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"Sind d' Ferie schön xi?" Umgang mit Lernenden mit Asperger Sydrom (Autismus)

Referat (Ausarbeitung) 2015 10 Seiten

Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Asperger-Syndrom, der unsichtbare Autismus

3 Informationen aus der Interdisziplinären Tagung an der Universität Zürich: Autismus. Zu einer klinischen und kulturellen Diagnose
3.1 Theory of mind
3.2 Sind d’ Ferie schön xi?

4 Positive Effekte des Asperger Syndroms nutzen. Transfermöglichkeiten für den Unterrichtsalltag.
4.1 Positive Aspekte des Asperger Syndroms
4.2 Transfermöglichkeiten für den Unterrichtsalltag

5 Fazit

Literatur

Anhang

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Auf den ersten Blick sind die Schwierigkeiten von Jugendlichen mit Asperger-Syndrom in sozialen Bereichen kaum zu erkennen. (Bild: Christine Doerfel)

1 Einleitung

In dieser kurzen Schrift soll der Umgang mit Lernenden, die möglicherweise vom Asperger-Symptom (Autismus) betroffen sind, etwas genauer betrachtet werden. Oft wird die Lehrperson von vorlauten, temperamentvollen Lernenden gefordert; anderseits kommen Jugendliche, die auffällig ruhig, beinahe stumm sind, zu kurz.

Bei den ruhigen Lernenden fragt es sich, weshalb sie sich nicht am Unterricht und in der Gruppe beteiligen? Weshalb sind sie still? Sind sie verstummt durch die Unruhe, die ringsum herrscht? Bringen sie eine besondere Veranlagung mit?

Autismus ist vermehrt ein Thema in der Öffentlichkeit – wie ADHS Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung oder Burn-out. Es ist nicht zwingend, dass jedes Verhalten kategorisiert wird. Auffälliges Verhalten muss nicht unbedingt eine Störung im Sinne einer Krankheit oder einer Normabweichung sein. Gerade im Begriffsrahmen zwischen ADHS und Asperger-Syndrom können wir erkennen, dass sowohl Lernende als auch Erwachsene je nach Situation beide Aspekte zeigen. Und doch ist es im Umgang mit Lernenden mit Schwierigkeiten hilfreich herauszufinden, wo das Problem liegen könnte, damit eine passende Hilfestellung geboten werden kann.

2 Asperger-Syndrom, der unsichtbare Autismus

Menschen mit dem Asperger-Syndrom haben wie alle Autisten Probleme bei der Verarbeitung von Reizen. Sie haben eine sensorische Überempfindlichkeit und somit Schwierigkeiten in sozialen Beziehungen. Für die Mitmenschen ist solcher Art Verhalten aber nicht erkennbar – denn diese wirken wie „normale“ Menschen.

Da Menschen mit Asperger über ein gutes Sprachverständnis und eine normale, oft sogar überdurchschnittliche Intelligenz verfügen, sind ihre Schwierigkeiten im sozialen Bereich unauffällig. Gerade Menschen mit Asperger-Syndrom mit hohen intellektuellen Fähigkeiten haben oft gelernt, ihre Schwierigkeiten so zu kompensieren, dass ihr Autismus selbst für Fachleute schwierig zu erkennen ist. Viele haben sich zu ausgezeichneten Schauspielern entwickelt, die ihr Anderssein sehr gut verstecken können. Dennoch sind Menschen mit dem Asperger-Syndrom autistisch, viele leiden an ihrem Anderssein. Sie sehnen sich danach, sich selbst zu sein, fühlen sich aber gezwungen, eine Rolle zu spielen. So wenig wie es DEN autistischen Menschen gibt, gibt es DEN Menschen mit Asperger-Autismus. Es gibt sehr schweigsame Individuen, die jedem Kontakt aus dem Weg gehen. Es gibt aber auch wortgewandte Betroffene, die recht mitteilungsfreudig sind und schnell Kontakte knüpfen, und es gibt Menschen mit Asperger Syndrom mit hohen Begabungen im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich. Wiederum andere haben Lernschwierigkeiten.

3 Informationen aus der Interdisziplinären Tagung an der Universität Zürich: Autismus. Zu einer klinischen und kulturellen Diagnose

An der Interdisziplinären Tagung vom 14./15. Juni 2013 an der Universität Zürich sprachen namhafte Fachleute wie Maria Asperger Felder, Fachärztin Zürich, und Matthias Huber, Psychologe am KJPD Bern und Vorstandsmitglied Autismus Deutsche Schweiz, über Autismus. Für den Unterrichtsalltag waren weniger die Ausführungen zu Theorie, Diagnose, Behandlung von Interesse als viel mehr die Statements von PraktikerInnen, SozialarbeiterInnen und Betroffenen.

3.1 Theory of mind

Ronnie Gundelfinger, Facharzt KJPD Zürich, führt aus: Grundsätzlich ist eine „Theory of Mind“1 die Voraussetzug für Empathie. Fehlt diese, ist kein intuitives Eingehen auf ein Gegenüber möglich; der Betroffene hat eine schwache zentrale Kohärenz, das heisst, er bleibt am Detail hängen und verpasst die Quintessenz und den sozialen Kontext. Auffällig ist zudem eine schlechte Abgrenzung bei Reizüberflutung, d.h. dass sich eine Person schlecht gegen Geräusch, Geruch, Licht (optische Reize) wehren kann. Die Beziehung zu Mitmenschen ist jedoch loyal, zuverlässig, frei von sexistischem Denken und geprägt von ehrlicher Kommunikation.

3.2 Sind d’ Ferie schön xi?

Matthias Huber, Fachmann und selber Asperger/Autist, berichtet, dass ein Asperger oder Autist Fragen, die an ihn gestellt werden, immer ganz korrekt beantworten möchte. Bei solch einer Detailgenauigkeit muss daher viel überlegt werden … Er bringt dazu ein Beispiel aus dem Zusammenleben von Autisten und Normalos, Was passiert bei einer banalen Fragen wie z.B. folgender: „Sind d’Ferie schön xi?“. Der Autist/Asperger ist verwirrt: 1.) Welche Ferien sind genau gefragt; die letzten Ferien oder Ferien allgemein? 2.) Was heisst schön? Am Morgen gab’s kein Frühstücksei, das war nicht schön; das Wetter war gut, das war schön; der Strand war besetzt, das war nicht schön; das Nachtessen war üppig, das war schön!?! Was nun, wie müsste eine genaue, korrekte Antwort auf die gestellte Frage lauten??? Huber meint dazu, dass Aspies2 sehr ehrlich seien; sie können nicht lügen, das wirke oft kalt/unfreundlich und sie seien sehr loyal. Überzeichnete Emotionen, z.B. „Ohh, wie wunderschön ist dieser Strauss“ können Aspies/Autis schlecht interpretieren, wissen nicht, was damit anfangen. Übrigens: Auf der Gegenseite sind die „Normalos“ oder im Fachjargon die neurotypischen Menschen. Weitere Beispiele für die Verständigungsschwierigkeiten zwischen Aspies und Normalos – wobei für die Aspies die nonverbale Kommunikation der Normalos die Knacknuss ist – finden sich im Artikel „Aspie – na und“ (http://chaoskatja1.npage.de/beitraege/der-mensch-das-unbekannte-wesen.html).

4 Positive Effekte des Asperger Syndroms nutzen. Transfermöglichkeiten für den Unterrichtsalltag.

4.1 Positive Aspekte des Asperger Syndroms

Es gibt zahlreiche Betroffene, die sich damit abgefunden haben, anders zu sein. Sie haben gelernt, mit ihren Problemen umzugehen und nutzen die positiven Effekte, die mit dem Asperger-Syndrom einhergehen können. Beispielsweise führt die Naivität, die Menschen mit Asperger-Syndrom häufig an den Tag legen, weil sie bestimmte Situationen nicht einordnen können, dazu, dass viele von ihnen ehrliche Menschen sind und ungeachtet möglicher sozialer Nachteile ihre Meinung kundtun. Dies kann zwar durchaus zu Problemen führen, ist aber eigentlich eine positive Eigenschaft, von der Freunde, Gesellschaft und auch Arbeitgeber profitieren könn(t)en.

Abbildung 2: Menschen mit dem Asperger-Syndrom sind ordnungsliebend und detailgenau. (Bild: Rainer Sturm/pixelio.de)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Menschen mit Asperger-Syndrom sind es auch gewohnt, über längere Zeit hochkonzentriert und mit viel Engagement die gleiche Arbeit zu verrichten, wenn es sich um eine Lieblingsbeschäftigung handelt. Sie sind detailgenau, verfügen über analytisches und logisches Denken. Im beruflichen Bereich kann es für sie ein Vorteil sein, dass viele in einem Spezialgebiet sehr grosses Wissen aufweisen.

Arbeitgeber können also profitieren, müssen aber auch bereit sein, ein entsprechendes Arbeitsumfeld für Menschen mit dem Asperger-Syndrom zu schaffen und auch Schwächen zu akzeptieren, wie eben Probleme in der sozialen Interaktion, fehlendes Selbstvertrauen, mangelnde Flexibilität oder wenig Spontaneität.3

[...]


1 Theory of Mind, auch native Theorie, bezeichnet die Fähigkeit, eine Annahme über Bewusstseinsvorgänge in anderen Personen vorzunehmen und diese in der eigenen Person zu erkennen, also Gefühle, Bedürfnisse, Ideen usw. zu vermuten. U.a. Rollett, Koller S.183.

2 Der Begriff Aspies (Autis) wird von der Kommune der Betroffenen selbst verwendet und ist positiv besetzt. (vgl. Anhang 1)

3 www.myhandicap.de/asperger-syndrom-bei-autismus.html (Zugriff: 2.1.2014)

Details

Seiten
10
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656890355
ISBN (Buch)
9783656890362
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v288789
Note
Schlagworte
sind ferie umgang lernenden asperger sydrom autismus

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Titel: "Sind d' Ferie schön xi?" Umgang mit Lernenden mit Asperger Sydrom (Autismus)