Lade Inhalt...

Das finnische Bildungssystem. Ein Vorbild für Deutschland?

Hausarbeit 2013 10 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhalt

1.) Einleitung

2.) Pisa-Studie

3.) Vergleich der beiden Bildungssysteme
3.1) Schulstruktur
3.2) Bildungspolitik
3.3) Lehrer

4.) Übertragbarkeit des finnischen Modells

5.) Fazit

Literaturverzeichnis

1.) Einleitung

Ein sehr eng mit dem Thema „Das finnische Bildungssystem – Vorbild für Deutschland“ verbundener Begriff ist Bildung. „… Bildung wird zunächst einmal mit der Schule assoziiert, in der Lehrer versuchen, ihren Schülern das Maß an Bildung zu vermitteln, welches im Lehrplan als angemessen festgelegt wurde.“ (Internet 1)

Es gibt keine einheitliche Definition für Bildung, denn jeder hat seine eigenen Vorstellungen was Bildung ausmacht. Dies trifft allerdings nicht nur auf die Gesellschaft zu, sondern auch auf die Wissenschaft, in der es auch keine klare Definition gibt, was Bildung genau ist (vgl. Overesch, 2007, S. 25f.). Aber die ausgewählte Begriffsklärung spiegelt einen wichtigen Punkt wider. Man lernt sein Leben lang, aber einen Großteil der Bildung erfährt man in der Schule. Deshalb ist es umso interessanter zu hinterfragen, wodurch sich ein gutes Bildungssystem auszeichnet. Finnlands Bildungssystem gilt spätestens seit Untersuchungen, wie z.B. der Pisa-Studie, als vorbildhaft. Die deutschen Schülerleistungen hingegen lagen bei der gleichen Studie, die seit 2000 im Dreijahresrhythmus durchgeführt wird, eher im Durchschnitt und teilweise sogar darunter. Das führt dazu, dass das deutsche Bildungssystem deutlich negativer betrachtet wird. (vgl. Internet 4) Der erste Part dieser Arbeit setzt sich mit der Pisa-Studie auseinander, die die vergleichende Betrachtung von nationalen Bildungssystemen forcierte. Die resultierende Suche nach Ursachen ist auch meine persönliche Motivation mich näher mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Ich möchte untersuchen, inwieweit man das deutsche oder finnische Bildungssystem als gut oder auch als schlecht bezeichnen kann. Dazu habe ich drei Indikatoren aufgestellt, die die für mich wichtigsten Bereiche beleuchten sollen. Methodisch werden diese Indikatoren einzeln miteinander verglichen und ausgewertet. Diese Untersuchungskriterien sollen schließlich in einem Fazit münden, das bei der Beantwortung der zentralen Fragestellung hilft.

2.) Pisa-Studie

Nach Hinrichs und Koch bewerten Studien wie z. B. die Pisa-Studie nicht nur die Schülerleistungen eines Landes, sondern auch das Bildungssystem insgesamt, da die Gesamtheit der Ergebnisse betrachtet wird. In diesem Zusammenhang erscheint es logisch, dass es in Deutschland diverse Reformversuche gab und immer noch gibt. (vgl. Hinrichs/Koch, 2004a, S.12f.) Denn die deutschen Leistungen bei dieser Studie sind eher im Mittelmaß der OECD-Länder, also den Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, aufzufinden. In den untersuchten Bereichen Lesekompetenz, mathematische Kompetenz und naturwissenschaftliche Grundbildung war zwischen 2000 und 2009 der achte Platz die beste deutsche und der 21. Platz die schlechteste Platzierung. Finnland hingegen war immer in der Spitzengruppe anzutreffen, meist mit dem ersten Platz. Die Pisa-Studie war nicht der erste internationale Vergleich, aber einer der ersten, der alltags- und berufsrelevante Kenntnisse und Fähigkeiten von 15-Jährigen und nicht inhaltlichen Schwerpunkten in den Mittelpunkt setzte. Diese Studie war also eine der Hauptursachen für das tiefgründigere Hinterfragen von nationalen Bildungssystemen. (vgl. Internet 7) Es gibt allerdings viele Aspekte eines Bildungssystems, die untersucht werden können. Die nachfolgenden drei sollen Aufschluss darüber geben, wie es zu so großen Spannweiten in den Leistungen zwischen Schülern verschiedener Ländern kommen kann.

3.) Vergleich der beiden Bildungssysteme

Zwei Bildungssysteme miteinander zu vergleichen, stellt sich als keine leichte Aufgabe heraus. Denn es gibt sehr viele mögliche Vergleichskriterien, die zur Auswahl stehen. In diesem Fall soll zuerst die Schulstruktur im Mittelpunkt stehen, die den Bildungsweg der Schüler in einem Land vorgibt. Auch sehr wichtig ist die Bildungspolitik von Finnland und Deutschland, also inwiefern der Staat auf die Bildung Einfluss nimmt. Nicht weniger zu beachten als die Bildungspolitik im Ganzen, sind die Lehrer, die den Bildungsauftrag schließlich ausführen.

3.1) Schulstruktur

Schon beim Vergleich der Schulstruktur von Deutschland und Finnland fallen signifikante Unterschiede auf. Die Grund- oder auch Gesamtschule beginnt in Finnland in der Regel mit sieben Jahren. Mit sechs Jahren gehen die finnischen Kinder noch im Kindergarten in die Vorschule, während in Deutschland die meisten Kinder schon die erste Klasse besuchen. Besonders hervorzuheben ist in Finnland das Modell der Einheitsschule. Die Einheitsschule, auch Gesamt- und Grundschule genannt, besuchen alle Schüler des Landes bis zur neunten Klasse. Das entspricht dem Alter zwischen sieben und 15 Jahren. (vgl. Internet 4) Die ersten vier Jahre werden die Schüler nicht mit Zensuren bewertet, sondern mit einem jährlichen Bericht. Ab der fünften Klasse darf benotet werden, ab der siebenten ist das Pflicht. (vgl. Internet 2) In Deutschland gibt es im Normalfall ab der dritten Klasse Noten, es kann allerdings auch später erfolgen. Die Grundschule wird von der ersten bis zur vierten bzw. bis zur sechsten Klasse besucht. Hier unterscheiden sich die einzelnen Bundesländer. In den Klassen fünf und sechs findet in Deutschland die Orientierungsphase statt, in der endgültig entschieden wird, welches die richtige nachfolgende Schule ist. Im deutschen Schulsystem stehen dafür die Realschule, Hauptschule und das Gymnasium zur Verfügung. In einigen Bundesländern hat sich die Idee der Gesamtschule durchgesetzt, bei der alle drei Schulformen in der Sekundarstufe I zusammengelegt sind. (vgl. Internet 3) An der Einheitsschule in Finnland besteht die Möglichkeit ein weiteres freiwilliges Jahr zusätzlich zu bleiben. Nach einer bestandenen Prüfung zum Abschluss der neunten oder zehnten Klasse stehen zwei weiterführende Bildungswege offen. Entweder man schlägt einen berufsbildenden Weg an der Berufsfachschule oder einen allgemeinbildenden Weg am Gymnasium ein. Beide Bildungswege qualifizieren für ein Studium. (vgl. Internet 2) In Deutschland berechtigen im Normalfall nur das Abitur an einer gymnasialen Oberstufe zum Studium. (vgl. Internet 3)

Schon bei dieser Betrachtung der beiden Schulsysteme fällt eins auf. Das deutsche System ist weitaus komplexer und auch komplizierter. Vor allem die frühe Trennung der Schüler, die hauptsächlich für die Kompliziertheit im deutschen Bildungssystem verantwortlich ist, ist ein Kritikpunkt von Skiera und Matthies. So blieben die Kinder in Finnland von Brüchen in ihrer Bildungsbiografie erspart, wie es beim deutschen Bildungsmodell der Fall ist. Auch höre die gemeinsame Bildung der Schüler schon im Alter von zehn Jahren auf, wenn die Aufteilung auf die weiterführenden Schulen geschieht. Diese Trennung führe dazu, dass das soziale Lernen, eine der wichtigsten Kompetenzen, auf der Strecke bleibt, da die Kinder nur Kontakte im gleichen Milieu knüpfen können. (vgl. Internet 5)

3.2) Bildungspolitik

Der zweite entscheidende Punkt für das Bildungssystem eines Landes ist neben der allgemeinen Schulstruktur die Bildungspolitik. Diese beiden Aspekte sind also der Rahmen für ein Bildungssystem. Die Regierung in Finnland gibt durch das Schulgesetz und Verordnungen die grundlegende Richtung des Bildungssystems vor. Dazu gehören allgemeine nationale Ziele und die Stundentafel, die vorschreibt wie viele Stunden je Unterrichtsfach gehalten werden sollen. Danach erarbeitet das Zentralamt für Unterrichtswesen in Finnland den Rahmenlehrplan. Dieser Rahmenlehrplan beschreibt gewisse gesellschaftliche Kompetenzen, die den Schülern zu vermitteln sind. Inhaltliche Schwerpunkte werden nur grob begrenzt. Der konkrete Lehrplan wird dann nach diesem Vorbild von der Bildungseinrichtung selbst aufgestellt. Unterrichtsmaterialien werden dementsprechend beschafft und Lehrerfortbildung passend gewählt. (vgl. Graue Literatur 1) In Deutschland ist die Bildungspolitik laut Grundgesetz Aufgabe der Bundesländer. Deshalb weicht die Bildungspolitik und somit auch die Lehrpläne - vom jeweiligem Landesministerium herausgegeben - sehr stark ab. Allerdings wird durch die Kultusministerkonferenzen versucht, die wichtigsten Punkte untereinander abzustimmen wie die Dauer der Schulferien, ihre Terminierung sowie die Aufteilung eines Schuljahres. Die Meinungen der Landesregierungen gehen jedoch weit auseinander, wenn es um die Lehrpläne, die Abschlussprüfungen am Gymnasium, die Anzahl von Schuljahren, das Fächerangebot, den Schultyp oder den Übergang von der Grundschule in eine weiterführende Schule geht. (vgl. Internet 6)

3.3) Lehrer

Die Schulstruktur und die Bildungspolitik allein haben jedoch keine Aussagekraft darüber, wie der Unterricht gestaltet wird. Das hängt nach wie vor von den Lehrern ab. Nach von Freymann gibt es keine großen Unterschiede zwischen den Lehrern in Deutschland und Finnland. In beiden Ländern gebe es positive und negative Beispiele. (vgl. von Freymann, 2002, S. 3) Die Frage, die sich stellt, ist jedoch, ob diese pauschale Aussage der Problematik gerecht wird. Denn einige andere Quellen gehen von gewissen Unterschieden zwischen den Lehrern bzw. den Strukturen in denen Lehrer agieren aus. Nach Hinrichs ist Deutschlands Lehrerstruktur sehr überaltert, was in den letzten Jahren zu einer steigenden Nachfrage an neuen Lehrern geführt hat. Doch viele der jungen Lehrer können die Anforderungen an das Lehramt nicht erfüllen, da sie die falschen Ziele und Vorstellungen haben, was die bessere Verbindung zwischen Arbeit und Familie oder den Besitz eines festen Arbeitsplatzes angeht. Dies münde dann oft in Überforderung mit vielen lärmenden Kindern. In Finnland ist das Lehramtsstudium sehr gefragt. Nur 10% aller Bewerber werden angenommen. Des Weiteren gibt es zu Beginn eine Eignungsprüfung, was an deutschen Hochschulen nicht der Fall ist. Aufgrund des Lehrermangels in Deutschland geht Hinrichs weiter davon aus, dass Deutschlands Lehrer überlastet sind. Dafür spricht die jährliche Arbeitszeit von 735 Stunden. In Finnland beträgt sie nur 555 Stunden. (vgl. Hinrichs u. a., 2004b, S.61-70) So ist es auch nicht verwunderlich, dass immer mehr Lehrer Entlastung ihres Berufsstands und neue Stellen fordern (vgl. ohne Verfasser, 2012).

[...]

Details

Seiten
10
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656890461
ISBN (Buch)
9783656890478
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v288797
Institution / Hochschule
Fachhochschule Lausitz in Cottbus
Note
1,0
Schlagworte
bildungssystem vorbild deutschland

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Das finnische Bildungssystem. Ein Vorbild für Deutschland?