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Die Hund-Mensch-Beziehung. Risiken und Chancen des Hundeeinsatzes in der Psychiatrie

Akademische Arbeit 2008 29 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhalt

1. Aspekte der Hund – Mensch – Beziehung
1.1 Bindung – Beziehung – Kommunikation
1.2 Die Domestikation des Hundes
1.3 Bindung Hund – Mensch
1.4 Kommunikation Hund – Mensch
1.5 Der Hund in der Tiergestützten Arbeit
1.5.1 Anforderungen an Wesen und Verhalten des Hundes
1.5.2 Anforderungen an Erziehung und Gewöhnung des Hundes

2. Risiken und Chancen des Hundeeinsatzes in der Psychiatrie
2.1 Chancen des Hundeeinsatzes
2.1.1 Der positive Einfluss auf den psychischen Zustand des Menschen
2.1.2 Der positive Einfluss auf zwischenmenschliche Kontakte
2.2 Risiken des Hundeeinsatzes
2.2.1 Gefährdungen für den Menschen
2.2.2 Gefährdungen durch den Menschen

3.Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

1. Aspekte der Hund – Mensch – Beziehung

Zu Beginn dieser Arbeit werden verschiedene Aspekte der Beziehung zwischen dem Hund und dem Menschen erläutert. Hierfür werden zunächst Konzepte vorgestellt, die zur grundsätzlichen Klärung dienen, warum eine Bindung zwischen Menschen und Tieren möglich und von beiden gesucht wird.

Im zweiten Teil soll darauf aufbauend schließlich auf die Risiken und Chancen des Hundeeinsatzes in der Psychiatrie eingegangen werden.

Nach Olbrich (1997, S. 18) kann der Mensch, psychologisch gesehen, drei verschiedene Arten von Beziehungen zu Tieren aufbauen:

Nach Olbrich (1997, S. 18) kann der Mensch, psychologisch gesehen, drei verschiedene Arten von Beziehungen zu Tieren aufbauen:

- Funktionale Beziehung
Das Tier wird als Arbeitskraft, Nahrungs- oder Kleidungslieferant benutzt, man spricht in diesem Zusammenhang auch von Nutztieren.
- Emotionale Beziehung
Das Tier wirkt symbolisch und hat großen Einfluss auf unseren alltäglichen Sprachgebrauch. Des Weiteren sind Tiere Ziele von menschlichen Projektionen, was nicht immer unproblematisch ist.
- Ökologische Gemeinsamkeit
Der Mensch spürt eine Nähe zum Tier, die über die emotionale Nähe hinausgeht und am besten mit dem Konzept der Biophilie beschrieben werden kann. Der Mensch fühlt sich, an der Seite von Tier und Natur, als Teil eines universellen Ganzen.

Die menschliche Entwicklungsgeschichte ist laut Bergler (1986, S.11) „[...] immer in der ganzheitlichen wechselseitigen Abhängigkeit von Mensch, Tier und Natur begründet gewesen“.

Die Psychologin Andrea Beetz (vgl. 2003, S. 80), vermutet dass die Beziehung zu Heimtieren vor allem deswegen für die Menschen immer wichtiger wurde, weil sich der Mensch bisher aufgrund seiner kurzen zivilisatorischen Entwicklung noch nicht an seine neue technisierte und urbanisierte Umwelt gewöhnen konnte.

1.1 Bindung – Beziehung – Kommunikation

Biophilie

Als eine Erklärung für die Tatsache, warum Menschen die Nähe von Tieren suchen, kann das Konzept der Biophilie dienen. Der Begriff Biophilie wurde 1984 vom Soziobiologen Edward O. Wilson ausgeführt und beschreibt die archaischen Wurzeln der Mensch-Tier-Beziehung. Der Mensch fühlt sich demnach zu allem bewegten und unbewegten Leben hingezogen, sowohl zu allen Lebewesen als auch zu Ökosystemen die in der Lage sind, Lebendiges hervorzubringen. Dies ist darin begründet, dass der Mensch über Millionen von Jahren eine biologisch fundierte Verbundenheit zum Leben und zur Natur entwickelt hat, indem er in enger Beziehung zur Natur lebte. (vgl. Olbrich 2003, S.69).

Tiere sind nach Olbrich „[...]evolutionär bedeutsam gewordene Beziehungs“ objekte“ in einem System [...]“. (Olbrich 2003, S. 73)

Vor dem Hintergrund des Konzeptes Biophilie können sich positive Effekte im Zusammensein mit Tieren dahingehend äußern, dass sie Lebenssituationen vervollständigen oder ergänzen. Aufgrund der wachsenden Isolation und Vereinsamung in der heutigen Gesellschaft können Menschen von einer emotionalen Bindung zu Tieren besonders profitieren. Der Mensch kann sich das Tier in Bezug auf „[…] emotionale Sicherheit, Zusammenhalt, Selbstwertgefühl und psychische Erholung.“ (Forschungskreis Heimtiere in der Gesellschaft 1/ 2006, S.3) zunutze machen.

Für Olbrich sind die „[...] deutlichsten Effekte der Anwesenheit von Tieren [...] sozial“. (Olbrich 2003, S. 76) Demnach sind Tiere für Olbrich „[...] soziale Katalysatoren, d. h. sie erleichtern oder ermöglichen den sozialen Austausch mit Menschen und anderen Lebewesen.“ (Olbrich 2003, ebd.).

Du-Evidenz

Das Konzept der Du-Evidenz[1] wird von mehreren Autoren als Erklärung der Möglichkeit von Beziehungen zwischen Menschen und Tieren erwähnt. (vgl. Greiffenhagen 1991, S.26-29, Förster 2004, S.19) Sylvia Greiffenhagen versteht unter dem Konzept die Annahme, dass „[…] zwischen Menschen und höheren Tieren Beziehungen möglich sind, die denen entsprechen die Menschen unter sich, bzw. Tiere untereinander kennen“. (Greiffenhagen 1991, S. 26) Hier zählt vor allem die subjektive Beurteilung des Menschen, ob es sich bei der Beziehung zum Tier um eine Partnerschaft handelt und nicht ob es objektiv eine ist. Das Tier wird individualisiert, indem es einen Namen bekommt und somit zu einem Subjekt mit Bedürfnissen und Rechten wird. Greiffenhagen sieht das Konzept der Du-Evidenz als „unumgängliche Voraussetzung“ (Greiffenhagen 1991, S. 28) dafür an, dass Tiere therapeutisch und pädagogisch hilfreich sein können.

Analoge und Digitale Kommunikation

In der menschlichen Kommunikation werden Objekte entweder durch Analogie (z.B. Zeichnungen) oder durch Namen dargestellt. In der Kommunikationspsychologie wird dies als analoge und digitale Kommunikation bezeichnet. (vgl. Watzlawick et al. 2003, S. 62)

Menschen nutzen digitale Kommunikation (Schrift oder Sprache), um Informationen über Dinge mitzuteilen, also Inhalte und Wissen weiterzugeben.

Analoge Kommunikation wird benutzt, um Bezogenheit auszudrücken, sie wird beim Ausdruck einer tiefen, rational nicht kontrollierten Beziehung bedeutsam, so z.B. in der Liebe wo mit Blicken oder Berührungen manchmal genauso viel oder sogar mehr ausgesagt werden kann als mit Worten. Watzlawick et al. bringen es auf den Punkt: „Überall, wo die Beziehung zum zentralen Thema der Kommunikation wird, da erweist sich digitale Kommunikation als so gut wie bedeutungslos.“ (2003, S.64).

Jedoch finden beide Formen der Kommunikation nur unter Menschen statt, Tiere und Menschen kommunizieren ausschließlich analog miteinander, also nonverbal über Gestik und Mimik. (vgl. Watzlawick et al. 2003, S.63) Tiere verstehen die menschliche Sprache nicht, sie erfassen nicht die Bedeutung der Worte, sondern den Anteil analoger Kommunikation, der durch Stimmlage und Gestik transportiert wird und können somit bestimmte Wörter mit bestimmten Aufforderungen assoziieren. (vgl. Feddersen-Petersen 2003, S.350). So ist tierliche Kommunikation, wie frühkindliche, auf die Beziehung zwischen Sender und Empfänger fokussiert. Ein Kind, das noch nicht sprechen kann und seinen Eltern die Arme entgegenstreckt, um so körperliche Nähe zu erlangen, kommuniziert ebenso digital wie der Hund, der bellt und damit seine Loyalität zum Rudelführer Mensch bekundet. Neben der rationalen, wissenschaftlich und technologisch kontrollierten Welt hat die Welt der emotionalen Bezogenheit und Empathie einen wichtigen Platz im menschlichen Leben und den Zugang hierzu bietet die analoge Kommunikation.

Da Tiere vor allem die analogen Anteile der Kommunikation wahrnehmen, die vom Menschen gesendet werden, verlangen sie von der mit ihnen in Beziehung stehenden Person eine echte, stimmige Bezogenheit. Mensch-Tier-Kommunikation ist aufgrund ihrer Authentizität therapeutisch wertvoll, da widersprüchliche Kommunikation vermieden und übereinstimmende gefördert wird. In diesem Zusammenhang schreiben Watzlawick et al., dass „Kindern, Narren und Tieren“ (2003, S. 64) bekanntermaßen eine besondere Intuition hinsichtlich aufrichtiger oder unehrlichen Mitteilungen nachgesagt wird.

Von grundlegender Bedeutung für die Kommunikation zwischen Mensch und Tier sind Vertrauen, Körperkontakt und die Entwicklung einer emotionalen und sozialen Bindung.

Neben diesen hier vorgestellten und der Autorin am wichtigsten erscheinenden Konzepten gibt es zahlreiche andere, die zur Erklärung der Wirksamkeit der Mensch-Tier-Beziehung herangezogen werden. Die Autorin verweist an dieser Stelle zur weiteren Lektüre auf das Kapitel Zum Verstehen der tiergestützten Therapie: Versuch einer Integration von Erhard Olbrich. (vgl. 2003, S.184 ff)

1.2 Die Domestikation des Hundes

Der Wolf wurde durch Domestikation (Haustierwerdung), einem mit genetischen Veränderungen verbundenen und jahrtausende andauernden Prozess, zum Heimtier Hund. (vgl. Feddersen-Petersen 1989, S.27)

Vor etwa 14.000 Jahren, während der Eiszeit, gesellte sich der Wolf zu den damaligen Menschen. Warum dies geschah ist bisher noch nicht abschließend geklärt. Es wird vermutet, dass mutterlose Wolfswelpen von Menschen aufgezogen wurden und sich schließlich der menschlichen Gemeinschaft anschlossen.

Der Wolf war, ausgestattet mit einem geselligen Wesen und einem ausgeprägten Hierarchiedenken, äußerst gut für eine Domestikation geeignet. (vgl. Feddersen-Petersen 1989, S.28)

Wölfe, die in den Lagern und Siedlungen der Menschen blieben, bildeten einen vom wilden Wolf isolierten Bestand. Dieser Prozess ist eine wichtige Voraussetzung für die Domestikation. Vor etwa 4.000 Jahren begann der Mensch mit der Zucht einiger weniger Rassen. Seit etwa 2.000 Jahren werden Hunderassen gezielt gezüchtet, heute existieren ca. 350 verschiedene Rassen. (vgl. Schlegl-Kofler 1997, S. 10)

Der Hund gilt als das älteste Haustier des Menschen, zuerst wurde er in Europa und im Vorderen Orient und später in Amerika domestiziert. (vgl. Feddersen- Petersen 1989, S.28)

Nach Statistiken des Industrieverbands Heimtierbedarf (IVH) werden in Deutschland 23,2 Mio. Heimtiere (ohne Zierfische und Terrarientiere) gehalten. In 13,3 % aller deutschen Haushalte werden insgesamt 5,3 Millionen Hunde gehalten. (vgl. IVH Datenblatt 2006, S.4)

Der Psychologe Reinhold Bergler (1986, S.15) sieht die Tatsache, dass sich die Wissenschaft mit der Beziehung von Mensch und Hund auseinandersetzt, als Zeichen für eine „[...] Auflösung einer selbstverständlichen Symbiose“ an. Die Beschäftigung mit Tieren im Allgemeinen und mit Heimtieren im Besonderen ist in einer Gesellschaft die sich zunehmend von der Natur entfernt und entfremdet nicht mehr selbstverständlich. (vgl. Bergler 1986, S.15).

Die Domestikation des Hundes ist also die Hauptvoraussetzung für die Möglichkeit der Entstehung einer Beziehung zwischen Mensch und Hund.

1.3 Bindung Hund – Mensch

Die dem Wolf angeborene Scheu vor dem Menschen hat der Hund durch die Domestikation verloren. Der Mensch ist dem Hund ein wichtiger Sozialpartner geworden. Hunde haben die Fähigkeit, die Körpersprache und die Stimme des Menschen zu verstehen und auf sie zu reagieren. Für ein harmonisches Zusammenleben mit dem Menschen braucht der Hund jedoch engen Kontakt und klare Regeln. Dadurch kann er Vertrauen und Sicherheit entwickeln und fühlt sich in seinem Rudel mit dem Menschen geschützt. Bei der Integration in die Familie darf jedoch nicht vergessen werden, dass es sich um einen Hund handelt und dass er als solcher behandelt werden muss.

Die Personen, die mit einem Hund zusammen leben, stellen für ihn ein menschliches Ersatzrudel dar. Schon als Welpe benötigt der Hund klare Regeln und Grenzen. Der Hund wird, soweit er sich sicher und geborgen fühlt, den Menschen als seinen Rudelführer akzeptieren. Wenn der Hund in einer Familie lebt, muss ihm während seiner Eingewöhnungszeit sein Platz innerhalb des Rudels verdeutlicht werden und jedes Familienmitglied muss konsequent mit ihm umgehen, um Konflikte zu vermeiden. (vgl. Schlegl-Kofler 1997, S.10 ff)

Dr. James Serpell, Leiter des Zentrums für die Interaktion von Tieren und Gesellschaft an der Universität von Pennsylvania (USA) meint, dass Hunde und Katzen ihre anhaltende Beliebtheit als Tiergefährten neben der Tatsache, dass sie häuslich, tagaktiv, nicht aggressiv und leicht an das Haus zu gewöhnen sind, vor allem aufgrund ihrer nonverbalen Ausdrucksfähigkeit aufrecht erhalten haben. (vgl. Serpell 1990, S. 145)

Der Mensch ist also durch den Kontakt zum Hund in der Lage, Verbundenheit mit der Natur zu erleben, er hat die Möglichkeit mit dem Hund zu kommunizieren und Körperkontakt auszutauschen.

Neben diesen Vorteilen, die der Umgang mit Tieren mit sich bringen kann, darf jedoch nicht vergessen werden, dass auch das Tier Bedürfnisse hat, denen der Mensch gerecht werden muss. Auf mögliche Formen von Missbrauch gegenüber Tieren wird im Verlauf dieser Arbeit unter Punkt 2.2.2 eingegangen.

1.4 Kommunikation Hund – Mensch

Ein Hund kann die Stimmungen des Menschen anhand körpersprachlicher Zeichen erkennen, jedoch nicht anhand seiner gesprochenen Worte. Je eindeutiger der Mensch kommuniziert, desto besser verstehen sich Mensch und Tier.

In der Welt der Hunde gibt es vier wichtige Kommunikationsebenen (vgl. Feddersen 2003, S. 350 ff):

- Akustische Signale Der Hund interagiert und kommuniziert differenziert über das Bellen. Das Bellen hat sich in seiner Struktur und Funktion im Verlauf der Domestikation des Hundes sehr verändert und erfüllt laut Feddersen-Petersen die Anforderungen an den domestizierten Wolf im Zusammenleben mit dem Menschen ausgezeichnet. (vgl. Feddersen-Petersen 2003, S.355)
- Visuelle Signale Die Gestik, Mimik und Blickkontakte eines Hundes vermitteln, ebenso wie die Körperhaltung eines Hundes, Informationen über den emotionalen Zustand eines Hundes, über dessen Motivationen und Verhaltensbereitschaften. Des Weiteren haben sie eine Appellfunktion und sind durch ihren dialogischen Charakter in der Lage, Beziehungen zu regulieren. (vgl. Feddersen-Petersen 2003, S. 350-351)
- Olfaktorische Signale Hunde setzen Kot, Urin und Sekrete der Analdrüsen zur Markierung ein und kommunizieren damit untereinander Territorialansprüche, Paarungsbereitschaft, soziale Rangfolge und vieles mehr. (vgl. ebd., S.355)
- Taktile Signale Unter Bindungspartnern aber auch bei Rangauseinandersetzungen spielt die taktile Kommunikation, also Berührung zwischen zwei Hunden eine große Rolle. Sie erfolgt in Form von Lecken, Anrempeln, Kopf auflegen usw. Häufige Berührungen von Mensch zu Tier festigen Beziehungen, fördern Bindungen und vermitteln dem Tier soziale Sicherheit. (vgl. ebd. S. 357)

Es ist zu beachten, dass es sich immer um einen differenziert zusammengesetzten Gesamtausdruck handelt, in denen Signalen je nach Kontext ganz unterschiedliche Bedeutungen zukommen können. Der Haushund, beispielsweise, verfügt über eine differenzierte Signalmotorik und kommuniziert sehr ausgeprägt im optischen Bereich, durch Mimik und Gestik, so Feddersen-Petersen. (vgl. Feddersen-Petersen 1989, S. 31)

Die Beziehung zu einem Tier kann zu einer besseren Abstimmung zwischen innerem Erleben, Bewusstsein und Kommunikation des Menschen führen.

1.5 Der Hund in der Tiergestützten Arbeit

Hund und Mensch sind also in der Lage, miteinander in Beziehung zu treten und miteinander zu kommunizieren. Des Weiteren kann ein Hund die Arbeit eines psychosozial tätigen Menschen hilfreich unterstützen. Die Vorbedingungen, damit ein Hund tatsächlich positiv auf den Hilfeprozess einwirken kann, werden nachfolgend dargestellt. Es gibt vielfältige Formen wie Hunde den Menschen in einem helferischen oder therapeutischen Kontext unterstützen können.

Voraussetzung für den Einsatz eines Hundes in der therapeutischen Begleitung eines Klienten ist, nach Otterstedt (vgl. 2001, S. 20), dass den Bedürfnissen, wie dem artgerechten Verhalten des Tieres, entsprochen wird. Eine freie Begegnung zwischen Mensch und Hund kann nur erfolgen, wenn das Tier sich wohl fühlt. Sobald die Begegnung von einem der beiden Interaktionspartner nicht erwünscht ist, ist die Begegnung kaum Gewinn bringend. Daher sollte vor der Begegnung genau abgeklärt werden, ob eine positive Grundeinstellung gegenüber Hunden oder gar eine Hundephobie besteht und das Tier sollte nicht zur Arbeit „dressiert“ werden. Damit ist gemeint, dass ein Hund immer die Möglichkeit haben sollte, die Arbeit zu verweigern und nicht nur stur Befehle ausführen soll. Bergler fand heraus, dass nur Heimtiere, die erwünscht, akzeptiert und artgerecht gehalten werden, positive Effekte auslösen können. (vgl. Bergler 2000, S.283) Dies gilt sowohl für Tiere die unmittelbar mit dem Menschen zusammenleben als auch für Tiere, die ambulant oder stationär in Institutionen oder bei Privatpersonen eingesetzt werden.

Besonders die im Sozialverbund aufwachsenden und in der Regel kontaktfreudigen Hunde nehmen, laut Otterstedt (vgl. 2001, S.95), die psychische und physische Verfassung des Menschen sensibel wahr. In der therapeutischen Begleitung stimme das Tier sein Verhalten dann dementsprechend auf den Menschen ab. Der Tierbegleiter hat hier die Aufgabe, Hund und Mensch eine freie Begegnung zu ermöglichen, ohne dass jedoch der Hund gefährdet wird, wie z.B. durch ungestümes Drücken, gegen welches er sich nicht zur Wehr setzt.

1.5.1 Anforderungen an Wesen und Verhalten des Hundes

Gemäß der Vorgabe der Delta Society soll das Tier, also in diesem Fall der Hund, sorgsam ausgewählt werden, gesund sein, sowie den Kriterien des Risikomanagements des späteren Einsatzgebietes entsprechen. (vgl. Delta Society 1996, S.41) Des Weiteren soll das Tier die Größe, das Alter und das Fähigkeitsniveau besitzen, welches für die Teilnahme an einer Gewinn bringenden Maßnahme benötigt wird. (vgl. Delta Society 1996, ebd.) Für die Auswahl eines Hundes für die tiergestützte Maßnahme wird empfohlen auf Faktoren wie Rasse, Geschlecht, Alter, Größe, Gesundheit und Passung zu achten. Das

Risiko für Hund und Tier kann durch die Beachtung dieser Faktoren minimiert werden. (vgl. Delta Society 1996, ebd.)

Bestenfalls beginnt die Ausbildung zum Therapiebegleithund nach Meinung der Sozialpädagogin Sandra Müller (vgl. 2006, S.7 ff) schon mit der Wahl eines Züchters, dessen Elterntiere sich durch folgende erwünschte Anlagen auszeichnen (vgl. Müller, S. 2006, S. 7 ff, Niepel 1998, S.100)

- Menschenfreundlichkeit

Der Hund sollte von sich aus gern Kontakt zum Menschen herstellen und sich friedlich gegenüber Artgenossen und anderen Tieren verhalten.

- Freude an körperlicher Zuwendung

Das Streicheln und Anfassen sollte vom Hund nicht nur geduldet, sondern auch genossen werden.

- Ein ausgeglichenes Wesen

Ein für die Tiergestützte Arbeit ausgewählter Hund sollte so wenig Aggressionenzeigen wie möglich, des Weiteren sollte er keinen ausgeprägten Futterneid haben und wenig bellen, da dies als Bedrohung oder Lärmbelästigung wahrgenommen werden könnte.

- Wesenfestigkeit mit hoher Reizschwelle

Ein geeigneter Hund sollte sich sehr sicher gegenüber optischen und akustischen Reizen zeigen.

- Ein möglichst gering ausgeprägter Schutztrieb

Ein Hund mit ausgeprägtem Schutztrieb könnte eifersüchtig reagieren wenn jemand seinem Besitzer zu nahe kommt und ist daher für den Einsatz in der tiergestützten Arbeit ungeeignet.

- Niedriges bis mittleres Aktivitätsniveau

Der geeignete Hund soll Aufforderungscharakter besitzen, jedoch trotzdem ruhig wirken. Ein temperamentvoller Hund ist eher ungeeignet, da er durch seine Hektik Unruhe verbreitet.

Je nach Einsatzort und Zielgruppe können die Anforderungen an den Hund unterschiedlich sein. Wesentlich sind jedoch die Menschenbezogenheit, die Freude am Menschenkontakt und der Genuss von Körperkontakt.

[...]


[1] Damit ist das subjektive Erkennen des Gegenübers als Du gemeint, das damit seine Anonymität verliert und an Individualität gewinnt

Details

Seiten
29
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656893349
ISBN (Buch)
9783656906575
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v289177
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,3
Schlagworte
hund-mensch-beziehung risiken chancen hundeeinsatzes psychiatrie

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Titel: Die Hund-Mensch-Beziehung. Risiken und Chancen des Hundeeinsatzes in der Psychiatrie