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Der Film "Nackt unter Wölfen". Aspekte seiner Entstehungs- und Wirkungsgeschichte

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 22 Seiten

Kulturwissenschaften - Holocaust Studien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1) Einleitung
1.1) Begriffserklärung: Spielfilm als Quelle

2) Der Inhalt des Filmes „Nackt unter Wölfen“

3) Das Leben des Bruno Apitz
3.1) seine Zeit im Konzentrationslager Buchenwald
3.2) Sein Erfolg mit dem Roman „Nackt unter Wölfen“

4) Die wahre Geschichte des „Buchenwaldkindes“
4.1) Unterschi ede zwi schen Film und W ahrheit
4.2) Stefan Jerzy Zweig in der Öffentlichkeit

5) Wahrnehmung des Filmes in der Öffentlichkeit

6) Wie veränderte sich die Sicht auf das „Buchenwaldkind“ nach der Wiedervereinigung?

7) Schlussbetrachtung

8) Quellen- und Literaturverzeichnis

1) Einleitung

Das Konzentrationslager Buchenwald ist das bekannteste Arbeitslager auf deutschem Boden. Die Lageranlage befindet sich auf dem Ettersberg bei Weimar und wurde von 1937 bis 1945 als nationalsozialistisches Konzentrationslager verwendet. Die SS errichtete diese Anlage im Juli 1937 für etwa 8.000 Insassen. Der bekannteste Häftling seiner Zeit war Ernst Thälmann, der am 18. August 1944 in Buchenwald ermordet wurde.

Auf dieser 40 ha großen Fläche waren hauptsächlich deutsche und österreichische Häftlinge untergebracht.

Im Frühjahr 1945 war die Lageranlage auf dem Ettersberg das größte, noch bestehende Konzentrationslager. Es waren dort, zu diesem Zeitpunkt, 238.000 Männer und 25.000 Frauen aus über 30 Nationen inhaftiert.

Die Truppen der 3. US - Armee erreichten am 11. April 1945 das Konzentrationslager. Nach der Lagerevakuierung befanden sich dort noch 21.000 Häftlinge.

Ein Mythos, welcher das Konzentrationslager über die Grenzen der ehemaligen DDR bekannt gemacht hat, ist die wundersame Errettung eines Kleinkindes durch kommunistische Häftlinge.

Die Bekanntheit dieses Mythos wurde durch den Film „Nackt unter Wölfen“, in dem Frank Beyer Regie Führte, weltweit bekannt.

Die Propaganda der DDR erklärte immer wieder, das dieser Film wahrheitsgetreu auf tatsächlichen Fakten beruhe.

Durch die Bekanntheit wurde in dem Konzentrationslager eine Figurengruppe von dem Künstler Fritz Cremer errichtet. In dieser Figurengruppe steht ein kleiner Junge, der als das „Buchenwaldkind“ weltweite Bekanntheit erlangt hat. Das Thema der Hausarbeit befasst sich mit den Personen Bruno Apitz, dem Autor des Buches, und Stefan Jerzy Zweig, dem realen „Buchenwaldkind“.

Wie sind beide mit dem Ruhm und der Bekanntheit umgegangen? Wie hat sich die ganze Geschichte wirklich zugetragen? Wie wurde die Geschichte nach der Wiedervereinigung gesehen?

Die Primärquelle die hier angeführt ist, ist die filmische Darstellung des Romans, da die bildliche Darstellung der Emotionen die Wirklichkeit noch wirklicher erscheinen lässt.

1.1) Begriffserklärung Spielfilm als Quelle

Das 20. Jahrhundert gilt als Film- und Fernsehzeitalter. Der Film ist seit 60 Jahren das weltweit publizistische Führungsmedium. Durch die Visualität und Akustik führt der Film zu einem starken emotionalen „Miterleben“. Dies erschwert dem Historiker die distanzierte Analyse[1].

Die deutschen Historiker betrachten den Dokumentar- und Wochenschaufilm

nach 1945 weitgehend als Sekundärquelle,das heißt diese Filme werden als

Mittel der Veranschaulichung akzeptiert. Der Autor Terveen äußert über den

Film als historische Quelle: „Der historische Film gewinnt erst da Interesse, wo

man ihn als zusätzliche Bildquelle von besonderer Aussagebegrenzung - aber

auch Aussagekraft - betrachtet. Was der historische Filmstreifen tun kann, ist

allein dies: ein die sonstigen Quellen ergänzendes und veranschaulichendes

Abbild einer bestimmten Person, einer Epoche, eines Vorganges zu geben[2].

Das Verhältnis von Film und Öffentlichkeit und das Inszenieren von Auftritten sind ein zentraler Bestandteil der Existenz und des Erscheinungsbildes eines totalitär geprägten Staates. Die Aufgabe einer geschichtswissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Medium Film bezieht sich hauptsächlich auf dem Feld

der Propagandaforschung und dem Wahrheitsgehalt der filmischen Bilder,[3] der biografischen Persönlichkeitsforschung anhand von Mimik, Gestik und Sprechweise und im Bereich der „historischen Atmosphäre“ und „Milieuschilderung“[4]

Für die Frage nach der geistigen Gleichschaltung und das Verhalten der Bevölkerung sind Film- und Tondokumente erstrangige Primärquellen.

Keine schriftliche Überlieferung kann das zeigen und darstellen, wie ein Filmdokument[5]Trotz allem sollten Berichte, Akten und ähnliche schriftliche Quellen herangezogen werden.

Der Wissenschaftler Kracauer interpretierte Filme in ihren unbewussten, für ihre Zeit selbstverständlichen Einstellungen, als Quelle für dominierende psychologische Grundmuster und Mentalitäten der jeweiligen Gesellschaft. Der Spielfilm ist wichtig für die Analyse des Verhältnisses von Produzenten und Zuschauern. Historische Untersuchung von Filmdokumenten darf nicht für sich allein interpretiert werden. Der Vergleich mit anderen Quellen[6]_ist eine Selbstverständlichkeit[7].

2) Der Inhalt des Filmes „Nackt unter Wölfen“

Die Handlung spielt in dem Konzentrationslager Buchenwald im Zeitraum von Februar bis April 1945. Der polnische Jude Jankowski schmuggelt ein dreijähriges Kind, welches er in einem Koffer versteckt hatte, in das Lager. Die Häftlinge Rudi Pippig und André Höfel entdecken es schließlich und bringen es zunächst in die Kleiderkammer, um es dort zu verstecken. André Höfel und Rudi Pippig sind Funktionshäftlinge und haben einen gewissen Einfluss im Lager und sind somit in der Lage andere Häftlinge zu beschützen. Außerdem gehören sie der ILK an. Das Internationale Lagerkomitee ist eine Widerstandsgruppe in dem Konzentrationslager, die aus verschiedenen Personen unterschiedlicher Nationen besteht.

Durch das Kind sehen sich die Mitglieder des ILK bedroht, da sie eine Verantwortung gegenüber den anderen Häftlingen besitzen. André Höfel ist folglich unsicher, was er mit dem Kind machen soll. Rudi Pippig und der Häftling Korpinski hingegen sind sich einig, dass das Kind im Lager versteckt werden muss. Da Häftling Höfel nicht weiter weiß, wendet er sich an Walter Krämer, dem Lagerobersten und Kopf der Widerstandsgruppe ILK. Krämer ist dagegen, dass Kind im Lager zu verstecken und befiehlt Höfel, dass er das Kind dem Polen Jankowski zurückgeben soll, wenn dieser nach Auschwitz gebracht wird. Trotz des Befehls ist Höfel verunsichert und als sich die Häftlinge sammeln um abtransportiert zu werden, verpasst es Höfel, den kleinen Jungen mitzugeben. Krämer ist sehr besorgt deswegen und das mit Recht. In einer unachtsamen Minute, bekommt Hauptscharführer Zweiling von der Anwesenheit des Kindes mit und bietet den Häftlingen einen Handel an. Wenn sie das Kind versteckten, dann vergäße er, dass es überhaupt existiere. Der Offizier Zweiling verfolgt nur ein einziges Ziel, infolge der beunruhigenden Nachrichten über das Anrücken der Amerikaner. In Hoffnung von den Amerikanern verschont zu werden, möchte er das Kind verstecken. Seine Frau ist jedoch anderer Meinung, von der sie ihrem Mann zu überzeugen versucht. Letztlich schreibt sie, unter Anweisung ihres Gatten, einen Zettel, mit dem Inhalt, dass Walter Krämer und die ILK das Kind versteckt hätten. Diesen Zettel schiebt er dann unter der Tür seines Vorgesetzten durch. Höfel,

Kropinski und Pippig beobachten den Vorgang und bringen das Kind in eine andere Baracke, wo es erstmal sicher ist. Tatsächlich war es Rettung in letzter Sekunde, denn am nächsten Morgen kommen die Offiziere und durchsuchen die Kleiderkammer, ohne Erfolg. Da sie sich denken können, dass die Häftlinge das Kind woanders versteckt haben, werden Höfel und Kropinski gefangen genommen und gefoltert. Weil sie das Versteck nicht preisgeben wollen, werden die Foltermethoden immer brutaler und die Funktionäre der SS sehen, dass die Beiden das Versteck nicht verraten würden. Deshalb werden noch andere Häftlinge in Gewahrsam genommen, in der Hoffnung, das Kind zu finden.

Da Höfel, Kropinski und andere Häftlinge von der SS abgeholt werden und in den Bunker gesperrt werden, macht sich im Lager Angst breit und viele Häftlinge fordern nun die Auslieferung des Kindes. Einige ältere Häftlinge, darunter auch Krämer, sind allerdings der Meinung, dass es dafür zu spät ist, da die SS das Kind jetzt totschlagen würde. Schließlich werden die Forderungen eingestellt.

Währenddessen werden auch Rudi Pippig und der Häftling Rose zur Befragung abgeholt. Rose hat Angst vor der Folter und beschwert sich, da er weiß wo das Kind ist und fürchtet der Folter nicht standhalten zu können. Pippig wird zuerst zur Befragung abgeholt und Rose verzweifelt inzwischen. Nach einer Weile wird Pippig zurück in die Zelle gebracht und kann sich selbst kaum bewegen.

Neben einigen Wunden im Gesicht entdeckt Rose an seiner Brust Brandmale, die von Zigarren stammen. Rose wird abgeholt und kehrt kurz darauf auch unversehrt zurück. Er ist so verzweifelt, weil er den Druck der SS nicht standgehalten hat, dass er sich gleich auf sein Bett legt und nicht bemerkt, dass sein Kamerad Pippig nicht mehr am Leben ist. Die Wunden der Folter waren so schwer, dass er es nicht überlebt hat.

Da die SS jetzt weiß wo das Kind ist, stürmt sie gleich am Tag darauf in die betreffende Baracke und durchsucht sie. Glücklicherweise hatte ein anderer Häftling das Kind in der Nacht aus der Baracke geholt und anderweitig untergebracht. Im ersten Moment herrscht Angst und Ratlosigkeit. Als Krämer wissen will, wer das Kind weggebracht hat, meldet sich der Betreffende und führt Krämer in den Schweinestall. Dort ist der kleine Junge, völlig unversehrt. Der Tod von Rudi Pippig löst im Lager größte Bestürzung aus. Wut macht sich breit und die Häftlinge beginnen Pläne zu schmieden, wie sie sich am Besten befreien können, stets dadurch bestärkt, dass die Amerikaner immer näher rücken. Krämer hält in der Baracke eine ergreifende Rede und setzt alles auf eine Karte. Die anderen Häftlinge stimmen ihm zu und holen das Kind aus dem Versteck. Als Hauptsturmführer Kluttig in die Baracke kommt und das Kind sieht, wird es hinter einem Häftling versteckt. Die anderen Häftlinge umringen die Beiden, sodass Klutig eingeschüchtert aus der Baracke flüchtet. Währenddessen verlassen einige Männer der SS das Lager, welche ihre kritische Lage erkannt hatten. Der Amerikaner rückt immer näher und die Häftlinge beginnen zu rebellieren. Schließlich verweigern die Häftlinge sogar den Antritt zum Appell. Es kommt zur Eskalation und Walter Krämer wird angeschossen. Die Häftlinge wollen nicht mehr so weiter leben und holen die Waffen aus dem Versteck. Diese haben sie entweder selbst gebaut oder ins Lager geschmuggelt. Sie stürmen auf ihre Bewacher los und befreien sich selbst. Höfel und Kropinski werden aus dem Bunker geholt. Mandrill hatte viele Inhaftierte erschossen, bevor er floh. Zum Glück für Höfel und Kropinski, fehlte ihm die Zeit alle zu töten. Am Ende des Filmes stürmen die Häftlinge, froh über ihre Befreiung, aus dem Konzentrationslager. Der verwundete Krämer rennt mit dem Kind auf dem Arm seinen Freunden zu.

[...]


[1]Terveen, F.:Der Film als historische Dokument. Grenzen und Möglichkeiten. In: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, 2 (1955), S. 59

[2]Terveen., F.: Der Film als historisches Dokument... S. 261

[3]Treue, Wilhelm: Das Filmdokument als Geschichtsquelle. In: Historische Zeitschrift 186 (1958), S. 321

[4]Treue, Wilhelm: Das Filmdokument als Geschichtsquell.. S. 317

[5]Treue, Wilhelm: Das Filmdokument als historische Quelle. S. 318

[6]damit sind die schriftlichen Nachlässe, Akten, Propagandabroschüren und Zeitungsartikel gemeint.

[7]Kracauer, S.: Von Caligari zu Hitler. Eine psychologische Geschichte des Films. Frankfurt / Main, 1995, S.11 ff

Details

Seiten
22
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656901839
ISBN (Buch)
9783656901846
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v289022
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
Schlagworte
film nackt wölfen aspekte entstehungs- wirkungsgeschichte

Autor

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Titel: Der Film "Nackt unter Wölfen". Aspekte seiner Entstehungs- und Wirkungsgeschichte