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Geschichte Afrikas. Einführung in die deutsche Kolonialgeschichte

Vorlesungsmitschrift 2014 55 Seiten

Geschichte - Afrika

Leseprobe

Einführung in die deutsche Kolonialgeschichte, 24.10.13

Es geht in dieser Veranstaltung immer um Kolonien der Neuzeit. Hochimperialismus, ab 1884.

Definition Kolinialismus, aus Jürgen Osterhammel: Kolonialismus. Geschichte, Formen, Folgen (S. 16) "Eine Kolonie ist ein durch Invasion (Eroberung und/oder Siedlungskolonisation) in Anknüpfung an vorkoloniale Zustände neu geschaffenes politisches Gebilde, dessen landfremde Herrschaftsträger in dauerhaften Abhängigkeitsbeziehungen zu einem räumlich entfernten 'Mutterland' oder imperialen Zentrum stehen, welches exklusive 'Besitz'-Ansprüche auf die Kolonie erhebt."

Es ist aber in Wirklichkeit nicht so, dass in diesen Ländern vorher "nichts" war. Das ist genau die Denkweise der Kolonialherren.

Man sollte aber nicht mit so einer moralischen Frage anfangen, also mit der Frage, ob der Kolonialismus gut oder schlecht war, sondern einfach die Geschichte erforschen.

Ab 1884: Formelle Beteiligung Deutschlands am Erwerb von Kolonien. Bismarck war vorher strikt gegen Kolonien, da er Konflikte mit anderen europäischen Mächten fürchtete.

Beispiele für Kolonien:

Deutsch-Südwestafrika (= Namibia) ab 1884 Togo ab 1884

Kamerun ab 1884

Deutsch-Ostafrika ab 1885 Deutsch-Neuguinea ab 1885 Kiautschou 1898

Samoa 1899

Es wird eine Karte der Kolonialgebiete gezeigt.

Problem: Die Karte zeigt den Zustand 1914, also die Endpunkte der Entwicklung. Außerdem vermittelt sie die Illusion einer totalen Kontrolle der Gebiete, die es so aber nicht gab. Vor allem in Kamerun gab es fast keine Präsenz von Kolonialbeamten. Die Karte zeigt also zum großen Teil Ansprüche, und nicht Wirklichkeiten.

Grenzen wurden teilweise willkürlich gezogen, ohne Rücksicht auf die ortsansässige Bevölkerung. Kamerun hat oben z.B. so einen "Schnabel", weil man noch den Tschadsee erreichen wollte.

Ende der deutschen Kolonialgeschichte:

Während des Ersten Weltkrieg wurden die meisten Kolonien bereits faktisch verloren, im Versailler Vertrag wurde dann festgelegt, dass die Kolonien (als Entschädigungsleistung) abgegeben werden mussten. Außerdem wurde argumentiert, dass Deutschland "nicht fähig zu Kolonisation" sei und es den

"Eingeborenen" gegenüber daher unfair sei, die Kolonien bei Deutschland zu belassen. Die Alliierten haben versucht, diese These empirisch zu beweisen. Zu diesem Zwecken haben sie z.B. in Kamerun Oral History betrieben.

"Blaubuch" (eine Kampfschrift, veröffentlicht vom britischen Parlament), enthält Zeugenaussagen von Afrikanern. Das Blaubuch sollte später wieder vernichtet werden, um die Beziehungen zu den z.B. in Namibia verbleibenden deutschen Siedler zu entspannen. Einige Exemplare sind jedoch erhalten geblieben.

Es gab bis 1945 deutsche Kolonialschulen. Aber 1943 wurde bereits die Planung für die Kolonien eingestellt [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Ende der Kolonialzeit 1943 oder 1945?

NS-Planungen, "Mittelafrika" (gab es nie, war immer nur in Planung) wieder erstehen zu lassen.

"Kolonismus ohne Kolonien" = die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, als die Alliierten z.B. noch Propaganda gegen Deutschland verbreiteten (Blaubuch).

1918: Ende des Ersten Weltkriegs und Ende der Kolonialzeit für Deutschland

Frederick Cooper: Colonialism in Question (dt.: Kolonialismus denken)

Ade Ajayi: Afrikanischer Historiker, "Colonialism: An Episode in African History", in: Lewis H. Gann und Peter Dugnan (Hrsg.) Colonialism in Africa.

Jürgen Osterhammel: Kolonialismus. Geschichte, Formen, Folgen. (evtl. kaufen)

Drei Arten von Kolonien:

- neuenglischer Typ
– afrikanischer Typ
– karibischer Typ
- Beherrschungskolonien (z.B. Togo), relativ wenige aus dem Mutterland entsandte Beamte, die wieder nach Hause zurück kehren.
- Stützpunktkolonien. Zweck: wirtschaftliche Erschließung des Landes, z.B. in China
– Siedlungskolonien. Es siedeln sich z.B. Pflanzer, Farmer, etc. an und stellen örtliche

Arbeitskräfte ein. z.B. Deutsch-Südwestafrika. Auch: Neuengland, USA, Kanada, Australien, Südafrika. … Die Siedlung ist militärisch unterstützt, d.h. das sind nicht nur "normale Einwanderer".

Einführung in die deutsche Kolonialgeschichte, 31.10.13

Reinhard Wendt: Vom Kolonialismus zur Globalisierung (Pflichtlektüre, falls man geprüft werden möchte, allerdings nur die ersten Kapitel)

Idealtypische Definitionen (WH vom letzten Mal):

Beherrschungskolonien: Meist das Resultat militärischer Eroberungen, Ziel: wirtschaftliche Ausbeutung (Osterhammel), z.B. Britisch-Indien, Togo (dt.), Frz. Indochina

Stützpunktkolonien, oft durch Flottenaktionen, Ziel: indirekte koloniale Erschließung eines Hinterlandes, z.B. China (dt.), Hong Kong, Singapur

Siedlungskolonien. Der Unterschied zur Migration ist die militärische Unterstützung.

Ziel: Nutzung des Landes (Farmen, Plantagen), auch: Versklavung (karibischer Typ)

Neuenglicher Typ: Extreme Dezimierung der ursprünglichen Bevölkerung, z.B. USA, Australien Afrikanischer Typ: z.B. Namibia

Karibischer Typ: z.B. Jamaika, Kuba, Brasilien. Versklavte Bevölkerung.

Viele Kolonien weisen Merkmale mehrerer Typen auf und lassen sich daher nicht genau einteilen.

Vorgeschichten in europäischer Perspektive:

Periodisierung des Kolonialismus:

Afrika und Asien waren bereits in der Antike in Kontakt mit Europa, z.B. Feldzug Alexander des Großen an den Indus. Einzelne römische Reisende erreichten Indochina.

Kreuzzüge: Kontakte nach Osten

Iberisches Reich: Expansion nach Europa

Pilgerfahrt eines afrikanischen Königs (Mansa Mussa I von Mali, 1280-1337) nach Mekka führte zu einem Goldwertverlust in Europa

Europa hatte im Mittelalter eine periphere Rolle in der Welt. Asien war wichtiger. Europa empfing Impulse aus Asien, negative Handelsbilanz Europas zu dieser Zeit.

Oft heißt es, dass die europäische Expansion ihren Anfang in den italienischen Stadtstaaten nahm.

Der Fernhandel trug erheblich zum Reichtum dieser Stadtstaaten bei, z.B. Venedig, Genua.

Übergang von der Silber- zur Goldwährung, denn die islamischen Handelspartner forderten Anfang des 13. Jahrhunderts Gold, akzeptierten Silber nicht mehr.

Bargeldlose Zahlung z.B. Wechsel ab dem 13. Jahrhundert.

Reich der Mongolen [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Europäer konnten bis China reisen, z.B. Marco Polo.

Vollmacht (Prokura): Eine Person konnte einen Kaufmann vertreten und daher an vielen Orten gleichzeitig tätig sein. Daraus entstanden die Handelsgesellschaften.

Gewinnspannen des Fernhandels: 300-1.000%. Produkte: Gewürze, Seide.

Maritime Expansion, wurde durch Neuerungen im Schiffsbau ermöglicht. Portugal war hier sehr wichtig. Gründe: Reconquista abgeschlossen, Ritter brauchen daher ein neues Betätigungsfeld. Nahrungsmangel. Bürgertum drängte zur überseeischen Expansion.

Mansa Musa war ja mit viel Gold nach Europa gekommen [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Europäer waren neugierig, wollten auch etwas von diesem Gold haben.

Legende vom Priesterkönig Johannes (ab 1150 in Europa verbreitet): afrikanische Christen. Man suchte diesen Priesterkönig. … Die Suche nach diesem Priesterkönig bot dem Papst einen Grund, die portugiesische Expansion zu legitimieren (obwohl man dabei ja mit Moslems Handel treiben musste).

Königreich Äthiopien: Dort hatte sich zur Zeit der Antike (4. Jhdt.) das Christentum etabliert. Ein äthiopischer König sandte später eine Delegation nach Europa, um dort Verbündete gegen die Muslime zu finden, die sein Reich bedrohten.

1453, Konstantinopel fällt an die Osmanen [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Die Bemühungen um eine christliche Einheitsfront wurden verstärkt.

Die Unterstützung der christlichen Kirche war also entscheidend für die maritime Expansion Portugals.

1492: Ende der Reconquista in ganz Europa. Es gab zwei starke Königreiche, Portugal und KastilienAragon (später Spanien). Beide hatten den katholischen Glauben als Staatsreligion. Konkurrenz.

Die Portugiesen errichteten auf den neu besiedelten Inseln (z.B. Kapverden, Madeira) Plantagen. Auf dem Festland suchte man Sklaven und Gold. 1482 wurde der erste Stützpunk an Land errichtet, nämlich São Jorge da Mina. (Sammelstelle für Sklaven, es gab dort viele Forts)

Karte: Äthiopische Erkundungsfahrten. (Die sieht ähnlich aus wie die Karte zur Expansion Portugals. Man könnte also ebenso von einer afrikanischen Expansion nach Europa sprechen).

1492-1820: Iberische Phase (Kronmonopolismus)

1600-1857: Nordwesteuropäische Phase (Chartered Companies)

Iberische Phase: Das Ziel war hauptsächlich Asien, und es ging um Gewürze. Der afrikanische Kontinent musste umschifft werden, es gab dort aber auch Gold, Sklaven, Zuckerrohr, Elfenbein.

1434: Portugiesen umsegeln Kap Bojador. Viele sehen das als Beginn der Expansion, weil man die damals bekannte Welt verließ.

Portugal verzichtete in einem Vertrag auf die Kanaren.

1492: Granada als letzte arabische Bastion fiel an Spanien. Kolumbus bekam dann den Auftrag nach „Indien“ zu segeln.

1494, Vertrag von Tordecillas zog ein Linie zwischen dem spanischen und portugiesischen Bereich. Daher konzentrierte sich Spanien auf Amerika und Portugal auf Asien. Der Papst vergab die Rechte für diese Expansion, aber die Bedigung war, dass die jeweiligen Eroberer dort das Christentum verbreiteten.

Indische Lotsen unterstützten die Europäer bei der Navigation nach Asien. (Die Europäer waren also nicht die ersten, die diese Gebiete befuhren).

Vasco de Gama

Die Portugiesen gründeten Niederlassungen in Indien, z.B. Goa, und konnten in den indischasiatischen Handel einsteigen. Weltweites Netzwerk von Handelsstützpunkten. Gewinnmarge beim Gewürzhandel ca. 150%. Die Fracht war von Goa nach Lissabon ca. 2 Jahre unterwegs.

Cortéz ließ sich in Mexico als Nachfolger der Azteken ausrufen.

Im Kongo musste man eine Abgabe an den König zahlen, um Handel treiben zu dürfen.

Die lokale Bevölkerung war weitgehend unbeeinflusst von diesem Handel, allerdings wurde Maniok von Südamerika nach Afrika eingeführt und etablierte sich dort rasch als Grundnahrungsmittel.

Sklaverei: Ca. 1 Mio. bis Ende des 18. Jahrhunderts wurden versklavt und nach Amerika gebracht.

Japan: Die Portugiesen wurden komplett ausgewiesen. Sie hatten dort auch missioniert, und es wurden auch viele Japaner zu Christen. … Die Niederländer waren die Konkurrenten der Portugiesen und erzählten daher in Japan von den Zwangssystemen, die in Südamerika aufgebaut worden waren. Außerdem gab es da den Papst als neue Autorität. Man befürchtete eine europäische Invasion in Japan und 1639 wurden alle Missionare aus Japan ausgewiesen. Der Handel blieb in Japan aber noch bestehen. … Außerdem: Innerjapanische Konflikte, in denen diejenigen Japaner im Vorteil waren, die Zugriff auf westliche Schusswaffen hatten.

Dies blieb bis 1868 so (Fall des Tokugawa-Shogunats.)

1600-1857: Nordwesteuropäische Phase

„Die Welt als Bühne“: Konflikte, die eigentlich in Europa statt fanden, wurden anderswo ausgetragen.

Wichtige Handelsgesellschaften: VOC (Vereenigde Oostindische Compagnie), gegründet 1602, börsengehandelt. Monopol zwischen Kap der Guten Hoffnung und Kap Hoorn. Hoheitsrechte: Grundbesitzerwerb, Festungsbau, Rechtssprechung, Vertragsabschluss, Kriegsführung

Eine Handelsgesellschaft ist eine nichtstaatliche Unternehmung, die vom Staat bestimmte Privilegien bekommt, z.B. militärisch vorzugehen oder Steuern einzuziehen. Es wurde aber privates Kapital eingezahlt und dann Dividenden ausgeschüttet, denn diese Handelsgesellschaften machten hohe Gewinne.

Damals gab es nördliche Niederlande (heute die Niederlande), wurden dann unabhängig, und südliche Niederlande (heute Belgien), gingen dann an Spanien und wurden katholisch.

Philip II: Personalunion Spanien und Portugal. Die niederländischen Kaufleute wurden dadurch systematisch benachteiligt. Sie spezialisierten sich daher auf den Asienhandel, da dort die Spanier nicht so präsent waren.

1595 umsegelten die ersten Niederländer das Kap der Guten Hoffnung und fuhren zu den Gewürzinseln (Molukken), heute Teil von Indonesien.

Wie vorher die Portugiesen mussten die Niederländer meist mit den örtlichen Behörden kooperieren. Die Niederländer etablierten ein Plantagensystem für Gewürze, das sich auf gewaltvolle Herrschaft gründete. Einstieg auch in den Transatlantischen Sklavenhandel, schließlich nahmen die hierbei die wichtigste Rolle ein.

England und Frankreich:

England wurde erst im 17. Jahrhundert ein „global player“. Grund: England war davor mit dem Kampf zwischen Parlamentarismus und Monarchismus beschäftigt, der erst durch die Glorious Revolution beendet wurde.

Literaturhinweis: Many-Headed Hydra (Untersucht die anarchistischen Prozesse auf den Schiffen in der Karibik, auf denen sich alle möglichen Menschen vermischten, z.B. Auswanderer, Sklaven, geflohene Sklaven, etc. [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Wunsch nach klaren Strukturen, rassischer Hierarchie)

Francis Drake: Bewusste Strategie, um Spanien zu schwächen = Besetzung neuer Gebiete (Jamaica).

Die USA lösten sich 1776 von England.

Amerika wurde wegen der kleinen Eiszeit so interessant, denn dort gab es Pelze.

British East India Company = britisches Pendant zur VOC.

Die East India Company konzentrierte sich bis Ende des 17. Jahrhunderte auf Indien und China

Frankreich:

Frankreich war besonders in der Karibik aktiv. Siedlungen wurden damals teils komplett dem Erdboden gleichgemacht.

1608: Siedlungen in Nordamerika wurden erschlossen, z.B. Quebec, dann Ausbreitung nach Süden: New Orleans, Louisiana. Karibik ab 1635. Afrika: St. Louis, Gorée. Export von Sklaven für den Zuckerrohranbau.

Ab 1665: Réunion, Mauritius. Koloniale Stützpunkte im Indischen Ozean.

18. Jahrhundert: Beginn der englisch-französischen Konkurrenz in Europa und Übersee. Kämpfe z.B. in Kapstadt, weil Napoleon die Niederlande besetzte. Dadurch Auflösung der VOC.

Unabhängigkeit von St. Domingue, Haiti. Besonderheit: Es waren nun nicht Weiße, die die Unabhängigkeit forderten, auch keine Ureinwohner, denn von denen gab es kaum noch jemanden, sondern Sklaven.

Die Plantagenbesitzer waren dort gar nicht präsent, sondern hatten Verwalter eingesetzt, außerdem wurden immer neue Sklaven aus Afrika dorthin gebracht. Sie wurden also nicht vor Ort geboren. Sie kamen aus den gleichen Gebieten in Afrika, hatten also die gleiche Kultur (Voodoo) und konnten sich einfacher organisieren.

Außerdem gab es dort „gens de couleur“ (Söhne von Europäern mit Sklavinnen oder Freigelassenen), die teils selbst Sklavenhalter waren. Die „gens de couleur“ wollten in St. Domingue auch so etwas, wie die Französische Revolution versprach.

Wichtig hier: Toussaint Louverture Wichtige Zäsur.

Nach den napoleonischen Kriegen wurde England zur führenden Weltmacht. Australien als neue Siedlungskolonie, neue Plantagenkolonien in der Karibik. Marinestützpunkte auf der ganzen Welt. In Indien waren alle andere europäischen Stützpunkte verschwunden, nur noch die East India Company war präsent.

Die EIC unterhielt eine eigene Armee. 1857: Ende der British East India Company durch einen Aufstand (Indian Mutiny).

Besonderheit ab 1880: Aufteilung Afrikas durch Europa (imperiale Phase)

Es wurden die völkerrechtlichen Grundlagen geschaffen, nach denen dies möglich war. Z.B. wurden afrikanische Länder per definitionem nicht völkerrechtlich anerkannt.

Widerstand z.B. gegen die Sklaverei: Flucht aus den Plantagenkolonien, Gründung unabhängiger Gemeinschaften.

Vorgeschichte aus deutscher Perspektive (obwohl es Deutschland noch gar nicht gab):

Bayern versuchte 1657 Neu Amsterdam (= New York) von den Holländern zu kaufen, was aber nicht funktioniert hat.

Kurfürst von Brandenburg gründete eine Kolonie in Ghana, Groß Friedrichsburg.

Antillen, St. Thomas: Kurfürst von Brandenburg (er hatte also am Atlantischen Dreieckshandel teil).

1717 verkauf des brandenburgischen Überseebesitzes in Afrika an die Holländer, denn sonst hätten sie es einfach erobert, wie später die Antillen

Einführung in die deutsche Kolonialgeschichte, 07.11.13

Werbung: Freundeskreis des Historischen Seminars (EUR 10,-/ 30,- pro Jahr), Treffen einmal pro Monat, mit einem Dozenten. Außerdem gibt es Exkursionen, z.B. nach Verdun oder an die Somme. Oder am 25.1.14 an die Eiffel, Reste der Römischen Wassernutzung. Viertägige Exkursion nach Dresden und Meißen, 8.-11.04.14

egritz@t-online.de

Kolonialpolitik in Deutschland:

Sebastian Conrad: Globalisierung und Nation im Deutschen Kaiserreich, München 2006. Brian Vick: Imperialism, Race and Genocide

Anfänge der deutschen Kolonialbewegung: Paulskirche 1848 (richtet sich zunächst aber nach Süd- und Osteuropa). Auch hier gab es bereits eine „rasseideologische Ausrichtung“, allerdings nach Osten. Es wurde diskutiert, ob es eine (deutsche) Flotte geben sollte.

Ab 1860 verstärkte Industrialisierung in Deutschland. 1870 Gründung des Deutschen Reiches. Gründerkrise.

Auswanderung in den 1870er/80er Jahren. Ca. 200.000 Deutsche pro Jahr. Das Ziel war vorrangig Amerika.

Ab den 1840er Jahren neues Interesse an Abenteuern (Afrika), z.B. Suche nach den Quellen des Nils, Deutschland: Gustav Nachtigal (1869-1974). Nachtigal war allerdings gesundheitlich angeschlagen und an TBC erkrankt. Er reiste zur Erholung nach Nordafrika (Tunis), arbeitete dort als Arzt, lerne Arabisch. Er durfte dann ins heutige Nigeria reisen und dort offiziell Geschenke Deutschlands übergeben. Nachtigal wurde dann zum Präsidenten der Deutschen Afrikanischen Gesellschaft in Berlin. Reiseberichte: „Sahara und Sudan“ (2 Bände, 1879 und 1881).

Diese Reisen Nachtigals waren allerdings von Toleranz geprägt, und er lernte Arabisch. Nicht so, wie es in den späteren Kolonialreisen war.

Veränderung der Rasseideologie im 19. Jahrhundert. Es entstanden biologistische Rassetheorien, Behauptung: Rassekämpfe sind die Mutter der Geschichte.

Gobineau: Essai sur s'inégalité des races humaines. 3 Rassen (Ham, Sem und Japhet - Schwarze, Gelbe und Weiße). Rassenvermischung führt zum Niedergang, Europa stand dieser Abstieg seiner Meinung nach kurz bevor.

Darwin [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Sozialdarwinismus. Herbert Spencer (Soziologe), „Survival of the Fittest“

Der Überlebenskampf, wie Darwin in sah, wurde auch auf Völker und Rassen übertragen.

Idee des „Volkes“ - Wohnort und Abstammung fallen in dieser Idee zusammen.

Diese Idee erscheint aber vor dem Hintergrund der zunehmenden globalen Mobilität nicht sehr plausibel.

Osterhammel, Zitat. Abgrenzung einer imaginierten Einheit der Weißen (seßhaft) gegen das, was außerhalb war (nicht sesshaft, nicht weiß, nicht zivilisiert)

Später wurden daraus wirkliche rechtliche Kategorien (Eingeborene vs. Weiße)

Interdependenzen: Weiße Frauen konnten in den Kolonien Befehle an schwarze Männer geben. Es wurden also unterschiedliche Hierarchien (Mann-Frau, weiß-schwarz) vermischt.

Im 20. Jahrhundert entwickelten sich aus dem Begriff der „Rasse“ dann Bewegungen, die bis hin zum Völkermord führten.

Kolonialbewegung im deutschen Kaiserreich (ab 1871)

Gründerkrise 1873. Sozialistische Bewegung erstarkte, rief Ängste hervor. Bevölkerungswachstum [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] immer mehr Deutsche wanderten nach Amerika aus.

Wunsch nach deutschen Kolonien wuchs daher. Ursprung: Vor allem das Bildungsbürgertum. Friedrich Fabri, 1870, „Bedarf Deutschland der Colonien“

Vier Argumente für Kolonialisation:

- Auswanderungsgebiete (Siedlungksolonien)
- Überwindung innenpolitscher Spannungen (Fabri: „Socialdemokratische Agitation“)
- Nationales Prestige (Fabri: „Cultur-Mission“
- Absatzmärkte (Handelskolonien)

England sah den Handel in Übersee als Freihandel. Das Gegenstück hierzu war der Protektionismus, z.B. bestimmte Gruppen in Deutschland, die große landwirtschaftliche Güter hatten.

Opiumkriege: China wurde gezwungen, ausländische Händler zuzulassen.

Ein Problem deutscher Kolonialpolitik war, dass zu wenig Geld dafür vorhanden war.

Allerdings konnten Hamburger Kaufleute für die Kolonialisation werben. Hamburger Handelskammer: Denkschrift, die dem Kaiser und dem Reichstag vorgelegt wurde. Aber der Hamburger Senat hielt bis 1890 an seiner kolonialskeptischen Haltung fest.

Organisierte Kolonialbewegung:

- Vorläufer: Geographische Gesellschaften (z.B. Deutsche Afrikanische Gesellschaft) Nachtigal, Fabri: „Westdeutscher Verein für Kolonialisation und Export“
- 1882: Deutscher Kolonialverein (vor allem die Oberschicht, z.B. Ökonomen)
- 1884: „Gesellschaft für deutsche Kolonialisation“. (Eher jüngere Leute, die abenteuerlustig waren und die Kolonialisation endlich vorantreiben wollten. Kleinbürgerlich, mittelständisch)

Diese Gruppen schlossen sich 1887 zur Deutschen Kolonialgesellschaft zusammen. Diese bestand bis in die 1930er Jahre. Bildungsarbeit, Lichtbildvorträge, sogar Filmvorträge. Auch Konrad Adenauer war dort Mitglied, sogar geschäftsführender Vorsitzender.

Deutscher Frauenverein zur Krankenpflege in den Kolonien (1886), Frieda von Bülow.

Bismarck und die Kolonien:

Er war damals eben Reichskanzler, 1884.

Es gibt hier eine wichtige Kontroverse. Bismarck war der Meinung, dass Deutschland saturiert sei und keine Eroberungen machen sollte, um das politische Gefüge in Europa nicht zu stören. Konfliktpotential. Er hat allerdings Handelsstützpunkte und wirtschaftliche Expansion stets unterstützt, z.B. in Tonga. Bei solchen Anlässen wurden auch kaiserliche deutsche Fahnen gehisst. Die Bevölkerung blieb allerdings unabhängig.

Um die Kolonien zu halten, hat man Flottenstützpunkte gebraucht, wo die Kohle für die Schiffe gelagert wurde. Ein Beispiel hierfür war Samoa.

Das Hamburger Handelshaus Godeffroy hatte in Samoa Land erworben, Plantagen gegründet, war nun wirtschaftlich ruiniert und bat das Deutsche Reich um finanzielle Hilfe. Der Bundesrat stimmte zu, das Parlament dagegen. („Samoa-Vorlage“ 1880).

Die Samoa-Vorlage scheiterte vor allem an der Zentrumspartei.

Es wurde dann aber ein „Schutzgebiet“ errichtet. Bismarck wollte sich aber nicht an der Verwaltung dieser Gebiete beteiligen und vor allem nicht die Kosten dafür tragen. Es sollte eher so wie bei einer „Chartered Company“ laufen.

Zitat von Bismarck 1884.

1884/85, Berlin: Kongo-Konferenz.

Der Kongo sollte als Freihandelszone gelten.

Auf der Kongo-Konferenz wurde Afrika NICHT unter den Kolonialmächten aufgeteilt. Es waren allerdings keine Afrikaner an dieser Konferenz beteiligt.

Es ging um den freien Zugang zu Flüssen und Handelswegen (Kongo, Niger). Wenn in Europa ein Krieg ausbricht, sollte es in Afrika keine Kampfhandlungen geben.

Teilnehmer: Stanley (GB), de Brazza (Frankreich). Eingeladen: USA (nahmen aber nicht teil), Osmanisches Reich, NL, Norwegen, Italien, Spanien, etc.

Auch Portugal machte nun Ansprüche geltend, denn sie waren ja im 15./16. Jahrhundert schon dort gewesen. Vertrag, der Kongo den Zugang zum Meer abschneiden sollte.

Wesentliche Punkte der Schlussakte der Kongo-Konferenz (1885):

- Handelsfreiheit im Bereich des Kongo
- Freie Schifffahrt auf Niger und Kongo
- Verbot des Sklavenhandels
- etc.

Die deutschen Parteien und die koloniale Frage:

Der Reichstag hatte das Budgetrecht. Das war seine (einzige) Möglichkeit der Einflussnahme.

- SPD: Hatte eigentlich nie eine homogene Meinung zum Thema Kolonialismus. Lehnte aber generell die Gründung von Kolonien ab. Kolonialismus = Auswuchs des Kapitalismus

Hauptziel der SPD: Ausbeuterische Praktiken des Kolonialismus in den Vordergrund zu stellen. Zitat August Bebel: Kolonialismus = Ausbeutung bis hin zur Ausrottung der lokalen Bevölkerung. Bebel änderte aber später seine Haltung und äußerte 1907 (Wahlkampfjahr), dass Kolonialpolitik auch eine „Kulturtat“ sein könne. 1907 hatten die Kolonialgegner nämlich deutliche Verluste.

- Deutsch-Konservative Partei: Darin waren die ostelbischen Großgrundbesitzer. Wollten eine Ostexpansion. Eine Übersee-Expansion war 1884 für sie überhaupt kein Thema. Sie haben manchmal Schutzzölle als Gegenleistung gefordert.
- Reichs- und Freikonservative Partei (Bismarcks Partei).
- Nationalliberale Partei: Stimmte immer allen Kolonialvorlagen zu. Waren in der Kolonialbewegung am meisten vertreten. Sie sahen die Kolonialpolitik als etwas, das Deutschland einigen konnte.
- Linksliberale Partei. Vertraten die Freihandelsdoktrin und waren daher gegen die Kolonialpolitik. Konnten nach der Wahl 1907 gar nicht mehr in den Reichstag einziehen.
- Zentrum. Hatte die Samoa-Vorlage gekippt. Kolonialkritische Partei. Vertrag das Interesse der Katholiken im mehrheitlich protestantischen Deutschen Reich. (Daher sehr inhomogene Zusammensetzung.) Kolonien waren für sie als Auswanderungsgebiete interessant. Sie stimmten auch manchmal für die Kolonialpolitik, um nicht immer dagegen zu sein.

Im Rheinland gab es einen besonders koloniefreundlichen Flügel des Zentrums (Wilhelm von und zu Hoensbroech, genannt Wilhelm Africanus).

Hottentotten[wahlen] 1907. Krieg der Afrikaner gegen das Deutsche Reich in Südwestafrika. Dieser Krieg war auch ein Thema im Wahlkampf 1907. Der Begriff „Hottentotten[wahlen]“ wird nach wie vor verwendet.

Auflösung des Reichstages 1906 ist auch darauf zurückzuführen, dass die Afrikaner 1906 gegen die Kolonialmächte Krieg begannen. Witbooi, Morengo. Der Krieg war sehr teuer.

Der Begriff „Hottentotten“ war auch damals schon abfällig gemeint. Er bezeichnete die Xhosa-Völker, die eine Sprache mit Klicklauten benutzten.

„Vernichtungsbefehl von Trotha“: Die Herero wurden nun als Feinde gesehen und es gab einen Befehl, sie alle zu erschießen. Im Reich wurde der Befehl kritisiert und musste schließlich auch zurückgenommen werden.

Reichskanzler von Bülow wollte den „Bülow-Block“ schaffen und die anderen Parteien, z.B. SPD, als national unzuverlässig darstellen. … Der Reichstag war nun mit dem Bülow-Block koloniefreundlich.

Nach 1907 wurde ein Kolonialministerium geschaffen.

[...]

Details

Seiten
55
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656889663
ISBN (Buch)
9783656889670
Dateigröße
580 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v288696
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
1,7
Schlagworte
geschichte afrikas einführung kolonialgeschichte

Autor

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Titel: Geschichte Afrikas. Einführung in die deutsche Kolonialgeschichte