beruht, die mit jedem Farbeindruck bewusst oder unbewusst einhergehen. Weiterhin ist das Farbdesign einer Webseite ein Bestandteil des Gesamtlayouts und damit auch ein tragendes Element der ästhetischen Gestaltung. Betrachtet man die Farbkodierungen1 und Farbwelten verschiedener Kulturen, beispielsweise anhand traditioneller bzw. moderner Kleidung oder der Gestaltung von Plakaten und Werbung, so sind offensichtliche Unterschiede in bezug auf Designvorlieben und standards zu erkennen. Dies spiegelt sich auch in der Gestaltung von Webseiten wieder. Ein ungewohntes oder gar fremdartiges Design kann sich auf die subjektive Wahrnehmung von Webseiten auswirken.

In der vorliegenden Arbeit wird der Frage nachgegangen, welche Auswirkungen Farbdesign auf die Benutzbarkeit von Webseiten hat und welche Rolle Kultur in diesem Zusammenhang spielt. Bei der Erforschung des Elementes Farbe im Webdesign in Hinblick auf die interkulturelle Usability2 eröffnet sich ein komplexes Feld, das aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten ist. Dabei erschließt sich die Problematik, den Faktor Farbe isoliert zu untersuchen, da sich der Einfluss anderer Faktoren nicht komplett ausblenden lässt. Die Wechselbeziehung zwischen Kultur und Usability, unter dem Aspekt der Farbgestaltung betrachtet, lässt sich jedoch nicht einfach anhand einzelner Leitsätze und Richtlinien erschließen. Zentrales Thema dieser Arbeit ist daher die Darstellung und Untersuchung der verschiedenen Faktoren, die im Zusammenhang mit einer benutzerfreundlichen Farbgestaltung im Webdesign einer globalisierten Gesellschaft stehen. Die semantische Funktion von Farbe und im Speziellen die sich hieraus ergebenden interkulturellen Differenzen in der Bewertung von Webseiten sollen anhand einer Studie eingehend beleuchtet werden.

Die Spezifikationen zur Farbgestaltung im Webdesign beziehen sich ausschließlich auf eine objektungebundene Verwendung von Farben, fotorealistische Darstellungen und Bilder werden in die Darlegungen nicht einbezogen.

1.2 Aufbau der Arbeit

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in einen theoretischen Teil in Form einer Literaturübersicht und in einen experimentellen Teil in Form einer Studie. Die Literaturübersicht ist unterteilt in drei Themenbereiche, die eine theoretische Grundlage im Sinne obiger Fragestellung bilden und den bisherigen Forschungsstand darlegen:

Basis der Ausführungen ist die Bedeutung von Farbe für Softwareergonomie und Usability. Da Farbe einen elementaren Teil der ästhetischen Gestaltung von Webseiten darstellt, soll zunächst allgemein der Zusammenhang zwischen Ästhetik und Usability eingehend untersucht werden. Im Anschluss daran erfolgt eine Betrachtung über die Auswirkungen von ästhetischen Farbkombinationen auf die Benutzbarkeit von Software-Benutzeroberflächen.

In einem weiteren Kapitel werden verschiedene Aspekte aufgezeigt und erläutert, die für ein umfassendes Verständnis von Farbe und Webdesign unabdingbar sind. Da Farbwahrnehmung und Farbempfindung immer in einem engen Zusammenhang mit dem Medium stehen, auf dem Farben dargeboten werden, wird hier speziell Farbwahrnehmung und Farbwiedergabe an Computermonitoren thematisiert. Für die Gestaltung von Webseiten ist das Beherrschen der technischen Grundlagen auf dem Gebiet der Farbmetrik und der Farbreproduktion ebenso wichtig wie grafische Fähigkeiten. Bei der Farbwahrnehmung in bezug auf Usability gibt es sowohl einen technischen als auch einen psychologischen Aspekt, da die Kommunikation zwischen Nutzer und Webseite bewertet wird und nicht allein die technische Darstellung Ausgangspunkt der Bewertung ist. Neben der Erläuterung technischer Grundlagen werden daher ergonomische Regeln für den Einsatz von Farbe im Webdesign aufgezeigt, die sich aus den physiologischen und sinnespsychologischen Prozessen der Farbwahrnehmung ergeben. Ferner werden die ästhetische Bewertung sowie die Wirkung von Farben in bezug auf die Benutzbarkeit von Webseiten erörtert.

Den Abschluss des theoretischen Teils bildet eine Diskussion über den Einfluss von Kultur auf das Webdesign. Als Maxime für die Erstellung von benutzerfreundlichen Webseiten gilt, sich während des gesamten Designprozesses immer an den Bedürfnissen der Nutzer zu orientieren. „Man darf nicht so ohne weiteres die Normen [und Bedürfnisse] einer Person, Gruppe oder Gesellschaft auf eine andere übertragen. Vor jeder Beurteilung oder Handlung sollte man sich über Art der kulturellen Unterschiede zwischen Gesellschaften, sowie über ihre Ursprünge und Folgen informieren“ [Hofs93 S. 21]. Um diese Unterschiede eingehend zu ergründen wird hier zunächst die Kulturtheorie Hofstedes dargestellt. Weiterhin werden verschiedene Studien der letzten Jahre angeführt, die sich mit den verschiedenen Kategorien und Elementen befassen, welche es in bezug auf kulturell-kompetente Webseiten zu berücksichtigen gilt. Hier soll im Speziellen geprüft werden, in wieweit das Thema der Farbgestaltung bisher im Bereich der interkulturellen Usability- Forschung Beachtung fand.

Die Resultate der theoretischen Erörterung werden als Basis für die Studie herangezogen.

I. Theoretischer Teil

2 Bedeutung von Farbe für Softwareergonomie und Usability

2.1 Usability und Softwareergonomie

Usability - ein Begriff, der in den letzten Jahren im Bereich der Mensch-Maschine- Kommunikation und hier ganz besonders auf dem Feld der Informations- und Kommunikationstechnologie sehr stark an Bedeutung gewonnen hat. Der sowohl im englischen als auch im deutschen so verwendete Begriff entbehrt einer eindeutigen Übersetzung, wird jedoch häufig mit Benutzerfreundlichkeit oder Benutzbarkeit von interaktiven Systemen erklärt. Die EN ISO, die europäische Norm der International Standards Organisation, verwendet im deutschen den Begriff Gebrauchstauglichkeit. Jakob Nielsen, Experte speziell auf dem Gebiet der Web-Usability, definiert Usability als eine Kombination aus „usefulness“ und „utility“, zu deutsch Nützlichkeit und Nutzen. Bei Untersuchungen zur Usability eines Systems wird immer der Nutzer in den Mittelpunkt des Interesses gestellt, der Dialog zwischen Mensch und Computer wird bewertet.

Die EN ISO definiert Usability bzw. Gebrauchstauglichkeit als „das Ausmaß, in dem ein Produkt durch bestimmte Benutzer in einem bestimmten Nutzungskontext genutzt werden kann, um bestimmte Ziele effektiv, effizient und zufrieden stellend zu erreichen” [ENIS11 S. 4]. Effektivität, Effizienz und Satisfaktion oder Zufriedenheit sind Kriterien, die in der Mensch-Maschine-Kommunikation erfüllt werden sollen, um ein hohes Maß an Usability zu erlangen. Effektivität bezieht sich darauf, ob die zu bearbeitende Aufgabe erfüllt werden konnte oder nicht, wohingegen Effizienz den Aufwand bewertet, der zur Erfüllung der Aufgabe nötig war. Hierbei kommt sowohl die zeitliche Komponente zum Tragen, als auch die Fehlerquote beim Bearbeiten der Aufgabe. Beide sind objektiv messbar und dadurch einfach zu bewerten, wohingegen die Zufriedenheit des Nutzers stark vom subjektiven Empfinden abhängt. Die beiden ersten Kriterien spielen für die Satisfaktion sicherlich eine große Rolle, jedoch kommen gerade auch hier ästhetische Aspekte, wie zum Beispiel Farbgebung, zum Tragen, da diese die Einstellung des Nutzers gegenüber dem Produkt positiv beeinflussen und somit eine höhere Zufriedenheit erreichen können. Jakob Nielsen erweitert oben genannte Definition von Usability laut EN ISO auf insgesamt fünf Kriterien [Niel93 S.26]:

- „Learnability” - Das System soll einfach zu erlernen und möglichst intuitiv bedienbar sein.
- „Efficiency“ - bezieht sich analog zur Definition der EN ISO auf den Aufwand.
- „Memorability“ - Der Nutzer soll sich auch nach längerer Zeit noch an die Bedienung des Systems erinnern können, „the system should be easy to remember” [Niel93 S.26].
- „Errors“ - Das Programm soll so konzipiert sein, dass möglichst keine Fehler gemacht werden können. Eventuelle Fehler müssen einfach und schnell zu korrigieren sein. „Further, catastrophic errors must not occur” [Niel93 S.26].
- „Satisfaction” - bezieht sich analog zur Definition der ISO auf die Zufriedenheit des Nutzers. „The system should be pleasant to use, so that users are subjectively satisfied when using it; they like it” [Niel93 S.26].

Zur Erfüllung dieser Kriterien reicht es jedoch nicht aus, generelle Richtlinien zu befolgen, da die spezifischen Eigenschaften der Nutzer und der Nutzungskontext berücksichtigt werden müssen. Um eine Webseite mit hoher Usability zu gestalten, müssen also zunächst Zielpersonen und Kontext klar definiert sein. Hier gilt es auch die Kultur zu berücksichtigen.

Das Konzept der Usability kann als eine Erweiterung der reinen Softwareergonomie um den Faktor Zufriedenheit aufgefasst werden. Zu den Kriterien der Softwareergonomie „gehören (nach DIN 66 234) vor allem Übersichtlichkeit und Einheitlichkeit […]; Einfachheit […]; Flexibilität und Fehlertoleranz […]; Zuverlässigkeit […] und Schnelligkeit“ [Brock97].

2.2 Usability und Ästhetik

Die Rolle von Ästhetik in Bezug auf die Usability von UI (User Interface)3 ist in den letzten Jahren vermehrt in den Mittelpunkt der wissenschaftlichen Untersuchungen und Diskussionen im Bereich der HCI (Human Computer Interaction)4 gerückt. In der Literatur finden sich zu diesem Thema zwei gegensätzliche Auffassungen. Im Folgenden soll der Zusammenhang zwischen Ästhetik und Usability anhand verschiedener Untersuchungen und Diskussionen erörtert werden. Anschließend soll im Speziellen der Einfluss ästhetischer Farbgestaltung auf die Benutzbarkeit betrachtet werden.

2.2.1 Definition Ästhetik

Es ist wichtig, Ästhetik und Präferenz semantisch zu unterscheiden. Der Begriff des ästhetischen Empfindens wird im Sprachgebrauch häufig gleichgesetzt mit persönlichem Geschmack, und damit mit der Präferenz. In gängigen Lexika wird Ästhetik oft als „Theorie, die das Schöne in seinen beiden Erscheinungsformen als Naturschönes und als Kunstschönes zum Gegenstand hat“ [Broc97] definiert, also als Wissenschaft des Schönen und der Kunst. Jedoch umfasst der Begriff der Ästhetik mehr als nur das Schöne und die Kunst. Der griechische Wortstamm ‚ aisthesis ’ bedeutet sinnliche Wahrnehmung. Dies schließt alle Erfahrungen ein, die uns über Sinne vermittelt werden. Die psychologischeästhetik, die Ende des 19. Jahrhunderts von Gustav Th. Fechner als Gegenstand wissenschaftlicher Forschung eingeführt wurde [Alle87], befasst sich nun in erster Linie mit der Erforschung sinnlicher Erfahrungen. Ausgangspunkt psychologischer Ästhetik sind subjektive Vorgänge sinnlicher Erfahrung des Menschen; Ästhetik wird also nicht als eine objektive Eigenschaft eines Gegenstandes bezeichnet. Nach Peter Faltin ist das Ästhetische „keine Eigenschaft schöner Dinge, sondern eine Disposition, eine fundamentale Funktion des Menschen“ [Falt85 S. 38].

Im Zusammenhang mit der Diskussion über Usability vs. Ästhetik muss eine deutliche Abgrenzung psychologischer Ästhetik von ästhetischer Präferenz vorgenommen werden. Ästhetische Präferenz bezieht sich auf den persönlichen und u.a. kulturell geprägten Geschmack des Rezipienten; sie beruht auf der Bewertung ästhetischer Erfahrung.

2.2.2 Usability vs. Ästhetik

Angesehene Usabilityexperten wie Jakob Nielsen und auch Ben Shneidermann vertreten die Meinung, Ästhetik spiele für Usability keine Rolle, sondern könnte dieser sogar eher schaden. In den letzten Jahren jedoch fand in der Literatur eine Abkehr von der Philosophie der Funktionalität als oberstes Gestaltungsziel statt. Inzwischen werden die strengen Richtlinien, die gerade Jakob Nielsen propagierte, von vielen als zu trocken angesehen, der „Fun-Faktor“ [Beie02 S.28] und ein ästhetisch wohlgefälliges Design gewinnen in der wissenschaftlichen Literatur zunehmend an Bedeutung.

So stellten Kurosu und Kashimura [KuKa95] in ihrer Untersuchung tatsächlich einen direkten Zusammenhang zwischen einer ästhetisch ansprechenden Gestaltung und der Usability fest. Der Studie liegt eine Unterscheidung zwischen der apparent usability und der inherent usability zu Grunde. Unter apparent usability versteht man die rein über das Äußerliche des Interfaces wahrgenommene Usability, d.h. wie benutzerfreundlich erscheint das Interface vor der ersten Nutzung. Die inherent usability bezeichnet die dem Interface tatsächlich zugeschriebene Usability nach den in Absatz 2.1. genannten Kriterien. Die Bedeutung der inherent usability kommt erst dann zum Tragen, wenn sich der Nutzer schon für die Verwendung des UI entschieden hat. Zur Entscheidungsfindung kann die apparent usability einen sehr großen Beitrag leisten, denn ein Interface, dessen anscheinende Benutzerfreundlichkeit von Anfang an positiv bewertet wird, ist für den potentiellen Nutzer attraktiver als ein vergleichbares Interface, dass in Bezug auf die anscheinende Benutzerfreundlichkeit qualitativ minderwertig erscheint. Dies ändert entscheidend die Einstellung des Nutzers gegenüber dem System. Die Studienergebnisse von Ka&Ku zeigen eine Korrelation (r = 0,59) zwischen der Bewertung der ästhetischen Qualität und der Bewertung der apparent usability, d.h. wenn das Interface als ästhetisch ansprechend gewertet wird, so wird ihm auch zugleich aufgrund des Designs ein sehr hohes Maß an Benutzerfreundlichkeit zugeschrieben. Somit ist ein Zusammenhang zwischen der ästhetischen Gestaltung der Oberfläche und der vom Nutzer wahrgenommenen Usability hergestellt.

Noam Tractinsky [Trac97] bestätigte in einer weiteren, auf der Studiendurchführung von Ka&Ku basierenden Studie diese Ergebnisse und fand zudem kulturelle Unterschiede hinsichtlich der Korrelation von Ästhetik und apparent usability. Die Probanden von Ka&Ku waren im japanischen Kulturkreis angesiedelt, wohingegen Tractinsky seine Studie in Israel durchführte. Die Auswirkungen von Ästhetik auf die wahrgenommene Usability sind bei den Probanden in Israel deutlich stärker als dies in Japan der Fall ist. Dies zeigt, dass bei der Gestaltung von UI die kulturellen Unterschiede in der ästhetischen Präferenz berücksichtigt werden müssen, da ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem Eindruck der Benutzerfreundlichkeit und dem Design besteht. Da die Unterschiede jedoch noch nicht genau untersucht wurden, sind Studien zur unterschiedlichen Wahrnehmung in Bezug auf die Usability unabdingbar.

Marc Hassenzahl et al. [Hass00] beschäftigten sich in Ihrer Studie mit der Frage, wie stark sich eine von dem Benutzer als angenehm wahrgenommene Gestaltung des UI tatsächlich auf die Zufriedenheit des Nutzers auswirkt. Sie untersuchten die Wirkung tatsächlicher ergonomischer Qualität eines Systems und der genie ß erischen Qualität ( „ hedonic quality “ ) [Hass00 S. 201] vor und nach der Nutzung. Sie stellten fest, dass beide Komponenten in gleichem Maße Einfluss auf die Attraktivität eines Systems haben, wobei sich vor und nach der Nutzung keine nennenswerten Unterschiede in der Bewertung der Attraktivität ergaben. Dies zeigt, dass ein ansprechendes Äußeres nicht nur den Reiz eines Interfaces vor der Nutzung beeinflusst, sondern diesen auch währenddessen und hinterher prägt.

Die Untersuchung basierte auf dem von Lonan vertretenen Zwei-Komponenten Usability Konzept, dass aus verhaltensbezogener und gefühlsbezogener Usability besteht (vgl. [Hass00]). Lonan fordert eine Erweiterung des traditionellen Usability Konzeptes, welches zwar per Definition auch die Zufriedenheit des Nutzers einschließt, die Zufriedenheit selbst aber lediglich als „Freiheit von Beeinträchtigungen“ [ENIS11 S.4] definiert wird. Er verlangt, dass Genuss und Erfreulichkeit als gleichwertig mit Effizienz und Effektivität zu betrachten sind.

Kristina Karvonen [Karv00] fand einen Zusammenhang sowohl zwischen ästhetischer Präferenz und Zufriedenheit als auch zwischen einem als ästhetisch wahrgenommenen Design und dem Vertrauen des Nutzers gegenüber einem Online- Service. Ihre Studie im skandinavischen Raum zeigt eine vergrößerte Bereitschaft der Probanden, einem Service zu vertrauen und ihn zu nutzen, wenn er ein in ihren Augen gefälliges Design aufwies. Karvonen erklärt diese Erkenntnis mit der Emotionalität von Entscheidungen, welche in erster Linie intuitiv getroffen werden. Das Verlangen nach Ästhetik scheint allen Menschen innezuwohnen. „Schönheit ist die stärkste Macht der Welt,“ wie der französische Autor Anatole France (zitiert in [Karv00 S.86]) einmal schrieb.

Wie auch Tractinsky erachtet Karvonen die Berücksichtigung kultureller Unterschiede der ästhetischen Präferenz als eine wichtige Angelegenheit vor allem in einer global orientierten Umgebung wie dem Internet. Da Usability immer von den Bedürfnissen des Nutzers ausgeht, ist bei der Gestaltung einer Webseite für verschiedene Kulturkreise zu prüfen, ob diese auch tatsächlich für alle in gleichem Maße benutzbar ist.

Unterstützer der Theorie von Karvonen über den Einfluss der ästhetischen Gestaltung auf die Bildung von Vertrauen ist Bo Westerlund [West02], der in seinem Artikel Form is Function die Wichtigkeit äußerer Formen hervorhebt. Über die äußere Form wird der Inhalt wahrgenommen und es erfolgt eine Kategorisierung, die maßgeblich die Einstellung des Nutzers gegenüber der Webseite bestimmt. Das Thema Ästhetik auf dem Gebiet der Mensch-Maschine-Kommunikation wurde in den letzten Jahren in einigen weiteren Artikeln diskutiert. Dazu gehören unter anderem Lars Hallnäs und Johan Redström [HaRe02], Kiana Matthews [Matt99], und Zeynep Sevener [Seve03]. Allen gemein ist die Hervorhebung der Wichtigkeit von Ästhetik.

Die neurologische Forschung liefert Erklärungen, weshalb ein ansprechendes Design Einfluss auf unsere Einstellung gegenüber Webseiten oder anderen UI nimmt. So bezieht sich Kallio [Kall03] auf die somatische Marker Hypothese von Damasio [Dama00] um die Entscheidungsfindung bei der Nutzung von Interfaces zu erläutern. Somatische Marker sind Körpersignale, mit denen das emotionale Erfahrungsgedächtnis5 arbeitet [Stor03]. Über diese Körpersignale teilt es seine Bewertung mit. Somit basiert die Bewertung auf den persönlichen Erfahrungen eines Menschen, die auch durch die jeweilige Kultur geprägt werden. Dies gibt Anlass zu der Vermutung, dass die Bewertung von Webseiten abhängig ist vom kulturellen Hintergrund des Nutzers. Kallio argumentiert, dass ein ansprechendes Interface positive Reaktionen hervorruft; der somatische Marker signalisiert, dass sich der Körper im „ pleasure mode “ [Kall03 S.143] befindet und unterstützt durch ein positives Gefühl die Entscheidung, sich weiterhin mit dem UI zu befassen. Natürlich werden Entscheidungen nicht auf einer rein emotionalen Ebene getroffen, jedoch spielen Affekt und Emotion für die Bewertung eine wichtige Rolle, da sie die ersten chemischen Reaktionen des Körpers darstellen und somit vor den kognitiven Prozessen angesiedelt sind. Diese Theorie wurde schon vor über 100 Jahren von William James aufgestellt (in [HaRo97 S.91]) und wird heutzutage auch auf dem Gebiet der HCI von einigen Forschern bestätigt. Hierzu zählen Barbara Hayes-Roth [HaRo97], Daniel Goleman [Gole01] und auch Donald Norman [Norm02]. Donald Norman [Norm02] zufolge beeinflusst der Affekt nicht nur die Entscheidungsfindung sondern auch die Fähigkeit zur Problemlösung. Nach Donald Norman ist dies evolutionsbedingt. Ein negativer Affekt versetzt den Nutzer in Stress und führt so zu einer Fokussierung der Konzentration auf Einzelheiten. Im Gegensatz hierzu bewirkt ein positiver Affekt eine Erweiterung des Gedankenprozesses und ermöglicht kreativeres, offeneres Denken. Gleichzeitig erhöht sich die Toleranz gegenüber kleinen Fehlern und Problemen des UI. Jedoch dürfen die kognitiven Prozesse, die auf die chemische Reaktion folgen, nicht vernachlässigt werden. Eine fundierte theoretische Erklärung über den Einfluss von Stimmungen auf die Leistung liefert das kognitiv-motivationale Mediatorenmodell von Andrea Abele [Abele95, Abele99]. Darin werden sehr differenziert die potentiellen Wirkungen von Stimmungen beschrieben, wobei sie die Stimmung als eine Unterkategorie des Oberbegriffs Emotion definiert. Weitere Unterkategorien von Emotion sind Gefühl und das evaluative Urteil. Alle drei haben eine „Komponente des subjektiven Erlebens bzw. des ‚Zustandsbewußtseins’“ [Abele95], also eine emotionale Komponente, gemeinsam. Stimmungen sind im Gegensatz zu dem auf bewusst wahrgenommenen Anlässen beruhenden und sehr intensiven Gefühl eher diffus. Sie stehen nicht, wie das Gefühl, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Da Gefühle im Allgemeinen durch momentane Ereignisse hervorgerufen werden, bewirken Farben auf Benutzeroberflächen eine nicht plötzlich auftretende und nicht bewusst wahrgenommene Änderung der Stimmung, nicht des Gefühls, da die Benutzeroberfläche bei der Arbeit permanent wahrgenommen wird und keine plötzlichen Änderungen unterzogen wird. (vgl. [Laug01])

Ästhetische Reize sieht Abele als ein Ereignis „von hedonischer Relevanz im weitesten Sinn“ [Abele95, S. 17], das unter anderem eine Veränderung der Stimmung bewirken kann. Über eine Zusammenfassung von 18 Untersuchungen gelangt Abele, wie auch Donald Norman, zu dem Schluss, dass positive Stimmungen zu einer Leistungserhöhung führen, wohingegen negative Stimmungen leistungsmindernd wirken. (s. auch [Klaue91])

Eine genauere Erläuterung des kognitiv-motivationalen Mediatorenmodells würde über den Rahmen dieser Arbeit hinausgehen. Siehe hierzu [Abele95, Abele99].

Entgegen der Annahme aus den Anfangszeiten der Forschung im Bereich der Usability, wirken Ästhetik und Usability sich nicht negativ aufeinander aus, sondern können sich gegenseitig ergänzen. Oben angeführte Untersuchungen zeigen, dass sich eine als ästhetisch wahrgenommene Benutzeroberfläche sowohl auf die subjektiv wahrgenommene Usability, als auch auf die tatsächliche Usability auswirken kann. Über eine ästhetisch ansprechende Gestaltung wird eine positive Beeinflussung der Stimmung des Nutzers und seiner Einstellung gegenüber der Benutzeroberfläche erreicht. Dies kann zu einer verbesserten Performanz führen. Gleichwohl muss immer auf eine Balance zwischen Ergonomie und Ästhetik geachtet werden. Eine ästhetisch gestaltete Benutzeroberfläche wirkt zwar auf den ersten Blick angenehm und kann den Nutzer positiv beeinflussen, doch kann eine schlechte Benutzbarkeit diesen unterstützenden Effekt zunichte machen.

Kulturell bedingte Unterschiede in der Wahrnehmung und der ästhetischen Präferenz müssen berücksichtigt werden, da sich die Bewertung von Ästhetik interkulturell unterscheiden kann. Auch die Bedeutung von Ästhetik für die Usability kann in verschiedenen Kulturkreisen variieren.

Die in diesem Abschnitt dargelegten Studien beziehen sich nicht ausschließlich auf Webseiten, sondern auch auf andere computergestützte Benutzeroberflächen. Da es sich bei einer Webseite um eine spezielle Kategorie einer computergestützten Oberfläche handelt, können jedoch sämtliche Ergebnisse auf die Anwendung von Webseiten übertragen werden.

2.2.3 Farbe als ästhetische Dimension

Bettina Laugwitz [Laug01] bezieht sich bei Ihrem Experiment zum „Einfluss der ästhetischen Farbgestaltung einer Software-Benutzeroberfläche auf Benutzbarkeit und Leistung“ [Laug01 S. 133] auf die leistungssteigernde Funktion von Stimmung.

Ihre Vermutung, dass sich eine farblich ästhetisch gestaltete Oberfläche sowohl positiv auf die Befindlichkeit und die subjektive Beanspruchung, als auch auf die objektive Leistung auswirken, konnte durch ihre Studie zumindest in Bezug auf die Befindlichkeit und die Beanspruchung bestätigt werden. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen aufgeteilt und mussten mit Hilfe einer, abgesehen von der Farbgestaltung identischen, Software eine Aufgabe lösen. Tests bei Beginn der Bearbeitung und im Anschluss daran ergaben einen Effekt der Farbgestaltung auf die Wachheit / Müdigkeit6 sowie Unterschiede der „ psychischen Ermüdung “ und der „ psychischen Sättigung “ 7 [Laug01 S. 134]. Hinweise auf einen direkten Effekt auf die Leistung konnten in diesem Experiment nicht nachgewiesen werden, was jedoch auf die kurze Bearbeitungszeit zurückgeführt werden kann. Allerdings können negative Auswirkungen einer farblich unästhetisch gestalteten Benutzeroberfläche auf die Wachheitsempfindung und auf die psychische Sättigung bei längerer Arbeitsdauer zu einer Leistungsminderung führen. Umgekehrt kann angenommen werden, „dass die ästhetische Farbgestaltung einer Eingabemaske sich positiv auf die Stimmung und die erlebten Beanspruchungsfolgen des Benutzers auswirken kann. In der Folge kann damit gerechnet werden, dass auf Dauer weniger Fehler auftreten und mehr Leistung erbracht wird, wenn die Oberfläche ästhetisch ansprechender gestaltet ist, als wenn sie eher nicht gefällig ist.“ [Laug01 S. 147]

Diese Ergebnisse bestätigen die positive Wirkung einer ästhetischen Farbgestaltung in Software-Benutzeroberflächen nicht nur aus marketingtechnischer Sicht, sondern auch hinsichtlich der Softwareergonomie.

3 Farbe und Webdesign

„Jeder, der an einem Bildschirm mit Farbe arbeitet, ist auf eine solide theoretische Basis angewiesen, benötigt eine verlässliche Theorie, mit welcher die Ergebnisse seiner Tätigkeit kalkulierbar werden“ [Küpp92 S.10]. Dieses Kapitel liefert eine umfassende Darlegung der verschiedenen fachlichen Perspektiven der Farbwissenschaft, die in Bezug auf die Verwendung von Farben im Webdesign und auf die Kalkulierbarkeit der Farbwirkung auf Webseiten von Bedeutung sind. Für eine einheitliche Basis der verschiedenen Disziplinen der Farbwissenschaft erfolgt zunächst eine wissenschaftliche Definition des Begriffes Farbe.

Die Verarbeitung eines Farbreizes, die zu einer Farbempfindung führt, gehört in den Bereich der Physiologie und der Sinnespsychologie. Die Farbempfindung ist losgelöst von der Wirkung der Farbe. Nachstehend erfolgt eine Darstellung der physiologischen und sinnespsychologischer Prozesse der Farbwahrnehmung und eine Darlegung des Zusammenhanges zwischen physikalischem Farbreiz und Farbempfindung.

Die Untersuchung des physikalischen Farbreizes und der Strahlungsverteilung der Farbreizfunktion beschäftigt Physiker, Farbmetriker, Computer- und Fernsehtechniker. Hierbei liegt der Schwerpunkt auf Objektivität und Vergleichbarkeit von Farben.

Ein Farbdesign, welches ergonomischen Regeln folgt, kann die Usability einer Webseite erhöhen. Die Möglichkeiten, Farbe als Hilfsmittel zur Informationsvisualisierung einzusetzen, werden in Abschnitt 3.4 diskutiert. Die Orientierung auf ä sthetische, psychologische und kulturelle Wirkungen der Farben erfordert nur grundlegende Kenntnis farbmetrischer oder physiologischer Gesetzmäßigkeiten. Für den Einsatz von Farbe auf Webseiten, insbesondere für den internationalen Einsatz , sind jedoch alle oben genannten Bereiche gleichwertig.

3.1 Begriffsdefinition Farbe

Wenn in der Umgangssprache von Farbe die Rede ist, so ist meist „bunte Farbe“ gemeint, häufig als eine Eigenschaft eines Gegenstandes. Auch werden Farbstoffe und Pigmente als Farben bezeichnet, was jedoch keine wissenschaftlich korrekte Definition darstellt. Laut DIN 5033 ‚Farbmessung’ Teil 1, ist „Farbe im Sinne dieser Norm […] ein durch das Auge vermittelter Sinneseindruck, also eine Gesichtsempfindung. Die Farbe ist diejenige Gesichtsempfindung eines dem Auge strukturlos erscheinenden Teiles des Gesichtsfeldes, durch die sich dieser Teil bei einäugiger Beobachtung mit unbewegtem Auge von einem gleichzeitig gesehenen, ebenfalls strukturlosen angrenzenden Bezirk allein unterscheiden kann“ [DIN5033 Teil1]. Farbe ist hier definiert als eine Empfindung, nicht als eine (physikalische) Eigenschaft eines Gegenstandes. Da wir mit den Augen sehen, wird diese Empfindung als Gesichtsempfindung bezeichnet. Die Farbe dient zur Unterscheidung von Flächen, die sich ansonsten weder in der Struktur noch in der räumlichen Lage unterscheiden. Diese Unterscheidungsmerkmale sind für die Wahrnehmung von Farben nicht von Bedeutung. Die Bedingung der einäugigen Beobachtung schließt weiterhin für die Unterscheidung zweier aneinander angrenzender Bezirke die Notwendigkeit von Glanzunterschieden als Merkmale aus, wenn sich diese aufgrund der Farbe unterscheiden. Jedoch wird die Farbwahrnehmung durch die oben genannten Unterscheidungsmerkmale Struktur, räumliche Lage und Glanz nicht verfälscht. Diese sind lediglich für die Farbwahrnehmung nicht relevant. Eine Darstellung, wodurch eine Farbempfindung ausgelöst wird, findet sich in der Definition des Brockhaus. Hier ist Farbe im wissenschaftlichen Sinne „eine von Licht bestimmter spektraler Beschaffenheit ausgelöste und durch das Auge vermittelte Sinnesempfindung, d.h. Farbe ist die Kurz-Bezeichnung für eine derartig hervorgerufene Farbempfindung. Sie ist als Sinnesempfindung keine physikalische Eigenschaft der Dinge (d.h. der auslösenden Lichtstrahlung oder des Gegenstandes, von dem eine solche Strahlung ausgeht) sondern das Ergebnis einer von der räumlichen Zuordnung losgelösten Strahlungsbewertung durch den Gesichtssinn und daher physikalischen Messungen nicht direkt zugänglich“ [Broc97]. Die Farbempfindung wird durch den auf der Netzhaut auftreffenden physikalischen Farbreiz hervorgerufen. Als Farbreiz bezeichnet man die ins Auge einfallenden sichtbaren elektromagnetischen Wellen. Der sichtbare Bereich der liegt zwischen 380 nm und 780 nm. Durch die Farbreizfunktion ϕ(λ) wird die spektrale Verteilung des Farbreizes bestimmt. Diese ist sowohl abhängig von den Remissions- und Absorptionseigenschaften des Gegenstandes als auch von der den Gegenstand beleuchtenden Lichtquelle. Ein und dasselbe T-Shirt ruft daher in der Beleuchtung des Ladens und bei Tagesslicht unterschiedliche Farbempfindungen hervor, d.h. der auf der Netzhaut auftreffende Farbreiz ist jeweils ein anderer [Lang95, Küpp92]. Die Farbreizfunktion wird je nach Medium unterschiedlich gebildet. Es wird unterschieden zwischen Körperfarben8 und Lichtfarben9 [Lang95, Rich81]. Computerbildschirme sind Primärstrahler, da das Licht für die Bildwiedergabe, und damit der Farbreiz, im Gerät selbst erzeugt wird. Daher handelt es sich bei den Farben des Computerbildschirmes um Lichtfarben; Körperfarben kommen bei der Farbwahrnehmung von Webseiten nicht zum Tragen. Der Farbreiz von Lichtfarben ist gleich der Strahlungsfunktion des Primärstrahlers. Die oben zitierten Definitionen des Begriffes Farbe schließen beide sowohl die bunten also auch die unbunten Farben mit ein. Als unbunte Farben werden alle Grauabstufungen einschließlich Weiß und Schwarz bezeichnet. Somit ruft eine veränderte Helligkeit eine andere Farbempfindung hervor.

3.2 Prozesse der Farbwahrnehmung im visuellen System

Zum Verständnis der Farbenlehre sind Kenntnisse der physiologischen und sinnespsychologischen Vorgänge der Farbwahrnehmung sehr hilfreich. In diesem Kapitel werden die Grundzüge der Funktionsweise des visuellen Systems erläutert; der Schwerpunkt hierbei liegt auf physiologischen Gegebenheiten und Vorgängen, die das Farbensehen betreffen [Lang95, Küpp92, Rich81].

Wie schon im vorangehenden Kapitel kurz erläutert, beruht die Farbwahrnehmung auf einem Farbreiz, der durch die Pupille in das Auge eintritt und dort auf die Netzhaut, auch Retina genannt, auftritt.

Abbildung 3.1. zeigt den horizontalen Querschnitt durch ein menschliches Auge. Durch das optische System des Auges, bestehend aus gekrümmter Hornhaut und Linse, treffen die Lichtstrahlen auf der Netzhaut auf, wobei die betrachteten Gegenstände auf der Netzhaut abgebildet werden. Auf der Außenseite der Netzhaut, die der Richtung des Lichteinfalls abgewandt ist, befinden sich lichtempfindliche Sinneszellen, so genannte Photorezeptoren. Diese werden anatomisch in Stäbchen und Zapfen unterschieden. Verantwortlich für das Tagessehen (photopisches Sehen) und damit auch für das Farbensehen sind die Zapfen. Die Aktivität der Zapfen beginnt erst ab einer bestimmten Leuchtdichte der Umgebung. Die Stäbchen hingegen sind lichtempfindlicher und zuständig für das Dämmerungs- und Nachtsehen (skotopisches Sehen), können jedoch keine Farbinformationen verarbeiten, sondern ausschließlich Hell-Dunkel-Unterscheidungen treffen. Ab einer bestimmten Leuchtdichte sind die Stäbchen inaktiv und haben daher keinen Einfluss auf die Farbwahrnehmung des photopischen Sehens. Daher wird auf eine genaue Betrachtung ihrer Funktionsweise an dieser Stelle verzichtet (vgl. [Lang95, Rich81]).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3.1: Querschnitt durch ein menschliches Auge. Quelle: [Gall].

Die meisten Zapfen befinden sich in der Fovea centralis, der Stelle des deutlichsten Sehens. Dort gibt es keine Stäbchen, die ansonsten in einer höheren Konzentration im Auge vorhanden sind. Die Innenseite der Netzhaut wird von Ganglienzellen bedeckt, die für die weitere Reizverarbeitung von Bedeutung sind. (vgl. S.19, Zonentheorie). Die Nervenfasern der Ganglienzellen laufen an einer Stelle der Netzhaut im sogenannten blinden Fleck zusammen und bilden den Sehnerv. Dieser verbindet das Auge mit dem Gehirn. Der blinde Fleck enthält keine Photorezeptoren [Lang95, Küpp92, Rich81]. In Abbildung 3.2. ist ein schematisierter Querschnitt durch die Netzhaut dargestellt. Wie bereits erwähnt, sind die Zapfen für das Farbensehen verantwortlich. Nach der Young-Helmholtzschen Dreikomponententheorie gibt es drei verschiedene Arten von Zapfen mit unterschiedlicher spektraler Empfindlichkeit. Schon im 18. Jahrhundert stellte der englische Arzt und Physiker Thomas Young die Hypothese auf, dass „die Dreidimensionalität [der Farbwahrnehmung] nicht in der Natur des Lichts, sondern im Aufbau des Sehorgans begründet ist“ [Lang95 S.140]. Diese Hypothese konnte um 1870 von dem Physiker James Clerk Maxwell und dem Physiologen und Physiker Hermann von Helmholtz bestätigt werden [Lang95, Rich81]. Dies führte zu der heute als wissenschaftlich abgesichert geltenden Dreikomponententheorie, die als Grundstock für das Verständnis der Farbwahrnehmung gilt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3.2: Querschnitt durch die Netzhaut. Quelle: [Psyc].

Der Farbreiz, der auf die Netzhaut auftrifft, wird durch die Farbreizfunktion ϕ(λ) bestimmt. Dieser wird von den Zapfen absorbiert und in neuronale Erregung umgewandelt. Die Intensität der Erregung ist abhängig von der Menge des in den jeweiligen Rezeptoren absorbierten Lichtes. Das Verhältnis der Erregung der Rezeptoren bestimmt den Farbeindruck. Die Grundspektralwertkurven in Abbildung 3.3. zeigen die spektrale Empfindlichkeit der drei Zapfenarten des trichromatischen10 Auges. Etwa 64 % aller Farbrezeptoren sind empfindlich für den roten, etwa 32 % für den grünen und nur etwa 2% für den blauen Wellenlängenbereich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3.3: Grundspektralwertkurven. Quelle: [Lang95 S.141]

Dennoch lassen sich nicht alle Phänomene der Farbwahrnehmung über die Dreikomponententheorie, deren Prozesse auf der Zellebene stattfinden, erläutern. So ist die Empfindung der unbunten Farben „sehr deutlich durch das Fehlen einer bestimmten Qualität, nämlich der Buntheit, gekennzeichnet. Nach der Dreikomponententheorie sind die unbunten Farben jedoch nur quantitativ durch ein bestimmtes Verhältnisse der drei Erregungsarten von den bunten Farben unterschieden“ [Lang95 S. 143] Weiterhin erscheinen uns die Farben Rot, Gelb, Grün und Blau „als besonders rein und unvermischt“ [Lang95 S. 143], andere Farben enthalten dagegen aus der Sicht des trichromatisch sehenden Menschen immer Anteile von zwei dieser reinen Farben. Der Physiologe Ewald Hering benannte diese vier reinen Farben als Urfarben. Sie sind die Grundlage der von ihm im Jahre 1872 entwickelten Gegenfarbentheorie.

„Je zwei Urfarben, nämlich Rot und Grün bzw. Blau und Gelb bilden ein Paar von Gegenfarben, deren Anteile nie gleichzeitig in einer Farbe enthalten sein können. So ist ein Orange gleichzeitig rötlich und gelblich oder ein Cyan gleichzeitig bläulich und grünlich, aber keine Farbe kann gleichzeitig bläulich und gelblich oder gleichzeitig rötlich und grünlich aussehen“ [Lang95 S. 143].

Nach Hering verlaufen bei der Farbwahrnehmung im visuellen System zur gleichen Zeit drei gegenläufige Prozesse, ein Hell-Dunkel-Prozess, ein Rot-Grün-Prozess und ein Gelb-Blau-Prozess. Die Farbempfindung kommt dabei durch den Auf- und Abbau dreier verschiedener Sehsubstanzen zustande.

Die Gegenfarbentheorie und die Dreikomponententheorie sorgten lange Zeit für Streitigkeiten unter Farbwissenschaftlern, da sie nicht miteinander vereinbar schienen. Heute jedoch gelten beide Theorien als bestätigt und werden unter anderem in der Zonentheorie nach Johannes von Kries [Rich81, Lang95] zusammengefasst. Diese Theorie wurde später von verschiedenen Forschern wieder aufgegriffen. Hierzu zählen unter anderen Müller, Hurvich und Jameson (in [Rich81]). Nach Kries laufen die beiden Prozesse auf verschiedenen Ebenen der visuellen Reizverarbeitung ab. So kann mit der Gegenfarbentheorie die zweite Stufe der Reizverarbeitung im visuellen System erklärt werden. In den höheren Zentren der Sehbahn befinden sich rezeptive Felder, die bei Erregung durch rotes und grünes bzw. Erregung durch gelbes und blaues Licht einen gegensätzlichen Erregungseffekt auslösen. Abbildung 3.4 zeigt eine schematische Darstellung der Reizverarbeitung in der Netzhaut entsprechend der Zonentheorie.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3.4: Zonentheorie. Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an [Lang95 S.151]

Aus der Erregung der drei Zapfentypen werden in den Ganglienzellen Summen- und Differenzensignale entsprechend der Gegenfarbentheorie gebildet. Über die Bildung einer Summe entsteht das Helligkeitssignal, die Differenzensignale ergeben die Gegenfarbensignale nach Hering. Helligkeits- und Farbinformationen werden im visuellen System demnach getrennt verarbeitet.

Besonderheiten der Farbwahrnehmung

Im Folgenden sind einige Besonderheiten der Farbwahrnehmung dargestellt, die bei der Farbgestaltung von Webseiten zu berücksichtigen sind. Eine detaillierte Ausführung der Prozesse, die diesen Besonderheiten zu Grunde liegen, würde über den Rahmen dieser Arbeit hinausgehen, da diese für die Fragestellung nicht von Bedeutung sind.

Zum einen gibt es das Phänomen, dass derselbe Farbreiz unterschiedliche Farbempfindungen auslösen kann. Dies kann im Bereich der Farbwahrnehmung über einen Computerbildschirm aufgrund eines Sukzessiv- oder Simultankontrastes der Fall sein [Lang95 S.20f].11 Der Sukzessivkontrast beschreibt die Bildung von Nachbildern im Auge, die Farbempfindung unterliegt einer zeitlichen Änderung. Das bedeutet, dass nach längerer Betrachtung einer bunten Fläche im Auge eine Veränderung auftritt und so ein Nachbild in der Gegenfarbe der betrachteten Fläche entsteht. Dieses Nachbild verschwindet nach einer gewissen Zeit wieder. Ähnliches passiert beim Simultankontrast, jedoch liegt hier eine örtliche Änderung der Farbempfindung vor. So erscheint beispielsweise ein grauer Kreis inmitten einer grünen Fläche rötlich, er nimmt also für den Betrachter die Gegenfarbe an. Der Simultankontrast gewinnt bei der Farbgestaltung am Bildschirm sehr stark an Bedeutung, weil er die Wahrnehmung der Farbkombinationen beeinflussen kann.

Neben diesen Phänomenen können zum anderen auch verschiedene Farbreize gleiche Farbempfindungen auslösen. Dies ist auf die chromatische Adaption oder Farbstimmung des Auges zurückzuführen [Lang95 S.22]. Das Auge stellt sich dabei mit der Zeit auf die umgebende Beleuchtung ein. Eine farbige Fläche sieht so auch in unterschiedlichen Beleuchtungen gleich aus, wenn das Auge ausreichend Zeit zur Umstimmung hatte.

3.3 Technische Grundlagen

Die Farbgestaltung einer Webseite kann auf verschiedenen Monitoren unterschiedliche Farbeindrücke hervorrufen. Dies kann unterschiedliche Gründe haben. Tabelle 3.1 zeigt einen Überblick über die verschiedenen Faktoren, die Einfluss auf den Farbeindruck haben können.

Zum Verständnis der in Tabelle aufgeführten Faktoren sind fundierte technische Kenntnisse im Bereich der Farbmetrik und Kenntnisse der Funktionsweise von Monitoren notwendig. Daher sollen im Folgenden zunächst die grundlegenden Begriffe der Farbmetrik aufgeführt und Zusammenhänge erläutert werden, die für das Verständnis der Farbwiedergabe an Computerbildschirmen notwendig sind.

Weiterhin werden verschiedene Faktoren erläutert, welche aus technischer Sicht die Farbwiedergabe und den Farbeindruck von Darstellungen an Computermonitoren beeinflussen können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3.1: Faktoren, die den Farbeindruck beeinflussen. Quelle: [ENIS8 S.3].

Da dieses Kapitel ausschließlich auf technischen Fakten basiert, welche zum Allgemeingut gehören, wird hier auf Zitate vieler verschiedener Autoren verzichtet. Als Referenz sind im Textfluss Bücher genannt, welche die Gesamtzusammenhänge darstellen.

3.3.1 Farbmetrik

Die Farbmetrik befasst sich mit der Einordnung von Farben in ein Maßsystem. Eine zahlenbasierte Benennung von Farben bietet Objektivität und erleichtert so die Vergleichbarkeit und verhindert Missverständnisse, die bei der ausschließlichen Verwendung von Farbnamen auftreten können. Die niedere Farbmetrik, auch Farbvalenzmetrik genannt, ist eine psychophysische Wissenschaft und befasst sich mit der Herstellung eines Zusammenhanges „zwischen dem physikalischen Farbreiz einerseits und der Farbempfindung andererseits“ [Lang95 S.31]. Sie dient der quantitativen Farbfestlegung. Die Farbvalenzmetrik ist, wie der Name schon sagt, auf dem Begriff der Farbvalenz aufgebaut. Eine Farbvalenz ist eine metrische Größe und bezeichnet Farbreize, die gleiche Farbempfindungen hervorrufen. Die Farbempfindung wird „mit qualitativen Begriffen wie Helligkeit, Buntton, Buntheit oder Sättigung beschrieben“ [Lang95 S. 14].

Die höhere Farbmetrik oder Farbempfindungsmetrik mit der empfindungsgemäßen Beschreibung von Farbabständen. Dabei verwendete Größen werden psychometrische Größen genannt [Lang95, Rich81].

3.3.1.1 Begriffsdefinitionen

Für eine wissenschaftliche Erörterung des Themas Farbe ist eine genaue Abgrenzung der Begrifflichkeiten unabdingbar. Nachstehend sind einige Begriffe definiert, die für das Verständnis des Folgenden notwendig sind.

- Buntheit: „Kennzeichnung für den Grad der Farbigkeit unter Berücksichtigung der Helligkeit“ [Schl93 S.173].
- Buntton: Der Buntton kennzeichnet die Art der Buntheit einer Farbe. Früher wurde hier der Begriff Farbton verwendet.
- Farbart: „Farbvalenzen, die sich nur durch ihre Leuchtdichte unterscheiden, haben gleiche Farbart“ [Lang95 S.85]. Bei Farben gleicher Farbart stimmen Buntton und Sättigung überein.
- Farbtemperatur: Stimmt die Farbvalenz eines technischen Strahlers mit der Farbvalenz des schwarzen Strahlers bei einer bestimmten Temperatur Tf überein, so hat er die Farbtemperatur Tf, angegeben in Kelvin.
- Farbvalenz: Farbreize, die unter bestimmten Bedingungen12 gleiche Farbempfindungen auslösen, sind metamer13 [Lang95]. Eine Klasse metamerer Farbreize wird als Farbvalenz bezeichnet. Die Farbvalenz ist eine dreidimensionale Größe, die durch drei Maßzahlen oder Ortsvektoren im Raum dargestellt werden kann [Rich81].
- Helligkeit: Kennzeichnung für die Stärke einer Lichtempfindung oder die Stärke der Lichtempfindung einer Körperfarbe [Schl93].
- Leuchtdichte: Maß für die Helligkeit eines Selbstleuchters [Schl93].
- Sättigung: Kennzeichnung für den Grad der Farbigkeit unabhängig von der Helligkeit [Schl93].

3.3.1.2 Additive Mischung

Unter Farbmischung versteht man alle Prozesse der Farbreproduktion. Grob unterteilt gehört hierzu die Mischung von Pigmenten sowie die Mischung von Lichtern. Nach der Definition von Farbe entsprechend Abschnitt 3.1 ist Farbe eine Gesichtsempfindung. Farbmischung ist streng genommen also eine Mischung verschiedener Farbreize; die eigentliche Farbmischung findet in der Empfindung statt [Lang95, Rich81]. In dieser Arbeit wird daher nicht der Begriff Farbmischung verwendet, sondern statt dessen wissenschaftlich korrekt zwischen subtraktiver und additiver Mischung unterschieden. Sowohl bei der additiven als auch bei der subtraktiven Mischung lassen sich mit drei Grundfarben theoretisch alle möglichen Bunttöne ermischen. Die tatsächlich ermischbaren Bunttöne sind abhängig von der Art der Grundfarben (vgl. innere und äußere Mischung, S.27f). Die Mischung von Pigmenten oder anderen Farbmitteln wird als subtraktive Mischung bezeichnet. Diese ist jedoch für die Farbwiedergabe am Bildschirm nicht von Bedeutung, daher wird auf eine Beschreibung der Prozesse der subtraktiven Mischung an dieser Stelle verzichtet. Die Farbreproduktion am Bildschirm geschieht über die additive Mischung von Lichtern.

Bei der additiven Mischung wirken verschiedene Farbreize gleichzeitig oder in raschem periodischem Wechsel14 auf die gleiche Netzhautstelle oder auf eng benachbarte Teile der Netzhaut15 ein [Rich81]. Die technische Realisierung additiver Mischungen bei Farbbildschirmen wird zu einem späteren Zeitpunkt behandelt. In diesem Kapitel werden farbmetrische Zusammenhänge beleuchtet. Die Farbvalenz bestimmt das Verhalten eines Farbreizes in der additiven Mischung mit anderen Farbreizen. Jede Farbvalenz wird durch drei Farbwerte gekennzeichnet, die das Verhältnis der drei zur Nachmischung der Farbe verwendeten Grundfarben bestimmen. Die Grundfarben der additiven Mischung werden Primärvalenzen genannt. Als additive Primärvalenzen für die Anwendung in Farbbildschirmen

werden, entsprechend der spektralen Empfindlichkeit der Zapfen, die Farben Rot (R), Grün (G) und Blau (B) verwendet.

Eine vektorielle Darstellung der Farbvalenzen im Farbraum soll die additive Mischung veranschaulichen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3.5: R-G-B-Würfel. Quelle: Eigene Darstellung.

Die Darstellung der Primärvalenzen als Vektoren ergibt einen Würfel. Jeder Punkt in diesem Würfel entspricht dem Endpunkt eines Vektors. Die Farbvalenzen F werden in diesem Farbraum als Endpunkte der Vektoren dargestellt. Die Vektorlänge wird durch Multiplikation mit dem Farbwert bestimmt. Für die Farbvalenz F ergibt sich demnach folgende Vektorgleichung, die als Farbgleichung bezeichnet wird:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

R, G und B bezeichnen die Farbwerte, die den absoluten Anteil der Primärvalenzen in der Mischung angeben. Die Bedingung für die Wahl der Primärvalenzen R, G und B ist, dass keine aus den anderen beiden ermischbar sein soll, dass heißt, sie müssen voneinander unabhängig sein. Ist diese Bedingung für drei Primärvalenzen erfüllt, so ergibt sich ein Primärvalenzsystem. In jedem beliebigen Primärvalenzsystem resultiert aus einer additiven Mischung mit R = G = B = 1 die Farbe Weiß.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3.6: Additive Mischung. Quelle: Eigene Darstellung

Im Inneren und auf der Oberfläche des R-G-B-Würfels (Abb. 3.5) liegen alle Farbvalenzen, die additiv durch innere Mischung ermischt werden können [Lang95]. Man spricht von innerer Mischung, wenn die Farbgleichung ausschließlich positive Farbwerte enthält. Die ä u ß ere Mischung kann auch negative Farbwerte enthalten. Die Realisierung einer Farbgleichung lässt sich jedoch nur durch Umstellen derselben erreichen, um so wieder mit positiven Werten arbeiten zu können. Somit lässt sich zwar mit der äußeren Mischung eine Farbgleichheit herstellen, jedoch sind Farbvalenzen, die nur durch äußere Mischung darstellbar sind, technisch nicht realisierbar.

Abschließend sollen die drei Graßmannschen Gesetze, welche der additiven Mischung und somit auch der Farbreproduktion von Farbbildschirmen zugrunde liegen, kurz aufgeführt werden:

1. „Zwischen je vier Farbvalenzen besteht immer eine eindeutige lineare Beziehung“ [Rich81 S.28]. Dies bedeutet, dass jede Farbvalenz aus drei Primärvalenzen durch innere oder äußere Mischung ermischbar ist.
2. „Für das Ergebnis einer additiven Farbmischung ist ausschließlich das Aussehen der Komponenten maßgebend, nicht ihre [spektrale] Zusammensetzung“ [Rich81 S.31]. Dies besagt, dass für das Ergebnis der Mischung die Farbvalenz ausschlaggebend ist, nicht der Farbreiz. Jeder Farbreiz einer additiven Mischung kann durch einen metameren Farbreiz ersetzt werden.
3. „Ändert sich eine Komponente in einer additiven Mischung stetig, so ändert sich auch die Mischfarbe stetig“ [Lang95 S.82].

Insbesondere das zweite Graßmannsche Gesetz ist von großer praktischer Bedeutung für die Farbwiedergabe von Computerbildschirmen. In der Regel unterscheiden sich die Farbreizfunktionen von Primärvalenzen unterschiedlicher Farbbildschirme, da zur Farbwiedergabe unterschiedliche Leuchtmittel16 verwendet werden, deren Strahlungsfunktionen S(λ) nicht identisch sind. Sind die Farbreizfunktionen der verschiedenen Primärvalenzen jedoch metamer, so lassen sich als Ergebnis der additiven Mischung gleiche Farbvalenzen erzielen.

3.3.1.3 Das Normvalenzsystem

Da eine räumliche Darstellung von Farbvalenzen in der Praxis schwierig ist, wird meist eine ebene Darstellungsweise unter Vernachlässigung der Helligkeit verwendet. Als eine internationale Norm gilt hier die CIE17 -Normfarbtafel (Abb. 3.7). Jeder Punkt der Farbtafel, ein sogenannter Farbort, kennzeichnet jeweils eine Farbart. Die Normfarbtafel ist Bestandteil des international vereinbarten Normvalenzsystems der CIE aus dem Jahre 1931, das als farbmetrisches Bezugssystem verstanden werden kann.

Das Normvalenzsystem beruht auf einer linearen Transformation des im Folgenden definierten Primärvalenzsystems. Nachstehend ist die Entwicklung des Normvalenzsystems aufgezeigt.

Die Farbwerte der Spektralfarben18 werden als Spektralwerte bezeichnet. Zur Bestimmung der Spektralwerte wurden 1931 von der CIE drei spektrale Farbreize mit folgenden Wellenlängen als Primärvalenzen definiert [Lang95 S.88]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3.7: CIE-Farbtafel mit den Primärvalenzen. Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an [Küpp92 S. 104].

17 Versuchspersonen sollten die Spektralfarben unter Verwendung dieser Primärvalenzen nachmischen. Aus den so bestimmten Spektralwerten wurden die Spektralwertkurven ermittelt Die Mittelwerte der Spektralwertkurven werden als repräsentativ für alle farbnormalsichtigen Menschen betrachtet und beschreiben den farbmetrischen 2°-Normalbeobachter19 193120 [Lang95]. Da das Thema der Messtechnik nicht Bestandteil meiner Arbeit ist, werde ich auf die genaue Durchführung der Messungen nicht weiter eingehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3.8: Spektralwertkurven. Quelle: [Lang95 S.90]

Aus den Spektralwertkurven lassen sich die Farbvalenzen der Spektralfarben ablesen. „Die Spektralwertkurven beschreiben […] die Fähigkeit unseres Auges, der physikalischen Strahlung, dem Farbreiz ϕ(λ), eine Farbvalenz zuzuordnen“ [Rich81 S.66]. Spektralwertkurven sind immer abhängig von der Wahl der Primärvalenzen. Die negativen Spektralwerte (Abb. 3.8) zeigen an, dass sich mit den gewählten Primärvalenzen nicht alle Spektralfarben durch innere Mischung erzeugen lassen. Eine Darstellung der Farbörter der Primärvalenzen in der Farbtafel (Abb. 3.7) verdeutlicht dies. Dass ein Großteil der Spektralfarben nur durch äußere Mischung zu erreichen ist, zeigt sich daran, dass einige Farbörter21 der Spektralfarben außerhalb des Primärvalenzdreiecks liegen. Verbindet man die Farbörter der Spektralfarben, so erhält man den Spektralfarbenzug. Das Verbindungsstück des kurz- mit dem langwelligen Ende ist die Purpurgerade. „Auf ihr liegen alle Mischungen aus den roten und blauvioletten Endfarben des Spektrums. Sie kommen als Farbtöne im Spektrum nicht vor“ [Lang95 S.94]. Alle Farbörter innerhalb des Spektralfarbenzuges und der Purpurgeraden sind reell darstellbar.

In keinem Primärvalenzsystem mit reellen Primärvalenzen sind alle Farben in innerer Mischung enthalten. Das Normvalenzsystem verwendet daher die virtuellen Normvalenzen X, Y und Z, um eine Darstellung aller Farben in innerer Mischung zu erreichen. Die Berechnung der Farbörter der virtuellen Normvalenzen erfolgt über eine lineare Transformation der Primärvalenzen R, G und B [Rich81 S.73]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auch zur Errechnung der Normspektralwertkurven x ( λ ), y ( λ ) und z ( λ ) (Abb. 3.9), die keine negativen Normfarbwertanteile enthalten, gelten die Umrechnungsformeln aus (3.2). Für die Normfarbwertanteile gilt, analog zu den Farbwertanteilen anderer Primärvalenzen, x + y + z = 1.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3.9: Normspektralwertkurven. Quelle: [Lang95 S.117]

Neben der Bedingung, dass alle Farben in innerer Mischung in dem Farbdreieck der Normvalenzen enthalten sein sollen, wird die Wahl der Normvalenzen noch durch zwei weitere Kriterien bestimmt. So stimmt die Normspektralwertkurve y (λ) mit der Hellempfindlichkeitskurve V(λ) des Menschen überein. Folglich ist in dem Farbwert Y die Helligkeitsinformation der Farbvalenz enthalten. Das dritte Kriterium bezieht sich auf die Darstellung in der CIE-Normfarbtafel (Abb. 3.7). Der Unbuntpunkt U ist durch drei gleiche Normfarbwerte bestimmt, der Farbort ist also durch x = y = z = 1/3 gegeben [Lang95, Rich81].

Als Folge der virtuellen Normvalenzen liegt der Spektralfarbenzug nun innerhalb des Dreiecks der Normvalenzen. Ausgehend von dem Normvalenzsystem können nun alle Farbvalenzen durch Normvalenzen international einheitlich dargestellt werden.

3.3.1.4 CIELUV-Farbenraum

Die bisher beschriebenen Systeme dienen zur Kennzeichnung von Farbvalenzen, Aussagen über empfindungsgemäße Farbabstände können jedoch nicht getroffen werden. In diesem Abschnitt wird daher in Grundzügen auf ein empfindungsgemäßes Farbsystem eingegangen, welches vorwiegend für die Angabe von Farbabständen bei Selbstleuchtern (z.B. Monitoren) verwendet wird.

Durch eine projektive Transformation der Normfarbtafel ergibt sich die annähernd empfindungsgemäße UCS-Farbtafel CIE 1976 (Abb. 3.10), in der als Koordinaten u’ und v’ verwendet werden [Lang95, Rich81, ENIS8]. Die Koordinaten errechnen sich wie folgt aus den Normfarbwerten bzw. -farbwertanteilen [DIN5033]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3.10: UCS-Farbtafel. Quelle: [Lang95 S.159]

Ein „angenähert empfindungsgemäß gleichabständiger dreidimensionaler Farbenraum“ [ENIS8] ist der CIELUV-Farbenraum, welcher in [ENIS8] angeführt ist. Eine Verknüpfung der UCS-Farbtafel mit der psychometrischen Helligkeitsfunktion L* führt auf diesen Farbenraum. Damit ergibt sich die Möglichkeit der farbmetrischen Darstellung von Farbabständen beliebiger Farben, denn die Unterscheidbarkeit von Farbpaaren hängt sowohl von Farbton- als auch von Leuchtdichteunterschieden ab. Die Koordinaten L*, u* und v* lassen sich folgendermaßen aus den Normfarbwerten berechnen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Größen uw’ und vw’ geben die Farbart, Yw die Leuchtdichte des Referenzweiß an.

Die Farbebene, die durch u* und v* dargestellt wird, ist orthogonal zur Helligkeitsachse L*. Unterschiede zweier Farbpaare in der u*-Dimension lassen qualitativ auf einen Rot-Grün-Unterschied schließen, Unterschiede in der v*Dimension auf einen Blau-Gelb-Unterschied.

Weiterhin können folgende Größen errechnet werden.

Die psychometrische Buntheit C*uv stellt die Entfernung der Farbe von Unbunt dar.

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Die psychometrische Sättigung suv gibt den Abstand des Farbortes vom Unbuntpunkt in der Farbtafel an.

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Der uv-Buntton-Winkel huv definiert den Buntton.

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Farbabstand zwischen zwei Farben.

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Diese Größen ermöglichen eine Angabe von Maßzahlen, die der empfindungsgemäßen Beurteilung von Farbeindrücken eher entspricht, als die Angabe dreidimensionaler Farbvalenzen [Lang95, Rich81, ENIS8]. Für eine tiefergehende Darstellung des CIELUV-Farbsystems siehe [Lang95, Rich81].

An dieser Stelle sei noch ein weiteres, im Screen-Design weit verbreitetes System, das HSV-Farbsystem, erwähnt. Farben werden durch Angabe von Farbton (Hue), Sättigung (Saturation) und Helligkeit (Value) gekennzeichnet.

[...]


1 Für die Farbkodierung dient die Farbe als Informationsträger (vgl. Abschnitt 3.4).

2 Benutzerfreundlichkeit von User Interfaces (vgl. Begriffsdefinition 2.1).

3 User Interface ist der englische Begriff für Benutzungsschnittstelle, d.h. der Schnittstelle zwischen Mensch und Computer. Webseiten werden auch als Graphical User Interfaces (GUI) oder grafische Benutzungsoberflächen bezeichnet.

4 engl. für Mensch-Maschine-Kommunikation.

5 Es wird angenommen, dass bei jeder Wahrnehmung und jeder Handlung unter anderem eine Bewertungskomponente in unterschiedlichen Gedächtnissen (perzeptives, kognitiv-explizites, emotionales und prozedural-implizites Gedächtnis) abgelegt wird [Sond04].

6 Die Messungen wurden teilweise anhand des MDBF [Stey97] durchgeführt. Grundlage ist hierbei eine Unterteilung der Stimmung in drei Stimmungsdimensionen. Eine dieser Stimmungsdimensionen ist die Aktivierungsdimension, deren Messung über eine Wachheits- / Müdigkeitsskala vollzogen wird.

7 Neben der Messung anhand des MDBF wurden die psychischen Zustände der Teilnehmer mit den Skalen des BMS [PlRi84] gemessen. Kurze Erläuterung der Skalen: „ Psychische Ermüdung (B) entsteht durch zeitlich anhaltende Forderungen des Leistungsvoraussetzungen. Sie geht mit dem Erleben von Erschöpfung und Müdigkeit ohne Langeweile einher. [...] Monotonie (M) tritt v.a. als Folge einförmiger Arbeit auf, die Aufmerksamkeit erfordert, ohne eine sachbezogene geistige Auseinandersetzung mit der Aufgabe zu erlauben. [...] Psychische Sättigung (S) wird durch das Erlebnis fehlender Sinnhaftigkeit bei gleichzeitiger Bereitschaft zur Aufgabenrealisierung ausgelöst. Erlebt wird unlustbezogene Gereiztheit und Widerwillen.“ [Laug01 S.134].

8 Der Farbreiz von Sekundärstrahlern wird als Körperfarbe bezeichnet. Dieser wird bestimmt durch die Beschaffenheit des Materials und durch die Beleuchtung.

9 Der Farbreiz von Primärstrahlern (Selbstleuchtern) wird als Lichtfarbe bezeichnet.

10 Bei dem trichromatischen Auge handelt es sich um ein Auge ohne Farbenfehlsichtigkeit. Alle drei Zapfenarten sind voll funktionsfähig.

11 Das Phänomen der farbigen Schatten kann bei Computerbildschirmen nicht auftreten, da hier keine Schattenbildung möglich ist. Die Farbempfindung wird ausgelöst durch den Computerbildschirm als Selbstleuchter (vgl. [Lang95]).

12 Die Bedingungen für einen Farbvergleich finden sich in der Definition des Begriffes Farbe der DIN 5033, Teil 1 (vgl. Abschnitt 3.1).

13 1. Graßmannsches Gesetz, vgl. Abschnitt 3.3.1.2.

14 Die Frequenz muss mindestens 25 Hz betragen. Ab 25 Hz ist das Auge aufgrund des zeitlich begrenzten Auflösungsvermögens nicht mehr in der Lage, Einzelbilder oder Punkte zu unterscheiden.

15 Ausnutzung des begrenzten örtlichen Auflösungsvermögens des Auges.

16 z.B. EBU-Phospore bei Farbfernsehern nach europäischer Norm.

17 Commission Internationale d’Eclairage = Internationale Beleuchtungskommission.

18 Die Farbreizfunktionen von Spektralfarben sind monochromatische Strahlungen.

19 Messungen mit einem Gesichtsfeld von 2°. Das Gesichtsfeld beschreibt den Blickwinkel des Betrachters bei der Betrachtung des Reizmaterials.

20 1964 wurden neue Messungen mit dem 10°-Normalbeobachter vorgenommen, die den Einfluss des gelben Pigments in der Fovea Centralis mindern sollten. Um eine Beeinflussung der Messungen durch die Aktivität der Stäbchen außerhalb der Fovea Centralis auszuschließen, muss bei den Messungen eine Mindestleuchtdichte gewährleistet sein [Lang95].

21 Wie in der Geometrie spricht man auch in der Farbmetrik von Örtern als Plural von Ort.

Details

Seiten
141
Jahr
2004
ISBN (Buch)
9783656898931
Dateigröße
3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v29052
Institution / Hochschule
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg – Fachbereich Medientechnik
Note
1,0
Schlagworte
Globales Einfluss Unterschiede Farbgestaltung Benutzbarkeit

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Titel: Globales Web. Einfluss kultureller Unterschiede in der Farbgestaltung auf die Benutzbarkeit