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Zur reduktionistischen Ausrichtung der gegenwärtigen empirischen Sozialwissenschaften

Das Beispiel der Konzeptionalisierung sozialen Kapitals in der Demographie

Diplomarbeit 2012 118 Seiten

Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zum Begriff 'Sozialkapital'

3. Pierre Bourdieu
3.1 Feld und Habitus
3.2 Kulturelles, ökonomisches und soziales Kapital
3.3 Kritik

4. James S. Coleman
4.1 Der Methodologische Individualismus
4.2 Sozialkapital nach Coleman
4.3 Kritik

5. Nan Lin
5.1 Lins Forschungskonzeption
5.2 Exkurs: Von der 'Classical Theory of Capital' zur 'Neo-Capital Theory'
5.3 Sozialkapital nach Lin
5.4 Kritik

6. Zusammenfassende Betrachtung der Ansätze

7. Die Disziplin der Demographie
7.1 Zum Selbstverständnis der Demographie
7.2 Sozialkapital in der Bevölkerungswissenschaft am Beispiel der Erforschung von Fertilität
7.2.1 Ausgangspunkt
7.2.2 Sozioökonomische Entwicklung als unzureichendes Erklärungsmoment
7.2.3 Diffusionstheorie
7.2.4 Sozialkapital in der Demographie
7.3 Vielfältige Einflussfaktoren
7.4 Das Verhältnis zwischen ökonomischen und demographischen Erklärungs-ansätzen der Fertilität
7.5 Netzwerke
7.5.1 Sozialkapital und Netzwerke
7.5.2 Zur Erhebung von Netzwerken
7.5.3 Zusammenfassende Betrachtung zu Netzwerken
7.6 Zusammenfassende Betrachtung der Demographie

8. Betrachtung der gegenwärtigen empirischen Sozialwissenschaften
8.1 Investitionsperspektive und Humankapitaltheorie
8.2 Datenerhebungszwang
8.3 Bevölkerung, Statistik und Regierung
8.3.1 'Regierungskunst' nach Foucault
8.3.2 Politik und Statistik
8.3.3 Normalisierung der Sozialwissenschaften
8.4 Zur Rolle der Sprache in der Soziologie
8.5 Von der Überwindung soziologischer Antagonismen
8.5.1 Erklären und Verstehen
8.5.2 Reflexive Soziologie
8.6 Zur Interdisziplinarität in den Wissenschaften

9. Ausblick

10. Schlussbetrachtungen
10.1 Reduktionistischer Methodenpragmatismus
10.2 'Administrativer Liberalismus'
10.3 Umwandlung des Selbst?

11. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Eine Konzeption ist eine Idee mit empirischem Inhalt. Ist die Idee zu groß für den Inhalt, so drohen die Fußangeln der großen Theorien; wächst der Inhalt über die Idee hinaus, so bildet sich das Glatteis des abstrakten Empirismus.“[1]

Die in der Soziologie stark verbreitete Trennung zwischen Empirie und Theorie, zwischen Methodiken und konzeptionellen Grundlagen wird gemeinhin als unverzichtbarer Bestandteil der Erarbeitung wissenschaftlicher Erkenntnisse gesehen. Bei der Betrachtung sozialer Phänomene und gesellschaftlicher Prozesse geht es um die Entwicklung einer theoretischen Herangehensweise, die den Gegenstand zunächst fassbar und anschließend für eine Forschungsfrage formulierbar macht, welche im Anschluss daran empirisch untersucht oder überprüft werden kann. Allerdings wirken sich die theoretischen Annahmen und Vorstellungen über Gesellschaft auch unmittelbar auf die methodischen Vorgehensweisen aus, weswegen die Frage gestellt werden sollte, inwieweit diese Teilbereiche wissenschaftlichen Arbeitens als strikt zu trennende Bereiche verstanden werden können. Zugleich lässt sich auch sagen, dass Theoriebildung und die Beschäftigung mit soziologischen Themen nicht per se nur aus wissenschaftlichem, intrinsischen Interesse von Forschern und Forscherinnen entsteht. Aller vermeintlicher Freiheit zum Trotz bleiben wissenschaftliche Erkenntnisse stets auch geprägt von unterschiedlichsten Interessen, Dispositionen und Unwägbarkeiten. Insofern fließen auch normativ geprägte und mit unbewussten oder bewussten Interessenstrukturen versehene Annahmen in die theoretische Auseinandersetzung mit soziologischen Fragestellungen ein. Innerhalb dieses durchaus großen Themenkomplexes lautet die Zielsetzung dieser Arbeit, die Auswirkungen konzeptioneller Annahmen über gesellschaftliche Prozesse und Phänomene nicht nur in die Methodik, sondern auch über die Soziologie als Disziplin hinaus aufzuzeigen.

Im Rahmen dieser Diplomarbeit kann dieses Thema nur begrenzt erörtert werden. Nichtsdestotrotz soll ein Beitrag zur angeführten wissenschaftlichen Debatte geliefert werden, indem der Fokus auf die Demographie gerichtet und mit Hilfe verschiedener soziologischer Studien und Forschungsansätzen untersucht wird, welche theoretischen Annahmen in dieser soziologischen Teildisziplin existieren und mit welchen Methodiken dabei vorgegangen wird. Dies soll zum einen anhand verschiedener Studien und Untersuchungen zur Disziplin der Demographie selbst geschehen, als zum anderen durch eine Sekundäranalyse von Texten, die sich mit Sozialkapital in Zusammenhang mit dem in der Demographie häufig erforschten Thema der Fertilität beschäftigen. Der Grund dafür, dass in dieser Arbeit die Demographie zur Illustration der vorliegenden Untersuchung herangezogen wird, obwohl damit sicher lediglich ein kleinteiliger Aspekt dieser, sämtliche Sozial- und Geisteswissenschaften betreffenden Problematik behandelt wird, liegt in folgender These:

Die Demographie konzentriert sich oftmals mehr auf ihre Anschlussfähigkeit an politische Maßgaben und (real-) politische Notwendigkeiten als auf das eigene Forschungsinteresse, welches dadurch häufig externen Anforderungen und Zwängen untergeordnet wird. Natürlich entspricht es einem längst überholten Ideal, dass Forscher und Forscherinnen stets in humanistischem Sinne Forschung und Bildung betreiben und wertfrei nach Erkenntnissen strebend ihren Interessen nachgehen. Jedoch sehe ich in der gegenwärtigen empirischen Sozialwissenschaft eine stärker werdende Tendenz dahin gehend, dass sich politische und wissenschaftliche Interessen weitgehend vermischen, ineinander aufgehen und die Demographie zu einem Instrument wird, welches aktiv an der Gestaltung und an der Umformung von Gesellschaft mitwirkt. So verschwimmen die Grenzen zwischen Wissenschaft und Politik, zwischen Forschungsinteresse und administrativen Vorgaben, was an und für sich in der Geschichte der Geistes- und Sozialwissenschaft kein Novum ist. Was damit jedoch aktuell einhergeht, ist eine umfassende Reduktion sozialer Zusammenhänge, die soziologisches Wissen und wissenschaftliche Erkenntnisse auf Rahmenbedingungen sozialpolitischer Maßnahmen verkürzt. Dieser Entwicklung möchte ich hier anhand verschiedener Aspekte nachgehen und untersuchen, wie stark diese Verschränkungen von Politik und Wissenschaft, die gemeinhin als getrennte Sphären gedacht werden, tatsächlich sind.

Diese Arbeit fokussiert die Frage, inwieweit sich diese Verschränkungen in der theoretischen Konzeption und empirischen Bearbeitung von soziologischer Phänomene wiederfinden lassen, da sich die Demographie als Disziplin meines Erachtens in eine Richtung bewegt, die zunehmend an der Verwaltung und aktiven Ordnung der Gesellschaft interessiert ist. Dabei werden methodische Vorgehensweisen angewandt, die – wie gezeigt werden soll – in ihrer Umsetzung oftmals fragwürdig sind. Tendenziell scheint die Demographie blind zu werden für bestimmte Herangehensweisen und Konzeptionen, die weniger am volkswirtschaftlichen Nutzen orientiert sind als zu versuchen, das gesellschaftliche Leben sowie soziales Handeln und Prozesse 'aus sich selbst heraus' zu erfassen und zu verstehen. Insofern wird den empirischen Sozialwissenschaften in dieser Arbeit - intendiert oder unintendiert - eine reduktionistische Ausrichtung unterstellt. Auf diese Weise kann zwar ein theoretisches Verständnis entwickelt werden, wie bestimmte Prozesse und Phänomene unter den jeweils gegebenen Gesichtspunkten ablaufen, um diese im Anschluss empirisch zu untersuchen. Zugleich wird die empirische Sozialwissenschaft aber zu einem Instrument, auf deren Erkenntnissen basierend in (nationale) Gesellschaften eingegriffen und ein Wissen sowie eine Struktur bereit gestellt wird, die mit der Hoffnung versehen sind, gesellschaftliche Krisen zu überwinden.

Diese Arbeit möchte insofern einen Beitrag zur oben genannten Debatte leisten, als dass die Beschreibung einer soziologischen Teildisziplin immer auch Rückschlüsse auf die empirischen Sozialwissenschaften als Ganze zulässt und somit auch Ausdruck allgemeiner Phänomene ist, die dadurch besser erfasst und verstanden werden können. Folglich muss untersucht werden, mit welchen theoretischen Ansätzen und Methoden diesen Fragen in der Demographie nachgegangen wird. Dies soll am Beispiel der Erhebung von Sozialkapital in der Demographie geschehen, weswegen dieses theoretische Konstrukt besonders ausführlich behandelt wird.

Da bei der Untersuchung von bestimmten theoretischen und methodischen Konzepten einer Forschungsdisziplin zum Verständnis ihrer Arbeitsweise auch deren Rahmenbedingungen beleuchtet werden müssen, soll im Anschluss nicht nur der Charakter der Demographie, sondern auch das Wesen der modernen empirischen Sozialforschung im Allgemeinen beschrieben werden. An dieser Stelle wird sich die Arbeit auf die allgemeingültigen Prämissen konzentrieren, die im Sinne von Zwängen verstanden werden können, welche auf die Forschungsinteressen zielen und im wissenschaftlichen Betrieb enorme Auswirkungen haben. In diesem Problemzusammenhang möchte ich in der vorliegenden Arbeit den theoretisch-konzeptionellen Zusammenhang der Konstruktion von 'Sozialkapital' in der Demographie einordnen und untersuchen.

Einleitend werden daher, nachdem eine begriffliche Klärung von 'Sozialkapital' vorgenommen wurde, in Kapitel 3. bis 5. verschiedene theoretische Herangehensweisen an den Begriff dargestellt. Dabei wird der Schwerpunkt hauptsächlich auf die Ansätze von Pierre Bourdieu mit einer sozialanthropologischen Perspektive und James S. Coleman in der Tradition des methodologischen Individualismus gelegt, um zwei bedeutende theoretische Konzeptionen von Sozialkapital vorzustellen. Des Weiteren soll auch die Humankapitalschule Teil der gedanklichen Grundlagen sein, wozu die Forschungskonzeption Nan Lins skizziert wird. Auf die Auslotung unterschiedlicher Aspekte dieser Ansätze soll in Kapitel 6. anhand eines Résumés die Darstellung des Verhältnisses dieser Konzeptionen zueinander folgen.

Wie angekündigt widmet sich das 7. Kapitel dieser Arbeit anschließend der Demographie. An dieser Stelle wird die Verwendung des Sozialkapitalkonzeptes in theoretischer und methodischer Hinsicht in dieser soziologischen Teildisziplin untersucht und dargestellt werden, um ein präzises Bild, der dort vorherrschenden theoretischen Annahmen über Gesellschaft zu liefern. Nach dieser durchaus partikularen Analyse möchte ich in Kapitel 8. eine umfassendere Perspektive auf die gegenwärtigen empirischen Sozialwissenschaften einnehmen und mich mit den Implikationen und Zwängen dieser Forschungsrichtung beschäftigen. Von daher soll beleuchtet werden, auf welcher Grundlage, mit welchen Prämissen und Rahmenbedingungen sie arbeitet und welche Konsequenzen daraus erwachsen. So wird schlussendlich der Frage nachgegangen, welcher Stellenwert den gegenwärtigen empirischen Sozialwissenschaften in einem übergeordneten gesellschaftlichen Kontext zukommt.

2. Zum Begriff 'Sozialkapital'

„In the past two decades, social capital in its various forms and contexts has emerged as one of the most salient forms of capital. While much excitement has been generated, divergent views, perspectives, and expectations have also raised a serious question: is this a fad, or does it have enduring qualities that will herald a new intellectual enterprise?“[2]

Dieses Zitat verdeutlicht, womit es die soziologische Forschung bei dem Begriff 'Sozialkapital' zu tun hat, jedoch scheint es nicht so, als würde es sich dabei, wie behauptet, um eine Modeerscheinung handeln. Viel mehr geht es um einen Begriff, der - wie gezeigt werden wird - schwer zu greifen und zu konzeptionalisieren ist und deswegen von Forschern und Forscherinnen aus verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen je nach deren spezifischem Forschungsbereich unterschiedlich definiert und gefasst wird.[3] Sozialkapital ist ein theoretisches Konzept, mit dem sich bereits viele Autoren und Autorinnen in der Soziologie und angrenzenden Disziplinen beschäftigt haben und bei dem man den Eindruck erhält, als gewinne es nahezu exponentiell über verschiedene Wissenschaftsbereiche hinweg an Bedeutung. Allein in den letzten 15 Jahren ist die Zahl der Publikationen zu diesem Thema deutlich angestiegen.[4] Was macht es so interessant, beziehungsweise welche Rolle spielen die Sozialkapitaltheorien in der Bearbeitung soziologischer Fragestellungen und Probleme?

Die Arbeit vieler Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen hat unterschiedliche Konzepte hervorgebracht, die mit dem theoretischen Konstrukt 'Sozialkapital' in thematisch äußerst heterogenen Forschungsbereichen arbeiten. Die Bandbreite der Konzepte reicht - wie im Laufe dieser Arbeit noch deutlich werden wird - von politischen, partizipativen Kontexten bis hin zu bildungs-, gesundheits- und migrationssoziologischen Themenbereichen.[5] Diese Tatsache schlägt sich auch in der Methodik nieder und führt dazu, dass der Begriff empirisch nur unter enormen Schwierigkeiten zu fassen beziehungsweise zu operationalisieren ist. Nicht zuletzt gibt es Veröffentlichungen, die der Frage nachgehen, ob Sozialkapital überhaupt Kapital darstellt[6] oder ob es generell als theoretisches Konstrukt auch an Bedeutung verliert.[7]

Nichtsdestotrotz ist Sozialkapital ein wichtiges Konstrukt, um die Einbettung und das soziale Umfeld von Individuen erfassen zu können. Sei es als strukturierendes Konzept einer praxisorientierten Soziologie, als verknüpfendes Element zwischen Mikro- und Makroebene im Sinne des methodologischen Individualismus oder gar als ein Ansatz, der es als Teil des individuellen Humankapitals versteht. All diese Sichtweisen sollen in dieser Arbeit nun genauer beleuchtet werden, weswegen in Kapitel 3. bis 5. zunächst die Charakterisierung dreier theoretischer Konzepte von Sozialkapital erfolgt und anschließend aufgezeigt werden soll, wie diese theoretisch ausgelegt sind. Nur so lässt sich die Bedeutung des Konzepts in der Disziplin der Demographie im Speziellen und anschließend in der empirischen Soziologie im Allgemeinen herausarbeiten.

3. Pierre Bourdieu

Die Theorie Pierre Bourdieus soll an dieser Stelle nicht nur aus dem Grund angeführt werden, dass er sich mit Sozialkapital auseinander gesetzt hat, sondern auch, weil seine Praxistheorie im Zusammenhang mit dieser Arbeit insofern interessant ist, als dass er mit ihr einen Ansatz vorgelegt hat, der zwischen Individuum und Gesellschaft nicht zu unterscheiden, sondern zu vermitteln sucht.[8] Er verfolgt also eine soziologische Sichtweise, die sich nicht auf einen individualistischen oder kollektivistischen Standpunkt festlegt, sondern beide verknüpft. Dies wird an den von ihm geprägten Konzepten und Begrifflichkeiten, welche im Folgenden vorgestellt werden, deutlich.

3.1 Feld und Habitus

Die beiden Begrifflichkeiten Feld und Habitus sind grundlegende Bestandteile der Bourdieuschen Soziologie und bilden gewissermaßen den Grundstock zum Verständnis dessen, was Bourdieu in seiner umfassenden theoretischen Konzeption zu fassen versucht.

„So wie es eine Welt der Kunst gibt, so gibt es eine Welt der Politik mit einer eigenen Logik und Geschichte. Diese Welt der Politik beansprucht für sich eine relative Autonomie mit eigenen Problemdefinitionen, eigener Sprache und ganz spezifischen Interessen. Damit ist das bezeichnet, was ich in meiner Terminologie ein Feld [...] oder einen Handlungsspielraum nenne.“[9]

Trotz einiger augenscheinlicher Ähnlichkeiten und Parallelen lässt sich die Bourdieusche Konzeption von Feldern in deutlicher Abgrenzung zu den Luhmannschen Systemen sehen.[10] So lässt sich zum Beispiel sagen, dass die Luhmannschen Begrifflichkeiten von 'System' und 'Umwelt' ähnlich wie Bourdieus 'Feld' und 'Habitus' versuchen, den Dualismus von Individuum und Gesellschaft zu umgehen.[11] Genauso sind Felder als auch Systeme in gewisser Weiße geschlossen und agieren selbstreferentiell. Beide Theoretiker haben jedoch unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie Systeme einerseits und Felder andererseits 'funktionieren'. Während Luhmann von in einem System vorherrschenden Codes spricht, die akzeptiert werden müssen, sobald man sich darin bewegt, ist es bei Bourdieu die Sozialisation, die dem Individuum im Laufe der Zeit einen Habitus als weitestgehend konstante Disposition vermittelt. Da Systeme im Sinne Luhmanns stets kommunizieren und es durch den zugrunde liegenden binären Code nur ein 'Ja' oder 'Nein' gibt,[12] ist die Schließung eines Systems hier sehr viel direkter als im Kontext der Felder. Bei Bourdieu hingegen wird soziale Schließung durch Zugehörigkeit zu einem Feld wirksam. Der entscheidende Punkt ist „[...] die Unsicherheit des zum Feld gehörenden Individuums über seine relative Position im Feld und seinen Auf- oder Abstieg. Die Strategien, mit denen darauf reagiert wird, sind dementsprechend Karriere- und Konkurrenzunterdrückungsstrategien.“[13] Bourdieu sieht Gesellschaften als ein Nebeneinander von unterschiedlichen Arten dieser Felder. Diese grenzen sich nach außen hin ab und haben eine jeweils inhärente Logik. „Jedes Feld [...] ist ein Kräftefeld und ein Feld der Kämpfe um die Bewahrung oder Veränderung dieses Kräftefeldes.“[14] Hier wird klar ersichtlich, dass man es bei der Konzeption Bourdieus mit einer Positionierung innerhalb einer gegebenen, sozialen Struktur zu tun hat. Dies geschieht durch Kämpfe beziehungsweise durch Teilhabe am 'Spiel' unter den Personen innerhalb des gelegentlich zur Physik in Beziehung gesetzten Feldes,[15] wodurch ersichtlich wird, dass es sich dabei nicht um ein statisches Gebilde im Sinne naturwissenschaftlicher Forschung handelt. Diese 'Spiele' werden unter Einsatz von Kapital[16] ausgefochten, wobei es sich dabei keineswegs ausschließlich um ökonomisches Vermögen handelt. Durch die stete Positionsbestimmung werden die feldspezifischen Gegebenheiten durch die einzelnen Akteure und Akteurinnen stetig in unterschiedlichem Ausmaß (re-)produziert. Mit feldspezifischen Gegebenheiten ist gemeint, dass jedes Feld auf ein bestimmtes inhaltliches Thema oder ein Interessengebiet abgesteckt ist. Es gibt das Feld der Kunst, der Politik, der Wissenschaft und so weiter.

„Damit ein Feld funktioniert, muss es Interessensobjekte geben und Leute, die zum Mitspielen bereit sind und über den Habitus verfügen, mit dem die Kenntnis und Anerkenntnis der immanenten Gesetze des Spiels, der auf dem Spiel stehenden Interessensobjekte usw. impliziert ist.“[17]

Wenn beispielsweise Dingen wie Ehre oder Ansehen einer Person in einem bestimmten Feld keine Beachtung beigemessen wird, wird dieser Person eine eventuell vorhandene hohe Reputation nichts nützen, um sich in diesem Feld positionieren zu können. Im Feld der Wissenschaft jedoch kommt einem Professor oder einer Professorin mit jahrelanger Forschungstätigkeit im universitären Betrieb große Deutungshoheit im jeweiligen Fachgebiet zu und er oder sie wird sich somit relativ leicht an der Gestaltung des universitären Feldes beteiligen können.

Der Habitus ist ein weiterer wichtiger Teil der Bourdieuschen Konzeption. Er ist die Summe der antizipierten Erfahrungen, Handlungen und Strategien, die sich eine Person im Feld einverleibt hat: Der Habitus „als Erzeugnis einer bestimmten Klasse objektiver Regelmäßigkeiten“ versucht „die 'vernünftigen' Verhaltensweisen des 'Alltagsverstandes' zu erzeugen, und nur diese, die in den Grenzen dieser Regelmäßigkeiten möglich sind und alle Aussicht auf Belohnung haben, weil sie objektiv der Logik angepasst sind, die für ein bestimmtes Feld typisch ist, dessen objektive Zukunft sie vorwegnehmen.“[18] Es handelt sich also um eine, über Gewohnheiten und die soziale Praxis entstandene Größe, die Erfahrungen, Verhaltensweisen und Geschehnisse der Vergangenheit einbezieht und somit die Handlungsweisen in der Gegenwart gestaltet und beeinflusst. Dies schließt feldspezifische Sprache, Geschmack, Kleidung und so weiter ebenfalls ein.

„Als einverleibte, zur Natur gewordene und damit als solche vergessene Geschichte ist der Habitus wirkende Präsenz der gesamten Vergangenheit, die ihn erzeugt hat. Deswegen macht gerade er die Praktiken relativ unabhängig von den äußeren Determiniertheiten der unmittelbaren Gegenwart. Diese Selbstständigkeit ist die der abgehandelten und fortwirkenden Vergangenheit, die, wie akkumuliertes Kapital fungierend, Geschichte aus Geschichte erzeugt und damit die Dauerhaftigkeit im Wandel gewährleistet, die aus dem einzelnen Handelnden eine eigene Welt in der Welt macht.“[19]

Hier zeigt sich ein wichtiger Aspekt: Die sozialanthropologische Komponente. Sie grenzt, wie noch zu sehen sein wird, den Bourdieuschen Ansatz von anderen Konzeptionen ab, die ihren Fokus auf Akteure und Akteurinnen in einer bestimmten Situationslogik richten. Letztere sehen keine Konstanten beziehungsweise keine aus der Vergangenheit abgeleiteten Handlungsmotivationen oder durch die Sozialisation bedingte Entscheidungen von Individuen. Maßgeblich ist hier die momentane Situation, die weitestgehend entkoppelt von Aspekten der Erfahrung, Erziehung oder Sozialisation gesehen wird.

Um die Struktur der Bourdieuschen Felder zu verstehen und ihrer habhaft werden zu können, muss der „Begriff des Kapitals in allen seinen Erscheinungsformen“ beleuchtet werden. Also auch in jenen Erscheinungsformen „die zwar objektiv ökonomischen Charakter tragen, aber als solche im gesellschaftlichen Leben nicht erkannt werden und auch nicht erkennbar sind.“[20] Es geht ihm also deutlich um die Entstehung und Herausbildung der Handlungs- und Deutungsmuster von Individuen in einem Feld. Es sind weniger die momentanen Randbedingungen, die deren Handeln beeinflussen, als vielmehr die Dispositionen der Akteure und Akteurinnen, die sich über die Zeit hinweg gebildet haben und sich so stets im Handeln als auch im Auftreten der Akteure und Akteurinnen abbilden und widerspiegeln. Aus diesem Grund versteht Bourdieu den „Habitus [als] ein Ensemble historischer Relationen [...], die sich in Gestalt der geistigen und körperlichen Wahrnehmungs-, Bewertungs- und Handlungsschemata in den individuellen Körpern niedergeschlagen haben.“[21]

3.2 Kulturelles, ökonomisches und soziales Kapital

Um die beschriebenen Positionsbestimmungen in einem Feld zu ihren Gunsten zu beeinflussen, nutzen Akteure und Akteurinnen verschiedene Arten von Kapital. Bourdieu spricht in diesem Zusammenhang auch von 'Trümpfen in einem Kartenspiel', die es Menschen ermöglichen, eine bessere Position zu erlangen, als die restlichen Individuen im Feld. Kapital ist somit produktiv und ermöglicht den Individuen die Akkumulation des selbigen. Hieraus ergibt sich das Phänomen, welches auch als Matthäuseffekt bezeichnet wird: „Wer [Kapital] hat, der bekommt [Kapital]; auch hier bedingen und rechtfertigen die einmal eingenommenen und soziales Gewicht verleihenden Positionen die Besetzung neuer Positionen, deren Gewicht wiederum selber dem Gesamtgewicht ihrer Inhaber entspricht.“[22] Somit hat Kapital auch einen zeitlichen Aspekt und es wird deutlich, dass das gesellschaftliche Leben in der Regel kein reines Glücksspiel[23] ist, in dem von einem Moment auf den nächsten alles verloren oder gewonnen werden kann, denn Kapital „ist eine der Objektivität der Dinge innewohnende Kraft, die dafür sorgt, daß nicht alles gleich möglich oder gleich unmöglich ist.“[24] Bourdieu unterscheidet hauptsächlich drei Arten von Kapital und schließt eine Vierte an:

Der Begriff des Kulturellen Kapitals wird bei Bourdieu in drei unterschiedliche Formen aufgeteilt: Da besonders das kulturelle Kapital in den Objektivitäten der gesellschaftlichen Welt verschleiert ist, spricht Bourdieu auch davon, dass Kapital „inkorporiert, objektiviert und institutionalisiert“[25] sein kann. Folglich ist es nicht stets für alle offensichtlich zu erkennen und 'versteckt' sich quasi in den Relationen der Akteure und Akteurinnen im Feld. Unter kulturellem Kapital lässt sich beispielsweise Sprache und Wissen genauso wie Bildung und nicht zuletzt der Bildungsgrad fassen. In deutlicher Abgrenzung gegenüber - der nach Bourdieu - zu kurz greifenden Herangehensweisen, die lediglich die natürlichen Begabungen oder Fähigkeiten von Individuen beleuchten, so wie es der Ansatz der 'Humankapitalschule' tut, führt Bourdieu mit dem kulturellen Kapital ein theoretisches Konstrukt ein, welches durch die Abgrenzung und der „Verneinung des Ökonomischen“[26] einen Zugewinn des Ansatzes sieht, da bestimmte Kapitalien nur äußerst begrenzt in ökonomischen Äquivalenten darzustellen sind. Man denke beispielsweise an die jahrelange kulturelle Erziehung von Kindern im Elternhaus oder an die Art und Weise, wie sich bestimmte Akteure und Akteurinnen in einem Feld sprachlich und schriftlich ausdrücken.

Das Ökonomische Kapital ist, da es sich um materiellen Besitz handelt, direkt in Geld messbar. Es ist ein hauptsächlich durch Erwerbsarbeit zu erlangendes Gut und auf die finanziellen Möglichkeiten beziehungsweise die Zahlungskraft der Akteure und Akteurinnen bezogen. Das ökonomische Kapital hat somit eine rein materielle Konnotation und bedarf keiner weiteren Äquivalenz.

Das Soziale Kapital hingegen ist ein schwerer zu erfassender Begriff. Bourdieu beschreibt es als „Gesamtheit der aktuellen und potentiellen Ressourcen, die mit dem Besitz eines dauerhaften Netzes von mehr oder weniger institutionalisierten Beziehungen gegenseitigen Kennens oder Anerkennens verbunden sind“ beziehungsweise als „Ressourcen, die auf der Zugehörigkeit zu einer Gruppe beruhen.“[27] Hier lässt sich eine Gruppe von Akteuren und Akteurinnen vorstellen, die sich nach außen hin abgrenzen, indem sie sich beispielsweise einen bestimmten Namen geben und bestimmte Ziele formulieren, die ein gewisses Alleinstellungsmerkmal markieren. Vereine, Parteien, Schulen und so weiter. Die Sozialkapitalbeziehungen innerhalb dieser Gruppe „können nur in der Praxis, auf der Grundlage von materiellen und/oder symbolischen Tauschbeziehungen existieren.“[28] Das Sozialkapital wird also durch alltägliche Kontakte und stetig wiederholten Austausch von Informationen, Geld, Hilfeleistungen und ähnlichem aufrecht erhalten und generiert. Das Wichtige hierbei ist jedoch, dass diese symbolischen und materiellen Austauschprozesse nicht getrennt zu sehen sind, sondern sie mehr oder minder miteinander einhergehen. Würde es sich rein um einen materiellen Austausch handeln, läge lediglich eine Geschäftsbeziehung vor. Dadurch, dass eine symbolische Komponente hinzukommt und die Gruppenzugehörigkeit und die Gruppenstruktur jeweils reproduziert beziehungsweise manifestiert wird, lässt sich hier von Sozialkapital sprechen. Man denke beispielsweise an Vereine, in denen es eine formale Struktur in Form von Vorstandswahlen sowie regelmäßige Sitzungen gibt, oder an Familienstrukturen, in denen der Austausch von Gütern und gleichzeitig regelmäßige Feierlichkeiten stattfinden. Aus diesem Grund spricht Bourdieu auch davon, dass sich Sozialkapitalbeziehungen „niemals ganz auf Beziehungen objektiver physischer (geographischer) oder auch ökonomischer und sozialer Nähe reduzieren“[29] lassen. Das Wichtige hierbei ist also die Erwartungssicherheit oder - um mit Bourdieu zu sprechen - die 'Kreditwürdigkeit', zu der die symbolischen Akte der Festigung und Wahrung der Beziehungen hinzukommen: 'Institutionalisierungsriten', die jene Kontakte zu Personen und die Zugehörigkeit der Akteure und Akteurinnen zur Gruppe absichern. Die einzelnen Gruppenmitglieder sind stetig dazu angehalten, diese dauerhaften und nützlichen Verbindungen aufrecht zu erhalten: „Jeder Neuzugang zu der Gruppe kann die Definition der Zugangskriterien in Gefahr bringen“ und „die Grenzen des als legitim geltenden Austausches“[30] verändern. Somit besteht permanent die Gefahr der Veränderung und auch die des Verlustes der nützlichen Verbindungen, was im Umkehrschluss den Institutionalisierungsriten zu mehr Bedeutung verhilft. Es lässt sich also sagen, dass das Sozialkapital nach Bourdieu hauptsächlich durch die Gruppenzugehörigkeit und deren stete Aufrechterhaltung gegeben ist. Er versteht unter Sozialkapital jenes Kapital, welches aus den Beziehungen hervorgeht und weniger die Beziehungen an sich. Denn letztere sind nicht zwangsläufig zum Vorteil von Menschen auszulegen: „Beziehungen können belastend, kontrollierend und behindernd sein und stellen an sich kein Kapital dar.“[31]

Das symbolische Kapital ist eine vierte Form des Bourdieuschen Kapitalbegriffs und soll der Vollständigkeit halber angeführt werden. Dieses stellt gewissermaßen eine Sonderform von Kapital dar, denn es beruht auf Ansehen, Prestige, Ehre und so weiter. Es hängt folglich stark mit Dingen zusammen, die Individuen in einem bestimmten Kontext zugeschrieben werden, welche wiederum von diesem Ansehen profitieren: „Jedes Kapital, wenn von den anderen anerkannt, fungiert als symbolische Kapital. Umgekehrt nützt Kapitalbesitz wenig, wenn ihn niemand anerkennt.“[32] Somit ergibt sich den Akteuren und Akteurinnen symbolisches Kapital erst mit dem Besitz oder der Verfügung über andere Kapitalarten, denn ökonomisches, kulturelles und soziales Kapital unterliegen der Bewertung durch die Gesellschaft oder der Gemeinschaft und fungieren somit erst durch die gegenseitige Anerkennung als symbolisches Kapital. Hier zeigt sich wieder das Phänomen, dass eine hohe Reputation wenig nützt, wenn ihr niemand Bedeutung beimisst und selbst Geld einer Person nicht weiterhilft, die sich in einem Feld befindet, in dem selbiges nur begrenzte Bedeutung hat. Denn die bereits genannten 'Felder' bei Bourdieu sind auch als „historisch konstituierte Spielräume mit ihren spezifischen Institutionen und je eigenen Funktionsgesetzen“[33] zu verstehen. Bourdieu beschreibt das symbolische Kapital - besonders auch aufgrund persönlicher Bezüge - im Hinblick auf das moderne Bildungssystem und andere staatliche Einrichtungen, die durch Vergabe von Titeln und Bezeichnungen, welche mit bestimmten Rechten und Pflichten verbunden sind, somit eine Rangordnung herstellen und diese im gleichen Atemzug anerkennen und sanktionieren.[34] Laut ihm kommt es gerade hier zu interessanten, ambivalenten Wirkungsweisen und Prozessen.

Ganz allgemein wird Kapital in der Bourdieuschen Konzeption also eindeutig eine produktive Komponente zugeschrieben. Mit der Verfügung über bestimmte Kapitalien können Akteure und Akteurinnen, Gruppen und so weiter an andere weitere Kapitalarten gelangen und / oder diese transformieren. Somit haben - vereinfacht gesagt - besonders jene Vorteile, die über viel Kapital verfügen. Kapital ist aber auf eine Art und Weise produktiv, die nicht immer dem Handlungswillen beziehungsweise der Kontrolle des Akteurs oder der Akteurin unterliegt. Bestimmte Verhaltensweisen und bestimmtes Auftreten kann ausschließen und Unterschiede markieren. Hierunter lässt sich bewusstes Abgrenzen beispielsweise gegenüber bestimmten Gruppen, Subkulturen oder Lebensstilen verstehen. Dies kann im Umkehrschluss ausgrenzende und distinktive Einstellungen gegenüber bestimmten Gruppen hervorrufen, gegen die eine einzelne Person keine Handhabe hat. Produktivität darf im Bourdieuschen Kontext also nicht mit Verwertbarkeit verwechselt werden.

3.3 Kritik

Die von Bourdieu beschriebenen Felder und das Konzept des Habitus haben ebenso wie seine Konzeption der verschiedenen Kapitalsorten in den Sozialwissenschaften großen Anklang gefunden. Besonders das soziale Kapital ist ein Begriff, mit dem viele Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen im Nachhinein arbeiteten und dies mit unterschiedlicher Ausrichtung und theoretischem Hintergrund bis heute tun. Bourdieus Fokus liegt - wie klar geworden ist - deutlich auf Klassenlagen beziehungsweise gesellschaftsstruktureller Differenzierung und den objektiven Beziehungen dieser Positionen im Feld. Genau diese Tatsache grenzt seine Konzeption von individualistischen Modellen oder auch von rein sozialkonstruktivistischen Standpunkten ab, wie sie zum Beispiel von Berger und Luckmann vorgeschlagen wurden. Letztere konzentrieren sich auf die subjektiven Lebenswelten einzelner Individuen. Im Fokus steht die jeweilige primäre und sekundäre Sozialisation, welche sich auf das Individuum auswirkt und dadurch einen Handlungsspielraum erzeugt, in dem der Akteur oder die Akteurin die prägende und sozialisierende Umwelt selbst mit bestimmen und gestalten kann:

„[...]der Mensch – freilich nicht isoliert, sondern inmitten seiner Kollektivgebilde – und seine gesellschaftliche Welt stehen miteinander in Wechselwirkung. Das Produkt wirkt zurück auf seinen Produzenten.“[35]

Bourdieu sieht den maßgeblichen Mechanismus, der Denkweisen, Wahrnehmungen sowie Beurteilungsschemata formt, zwar im Habitus begründet, jedoch ist innerhalb dieser Grenzen eine gewisse Freiheit der Akteure und Akteurinnen vorhanden, ihr Umfeld aktiv zu verändern. Deswegen nimmt er nicht das Handeln der Individuen in den Blick sondern versucht, jene Situationen abzubilden, in denen der Habitus aktiv wird und sich eine bestimmte Praxis vollzieht. Freilich bleibt dadurch die Analyse der Handlungen vieler einzelner Individuen auf der Strecke. Aber darum geht es ihm auch nicht. Es geht um die (Re-)Produktion von Herrschaftsstrukturen und Machtverhältnissen in der Sozialstruktur einer Gesellschaft durch das Konzept des Habitus. Mit diesem grenzt er sich auch von kollektivistischen oder gar funktionalen Theorietraditionen ab. Ihm wurde und wird ein gewisser Determinismus vorgeworfen:[36] Die im Körper des Individuums durch Verinnerlichung niedergeschriebenen Handlungs- und Denkmuster lassen ihm keine andere Wahl, als habitusabhängig zu handeln. Dies impliziert gleichsam, dass Strukturwandel in einer Gesellschaft nur äußerst schwierig zu realisieren ist beziehungsweise bleibt es den Individuen nur äußerst begrenzt möglich, selbigen hervorzurufen. Hinsichtlich des Habitus mag dies zutreffen. Da Klassenstrukturen aber nicht als starr sondern als andauernde Kämpfe verstanden werden, kann nicht davon gesprochen werden, dass eine Klasse ein konstantes Konstrukt sei:

„Sozialgeschichtlich gesehen ist ein Feld [...] in ständigem Wandel begriffen, wobei sich dieser Wandel sowohl auf die Verteilung des Kapitals, also auf die Struktur des Feldes, als auch auf die feldspezifischen Spielregeln bzw. ihre Legitimität beziehen kann. Gesellschaft ist im Grundsatz ein Konfliktgeschehen, [...]. Die individuellen Konkurrenz- und kollektiven Klassenkämpfen [sic!] können jedoch durch keine 'letzte Instanz' geschlichtet und vor allem durch keine normative Übereinkunft still gelegt werden.“[37]

Es lässt sich also nicht sagen, im Bourdieuschen Ansatz, der den grundlegenden Gegensatz zwischen subjekt- und objektorientierten Theorieansätzen nicht nur zu verbinden sondern zu überwinden sucht, sei eine einseitig objektivistische Gewichtung vorhanden.

4. James S. Coleman

Ein bedeutendes Merkmal der Colemanschen Soziologie liegt darin begründet, dass er einen individualistischen beziehungsweise subjektivistischen Blickwinkel einnimmt. Er legt damit eine nahezu komplett gegenläufige Sichtweise auf Gesellschaft zu jener Bourdieus zu Grunde, auf die im Folgenden genauer eingegangen werden soll.

4.1 Der Methodologische Individualismus

Coleman lässt sich als Vertreter des 'Methodologischen Individualismus' einstufen. Sein Modell des Mikro-Makroschemas beschreibt seine theoretische Konzeption: Er versucht soziale Phänomene zu beschreiben, indem er vom einzelnen, rational und nutzenmaximierenden Individuum und dessen Handlungen ausgeht und daraus Rückschlüsse auf soziale Phänomene oder auf eine Gesellschaft als Ganzes zieht. In dem Modell konstatiert er eine kollektive und eine individuelle Ebene, die sich gegenseitig beeinflussen. Rationale Akteure und Akteurinnen finden sich in Situationen mit gegebenen Handlungsrestriktionen und -möglichkeiten wieder, in denen sie genau jene Entscheidungen treffen, die den eigenen Nutzen maximieren. Die einzelnen Entscheidungen und Handlungen der Individuen, lassen Rückschlüsse auf die kollektive Ebene zu und beeinflussen somit wiederum die Rahmenbedingungen darauf folgender Handlungsentscheidungen. Die Grundannahme in dem Modell der Mikro- und Makroebene ist, dass sie sich zwar gegenseitig beeinflussen, aber konzeptionell strikt voneinander getrennt bleiben müssen. Es wird darin von einer gegebenen Situation für das Individuum ausgegangen, in der bestimmte Restriktionen und Optionen für einen Akteur oder eine Akteurin vorhanden sind, welche stets nutzenmaximierend handeln. In seinem Aufsatz 'Social Capital in the Creation of Human Capital' spricht Coleman von zwei Konzeptionen des sozialen Handelns. Einmal aus der mehr soziologischen Sichtweise, in der „the actor as socialized and actions as governed by social norms, rules and obligations“[38] wahrgenommen wird. Hier ist das Individuum maßgeblich von seiner Umwelt und seinem Kontext bestimmt und reagiert unmittelbar auf seine Umwelt. Die zweite Sichtweise entspringt dem ökonomischen Denken und geht von unabhängigen und rationalen Individuen aus, die nutzenmaximierend handeln: „Its principle virtue lies in having a principle of action, that of maximizing utility.“[39]

An gleicher Stelle findet man auch, dass laut Coleman beide Sichtweisen zwar ihre Berechtigung haben, gleichzeitig jedoch erhebliche Mängel aufweisen, da sie bestimmte gegenläufige Aspekte ausblenden und sich zu stark auf eine der beiden Perspektiven beschränken. Aus diesem Grund versucht er, die soziologische mit der ökonomischen Sichtweise zu verbinden, um das Erkenntnispotential der Ansätze zu kombinieren. Sein Ziel ist also „to import the economists' principle of rational action for use in the analysis of social systems proper, including but not limited to economic systems, and to do so without discarding social organisation in the process.“[40] Dafür zieht er schließlich das Konzept des Sozialkapitals heran.

4.2 Sozialkapital nach Coleman

„Social capital is defined by its function. It is not a single entity but a variety of different entities, with two elements in common: they all consist of some aspect of social structures, and they facilitate certain actions of actors - whether persons or corporate actors - within the structure. Like other forms of capital, social capital is productive, making possible the achievement of certain ends that in its absence would not be possible.“[41]

Coleman sieht soziales Kapital folglich als produktiv an und zwar in dem Sinne, als dass Akteure und Akteurinnen es nutzen können, um ihre Interessen durchzusetzen beziehungsweise ihre Ziele zu erreichen. Es ist hier unter einem funktionalen Aspekt und gleichzeitig als ein nicht absichtlich sondern eher beiläufig entstandenes Potential zu sehen.[42] In seinem Ansatz lässt sich zwischen drei Aspekten sozialen Kapitals differenzieren:

Den ersten sieht Coleman in (a) Verpflichtungen und Erwartungen: Hierbei steht die Reziprozität von Handlungen im Vordergrund. Coleman beschreibt dies auf schematische Art und Weise wie folgt: „If A does something for B and trusts B to reciprocate in the future, this establishes an expectation in A and an obligation on the part of B. This obligation can be conceived as a credit slip held by A for performance by B.“[43] Soziales Kapital zielt an dieser Stelle also auf legitime Erwartungen hinsichtlich reziproker Unterstützungsleistungen unter Individuen ab.

Eine weitere Form von Sozialkapital sieht Coleman in (b) Informationskanälen; genauer gesagt in „the potential for information that inheres in social relations.“ Denn „Information is important in providing a basis for action.“[44] Je mehr Informationen das Umfeld einer Person bereitstellt, über desto mehr soziales Kapital verfügt sie.

Ebenso stellen (c) Normen und Sanktionen, die in einer Gesellschaft vorherrschen und das Individuum unter Androhung von Strafe dazu bringen, diese auch einzuhalten beziehungsweise zu befolgen, in gewisser Weise Sozialkapital dar. „Whether supported by internal or external sanctions, norms of this sort are important in overcoming the public goods problem that exists in collectivities.“[45]

Hieran schließt sich ein Punkt an, der nicht außer Acht gelassen werden sollte, da er durchaus negative Konsequenzen für den Handlungsspielraum von Individuen beinhaltet. Normen können ohne weiteres auch beschränkende Wirkung haben und aus investitions-theoretischer Perspektive auch innovationshemmend sein. Besonders in dichten Netzwerken kann der soziale Druck erhöht und Konformität erzeugt werden, was unter Umständen zu Erstarrung und zu einer Einschränkung der Wirtschaftlichkeit des Netzwerks führen kann.

4.3 Kritik

Coleman hat mit dem individualistischen Mikro-Makroschema ein viel beachtetes methodisches Werkzeug vorgelegt, das von vielen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen - unter anderem von Esser[46] - weiterentwickelt und spezifiziert wurde. Es ist also besonders in empirischen Studien bis heute eines der bedeutendsten Erklärungsmuster für soziales Handeln und das Entstehen sozialer Strukturen, welches sich den Rational Choice Theorien zuordnen lässt. Ein wichtiger Gesichtspunkt, der im Rahmen der rationalen Wahl von Individuen immer wieder auftaucht, ist das Problem der gegebenen Präferenzordnung. Es wird davon ausgegangen, Individuen seien sich stets darüber im Klaren, welches Ziel Priorität hat und mit welchen Mitteln dies zu erreichen sei, was wiederum zweckrationales, egoistisches Handeln hervorruft, um dieses Ziel zu erlangen. Das mag für bestimmte Zielvorhaben zutreffen, kann jedoch keineswegs die ganze Bandbreite sozialen Handelns abdecken. Diese Annahme des 'Eigennutzaxioms' wurde und wird trotz schlüssiger Argumente gegen eine derartige Herangehensweise aufrecht erhalten.[47] Auch die Entstehung überindividueller, gesellschaftlicher Normen und Werte kann anhand einer solchen wissenschaftlichen Vorgehensweise nicht erfasst und dargestellt werden.

„Der Einzelne ist im ökonomischen Ansatz nur durch diese Zielvorgabe [maximaler Nutzen], eine auf die Aggregatebene übertragene protestantische Ethik, mit der Gesellschaft vermittelt. Der Begriff der Gesellschaft wird zur reinen Koordinationsmaxime.“[48]

5. Nan Lin

Nan Lin lässt sich als Anhänger der Humankapitaltheorie sehen. Er legt damit ähnlich wie Coleman eine individualistische Perspektive zu Grunde, die auf der Konzeption der 'Neo-Capital Theory' basiert. Er lässt sich damit als ein, in gewisser Weise radikaler Anhänger der Rational Choice Theorien einordnen, da sein Ansatz als eine konsequent weiter gedachte Fortsetzung der im methodologischen Individualismus angelegten Logik gesehen werden kann. Insofern sollen hier die theoretischen Annahmen Lins vorgestellt, als auch auf die Entwicklung des modernen Kapitalbegriffs eingegangen werden.

5.1 Lins Forschungskonzeption

Auch die Forschungskonzeption von Lin steht in der Tradition des 'Methodologischen Individualismus', geht also von einer, die Sozialstruktur von Gesellschaften bestimmenden Mikro- und Makroebene aus und sieht soziales Kapitel als konzeptionelle Verbindung zwischen den beiden Sphären. Sowohl in der Soziologie als auch in der Ökonomie spielt der Kapitalbegiff eine zentrale Rolle. Somit gründet Lin seinen Forschungsansatz darauf, dass er die klassische Kapitaltheorie (Classic Theory of Capital) im Marxschen Sinne mit der die Produktionsmittel besitzenden und den Mehrwert abschöpfenden Bourgeoisie auf der einen und dem abhängigen Proletariat auf der anderen Seite aufgreift und von dieser die sogenannte 'Neo-Capital Theory' abgrenzt, die sich heute in den Grenzbereichen zwischen Soziologie und Ökonomie durchgesetzt hat.[49] In der ökonomischen Sichtweise wird zwischen Bourgeoisie und Proletariat nicht mehr differenziert. Jeder und jede kann investieren und Kapital akkumulieren:

„Far from being a homogeneous society, there are different opportunities or motivations in the acquisition or nonacquisition of human capital, so that the worth of labor as a commodity varies across individuals. Nevertheless, the social structure is now envisioned as a hierarchy of many grades of capitalists, with extensive cross-grade mobility possible, rather than a rigid two-class system.“[50]

In der Denkweise der 'Neo-Capital Theory' wird der zuvor mittellosen und ausgebeuteten Arbeiterklasse durch Wissen und Fähigkeiten, die sich Personen aneignen können, die Möglichkeit zugeschrieben, Kapital zu akkumulieren. Somit sind sie nicht mehr gezwungen, in ein Ausbeutungsverhältnis mit der Bourgeoisie treten zu müssen, wodurch die Individuen als potentielle 'Kapitalisten' oder 'Kapitalistinnen' verstanden werden, denen sich eine vertikale soziale Mobilität eröffnet.

5.2 Exkurs: Von der 'Classical Theory of Capital' zur 'Neo-Capital Theory'

Um jene Phänomene und Implikationen im Zusammenhang mit der reduktionistischen Ausrichtung der gegenwärtigen empirischen Sozialwissenschaften, auf die ich ab Kapitel 8. eingehen werde, besser verständlich zu machen, möchte ich an dieser Stelle nochmals die grundlegenden Unterschiede zwischen der Marxschen Kapitaltheorie und der 'Neo Capital Theory' darlegen. Darauf aufbauend soll auch in Kapitel 8.1 nochmals die Humankapitaltheorie beleuchtet werden.

In der klassischen Kapitaltheorie nach Marx wird die Arbeiterklasse als zur Produktion und zur Ausbeutung ihrer Arbeitskraft verfügbarer Pool an Menschen gesehen. Sie leistet die Arbeit, erhält einen Lohn und der Mehrwert der geleisteten Arbeit wird von der Bourgeoisie abgeschöpft.[51] Über verschiedene Entwicklungsstadien und Ausdifferenzierungen des Kapitalbegriffes, die einer ausdifferenzierten und komplexeren Gesellschaft Rechnung trugen - wie beispielsweise bei Weber[52] - entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten der Begriff des Humankapitals. Die Humankapitaltheorie eröffnet dem Arbeiter oder der Arbeiterin im Gegensatz zur Vorstellung bei Marx die Möglichkeit, selbst zu einem 'Kapitalisten' oder einer 'Kapitalistin' zu werden, in dem sie den Fokus auf das Kapital selbst völlig ändert. Es wird nicht nur in einer Ware oder der Produktion von Mehrwert gesehen, sondern als etwas, was dem Individuum zugerechnet wird. Kapital sind nun Fähigkeiten, Mobilität und Wissen, was sich Individuen durch Bildung, Arbeitserfahrung und Training aneignen und auf dem Arbeitsmarkt anbieten beziehungsweise einsetzen können, um weiteres Kapital zu akkumulieren.[53] Aus dieser Verschiebung der Perspektive von der Makroebene auf das Individuum folgt zweitens, dass auch der Arbeiter oder die Arbeiterin nun als investierendes Individuum wahrgenommen wird. So ist es also nicht mehr nur den Besitzern und Besitzerinnen von Produktionsmitteln vorbehalten, Kapital produktiv einzusetzen, sondern auch jedem einzelnen Individuum: „[...] capital, as it is being produced and exchanged, is meaningful and possible for both the capitalist and the laborer engaged in the production process.“[54]

Hinzu kommt die Motivation des Individuums, sich Wissen und Fähigkeiten anzueignen, sofern sich dadurch ein höherer Gewinn erzielen lässt. Es stellt eine Kosten-Nutzen-Rechnung auf, anhand der eine Entscheidung zur Investition in Humankapital getroffen wird:

„This calculus drives their investment in acquiring skills and knowledge. It reflects a rational choice, and the action taken is a purposive act consistent with the laborer’s self-interest.“[55]

Die Wahl einer bestimmten Alternative und die daraus resultierende Entscheidung beziehungsweise Handlung eines Individuums haben hier stark an Bedeutung gewonnen. Das einzelne Individuum wird zum handelnden Subjekt und insofern zu seines 'eigenen Glückes Schmied', als dass ein Ausbeutungsverhältnis, wie es bei Marx beschrieben wird, aus dem Blick gerät und nicht mehr klar zu fassen ist. Im Fokus stehen stattdessen die individuellen Investitionsstrategien. Unter diesen Prämissen sind in der Humankapitaltheorie die Grenzen zwischen 'Kapitalisten' und 'Arbeiterklasse' aufgehoben. Es lässt sich weder zwischen zwei konsistenten Klassen unterscheiden, die sich antagonistisch gegenüberstehen, noch ist der Arbeiter oder die Arbeiterin eine austauschbare Ware im Produktionsprozess.

Lin ist bemüht, seine Forschungskonzeption von Theorien des kulturellen Kapitals wie jener Bourdieus abzugrenzen. Kulturelle Symbole und Bedeutungen, die in der Gesellschaft weitergegeben und reproduziert werden, eine herrschende Klasse oder Schicht, die stets bemüht ist, ihr symbolisches Kapital und ihre Deutungshoheit darüber zu bewahren, stehen einem Ansatz, der das Individuum als rationales, nutzenmaximierendes Individuum sieht gegenüber und widersprechen dem persönlichen Nutzenkalkül. Die Konzeption von 'dominierenden' und 'dominierten Klassen', die sich einseitig mit symbolischer Gewalt beeinflussen, findet in dieser Perspektive keinen Platz. Ein solcher Klassen- oder Schichtbegriff widerspricht dem von jeder Art Klassenvorstellung befreiten Individuum, welches selbst völlig frei und nur dem eigenen Willen verpflichtet seine Handlungsoptionen abwägt und Entscheidungen trifft. In der Bourdieuschen Konzeption wird ein derartiges Kapitalverständnis zwar abgelehnt, allerdings lässt sich genauso wenig sagen, er würde mit seinem Klassenbegriff direkt an Marx anschließen:

„Eine soziale Klasse ist definiert weder durch ein Merkmal […], noch durch eine Summe von Merkmalen (Geschlecht, Alter, soziale und ethnische Herkunft – z.B. Anteil […] von Einheimischen und Immigranten, etc. - Einkommen, Ausbildungsniveau etc.), noch auch durch eine Kette von Merkmalen, welche von einem Hauptmerkmal (der Stellung innerhalb der Produktionsverhältnisse) kausal abgeleitet sind. Eine soziale Klasse ist vielmehr definiert durch die Struktur der Beziehungen zwischen allen relevanten Merkmalen, die jeder derselben wie den Wirkungen, welche sie auf die Praxisformen ausübt, ihren spezifischen Wert verleiht.“[56]

Allerdings argumentiert Bourdieu in der Sprache des methodischen Individualismus gesprochen eher mit einer 'Makroperspektive', wenn er die Bedeutung sozialer Strukturen und deren Einfluss durch symbolische Gewalt und Reproduktion betrachtet, weswegen sich kaum Parallelitäten zwischen Lin und Bourdieu herausstellen lassen. Denn Lin schreibt: „Capital is resources when these resources are invested and mobilized in pursuit of a profit – as a goal in action“[57] und steht somit der Humankapitaltheorie sehr nahe. Er geht also von einem rationalen, nutzenmaximierenden Individuum aus, welches aktiv und absichtsvoll in Kapitalgewinn investiert. In einem zweiten Schritt wird dieses produzierte Gut auf Märkten angeboten, mit dem Ziel, einen Profit zu generieren beziehungsweise den Mehrwert aus den investierten Ressourcen zu erlangen. Dies entspricht einer konsequenten Verfolgung rationaler Nutzenmaximierung, welche ebenso auf soziale Kontakte bezogen wird. Beziehungen haben einen instrumentellen Charakter und soziales Kapital wird bewusst akkumuliert. Auf Lins Verständnis von Sozialkapital wird nun noch genauer eingegangen.

5.3 Sozialkapital nach Lin

Während Coleman Sozialkapital als 'aus Versehen' oder beiläufig entstandenes Produkt der alltäglichen Interaktion sieht, versteht es Lin als eine Ressource, in die gezielt investiert beziehungsweise die mobilisiert werden kann. Er stellt sich die Frage, wie und warum Sozialkapital Nutzen bringend sein kann und kommt dadurch zu vier Punkten, anhand derer er Sozialkapital charakterisiert:[58]

Personen erhalten aus dem Netzwerk und von den Menschen, mit denen sie in Kontakt stehen Informationen (1). In unsicheren und unüberschaubaren Märkten enthalten Netzwerke Informationen, auf deren Grundlage sich Transaktionskosten reduzieren lassen, Entscheidungen gefällt, und Handlungen ausgerichtet werden können. Die verschiedenen Personen in unterschiedlichen Positionen im Netzwerk haben unterschiedlich großen Einfluss (2) auf Entscheidungen und Begebenheiten im Netzwerk, die das Individuum betreffen. Somit variieren auch die potentiellen Ressourcen, die aus den Verbindungen zu diesen Personen bestehen. Als weiteren Punkt nennt Lin die sogenannten 'Social credentials' (3). Für Organisationen sind nicht nur die persönlichen Fähigkeiten der Person interessant, sondern auch die Beziehungen, die sie zu anderen Menschen unterhält. Sie spiegeln wider, zu wem und zu welchen Ressourcen eine Person Zugang hat, die somit auch der Organisation zu Gute kommen können. Nicht zuletzt wird sozialem Kapital auch ein identitätsstiftender Moment zugeschrieben. Soziale Kontakte sind nicht nur wichtig für die psychische Gesundheit, sondern auch für die Ausbildung und das 'reinforcement' (4) von Anerkennung der eigenen Person und deren Denkweisen und Handlungen.

Laut Lin lassen sich auch zwei verschiedene Typen des Konstrukts 'Sozialkapital' unterscheiden, zu denen ein Individuum Zugang erhalten und welche es nutzen kann:[59] Persönliche Ressourcen und kollektive Ressourcen. Erstere schließen Dinge ein, die durch das Individuum bereitgestellt werden, beziehungsweise in deren Besitz es sich befindet. Hier kann es sich um materiellen Besitz oder auch um symbolische Güter wie Bildungsabschlüsse handeln, also das klassische Verständnis von Humankapital. Kollektive Ressourcen sind hingegen Ressourcen, an die das Individuum durch seine sozialen Beziehungen gelangen kann. Bedingt durch Umfang, Anzahl und Verschiedenartigkeit der Kontakte und Beziehungen unterscheiden sich die Individuen hinsichtlich der Möglichkeit, Ressourcen zu beziehen.

Auch an dieser Stelle bemüht sich Lin, den Fokus ausschließlich auf dem Individuum und dessen persönlicher Beziehungen und Kontakte zu belassen und grenzt sein Vorgehen gegen Ansätze ab, die Sozialkapital hauptsächlich als Gruppenphänomen verstanden wissen wollen (Coleman) oder sich damit auseinandersetzen, welche Vorteile dem Individuum aufgrund seiner Gruppenzugehörigkeit zukommen (Bourdieu). In diesem Kontext lässt sich Sozialkapital bei Lin als Humankapital verstehen, da ihm schlicht ein instrumenteller Nutzenbegriff zugrunde liegt.

5.4 Kritik

Lin räumt ein, dass diese Sichtweise nicht den grundlegenden Mechanismus von Investition und den daraus erhofften Mehrwert oder Profit verändert.[60] Darum geht es ihm jedoch nicht. Seine Perspektive schließt vielmehr die persönlichen Fähigkeiten und das Wissen von Individuen in eine ökonomische Analyse mit ein. Sein Ansatz geht davon aus, dass im Gegensatz zur Marxschen Konzeption alle Menschen 'Kapitalisten' oder 'Kapitalistinnen' sind, die mit dem ihnen zur Verfügung stehenden Kapital arbeiten können.

„So wird die bürgerliche Gesellschaft zu einer Gesellschaft, die nur noch Kapitalisten kennt: Geldkapitalisten, Unternehmerkapitalisten, Grundeinkommenskapitalisten, landwirtschaftliche und industrielle Kapitalisten, Humankapitalisten...“[61]

Insofern findet sich in der 'Neo-Capital Theory' eine deutliche Erweiterung des Kapitalbegriffs auf Bereiche, die zuvor nicht als solche gedacht wurden und die bisher nicht als Kapital konzeptionalisiert worden sind. Was mit diesem Verständnis von Gesellschaft einhergeht, ist der Wunsch nach einer wesentlich tiefer gehenden Analyse gesellschaftlicher Strukturen und ein deutlich exakteres und weiter gefasstes ökonomisches Erfassen gesellschaftlicher Prozesse. Dies impliziert eine Gleichheit der einzelnen Marktteilnehmer und -teilnehmerinnen, die in dieser Weise nicht vorhanden ist. Dadurch, dass jedes Individuum die Möglichkeit hat, seine Ressourcen produktiv einzusetzen, bedeutet dies keineswegs Gleichheit der Ressourcen, sondern eher, dass nun alle auf gleiche Weise als ein wirtschaftliches Subjekt gesehen werden und einer wirtschaftlichen Selbstvermarktung unterworfen sind, in die nahezu alle persönlichen Merkmale einfließen. Insofern verkennt Lin, dass bei Gleichheit im Sinne von gleichen Ausgangsbedingungen in diesem Fall nicht die Rede sein kann. Jedoch wird dies unterstellt, indem davon ausgegangen wird, Individuen würden unter selben Rahmenbedingungen auf eine bestimmte Art und Weise reagieren und handeln.

6. Zusammenfassende Betrachtung der Ansätze

Bei der Betrachtung der drei theoretischen Perspektiven und der jeweiligen Konzeption von Sozialkapital zeigen sich deutliche Unterschiede. Bourdieu mit einem sozialanthropologischen Verständnis von Gesellschaft, beziehungsweise einem umfassenden Blick für soziale Praktiken und deren Implikationen einerseits, Coleman mit einer individualistischen Perspektive auf soziale Phänomene, aus denen gesellschaftliche Strukturen abgeleitet werden können andererseits. Schließlich Lin, der auf der Grundlage des Colemanschen Mikro-Makroschemas aufbaut und die moderne Kapitaltheorie nutzt, um den Kapitalbegriff in radikaler Weise zu erweitern.

Der Ansatz der Bourdieuschen Soziologie lässt es zu, gesellschaftliche Strukturen und Konstanten von Herrschaftsmechanismen und Ungleichheiten zwischen Menschen in einem Feld zu analysieren. Es sind nicht die intersubjektiven Beziehungen zwischen einzelnen Menschen, sondern die objektiven Relationen, die das menschliche Leben ausmachen und prägen.[62] Bourdieu beschreibt gesellschaftliche Phänomene auf der Basis von einzelnen Gruppen, deren Beziehungen zueinander und die jeweiligen Machtpositionen beziehungsweise Verschiebungen in einem Feld. Hierdurch lässt sich deutlich erkennen, welche Gruppen oder Klassen in einer Gesellschaft Macht ausüben können und warum.

„Colemans Begriff des sozialen Kapitals ist zunächst weniger vereinheitlicht als der Bourdieus [...]. Im Unterschied zu Bourdieu geht Coleman aber über einen metaphorischen Netzwerkbegriff hinaus und sein Begriff des sozialen Kapitals ist konzeptionell wesentlich differenzierter.“[63]

Coleman sieht in der Produktion von Humankapital eine bedeutende Funktion des sozialen Kapitals.[64] Dies weist deutlich auf sein Interesse hin, ökonomische mit soziologischen Ansätzen zu verbinden. In diesem Zusammenhang kommen im Verständnis Colemans neue Aspekte zum Sozialkapitalbegriff hinzu. So „[...] vor allem die instrumentelle Verwendung sozialer Normen und Strukturen sowie der Kollektivgutcharakter sozialen Kapitals.“[65] Während sich Sozialkapital in seiner Konzeption allerdings tendenziell als Nebenprodukt sozialer Handlungen ergibt respektive durch Interaktion mehr oder minder zufällig erzeugt wird und theoretisch eine allen Individuen zugängliche Ressource ist, versteht Bourdieu Sozialkapital als etwas, was aktiv akkumuliert werden muss, um es im Positionskampf in einem Feld einsetzen zu können. Dies ist laut Bourdieu der Fall, weil es unterschiedliche Klassen und Positionen gibt: „Leugnet man die Existenz der Klassen, […] leugnet man letzten Endes die Existenz von Unterschieden und Unterscheidungsprinzipien überhaupt.“[66] Ebenso wie bei der Sprache, auf die ich deswegen in Kapitel 8.4 noch ausführlich eingehen werde, existiert auch bei sozialem Kapital ein qualitativer Unterschied - je nachdem, wer es einsetzt. Genau aus diesem Grund ist Sozialkapital eben nicht allen Menschen in gleicher Art und Weise zugänglich und keine Ressource, die beiläufig durch soziales Handeln entsteht, denn

„[...] die Praktiken [richten sich] nicht nach dem nur rechenmäßig existenten, abstrakten und unwirklichen Begriff der durchschnittlichen Profitchancen, sondern nach den spezifischen Chancen, über die ein einzelnes Wirtschaftssubjekt oder eine Klasse von Wirtschaftssubjekten aufgrund ihres Kapitals verfügen, das in dem hier behandelten Verhältnis als Instrument der Aneignung von Chancen betrachtet wird, die lediglich theoretisch allen offenstehen.“[67]

Eine in dieser Frage nochmals anders gelagerte Position hat Lin: Er geht im Rahmen der Humankapitaltheorie in einem ökonomischen Sinne von der Verwertbarkeit aller Ressourcen und Fähigkeiten der Individuen aus und unterwirft sie einem Verwertungszwang. Versuchte Coleman noch ökonomische und soziologische Ansätze zu kombinieren, geht Lin in einer gewissermaßen gesteigerten Radikalität seines Ansatzes davon aus, alle Bestandteile sozialer Interaktion seien als Humankapital verwertbar und somit in ökonomischen Äquivalenten messbar.

Es zeigt sich, dass Sozialkapital in verschiedenen theoretischen Konzeptionen aufgegriffen und unterschiedlich damit gearbeitet wird, wenngleich gesagt werden kann, dass „sich kein einheitliches Konzept von sozialem Kapital herauskristallisieren“[68] lässt.

Anschließend an diese Betrachtungen soll im folgenden Kapital untersucht werden, wie mit dem theoretischen Konstrukt 'Sozialkapital' bisher in der soziologischen Teildisziplin der Demographie umgegangen wurde und bis heute wird. So soll durch die Analyse der Konzeptionalisierung und der Operationalisierung von Sozialkapital in der Forschung ein Bild der dort vorherrschenden theoretischen Annahmen über Gesellschaft entstehen. An dieser Stelle rücken also die Vorgehensweise von Forschern und Forscherinnen in diesem Gebiet in den Vordergrund. Anhand von Studien wird beleuchtet, inwieweit das jeweilige Vorgehen sinnvoll oder methodisch fragwürdig ist. Auch soll die Rolle von Netzwerken in Zusammenhang mit Sozialkapital in den Blick genommen werden. Auf dieser Grundlage soll anschließend versucht werden, Schlussfolgerungen über die Methoden der empirischen Sozialforschung im Allgemeinen ziehen zu können. So soll beleuchtet werden, auf welcher Grundlage und mit welchen Prämissen und Rahmenbedingungen die modernen empirischen Sozialwissenschaften arbeiten und welche Konsequenzen daraus erwachsen.

7. Die Disziplin der Demographie

Der folgende Abschnitt wird sich einleitend zu diesem Teil der Arbeit mit Texten beschäftigen, die die Bevölkerungswissenschaft als Disziplin zum Thema haben, um schließlich - nach der Betrachtung ihrer Methoden - zusammenfassend eine eventuell vorhandene gemeinsame Essenz der Texte und Methoden herauszustellen. Entsprechend werde ich also zunächst die Demographie als soziologische Disziplin beziehungsweise als wissenschaftliches Feld beleuchten, um in Kapitel 8.3 darzulegen, welcher Stellenwert der Demographie und den empirischen Sozialwissenschaften im Kontext moderner Staatlichkeit zukommt. Zuvor soll jedoch anhand des Verständnisses und der Konzeptualisierung von Sozialkapital in der bevölkerungswissenschaftlichen Forschung genauer auf die Methodiken der Disziplin eingegangen werden. Dies werde ich am Beispiel von Sozialkapital beziehungsweise an der Erforschung sozialen Einflusses auf Fertilität tun, da es sich dabei um ein verbreitetes Forschungsthema in der Demographie handelt. Das impliziert an dieser Stelle auch, auf die sich daraus ergebenden Probleme und Einschränkungen einzugehen, mit denen die Forschungsrichtung derzeit umgehen muss.

7.1 Zum Selbstverständnis der Demographie

„It seems to me that three aspects of the discipline need to be strengthened: 1) its identity or specificity ; 2) its social and political utility; and 3) its public visibility. If this does not happen, demography is likely to remain what it is now: a fascinating small discipline that is rather isolated and marginalized, relatively disconnected from the realities of the world, and offering a safe haven to its practitioners.“[69]

Dieses Zitat stammt aus einem Text von Dominique Tabutin (2007), der sich mit der Entwicklung der Demographie in den letzten fünfzig Jahren sowie der Situation nach der letzten Jahrtausendwende beschäftigt und der versucht, eine Bestandsaufnahme zu liefern. Es kommt die Sorge zum Ausdruck, die vergleichsweise junge Disziplin könne als solche nur bestehen, wenn sie bestimmte Maßnahmen vollziehe und sich an äußere Gegebenheiten anpasse. Anderenfalls, so fürchtet der Autor, könnte der Forschungsrichtung aufgrund ihrer starken empirischen Ausrichtung ein Abrutschen in unbedeutende Bereiche des wissenschaftlichen Feldes drohen. Diesbezüglich schreibt auch McNicoll: „In social demography, research has stayed close to the ground, data driven and content with statistical rather than analytic models.“[70] So wird der Demographie ein mangelndes Verständnis gesamtgesellschaftlicher Zusammenhänge und eine deutliche Fokussierung auf quantitative, statistische Methoden unterstellt. Angesichts anderer Untersuchungen und den ab Kapitel 8. dargestellten Entwicklungen scheint die Sorge, die Demographie als Disziplin könnte an Bedeutung verlieren jedoch unbegründet. Im Jahr 2009 haben van Dalen und Henkens in Zusammenarbeit mit der 'IUSSP' (International Union for the Scientific Study of Population) eine weltweite Umfrage unter Bevölkerungswissenschaftlern und -wissenschaftlerinnen durchgeführt,[71] in der es darum ging, dem Selbstverständnis der Demographie auf die Spur zu kommen. Es galt, einerseits herauszufinden, ob in diesem wissenschaftlichen Feld ein Konsens besteht und wenn ja, wie hoch dieser betreffend des gemeinsamen Forschungsinteresses und der wichtigsten Problemstellungen der Bevölkerungswissenschaft ist. Andererseits galt es in Erfahrung zu bringen, ob sich in den Untersuchungen der Forscher und Forscherinnen der Demographie ein gemeinsamer Forschungsansatz zu Grunde legen lässt und ob sie eine bestimmte allgemeine Methodik ihr Eigen nennen. Daraus ergaben sich beispielhaft folgende Dimensionen, die es zu erfragen galt: „[...] the level of scientific interaction, the level of multidisciplinarity; and the question of whether or not there are unifying scientific leaders in the field of demography.“[72] Es wurden dazu Mitglieder der 'IUSSP' herangezogen, was es ermöglichte, die Stichprobe so zu gestalten, dass sie Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus allen Teilen der Welt beinhaltete, die sowohl aus akademischen als auch aus praxisorientierten Organisationen kamen und die zugleich auch in anderen wissenschaftlichen Zusammenhängen oder Organisationen aktiv waren.

Eine wichtige Schlussfolgerung dieser Untersuchung ist, dass die Demographie Anknüpfungspunkte an viele verschiedene Disziplinen wie jene der Soziologie, Ökonomie, Geographie und der Gesundheitsforschung hat und somit kein nach innen geschlossenes Forschungsfeld mit ureigener theoretischer Grundlage und eigenen Methodiken ist. Aus diesem Grund attestieren verschiedene Forscher und Forscherinnen der Demographie, es würde ihr an einem identitätsstiftenden Moment fehlen.[73] Daneben besteht jedoch auch eine hohe Übereinstimmung der befragten Personen darüber, womit sich die Demographie beschäftigt. Es werden durchwegs Themen wie Alterung der Gesellschaft, Fertilität, Migration und so weiter genannt.[74] Insofern herrscht Einigkeit darüber, welche Themen und Forschungsfragen als 'bevölkerungswissenschaftlich' gelten können.

Ein weitaus interessanterer Punkt kommt ins Spiel, wenn es um die Frage geht, welche Rolle der Politik beziehungsweise der Regierung der jeweiligen Staaten bezüglich der Regulierung oder des Managements von Bevölkerungswachstum zukommen sollte. Hier lässt sich bei Weitem kein Konsens unter den Befragten aufzeigen. Auch die Frage, ob die Weltbevölkerung als Ganze und die Bevölkerungsgröße des eigenen Landes anwachsen oder eher sinken sollte, liefert in Zusammenhang mit den daraus resultierenden ökonomischen Konsequenzen durchgängig eine hohe Varianz in den Antworten.[75] Dies ist angesichts der vielen unterschiedlichen Länder und der unterschiedlichen Kontexte, aus denen die Befragten in der Untersuchung kommen im Grunde nicht besonders verwunderlich. Nichtsdestotrotz ist dies ein interessanter Punkt, bezüglich des noch zu thematisierenden Zusammenhangs zwischen politischen Interessen und dem Forschungsgebiet der Demographie. Ebenso geht aus der Untersuchung von van Dalen und Henkens hervor, dass sich die Demographie unter anderem durch enormen Aufwand zur Datenerhebung und -verarbeitung charakterisieren lässt.

[...]


[1] Mills 1963: 172

[2] Lin 2001: 3

[3] Vgl. Haug 1997: 27

[4] Siehe Halpern 2005

[5] Siehe Putnam 2000; Fukuyama 1995

[6] Siehe Paldam & Svendsen 2000

[7] Siehe Helmbrecht 2005

[8] Vgl. Gebauer & Wulf 1993: 7

[9] Bourdieu 2005a: 13

[10] Vgl. Kuchler 2006

[11] Vgl. Fischer 2006: 2851

[12] Dammertz 2001: 146ff.

[13] Kuchler 2006: 7

[14] Bourdieu 1998a: 20

[15] Siehe Rehbein 2006: 105

[16] Auf den Begriff 'Kapital' wird in Kapitel 3.2 und 5.2 noch gesondert eingegangen.

[17] Bourdieu 1993: 108

[18] Bourdieu 1987: 104 (Hervorhebungen im Original)

[19] Ebd.: 105 (Hervorhebungen im Original)

[20] Bourdieu 1983: 184 (Hervorhebungen im Original)

[21] Bourdieu & Waquant 1996: 36f.

[22] Bourdieu 1988: 151

[23] Vgl. Bourdieu 1983: 183

[24] Ebd.: 184

[25] Ebd.: 185

[26] Ebd.: 185

[27] Bourdieu 1983: 190f. (Hervorhebungen im Original)

[28] Ebd.: 191

[29] Ebd.: 191

[30] Ebd.: 192f.

[31] Fröhlich 2007: 59

[32] Ebd.: 59

[33] Bourdieu 1992: 111

[34] Vgl. Schultheis 2008: 41ff.; Bourdieu 1985a: 25

[35] Berger & Luckmann 2007: 65

[36] Vgl. Barlösius 2006: 181f.

[37] Jäger & Meyer 2003: 82

[38] Coleman 1988: 95

[39] Ebd.: 95

[40] Ebd.: 97

[41] Ebd.: 98

[42] Ebd.: 312f.

[43] Ebd.: 102

[44] Ebd.: 104

[45] Ebd.: 105

[46] Esser 2003

[47] Siehe König 2003: 14f.

[48] Ebd.: 29

[49] Siehe Lin 2001: 4ff.

[50] Ebd.: 10

[51] Vgl. Nollmann 2008: 183

[52] Vgl. Weber 1980: 531ff.

[53] Vgl. Storberg 2002

[54] Lin 2001: 12

[55] Ebd.: 12

[56] Bourdieu 1882: 141

[57] Lin 2001: 3

[58] Ebd.: 19f.

[59] Siehe ebd.: 21f.

[60] Siehe ebd.: 11

[61] Krais 1983: 208

[62] Siehe Bourdieu & Waquant 1996: 127

[63] Diaz-Bone 1997: 130

[64] Vgl. Diaz-Bone 1997: 135

[65] Ebd.: 138

[66] Bourdieu 1998b: 25

[67] Bourdieu 1987: 118f.

[68] Haug 1997: 30

[69] Tabutin & Depledge 2007: 27

[70] McNicoll 2007: 403

[71] Siehe van Dalen & Henkens 2012: 366

[72] Ebd.: 365

[73] Siehe Tabutin & Depledge 2007: 27

[74] Siehe van Dalen & Henkens 2012: 396

[75] Siehe ebd.: 373

Details

Seiten
118
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656888154
ISBN (Buch)
9783656888161
Dateigröße
945 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v288621
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg – Sozial- und Wirtschaftswissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
Sozialkapital Bourdieu Nan Lin Coleman Foucault Demographie Diffusionstheorie Netzwerke Reflexive Soziologie Administrativer Liberalismus Erklären und Verstehen Normalisierung

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Titel: Zur reduktionistischen Ausrichtung der gegenwärtigen empirischen Sozialwissenschaften