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Die Nachfolgepolitik des Augustus am Beispiel des Tiberius

Seminararbeit 2003 15 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhalt:

I Einleitung

II Tiberius´ Werdegang bis hin zur Übernahme des Prinzipats
II.1. Die Jugend bis hin zur Scheidung von Agrippina
II.2. Die unglückliche Ehe mit Iulia und das freiwillige Selbstexil auf Rhodos
II.3. Die Rückkehr nach Rom und die anschließende Adoption durch Augustus
II.4. Die Amtsübernahme nach dem Tod des Augustus

III Augustus´ Einfluss durch die erzwungene Eheschließung mit Iulia

IV Eine Wertung der Persönlichkeit des zweiten Prinzeps

V Tiberius´ Regentschaft im Vergleich mit Augustus

VI Die Quellenlage

VII Zusammenfassung

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Bei einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den Charaktereigenschaften des Tiberius, seinem Wirken als zweiter Prinzeps und Nachfolger des Augustus und nicht zuletzt mit der Art und Weise, wie er von seinem Stiefvater als Nachfolger bestimmt und verstanden wurde, ist nicht zu übersehen, dass sich das Tiberius-Bild in der Wissenschaft in den letzten hundert Jahren gewandelt hat. Die Zeiten der Schwarz-Weiß-Malerei, was seine politische Rolle und seine Psyche anbelangt, sind längst vorüber. Tiberius wurde, dies sei angemerkt, zumeist als heuchlerischer und böswilliger Despot hingestellt[1], Hermann Schiller und Theodor Mommsen hingegen kommen zu einer äußerst positiven Beurteilung seiner Person[2]. Die neuere Forschungsliteratur, an dieser Stelle sei insbesondere auf Ernst Kornemanns Tiberius-Biographie und eine weitere Biographie des israelischen Historikers Zvi Yavetz hingewiesen, differenziert auf der einen Seite zwischen dem Bild des Tiberius als Opfer einer augusteischen Nachfolgepolitik, die ihn unwillkürlich als Notlösung aus Gründen der Staatsraison verstand, einem zutiefst gespaltenen Charakter und seinen unzweifelhaft vorhandenen Talenten im Bereich der Diplomatie, der militärischen Führung und der Administration. In der vorliegenden Arbeit will ich versuchen, Fragen zum jahrelangen Ausschauhalten des Augustus nach einem geeigneten Nachfolger, zur Art und Weise, wie diese Nachfolgepolitik in Bezug auf Zwangsvermählungen und -adoptionen betrieben wurde, und nicht zuletzt zum widerspenstigen, bisweilen grotesk anmutenden tiberischen Charakters aufzuwerfen, und diese anhand von Quellen und Sekundärliteratur zu beantworten. Mein Hauptaugenmerk gilt dabei ebenso dem Verhältnis des Tiberius zu seinen Anverwandten und zu Augustus selber, auch sollen seine charakterlichen Merkmale, die in der modernen Forschung immer mehr Bedeutung finden, zur Sprache kommen. Weniger im Mittelpunkt soll dabei die eigentliche Regierungszeit stehen, geprägt von der Affäre um den Prätorianerpräfekten Seian, der durch Intrigen zum zweiten Mann im Staat aufstieg, sowie durch Majestätsprozesse und die Nesiarchie des Regenten von Capri aus. Zur Quellenlage, auf die ich im Laufe der Arbeit in einem eigenen Kapitel noch näher eingehen werde, ist zu sagen, dass Leben und Eigenheiten des Tiberius insbesondere in den Kaiserbiographien des Sueton und in den Annalen des Tacitus beschrieben werden, in der Ausführung oft überzogen, gehässig und gekennzeichnet von politischen oder persönlichen Animositäten[3], während Velleius Paterculus, selbst Offizier unter Tiberius, in seinem Geschichtswerk in seiner Ergebenheit und Anbiederung ein wohl weit übertrieben positives Tiberius-Bild projiziert.

II. Tiberius´ Werdegang bis hin zur Übernahme des Prinzipats

II.1. Die Jugend bis hin zur Scheidung von Agrippina

Die Geburt des Tiberius Claudius Nero ist auf den 16. November 42 v. Chr.[4] in Rom datiert, er entstammt einer Familie aus dem alten Adelsgeschlecht der Claudier, sein Vater und Großvater mütterlicherseits galten als traditionsbewusste Anhänger der Republik . Im Jahre 38 ehelicht die Mutter Livia den Augustus, eine, wie sich herausstellen sollte, entscheidende Begebenheit, die die Zukunft des Tiberius nachhaltig beeinflussen sollte. Er selber und sein vier Jahre jüngere Bruder Drusus wachsen derweil im Haus ihres leiblichen Vaters auf, bis dieser im Jahre 33 stirbt. Fortan werden beide im Hause ihres Stiefvaters Augustus aufgenommen und unter dessen Vormundschaft erzogen, die weitere Jugendzeit des Tiberius verläuft weitgehend ereignislos. Kurz nach dem Anlegen der Männertoga im Jahr 27 beginnt seine militärische Ausbildung, ein Jahr später begleitet er Augustus in den Krieg gegen die Kantabrer, ein Volk im Nordwesten des heutigen Spaniens. In den folgenden Jahren schließen sich weitere militärische, diplomatische und politische Aufgaben an, zu nennen sei etwa die Herbeiführung eines Thronwechsels in Armenien, zur damaligen Zeit der Hauptbrennpunkt an den Grenzen des Reiches, und im Jahre 15 Feldzüge im Gebiet Rätiens, die er zusammen mit seinem Bruder Drusus kommandierte. Zu dieser Zeit war der junge Tiberius bereits mit Vipsania Agrippina verheiratet, , eine für die damalige Zeit überaus glückliche Ehe. Im Jahr 12 beraubt das Schicksal den Augustus zum zweiten Mal seines Nachfolgers in Person seines Schwiegersohnes Agrippa, was ihn erneut, wie schon nach dem Ableben des Marcellus im Jahr 23, dazu veranlasst, potentielle Nachfolgekandidaten zu mustern. Hierbei trifft er eine Entscheidung, die Wissenschaftler als Schlüsselerlebnis für Tiberius bezeichnen, dieser muss sich auf Augustus´ Drängen hin von Agrippina scheiden lassen, um die einzige Augustus-Tochter Iulia zur Frau zu nehmen, ein wie sich zeigen sollte, persönliches Opfer, das er dem Staat und der Nachfolgeregelung seines Stiefvaters zu erbringen hatte.[5]

II.2. Die unglückliche Ehe mit Iulia und das freiwillige Selbstexil auf Rhodos

Die erzwungene Eheschließung sollte sich für Tiberius bald als Unglück erweisen, völlig verschiedene Veranlagung der beiden Eheleute, daneben der immense Altersunterschied und nicht zuletzt die sexuellen Ausschweifungen zugeneigte Iulia ließen beide nicht glücklich werden. Tiberius hatte zusammen mit seinem Bruder Drusus die militärische Führungsstellung von Agrippa geerbt, so dass er in den Folgejahren meist im Felde stand. Bei seiner Ankunft zuhause erwarteten ihn allzu häufig sowohl seine lasterhafte Frau als auch die am Hof des Augustus übertrieben verwöhnten Stiefsöhne Gaius und Lucius Caesar, die Augustus als seine legitimen Nachfolger vorsah.[6]

Im Jahr 6 schließlich auf dem bisherigen Karrierehöhepunkt des Tiberius beschloss dieser überraschend, allen Ansprüchen auf Macht im Staate zu entsagen und stattdessen fernab der römischen Öffentlichkeit auf Rhodos seine philosophische Ausbildung fortzusetzen. Anzumerken sei, dass es ihm hierbei gelang sich gegen allen Widerstand in der eigenen Familie durchzusetzen. In der Begründung für diesen Schritt gibt er an späterer Stelle an, er habe den beiden Enkeln des Augustus nicht im Wege stehen wollen, secundi gradus sponte cessisse[7]. Der Grund, dass er aus Überdruss an den Staatsgeschäften Ruhe benötigte, honorum satietatem ac requiem laborum praetendens[8], darf wohl eher als Vorwand gelten, kann aber aufgrund der inneren Widersprüchlichkeit dieses Mannes nicht völlig von der Hand gewiesen werden.

Derweil überreichte Augustus seiner Tochter Iulia im Jahre 2 im Namen seines Stiefsohnes den Scheidebrief, im gleichen Jahr lief Tiberius´ tribunicia potestas, die er auch während seines Rhodos-Aufenthaltes noch innehatte, ab, weswegen er sich um eine Rückkehr nach Rom bemühte, die Augustus jedoch vorerst ablehnte.[9]

II.3. Die Rückkehr nach Rom und die anschließende Adoption durch Augustus

Bereits 4 n.Chr.[10] waren beide Augustus-Enkel verstorben, ein schwerer Schlag für den Prinzeps, der seine und des Staates Hoffnungen in die beiden gesetzt hatte. Wieder musste er sich nach einem neuen geeigneten Nachfolger umsehen, so dass er schließlich noch im selben Jahr den nach seiner Exilszeit wieder in Gnaden aufgenommenen Tiberius „um des Staates willen“(rei publicae causa) adoptierte.[11] Die Entscheidung zu dieser Adoption entstand wohl aus einem Mangel an anderen Lösungsmöglichkeiten der Nachfolgefrage und trotz großer Bedenken an den Fähigkeiten des Tiberius. Die gleichzeitig damit verbundene Verpflichtung des Tiberius, den Sohn seines Bruders Drusus, Germanicus, zu adoptieren, stellt einen weiteren Versuch des regierenden Prinzeps dar, „seine Sukzession langfristig in andere Bahnen zu leiten“[12].

Nach der erneuten Bestätigung seiner tribunicia potestas rückten in den folgenden Jahren militärische Aufgaben in den Mittelpunkt des designierten Nachfolgers, nach seiner Zeit als Oberkommandierender der germanischen Legionen in den Jahren 4 bis 6 schlug er anschließend im Jahre 9 einen Aufstand in Pannonien nieder, ehe er nach der Niederlage des Varus im Jahr 12 nach Germanien zurückkehrte, wo ihm fortan eine Stabilisierung der Rheinfront gelang. Wie sich auch in diesen durchaus verlustreichen Jahren für die römischen Heere zeigte, sollte mit Tiberius ein Mann nachrücken, der militärischen Aufgaben gewachsen war und dem es mit diplomatischem Geschick und strategischem Verständnis gelingen sollte, Aufruhr in den Provinzen niederzuwerfen, zu einer Konsolidierung der Provinzialgebiete beizutragen und der nicht zuletzt bei den Legionen selber aufgrund seiner unkomplizierten soldatischen Natur Respekt, wenn nicht sogar Beliebtheit erlangte.

[...]


[1] Vgl. Zvi Yavetz, Tiberius, S.169.

[2] Vgl. Ernst Kornemann, Tiberius, S.5.

[3] Vgl. Theodor Mommsen, Römische Kaisergeschichte S.145.

[4] fortan beziehen sich Jahresangaben immer auf die Zeit vor Christus.

[5] Vgl. Manfred Clauss, Die römischen Kaiser, S.50/51.

[6] Vgl. Ernst Kornemann, Tiberius, S.27.

[7] Suet. Tib. 10, 1.

[8] Suet. Tib. 10, 2.

[9] Vgl. Manfred Clauss, Die römischen Kaiser, S.53/54.

[10] fortan beziehen sich Jahresangaben immer auf die Zeit nach Christus.

[11] Suet. Tib. 21,3.

[12] Manfred Clauss, Die römischen Kaiser, S.55.

Details

Seiten
15
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638306775
ISBN (Buch)
9783638748438
Dateigröße
680 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v29051
Institution / Hochschule
Universität Regensburg – Philosophische Fakultät (Geschichte)
Note
1,7
Schlagworte
Nachfolgepolitik Augustus Beispiel Tiberius Prinzipat

Autor

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Titel: Die Nachfolgepolitik des Augustus am Beispiel des Tiberius