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Stereotypen und Vorurteile. Entstehung und Umgang in der Sonderpädagogik

Essay 2014 17 Seiten

Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Stereotype & Vorurteile
2.1 Stereotype
2.2 Vorurteile
2.3 Diskriminierung

3. Ursachen von Vorurteilen

4. Umgang mit Vorurteilen
4.1. Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Menschen in Deutschland sind durch Gesetze vor Diskriminierung geschützt. Das meiner Meinung nach wichtigste und aussagekräftigste Gesetz ist der Artikel 3 des deutschen Grundgesetzes. Dort steht geschrieben:

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Dieser Abschnitt garantiert die Gleichheit vor dem Gesetz, die Gleichberechtigung von Frau und Mann und es verbietet Diskriminierung oder Bevorzugung bestimmter Menschen aufgrund bestimmter Eigenschaften.

Dennoch passiert es in unserer Gesellschaft immer wieder, dass bestimmte Personengruppen benachteiligt, diskriminiert oder stigmatisiert werden.

Wenn wir uns in unserem Umfeld orientieren, versuchen wir ständig Menschen in soziale Kategorien einzuteilen. Dieser Vorgang ist nicht immer unproblematisch, denn beinhalten solche Einteilungen in vereinfachter Form eine Stereotypisierung von Individuen. Hierdurch entstehen dann sehr schnell Vorurteile und Diskriminierung.

Auslöser für solche Vorurteile sind oft die ethnische Herkunft, das Alter oder das Geschlecht. Dies sind auch die Parameter, wonach wir andere Menschen einteilen. Ebenso beziehen sich Vorurteile auf die Religionszugehörigkeit oder die sexuelle Orientierung.

Auch die Einordnung in Berufsgruppen oder das Etikett „arbeitslos“ beziehen oft eine stereotype Betrachtung und Vorurteile über eine Gruppe von Personen mit ein.

„Rassismus“ als extremste Form des Vorurteils, wobei Menschen nach biologischen und vermeintlich naturwissenschaftlichen Kriterien eingeteilt und abgewertet werden, hat gezeigt, wie in der Vergangenheit ganze Völker Opfer dieser Kategorisierung wurden.

Vorurteile sind mächtig, sie sind weder witzig noch harmlos. Eine Auseinandersetzung mit ihnen ist notwendig, damit sie die Entscheidungen und das Verhalten eines Individuums weniger beeinflussen.

Im Alltag werden die Begriffe wie „Vorurteil“, „Diskriminierung“ und „Stereotype“ oft gleichbedeutend verwendet bzw. nicht deutlich voneinander abgegrenzt.

Im ersten Teil meiner Arbeit werde ich diese Begrifflichkeiten definieren, anschließend auf die Ursachen der Entstehung von Vorurteilen eingehen und dann den Umgang mit diesen erläutern. Hierbei beziehe ich mich vor allem auf die Handlungskompetenzen von PädagogInnen, da wir in diesem Berufsfeld tätig sein und einen mehr oder minder großen Einfluss auf SchülerInnen haben werden und somit den Abbau von Vorurteilen und Diskriminierung unterstützen bzw. präventiv pädagogisch arbeiten können. Hierzu finde ich das Zitat von Sir Peter Ustinov treffend:

„Es spricht vieles dafür, dass in einem leeren Kopf Vorurteile besonders blühen.“

2. Stereotype & Vorurteile

2.1 Stereotype

Der Begriff „Stereotyp“ wurde im Jahre 1922 von Walter Lippmann eingeführt. Seine Arbeit („Public Opinion – Die öffentliche Meinung) war besonders wichtig für die Stereotypenforschung. Der Begriff Stereotyp bedeutet im griechischen „fest, haltbar, räumlich“.

Bei dem Begriff Stereotyp handelt es sich um Beschreibungen von Personen(gruppen), wobei die eigentlich komplexen Eigenschaften und/oder Verhaltensweisen dieser Personen(gruppen) mental vereinfacht werden. Menschen werden anhand bestimmter Merkmale, wie beispielsweise Hautfarbe, Haarfarbe, Religion, Nationalität, sexuelle Orientierung oder Geschlecht, kategorisiert. Eine solche Kategorisierung verläuft i.d.R. schnell und benötigt nicht viel Zeit.

Es handelt sich um negative aber auch positive Eigenschaften und Verhaltensweisen, welche mit bestimmten sozialen Gruppen assoziiert werden. Beispiele hierzu wären Kognitionen wie „Die Türken sind alle Machos!“ (negativ) oder etwa „Die schwedischen Frauen sind alle hübsch!“ (positiv) Zwar gibt es viele solche Stereotype in unserer Gesellschaft und oftmals herrscht Einigkeit über die meisten, jedoch bedeutet dies nicht, dass diese Stereotype auch der Wahrheit entsprechen.

2.2 Vorurteile

Ein ähnlicher Begriff ist das Vorurteil. Vorurteile entstehen, wenn die verallgemeinerten Meinungen mit Emotionen besetzt werden. Ein Vorurteil beruht (im Gegensatz zu Stereotypen) nicht auf eigene Erfahrungen und Wahrnehmungen, sondern auf einer meist wenig reflektierten Meinung. Somit ist das Vorurteil ein vorab gewertetes Urteil über einen Menschen oder einen Personengruppe. Vorurteile tragen oft eine negative Bewertung mit sich und sind durch ihre Komplexität und Vielfältigkeit schwer aufzuheben und zu durchbrechen.

Ein Vorurteil ist ein Urteil über einen Menschen, eine Sache, etc., welches bereits vorgefasst ist. Solche Vorurteile sind meist positiv gegenüber der eigenen Person(engruppe) und negativ gegenüber dem Fremden, also fremden Personen(gruppen).

Im Alltagsverständnis gebrauchen wir den Begriff Vorurteil um ausgeprägte positive und negative Urteile oder Einstellungen eines Mitmenschen über ein Vorurteilsobjekt zu bezeichnen, wenn wir diese für nicht realitätsgerecht halten. Menschen mit Vorurteilen lassen sich trotz Gegenargumenten nicht von ihrer Meinung abbringen. Vorurteile werden oftmals übernommen und Entstehen somit seltener aus unserer eigenen Erfahrung. Es handelt sich um positive oder negative Urteile, Meinungen oder Einstellungen eines Menschen gegenüber einem anderen Objekt.

Bei Vorurteilen liegt der Unterschied zu anderen Einstellungen in der sozialen Ungleichheit, welche somit das zentrale Merkmal von Vorurteilen ist. Es handelt sich um Urteile, welche gegen Normen der Rationalität, Normen der Gerechtigkeit, Normen der Mitmenschlichkeit und der Gleichbehandlung verstoßen. Dies bedeutet, dass Vorurteile rational nicht haltbar und somit unwahr sind.

2.3 Diskriminierung

Aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet das Wort Diskriminierung trennen, absondern, unterscheiden.

"Diskriminierung wird heute als jede Form von Benachteiligung, Nichtbeachtung, Geringschätzung, Herabsetzung, Ausschluss oder Ungleichbehandlung von einzelnen Menschen oder Gruppen definiert, aufgrund von tatsächlichen oder zugeschriebenen/angedichteten gruppenspezifischen Merkmalen.“[1]

Es handelt sich und eine Herabsetzung eines Menschen, welche durch unzutreffende Behauptungen verursacht wird. Daraus erfolgt oftmals eine Ungleichbehandlung im Sinne einer Benachteiligung von Personen(gruppen) dar. Nach dem allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzt liegt eine Diskriminierung dann vor, wenn eine Person aufgrund der Herkunft, der Religion, der Weltanschauung, des Aussehens, des Alters, der sexuellen Identität oder wegen einer Behinderung eine nicht gerechtfertigte Ungleichbehandlung erfährt.

Diskriminierungen beinhalten abwertende Unterscheidungen von Menschen. Hierbei geht es ähnlich wie bei den Stereotypen um Diskriminierungsmerkmale wie Nationalität, Sprache, Aussehen, Geschlecht, sexuelle Orientierung, etc.

3. Ursachen von Vorurteilen

Zum einen dienen solche Ausschließungspraxen Gruppen von materiellen und kulturellen Gütern auszuschließen und somit die eigenen Privilegien abzusichern und gleichzeitigt ermöglicht ein Ausschluss der „anderen“ (aus der eigenen Nation, Kultur, Gemeinschaft oder als Abgrenzung zur eigenen Person) die Bestimmung der eigenen Identität. Wir brauchen sozusagen die „anderen“ um uns selbst zu definieren: es werden Identitäten produziert und Identifikationen aufgebaut. So sagten Kalpaka/Räthzel (1989): „Denn indem man andere auf bestimmte Merkmale und Eigenschaften festlegt, und zwar in Abgrenzung zu sich selbst, legt man auch sich selbst fest. Man macht sich sozusagen am Negativbild klar, wie man selbst nicht ist bzw. nicht sein soll. Zum anderen impliziert diese Zuordnung von kulturellen Merkmalen, dass man schon weiß, wie die Ausländer sind und woher ihre Probleme kommen […], sodass es sich fast erübrigt, ihre Lebensbedingungen zu analysieren und über notwendige Veränderungen in dieser Gesellschaft, in der die Probleme entstehen, nachzudenken, geschweige denn sich selbst als zu veränderndes Individuum zu verstehen“[2] (Kalpaka/Räthzel 1989, 96)

[...]


[1] http://www.gleichbehandlungsbuero.de/gbb-grundlagen-unserer-arbeit_a.html

[2] Ute Schad „Verbale Gewalt bei Jugendlichen – Ein Praxisforschungsprojekt über ausgrenzendes und abwertendes Verhalten gegenüber Minderheiten“ Seite 58

Details

Seiten
17
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656888635
ISBN (Buch)
9783656888642
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v288671
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,7
Schlagworte
stereotypen vorurteile entstehung umgang

Autor

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