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Braucht Deutschland eine Frauenquote?

Hausarbeit 2014 15 Seiten

Führung und Personal - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Gender - Theorie der Geschlechterrollen
2.1 Ursprung der Geschlechterrollen
2.2 Einflussfaktoren auf Geschlechterrollen

3 Geschlechterrollen in der Arbeitswelt
3.1 Geschlechterrollen nach Berufswunsch
3.2 Geschlechterrollen nach Arbeitsvolumen
3.3 Geschlechterrollen in der Führungsebene

4 Geschlechterquote als Lösung zum Gleichstellungsproblem
4.1 Argumentation
4.1.1 Für die Geschlechterquote
4.1.2 Gegen die Geschlechterquote

5 Fazit

6 Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Das Ziel der vorliegenden Hausarbeit ist die Untersuchung der Notwendigkeit einer Frauenquote in Deutschland.

Der Gesetzesentwurf zur Förderung gleichberechtigter Teilhabe von Frauen und Männern in Führungsgremien (GlTeilhG) soll den geringen Anteil weiblicher Führungskräfte in Spitzenpositionen der deutschen Wirtschaft, der dem in Artikel 3 Absatz 2 Satz 1 des Grundgesetzes (GG) niedergelegten „Gleichheitsgrundsatz von Frauen und Männern“ widerspräche, anheben.

Es sollen die folgenden Aspekte beleuchtet werden: die Probleme, die eine Frauenquote lösen soll und die Ursachen dieser Probleme. Des weiteren die voraussichtlichen Auswirkungen. Doch zunächst wird die grundsätzliche Geschlechterfrage untersucht und das Thema Gender als Grundlage für die weiteren Ausführungen vorgestellt. Als nächstes wird die momentane Situation der Frauen beziehungsweise Männer in der Arbeitswelt analysiert. Dabei wird spezifisch auf die Unterschiede in Berufswunsch, Arbeitsvolumen und Karriere eingegangen und genderabhängige Diskrepanzen aufgezeigt.

Daraufhin wird das Modell der Frauenquote als Lösungsansatz für die genderabhängigen Diskrepanzen erläutert und verschiedene Argumente, die für und gegen eine Verabschiedung des Gesetzesentwurfs sprechen, dargestellt. Sowohl im Bundestag als auch in der breiten Öffentlichkeit entfacht der Entwurf im Bundestag eine kontrovers Diskussion. Die Meinung der Parteien und ihrer Vertreter zum Entwurf geht von einer Abwertung als „Rückkehr zur Planwirtschaft“ (vgl. Plenarprotokoll 17/90: S. 73) durch die FDP bis hin zur Forderung einer festen eins-zu-eins-Quote durch die Linke (vgl. http://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2011_33463310_kw08_sp_frauenquote/2 04684). Außerhalb des Bundestags geht die Auseinandersetzung: eiserne Verfechter eine Frauenquote treffen auf komplettes Unverständnis bei den Gegnern. Schon bei Betrachtung der Grundzüge dieser Diskussion trifft man auf Widersprüchlichkeiten: soll man nun Unterschiede hervorheben und fördern oder für eine absolute Gleichstellung sorgen? Die Debatte um Geschlechter ist ein Dilemma, denn aktive Unterstützung und besondere Behandlung stehen im Gegensatz zu Gleichbehandlung und machen es schwer sich zum Gesetzesentwurf zu positionieren.

Abschließend folgt mein persönliches Fazit aus den vorgenommenen Untersuchungen, in der darüber hinaus alternative Modelle und Maßnahmen betrachtet werden, die zu einer Verbesserung der Position der Frau in der Arbeitswelt und zur Steigerung des Anteils weiblicher Führungskräfte in Frage kommen.

2 Gender - Theorie der Geschlechterrollen

In unserer Gesellschaft ist in allen Bereichen des Lebens, sowohl privat, politisch als auch kulturell die Unterscheidung zwischen den Geschlechtern allgegenwärtig, man spricht auch von Omnipräsenz. Basis dieser Unterscheidung in Geschlechterrollen ist die grundlegende Unterscheidung in Geschlechter.

2.1 Ursprung der Geschlechterrollen

Es wird von Geburt an anhand der Sexualorgane in entweder männlich oder weiblich kategorisiert. Die angeborenen biologischen Geschlechtsmerkmale weisen jedem Individuum ein juristisches Geschlecht zu, durch dieses werden lebenslänglich sowohl objektive und institutionalisierte als auch moralische Eigenschaften zugewiesen. Diese Differenzierung ist zudem auf die zwei Kategorien „Mann“ oder „Frau“ begrenzt, die Annahme einer Zwischenkategorie oder einer dritten Kategorie ist gesellschaftlich ausgeschlossen (vgl. Kessler/McKenna 1978). Transgender Persönlichkeiten, also Personen die herkömmliche Geschlechtergrenzen überschreiten, stehen vor rechtlichen, gesellschaftlichen und sozialen Hürden. Die Lebenschancen von transgender Menschen werden durch starke Diskriminierung auf ein Minimum reduziert, da sie nicht in die heteronormativ orientierten Geschlechtergrenzen passen (vgl. Goffman, 1975: S. 13 f.. So beginnt, laut Goffmann, mit der anfänglichen Zuordnung in die sogenannten „Geschlechterklassen“ jener Sortierungsprozess.

Diese Klassen setzen sich soweit fort, dass einige Forscher, wie beispielsweise Gildemeister und Wetterer (1992: S. 238) von einer „Institutionalisierung der Geschlechter“ sprechen. Gemeint ist damit, dass dem jeweiligen Geschlecht spezifische Handlungen und Positionen innerhalb des gesellschaftlichen Arrangements zugeschrieben werden und es auf diese begrenzt wird. Daraus folgt nicht nur die Ablehnung von allem, nicht eben jener Norm Entsprechenden, sondern die scheinbare Unmöglichkeit einer Gleichstellung. Nach Hirschauer (1994: S. 680) wird die Unterscheidung der Geschlechter samt ihrer Institutionalisierung legitim, indem man sie die Zuordnung der männlichen beziehungsweise weiblichen Eigenschaften, des Verhaltens und ihrer gesellschaftlichen Rolle als Resultat der binären Betrachtungsweise der Geschlechter sieht und nicht als deren Ursprung.

So sind die Geschlechterrollen in Organisationen also auch keine bloße Widerspiegelung der Umwelt, sondern soziale autonome Handlungsfelder. Organisationen sind nicht nur Austragungsort von politischen Unterschieden zwischen den Geschlechtern, sondern „eine der zentralen Schaltstellen von Geschlechterpolitik“ (Riegraf 2008).

2.2 Einflussfaktoren auf Geschlechterrollen

Sowohl Frauen als auch Männer treffen ihre Entscheidungen beeinflusst vom geltenden Recht und den Institutionen, sowie ihren „linked lives“, also ihrem privaten sozialen Netz. Übereinstimmend mit der zunehmenden Vielfalt an neuen Lebensentwürfen, die von einem stringenten, gradlinigem Lebenslauf, von den klassischen Partnerschaftsmodellen und von den alt herkömmlichen Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnissen abweichen, formuliert das Bundesverfassungsgericht in einem Beschluss, dass „nicht unterstellt werden [kann], dass in Ehen eine Rollenverteilung besteht, bei der einer der beiden Ehegatten deutlich weniger berufsorientiert wäre […]. Das in der gesellschaftlichen Realität nicht mehr typusprägende Bild der „Versorgerehe“ , in der der eine Ehepartner den anderen unterhält, kann demzufolge nicht mehr als Maßstab […] dienen.“ Die Ehe kann nicht mehr auf eine bestimmte Rollenverteilung festgelegt werden. Die Umsetzung ist aber lückenhaft, in einigen Punkten setzt das Recht einen strengen Rahmen und Anreize für eine asymmetrischer Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit, wie es etwa bei der Zuweisung von Hinterbliebenenleistung der Fall ist (Frauenhofer Gesellschaft 2011: Factsheet1).

3 Geschlechterrollen in der Arbeitswelt

Statistiken zeigen große Unterschiede in der Berufswelt zwischen den Geschlechtern, das betrifft sowohl die Berufswahl, die Arbeitsvolumen, als auch die Karriere. Faktoren, durch die diese Rollenbilder gebildet und geprägt werden sind Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Sie sind untereinander wechselwirkend und oftmals nicht konsistent, sodass es in der Genderpolitik zu Widersprüchen und Instabilität kommt (Frauenhofer Gesellschaft 2011: Factsheet 1). Dass das konventionelle Bild der Versorgerehe noch aktuell ist und praktiziert wird, zeigt eine Studie aus dem Jahr 2006 unter fast 3.000 Paaren: Mehr als die Hälfte aller Paare sind zum Zeitpunkt der Eheschließung einem traditionellen bis sehr traditionellem Geschlechterarrangement zuzuordnen. In diesen Fällen ist der Mann Hauptverdiener und die Frau Hausfrau oder Zuverdienerin. Mit zunehmender Dauer der Ehe steigt diese Tendenz deutlich: nach sechs Jahren der Ehe, leben etwas weniger als 20% der Paare nach gemeinschaftlichem oder nicht traditionellen Muster in der Verteilung der Erwerbs- und Sorgearbeiten. Nach vierzehn Ehejahren entsprechen nur knapp 15% der Paare dieser Rollenverteilung (Blossfeld/Schulz 2006. In: Frauenhofer Gesellschaft 2011, Factsheet 4). Pro Jahr werden halb so viele Ehen geschieden wie geschlossen, dass das Ehebündnis lebenslang besteht, entspricht also nicht mehr der Regel. Kommt es aber in einer asymmetrischen Konstellation der Aufgabenverteilung zu einer Scheidung, wird es problematisch. Ist die Sicherung der materiellen Existenz von einem der beiden Partner abhängig, können die einmal als „rollenkonform“ getroffenen Entscheidung sich über lange Sicht äußerst negativ auswirkend. Gerät die finanzielle Absicherung, meist die der Frau, in der Rolle der Sorgearbeitleistenden, verloren, müssen meist starke Einbußen im Lebensstandard verzeichnet werden. Durch die jahrelange und als Lebenslaufperspektive gesehene Abhängigkeit vom Erwerbsarbeit leistenden Partner, steht der andere oftmals auch ohne Ausbildung, Praxiserfahrung im Beruf und weiterreichende Qualifikationen da. Infolge dessen sind die Betroffenen oft an Minijobs oder soziale Unterstützung vom Staat gebunden. Eine starke Einschränkung des Lebensstandards ist unumgänglich und oftmals eine Inanspruchnahme von sozialen Fördermaßnahmen eine weitere Folge (vgl. Frauenhofer Gesellschaft 2011: Factsheet 5).

3.1 Geschlechterrollen nach Berufswunsch

Laut einer Studie aus dem Jahr 2010 (IAB, 2014) sind immer noch mehr als 95 % der Kindererzieherinnen und Kindererzieher, 85% der Krankenpflegerin/Hebammen beziehungsweise Krankenpfleger/Entbindungspfleger und etwa 75% aller Verkäuferinnen und Verkäufer weiblich. Auch wenn im Vergleich zu vor 1976 ein minimaler Anstieg der männlichen Beschäftigten an diesen Arbeitsplätzen zu verzeichnen ist. Das Gleiche gilt für traditionell männlich dominierte Berufe: So sind unter den Tischlerinnen und Tischlern oder den Maurerinnen und Maurern noch immer nur ein Bruchteil (2,6% und 0,4%) weiblicher Vertreter. Der Anteil der weiblichen Elektroinstallateurinnen und Elektroinstallateure hat innerhalb der 35 Jahre sogar um 0,4% auf gerade einmal 2,6% abgenommen.

Veranstaltungen wie der „Girls' Day“, bei dem Mädchen ab der fünften Klasse aus sämtlichen Schultypen in typisch männliche Berufe hineinschnuppern und das Pendant für Jungen, der „Boys' Day“, versuchen die tradierten Berufswünsche aufzulösen und die Vielfalt der Berufswahlmöglichkeiten aufzuzeigen.

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Details

Seiten
15
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656893004
ISBN (Buch)
9783656893011
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v289074
Institution / Hochschule
Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin
Note
1,7
Schlagworte
frauenquote frauen gender gender mainstreaming quote gleichberechtigung genderpolitik wirtschaftskommunikation

Autor

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Titel: Braucht Deutschland eine Frauenquote?