Lade Inhalt...

Methoden der Psychologie zur Gewinnung von Daten über menschliches Wissen und qualitative Wissensdiagnose

Hausarbeit 2001 29 Seiten

Psychologie - Diagnostik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
Qualitative Wissensdiagnose- Methodologische Grundlage

2. Gegenstand qualitativer Wissensdiagnose

3. Zielsetzung qualitativer Wissensdiagnose

4. Theoretische Grundlagen qualitativer Wissensdiagnose

5. Methodologische Aspekte des diagnostischen Vorgehens
5.1. Kognitive Aufgabenanalyse
5.2 Auswahl und Anwendung eines Diagnoseverfahrens
5.3 Rekonstruktion der individuellen Wissensrepräsentation
5.4 Beschreibung und Bewertung der individuellen Wissensrepräsentation
5.5. Ein praktisches Beispiel qualitativer Wissensdiagnose

6. Probleme und Perspektiven Methoden der Psychologie zur Gewinnung von Daten über menschliches Wissen

7. Die Methode des lauten Denkens
7.1 Beispiel für die Methode des lauten Denkens

8 Befragen
8.1 Beispiel für die Methode des Befragens

9. Kategorisieren
9.1 Beispiel für die Methode des Kategorisierens

10. Freie Reproduktion
10.1 Beispiel für die Methode der freien Reproduktion

11. Schlussbemerkungen

12. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der folgenden Zusammenfassung beziehe ich mich vorrangig auf zwei Texte. Der erste Text, „Qualitative Wissensdiagnose- Methodologische Grundlagen“ (Tergan), befasst sich mit dem methodischen, theoriegeleiteten Vorgehen bei der qualitativen Wissensdiagnose. In diesem wird gezeigt, dass, um in Untersuchungen empirisch zu arbeiten, eine Orientierung an entsprechenden Wissenstheorien unbedingt notwendig ist. Tergan fordert ein hypothesengeleitetes Vorgehen, welches es gestattet, die Hypothesen empirisch zu überprüfen und so den wissenstheoretischen Erkenntnisstand zu erweitern.

Im zweiten Text, „Methoden der Psychologie zur Gewinnung von Daten über menschliches Wissen“ (Kluwe), wird sich eher mit den „praktischen“ Datenerfassungsmethoden befasst. Auch Kluwe verweißt auf die Notwendigkeit von theoriegeleitetem Vorgehen.

Das Vorhaben, die Texte zu verbinden, musste ich aus Gründen der Übersichtlichkeit verwerfen, habe aber entsprechende Verweise eingearbeitet. Die angeführten Beispiele habe ich, wenn möglich, nach den Kriterien Anschaulichkeit und dem Erfüllen von theoriegeleitetem Vorgehen ausgewählt. Bestimmte Begriffsklärungen (bspw. die Abgrenzung der Kategorie „qualitative Wissensdiagnose“ zu anderen wissens- diagnostischen Verfahren), waren in den Texten nicht gegeben und mussten aus Platzmangel außen vor bleiben.

Qualitative Wissensdiagnose- Methodologische Grundlage

2. Gegenstand qualitativer Wissensdiagnose

Im Bereich der qualitativen Wissensdiagnose wird unter Wissen entweder ein verfügbarer individueller Wissensbestand, der die Grundlage des Denkens darstellt, oder ein sich aufbauendes und sich verändertes Wissen verstanden. In den bestehenden Wissenstheorien wird Wissen als struktu- riert und organisiert aufgefasst. Somit ergibt sich, dass die Vorraussetzung für kognitive Informationsverarbeitung nicht nur auf dem Vorhandensein von Wissen, sondern auch auf dessen Struktur beruht. Unter dem Begriff Wissensrepräsentation wird hierbei „die Abbildung von bestimmten Aspekten der realen und vorgestellten Welt im menschlichen Gedächtnis verstanden“ (Tergan, S. 404). Diejenige Wissensstruktur, die bei der Be- wältigung einer bestimmten kognitiven Anforderung aktiv ist, steht bei diesen Untersuchungen im Mittelpunkt des Interesses.

Die modernen Wissenstheorien beschäftigt sich u.a. mit Merkmalen der individuellen Wissensrepräsentation und wie diese auf beobachtbares Ver- halten und erzielte Verhaltensergebnisse (bspw. beim Problemlösen) zu-rückgeführt werden kann. Diese Theorien versuchen Verläufe des Wissens- erwerbs, den Aufbau von Wissensrepräsentationen, Veränderungen und Be- einflussung bestehender Wissensrepräsentationen im Prozess der kognitiven Informationsverarbeitung und der Wissensanwendung zu untersuchen und zu erklären.

Diagnostische Aussagen werden bspw. über „Wissenslücken“ in bestimmten Bereichen getroffen oder auch über Fehlvorstellung, die bestimmte Begriffsbedeutungen betreffen. Von weiterem Interesse ist die Art der kognitiven Prozesse bei der Bewältigung bestimmter kognitiver Anforderungssituationen, insbesondere bei fehlerhaften Aufgabenlösungen.

Fragen und Gegenstand der qualitativen Wissensdiagnose könnten z.B. folgender Art sein:

Was weiß ein Proband über bestimmte physikalische Prinzipien?

Wurde eine bestimmte Begriffsbedeutung oder eine Textaussage verstanden?

Auf welches Wissen sind Fehler bei einer Aufgabenlösung zurückzuführen?

Ist die Versuchsperson in der Lage, ausgewählte kognitive Anforderungen zu bewältigen?

Wie ändern sich Wissensstrukturen während der Wissensaneignung?

Wie unterscheidet sich die Wissensstruktur eines Laien von der eines Experten?

3. Zielsetzung qualitativer Wissensdiagnose

Die Ziele der Diagnose sind je nach Art der untersuchten Fragestellung (s.o.) verschieden. So könnte bspw. eine strukturelle Erfassung von der Wissensrepräsentation eines Schülers untersucht werden, um diese mit einer Zielstruktur zu vergleichen. Darauf folgend könnten man Hinweise auf entsprechende Wissensdefizite feststellen. Wenn der Schüler nun geeignete Lernmöglichkeiten vorgeschlagen bekommt, kann dann später der Erfolg dieser Maßnahmen getestet werden.

Ziel qualitativer Wissensdiagnostik ist also die Bewertung und Beschrei- bung qualitativer Aspekte individuellen Wissens über einen bestimmten Gegenstandsbereich. Dabei können einzelne Aspekte des individuellen Wissens in einem bestimmten Bereich, als auch die Frage wie individuelles Wissen strukturiert ist, von besonderem Interesse sein. Wenn bspw. einzelne Aspekte des individuellen Wissens im Vordergrund stehen, könnte das Ziel der Diagnose darin bestehen, Probanden unter dem Gesichtspunkt ihrer Wissensstruktur über einen Gegenstandsbereich zu beschreiben, um sie auf Grund dieser Merkmale bestimmten Treatment- Gruppen zuzuweisen. In eher explorativen Ansätzen der Untersuchung kann die diagnostische Zielsetzung in der Beschreibung und im Vergleich von Probanden mit unterschiedlichem Wissensstand in einem bestimmten Gegenstandsbereich bestehen (z.B. wie ist das Wissen bei Experten und wie bei Laien strukturiert). Außerdem können Modelle, Theorien und Hypothesen der Wissensrepräsentation in solchen Untersuchungen empirisch auf ihre Gültigkeit untersucht werden (siehe bei 4.4 Beschreibung und Bewertung der individuellen Wissensrepräsentation).

4. Theoretische Grundlagen qualitativer Wissensdiagnose

Die verschiedenen kognitiven Modelle der Wissensrepräsentation sind in der Regel nur für die Abbildung bestimmter individueller Wissensaus- schnitte geeignet. Dabei kommt es auf die Art der kognitiven Anforderungs- situationen an, bei deren Bewältigung diese spezifischen Wissensausschnitte aktiviert und erfasst werden sollen (z.B. handelt es sich um das Verstehen eines Textes oder um das Lösen einer physikalischen Problemstellung). Den Modellen der Wissensrepräsentation liegen Repräsentationssysteme zugrunde, z.B. propositionale Netzwerksysteme. Zu verstehen sind diese als Hülsen, in denen das Wissen abgebildet werden kann. Das ausgewählte und einer Untersuchung zu Grunde gelegte Repräsentationssystem bestimmt also die Anordnung, den Aufbau und spezielle semantische Aspekte der Wissensabbildung. Theoretisch fundiert ist ein Abbildungssystem, wenn es auf wissenstheoretischen Erkenntnissen gründet, vor deren Hintergrund kognitive Leistungen erklärbar werden. Diese Erklärung müssen in Form von Hypothesen empirisch überprüfbar sein.

Unterschiede bei den bestehenden Repräsentationsmodellen bestehen hin- sichtlich ihres Allgemeinheitsgrades, ihrer theoretischen Orientierung und im zugrundeliegenden Repräsentationssystem. Im Hinblick auf den Allgemeinheitsgrad kann man globale theoretische Modelle und spezifische kognitive Modelle der Wissensrepräsentation unterscheiden. Globale Modelle bilden eher konzeptuelle Rahmenbedingungen für die kognitive Informationsverarbeitung (vgl. Tack, 1987), dienen also eher der Erklärung und Modellierung kognitiver Leistungen (u.a. Norman und Rumelhart, 1975; Anderson, 1983). Sie haben dementsprechend nicht den Anspruch, ein unmittelbar brauchbares System zur Wissensabbildung darzustellen. Bei spezifischen Modellen steht die Beschreibung und Modellierung eines bestimmten Wissens, welches für die Bewältigung bestimmter kognitiver Aufgaben benötigt wird, im Vordergrund. Sie sind also situationsbezogener und dienen der Abbildung von bereichsspezifischen Wissen. Erst wenn den spezifischen Modellen wissenstheoretische Annahmen zugrundegelegt werden, lassen sich sinnvolle Aussagen in Hinblick auf die kognitive Informationsverarbeitung bei der Bewältigung entsprechender kognitiver Anforderungssituationen treffen.

Unterschiede in der theoretischen Orientierung bei den derzeit existierenden Modelle der Wissensrepräsentation bestehen darin, ob das Wissen in den Theorien eher unter statischen oder dynamische Aspekten betrachtet wird und welche Repräsentationssysteme zu Wissensabbildung verwendet werden.

Die Anwendung unterschiedlicher Repräsentationssysteme ergibt sich daraus, auf welche Aspekte des Wissens die Aufmerksamkeit gelenkt wird. Wenn diese bspw. vorwiegend auf das Wissen über Fakten, Begriffe, Zusammenhänge oder Ereignisse mit expliziter, bewusster Abruf- möglichkeit („wissen was“) gerichtet ist (sogenanntes deklaratives Wissen), bietet sich die Anwendung von propositionalen Netzwerken an. Ist der Fokus auf gespeicherte Prozesse zur Verarbeitung von Informationen oder auf Erfahrungswissen, dass in bestimmten Problemsituationen Kriterien für alternative Verhaltensstrategien liefert („wissen wie“) gerichtet (sogenanntes prozedurales Wissen), bietet sich eine Abbildung in Form von Produktionssystemen an (vgl. Weber- psychologische Grundbegriffe- unter Wissen). Analoge Formen der Wissensrepräsentation (bspw. mentale Modelle) finden Verwendung wenn es darum geht, eine dynamisch- holistische Abbildung von Strukturen und Funktionen die eine Versuchsperson zu einem bestimmten Bezugssystems (bspw. zu einem elektrischen Stromkreise) hat, zu gewährleisten.

Wissensdiagnostische Ansätze beschäftigen sich zu einem mit der Erfassung des aktuellen individuellen Wissensstandes in einem bestimmten Gegenstandsbereich. Somit handelt es sich um eine Statusdiagnose zu einem bzw. verschiedenen Zeitpunkten. Theorien, bei denen andererseits der Erwerb und die Veränderung im Vordergrund stehen, bedienen sich diagnostischer Ansätze, welche versuchen, individuelles Wissen unter dynamischen Aspekten zu beschreiben. Prozessdiagnostische Ansätze werden zur Erkundung von Prozessen der Wissensveränderung und den darauf bezogenen kognitiven Strategien verwendet. Diese status- und prozessdiagnostischen Ansätze lassen sich aber auch verbinden.

5. Methodologische Aspekte des diagnostischen Vorgehens

Das diagnostische Vorgehen besteht darin, auf dem Hintergrund ent- sprechender theoretischer Annahmen, über das Zustandekommen bestimmter kognitiver Leistungen Rückschlüsse von individuellen Ver- haltensdaten auf Strukturen und Organisation der individuellen Wissens- repräsentation zu ziehen. Diese Strukturen werden dann in Begriffe des zugrundegelegten Modells beschrieben und bewertet. Dieser Methodik des Vorgehens liegen folgende Annahmen zugrunde:

Im Verhalten und den daraus gewonnen Daten einer Versuchsperson, z.B. bei der Lösung einer Aufgabe, spiegeln sich dieser Aufgabe entsprechende Aspekte der Wissensstruktur im Gedächtnis wieder.

Die erfassten Verhaltensdaten eines Individuums lassen sich vor dem Hintergrund entsprechender theoretischer Annahmen als Abbild spezifischer Merkmale der individuellen Wissensrepräsentation interpretieren.

Diese individuellen Abbildungen des Wissens lassen sich in Begriffen eines Repräsentationssystems erfassen (z.B. bei der Verwendung einer propositionale Repräsentation in Netzwerkform).

Unter Annahme der psychologischen Gültigkeit des theoretischen Modells und des entsprechenden Repräsentationsmodells versteht man nun die Verhaltensdaten als Abbildung relevanter Aspekte der individuellen gedächtnismäßigen Wissensrepräsentation.

Die Auswahl des Repräsentationssystems erfolgt nach der jeweiligen Frage- stellung des Diagnostikers, bzw. aus welcher Perspektive Wissen betrachtet werden soll. Kriterien sind z.B. dabei, ob eher deklarative oder prozedurale Prozesse im Vordergrund des Interesses stehen. So gibt es unterschiedliche Repräsentationssysteme, die für verschiedene Untersuchungsabsichten psychologisch angemessen sein können, bspw. propostionale Netzwerke, Produktionssysteme oder Systeme mit analoger Wissensrepräsentation . So muss der Diagnostiker seiner Untersuchung ein Repräsentationssystem zugrundelegen, welches er aus psychologischer Sicht für eine Abbildung von individuellen Wissen am zweckmäßigsten hält.

In dem nun der Diagnostiker vier, nicht trennbare Diagnoseschritte durch- läuft, bezieht er die entsprechende Wissenstheorie und die diagnostische Methode eng aufeinander. Diese eng verzahnten diagnostischen Schritte werden im Folgenden dargestellt.

[...]

Details

Seiten
29
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638306171
Dateigröße
596 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v28978
Institution / Hochschule
Hochschule Zittau/Görlitz; Standort Görlitz – Kommunikationspsychologie
Note
1,2
Schlagworte
Methoden Psychologie Gewinnung Daten Wissen Wissensdiagnose Wahrnehmungs- Grundlagen

Autor

Zurück

Titel: Methoden der Psychologie zur Gewinnung von Daten über menschliches Wissen und qualitative Wissensdiagnose