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Sun Yat-Sen und sein politisches Denken in Bezug auf den Panasianismus in Ostasien

Studienarbeit 2013 36 Seiten

Orientalistik / Sinologie - Chinesisch / China

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sun Yat-Sen
2.1 Vater der chinesischen Revolution und Gründer der Republik China
2.2 Sun Yat-Sen und der Umsturz der Qing Dynastie
2.3.1 Sun Yat-Sens Kontakte nach Japan - 1895 bis
2.3.2 Sun Yat-Sens Kontakte nach Japan - 1913 bis

3. Der Panasianismus
3.1 Der Panasianismus – Eine Definition
3.2 Der Panasianismus in Japan – Eine Ideologie der Meiji-
und Taishô-Ära
3.3 Ursprung und Richtung einer (japanischen) Ideologie
3.4 Okakura Tenshin und Kodera Kenkichi – Zwei Vertreter und zwei
Ansichten des Panasianismus
3.5 Sun Yat-Sen und die panasiatische Bewegung

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit werde ich mich mit einer Darstellung Sun Yat-Sens, seinen politischen Gedanken und der Ideologie des Panasianismus in Ostasien beschäftigen und der Frage nachgehen, welche Kontakte Sun Yat-Sen in Bezug auf seine politischen Bemühungen nach Japan hatte, inwiefern diese ihn unterstützten und welchen Position Sun Yat-Sen schlussendlich gegenüber der Idee des Panasianismus vertrat. Sun Yat-Sen gilt als Intellektueller, Revolutionär und Gründungsvater der Republik China. Aufgrund seiner politischen Einstellung und Bemühungen die unter den Mandschu stehende Qing-Regierung zu stürzen, sah sich Sun Yat-Sen gezwungen eine gewisse Zeit im Exil zu verbringen. Er verbrachte unter anderem viele Jahre in Japan, wo er seine Zeit nutzte, um dort weiter politisch aktiv zu sein und seine Ziele weiter zu verfolgen. So fand er Zuspruch und Unterstützung unter japanischen Intellektuellen und gründete in Japan Geheimorganisationen wie die bekannte Tong Meng Hui 同盟会. Nach der Gründung der Republik sah sich Sun abermals gezwungen ins japanische Exil zu gehen. Um erneut Gehör und Unterstützung für seine politischen Vorhaben zu bekommen entwickelte Sun Yat-Sen seine zuvor schon aufgekommene Idee einer Panasiatischen Bewegung, die bereits ihre eigene Form und Vertretung in Japan gefunden hatte. Mit der zunehmend aggressiven Expansionspolitik und Kolonialisierung der imperialistischen Großmächte aus dem Westen während des 18. Jahrhunderts, sahen sich immer mehr asiatische Länder in ihrer Unabhängigkeit und Existenz bedroht und ausgebeutet. Schien der Westen unbesiegbar und sowohl technisch als auch wissenschaftlich allen anderen Nationen in Ostasien überlegen, wagte es niemand daran zu glauben, sich aus den Fängen des Okzidents befreien zu können. Eine Reaktion auf die Bedrohung war die in der Meiji-und Taishô-Ära Japans aufkeimende Ideologie des Panasianismus, der die asiatischen Länder vereinen, im Kampf gegen die Westmächte stärken und zum Frieden in Ostasien führen sollte. In seiner Position als stärkstes und fortschrittlichstes Land Asiens sah sich Japan allerdings im Konflikt mit sich selbst und der Entscheidung, welche politische Position es vertreten solle. War es aufgrund seiner geografischen Lage und seines westlichen Fortschritts überhaupt ein Teil Asiens oder zählte es sich selber zum Westen? Wie sollten die asiatischen Länder vereint werden? Sollte Japan sie dabei unterstützen oder es den Westmächten gleichtun und sie unter die Schirmherrschaft der eigenen Flagge stellen? Die Arbeit wird sich der Thematik entsprechend erst mit Sun Yat-Sen und seinen politischen Gedanken beschäftigen. Dazu sollen seine Ideen und Gedanken wie auch seine politischen Bemühungen dargestellt werden. Was hat er in Japan erreicht, welche Kontakte hatte er und wessen Unterstützung bekam er von japanischer Seite in welcher Form? Der Themenbereich zu den Kontakten zwischen Sun Yat-Sen und Japan wird in zwei Kapitel unterteilt, die die Geschehnisse vor und nach der Gründung der Republik betrachten werden. Das erste Kapitel wird sich auf den Zeitraum zwischen 1895 und 1907 beziehen. In dieser hielt sich Sun Yat-Sen das erste Mal in Japan auf, da er 1895 gezwungen war ins japanische Exil zu gehen und aufgrund von politischem Druck von Seiten der Qing-Regierung Japan verlassen musste. Das zweite Kapitel zu diesem Teilabschnitt wird sich folglich auf die Jahre zwischen 1913, den Bruch mit Yuan Shikai und die erneute Flucht Suns nach Japan, und 1916, das Jahr in dem die Zusammenarbeit zwischen Sun Yat-Sen und Japan vorerst sein Ende fand, beziehen. Hierzu wird sich die Arbeit im Wesentlichen auf den Aufsatz von Albert A. Altman und Harold Z. Schiffrin beziehen.[1] Im Folgenden und zweiten Teil der Arbeit wird die Ideologie des Pan-Asianismus in der Meiji- und Taishô-Ära Japans dargestellt und auch Bezug auf Ansichten zweier Vertreter des Panasianismus, Okakura Tenshin und Kodera Kenkichi, genommen. Im letzten Punkt wird dann auf Sun Yat-Sen und seine Vorstellung und Bemühungen um eine panasiatische Bewegung eingegangen. Als Grundlage dafür dient die Rede, die Sun Yat-Sen 1924 in Kobe gehalten hat. Da in dieser Arbeit die politischen Gedanken Sun Yat-Sens und die Ideologie des Panasianismus in Zusammenhang betrachtet werden sollen, wird der zu betrachtende Zeitraum auf die Anfänge der panasiatischen Ideologie in Japan im 18. Jahrhundert bis auf die Zeit 1920 bis 1930 begrenzt, in der auch Sun seine Vorstellung eines vereinten Asiens formte.

2. Sun Yat-Sen

2.1 Vater der chinesischen Revolution und Gründer der Republik China

Sun Yat-Sen[2] wurde am 12. November 1866 in der Guangdong Provinz Chinas als Sohn einer Bauernfamilie geboren.[3] Mit gerade mal 12 Jahren[4] ist Sun 1879 nach Honolulu gegangen, um bei seinem Bruder Sun Mei zu leben und seine Ausbildung an einer westlichen Schule zu beginnen. Während seiner Ausbildung an einer englischsprachigen Missionarsschule sollen diverse Einflüsse aus dem Westen auf ihn eingewirkt haben, die sein Denken grundlegend und zukunftsweisend geformt hätten. Dabei hätten die Prinzipien der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, die amerikanische Konstitution, die Arbeit Abraham Lincolns und das Christentum eine wesentliche Rolle gespielt.[5] 1883 ist Sun Yat-sen wieder nach China zurückgekehrt, wo er zwei Jahr später zum Christentum konvertierte und seine Hochschulausbildung für Medizin in Hong Kong begann. 1892 schloss er seine fünf jährige Ausbildung des Medizinstudiums für Chinesen ab und hat sich nach zwei Jahren Berufserfahrung in Macao und Kanton entschieden nach Shanghai zu gehen. Im selben Jahr noch ist Sun Yat-sen nach Tianjin gegangen, um seine Reformideen dem General-Gouverneur Li Hongzhang von Zhili vorzustellen.[6] Diese hätten unteranderem Förderungen beinhaltet, die sowohl die Verbesserung der wirtschaftlichen Entwicklung als auch die Bedrohung der Aufteilung Chinas durch die imperialen Westmächte mindern würde. Dafür sei es von Nöten gewesen, dass China schnellstmöglich industrialisiert werde. Im gleichen Kontext habe er drei Jahre später abermals die zwei grundlegenden Probleme Chinas betont. Seiner Meinung nach würde sich China einerseits schwer daran tun sich selbstständig und aus eigener Kraft zu entwickeln und zweitens sei China nicht in der Lage sich von Angriffen von außen zu schützen.[7] Im Herbst 1894 ging er zurück nach Honolulu und gründete dort die Xing Zhong Hui 兴中会. Im Januar 1895 ist Sun Yat-Sen dann zurück nach Hong Kong gereist, um in Kooperation mit Yang Chuyun auch in Hong Kong die Xing Zhong Hui zu gründen.[8] Das Hauptziel der Organisation war der Sturz der Qing-Regierung, die die Organisation daraufhin strengstens verboten hat. Noch im März desselben Jahres haben sich die Anhänger der Revolution getroffen, um einen Plan zu entwerfen, in dem es galt Kanton am 26. Oktober anzugreifen und zu übernehmen. Allerdings ist das Unterfangen auf Grund von Problemen in der Vorbereitung und dem Aufdecken von Beamten gescheitert und hatte die Flucht Sun Yat-Sens nach Japan zur Folge. Nach einer Reise in die Vereinigten Staaten von Amerika, England und Kanada kehrte Sun 1896 nach Japan zurück und lebte dort bis 1907.[9]

2.2 Sun Yat-Sen und der Umsturz der Qing Dynastie

Sun blieb während seiner Zeit in Japan nicht untätig und trieb seine Bemühungen zur Revolution und dem Sturz der Qing-Regierung weiter an. Am 30. Juli 1905 wurde in Tokyo die Tong Meng Hui 同盟会 gegründet und Sun Yat-Sen als Präsident der Organisation gewählt.[10] Mit der Gründung der Tong Meng Hui haben sich auch konkrete Vorstellungen des Umbruchs Chinas und des Umsturzes der Qing-Regierung geformt. China sollte demnach zu einer parlamentarischen Demokratie geführt werden, dessen Einführung stufenweise erfolge und dessen Entwicklungsprozess gesteuert werden sollte. Dem Prozess würde dann eine Phase einer vorübergehenden Vormundschaftsregierung folgen.[11] In einem Manifest beschreibt Sun diesen Prozess, um China zu einer von ihm angestrebten Form der parlamentarischen Demokratie zu führen.
Die erste Stufe ist die Periode der Zerstörung. Während dieser Periode muss das Kriegsrecht angewandt werden. Die revolutionäre Armee stürzt die Mandschu-Dynastie, rottet die Korruption der Beamten aus, vernichtet verkommene Sitten, schafft die weibliche Sklaverei ab und bekämpft die Geißel des Opiums, des Aberglaubens, der Wahrsagerei. Im dem Augenblick, in dem die feindlichen Kräfte geschlagen sind und die militärischen Operationen in einem Distrikt beendet sind, wird in dem Distrikt die vorläufige Verfassung verkündet, in der die Rechte und Pflichten der Bürger und die Regierungsgewalt der revolutionären Regierung definiert sind. Die Verfassung wird drei Jahre lang ausgeübt, und nach diesem Zeitraum wird die Bevölkerung des Distrikts die Distriktbeamten wählen. Im Hinblick auf derartige selbstregierende Einheiten wird die Revolutionsregierung das Recht der politischen Vormundschaft gemäß der vorläufigen Verfassung ausüben. Wenn ein Zeitraum von sechs Jahren nach der Erreichung politischer Stabilität im ganzen Lande abgelaufen ist, haben diejenigen Distrikte, die zu vollen Selbstverwaltungseinheiten geworden sind, das Recht, je einen Vertreter für die Nationalversammlung zu wählen. Es wird die Aufgabe der Versammlung sein, eine Fünf-Gewalten-Verfassung anzunehmen und eine Zentralregierung wird die Vollendung des Wiederaufbaus und den Erfolg der Revolution anzeigen.[12]

Mit dem Aktionsprogramm des Revolutionsbundes einhergehend, vertrat Sun Yat-Sen die drei Prinzipien des Volkes, die den Nationalismus, die liberale Demokratie und die soziale Gerechtigkeit umfassen. Sun Yat-sen zur Folge seien die drei Volksprinzipien der Schlüssel zur Befreiung und Rettung des chinesischen Volkes. Des Weiteren sollte die parlamentarische Demokratie einer Fünf-Gewalten-Verfassung folgen, die sich an der amerikanischen Verfassung orientierte und die demnach die Exekutive, Legislative und Judikatur beinhaltete. Die letzten zwei Punkte wurden durch Sun Yat-Sen ergänzt und umfassten die Examinierung, die sich auf die Beamtenausbildung bezog und das Zensorat, welches als zusätzliches Aufsichtsorgan fungierte.[13]

Seit der Gründung des Revolutionsbundes hat es immer wieder Aufstände und Scharmützel gegen die Qing-Regierung gegeben, die allerdings mehr Komplotten und Handstreichen als ausschlaggebenden und erfolgsversprechenden Revolutionsbewegungen glichen. Die wohl berühmtesten Aufstandsversuche waren sowohl der Aufstand am 27. April in Kanton als auch im Oktober 1911 im strategisch bedeutsamen Städte-Dreieck von Wuhan. Aufgrund von der den Revolutionsbund gefährdenden Pannen standen die Rebellen während des Aufstandes vor der Wahl zwischen einer Flucht oder dem Angriff. Man entschied sich für letzteres und ging zum Angriff über, der den Revolutionären auf überraschende Weise die Übernahme der Wuhan-Städte in kürzester Zeit erlaubte. Der Erfolg der Revolutionäre habe im ganzen Land weitere Sezessionsbewegungen ausgelöst und habe weitere Erfolge wie die Übernahme Südchinas, Zentralchinas und Nordwestchina mit Peking gebracht. Für Sun sei die Nachricht der Siege allerdings recht überraschend gekommen, da er sich zum Zeitpunkt der Revolution selbst in Denver Colorado aufhielt und erst zwei Wochen nach den Ereignissen und dem Vorschlag eines durch ihn besetzten Präsidentenamtes der neuen Republik durch einen Zeitungsartikel erfahren habe. Am 1. Januar 1912 trat er dann das Amt des Präsidenten der Republik China an, welches er aber am 15. Februar an Yuan Shikai übergab. Damit in Verbindung stehend wurde die Regierung nach Peking verlegt.[14]

2.3.1 Sun Yat-Sens Kontakte nach Japan – 1895 bis 1907

Eine nicht unwesentliche Rolle beim Sturz der Qing-Regierung und der Gründung der Republik China spielten Sun Yat-Sens Kontakte nach Japan. Denn während seiner Zeit im japanischen Exil sah Sun Yat-Sen keinen Grund seine Pläne der Revolution aufzugeben, sondern arbeitete im Ausland konsequent daran weiter sowohl Kontakte zu knüpfen, finanzielle und politische Unterstützung zu suchen als auch Anhänger für sein Bestreben zu finden. Dies galt sowohl für den ersten Aufenthalt Sun Yat-Sens vor dem Sturz der Qing-Regierung als auch während seiner Zeit nach der Gründung der Republik, wo sich Sun von Yuan Shikai gezwungen sah erneut ins Exil zu gehen. Zahlreiche Politiker und Intellektuelle Japans, die eine führende Rolle während der Meiji Restauration vertreten haben, spielten eine ausschlaggebende und unterstützende Rolle während der von Sun Yat-Sen geführten Revolution, die zur Gründung der Republik China führte.[15] Nach dem Fehlschlag des ersten Revolutionsversuchs im Oktober 1895 hat sich Sun Yat-Sen das erste Mal gezwungen gesehen nach Japan zu fliehen. Der Grund für den Fehlschlag seien Verzögerungen in den Vorbereitungen gewesen. Weiter war es örtlichen Behörden gelungen den geplanten Anschlag aufzudecken und drei Mitglieder Sun Yat-Sens festzunehmen. Des Weiteren habe die Zeit nicht ausgereicht die restlichen auf dem Weg nach Kanton befindlichen Männer zu warnen, so dass am Ende insgesamt 45 Rebellen gefangen genommen wurden. Auf Sun Yat-Sen selber wurde ein Kopfgeld von ein Tausend Yuan ausgesetzt. Aufgrund der Ereignisse hat sich Sun erst direkt nach Hong Kong abgesetzt, um dann weiter nach Japan zu reisen.[16] In Japan selbst ergriff Sun Yat-Sen die Gelegenheit, um in Yokohama mit 20 weiteren Patrioten Chinas eine Zweigstelle der Xing Zhong Hui 兴中会aufzustellen. Zu dieser Zeit habe Sun Yat-Sen sich entschieden seinen Lebensstil komplett zu ändern, was ihm das Leben unter der Bevölkerung Japans erleichtert haben soll. So schnitt er sich seinen traditionellen Zopf ab, ließ sich einen Schnurbart wachsen und fing an Kleidung im westlichen Stil zu tragen. Allerdings sah sich Sun Yat-Sen mit dem Problem konfrontiert, dass er kein Japanisch sprach und damit nur mit Hilfe der chinesischen Schriftzeichen kommunizieren konnte. In einigen Fällen allerdings war es ihm möglich sich verbal mit Intellektuellen verständigen zu können, wenn diese in der Lage waren Englisch zu sprechen. Einer der großen Unterstützer Sun Yat-Sens war Miyazaki Torazo[17], der selber großes Interesse an den Angelegenheiten Chinas zeigte und sich entschlossen hatte Sun Yat-Sen einigen weiteren wichtigen Persönlichkeiten innerhalb und außerhalb der Regierung vorzustellen. Zu ihnen haben unter anderem Okuma Shigenobu, Oishi Nasami, Ozaki Yukio, die Yamada Brüder und die Miyazaki Brüder gezählt.[18] Laut Calney würde es zu viel Zeit in Anspruch nehmen alle japanischen Unterstützer Sun Yat-Sens aufzuzählen, doch sei einer der wichtigsten Unterstützer auf japanischer Seite Inukai Tsuyoshi (1835-1901), der gleichzeitig ein großer Vertreter und Aktivist für eine für Freiheit stehende panasiatische Bewegung gewesen sei. Inukai unterstützte Sun Yat-Sen wohl unteranderem darin ihm und weiteren Exilanten Zuflucht zu gewähren und ihm sein Haus zu Verfügung zu stellen. Dieses habe dazu gedient als geheimer Treffpunkt für Suns Aktivitäten genutzt zu werden. Während dieser Zeit hätten sie das Essen, die Kleidung und sogar das Einkommen Inukais untereinander aufgeteilt und gemeinsam genutzt. Gemeinsame Interessen Inukais und Suns seien unteranderem die Auffassung des amerikanischen Wirtschaftssystems gewesen.[19] Eine weitere wichtige Persönlichkeit in Bezug auf die Unterstützung war der bereits erwähnte Miyazaki Torazo (1970-1922). Er und sein älterer Bruder Miyazaki Yazo waren der Auffassung, dass eine Revolution in China der Schlüssel zur Befreiung ganz Asiens und der Welt sei. So strebte Miyazaki Torazo bei den Treffen mit Sun Yat-Sen einen Plan an, die gesamte gegenwärtige Welt zu verändern, diese nach Prinzipen der Menschenrechte zu formen und somit den Frieden, auf Grundlage einer vereinten Welt, in alle Teile der Erde zu bringen.[20]

Während der zehn Jahre nach seiner Ankunft in Japan konnte Sun Yat-Sen Niederlassungen der Xing Zhong Hui in Nagasaki, Shimonoseki und Kobe errichten. Dies sei unteranderem auch aufgrund der ansteigenden Anzahl chinesischer Studenten an japanischen Hochschulen möglich gewesen. Lag die Anzahl chinesischer Auslandsstudenten in Japan im Jahr 1902 noch bei 500, so ist diese im Jahr 1906 bereits auf 13,000 Studenten angestiegen. Der Großteil von Ihnen sei direkt an der chinesischen Revolution involviert gewesen und habe auch eine geheime Militärakademie besucht, die 1903 für Sun Yat-Sen von Major Hino im Vorort Aoyama von Tokyo gegründet worden ist. Einer der die Militärschule besuchenden Studenten soll auch der damals noch 18 jährige Chiang Kai-Shek gewesen sein.[21] Sun Yat-Sen, Huang Xing, Song Jiaoren, Chen Jimei, Wang Jingwei, Yu Youren und Hu Hanmin sollen viele geheime Treffen in der Behausung von Sun Yat-Sen in Yokohama abgehalten[22] und im Jahr 1905 im Haus Uchida Ryoheis im Akasaka –Distrikt von Tokyo die Tong Menghui 同盟会 gegründet haben. Uchida Ryohai war ein Geldgeber von Sun Yat-Sen und Mitglied der den Pan-Asianismus befürwortenden Kokuryukai. Insgesamt sollen der Gründung zwischen 50 und 60 chinesische Studentenführer beigewohnt haben. Sie alle waren Vertreter verschiedener Anti-Mandschu-Gruppierungen. Zwei Wochen nach der Gründung hielt Sun Yat-Sen im Fujimiken Restaurant in Tokyo ein Treffen ab, dem 1,300 chinesische Studenten beigewohnt haben sollen. Am 30. August 1905 wurde die Tong Menghui dann offiziell im Haus von Sakamoto Kinya gegründet. Neben der Wahl Sun Yat-Sens zum Präsidenten der Organisation sollen auch drei Japaner ins Führungsgremium gewählt worden seien, zu denen Miyazaki Torazo gehört haben soll. Tokyo wurde als Ort für das Hauptquartier der Tong Menghui ausgewählt, während in Shanghai, Wuhan[23], Chongqing, Hong Kong und Yantai Zweigstellen und in Singapur, Belgien, San Francisco und Honolulu internationale Vertretungen errichtet wurden. Um die Ziele der Tong Menghui publik zu machen wurde am 21. Oktober desselben Jahres mit Hilfe von Sakamoto Kinya die erste Ausgabe des Magazins der Tong Menghui, die Min Bao 民报 in Tokyo veröffentlicht. Die Geschehnisse und Erfolge, die Sun Yat-Sen aufgrund der Unterstützung auf japanischer Seite verzeichnen konnte sind enorm und Sun Yat-Sen konnte viele Anhänger mit ähnlichen Interessen und Befürworter seiner Bemühungen für sich gewinnen. In Folge dessen wurde Japan selbst zum Hauptsitz und Ausgangspunkt für die Revolutionspläne, die die Qing-Regierung stürzen sollte. Im Jahr 1907 jedoch erhöhte die Qing-Regierung den politischen Druck auf Japan und forderte die Ausweisung Sun Yat-Sens aus Japan. Grund dafür sei die im gleichen Jahr von Sun Yat-Sen gehaltende Rede gewesen, in der er öffentlich und als Dank für die japanische Unterstützung die nördlichen Gebiete Changchun der Regierung Japans versprach. In Folge der Forderung der Qing-Regierung habe sich Prinz Ito Hirobumi mit Uchida Ryohei beraten wie vorzugehen sei. Uchida habe daraufhin gedrängt, dass die japanische Regierung ein positives Verhältnis mit dem chinesischen Revolutionsbund pflegen solle und man daraufhin Sun doch bitten solle Japan freiwillig zu verlassen. Die Ausweisung sollte allerdings nur auf drei bis vier Jahre begrenzt sein. Zudem wurde Sun diesbezüglich finanziell mit 70,000 Yuan von japanischer Seite unterstützt.[24]

2.3.2 Sun Yat-Sens Kontakte nach Japan – 1913 bis 1916

1913 sah sich Sun Yat-Sen erneut gezwungen ins Exil zu gehen. Yuan Shikai war an die Macht gekommen und zu Suns größtem Feind geworden. Doch stellte sich die neue Situation als weitaus schwieriger heraus, als sie es noch zur Zeit der Qing-Dynastie war. Wollte ein revolutionärer Krieg gegen Yuan Shikai und seine Generäle geschlagen werden, bedurfte es einer gut ausgerüsteten Armee, genügend Kapital und der Zugriff auf moderne Waffen. Folglich benötigte Sun erneut Unterstützung von Außerhalb. Nach Altman habe Sun bereits Monate vor dem Bruch mit Yuan nach Japan geblickt und sich während seines Besuchs im Februar sichtlich von den anti-britischen und Pan-asiatischen Ideen des derzeitigen Premierministers Katsura Taro beeindruckt gefühlt. Im Sinne der von Katsura vertretenen panasiatischen Ideologie, sei eine Chinesisch-Japanische Kooperation von Nöten, um Indien zu befreien und den „farbigen“ Rassen der Erde zu helfen. Sun gegenüber habe er aber von einem voreiligen Vorstoß gegen Yuan Shikai abgeraten, da er doch warten solle, bis er dafür besser vorbereitet sei. Für Sun Yat-Sen galt es nun wieder Kontakte zu Japan zu finden und drauf zu hoffen, dass diese bereit seien ihm zu helfen. So betonte er die gemeinsamen kulturellen und ethnischen Eigenschaften und die geografische Lage beider Länder. Des Weiteren würden sich beide Länder mit China als kontinentale Macht und mit Japan als maritime Macht perfekt ergänzen. Doch trotz seiner Bemühungen Zuspruch in Japan zu finden, habe es sich als sehr schwierig gestaltet Japan davon zu überzeugen, dass sich eine Zusammenarbeit für das eigene Land lohnen würde. Stattdessen schien Japan bestens daran zu tun Sun Yat-Sen und seine Angebote, unteranderem der Zuspruch wirtschaftlicher Sektoren in China, zu ignorieren. Denn gerade mit dem Ausbruch des Krieges habe Japan doch gehofft sich von Yuan Shikai das nehmen zu können, was Sun Yat-Sen ihnen versprochen hatte.[25] Erst 1916 entschied sich Japan für eine klare Politik gegen Yuan Shikai. Nach Altman hätten drei Gründe für Japan gesprochen nun eine klare Linie gegen Yuan zu fahren. Erstens sei das hartnäckige Widerstreben gegen die 21 Forderungen nach dem Chinesisch-Japanischen Krieg und das Hinauszögern der Forderungen gegenüber Japan auffällig gewesen und ein Grund misstrauisch zu werden. Der zweite Grund sei die Selbsternennung Yuan Shikais zum Kaiser. Denn als Kaiser sei er noch mehr von sich selbst überzeugt und darin bekräftigt Japan zu trotzen. Folglich sei Yuan Shikai ein ernstzunehmender Gegner geworden. Drittens habe Japan geplant sich die eigenen Interessen im Landesinneren Chinas zu sichern, falls Anti-Yuan Bewegungen in China selbst Erfolg haben sollten.[26] Aufgrund der politischen Entwicklung und der Interessen Japans habe man sich entschlossen die „Sun Yat-Sen Trumpfkarte“ zu spielen.[27] General Katsura, Akiyama Teisuke und Kuhara Fusanosuke waren unteranderem Fürsprecher Sun Yat-Sens aber auch Vertreter des Panasianismus und sein für die finanzielle Unterstützung Suns und seiner Pläne zuständig gewesen. Insgesamt habe Sun 1,400,000 Yen von diesen drei Männern bekommen.[28] Weiter versorgte man ihn mit Gewehren und Maschinengewehren. Diese waren allerdings mehr als 30 Jahre alt, da es nach dem europäischen Krieg schwierig gewesen sei Waffen zu produzieren. Die japanische Regierung erhoffte sich, dass Sun schnelle Erfolge erzielen könne und setzte ihn entsprechend unter Druck. In diversen Telegrammen soll es geheißen haben, dass bei einem Ausbleiben von Erfolgen auch die finanzielle Unterstützung ein Ende nehmen würde. Also habe sich Sun Yat-Sen nach einer Möglichkeit für einen Sieg umgesehen, der seine Geldgeber beeindrucken würde und entschied sich nach Shanghai zu reisen und alle verfügbaren Streitkräfte zusammenzurufen. Letztendlich schlugen die Bemühungen jedoch fehl, da der Gefolgsmann Chen Chimei erschossen wurde und die Shanghai-Operation somit scheiterte. Zwar errang Sun Yat-Sens Anhänger Ju Zheng einen Sieg in Weixian, doch scheiterte die Eroberung an der Stadt Zinan, womit ein spektakulärer Sieg ausblieb und folglich auch die Chance auf weitere Unterstützung der Japaner.[29]

[...]


[1] Albert A. Altman und Harold Z. Schiffrin, „Sun Yat-sen and the Japanese: 1914-16”, Modern Asian Studies Vol.6 No.4 (1972): 385-400.

[2] In China wird er Sun Wen 孙文 oder Sun Zhongshan 孙中山 genannt, wobei er den Namen Sun Zhongshan in Japan bekommen hat und „Nakayama“ heißt. Ebenfalls geläufig ist der Name Sun Yixian 孙逸仙. Der Name “Sun Yat-sen“ ist Kantonesisch und wird nur im Westen benutzt.

[3] Vgl. Chün-tu Hsüeh, “Sun Yat-sen, Yang Ch’ü-yün, and the Early Revolutionary Movement in China”, The Jounral of Asian Studies, Vol. 19, No. 3 (1960): S.308.

[4] Nach westlicher Rechnung. In anderer Literatur können Angaben gefunden werden, die ein Alter von 13 Jahren angeben. Diese Angaben beziehen sich aber auf die asiatische Rechnung.

[5] Vgl. Mark Calney, „Sun Yat-sen, Japan, and the American Pan-Asian Revolution”, URL: http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=sun%20yat-sen%2C%20japan%20and%20the%20american%20pan-asian%20revolution&source=web&cd=1&ved=0CC8QFjAA&url=%68%74%74%70%3a%2f%2f%6c%61%72%6f%75%63%68%65%6a%61%70%61%6e%2e%63%6f%6d%2f%6a%61%70%61%6e%65%73%65%2f%64%72%75%70%61%6c%2d%36%2e%31%34%2f%73%69%74%65%73%2f%64%65%66%61%75%6c%74%2f%66%69%6c%65%73%2f%74%65%78%74%2f%53%59%53%2d%4a%61%70%61%6e%2d%50%61%6e%41%73%69%61%2d%52%65%76%6f%6c%75%74%69%6f%6e%2d%46%49%4e%41%4c%2e%70%64%66&ei=L0QgUtLPNc-ZlQW39YCIBA&usg=AFQjCNGXpoCAz-SUK3zZ7oHYUptFSGiZ3Q&bvm=bv.51495398,d.dGI&cad=rjt: S. 2.

[6] Vgl. Hsüeh, “Sun Yat-sen, Yang Ch’ü-yün, and the Early Revolutionary Movement in China”: S. 308.

[7] Vgl. A. James Gregor, “Marxism, Sun Yat-sen, and the Concept of “Imperialism”, Pacific Affairs, Vol. 55, No. 1 (1982): S. 67.

[8] Vgl. Hsüeh, “Sun Yat-sen, Yang Ch’ü-yün, and the Early Revolutionary Movement in China”: S. 309.

[9] Vgl. Hsüeh, “Sun Yat-sen, Yang Ch’ü-yün, and the Early Revolutionary Movement in China”: S. 311-313.

[10] Vgl. Calney, „Sun Yat-sen, Japan, and the American Pan-Asian Revolution”: S. 8-9.

[11] Vgl. Peter Weber-Schäfer, Die republikanische Bewegung in Peter J. Opitz, Chinas große Wandlung-Revolutionäre Bewegung im 19. Und 20. Jahrhundert, (München: C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, Oscar Beck, 1972): 112-113.

[12] Vgl. Weber-Schäfer, 112.

[13] Vgl. Weber-Schäfer, 113.

[14] Vgl. Weber-Schäfer, 101-104.

[15] Vgl. Calney, „Sun Yat-sen, Japan, and the American Pan-Asian Revolution”: S. 1-2.

[16] Vgl. Hsüeh, “Sun Yat-sen, Yang Ch’ü-yün, and the Early Revolutionary Movement in China”: S. 312.

[17] Miyazaki Torazo 宮崎 滔天, auch Myazaki Toten genannt.

[18] Vgl. Calney, „Sun Yat-sen, Japan, and the American Pan-Asian Revolution”: S. 3.

[19] Vgl. Calney, „Sun Yat-sen, Japan, and the American Pan-Asian Revolution”: S. 4.

[20] Vgl. Calney, „Sun Yat-sen, Japan, and the American Pan-Asian Revolution”: S. 6.

[21] Vgl. Calney, „Sun Yat-sen, Japan, and the American Pan-Asian Revolution”: S. 9.

[22] Vgl. John DeKorne, “Sun Yat-Sen and the Secret Societies”, Pacific Affairs, Vol. 7, No. 4 (1934): S. 430.

[23] Damals noch Hankow.

[24] Vgl. Calney, „Sun Yat-sen, Japan, and the American Pan-Asian Revolution”: S. 9-10.

[25] Vgl. Albert A. Altman and Harold Z. Schiffrin, “Sun Yat-Sen and the Japanese: 1914-16”, Modern Asian Studies, Vol. 6, No. 4 (1972): S. 388.

[26] Vgl. Altman und Schiffrin, “Sun Yat-Sen and the Japanese: 1914-16”: S. 390-391.

[27] Vgl. Altman und Schiffrin, “Sun Yat-Sen and the Japanese: 1914-16”: S. 392.

[28] Vgl. Altman und Schiffrin, “Sun Yat-Sen and the Japanese: 1914-16”: S. 393.

[29] Vgl. Altman und Schiffrin, “Sun Yat-Sen and the Japanese: 1914-16”: S. 397-399.

Details

Seiten
36
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656894582
ISBN (Buch)
9783656894599
Dateigröße
667 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v289078
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,7
Schlagworte
yat-sen denken bezug panasianismus ostasien

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Titel: Sun Yat-Sen und sein politisches Denken in Bezug auf den Panasianismus in Ostasien