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Die Folgen von Störungen der motorischen Entwicklung auf das Lernverhalten eines Kindes

Akademische Arbeit 2006 37 Seiten

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1 Umschriebene Entwicklungsstörungen der motorischen Funktionen
1.1 Erscheinungsbild
1.2 Epidemiologie
1.3 Ursachen
1.4 Diagnose
1.5 Förderung und Therapie

2 Entwicklungsverzögerungen und Überspringen von Entwicklungsphasen
2.1 Erscheinungsbild
2.2 Auswirkungen auf das Lernverhalten
2.3 Zusammenhänge mit Rechtschreibschwäche

3 Sensorische Integrationsstörungen
3.1 Erscheinungsbild
3.2 Auswirkungen auf das Lernverhalten
3.3 Zusammenhänge mit Rechtschreibschwäche

4 Fein- und graphomotorische Defizite
4.1 Erscheinungsbild
4.2 Auswirkungen auf das Lernverhalten
4.3 Zusammenhänge mit Rechtschreibschwäche

5 Kopfgelenks-Induzierte-Symmetriestörung - KISS
5.1 Erscheinungsbild
5.2 Auswirkungen auf das Lernverhalten
5.3 Zusammenhänge mit Rechtschreibschwäche

6 Persistierende Restreaktionen frühkindlicher Reflexe
6.1 Persistierender Moro-Reflex
6.2 Persistierender Palmar-Reflex
6.3 Persistierender Asymmetrisch Tonischer Nackenreflex
6.4 Persistierender Such- und Saugreflex
6.5 Persistierender Tonischer Labyrinthreflex
6.6 Persistierender Spinaler Galantreflex
6.7 Persistierender Symmetrisch Tonischer Nackenreflex
6.8 Nicht ausgebildete Halte- und Stellreaktionen

Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

Einleitung

Im allgemeinen Sprachverständnis versteht man unter Defizit einen Mangel, das heißt, es fehlt etwas. Den Kindern mit Entwicklungsdefiziten fehlt etwas Wichtiges in ihrer Entwicklung, in diesem Fall in der motorischen Entwicklung. Fehlendes kann aber unter Umständen aufgeholt werden, und das ist der zentrale Unterschied zum Begriff Entwicklungsstörung. Je früher ein Defizit bei einem Kind bemerkt wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die fehlenden Entwicklungsschritte nachgeholt werden können.

In dieser Arbeit werden verschiedene Störungen der motorischen Entwicklung beschrieben und mögliche Auswirkungen auf das Lernverhalten im Allgemeinen und auf Rechtschreibschwäche im Speziellen diskutiert.

1 Umschriebene Entwicklungsstörungen der motorischen Funktionen

1.1 Erscheinungsbild

Von umschriebenen Entwicklungsstörungen motorischer Funktionen spricht man bei Kindern, die Störungen des Bewegungsverhaltens und Abweichungen von der normalen Entwicklung zeigen, obwohl alle Sinnesorgane funktionieren, die kognitiven Leistungen im Normbereich liegen und keine somatischen Ursachen vorliegen. Die betroffenen Kinder zeigen nach Krombholz (2005, S. 2) „ein nicht altersgemäßes Bewegungsverhalten und sind in ihrer motorischen Gesamtentwicklung verlangsamt. Die Bewegungsmuster sind zwar meist unauffällig, werden aber erst verspätet erworben. Diese Kinder erreichen die so genannten ,Meilensteine’ der Entwicklung nur mit erheblicher Verspätung.“

Das Erscheinungsbild kann vielfältig sein und je nach Kind unterschiedlich ausfallen. Gemeinsam ist den Kindern aber meist ein ungeschicktes Auftreten. Ihre Bewegungen wirken plump und wenig geschmeidig und der Gang ist staksig. Sie haben Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht, können schlecht balancieren, hüpfen und Bälle fangen. Häufig fallen umschriebene Entwicklungsstörungen der motorischen Funktionen schon recht früh dadurch auf, dass die Kinder sehr spät laufen lernen. Auch das Erlernen von Radfahren, Schwimmen, Rollschuh- und Schlittschuhlaufen gelingt verzögert und bereitet große Schwierigkeiten.

Durch all diese Probleme meiden die betroffenen Kinder oft sportliche Aktivitäten, Ballspiele und andere Spiele, die Schnelligkeit und Geschicklichkeit erfordern. Die zugleich auftretenden schlechten Leistungen im Sportunterricht führen in vielen Fällen dazu, dass die Kinder gehänselt und ausgelacht werden. Soziales Ansehen und Selbstbewusstsein sinken (vgl. Esser, 2001; Krombholz, 2005).

1.2 Epidemiologie

Nach Krombholz (2005) liegt die Häufigkeit umschriebener Entwicklungsrückstände im grob- und feinmotorischen Bereich bei etwa fünf Prozent. Dabei sind Jungen doppelt so oft betroffen wie Mädchen.

In vielen Fällen treten umschriebene motorische Entwicklungsdefizite gemeinsam mit anderen Entwicklungsstörungen auf. Vor allem Wahrnehmungsstörungen, Sprech- und Sprachstörungen sowie Aufmerksamkeitsstörungen und Verhaltens-auffälligkeiten werden häufig bei betroffenen Kindern gefunden. Außerdem sind vermehrt emotional-psychische Probleme wie Angst, Depression, und Kontakt-störungen beobachtbar. Kognitive Defizite liegen nicht vor, dennoch scheint es Zusammenhänge zu Lernstörungen zu geben (vgl. Esser, 2001; Krombholz, 2005).

1.3 Ursachen

Es ist nach bisherigen Forschungsergebnissen nicht klar, welche genauen Ursachen den umschriebenen motorischen Entwicklungsstörungen zugrunde liegen. Wahrscheinlich sind unterschiedliche Gründe beteiligt, die zusammen das individuelle Erscheinungsbild der Störung bewirken. Krombholz (2005, S. 4) nennt folgende mögliche Ursachen:

„Es erscheint (…) plausibel, dass die Verarbeitung sensorischer Informationen und zentrale Verarbeitungsprozesse bei motorischen Entwicklungsstörungen eine entscheidende Rolle spielen. Daneben können unzureichende Lernerfahrungen am Zustandekommen motorischer Entwicklungsstörungen ursächlich beteiligt sein oder sie können vorhandene Bewegungsprobleme verstärken. Kinder, deren Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten eingeschränkt sind, werden infolge dieses Bewegungsmangels keine altersgemäßen motorischen Leistungen erzielen.“

Esser (2001) gibt außerdem an, dass motorische Entwicklungsrückstände vor allem bei Kindern mit schwerwiegenden Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen auftreten.

1.4 Diagnose

Die Feststellung von umschriebenen Entwicklungsstörungen der motorischen Funktionen erfolgt mittels standardisierter Testverfahren zur Grob- und Feinmotorik und Verhaltensbeobachtungen. Entwicklungs- und Intelligenztests, somatische Untersuchungen durch einen Facharzt beziehungsweise eine Fachärztin sowie neurologische Tests ergänzen die Befunderhebung. Nur so können die umschriebenen Entwicklungsstörungen von schwerwiegenderen motorischen Störungen und Behinderungen abgegrenzt werden (vgl. Krombholz, 2005).

1.5 Förderung und Therapie

Nicht immer können durch Therapie versäumte Entwicklungsschritte nachgeholt und Defizite beseitigt werden. Aber der Einsatz von physio-, ergo- und mototherapeutischen Methoden erzielt in vielen Fällen sehr gute Erfolge. Zusätzlich kann oft eine psychologische Behandlung notwendig sein.

Bei Kindern mit umschriebenen Entwicklungsstörungen der motorischen Funktionen können entweder alle motorischen Fähigkeiten oder nur ein Teilbereich betroffen sein. Auf einige Teilbereiche werde ich nun gesondert eingehen und ihre Auswirkungen auf das Lernverhalten sowie speziell die Zusammenhänge mit Rechtschreibschwäche beleuchten.

2 Entwicklungsverzögerungen und Überspringen von Entwicklungsphasen

2.1 Erscheinungsbild

Von einer Entwicklungsverzögerung oder Entwicklungshemmung spricht man, wenn die sensomotorische Entwicklung des Kindes verlangsamt verläuft. Das heißt, dass die Kinder, die einen solchen Rückstand ihrer Motorik aufweisen, die bereits erwähnten Meilensteine der Bewegungsentwicklung wie Kopfkontrolle, Arm- und Beinbewegungen, Rollen und Drehen, Sitzen, Robben, Krabbeln, Stehen und Gehen nicht zeitgerecht erlernen. Dadurch ist die Handlungsfähigkeit der Kinder gegenüber normal entwickelten Kindern eingeschränkt. Weiters zieht eine sensomotorische Retardierung in vielen Fällen auch Rückstände beim Erlernen anderer Funktionen wie beispielsweise der Sprache nach sich.

Die Ursachen für eine Entwicklungsretardierung können verschiedener Natur sein. Häufig werden sie bei Kindern beobachtet, die beispielsweise wegen orthopädischer Erkrankungen in einer Gipsschiene liegen oder aufgrund anderer langer Krankheiten in ihrer Bewegungsmöglichkeit eingeschränkt sind. Sozial vernachlässigte Kinder mit ungenügenden Außenreizen oder auch solche, die durch extreme Überbehütung zu wenig Bewegungsfreiraum haben, sind ebenfalls stärker für Entwicklungs-verzögerungen gefährdet.

Von großer Bedeutung ist die Tatsache, dass eine Entwicklungsverzögerung aufholbar ist, wodurch sie sich von schwerwiegenden Entwicklungsstörungen und Behinderungen abgrenzt. So kann sich die Entwicklung möglicherweise von alleine normalisieren, häufig ist aber eine Therapie oder zumindest besondere Förderung im Elternhaus nötig. Bei starken Rückständen sollte zudem immer genau abgeklärt werden, ob nicht doch Hirnschädigungen vorliegen (vgl. Kiphard, 1995; Zinke-Wolter, 2005).

Beim Überspringen von Entwicklungsphasen werden einzelne Meilensteine ganz ausgelassen, was problematisch ist, weil dadurch das Fundament für die nächste Entwicklungsstufe instabil ist. Das hat zur Folge, dass die gesamte weitere Bewegungsentwicklung auf wackeligen Beinen steht und qualitativ minderwertiger verläuft. Durch das Auslassen wichtiger Schritte verbleibt die Gesamtentwicklung insgesamt auf einer tieferen Stufe. Schlussendlich entsprechen die Fähigkeiten des Kindes nicht mehr dem Kalenderalter (vgl. Zinke-Wolter, 2005).

Sehr viele Kinder überspringen die Krabbelphase oder ersetzen sie durch kompensatorische Bewegungsmuster wie Rollen, Bärengang auf Händen und Füßen oder Rutschen auf dem Po. Dadurch verläuft die Entwicklung nicht ideal. Wenn ein Kind nicht krabbelt, kann dies unterschiedliche Ursachen haben. Neben neurologischen und vererbten Faktoren spielt auch die Umgebung eine entscheidende Rolle. Kinder, die sich zu wenig am Boden aufhalten dürfen und sehr wenig Platz zur Verfügung haben, krabbeln häufiger nicht als andere Kinder. Auch ein sehr rutschiger Boden kann ein Grund sein. Außerdem besteht ein enger Zusammenhang zwischen fehlender Krabbelphase und nicht integriertem ATNR und STNR. Auf die Auswirkungen dieser ungehemmten Reflexe werde ich später noch gesondert eingehen.

Die Phase des Krabbelns hat eine wichtige Bedeutung, da Krabbeln die Muskulatur für das nachfolgende Aufstehen und Gehen trainiert und durch das kreuzkoordinierte Bewegungsmuster das Zusammenspiel beider Hirnhälften unterstützt. Des Weiteren wird die Auge-Hand-Koordination geübt und durch die Möglichkeit der Fortbewegung werden die Raumwahrnehmung und ein gutes Körperschema entwickelt (vgl. Goddard, 2004).

2.2 Auswirkungen auf das Lernverhalten

Kinder mit Entwicklungsverzögerungen sind meist in ihrer ganzen Entwicklung und häufig auch noch im Schulalter etwas langsamer als andere Kinder. Durch späteres Erlernen des Sprechens weisen sie manchmal Defizite im sprachlichen Bereich auf, was sich negativ auf das Erlernen des Lesens und Schreibens auswirken kann. Manchmal werden bei entwicklungsverzögerten Kindern auch geringere Selbstständigkeit und mangelnde Konzentrationsfähigkeit festgestellt.

Das Überspringen der Krabbelphase führt dazu, dass die Gehirnhälften nicht so gut lernen, zusammenzuarbeiten, was in weiterer Folge zu Lernschwierigkeiten führen kann. Eine schlechter entwickelte Auge-Hand-Koordination macht vor allem beim Erlernen des Schreibens Probleme. Eine weitere mögliche Folge des Auslassens des Krabbelns sind Schwächen in den Teilleistungsbereichen Raumorientierung und Körperschema. Diese sind oft bei Kindern mit Rechenschwäche und auch LRS zu beobachten. Eine Studie von Kermoian und Kollegen (1988, zit. nach Goddard, 2004)[1] ergab, dass einige kognitive Fähigkeiten wie räumliche Wahrnehmung und Formkonstanz genau in der Krabbelphase gelernt werden. Fehlt diese Phase, können diese Fähigkeiten unzureichend erworben werden (vgl. Goddard, 2004).

2.3 Zusammenhänge mit Rechtschreibschwäche

Über konkrete Verbindungen zwischen einer verzögerten motorischen Entwicklung und der Ausbildung einer Rechtschreibschwäche ist relativ wenig bekannt. Bezüglich Überspringen der Krabbelphase liefern Untersuchungen interessante, aber auch umstrittene Ergebnisse. Pavlides (1987, zit. nach Goddard, 2004)1 stellte fest, dass viele Kinder mit LRS die Phasen des Kriechens und Krabbelns ausgelassen haben. Auch Veras (1975, zit. nach Goddard, 2004)1 ist der Meinung, dass es einen wichtigen Zusammenhang zwischen Kriechen und Krabbeln und der Schriftsprache gibt. Schwierigkeiten beim Erwerb der Schriftsprache, die sich in einer LRS äußern, sind seiner Ansicht nach häufig in der fehlenden Kriech- und Krabbelphase begründet. Allerdings gibt es auch genügend Kinder, die nicht gekrabbelt sind, aber keinerlei Probleme beim Lesen und Schreiben aufweisen, weshalb die Zusammenhänge zwischen fehlender Krabbelphase und Legasthenie von Fachleuten kontrovers diskutiert werden. Langzeitstudien, die die Kinder von ihrer frühkindlichen Entwicklung bis hin zum späteren Erlernen des Lesens und Schreibens begleiten, liegen bisher nicht vor (vgl. Sacher, 2005).

3 Sensorische Integrationsstörungen

3.1 Erscheinungsbild

Von Integrations- oder Wahrnehmungsstörungen spricht man, wenn trotz Intaktheit der Sinnesorgane die Informationsverarbeitung im Gehirn nicht genügend gut erfolgt. Nach Ayres (2002) bedeutet eine Störung der sensorischen Integration, dass das Gehirn nicht richtig mit den Sinnesorganen zusammenarbeitet und Sinneseindrücke unzureichend einordnen und verarbeiten kann. Dadurch ist es einem Kind mit Wahrnehmungsstörungen nicht möglich, genaue Informationen über sich und seine Umgebung zu erhalten und jegliches Lernen fällt schwer. Ayres (2002) gibt an, dass in den USA in etwa fünf bis zehn Prozent der Kinder an Sensorischen Integrationsstörungen leiden. Man nimmt an, dass diese Zahlen auch bei uns realistisch sind (vgl. Ayres, 2002).

Über die Ursache dieser Störungen ist recht wenig bekannt. Von Fachleuten wird angenommen, dass gewisse Kinder eine genetische Veranlagung für einen minimalen Hirnschaden haben. Weitere in Betracht gezogene Gründe sind die Zunahme der Umweltgifte und Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt. Kinder, die kaum Kontakt zu anderen Menschen haben und zu wenig Sinnesreize erhalten, entwickeln ebenfalls Wahrnehmungsdefizite. Die Schwierigkeiten des Gehirns bei der Integration der Sinnesreize können bisher nicht medizinisch nachgewiesen werden. Die Diagnostik besteht darin, das Kind genau zu beobachten und die einzelnen Wahrnehmungsbereiche zu testen und dadurch eine Beurteilung der Gehirnfunktionen zu versuchen (vgl. Ayres, 2002).

Sensorische Integrationsstörungen haben keine einheitliche Symptomatik, sie äußern sich bei jedem Kind etwas anders. Die ersten auffälligen Zeichen einer derartigen Störung zeigen sich oft schon im Säuglingsalter. Hier ergeben sich Zusammenhänge mit Entwicklungsverzögerungen und Überspringen von Entwicklungsphasen. Manche Säuglinge, die Schwierigkeiten mit der Einordnung der Wahrnehmungsreize haben, können nicht altersgemäß rollen, kriechen, krabbeln, sitzen oder stehen. Wenn sie älter sind, haben sie Schwierigkeiten beim Radfahren oder Maschenbinden und wirken meist ungeschickt und tollpatschig. Obwohl Muskeln und Nerven zusammenarbeiten, kommt es durch die Probleme des Gehirns zu unkoordinierten Bewegungen. Sekundäre Symptome sind Überaktivität und Aufmerksamkeits-schwierigkeiten. Verhaltensprobleme und ein schwach entwickeltes Selbstbewusstsein sind ebenfalls bei vielen Kindern zu beobachten (vgl. Ayres, 2002). Hinzu kommen häufig Sprach- und Artikulationsstörungen. „Da Sprache und Sprechvermögen auf zahlreichen Integrationsprozessen sinnlicher Wahrnehmung beruhen, sind sie besonders geeignet, Entwicklungsverzögerungen aufzuweisen, wenn es zu irgendeiner Unregelmäßigkeit bei Prozessen der Sinnesverarbeitung kommt“ (Ayres, 2002, S. 99). Dabei sind die betroffenen Kinder ansonsten meist durchschnittlich intelligent.

Nach Kesper und Hottinger (2002) können bei Sensorischen Integrationsstörungen vier verschiedene Bereiche betroffen sein: Der taktil-kinästhetische Bereich, der vestibuläre Bereich, Körperorientierung und Dyspraxie. Jedem Bereich können typische Störungsbilder zugeordnet werden, die betroffene Kinder sehr häufig zeigen.

Taktil-kinästhetischer Bereich

Bei Kindern mit Problemen im Bereich der taktilen Wahrnehmung können zwei Gruppen unterschieden werden: taktil überempfindliche und taktil unterempfindliche Kinder. Jene mit taktiler Überempfindlichkeit können Berührungen und verschiedenste Reize auf der Haut nur schwer aushalten, da sie diese viel intensiver wahrnehmen als andere Kinder. Dies äußert sich in Abwehrverhalten bei Annäherung, weinerlichem und ängstlichem Verhalten sowie Ablehnung von bestimmten Materialien und Speisen. Taktil unterempfindliche Kinder brauchen hingegen besonders starke Berührungsreize, damit sie sich spüren können. Sie sind oft distanzlos, schmerzunempfindlich, aggressiv und nicht selten autoaggressiv, um sich selbst zu stimulieren. Taktile Wahrnehmungsstörungen treten auch häufig gemeinsam mit autistischen Verhaltensweisen auf.

Kinder mit Schwierigkeiten bei der kinästhetischen Wahrnehmung haben durch zu ungenaue Informationen über die Spannung und Lage ihrer Muskeln und Gelenke ein schlechtes Körpergefühl. Dadurch brauchen sie länger, um komplexe Bewegungen zu erlernen. Auch Aufmerksamkeitsstörungen sind bei vielen dieser Kinder vorhanden. Weitere Schwierigkeiten ergeben sich dadurch, dass sie andere Kinder oft unabsichtlich anstoßen und so leicht in Raufereien verwickelt werden. In unbekannten Umgebungen verlaufen sie sich, die Einhaltung jeglicher Ordnung und das Anziehen von Kleidungsstücken fällt ihnen schwer (vgl. Kesper Hottinger, 2002).

Vestibulärer Bereich

Störungen in diesem Bereich äußern sich in Gleichgewichts- und Balanceproblemen. Durch die enge Verbindung zwischen Vestibularsystem und dem auditiven und visuellen System kann ein gestörtes Gleichgewicht vielfältige Auswirkungen für das Kind haben. Es können Sprachentwicklungs­verzögerungen, eingeschränkte auditive Merkfähigkeit, optische Wahrnehmungsprobleme und Schwierigkeiten bei Richtungsänderungen entstehen. Im Alltag fallen den Kindern viele scheinbar einfache Aufgaben schwer.

[...]


[1] Trotz umfassender Recherchen konnten die Studien nicht im Original beschafft werden.

Details

Seiten
37
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783656891871
ISBN (Buch)
9783656905516
Dateigröße
570 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v288993
Institution / Hochschule
Universität Salzburg
Note
2,0
Schlagworte
folgen störungen entwicklung lernverhalten kindes

Autor

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Titel: Die Folgen von Störungen der motorischen Entwicklung auf das Lernverhalten eines Kindes