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Das Konzept der Klubkonvergenz

Hausarbeit (Hauptseminar) 2003 13 Seiten

VWL - Konjunktur und Wachstum

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konvergenzhypothese
2.1 Die absolute Konvergenz-Hypothese
2.2 Die bedingte Konvergenz-Hypothese
2.3 Die Klubkonvergenz-Hypothese

3. Die Klubkonvergenz in Standardmodellen
3.1 Klubkonvergenz im neoklassischem Wachstumsmodell
3.2 Klubkonvergenz im Modell überlappender Generationen

4. Klubkonvergenz in erweiterten Wachstumsmodellen
4.1 Klubkonvergenz und Humankapital
4.2 Klubkonvergenz und Einkommensverteilung
4.3 Klubkonvergenz und endogen modellierte Fruchtbarkeit

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

In der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung wird in den letzten Jahren zunehmend der Frage nachgegangen, ob, wie schnell und unter welchen Voraussetzungen Länder beziehungsweise Regionen unterschiedlichen Entwicklungsstandes konvergieren.

Doch diese entwicklungspolitische Debatte hat nicht nur eine wissenschaftliche, sondern auch eine politische Bedeutung.

Im Zuge der gegenwärtigen Diskussion über die Globalisierung, wird einerseits befürchtet, dass ganze Gruppen von Ländern wegen der zunehmenden Integration von Wirtschaftsräumen dauerhaft in Armut verharren und andererseits wird das Gegenteil behauptet, das heißt, dass die Globalisierung als Voraussetzung wirtschaftlicher Chancengleichheit dargestellt wird.

Die Fragen zur Konvergenz werden auf Grundlage der traditionellen neoklassischen Wachstumstheorie und der "neuen" Wachstumstheorie diskutiert und in jüngster Zeit zunehmend auch empirisch überprüft.

Nach der neoklassischen Theorie des wirtschaftlichen Wachstums gibt es einen automatischen Mechanismus, der zu Konvergenz der Pro-Kopf-Einkommen zwischen armen und reichen Ländern bzw. Regionen führt. Aber weder international noch zwischen den Regionen der Bundesrepublik Deutschland entspricht die tatsächliche Entwicklung unbedingt den Vorhersagen dieses Modells. So bestehen nach wie vor große Einkommensdisparitäten, die nur sehr langsam abnehmen. In empirischen Untersuchungen zur Konvergenz wurde festgestellt, dass die Einkommensunterschiede zwischen manchen Ländern abgenommen, zwischen anderen sich aber sogar noch vergrößert haben. Allerdings muss der Widerspruch zwischen den empirischen Fakten und dem theoretischen Modell nicht bedeuten, dass die grundlegenden Vorhersagen des neoklassischen Wachstumsmodells falsch sind.

Innerhalb der Diskussion um die Konvergenz ist die Hypothese der Klubkonvergenz gut empirisch belegt worden. Nur in Regionen, die demselben Konvergenzklub angehören – die eine ähnliche Faktorausstattung und vergleichbaren technologischen Entwicklungsstand aufweisen – gleichen sich die Pro-Kopf-Einkommen langfristig an. Innerhalb eines Konvergenzklubs lässt sich absolute Konvergenz beobachten. Die Wohlstandsunterschiede verschwinden somit. Gehören die Regionen zu unterschiedlichen Konvergenzklubs, kommt es zu bedingter Konvergenz.

Ich möchte mich in meiner Arbeit mit folgende Fragen beschäftigen:

Lässt sich die Klubkonvergenz-Hypothese mit dem neoklassischen Wachstumsmodell erklären? Kann die Klubkonvergenz-Hypothese mit erweiterten Wachstumsmodellen unterstützt werden?

Um diese Fragen beantworten zu können, gehe ich im ersten Abschnitt meiner Arbeit auf die verschiedenen Konvergenzhypothesen ein. Im zweiten Teil untersuche ich den Zusammenhang zwischen der Klubkonvergenz-Hypothese und dem neoklassischen Wachstumsmodell.

In dem dritten Abschnitt beschäftige ich mich mit erweiterten Wachstumsmodellen, die theoretische Ansätze für die Klubkonvergenz bieten.

2. Konvergenzhypothesen

Das neoklassische Wachstumsmodell begründet die Vermutung, dass ärmere Länder schneller wachsen als reichere Länder, weil ärmere Länder weiter vom gleichgewichtigen langfristigen Wachstumspfad entfernt sind.

Bei Annäherung an diesen Wachstumspfad werden Pro-Kopf-Einkommen-Disparitäten kleiner, während sich die Kapitalintensitäten und Einkommensniveaus angleichen.

Im neoklassischen Modell bewegen sich somit die Volkswirtschaften auf ihren jeweiligen Steady-State zu. Diese Annäherung an ein langfristig stabiles Gleichgewicht wird als Konvergenz bezeichnet.[1]

Konvergenz kann sowohl die Prozesse innerhalb einer Volkswirtschaft bei der Bewegung zu ihrem Gleichgewicht beschreiben, als auch die Veränderungen von mehreren Volkswirtschaften untereinander charakterisieren. So wird die Verringerung des Abstandes zwischen mehreren Ökonomien als Konvergenz bezeichnet.[2]

In der Literatur existieren folgende wichtige Konvergenzkonzepte:

- die absolute Konvergenz-Hypothese,
- die bedingte Konvergenz-Hypothese und
- die Klubkonvergenz-Hypothese,

die von dem neoklassischen Wachstumsmodell abgeleitet wurden.

2.1 Die absolute Konvergenz-Hypothese

Zur Darstellung werden zwei Volkswirtschaften während ihres Übergangsprozesses zum Steady-State betrachtet und es wird davon ausgegangen, dass die Ökonomien die gleichen Strukturparameter s, n, x und δ aufweisen. Da die Kombination dieser Parameter die Gleichgewichtswerte bestimmt, bewegen sich folglich beide Volkswirtschaften auf das gleiche langfristige Gleichgewicht zu.

Betrachtet man eine reiche und eine arme Volkswirtschaft, für die folgendes gilt: k(0)arm < k(0)reich, dann bedingt die neoklassische Produktionsfunktion, dass die Grenzproduktivität des Kapitals bei steigendem Kapitaleinsatz sinkt. Folglich wird das Grenzprodukt in der Volkswirtschaft mit der geringeren Anfangskapitalausstattung höher sein als in der reichen Ökonomie. Die arme Volkswirtschaft wird während des Konvergenzprozesses in Richtung Steady-State und der damit verbundenen Kapitalakkumulation schneller wachsen als die reiche.[3]

Somit weist die Ökonomie mit dem geringeren Ausgangswert für k die Tendenz zu einer Annäherung an die reiche Volkswirtschaft auf. Die Konvergenz dieser Volkswirtschaften zum gleichen Steady-State wird als absolute Konvergenz bezeichnet. Das impliziert, dass die ärmere der beiden Ökonomien die höhere Wachstumsrate für k und infolgedessen auch für y und c hat.[4]

Die ärmere Volkswirtschaft holt demnach in bezug auf die Kapitalintensität während des Konvergenzprozesses relativ zur reicheren auf.[5]

[...]


[1] Vgl.: Schmidt, Hansjörg: Konvergenz wachsender Volkswirtschaften. Zürich, 1997,
S. 12

[2] Vgl.: Schmidt, Hansjörg, a.a.O., S. 14

[3] Vgl.: Lüschow, Jörg: Technologie, Wachstum und Konvergenz. Münster, 1997, S. 17

[4] Vgl.: Jahn, Elke / Wagner, Thomas: Wachstum und Konvergenz.
In: Das Wirtschaftsstudium (303), Jahrgang 25, Heft 8, 1996, S. 777

[5] Vgl.: Schmidt, Hansjörg: Konvergenz wachsender Volkswirtschaften. Zürich, 1997,
S. 12f.

Details

Seiten
13
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638305716
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v28926
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Institut für Außenhandel und Wirtschaftsintegration
Note
gut
Schlagworte
Konzept Klubkonvergenz Seminar Volkswirtschaftstheorie Wachstum Entwicklung

Autor

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