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Jugend in der DDR. Alltagsleben Jugendlicher und Jugendpolitik

Vordiplomarbeit 2004 23 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Familie
2.1 Ehevorbereitung

3. Schule
3.1 Wehrerziehung
3.1.1 Wehrunterricht
3.2 Freie Deutsche Jugend
3.2.1 FDJ an den Hochschulen
3.3 Berufsausbildung
3.3.1 Behinderte Jugendliche und ihre Rehabilitation in der DDR
3.4 Die Jugendweihe

4. Freizeit
4.1 Musik
4.2 Reisen
4.3 Eigeninitiativen der Jugend am Beispiel Malzhaus in Plauen
4.4 Sport

5. Schlusswort

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Nach dem alltäglichen Verständnis wird die Jugend vor allem durch ihr Alter bestimmt. Zwar ist das Alter ein zentrales Merkmal, aber reicht es nicht aus um Jugend zu definieren (vgl. Münchmeier 2001, S. 816).

Das Jugendalter ist außerdem gekennzeichnet durch „drastische und dramatische körperliche Veränderung, die äußerlich das Kind innerhalb von wenigen Tagen zum Erwachsenen verwandelt.“ Es umfasst die „auffälligen eigenwilligen Einstellungen, Gefühle und Verhaltensweisen des Jugendlichen. So sieht man das Jugendalter als Zeit des „Sturm und Drang“, der extremen Gefühlsschwankungen („himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt“) und der Rebellion gegenüber Sitte und Moral des Erwachsenen“ (Oerter / Montada 1987, S. 265).

Durch verschiedene Aspekte wie körperliche und psychische Reifung (Adoleszenz) sowie auch politische Betrachtungsweisen um nur einige hier zu nennen, veränderte sich über Jahrhunderte das Verständnis der Jugend.

Auch in der DDR gab es verschiedene Auslegungen vom Jugendalter. Auffallend ist das man im Regelfall das Jugendalter in der DDR mit dem FDJ-Alter, also 14-25 Jahre, gleich setzte. Jedoch gab es unterschiedliche Jugendaltersgrenzen zum Beispiel im Strafrecht oder auch Arbeits- und Zivilrecht. Außerdem sollte man nicht den Aspekt außer Acht lassen, dass viele Jugendliche schon sehr früh eine eigene Familie gründeten und somit nicht mehr die Lebensumstände eines Jugendlichen hatten.

Diese Arbeit soll ein Versuch sein zu veranschaulichen wie Jugendliche in der DDR innerhalb des SED-Staates ihren Lebensalltag bewältigen. Um sich einen genaueren Überblick über das Leben der Jugendlichen in der DDR machen zu können, soll die politische Situation der DDR betrachtet werden. Für diese Arbeit ergeben sich folgende Hauptfragestellungen: „Inwieweit beeinflusste die Politik der SED das Alltagsleben und war individuelles Handeln des einzelnen Jugendlichen möglich? Um dies herauszuarbeiten, wird unter anderem auf Familie, Schule, Bildung und Freizeit des Jugendlichen in der DDR eingegangen.

2. Familie

Einen hohen Stellenwert in der DDR hatte die Familie bei den Jugendlichen. Auch der Staat räumte der Familie eine große Bedeutung zu. Dies wird durch das Familiengesetzbuch der DDR dem FGB deutlich. Im FGB §1 Absatz 1 heißt es „Der sozialistische Staat schützt und fördert Ehe und Familie. Staat und Gesellschaft nehmen durch vielfältige Maßnahmen darauf Einfluß, dass die mit der Geburt, Erziehung und Betreuung der Kinder in der Familie verbundenen Leistungen anerkannt und gewürdigt werden. Staat und Gesellschaft tragen zur Festigung der Beziehungen zwischen Mann und Frau und zwischen Eltern und Kindern sowie zur Entwicklung der Familie bei. Die Bürger haben ein Recht auf staatlichen Schutz ihrer Ehe und Familie, auf Achtung der ehelichen und familiären Bindungen“ (Helwig 1984, S. 108). Weiter heißt es im Absatz 2: „Die sozialistische Gesellschaft erwartet von allen Bürgern ein verantwortungsvolles Verhalten zur Ehe und Familie“ (ebd.).

Die Familie sollte die Vermittlung der sozialistischen Werte und Normen leisten. Eine zentrale Rolle spielte dabei die Erziehung zur bzw. Vorbereitung auf die Arbeit und die Entwicklung einer „sozialistischen Arbeitsmoral“. Die Arbeitstugenden wie z. B. Disziplin, Fleiß, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit, sollten schon früh in der Familie eingeübt werden (vgl. Hille 1990, S. 19).

Weiter wurde im FGB auf Lebenssituationen der Familie wie Scheidung, Ehe, Erziehung, Familienaufwand und andere Bereiche eingegangen.

Laut Hill und Kopp ist Familie eine auf Dauer angelegte Verbindung von Mann und Frau, mit einer gemeinsamen Haushaltsführung und mindestens einem eigenen oder auch einem adoptierten Kind. Diese Definition enthält jedoch nur die klassischen Merkmale des Familienbegriffs. Ausgeschlossen werden hierbei Familienverbindungen wie Paare ohne Kinder, Einpersonenhaushalte, Gemeinschaften auf der Grundlage von Homosexualität sowie Haushalte von allein erziehenden Elternteilen (vgl. Hill und Kopp 1995, S. 11). Die klassische Familienform war in der DDR vorherrschend.

Für die Jugendlichen in der DDR hatte die Familie meist eine ordnende und stabilisierende Funktion. Aufgrund der hohen Einflussnahme des politischen Systems in viele Lebensbereiche der jungen Generation, bot die Familie einen Schutzraum gegenüber den verschiedenen Ansprüchen des Staates, wobei seine indirekte Einflussnahme, wie schon erwähnt, nicht unterschätzt werden durfte. In den meisten Familien der DDR waren beide Elternteile berufstätig.

Die Familie war für die Politik der SED in vielerlei Hinsicht eine Bedrohung in der Beeinflussung der Einstellung zur Politik des Staates des Jugendlichen. Die Kinder und Jugendlichen wurden zwar schon im Kindergarten, Schule, Fernsehen, der Pionierorganisation und später in der Freien Deutschen Jugend (FDJ) mit sozialistischen Gedanken in Berührung gebracht, doch war dies keine ausreichende Einflussnahme. Durch familiäre Einflüsse konnte die Einstellung zur Politik der SED und somit zum ganzen System der DDR in eine andere Richtung, als die vom Staat vorgesehene sozialistische, gelenkt werden. Da der Zusammenhang zwischen Familieneinfluss und Persönlichkeitsentwicklung nicht unterschätzt werden konnte. Dadurch dass die Einstellung der Familie nicht mit der sozialistischen Ideologie übereinstimmte konnte es zu Widersprüchen zwischen dem Familieneinfluss und dem Einfluss der staatlichen Erziehungsträger kommen.

Zudem kam es neben alternativen politischen Einstellungen auch zu Verhaltensstörungen und kriminelle Neigungen von Jugendlichen, welche man in der Regel den Eltern anlastete. Doch wurde die Gefahr lange unterschätzt. Dies wird in einem Interview von Rainer Werner zum Thema Fehlverhalten im Jugendalter deutlich.

„Es ist so, dass viele staatliche Institutionen damit befasst sind, Fehlverhalten einzudämmen. Das beginnt bei der Jugendhilfe, reicht über den Jugendgesundheitsschutz, das Sozialwesen, die Ehe- und Sozialberatungsstellen und psychologische Beratungsstellen, die sich mit solchen Fehlentwicklungen des Jugendlichen und der Familie befassen. Was wir brauchen, ist die Entwicklung eines Sozialwissenschaftlers, der in der Lage ist, von seinen fachlichen Voraussetzungen her die komplexen Formalen sozialer Fehlentwicklungen richtig zu begreifen. Expertisen von Fachleuten in Synthese zu bringen, um ein Erziehungskonzept mit dem Jugendlichen verwirklichen zu können… Ich glaube, wir können es uns nicht mehr lange leisten, auf solche Sozialwissenschaftler zu verzichten, weil wir sonst viele junge Menschen alleine lassen, die zwar von einer Vielzahl Stellen speziell beraten werden, aber die Synthese aller subjektiven und objektiven Bedingungen allein nicht vollziehen können“ ( Helwig 1984, S. 30)

Nach den Bestimmungen des § 50 und des § 51 FGB konnte der Staat in die elterlichen Rechte eingreifen, wenn Erziehung und Entwicklung oder Gesundheit des Kindes gefährdet sind. Die Jugendhilfe hatte nach den gesetzlichen Bestimmungen dann Maßnahmen zu treffen.

Wie aus der Definition der Familie hervorgegangen, war die Beziehung zwischen Mann und Frau Grundlage für den Bestand der Familie. Daher war ein weiterer wichtiger Aspekt in Hinblick auf die Familie für den Staat die Ehevorbereitung.

2.1 Ehevorbereitung

In der DDR wurde schon früh damit begonnen die Jugendlichen auf die Ehe vorzubereiten. Themen wie Partnerschaft, Liebe und Ehe wurden in den Unterricht der Schulen fest integriert. Dabei wurden nicht nur die biologischen Faktoren besprochen, sondern wurde den Jugendlichen das Bewusstsein vermittelt, dass eine befriedigende sexuelle Beziehung laut Helwig nur in einer mit viel Liebe erfüllten Partnerschaft bestehen kann, welche natürlich zu einer glücklichen Ehe führt. Kurt Bach, bekannter Sexualpädagoge in der DDR, brachte 1973 ein Rahmenprogramm für eine Arbeitsgemeinschaft „Vorbereitung auf Ehe und Familie“ heraus (Vgl. Helwig 1984, S. 80ff):

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Details

Seiten
23
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638305785
ISBN (Buch)
9783638650021
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v28934
Institution / Hochschule
Hochschule Mittweida (FH) – Fachbereich Soziale Arbeit
Note
2
Schlagworte
Jugend Alltagsleben Jugendlicher Jugendpolitik Kindheit/Jugend

Autor

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Titel: Jugend in der DDR. Alltagsleben Jugendlicher und Jugendpolitik