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Modelle zur Analyse der ökonomischen Effekte von Musik-Festivals

Akademische Arbeit 2007 27 Seiten

BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung, Social Media

Leseprobe

Inhalt

1. Modelle zur Analyse der ökonomischen Effekte von Festivals
1.1 Nachfragemethoden
1.2 Angebotsmethoden
1.2.1 Methode der saisonalen Differenz
1.2.2 Methode der Bestimmung der Einnahmereste
1.2.3 Methode der Angebotsseitenschätzung
1.2.4 Methode der Ausgabenhochrechnung
1.3 Messung der Wirkungen auf den Arbeitsmarkt
1.3.1 Beschäftigtenzählung
1.3.2 Einfache Berechnung nach Touristenausgaben
1.3.3 Methode des Vergleichs touristischer mit nicht-touristischen Regionen
1.4 Modelle zur Bestimmung der ökonomischen Wirkungszusammenhänge
1.4.1 Multiplikatormodell
1.4.2 Wertschöpfungsmodell
1.4.3 Input – Output – Modell
1.5 Modelle zur Messung der Kommunikationswirkung
1.5.1 Stufenmodelle/Wirkungshierarchiemodelle
1.5.2 Behavioristische Analysemodelle
1.5.3 Modell zur Erklärung der Wirkungsweise von Event-Marketing

2. Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

1. Modelle zur Analyse der ökonomischen Effekte von Festivals

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit verschiedenen Modellen zur Analyse der ökonomischen Effekte von Musik-Festivals.

Die wirtschaftliche Bedeutung von Musikfestivals zu bestimmen, ist eine diffizile Arbeit, da viele verschiedene Stakeholder an der Veranstaltung partizipieren. Auch lassen sich die genauen Zahlen der Unterstützung durch die Stadt bzw. das Bundesland nur bedingt ermitteln. Abb. 1 zeigt die vier volkswirtschaftlichen Sektoren Staat, Unternehmen, private Haushalte und Ausland und ihren Zusammenhang zur Musik- und Festivalbranche beispielhaft auf.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Vereinfachte Darstellung der beteiligten Wirtschaftzweige bei Festivalveranstaltungen, eigene

Darstellung

Es wird durch die Abbildung ersichtlich, dass viele, teils stark differente Wirtschaftsbereiche durch die Musikveranstaltungen profitieren oder diese unterstützen.

Grundsätzlich verlaufen die Geldflüsse immer in beide Richtungen.

Die privaten Haushalte konsumieren Produkte der Musikbranche (Kauf von Eintrittskarten, CDs usw.), arbeiten ehrenamtlich, teilweise findet eine Förderung von musikalischen Talenten oder Veranstaltungen statt. Die Musikbranche zahlt Löhne, Gehälter und Gagen an den privaten Sektor.

Der Unternehmenssektor sponsert Großveranstaltungen und ist auf diesen präsent. Die Musik- und Festivalbranche kauft Vorleistungen von den anbietenden Unternehmen.

Das Ausland importiert Musikprodukte aus Deutschland und engagiert deutsche Künstler.

Ebenso werden ausländische Musikprodukte nachgefragt und internationale Künstler für Auftritte in Deutschland gebucht.

Der Staat fördert und subventioniert die Musikbranche, stellt Geld- und Sachleistungen für Veranstaltungen zur Verfügung. Von Seiten der Musik- und Festivalbranche fließen Umsatz-, Lohn- und Einkommenssteuern sowie Zölle in die öffentlichen Haushalte.

Im Folgenden werden die verschiedenen Modelle zur Messung der ökonomischen Auswirkungen charakterisiert und ihre Vor- und Nachteile kurz erörtert.

Grundsätzlich bieten sich zwei Methoden zur Messung der wirtschaftlichen Effekte an: Zum einen die Messung der Ausgaben der Besucher bei der Veranstaltung, zum anderen die Messung der Einnahmen der an der Veranstaltung beteiligten oder dadurch betroffenen Unternehmen. Die hiermit verbundenen Probleme der genauen Zahlenermittlung sind evident.

1.1 Nachfragemethoden

Durch solche Methoden werden die Ausgaben der Besucher ermittelt. Dies kann durch Befragungen mittels eines Fragebogens direkt während der Veranstaltung geschehen, teilweise besteht auch die Möglichkeit der Befragung direkt im Anschluss an die Veranstaltung[1]. Eine weitere Möglichkeit bietet das Führen eines Festivaltagebuchs durch eine repräsentative Besuchergruppe, die alle von ihr getätigten Ausgaben darin notiert.

Diese Methode ist die exakteste der hier genannten, jedoch mit gewissen negativen Auswirkungen für die Besucher verbunden, die sich zum Teil durch das permanente Notieren ihrer Ausgaben im Gesamterlebnis der Veranstaltung gestört fühlen können. Das Befragen der Besucher mittels Fragebogen während der Veranstaltung führt zu einem nicht exakten Bild der Ausgaben der Besucher, da sie schon während der Veranstaltung ihre weiteren Ausgaben abschätzen müssen. Jedoch besteht für die Befragten gerade bei mehrtägigen Veranstaltungen die Möglichkeit, einen Mittelwert der schon getätigten und der noch zu erwartenden Ausgaben anzugeben. Eine Befragung im Anschluss an die Veranstaltung ist nicht empfehlenswert, da die genaue Ermittlung der Ausgaben zum Teil nicht mehr möglich ist und viele Besucher nach dem Erlebnis kein Interesse mehr an weiteren Aktivitäten haben oder die Befragung als belästigend empfinden. Zudem schätzen die Teilnehmer ihre Ausgaben nach der Veranstaltung meist geringer ein als sie tatsächlich angefallen sind, denn die Erinnerungs- und Merkfähigkeit des Menschen ist naturgemäß begrenzt.

1.2 Angebotsmethoden

Im Gegensatz zu den auf die Ausgaben fokussierten Nachfragemethoden werden auf diese Weise die aus dem Festival resultierenden Einnahmen der örtlichen Wirtschaft ermittelt. Dies bietet die Chance, auch die vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereiche in die Berechnung mit einzubeziehen. Schwierigkeiten bestehen allerdings in der genauen Feststellung der Einnahmen bzw. Umsätze, die durch auf die Veranstaltung induziert sind und im normalen Geschäftsbetrieb nicht entstanden wären. Die verschiedenen Angebotsmethoden werden nachfolgend dargestellt:

1.2.1 Methode der saisonalen Differenz

Die Einnahmen der affinen Wirtschaftsbereiche werden dabei über einen längeren Zeitraum betrachtet. Die Ergebnisse in der festivalfreien Zeit werden als Durchschnitt der normalen Umsätze angesehen und mit den Erlösen, welche während des Festivals erzielt werden, verglichen. Dabei erkennbare Mehreinkünfte werden den Besuchern des Festivals zugerechnet[2].

Kritisch bewertet werden muss die Tatsache, dass im Rahmen des Festivals auch örtlich ansässige Besucher zu stärkeren Ausgaben motiviert werden können. Ebenso kann es zu Preisunterschieden, gerade im Bereich der Gastronomie, zwischen der festivalfreien und der Zeit mit Veranstaltung kommen. Weiter können, vor allem in Ballungsräumen, während des Festivals durch andere Veranstaltungen in der Umgebung Effekte ausgelöst werden, welche in der Analyse fälschlich dem Event zugeschrieben werden. Beispiele hierfür könnten Messen, Kongresse oder große Sportveranstaltungen in direkter Nachbarschaft sein, die sich gleichfalls auf die Übernachtungszahlen und die Gastronomie auswirken.

1.2.2 Methode der Bestimmung der Einnahmereste

Diese Methode ist eine statische Methode, bei der davon ausgegangen wird, dass im Zeitraum des Festivals die Ausgaben der Einwohner geringer sind als die Einnahmen der Unternehmen. Subtrahiert man die Ausgaben der Einwohner für Güter und Dienstleistungen von den Einnahmen der Hotels, Restaurants und Geschäfte, so erhält man den durch Festivalbesucher initiierten Überschuss.

Um die Ausgaben der Bewohner zu bestimmen, multipliziert man die lokalen Einkommen mit dem Prozentsatz, welcher von den Einwohnern unter normalen Umständen für Güter und Dienstleistungen ausgegeben wird[3].

Große Schwierigkeiten entstehen schon bei der Erhebung der benötigten Daten, da diese in Deutschland nicht durch Agenturen verwaltet werden wie z.B. in den Vereinigten Staaten üblicherweise durch Wirtschaftsförderungsagenturen. Ebenso wird in diesem Modell davon ausgegangen, dass die Bewohner einer Stadt ihre Bedürfnisse für Güter und Dienstleistungen nur in ihrem Wohnort befriedigen, was gerade in Ballungsräumen wie dem Ruhrgebiet unrealistisch erscheint.

1.2.3 Methode der Angebotsseitenschätzung

Bei dieser Methode wird versucht, den Beitrag des Festivals für einen bestimmten regionalen Wirtschaftsraum zu bestimmen und mit der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zu verknüpfen. Durch das Einbeziehen bestimmter Informationen und Rechnungen lassen sich die einzelnen betroffenen Wirtschaftsbereiche genauer erfassen und kombinieren[4].

In einem weiteren Schritt wird der Anteil der durch das Festival initiierten Wirtschaftsleistungen durch ausgewiesene Experten geschätzt.

Kritisch zu sehen ist bei dieser Methode die durch Experten erfolgende Schätzung des Anteils. Abhängig vom jeweiligen Experten werden die Schätzungen stark voneinander differieren. Der Anteil der auf das Festival zurückzuführenden Einnahmen wird sich nur unzureichend bestimmen lassen. Weiter stellt eine Veranstaltung wie ein Festival nur einen geringen Beitrag in der Ganzjahresrechnung der betroffenen Wirtschaftbereiche dar, so dass es leicht zu Unter- und Überschätzungen kommen kann.

1.2.4 Methode der Ausgabenhochrechnung

Bei diesem Modell werden die Ausgaben der Besucher für Beherbergung mit den ermittelten Daten über die Ausgaben für Güter und Dienstleistungen während des Festivals verknüpft. Um die Übernachtungskosten der Touristen zu ermitteln, bedarf es einer Zusammenarbeit mit der örtlichen Hotellerie. Diese muss ihre Gäste zum Grund der Reise befragen und die ermittelten Daten weiterleiten. In anderen Staaten lassen sich diese Angaben z.T. bei der Finanzverwaltung oder öffentlichen Behörden erfragen. In einer repräsentativen Umfrage werden die Ausgaben der Besucher ermittelt, wobei die oben erwähnten Schwierigkeiten bei Befragungen auftreten können (vgl. Kapitel 1.1). Stehen die benötigten Daten zu Verfügung, wird das Verhältnis von Beherbergungskosten zu den weiteren Ausgaben ermittelt. Durch die Multiplikation der so ermittelten Daten lässt sich ein Verhältniswert errechnen, mit welchem man anhand der Übernachtungen die in der Region durch das Festival initiierten Gesamteinnahmen taxieren kann.

Die Analyse lässt sich noch exakter gestalten, wenn die verschiedenen Beherbergungsbetriebe einzeln untersucht werden. Somit wird die Aufmerksamkeit auf die vorhandenen Preisunterschiede (Campingplatz – 5-Sterne-Hotel) gelenkt.

Zu kritisieren ist an dieser Methode die Möglichkeit der Verfälschung der Daten. Da hier Verhältniswerte z.T. in großer Zahl miteinander multipliziert werden, können schon leichte Abweichungen zu eklatanten Fehlern und einer Über- oder Unterbewertung des Festivals führen. Ein weiterer Kritikpunkt ist die ausschließliche Betrachtung der Beherbergungsbetriebe. Wie an dem Festival „Bochum Total“ deutlich zu erkennen ist, übernachtet ein Großteil der Besucher bei Freunden/Bekannten/Verwandten, so dass sie in diese Analyse nicht einfließen, was zu einer gravierenden Fehleinschätzung der wirtschaftlichen Effekte führen würde.

1.3 Messung der Wirkungen auf den Arbeitsmarkt

Gerade bei einem Event wie „Bochum Total“, das nur wenige Tage dauert, treten Schwierigkeiten bei der Messung der Effekte auf die regionale Beschäftigung auf. Da aber dieser Bereich in einer Region wie dem Ruhrgebiet mit hohen Arbeitslosenquoten als sehr wichtig angesehen wird, müssen bei der Analyse gewisse Definitions-, Abgrenzungs- und Messprobleme überwunden werden.

Die wichtigsten Modelle zur Messung der Effekte auf die örtliche Beschäftigung[5] sind die

1.3.1 Beschäftigtenzählung

Diese Methode erscheint als die Unkomplizierteste, da hier die im Zeitraum des Festivals an- und eingestellten Personen betrachtet und gezählt werden. Subtrahiert man von dieser Zahl die im Zeitraum ohne Festival vorhandenen Beschäftigten, erhält man die Zahl der für den Event eingestellten Personen. Schwierigkeiten treten auf, sobald man die Beschäftigungseffekte der vor- und nachgelagerten Bereiche mit in die Untersuchung einbeziehen will, da hier eine einfache Messung nicht mehr möglich ist. Ob z.B. eine Neueinstellung in der örtlichen Brauerei aufgrund des Festivals vorgenommen wurde oder bedingt durch die wachsende Nachfrage auch aus anderen Bereichen veranlasst wurde, lässt sich kaum überprüfen. Weiter handelt es sich um eine statische Analyse, welche nur den Bestand zu einem bestimmten Zeitpunkt betrachtet, jedoch Folgewirkungen nicht in die Untersuchung mit einbezieht.

1.3.2 Einfache Berechnung nach Touristenausgaben

Bei dieser Methode versucht man die oben beschriebenen Probleme zu vermeiden, indem die Ausgaben der Besucher in Beschäftigte umgerechnet werden[6]. Die bei der Ermittlung der Touristenausgaben auftretenden Probleme wurden oben bereits beschrieben. Liegen die benötigten Daten vor, wird durch Schätzung der Anteil der Ausgaben für Löhne und Gehälter an den Einnahmen in den Wirtschaftsbereichen bestimmt. Die festivalinitiierten Ausgaben lassen sich durch die Multiplikation der Besucherausgaben mit den ermittelten Anteilen errechnen. Dividiert durch die durchschnittlichen Personalkosten pro Beschäftigten in dem untersuchten Wirtschaftsbereich ergibt sich die Zahl der durch das Festival bedingten Einstellungen bzw. der geschaffenen Arbeitsplätze.

[...]


[1] Mundt, Jörn W.: Einführung in den Tourismus, 2. Aufl., Oldenbourg Verlag, Müchen 2001, S. 360f.

[2] Mundt, Jürg W.: Einführung in den Tourismus, 2. Aufl., Oldenbourg Verlag, München 2001, S. 362

[3] für genauere Informationen s. Smith, Steve: Tourism Analysis. A Handbook, Longman Scientific and Technical, Harlow 1989, S. 280ff.

[4] Mundt, Jürg W.: Einführung in den Tourismus, 2. Aufl., Oldenbourg Verlag, München 2001, S. 363ff.

[5] für genauere Informationen vgl. Forsyth, P., Dwyer L.: Modelling Tourism Jobs. Measuring the Employment Impacts of Inbound Tourism, Australien Government Publishing Service, Canberra 1994

[6] Mundt, Jörn: Einführung in den Tourismus, Oldenbourg Verlag, München 2001, S. 368ff.

Details

Seiten
27
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656895558
ISBN (Buch)
9783656906698
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v289325
Institution / Hochschule
Westfälische Hochschule Gelsenkirchen, Bocholt, Recklinghausen – FH Gelsenkirchen, Abt. Bocholt
Note
1,3
Schlagworte
modelle analyse effekte musik-festivals

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