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Das Schreibprozessmodell nach Flower und Hayes

Essay 2013 11 Seiten

Didaktik - Deutsch - Deutsch als Fremdsprache

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Das Schreibprozessmodell nach Flower und Hayes

3. Methodische Anwendung im Unterricht
3. 1 Das Langzeitgedächtnis
3.2 Das Aufgabenumfeld
3.3 Der Schreibprozess

4. Fazit

1. Einleitung

„Jede neue Sprache ist wie ein offenes Fenster, das einen neuen Ausblick auf die Welt eröffnet und die Lebensauffassung weitet.“

Frank (John Thomas) Harris, (1856 - 1931)

Die Sprache ist die wichtigste Grundlage menschlichen Zusammenlebens. Nur wenn die Sprache beherrscht wird ist es möglich Freunde zu finden, sich in der Arbeitswelt zurechtzufinden, Kontakte zu pflegen oder Erfolg in der Schule zu haben. Für Menschen mit Migrationshintergrund ist Sprache die wichtigste Voraussetzung am gemeinschaftlichen Leben teilzuhaben und dieses aktiv mitzugestalten.

Laut dem statistischen Bundesamt lebten im Jahr 2011 in Deutschland 16,0 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. 19,5 % der Gesamtbevölkerung von Deutschland sind also Menschen mit Migrationshintergrund.1

Der Begriff der Migration wird unterschiedlich definiert bzw. gedeutet. In der PISA-Studie 2000 zählten alle Personen zu Menschen mit Migrationshintergrund, die zumindest einen ausländischen Elternteil haben, in der PISA-Studie 2003 wurden zu Menschen mit Migrationshintergrund nur die gezählt bei denen beide Elternteile von Migration betroffen sind. Es gibt Gruppen von Menschen mit Migrationshintergrund, die sehr gut im deutschen Bildungssystem abschneiden, als auch solche die schlecht abschneiden. Meiner Meinung nach hat der Bildungserfolg der Menschen mit Migration weniger mit dem Status „Migration“ als mit dem Bildungsgrad der Eltern zu tun. Viele SchülerInnen mit schlechten Sprachkenntnissen entstammen Familien, deren Sprachkenntnisse ebenfalls ungenügend sind. Gerade Migrantenkinder in ohnehin schon problematischen familiären Situationen werden daher durch derartige ungünstige Umstände in ihrem weiteren Umfeld besonders benachteiligt. Umgekehrt profitieren gerade die schlechter gestellten Migrantenkinder besonders schon von der Verbesserung einzelner Umstände, etwa bei den Lernbedingungen in der (Grund-)Schule, so dass es durchaus Möglichkeiten gibt, diese Verstärkungsspirale ungünstiger Umstände zu durchbrechen.2

Gute Kenntnisse der deutschen Sprache sind also eine grundlegende Voraussetzung für Bildung bzw. den Bildungserfolg. Auch für die Integration spielt die deutsche Sprache eine wichtige Rolle, denn wer sich verständigen kann, wer sich mitteilen kann, hat auch mehr Chancen sich zu integrieren.3

Eine zentrale Rolle spielt sie auch im Umgang mit Medien, im schulischen und außerschulischen Alltag, im Umgang mit anderen Menschen und in vielen anderen Lebensbereichen.

Stetig mit der Zunahme ausländischer Schüler mit ungenügenden Sprachkenntnissen (welche Bedingungen auch immer hierfür verantwortlich sind) steigt auch der Förderbedarf im Fach „Deutsch als Zweitsprache“4. Förderbedarf besteht in sprachlichen, sowie in schriftlichen Bereichen.

Das Beherrschen der deutschen Sprache ist eine Grundvoraussetzung für das Bestehen in schulischen Bereichen. Wichtig hierbei ist die ständige Förderung und Schulung der deutschen Sprache im Unterricht.

In meiner Arbeit beschäftige ich mich generell mit dem „Schreiben“ an sich. Konkret gehe ich auf das Schreibmodell nach Flower und Hayes ein, welche das Schreiben als psychischen Prozess untersucht haben und erläutere, wie man dieses Modell methodisch im Unterricht einsetzen und SchülerInnen im Schreibprozess unterstützen kann.

2. Das Schreibprozessmodell nach Flower und Hayes

Grob ausgedrückt meint der Schreibprozess alle Vorgänge, die zum selbstständigen Produzieren eines Textes notwendig sind.

Das Modell von Flower und Hayes betrachtet Schreiben als Problemlösen. Dieses Modell wurde 1980 entwickelt, als sich Flower und Hayes mit dem Schreibprozess auseinandersetzten. Flower und Hayes unterscheiden bei ihrem Model drei große, wichtige Komponenten: Das Langzeitgedächtnis, das Aufgabenumfeld und den Schreibprozess an sich. Jede diese Komponenten beeinflusst den Schreibprozess.

Verkürzt kann man sagen, dass der Schreibende ein bestimmtes Aufgabenumfeld hat mit einer ihm zugestellten Schreibaufgabe, einem bestimmten Thema und Adressaten und zu dem Zeitpunkt des Schreibens verschiedene bereits hergestellte Textteile.

Auch die kognitiven Prozesse des Schreibens werden bei diesem Konzept nicht außenvorgelassen, nämlich das Planen, das Formulieren und das Überarbeiten. Diese kognitiven Prozesse werden durch den Monitor überwacht.

Die dritte Komponente ist das Langzeitgedächtnis. Hieraus sollte der Schreiber das Wissen zu dem bearbeitenden Thema, über den Schreibplan und über den Adressaten bekommen.5

Zu dem Schreibprozess wurde auch eine Grafik erstellt. Diese sieht wie folgt aus:

6

Um die einzelnen Prozesse präziser zu erklären, werde ich nun näher auf diese eingehen und auch die Subprozesse der Hauptkomponenten konkretisieren.

Das Aufgabenumfeld ist wiederum untergliedert in Schreibauftrag und bisher geschriebene Textteile. Beim Schreibauftrag geht es zum einen um das Thema an sich und den Adressanten und zum anderen um die Informationen zur Motivation des Schreibers.

Zum Langzeitgedächtnis zählen zwei Arten von Wissen: das Wissen zum Thema und das Wissen über den Adressaten. Ebenso kann der Schreiber sich auf vorhandene Pläne rückbeziehen. Flower und Hayes nennen in diesem Zusammenhang die sogenannten W-Fragen, also „wer?“, „was?“, „wann?“, „warum?“ und „wo?“, auf die der Schreiber zurückgreifen kann.

Der Schreibprozess ist ein umfassender (kognitiver) Prozess, welcher sich in verschiedene Phasen unterteilen lässt. Diese Teilprozesse – nämlich das Planen, das Schreiben und das Überarbeiten – sind alle maßgeblich für das Erreichen des Ziels, also das Erfüllen der Schreibaufgabe. Die Reihenfolge der Subprozesse ist hierbei nicht wichtig, nur das Durchführen eines jeden Prozesses ist notwendig. Stellt der Schreiber während des Schreibens fest, dass er etwas unvollständig oder falsch geschrieben hat, kann er von jedem Teilprozess zu einem anderen Prozess springen und diesen erneut durchführen oder überarbeiten.

Der Schreibprozess wird wiederum vom sogenannten Monitor, im Hinblick auf die Sprachfertigkeit, Sprachkonventionen, Umfang und Verständlichkeit kontrolliert.

Wie oben erklärt besteht der eigentliche Schreibprozess, auf dem mein Hauptaugenmerk liegt, aus den Phasen des Planens, Formulierens und Überarbeitens. Im folgenden Verlauf werde ich mein Augenmerk auf die genannten drei Phasen richten und anschließend erläutern, wie man die einzelnen Prozesse, insbesondere die drei Phasen des Schreibprozesses, methodisch im Unterricht unterstützen kann.

Der Prozess „Planen“ lässt sich in die Prozesse des Generierens, des Zielsetzens und des Strukturierens unterteilen. Beim Generieren werden Informationen aus dem Langzeitgedächtnis abgerufen, sowie Ideen gesammelt. Diese Informationen werden im Strukturierungsprozess, wie der Name schon sagt, strukturiert. Die Informationen werden in Zusammenhang mit dem Schreibauftrag ausgesucht und geordnet. Im Subprozess „Ziele-Setzen“ werden die Kriterien für das eigentliche Schreiben aufgestellt. Es wird eine Art Schreibplan erstellt, welcher zeitlich oder hierarchisch strukturiert sein kann.

Das Formulieren kann man als eine Art Übersetzung sehen. Hierbei geht es darum Gedanken, Bilder, Ideen, etc. sprachlich umzuwandeln und schriftlich zu erfassen.

Das Geschriebene wird im Überarbeitungsprozess anschließend überprüft. Wichtig hierbei ist zum einen der Inhalt und zum anderen die Form des Geschriebenen. Der Überarbeitungsprozess ist unterteilt in das „Lesen“ und das „Revidieren“. Beim Lesen geht es darum den geschriebenen Text nochmals zu lesen, wobei das Revidieren der Kontrolle der Sprachkonventionen, der Wirkungsabsicht und der Kontrolle des aufgestellten Schreibplans dient. Nach Flower und Hayes erfolgt das Revidieren automatisch und unterbricht auch die anderen Phasen des Schreibprozesses.7

3. Methodische Anwendung im Unterricht

Hierbei stellt sich nun die Frage, wie man die einzelnen Prozesse methodisch im Unterricht unterstützen kann. Bevor ich auf den Schreibprozess an sich, und somit auf dessen Unterkomponenten eingehe, möchte ich auch noch die methodische Unterstützung der Phase des Aufgabenumfelds und des Langzeitgedächtnisses erläutern.

3. 1 Das Langzeitgedächtnis

Anfangs möchte ich auf das Langzeitgedächtnis eingehen.

Mögliche Probleme im Unterricht können sein, dass das Wissen über das Thema (des Textes) kaum oder gar nicht vorhanden ist. Auch zu wenig Wissen über das Thema des Textes kann problematisch werden. Betroffene Schüler wissen dann oft nicht, worüber sie schreiben sollen oder worum es in dem Text überhaupt geht. Oftmals gelingt es den SchülerInnen auch nicht Wissen oder bestimmte Aussagen in Worte zu fassen.

Unterstützung kann man bieten, in dem man im DdaZ-Unterricht Texte über ein aktuelles Unterrichtthema, wie beispielsweise den Klimawandel durchnimmt. Hierbei sind die SchülerInnen vorentlastet und verfügen (meist) über einen bestimmten Anteil an Wissen und Informationen, was Ihnen die Schreibarbeit erleichtert. Ebenso kann man eine Art Interview-Spiel machen, bei welchem die Schüler sich gegenseitig über das Thema des Textes interviewen und sich Notizen machen. Anschließend werden vorhandene Lücken gemeinsam in der Klasse besprochen und Wissen vermittelt.

3.2 Das Aufgabenumfeld

Beim Aufgabenumfeld kann es sein, dass der Schüler die gestellte Aufgabe gar nicht erst versteht. Oft sind Schüler auch unter- oder überfordert. Daraus folgt, dass oft eine Art Themaverfehlung entsteht oder, im letzteren Fall, Schüler gelangweilt sind oder ununterbrochen auf Hilfe angewiesen sind.

[...]


1 Www.destatis.de

2 www.bagkjs.de

3 Www.kultusportal-bw.de

4 Www.wiki.zum.de

5 Www.wikipedia.de

6 Schreibprozessmodell nach Hayes/Flower. Entnommen von: http://www.uni-bamberg.de/?id=24538

7 Www.docs.google.com

Details

Seiten
11
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656922377
ISBN (Buch)
9783656922384
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v288780
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
2
Schlagworte
schreibprozessmodell flower hayes

Autor

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Titel: Das Schreibprozessmodell nach Flower und Hayes