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Das Bild Ludwigs des Bayern in der Chronik des Johann von Winterthur

Seminararbeit 2002 18 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Kurze Biographie über den Chronisten

III. Allgemeines zur Chronik des Johann von Winterthur

IV. Allgemeines zur mittelalterlichen Chronistik und Personendarstellung mit besonderem Blick auf die Geschichtsschreibung der Franziskaner

V. Das Bild Ludwigs des Bayern in der Chronik des Johann von Winterthur

VI. Schlußwort

VII. Anhang

VIII. Bibliographie

I. Einleitung

Wie Thomas Nipperday in seinem Aufsatz „Die Aktualität des Mittelalters“1 aufzeigt, müssen die Wurzeln für ein gemeinsames Europa in dieser Zeit gesucht werden, da hier die kulturellen, gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Grundsteine für die moderne Staatengemeinschaft Europas gelegt werden.

Eine zentrale Rolle spielt hierbei die „mittelalterliche Christlichkeit“2, die das gesamte Leben der Menschen dieser Zeit durchdringt und die spezifisch mittelalterliche Problematik impliziert. An der Frage nämlich, welcher Gewalt die Führungsrolle der Christenheit zusteht, entzündet sich ein Dualismus, die Biopolarität Papst – Kaiser, von der das ganze Mittelalter geprägt ist. Dieser Streit um die Vormachtstellung gipfelt im 14. Jahrhundert, das die Grundlage für unsere Betrachtungen darstellt und die Verflechtung von Kirche und Staat exemplarisch verdeutlicht. Ludwig der Bayer, dessen Lebensbild uns besonders interessiert, ist ein Exponent dieses Machtstreites.

Typisch für das Mittelalter und besonders für seine Biographien ist die Tatsache, daß wir besonders auf das Quellenmaterial von Klerikern angewiesen sind. In ihren Darstellungen geht es nicht alleine darum, historische Sachverhalte zu dokumentieren, sondern vor allem um die Vermittlung des christlichen Wertesystems, das sich in einer Personenbeschreibung natürlich klar demonstrieren läßt, wobei der Unterhaltungsaspekt nicht vernachlässigt wird. Als Beispiel für einen mittelalterlichen Chronisten soll uns im folgenden Johann von Winterthur dienen, dessen Ausführungen herangezogen werden können, um ein Personenbild

Ludwigs zu erstellen.

Es wird also in den sich anschließenden Ausführungen darum gehen, die Chronik Winterthurs auf wertende Äußerungen hin zu untersuchen, um seinen Standpunkt zu definieren. Dabei müssen natürlich auch die Ergebnisse der Sekundärliteratur berücksichtigt werden. Basisarbeit hat in diesem Zusammenhang vor allem Friedrich Baethgen geleistet, auf den sich annähernd alle für das Thema relevanten Autoren beziehen, die in der Bewertung mittelalter-licher Geschichtsschreibung und Personendarstellung kaum voneinander divergieren. Zum Forschungsstand lässt sich noch sagen, daß es ein auffallendes Interesse für diese Art von Geschichtsschreibung erst seit den sechziger Jahren unseres Jahrhunderts gibt, wobei dieser neue Forschungsansatz nicht aufzeigen will, ob die in Chroniken dargelegten Fakten der Tatsache entsprechen oder nicht. Er will vor allem zwei Aspekte herausarbeiten:

1. „einen Querschnitt durch eine Geschichtsschreibung im Umbruch“ anhand einer Herrscherperson
2. eine Darstellung des Herrscherbildes „in der zeitgenössischen und unmittelbar folgenden Historiographie und die Frage danach, wie diese Bilder in den einzelnen Partikeln entstanden sind, wie sie sich phasenweise neu zusammensetzen und in welcher Form und in welchen canones sie schließlich weitergegeben werden.“3

II. Kurze Biographie über den Chronisten

Im Vorfeld dieser Kurzbiographie muß jedoch bemerkt werden, daß alle Lebensdaten des Autors seiner eigenen Chronik entstammen und somit ziemlich rar sind.

Johann von Winterthur , auch Johannes Vitaduranus genannt, entstammte der nichtadeligen Oberschicht und wurde um 1300 in Winterthur geboren. Er besuchte circa ab 1309 die Schule und trat wohl anschließend etwa zwischen 1317 und 1320 dem Minoritenorden, ebenfalls bekannt unter dem Namen Franziskaner oder Barfüßler, als Novize bei. Als nächstes erfahren wir dann erst wieder von seinem Aufenthalt im Konvent von Basel 1328 und Schaffhausen 1335 (siehe Anhang Bild 1), in welchem er sich mehrere Jahre aufhielt. Zu Beginn der vierziger Jahre wechselte er dann seinen Wohnsitz ins Konvent von Lindau, wo er auch seine Chronik verfaßte ( siehe Anhang Bild 2). Zwischenzeitlich erschien er auch in den Konventen von Villingen (ca. 1336) und Zürich.4

Innerhalb seines Ordens nahm Johann das gehobene Amt eines Priesters ein, was somit ein gewisses Maß an geistiger Bildung bei ihm voraussetzt.5 Es ist zu vermuten, daß er 1348 in Lindau verstarb, da die letzte Aufzeichnung in seiner Chronik mitten im Satz abbricht und dieses Datum trägt. Er ist wahrscheinlich der Pest zum Opfer gefallen, „deren Herannahen und verheerendes Wüten er so eindringlich beschrieben hatte“.6

[...]


1 Thomas Nipperday, Die Aktualität des Mittelalters, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 7 (1981), S.424-431

2 Ebd., S.426

3 Andrea Sommerlechner, Stupor mundi?. Kaiser Friedrich II. und die mittelalterliche Geschichtsschreibung, Wien 1999, S.9

4 Friedrich Baethgen/C. Brun (Hg.), Die Chronik Johanns von Winterthur. Monumenta Germaniae historica: Scriptorum rerum Germanicum, nova series, Bd.3, unveränderter Nachdruck der Ausgabe von 1924, München 1982, S.XIX-XXII

5 Ebd., S.XXIII-XXIV

6 Josefine Schmid, Studien zu Technik und Wesen der Gegenwartschronistik in der süddeutschen Historiogra- phie des ausgehenden 13. und 14. Jahrhunderts, Heidelberg 1963, S.49

Details

Seiten
18
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638117524
Dateigröße
1.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v2905
Institution / Hochschule
Universität des Saarlandes – Geschichte
Note
11
Schlagworte
Johann(es) von Winterthur Vitaduranus Ludwig der Bayer Wittelsbacher Deutsche Kaiser Papst Johannes XXII. Der Kampf mit der Kurie Mittelalterliche Chronistik Franziskanische Geschichtsschreibu

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